Erdbeben auf Sizilien und Zerstörung von Kalabrien, Februar 1783
Geschicht⸗Lied, enthaltend einige merkwuͤrdige Umstaͤnde, die sich im Hornung 1783. zugetragen, da durch ein Erschreckliches Erdbeben die Stadt Meßina in Sicilien vast gaͤnzlich untergegangen, und die Provinz Calabrien im Koͤnigreich Neapolis dergestalt zerstoͤrt worden, daß viele ... Show more Geschicht⸗Lied, enthaltend einige merkwuͤrdige Umstaͤnde, die sich im Hornung 1783. zugetragen, da durch ein Erschreckliches Erdbeben die Stadt Meßina in Sicilien vast gaͤnzlich untergegangen, und die Provinz Calabrien im Koͤnigreich Neapolis dergestalt zerstoͤrt worden, daß viele Staͤdte und Doͤrfer in die Erde gesunken, und mehr als hundert tausend Menschen verungluͤckt sind. Goͤttlicher Ausspruch: Meynet ihr, daß diese Ungluͤcklichen vor allen andern Menschen Suͤnder gewesen sind, dieweil sie das erlitten haben? Jch sage nein; sondern, so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also um⸗ kommen. Evang. Lucaͤ Cap. 13. v. 2, 3. Ganz neu gedruckt. 1. Dencket doch ihr Menschen⸗Kinder, Was sich zugetragen hat; Ja hoͤrt doch ihr frechen Suͤnder, Von der Welt beruͤhmten Stadt, Meßina wird sie genannt, Liegt in dem Sicilier⸗Land, Und wie man von dar vernommen, Jst schier alles umgekommen. 2. Auf ein foͤrchterlichs Getoͤse, Das der Wind verursacht hat, Folgten Schrecken⸗volle Stoͤsse Auf dem Land und in der Stadt, Ja schier alles gieng zu Grund, Dieweil niemand retten kunt; Dann die wilden Feuers⸗Flammen Schlugen uͤberall zusammen. 3. Viele suchten zu entrinnen, Liefen denen Schiffen zu, Doch sie wurden gar bald innen, Daß auch da sey keine Ruh, Weil sehr wuͤtend war das Meer, Und sich thuͤrmte also sehr; Wen das Feuer nicht bezwungen, Hat das wilde Meer verschlungen. 4. Haͤttet ihr nur zugesehen, Diesen jammervollen Brand, Ein Meßina untergehen, So die reichste war im Land; All ihr Reichthum ist nun hin, Und der Tod war ihr Gewinn. Heißt das nicht erbaͤrmlich sterben, Um den Himmel zu ererben? 5. Ach wie viele Ehegatten Sassen da in guter Ruh, Samt den Kindern, die sie hatten, Knecht und Maͤgde auch darzu, Als des Todes Wuͤrger kam, Und sie all zugleich wegnahm, Dann kein Mund hat nie besungen, Wie sie mit dem Tode rungen. 6. Will der Wuͤrger nicht aufhoͤren, Der uns nichts als Ungluͤck droht; Will er gaͤnzlich uns zerstoͤren Durch die Pest und Feuers⸗Noth. Bist du Tod denn noch nicht satt, Also schry die ganze Stadt, Weil sie erst vor vierzig Jahren, Leider! die Pest auch erfahren. 7. Bey die 60tausend Seelen Wurden damahls hingeraft; Wer will alles doch erzaͤhlen, Was der Tod nimmt in Verhaft. Monte Leone seufzet auch Ueber Schwefel Dampf und Rauch, So die Berge von sich geben, Daß niemand kan sicher leben. 8. Der Vesuv und Etna speyen Nichts als Feur aus ihrem Schlund, Wie man uns thut prophezeyen, Daß sie richten alls zu Grund, Wie geschehn in diesem Jahr, Daß das Land stuhnd in Gefahr Durch die wilden Feuers⸗Flammen, Verzehrt zu werden als zusammen. 9. Reggio hat auch erfahren, Und Galastro auch zugleich, Die sehr reiche Staͤdte waren, Diesen jammervollen Streich. Ach es war ein grosser Graus, Weil nicht stehen blieb ein Haus. An mehr Orten gleicher massen, Mußt der Mensch sein Leben lassen. 10. Wann ich alle Staͤdt wolt zaͤhlen Jn dem Land Calabria, Wo man sich zu Tod thut quaͤlen, Und was liegt begraben da, Waͤr mein Zunge viel zu schwach, Deren Menschen Weh und Ach, Nach der Laͤnge auszusprechen, Darum muß ich mir abbrechen. 11. Haͤtte ich schon Engels Zungen, Und des weisen Salmons Geist, Waͤr es mir doch nicht gelungen, Zu beschreiben nur das meist, Grosse Herren kamen zwar, Wie die Armen in Gefahr; Denn da half kein Bitten, Flehen, Alles mußt zu Grunde gehen. 12. Selbst auf denen Landesstrassen Litte man viel Angst und Noth, Weil das Feur auch dort that rasen, Und droht jedermann den Tod. Ja die Furcht war allgemein, Daß sie groͤsser nicht kont seyn; Alles suchte zu entrinnen, Sichre Oerter zu gewinnen. 13. Selbst der Winde graͤßlichs sausen, Und der Echo Donnerknall, Durch ihr foͤrchterliches brausen, Sucht sie zu verderben all; Jeder sucht ein Lagerstatt, Da er sichre Wohnung hat; Jeder lief als wie verworren, Und wuͤnscht, daß er nie gebohren. 14. Summa, Wasser, Feur u. Erden Schlossen eine Allianz, Daß sie unsre Moͤrder werden; Ach verwuͤnschter Todtentanz, Habt ihr denn noch keine Ruh, Biß gedruckt die Augen zu, Aller deren die noch Leben, Und was in der Luft thut schweben. 15. Taͤglich hoͤrt man noch von Schre⸗ cken, Wie ihr jetzt bald hoͤren werdt; Neuer Schmerz soll euch aufwecken, Weil man es von mir begehrt, Fuͤrst von Scilla war ein Mann, Der mit Weißheit angethan, Doch da er ein Stoß that spuͤren, That er seinen Muth verlieren. 16. Vorhin sprach er: auf dem Schlosse Bin ich sicher, frank und frey, Allein bey dem ersten Stosse Kam ihn gar bald an die Reu, Ja es wurd ihm angst und bang, Drum verweilte er nicht lang, Ja er nahm die besten Sachen, Wolt dieselben sicher machen. 17. Allein hoͤrt, wie es ergangen, Als er kame an das Meer, Da wurd er mit Angst umfangen, Und das nicht von ungefehr, Hinter ihme folgt der Tod, Vor ihm war die Wassers⸗Noth; Neunzig Jahr war er am Leben, Hier mußt er den Geist aufgeben. 18. Da ich wollt mein Lied beschliessen, Fiel mir annoch dieses ein, Ohne Thraͤnen zu vergiessen, Kont es zwar ohnmoͤglich seyn: Die Nachricht vom 4ten Merz, Brachte mir ein neuen Schmerz, Weil Meßina durch das Knallen, Auf das neue ganz zerfallen. 19. Neue Stoͤsse, neuer Schrecken Ueberfiel die gute Stadt; Menschen laßt euch doch erwecken, Wer noch ein Gefuͤhle hat, Vielleicht kommt gar bald der Tod, Der euch bringt in grosse Noth, Und ein schrecken⸗volles Leben Doͤrft euch bald den Abschied geben. 20. Hoͤret Wunder uͤber Wunder, Ach ihr Muͤttern allzumahl, Kuͤnftighin und auch jetzunder, So viel euer an der Zahl; Was die Frau von Spadara Hat gethan in Meßina, Die bey des Erdbebens knallen, Mußte hin in Ohnmacht fallen. 21. Als sie wieder zu sich kommen, Trafe sie ein neuer Schmerz, Weil ihr Soͤhnlein nicht entronnen; Dieß betruͤbt ihr Mutter⸗Herz. Sie saͤumt keinen Augenblick, Eilt nach ihrem Haus zuruͤck, Um dieß Liebes⸗Pfand zu retten, Wollte sie sich nicht verspaͤthen. 22. Ach du allerliebstes Kinde, War damahls ihr Muttersprach, Das noch schliefe ganz gelinde, Bis die Treppen mit ihr brach; Sie lief mit ihm hin und her, Ob noch eine Rettung waͤr, Aber ach die Feuers⸗Flammen Schlugen uͤber sie zusammen. 23. Eines muß ich hier noch melden, Das fuͤrwahr recht wunderbar, Wie der Hoͤchst kan Hilfe senden, Denen so in Tods⸗Gefahr; Einer stuͤrtzte in ein Grab Bis an Hals hinunter ab, Und durch andre Stoͤß der Erden Kont er wieder ledig werden. 24. Ach nehmts doch einmal zu Herzen, Alle die noch sicher sind, Dann mit Gott laͤßt sich nicht scherzen, Merks einmal, du Adams Kind! Auf, ermuntre deinen Geist, Dieweil es noch heute heißt. Taͤglich fuͤhr in deinem Munde: Heute kommt vielleicht die Stunde. ENDE. Show less

Wundergeschichte einer Schwangeren in Zürich, Jan 1792; Geistl. Lied: Ich armer und elender Mann weiß keinen Rat zu finden
Eine wahrhafte Wunder⸗Geschichte von einer Frau zu Zuͤrch im Schweizer⸗ lande, welche im Januar 1792. mit schwangern Leibe gestorben, im Grabe das Kind gebohren, und nach neun Tagen wieder lebendig her⸗ aus gekommen ist; nebst Einem geistlichen Liede, Jch armer und elender Mann weiß ... Show more Eine wahrhafte Wunder⸗Geschichte von einer Frau zu Zuͤrch im Schweizer⸗ lande, welche im Januar 1792. mit schwangern Leibe gestorben, im Grabe das Kind gebohren, und nach neun Tagen wieder lebendig her⸗ aus gekommen ist; nebst Einem geistlichen Liede, Jch armer und elender Mann weiß keinen Rath zu finden. Ganz neu gedruckt. Wundergeschichte. Jm Ton: Es ist gewißlich an der Zeit. Hoͤrt zu, ihr lieben Christen Leut, ein Zeitung thu ich bringen, so sich erst in gar kurzer Zeit begeben, will ich sin⸗ gen, im Schweizer⸗Land, zu Zuͤrch der Stadt, groß Wunder sich begeben hat, merk drauf, was ich vorbringe. Jezt am zwey und neunzigsten Jahr, den zwoͤlften Jenner eben, mit Jerman Weizers Frauen zwar, hat dieses sich be⸗ geben, denn sie ging schwanger zu der Zeit, ward krank legt sich zu Bett bereit, mit Trauren und Wehklagen. Vier Wochen hat sie noch vor ihr, eh sie sich thaͤte legen, sie bat den Herrn fuͤr und fuͤr, er wollt ihr Gnade geben, daß sie ihr Kind braͤcht auf die Welt, darnach wenns Gott dem Herrn gefaͤlt, wollt sie auch gerne sterben. Aber der allmaͤchtige Gott, wollt Wunder mit ihr treiben, darum auch einen zeitigen Tod, nahm er bald hin das Weibe, am vierten Tag ward sie grab'n, mit Herzleid, Jammer und Wehklagen, thaͤt viel Kinder verlassen. Nun hoͤrt ihr lieben Christen fein, was sich mehr zugetragen, die Kinder saͤmtlich insgemein giengen vielmahl al⸗ le Tage, auf den Kirchhof wohl zu dem Grab, beweinten ihre Mutter ab, lang thaͤten sie es treiben. Als nun die Frau neun Tage lang, im Grabe war gelegen, nahmen die Kinder ihren Gang auf den Kirchhof hergehen, da hoͤrten sie ein lieblich Stimm, auf ih⸗ rer Mutter Grab vernimm, ein Kinder⸗ Lied zu singen. Nun schlaf mein liebes Kindelein, sang sie im rechten Thone, die Kinder liefen geschwinde heim zu ihrem Vater schone, sprachen herzliebster Vater mein, geht mit uns auf den Kirchhof heim, die Mutter singet schoͤne. Sie wiegt im Grab ein Kindelein, der Vater thaͤt bald sagen, ihr lieben Kinder bleibt daheim eur Mutter schlaͤft ohn Klagen, die Kinder ließen ihm kein Ruh, bis er ging nach dem Grabe zu, da thaͤt ers auch anhoͤren. Ein uͤberaus liebreiche Stimm, er thaͤt geschwind hingehen, zeigt an der Obrig⸗ keit vorhin, bat sie auch noch darneben, sie wolten ihm vergoͤnnen doch, daß er das Grab duͤrft oͤfnen noch, auf seine Kosten eben. Diß wurde ihm vergoͤnnt geschwind, er sollt es oͤfnen lassen, es lief herzu Mann, Weib und Kind, der Pfarrer gleichermassen, als man nun grub bis auf den Sarg die Frau hoͤrt man bald reden stark, groß Wunder thaͤt man sehen. Da lag das Weib ganz lebendig, das Kind an ihrer Seiten, man zog aus dem Grabe sichtiglich, der Mann sahs an mit Freuden, sie sprach zu ihm, herz⸗ liebster Mann, nimm hin dein Kind in deine Hand, und thu dich nicht entsetzen. Das Kind lachte den Vater an, sie gingen nach dem Hause, ein Bad man thaͤt anrichten schon, ein Gastmahl auch vorausse, die Gelehrten kamen auch heran, das Mirakel zu schauen an, auch zu hoͤren ohne Grausen. Was sie doch werd anzeigen thun, was man von ihr werd hoͤren, sie sprach ihr lieben Herrn schon, bitt, ihr wollt ohn Beschweren, mein Worte jetzund hoͤren an, diß fleißig auch aufzeichnen thun, und im Gedaͤchtniß halten. Es wird werden groß Angst und Noth, bey manchen Leuten auf Erden, gar theuer wird das liebe Brod, bey manchen noch wohl werden, die Leu⸗ te halten es fuͤr Spott, wenn gleich warnet der liebe Gott, aͤrger die Leu⸗ te werden. Groß Theurung und auch Pestilenz, wird seyn an allen Orten, in Teutscher und auch Welscher Graͤntz, ein erschreck⸗ liches Morden, groß Krieg wird sich erheben zwar, in Teutsch⸗ und Welsch⸗ land uͤberall, vom Aufgange der Son⸗ nen. Den Leuten wird seyn angst und bang, als noch niemahls gewesen, die⸗ weil gestanden hat die Welt ist nie da⸗ von gelesen, den Jammer so das Weib zeigt an, das nehmt zu Herzen Frau und Mann, steht ab von euren Suͤnden. Sie sprach, und wenn die Nacht brach ein, auch Morgens und Mittage, bracht mir ein kleines Knaͤbelein, Spei⸗ se ohn alle Klage, daß ich mein Soͤhnlein saͤtten kont, sprach in neun Tagen gleich zur Stund, sollst du gehn aus dem Grabe. Aber nicht laͤnger als drey Jahr, wirst du noch bleiben leben, und sollt auch anzeigen fuͤrwahr, dem boͤsen Volk darneben, daß sie sich solln bekeh⸗ ren all, von Fluchen, Schwoͤhren all⸗ zumahl. Gott woll sie sonst mehr strafen. Denn das ganze himmlische Heer uͤber die Christen thut klagen, von we⸗ gen unser Suͤnden schwehr, thaͤt dieses Weib auch sagen, darum thu Buß denn es ist Zeit, der Juͤngste Tag ist nicht mehr weit, Gott wird die Welt schon strafen. Drum zweifle nicht, mein lieber Christ Gott wird gewißlich halten, was er verspricht, sey nur getrost, laß den lie⸗ ben Gott walten, bet und ruf Jesum Christum an, er ist der rechte Friedens⸗ Mann der wird euch helfen, Amen. Jch armer und elender Mann, weiß keinen Rath zu finden, kein Arbeit ich bekommen kan, die Nahrung thut verschwinden, mein Weib und Kinder leiden Noth, und haben nicht ein Stuͤck⸗ lein Brod ein frommes Herz thut sich erbarmen. 2. Jch moͤchte schier vor Ungeduld, mein Leben fast verfluchen, mit meinen Suͤnden hab ichs verschuld, da ich jetzund muß suchen, mein Stuͤcklein Brod bey jedermann, wol dem der Armen helfen kann, und kan ihn noch beystehen. 3. O weh! o weh! Jammers⸗Noth! daß kan man nicht aussprechen, wo man im Hause hat kein Brod, das Herze moͤcht zerbrechen, wo man nicht findt ein from⸗ men Christ, und wo auch keine Huͤlfe ist, ach Gott thu dich erbarmen! 4. Elias in der theuren Zeit, als Gott das Land thaͤt strafen, die Raben musten seyn bereit, Gott koͤnnt es ihm verschaf⸗ fen, sie fuͤhrten ihn zu Fleisch und Brod, daß er nicht litte Hungers⸗Noth, als uns die Schrift thut melden. 5. Koͤnig David von dem man list, der hat es auch erfahren, in Elend er ge⸗ wesen ist, in seinen jungen Jahren, er sandte zu den Abel hin, Abel aber verspot⸗ tet ihn, und schimpflich thaͤt abweisen. 6. Jn zehn Tagen straft ihn Gott, aufs Krankenbett ihm legte, daß er den David in der Noth, nichts gab noch sei⸗ ner pflegte, er strafte ihn auf frischer That weil er sich nicht erbarmet hat, ach nehmts wohl zu Herzen. 7. Der Arme geht von Haus zu Haus gar wenig sich erbarmen, die Barmher⸗ zigkeit ist gar wohl aus, es geht wol uͤber die Armen, die noch wohl haben zu thei⸗ len mit, versagen die Armen ihre Bitt, und thun sie ganz verachten. 8. Die ihr den Armen Guts gethan, und habt sie wohl gespeiset, die werden dort bey Christo stahn, die andern hin⸗ geweiset, geht hin ich kenn euer nicht, das hoͤllische Feuer ist zugericht, ihr habt mich nicht gedient. Show less

Von einem Schweizer Bäckergesellen und seiner Braut
Eine merkwuͤrdige Geschichte so sich kuͤrzlich mit einem Baͤckergesellen und seiner Braut in der Schweitz zugetragen hat, in einem Liede zusammengetragen. Ein Liedlein sollet ihr verstehn, ihr Jungfraun und Gesellen, denen wird es zu Herzen gehn, die es betrachten wollen, von einem frommen... Show more Eine merkwuͤrdige Geschichte so sich kuͤrzlich mit einem Baͤckergesellen und seiner Braut in der Schweitz zugetragen hat, in einem Liede zusammengetragen. Ein Liedlein sollet ihr verstehn, ihr Jungfraun und Gesellen, denen wird es zu Herzen gehn, die es betrachten wollen, von einem frommen Baͤcker⸗ knecht, das sollet ihr vernehmen recht, was sich hat zugetragen. Wie neulich sich ein junges Paar, thaͤten ein⸗ ander lieben ganz inniglich von Herzen gar, dach⸗ ten an kein Betruͤben, doch kommt es, daß sie allebeyd geriethen in groß' Traurigkeit, wie davon wird geschrieben. Der Junggesell, ein Baͤckerknecht, ein Juͤng⸗ ling wohlgestalte, der sein Handwerk verstunde recht es lobt ihn Jung und Alte, das Maͤgdlein war ein armes Kind, das sich im Waisen⸗Stand befind, schoͤner man's nicht konnt' malen. In ihren armen Waisen⸗Stand thaͤt sie sich ehrlich naͤhren. Arbeitet' fleißig mit der Hand, ihr Guͤthlein zu vermehren. Das gefiel dem Baͤ⸗ cker also sehr, er liebte sie je mehr und mehr, in Zuͤchten und in Ehren. Als er nun wollt ins fremde Land nach Hand⸗ werks⸗Brauche reisen, gieng er zu ihr, bot ihr die Hand thaͤt ihr viel Ehr beweisen, versprach ihr auf sein Ehr und Treu, gab ihr ein ehrlich Pfand da⸗ bey, versprach sich zu befleißen. Daß er ein Stuͤcklein Geld gewinn, wollt er in fremde Lande, solches nicht unnuͤtz bringen hin es waͤr ihm sonst ein Schande, und hilft mir Gott gesund nach Haus, die Hochzeit will ich richten aus, drauf hast du meine Haͤnde. Nachdem sie unterredten sich die Liebsten alle⸗ beyde, sie weineten recht bitterlich indem sie thaͤten scheiden. Das Maͤgdlein sprach: des Hoͤchsten Hand geleite dich in fremde Land, Gott sey an deiner Seiten. Zu Hasseln dort im Schweitzer Land der Juͤng⸗ ling war geboren, ein Staͤdtlein ist gar wohl be⸗ kannt, sein Handwerk thaͤt er lernen, von dannen er gewandert hat, besuchte manche schoͤne Stadt seine Gluͤcke zu vermehren. Wandern war seine groͤßte Freud in seiner zar⸗ ten Jugend, er liebte auch die Ehrbarkeit und alle schoͤne Tugend, den lieben Gott er immer bat, daß er doch auch die schoͤne Stadt Venedig moͤgt beschauen. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut, im Himmel und auf Erden, wer sich verlaͤßt, auf Je⸗ sum Christ, wird nicht zu Schanden werden. Wie dieser fromme Baͤcker⸗Knecht sein Reis' hat an⸗ gefangen recht, so that es ihm gelingen. Als er nun nach Venedig kam, wo man die Baͤcker liebet, aldorten er bald Arbeit nahm, weil es Verdienste giebet, da thut man backen auf das Meer, da giebt es Geld und Arbeit schwer, da war er nicht betrübet. Da arbeit't er 6 ganzer Jahr, das Gluͤck thaͤt ihm gerathen, verdient 300 Thaler baar, in lau⸗ ter gut'n Ducaten. Drauf er von Arbeit trate aus, und nahm seine Reise fort nach Haus zu sei⸗ nen groͤsten Schaden. Als er kam in sein Vaterland, mit gutem Gluͤck und Segen, bis in das Staͤdtlein Zell genannt, ohnweit Dorbach gelegen, darinnen wohnt die Schwester sein, bey welcher er thaͤt kehren ein, von guter Freundschaft wegen. Als er kam in das Haus hinein, ward er gar schoͤn empfangen, die Schwester hieß ihn willkom⸗ men seyn, sprach: wie ist dirs ergangen? woher? woher? ach! Bruder mein, ach wie traͤgt die Herzliebste dein, nach dir so sehr Verlangen. Der Bruder gar kein Arges nicht in seinem Herzen dachte, gab ihr das Geld, was er mit sich aus fernem Lande brachte, um ihn es zu verwah⸗ ren, hin, allein die lose Moͤrderin, die gleich auf Raͤnke dachte. Dem Mann, der sich abwesend fand, that sie's alsbald erzaͤhlen, daß ihr Bruder aus fernen Land gekommen und sich vermaͤhlen wollt mit der Aller⸗ liebsten sein, er noͤthigt ihn mit falschem Schein allda die Nacht zu bleiben. Die Schwester lief und kaufte ein von Fleisch und andern Sachen, sie bracht den allerbesten Wein thaͤt eine Mahlzeit machen, von Fleisch und auch gebackne Fisch, und hieß ihn sitzen zu den Tisch, ach, hoͤret Wundersachen! Sie sprachen ihn ganz freundlich zu, doch nur aus falschem Herzen, iß und trink lieber Bruder du, ach, sollte das nicht schmerzen, die Schwester und ihr loser Mann, dem Bruder ein'n Rausch hingen an, mit ihren falschen Scherzen. So machten sie den Baͤcker voll mit dem Ge⸗ sundheitstrinken, indem sie nun gesehen wol, daß er wollt niedersinken, ein Bettlein sie ihn richten zu da schlief er sanft in guter Ruh, nichts boͤs thaͤt er gedenken. Die Schwester und ihr loser Mann die sprachen da zusammen: wie greifen wir den Handel an, daß wir das Geld bekommen? 300 Thaler hat er baar, wir wollen ihn umbringen gar, wie wir's uns vorgenommen. Sie gaben beyd' den Willen drein, das sollte nun geschehen, sie hatten auch ein Toͤchterlein, das muste schlafen gehen, verriegelten das ganze Haus, das Licht sie thaͤten loͤschen aus den Mord zu unterstehen. Darauf der Schwager in der Eil dem Baͤcker zugeloffen, schlug ihm am Kopf mit einem Beil, das hat gar wohl getroffen, das Blut spritzt ihm aus seinem Kopf, ach Schwager, schrie der arme Tropf, das thaͤt ich nicht verhoffen. Die Schwester, als des Moͤrders Hur, auch thaͤte bald anheben; halt, lieber Bruder, warte nur, den Rest will ich die geben. Drauf sie den Kopf abschneiden thut, die Zech mußt er bezahlen gut mit seinem Blut und Leben. Damit es nicht moͤcht werden kund, daß sie be⸗ raubt ihn haben, thaͤten sie ihn zur selben Stund hinter das Haus begraben, wohl unter einer Hol⸗ lunderstaud, ihr lieben Christen aber schaut, was Wunder sich begeben. Des Morgens als ihr Töchterlein thaͤt von dem Bett aufstehen, sprach es: wo ist mein Vetter⸗ lein, soll ich dich nimmer sehen? Die Mutter sprach ihr liebreich zu, er thaͤt anheute in der Fruͤh' mit seinem Buͤndel gehen. Den ganzen Tag das Toͤchterlein thaͤte sehr traurig gehen, sprach immer: ach mein Vetter⸗ lein, ich moͤcht dich gerne sehen. Des Nachts es naus zum Fenster schaut, da thaͤte bey der Hol⸗ derstaud, der Baͤcker leibhaftig stehen. Das Kind fing an, schrie uͤberlaut: ach Mut⸗ ter, thut doch sehen, da ist mein Vetterlein, ach schaut, alldorten thut er stehen. Als nun die Moͤrdershur kam dar, so war er schon verschwun⸗ den gar sie konnt ihn nimmer sehen. Die Mutter auch das Kind verbot: sie sollt es niemand sagen. Doch aber hoͤrt ihr lieben Leut, darauf in wenig Tagen, da kam den Baͤcker seine Braut, die klagt und weinte uͤberlaut als wollt sie fast verzagen. Sie sprach: ich seh schon etlich' Naͤcht in mei⸗ ner Kammer gehen, ein schoͤn und weisses Schreck⸗ gesicht vor meinem Bette stehen. Ich sorg der Allerliebste mein, moͤcht um das Leben kommen seyn und werd ihn nimmer sehen. Indem sie nun so sehnlich klagt, konnt seiner nicht vergessen; das Toͤchterlein fing an und sagt, er ist erst hier gewesen, ich hab ihn nur die Nacht gesehn dort bey dem Holderstrauche stehn, die Braut erschrack indessen. Sie fraͤgt die beyden Moͤrdersleut ob sie von ihm vernommen, ob er nicht etwa diese Zeit anhe⸗ ro sey gekommen? Die Moͤrdershur fängt an und schwoͤrt, wenn sie von ihm was hab gehoͤrt, so wollt sie gleich verstummen. Die gute Braut war sehr betruͤbt sie wollte fast verzagen. Weil sie den Baͤcker sehr geliebt, thaͤt allenthalben fragen; bis sie zuletzt geforschet aus, daß er in seiner Schwester Haus gegang'n vor wenig Tagen. Den Abend drauf sie wieder kam, zu denen Moͤrderleuten und sprach: wißt ihr meinen Braͤu⸗ tigam? so sagets mir bey Zeiten. Sie sprach: ach treuer Gott und Herr! es geht nicht recht mit ihm daher, so hoͤr ich von den Leuten. Jndem die Jungfrau nun gedacht, ich will nicht weiter gehen, blieb sie alldorten uͤber Nacht, hoͤrt Wunder! was geschehen; des Abends als es finster war, gieng sie im Hofe ohngefaͤhr, da thaͤt sie selber sehen: Den Baͤcker in ein Kleid weißes unter dem Strauche stehen; wie ihr das Maͤgdlein hat ge⸗ deut, des Morgens thaͤt sie gehen und zeigt es an der Obrigkeit, man schickt daher auf allerbreits die Sache zu besehen. Jndem man nun gesuchet recht, mit Jammer und mit Klagen, fand man den frommen Baͤcker⸗ Knecht ermordet und zerschlagen. Drauf man die beyden Moͤrder⸗Leut hat eingezogen allebeyd, mußt'n die Wahrheit sagen. Als sie nun beyde frey bekannt, daß sie den Mord begangen, wurden sie bald zum Tod ver⸗ dammt ihren Lohn auch zu empfangen, und weil die Moͤrderin ihren Mann zu dieser That gereizet an, hoͤrt! wie es ihn'n ergangen! Der Mann ward mit dem Schwert gericht und mit das Rad zerstoßen, der Koͤrper auf das Rad geschlicht weil er das Blut vergossen. Die Bruders⸗Mörderin lebend hat neun Stoͤß empfan⸗ gen mit dem Rad, da ist das Blut geflossen. Das Kind, weil es kein' Wissenschaft von die⸗ ser Sach' getragen, das thut man jetzo ungestraft, in dem Spital verpflegen. Und muß das arme Waiselein, ihr Lebenlang verachtet sein von ihrer Eltern wegen. Als der Gerichts⸗Tag sich geendt, hoͤrt Wun⸗ der, was geschehen! und die Braut nach Haus gewendt und wollte schlafen gehen, zur Mitter⸗ nacht ihr Braͤutigam, zu ihr in ihre Kammer kam, blieb vor dem Bette stehen. Und sprach zu ihr mit heller Stimm' und Worten, so bescheiden: hoͤr an mein Kind, die Wort vernimm, die ich dir will andeuten: um mich laß jetzt das Trauren seyn, ich bin schon bey den Engelein in den himmlischen Freuden. Bleib du noch eine Zeit allein, dein'n Feinden thu vergeben, und halt dich als ein' Jungfrau rein, wenn du end'st dein Leben, so theil zuvor dein Guͤtlein aus den halben Theil ins Gottes⸗Haus den andern Armen geben. Wirst du das thun, so sag ich dir: ich werde wieder kommen, und dich bald holen auch zu mir da wir mit allen Frommen dort leben in der Selig⸗ keit zu Jesu Christo allebeyd, im Himmel auf⸗ genommen. Und als die Jungfrau nun erwacht groß Schmerzen thaͤt empfinden, drauf sie ihr Testa⸗ ment gemacht, thaͤt beichten ihre Suͤnden; sehr toͤdlich krank sie darniederlag, verschied ganz sanft am dritten Tag, entgieng all ihrer Suͤnden. Show less

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