Siegeszüge in Candia und Siebenbürgen, 1662
Ein gewisse und warhafftige Zeitung von der herrlichen und siegreichen Victoria / so die Christen zu unter⸗ schiedlichen mahlen erhalten in Candia und Siebenbuͤrgen / Venedig und in der Jnsul Walnere und Persia den 3. Februari in diesem 1662. Jahr / wie GOtt der HErr des Tuͤrcken Hochmuth... Show more Ein gewisse und warhafftige Zeitung von der herrlichen und siegreichen Victoria / so die Christen zu unter⸗ schiedlichen mahlen erhalten in Candia und Siebenbuͤrgen / Venedig und in der Jnsul Walnere und Persia den 3. Februari in diesem 1662. Jahr / wie GOtt der HErr des Tuͤrcken Hochmuth gestuͤrtzt / in dem er ihm vorgenommen hat / an dreyen Orten / in die Christenheit zu ziehen / und alles zu⸗ verbrennen und ermorden / ja das Kind in Mutterleib nicht zu verschonen / aber der Allerhoͤchste hat ihm an etlichen Orten durch seine Goͤttliche Vorsehung zu schaffen genug gege⸗ ben / in dem die Christen jhm erlegt haben / in drey Treffen 37. Tausend Mann / wie in diesem Gesang ferner berichtet werden sol. Jm Thon: O Todt mit deinem Bogen / rc. LObet GOtt allesame / ihr Christen allzu⸗ mahl / vor die herrliche Victori / die die Christen er⸗ halten han / gegen Tuͤrckischen Blut⸗Hunden / die uns verderben wollen / es ist ihm nicht gelungen / sie sind ge⸗ stuͤrtzet nun. 2. Hoͤrt zu was sie gedachten / die gantze Christenheit / ihn unterthan zumachen / drumb zogen sie in Streit / ge⸗ gen den Kaͤyser frommen / und Koͤnig in Unger zuhand / dasselbig zu verderben / weil an Jhn graͤntzet das Land. 3. Sie kamen angezogen in Persia hinein / mit ein hun⸗ dert und 40. tausend / sie trieben grosse Schand mit Mor⸗ den / Rauben und Brennen / es kostet manchen Mann / die Stadt thaͤten sie gewinnen / Biala ist sie genant. 4. Tuͤrcken und die Tartern / die Tuͤrcken eine grosse Zahl / die thaͤten darnider hauen / die Christen allzumahl / in der Stadt sind geblieben / bey 6. Tausend Mann / viel Weiber auch darmitte / die ihr Kinder an Bruͤsten han. 5. Sie thaͤten nicht verschonen / der schwangern Wei⸗ berlein / 9. hundert sind geblieben / der kleinen Kinderlein / sie thaͤten sie alle spiessen / die in der Wiegen lagen / sie thaͤ⸗ tens all erwuͤrgen / das waͤret drey gantze Tag. 6. Dieses das ist gelungen dem Tuͤrckischen Heer / die Saͤit ist ihn zersprungen / und hoͤret weiter mehr / die Harpf hat sich verstellet / die Laut hat verlohren den Klang / der Muth ist ihnen genommen / gantz still laut ihr Gesang. 7. Jetzt kom̄t der Kaͤiser fromme / aus Ungarn wohlge⸗ muth / er thut sein Leben wagen / wohl vor das Christen⸗ Blut / er thut dem Feind Trotz bieten / verweist ihm sein Hochmuth / es gieng bald an ein schiessen / da blieb gar mancher todt. 8. Der Christen seynd gewesen / dreyssig tausend Mann / der Tuͤrcken ein grosser Hauffen / zwey und sechzig tausend an der Zahl / der Nietzen thaͤt sie fuͤhren / er buͤsset tapffer ein / der Tuͤrcken seynd geblieben / 10. tausend an der Zahl. 9. Auf der Christen Seiten seynd nur geblieben todt / ein tausend Mann gar eben / troͤst sie der liebe GOtt / das thaͤt die Tuͤrcken verdriessen / sit giengen sehr zu Rath / sie ka⸗ men von allen Orten / wir wollen nun greiffen fort. 10. Darnach seynd die Christen gezogen / vor St. Job die Stadt / dieselbe hart gestuͤrmet / darein schoͤnes Kloster war / darinn 5. tausend Tartern / Retirade genom̄en han / warn alle darnider gehauen / wohl an demselben Tag. 11. Als das die Tuͤrcken erfahren / sie zogen auf ge⸗ schwind / sie thaͤten nach St. Job jagẽ / gleich wie ein schnel⸗ ler Wind / sie kamen allesame / der Soldaten mit seim Heer / der Tuͤrcken kamen gezogen / der Tartern ein grosse Zahl. 12. Sie zogen allesame / sie schossen tapffer drauff / ein Nebel thaͤt sie uͤberfallen / da fielen sie mit Hauffen / sie stun⸗ den zu beyden Seiten / keiner wolt den weichen / wer Schimpf oder Schad thaͤt leiden / niemand recht innen ward. 13. Darnach so thaͤts sich wenden / die Tuͤrcken rissen aus / man sahe an allen Enden / sie liegen gantz mit Hauff / da sahe man sie zermetzt / mit Stheln und mit Bart / mit Sensen mit Beylen / auch mit grossen Schlachtschwert. 14. Groß Beut thaͤt man bekommen / von Gold und Edelgestein / von Rossen und Wagen / von Proviant da⸗ bey / hundert Stuͤcke auch nicht klein seyn / des Soldans Zelt gar fein / sie koͤnnens nicht aussagen / daß war jhm schwere Pein. 15. Dißmal da seynd geblieben / von Tuͤrcken und Tar⸗ tern bey 21. tausend / ist das nicht ein grosseZahl / von Chri⸗ sten aber darneben / seynd auch geblieben todt / 6. tausend aus erlesen / troͤst sie der liebe GOtt. 16. Noch mehr solt ihr anhoͤren / auff hundert tausend Mann / die auch solten kommen / zu diesem Treffen schon / von der Tuͤrckischen Seiten / diesen zu einen Sucurs / sie musten aber weichen / auf einen festen Ort. 17. Bey der Stadt St. Jacob genant / an einem tieffer Morast / daselbst sich eingeschantzet / gewaltig und sehr fest / die Christen wurdens innen / sie seumten sich nit lang / sie thaͤten der Tuͤrcken gesinnen / dann es war ihnen bang. 18. Die Tuͤrcken haben gelegen / wohl bey eilff Tage lang / niemand kunt sie jagen / sie hatten sich verschantzt / in dem thaͤt GOtt der HErre / ein grosses Wunderwerck / daß sie huben anzuzagen / machten sich auf die Farth. 19. Sie machten eine Bruͤcke / uͤber den Morast ge⸗ schwind / sie nahmen Kutschen⸗Deckel / darzu Maͤntel und Beltz / daß sie konten entrinnen / den Christen gar ge⸗ schwind / sie huben sich anzujagen / ermorden sich selbst Mann / Weib und Kind. 20. Der Tuͤrcken seynd geblieben / durch ihr selbst eigen Schwerd / jetzund wohl bey vier tausend / liegen auff der Wallstaͤtt / der Morast ward gefaͤrbet / von Blut war er so roth / von denen so zerhauen / und sind geblieben todt. 21. Also sind die Tuͤrcken geblieben / nur in kurtzer Zeit / sieben und dreyssig tausend / und auch neunhundert Mañ / von Christen aufgerieben / drumb saget GOTT Danck / der sie hat so gestuͤrtzee / und gewendt ihren Anschlag. 22. Auff der Christen Seiten / blieben sieben tausend / von Fußvolck und Reutern / troͤst sie der liebe GOtt / der woll uns helffen allen / und stuͤrtzen ihren Hochmuth / daß wir nicht moͤgen fallen / unter der Tuͤrckenhand. Ein schoͤn Geistlich Lie 1. ACh unaussprechliche Pein / hat mein betruͤbtes Hertz ge⸗ nommen ein / von JEsu der mir wohlgefaͤllt / denselben hab ich auserwehlt / vor allem was ist in der Welt. 2. Klagen thu ich uͤber die massen / wann JEsu mich will fahr ren lassen / so er mich nicht mehr lieben thut / wird mir nehmen Hertz / Sinn und Muth / JEsu halt mich in dein Hut. 3. Von JEsu wegen will ich allezeit / mein Leben aufgeben in hoͤchster Freud / wolt GOtt ich waͤr ins Himmels⸗Saal / ich wolt jhn lieben ohne Zahl / und preisen mit den Engeln all. 4. Billich will ich meim JEsulein ehren / bitt wollest doch von mir nicht kehren / diewell du bist so zart und schoͤn / so will ich dir entgegen gehn / dann du bist GOttes lieber Sohn. 5. Freundliche Sitte / mit Goͤttlich Geberd / hat mein Schatz JEsu / ists wohl werth / daß man ihn kraucht in Lieb und Leid / er⸗ lang durch ihn die Seeligkelt / das waͤre allezeit meine hoͤchste Freud. 6. Halb roth und weiß ist JEsulein / fuͤr mich gelitten grosse Pein / er ist ein Lilg und Roͤselein / wie uns die Schrifft thut mel⸗ den fein / im hohen Lied der Braͤutigam mein. 7. Edler JEsu / O kuͤhnr Held / mein Seel ich dir hab zugestellt / dein thu ich Tag und Nacht begehren / so will ich mich nun zu dir kehrn / mein Gebet wollest gnaͤdig erhoͤrn. 8. Mich wirst allezeit nehren und pflegen / so ich dich lieben will allwegen / wie JEsu mich dann lieben thut / erhalt mich stets in sicher Hut / vergossen hat sein rothes Blut. 9. Mit Creutz / Truͤbsal thut er uns schlagen / so sollen wir doch nicht verzagen / es sey in Noͤthen oder Streit / JEsu bey uns will seyn allezeit / biß Leib und Seel voneinander scheid. 10. Wann wir werden JEsum betruͤben / er unser Seel nicht mehr will lieben / er zornig ist in seinem Grimm / der Todt bald un⸗ ser Leben nimmt hin / und fahren in die ewige Pein. 11. Wann wir aber bestaͤndig bleiben / mit JEsu unser Zeit ver⸗ treiben / so will er als ein starcker GOtt / uns helffen thun aus aller Noth / das sey gedanckt GOtt Zebaoth. 12. Ein gute Nacht wollest du uns geben / gefunden Leib und e⸗ wiges Leben / und in deiner Gesellschafft fein / ach auserwehltes JEsulein / mein Seel laß dir befohlen seyn. 13. Danck will ich dir allzeit thun singen / fuͤr deinen Ohren moͤcht klingen / du bist meines Hertzen Freud und Wonn / bin ich dein O JEsulein schon / der regiert / gibt die ewige Cron. ENDE. Gedruckt zu Wien bey Matthias Rickes / Anno 1662. Show less

Kindsmord in Lenzburg; Österreichischer Türkenkrieg; Geistliches Lied, 1663
Zwo Erschroͤckliche jedoch wahrhafftige Newe Zeitungen / Die Erste: von einem Gottlosen Mann / Von Ruͤd Lentzburger⸗Ampts / Nam̄ens Christen Berchthold / seines Handwercks ein Buͤchsenschmid / welcher den 7. Mey dises 1663. jahrs seine eigene Kind mit einem Biel schroͤcklich ermordt vnd... Show more Zwo Erschroͤckliche jedoch wahrhafftige Newe Zeitungen / Die Erste: von einem Gottlosen Mann / Von Ruͤd Lentzburger⸗Ampts / Nam̄ens Christen Berchthold / seines Handwercks ein Buͤchsenschmid / welcher den 7. Mey dises 1663. jahrs seine eigene Kind mit einem Biel schroͤcklich ermordt vnd vmbgebracht / auch sein Eheweib grausamlich tractiert vnd verwundet / vnd wie erwegen solcher begangenen Vbelthat zu Lentzburg hingerichtet worden / wird maͤniglich zur wahrnung im Gesang berichtet werden. Jm Thon: Kompt her zu mir spricht GOttes Sohn / rc. Die Andere. Zeigt an von dem Hochbetruͤbten vnd Elenden Zustand / so jetziger zeit in Boͤhmem / Vngaren vnd Ober⸗Oesterreich eutstanden: Wie der Tuͤrck mit grossem Gewalt darein gefallen / viel Tausend Menschen Jung vnd Alt laßt niderhawen vnd vmb das Leben bringen / solches wird im Gesang zuver⸗ nemmen seyn. Jm Thon: Wann mein Stuͤndlein / rc. Neben einem schoͤnen Geistlichen Lied / Schaw wie die Welt Thurnieret / rc. Jm Thon: Wolauff jhr kleinen / rc. Gedruckt zu Basel / bey Jacob Decker / 1663. Ein erschroͤckliche Zeitung. 1. KOmpt all haͤrzu jhr Christen⸗leuth / hoͤrt an mit grosser Trawrigkeit / was sich hat zuge⸗ tragen / in diesem jetz lauffenden Jahr / ist lei⸗ der kundt vnd offenbahr / thun ich mit warheit sagen. 2. Allerley Suͤnd vnd Laster groß / getriben wirdt ohn vnderlaß / in Teutsch⸗ vnd Welschen Landen / Huͤrey / Ehebruch / Diebstal vnd Mordt / Fluchen vnd Schwoͤren an allem orth / hat gnommen vberhande. 3. Christus der HErr lehrt vns zugleich / wer kom⸗ men will in Gottes⸗Reich / soll fleissig wachen vnd baͤtten / vnd ruffen an den lieben GOtt / Morgens vnd Abends fruͤh vnd spaht / daß Er jhn woͤll behuͤten. 4. Vor Sathans List vnd Tyranney / was sonst der Seel mag schaͤdlich seyn / sein Gnad jhm nicht entziehen / daß er nicht fall in Schand vnd Suͤnd / sein Seel in Angst vñ Sorgen stuͦnd / moͤcht kaum der Hoͤll entfliehen. 5. Als dann kurtzlich geschehen ist / ein schroͤcklich vnd leidige Gschicht / betrachts jhr Menschen⸗Kinder / im Meyen den sibenden Tag / im Dorff zu Ruͤd mit noht vñ klag / wie ich jetzt will verkuͤnden. 6. Ein Mann allda gesessen war / der GOttes⸗Ge⸗ bott vergessen gar / daß er groß Schand vnd Sünden / begieng an seinem Fleisch vnd Blut / daß kein Thier oder Hund nicht thut / ermoͤrdt sein kleine Kinder. 7. Das Gebaͤtt hat er vnderlahn / darumb hat jhn GOtt auch fallen lahn / sein Hand von jhm gezogen / weil er nicht gfolget GOttes Wort / hat er sich bracht in Angst vnd Noht der Feind hat jhn betrogen. 8. Morgens gar fruͤh thund mich verstahn / thut er auß seinem Beth auffstahn / ein Biel nimbt in sein Han⸗ de / fangt an vnd hawt sein eigne Kind / erbaͤrmiglich in den Leib geschwind / mit Jammer vnd Ellende. 9. Als er nun zwey getoͤdet hat / das dritte jhn gar fruͤndlich batt / ach Vatter laß mich leben / schaw wie von disem ruͤnt das Blut / erschroͤckenlichen mit vnmuht / doch moͤchts jhn nicht bewegen. 10. Der Teuffel jhn besessen hat / noch grim̄iger auch herzu thrat / fangt mit dem Biel an hawen / mit grossem schmertzen in seinen Leib / biß es todt in der Stuben blieb / darab hat er kein grawen. 11. Als er die Kinder vmbgebracht / mit dem Biel sich zur Frawen macht / die skleinste Kind thaͤt haben / hawt grimmiglich in sie mit gwalt / jhr Bruͤst vnd Leib grawsamer gstalt / mit grossem wehe vnd klagen. 12. Die Fraw hat s Juͤngste Kind am Arm / sprach was fangst an / das GOtt erbarm / wilt du vns alle vmb⸗ bringen / vnder das Beth faͤllt sie das Kind / in geschwin⸗ der eil so gar geschwind / damit ers nicht solt finden. 13. Die Kind moͤrdt er so schroͤckenlich / jedem schlug er 6. Wunden tieff / der Frawen auch darneben / jhr Arm vnd Bruͤst vber die maß / bey 39. Wunden groß / mit dem Biel jhr gegeben. 14. Das viert Kind wolt er auch bringen vmb / doch hat es GOtt erhalten thun / mit dem Biel thaͤt er hawen / die Wiegen gar zu stucken klein / weil er vermeint dz Kind wer driñ / das thaͤt jhm niemand trawen. 15. Ein Weib sonst in dem Hauß auch war / sampt jhrer Tochter welche da / diß Jammer⸗gschrey erhorten / thaͤten d Nachbawren ruffen an / man solte zu huͤlff jhnen kon / sonst wolt er sie auch moͤrden. 16. Als d'Nachbawren das gschrey erhoͤrt / in sein Hauß thund sie lauffen dort / diß Ellend thun sie finden / die Kind ligen im Blut so roth / die er gar schmerzlich gschlagen z'todt / O weh der grossen Suͤnden. 17. Gefangen jhn man hat gar bald / der Oberkeit jhn zugestelt / er hat gleich thun bekeñen / daß er die schroͤck⸗ liche Mordthat / die er allda begangen hat / schon lang in sinn thun nemmen. 18. Ja diser Gottlose Boͤßwicht / so schroͤcklich er sich selbs zuricht / mit 61. Wunden / die er jhm selber geschla⸗ gen hat / als er vor verricht dise Mordthat / an jhm hat man gefunden. 19. Er selbs wolt sich auch bringen vmb / mit seinem Biel zur selben stund / doch koͤnt ers nicht verbringen / dañ GOtt hats jhm nit zugelahn / betrachtens wol jhr Fraw vnd Mann / huͤt euch vor Schand vnd Suͤnden. 20. Bekennt hat er auch schroͤckenlich / ein gantzes Jahr hab er zugleich / s' Gebaͤtt nicht recht verrichtet / daß es von hertzen kommen sey / andre gedancken mancherley / sein Sinn vnd Gmuͤht verwirret. 21. Hierauff man d'Vrtheil geben hat / man soll jhn fuͤhren auff die Richtstatt / dasselb Biel soll man nem̄en / sein rechte Hand jhm hawen ab / damit er d'Kind ermoͤr⸗ det hab / sein lohn jhm also geben. 22. Auch hat man jhm thut mich verstahn / 2. Griff mit gluͤenden Zangen geben / an seine Bruͤst mit schmer⸗ zen / haͤrnach sein Glider mit dem Rad / hat man jhm auch gestossen ab / auff sRad gflochten ohn schertzen. 23. Jhr lieben Christen Fraw vnd Mañ / thund diß zur wahrnung nemmen an / thund fleissig daran dencken / heben zu GOtt auff ewre Haͤnd / daß er sein heiligen Geist euch send / der vns sein Trost thu schencken. 24. All ewer leben thun vnd lahn / hebt als in GOt⸗ tes Namen an / thund Jesum Christum bitten / daß Er vns woͤll zu aller frist / b'huͤten vor Sathans trug vnd list / leit vns in seine Sitten. 25. Dann der Feind ist staͤts auff der bahn / lugt wo er vns betriegen kan / thut er kein fleiß nicht spahren / drum̄ soll man baͤtten fleissiglich / daß vns GOtt woͤlle gnaͤdig⸗ lich / durch seine Guͤt bewahren. 26. Darzu huͤlff vns HErr JEsu Christ / der du für d'Suͤnder gestorben bist / thu vns dein Gnade geben / daß wir nach der betruͤbten zeit / ererben moͤgẽ die ewige Frewd / das saͤlig him̄lisch Leben / AMEN. Die andere Zeitung. 1. KOmpt all haͤrzu jhr Christenleuth / vnd thund trawrig anhoͤren / den grossen Jammer / Angst vnd Leid / als ich jetz will erklaͤren / was fuͤr ein klaͤglicher Zustand / in Oesterreich / Boͤhmem vñ Vn⸗ gerland / ach GOtt laß dichs erbarmen. 2. Die Wunder thut GOtt nicht vmbsunst / so biß⸗ har sind geschehen / durch Sturm⸗Wind / Wasser vnd Fewres⸗brunst / an vilen Orthen geschehen / schroͤcklich es zubeschreiben ist / laß dich wahrnen O from̄er Christ / der Juͤngst⸗Tag thut sich nachen. 3. Jn Vngerland vnd Oesterreich / in Maͤhren vnd Sibenbuͤrgen / der Tuͤrck thut hausen grausamlich / mit Rauben / Brennen / Wuͤrgen / mit Fewr vnd Schwerdt erschroͤckenlich / Mann / Weib vnd Kinder jaͤmmerlich / klaͤglich jhren Geist auffgeben. 4. Der Tuͤrckisch⸗Blut⸗Hund thund verstahn / in d'Christenheit ist kom̄en / mit dreymahl 100000. Mañ / niemand thut er verschonen / das kleinste Kind in Mut⸗ ter⸗Leib / vor solcher noch nicht sicher bleibt / wem solt darab nicht grausen. 5. Betagte Manns vnd Weibs⸗Persohn / laßt er schroͤcklich hinrichten / jhr Christen laßt euchs z'hertzen gahn / helfft JEsum Christum bitten / daß er dem armen Christen⸗Blut / so man schmertzlich vergiessen thut / wi⸗ drumb zu hilff woͤll kommen. 6. Knaben vnd Toͤchtern mit vnmuth / in dem Pflug ziehen muͤssen / die werden geisselt biß auffs Blut / vom Haupt biß zu den Fuͤssen / die jungen Kinder jaͤmmerlich / schlecht er an dStein erbaͤrmiglich / biß sie jhr'n Geist auffgeben. 7. Manche Mutter jhr liebes Kind / muß schmerz⸗ lich sehen sterben / die durch das Gottloß Tuͤrckisch⸗Gsind elendiglich verderben / vil tragens an den Spiessen rumb / biß sie erbaͤrmlich kommen vmb / ach GOtt laß dichs er⸗ barmen. 8. Der Tuͤrckisch⸗Hund spoͤttlicher weiß / dem Teut⸗ schen Keyser gschriben / du Toller Christ schaw nur fuͤr dich / wie dein Volck wird auffgriben / wie lang habt jhr selbst vnbedacht / ein andren Gmoͤrdt vnd Vmbgebracht / groß Vbermuth getriben. 9. Staͤtt vnd Doͤrffer mit grossem Gwalt / thut er mit Fewr verbreñen / auß Oesterreich vnd Maͤhrenland / thut man klaͤglich vernem̄en / fuͤnffzehen Staͤtt / der Tuͤr⸗ ckisch⸗Hund / grawsam verbrant biß auff den Grund / die schoͤn waren erbawen. 10. Namblich Freystaͤttel vnd Tirnau / Modern / Passing / St. Georgen / auch Seinitz / Holitz vnd Kop⸗ hau / Straßnitz / Stanitz / ohn sorgen / Wesely / Staga vnd Hungerisch⸗Brodt / Gradisch / Golim / mit grosser noth / in d'aͤschen hat thun laͤgen. 11. Ach Jesu Christ du GOttes Sohn / schick du dein Hilff besonder / haͤrab von deines Himmels⸗Thron / wehr dem Tuͤrckischen⸗Hunde / daß er die arme Christen⸗ heit / durch sein Blut⸗durstig Grausamkeit / nicht weiter moͤg betrüben. 12. Jn dem gantzen Teutschland zugleich / hat man Baͤtt⸗Tag gehalten / vnd bitten GOTT beyd Arm vnd Reich / daß Er sich woͤll erbarmen / vber die arme Chri⸗ stenheit / die lang groß Noth vñ Traurigkeit / vom Feind hand außgestanden. 13. Ach JEsulein machs war vnd gwiß / was ich ein⸗ feltig singe / O Mensch zur wahrnung Baͤtt vnd Liß / es wird in Himmel tringen / zu GOtt in hoͤchsten Frewden⸗ Saal / da ist kein Forcht / kein Angst noch Qual / HERR Hilff das vns gelinge / AMEN. Ein schoͤn New Geistlich⸗Lied : 1. SChaw wie die Welt Thurnieret / in Wollust vnd in Frewd / vnd koͤstlich Pancke⸗ tieret / ohn massen weit vnd breit / in Guͤtern sie hoch trawet / vnd in der Hoͤllen⸗Schlund / ja augenblick⸗ lich scheidet / sagt aller Glehrten Mund. 2. O wie wirstu bestehen / du arme Selee mein / wañ die Posaun wird gehen / du must dich stellen ein / du wirst zittren vnd zagen / vorm strengen Richter dein / die Hoͤll wird dich anklagen / du arme Seele mein. 3. Da hilfft dich gar kein Geldte / da hilfft kein Rei⸗ ches Hauß / du must von diser Welte / durch vnd durch flie⸗ hen auß / hast du boͤß Opperiret / der boͤse Feind schreibts ein / hast du dich aber Curiret / so schreibts der Engel dein. 4. Ewig sein in der Hoͤlle / ist gar ein lange zeit / im Himmel meine Seele / da hab ich grosse frewd / merck auff die Vhr wird schlagen / du armer Leibe mein / was soll ich dir mehr sagen / du must ins Grab hinein. 5. Der Schmid hat schon geschmidet / deß Todten⸗ Grebers Haw / dem Sarg ist schon geleget / der Strick zum Grabe⸗schaw / Morgen wirst hoͤren leuten / das Kla⸗ ge⸗Liedlein dein / bedencke dich bey zeiten / du arme Seele mein. 6. Bedenck O Mensch von Erden die lange Ewig⸗ keit / gedenckst was du wirst werden / wañ du auff eine zeit / fuͤr alles solt antworten / dem Richter scharff vnd streng / wann dir an allen orthen / die Welt wird werden z'eng. 7. Hier ist das Pancketieren / ein rechtes Himmel⸗ reich / in Lastren Dominieren / den Epicurern gleich / der Seelen wird vergessen / deß Leibes⸗pflegung nur / vnd le⸗ ben so vermessen / O blinde Creatur. 8. Dein Hals voll Perlein hanget / der Kopff voll Edelgstein / darinnen du gepranget / muß als ins Grab hinein / an statt der Perlen werden / die Wuͤrme nagen dich / wohl in der kuͤhlen Erden / wirst faulen jaͤm̄erlich. 9. Was hilfft das Armuth pressen / was hilfft all Tiranney / die Wuͤrme dich doch fressen / vnd haben keinen schew / ob schon fuͤr dir gezittret / die Erd da du noch lebst / jetzt es gar anderst Wittret / dein Hertz dirs selber sagt / AMEN. ENDE. Show less

Familienmord in Lauenburg bei Dantzig, 1664
Ein erschroͤckliche newe Zeittung / Welche sich zugetragen vnd begeben zehen Meil von Dantzig in der Hauptstatt Lauenburg da ein Tochter mit Hilff jhres Buhlen Vatter vnd Mut⸗ ter / sampt jhrem Schwesterlein von neun Jahren jaͤmmerlich vmb das Leben gebracht hat / wie solches in disem... Show more Ein erschroͤckliche newe Zeittung / Welche sich zugetragen vnd begeben zehen Meil von Dantzig in der Hauptstatt Lauenburg da ein Tochter mit Hilff jhres Buhlen Vatter vnd Mut⸗ ter / sampt jhrem Schwesterlein von neun Jahren jaͤmmerlich vmb das Leben gebracht hat / wie solches in disem Gesang auß⸗ fuͤhrlich vermeldet wird. Sampt einem schoͤnen geist⸗ lichen Lied. Von deinetwegen bin ich hie Herr GOtt vernimb mein Wort / rc. Jn der Weis : Von deinetwegen bin ich hie / Hertz Lieb / rc. Erstlich getruckt zu Nuͤrnberg / bei Chri⸗ stoph Lochner / im Jahr / 1664. VOn grosser Traurigkeit vnd Noth laß dich erbarmen O trewer GOtt / was ich jetzund will singen / wanns ein frombs Hertz bedencken thut / moͤcht es vor leyd verspringen. 2. So sich newlich begeben hat / zu Lau⸗ enburg in der beruͤhmten Statt / im 14. Jahr / den 12. Hornung zwar / wie jhr je⸗ tzund solt hoͤren. 3. Ein reicher Burger wohnte da Hanß Verigswuͤck sein Name war / zeuget mit seinem Weib drey Kinder / zwo Toͤchter und ein einigen Sohn / die alliste Tochter darunder. 4. Jn jhrer Jugent thet kein gut jhre El⸗ teren straffens zwar mit der Ruth / darauf / thet sie nichts geben / wie sie erreicht das 16. Jahr / gerieths in vñzuͤchtigs Leben. 5. Mit einem Gesellen thut mich ver⸗ stahn / den wolt sie haben zu einem Mann / die Eltern woltens nicht leyden / dieweil er haͤt ein schlechtes Lob / darumb solt sie jhn meyden. 6. Sie schwur vnd flucht als wer sie toll sprach daß euch beede der Teuffel holl / das mein muͤßt jhr mir geben oder wir wollen in kurtzer frist / euch beede bringen vm̄s Lebẽ 7. Einsmahls als jhr Eltern truncken waren / kam sie mit jhrem Buhlen dar / haͤt jhn im Hauß verborgen / vnd als die El⸗ tern in bestem Schlaff / thaͤtens den Vat⸗ ter erwuͤrgen. 8. Die Tochter nahm jhr Mutter beym Haar / vnd zog sie vber das Beth herab / die Mutter thete sie bitten / sprach hab ich dir doch kein leyd gethan / warumb wilst mich ermorden. 9. Gedenck daß ich mit grossem schmertz / 9. Monat dich getragen hab vnder mei⸗ nem Hertz Gott wird dich darumb straf⸗ fen / ein Kuͤssen warff sie jhr auff den Mund darunder muͤßt sie ersticken. 10. Jhr Schwester in der andern Kam⸗ mer lag, deren gab jhr Buhle mit der Axt ein schlag thaͤt alsobald todt bleiben / dar⸗ nach brachens Kisten vnd Kaͤsten auff / das best thatens auff ein seit darauß. 11. Die Todten Coͤrper nahmens alle drey / vnd trugens in ein Kammer hinein / 2. Beth thaͤtens anzuͤnden / vermeint wanns Hauß verbrennen thaͤt auff sie wurd niemand dencken. 12. Alsbald die Waͤchter vernommen den Rauch / die Haußthuͤr thaͤtens stossen auff / wie sie in die Stuben kamen / da schlug das Fewr gegen sie her / in der gan⸗ tzen Statt wurds laͤrmen. 13. Ein grosses Volck zusamen kam / ohn alle rettung die Fewrsflam / im Augen⸗ blick verschwunden / die Todten Coͤrper alle drey / vnverletzt hat man sie gefunden. 14. Auff hoher Obrigkeit befelch wur⸗ den die beyde gefangen geleit / peynlich ha⸗ ben sie bekendt / daß sie begangen die er⸗ chroͤckliche That / ein vrthel ward gefaͤllet. 15. Sebastian Baur wurd auff ein Wa⸗ gen gesetzt / Susann Wuͤkhin sein liebste zu letst / in der Statt thaͤt mans rumfuͤh⸗ ten / der Tochter gab man den ersten griff / vor jhres Vatters Thuͤren. 16. Auff den Marckt thaͤt man mit jhnen fahren / beyd Haͤnd jhnen abgehauwen waren die Stumppen mit Bech bestri⸗ chen / Sebastian Baur den 1. griff / 2. Rie⸗ men auß seinem Rucken. 17. Der Tochter wurden beyde Bruͤst / am Bucheneck herunder gezwickt / heiß bech darein gespruͤtzet / zum heiß Eysen / hart an dem Thor / dort gab man jhn zu trincken. 18. Auff ein Schleiffen er geleget ward / hinauß geschleifft biß zur Richtstatt / 9. stoͤß mit dem Rad jhm gebẽ / die Moͤrderin auff dem Wagen saß / muͤßt solches alles sehen. 19. Vom Wagen nahm man sie herab / jhr kopff jhr abgeschlagen war / jhr leib mit Fewr verbrent / die Aschen vnder das Rad begraben / jhr kopff darauff ist kommen. 20. Zu letst wegen seiner boͤsen That / man sein Leib geviertheylet hat / vñ auff die Landtstraß gehencket / zu einem Exempel Jung vnd Alt / jnsonderheit den Kindern. 21. Jhr Eltern nembts zu einem Spie⸗ gel an / thut in der Jugend biegen den Baum / thut bitten gar allesamen / daß er euch vor solchem Leyd behuͤt / der Herr JEsus Christus / Amen. Das ander Lied. VOn deinetwegen bin ich hie / Herr Gott vernimb mein Wort / all mein hoffnung hab ich zu dir / du bist mein hoͤchster Hort / du bist mein Trost ob allen / du bist der Heyland mein / ich wuͤnsch zu tausent mahlen / daß ich bey dir solt seyn. Du wohnest in der Hoͤhe / mit Liecht bist du beleid / vil Truͤbsal muß ich sehen / hilff mir auß meinem Leid / hilff mir auß dem elende / das bitt ich fleissig dich / so hat mein traw⸗ ren ein Ende / dein Trew an mir nit brich. Jch wart dein mit verlangen / komb schier du hoͤchster Trost / fuͤhr mich mit dir von dannen / wie du verheissen hast / thu bald herwider kommen / mein Hertz lehnet sich nach dir / fuͤhr mich zum Wasserbrun⸗ nen / thu mich erquicken schier. Jch kan nicht froͤlich werden / weil ich bey dir nit bin / mein Leid thut sich nun meh⸗ ren / schwecht mir Hertz Muth vnd Sinn / laß mich von dir nicht scheiden / in diesem Jammerthal / mein Hertz ist gantz dein ey⸗ gen / in Truͤbsall uͤberal. Jch hab kein groͤsser Frewde / dieweil ich leb auff Erd / als wenn ich hoff der Heyde / die auch bald kommen werd / daß sich Truͤbsal wird neygen / das mich jetz schre⸗ cken thut / denn wird mich niemand schey⸗ den / von dir du ewigs Gut. Jch muß mich jetzt viel leyden / weil du bey mir nicht bist / darumb so thu ich mey⸗ den / der Welt Betrug vnd List jhr liegen vnd bekriegen / das sie treibt alle stund / dar⸗ umb muß ich mich schmiegen / daß ich nit werd verwundt. Dann GOtt hat disen Garten / allein fuͤr die bereit / gezieret schoͤn vñ zarze / muͤs⸗ sen die seyn bekleidt / nichts vnreins will er haben / in disem Gaͤrtelein / das merckt jh stoltze Knaben / die jhr wolt Sünder seyn. Jn dem Garten thut wohnen / ein Koͤ⸗ nig der Ewigkeit / Er tregt der Ehren ein Krone / vnd ein vnsterblichs Kleyd / wer sich Jhm thut ergeben / vnd trawet Jhm allein / soll ewig mit Jhm leben / vnd mit Jhm haben Gmein. Auß dem Garten thut fliessen / ein Bruͤñlein schoͤn vnd zart / gar lauter klar vnd suͤsse / schmeckt nach Goͤttlicher Art / wer deß Wassers thut trincken / dem wird sein Seel gesund / das durch den Garten sincket / fleußt gegen Auffgang der Sonn. Bey disem Wasser klare / stehn Baͤum⸗ lein jung vnd alt / wachsen durch Goͤttliche Gnade / befeucht durch den Vrsprung / das ist der Geist der Gnaden / der reichlich rinnen thut / durch Goͤttlich Lieb herabe / vom allerhoͤchsten Gut. Die Baͤumlein jetzt sehr bluͤhen / mit Frucht der Lustbarkeit / tregt Glaub / Hoff⸗ nung vnd Liebe / Gnad Gunst vnd Saͤt⸗ tigkeit / die Forcht Gottes thut gruͤnen / vor allem Volck herfuͤr / merckt eben wie ichs meyne / der Sommer ist vor der Thuͤr. Der Turteltauben Stimme / hoͤrt man im gruͤnen Wald / wer will mit mir von hinnen ich hoͤr Fraw Nachtigall / zeigt an die Zeit der Gnaden / die jetzt ist auff der Bahn / wer ewig Frewd will haben / der mach sich auff die Bahn. Von dir will ich mich scheyden / O Welt merck eben mich / du stehst in grossem Leyde / Vngluͤck kompt vber dich / dem du nit kanst entrinnen / darumb flieh ich von dir / ich hoͤr meins gliebten Summe / der jetzt geht zu der Thuͤr. Jn meines geliebten Garten / ist Frewd vnd kurtzweil viel / die Engel thun sein war⸗ ten / wer theil dein haben will / muß sich hie lassen zieren / ablegen sein toͤdliches Kleyd / den wird der Koͤnig mitfuͤhren / die also sind bereit. Von dem Garten alleine / sing ich merck auff mit fleiß / ist die Christlich Gemeine / ge⸗ zier wies Paradeiß / mit manchen schoͤnen Gaben / zu Lob der Herrligkeit / wer darinn Frewd will haben / der merck auff rechten Bscheid. Der Garten ist gebawet nach Koͤnig⸗ licher Art / wer jhn begehrt zuschawen / de mach sich auff die Fahrt / thu sich nicht lang hie saumen / sey fertig alle Stund / ich hoͤr jetzt schon Posaunen / auff / auff der Herre kompt. O Gott laß mich nicht wancken / fuͤhr mich auff rechter Straß / daß ich dir dar⸗ umb dancke / vnd lieb ohn vnderlaß / daß ich die Reiß verbringe / durch diese Wuͤste hin / laß mir O GOtt gelingn / ade ich fahr dahin. ENDE. Show less

Hexenmeister und Zauberer in Reutlingen, 1665 / 1666; Das geistliche A.B.C.
Ein erschroͤckliche jedoch war⸗ hafftige vnd erbaͤrmliche Newe⸗Zeitung / Von Haͤxenmeisteren vnd Zau⸗ berern / von welchen so vil zarte Jugend durch deß leydigen Teüffels Betruͤg seynd ver⸗ führt worden / auch wie solches an tag kommen / dar⸗ von zwar etliche erloͤßt worden / theils aber bey... Show more Ein erschroͤckliche jedoch war⸗ hafftige vnd erbaͤrmliche Newe⸗Zeitung / Von Haͤxenmeisteren vnd Zau⸗ berern / von welchen so vil zarte Jugend durch deß leydigen Teüffels Betruͤg seynd ver⸗ führt worden / auch wie solches an tag kommen / dar⸗ von zwar etliche erloͤßt worden / theils aber bey 42. Vom Leben zum Todt erbaͤrmlich seynd hin⸗ gerichtet worden. Geschehen zu Reüdlingen im Hertzogthumb Wir⸗ tenberg zu End deß 1665. vnd Anfangs diß 1666. Jahrs. Jm Thon: Wie man den Sündfluß singt. Sampt einem schoͤnen newen Lied / genant das geistliche A. B. C. Jm Thon: Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn / rc. Jacob am 4. Cap. V. 7. So seyt nun Gott vnderthaͤnig / vnd widerstehet dem Teüffel / so wird er von euch fliehen. Erstlich gedruckt zu Augspurg bey Christoff Schmid / 1666. 1. KOm̄ her Mentsch laß dir sagen / schroͤck⸗ liche Wundergschicht / darvon vor we⸗ nig Tagen / mit Trauren wurd bericht / mit Kummer vnd mit Schmertzen / gar mancher Bidermann / mein Christ führs wol zu Hertzen / dann ich treib gar kein Schaͤrtzen / drumb mer⸗ ckend Fraw vnd Mann. 2. Ein Statt die ist gelegen / im Wirtenber⸗ ger⸗Land / darvon ich euch will sagen / ist Reüdlin⸗ gen genant / ein Mann da ward einzogen / wegen der Zauberey / vnd anderen Teüffels⸗Künsten / die er lang triben sonsten / wurd an die Marter bracht. 3. Darumb wolt er nichts geben / von jhm man nichts vernam / der Boͤß zu jhm thaͤt sagen / dein Kind gib mir zu Lohn / dann ich bin bey dir gewesen / dort in der Marter groß / er sprach ja z'Nacht solst kommen / gschwind hat dFraw jhr Kind gnommen / in JEsu Christe Nam̄. 4. Joͤrg Balle war sein Nammen / ein Ru⸗ mor er anfieng / auffs new wurd er gefangen / der Jammer da angieng / sagt er sey nicht allei⸗ ne / mit Zauberey behafft / sie werden noch vil finden / Weib / Mann vnnd kleine Kinder / die all dem Boͤsen verpflicht. 5. Der Ergst ward auch einzogen / Jost Na⸗ bel bekent doch nichts / ein Hembd man jhm an⸗ zogen / so auff ein Stund zugricht / gesponnen vnd gewaͤben / darauff bekant er frey / vber fünff⸗ zig Maͤgdlein vnd Knaben / die Künst von jhm glehrt haben / durch Teüffels Hilft vnd List. 6. Die Kind so er kont nennen / hat man all gschriben auff / vnd solche lassen kom̄en / fast alle auffs Rahthauß / darunder hat man gsehen / et⸗ lich gar junge Kind / die hat man thuͦn probieren / mit Siber / Gold / Oepffel vnd Biren / welches jhn lieber sey. 7. Den Kindern gab man die Wahle / sie sol⸗ ten nemmen fein / Duccaten / Siberkronen / oder kleine Maͤsserlein / die Kinder thaͤten langen / eins nach eim Oepffel schoͤn / daß ander ein Messer eben / sdritt Nuß vnnd Biren wolt haben / für alles Gold vnd Gelt. 8. Dise thaͤt man verschliessen / wol in ein Stuben groß / zu Gott solt Maͤnniglich ruͦffen / war der Gelehrten Rath / daß sie der Herr erloͤse / vons Teüffels Joch vnd Band / der wie ein Loͤw rumb streichet / biß er die Mentschen erschleichet / vnd endtlich stürtzt zugrund. 9. Deren hat man etlich erhalten / durch Gottes Gnad vnd Krafft / die aber schon veraltet / legt man in Gfangenschafft / biß sVrthel war er⸗ gangen / daß man sie mit dem Schwert / vom Le⸗ ben zum Todt solt bringen / jhr Leib hernach ver⸗ brennen / nach Keyserlichem Recht. 10. Hoͤrt Wunder liebe Christen / ein Statt⸗ Knecht gieng gar spat / ein grosser Herr solt schi⸗ cken / sein Sohn vnd Tochter grad / der Herr sprach wart biß morgen / ich wills erfahren selbs / waß sie gelehrnet haben / wie ich vil ghoͤrt sagen / vnd wie es sey bewant. 11. Morgens weckt er den Knaben / sprach Michel schlaffest wol / wüntscht jhm ein guͦten Morgen / der Knab jhm dancket schon / er sprach ich hab vernommen / es seyen Leuth in eim Land / koͤnnen Haasen vnnd Hirtzen machen / gantze gJaͤgt vnnd andere Sachen / daß seynd wol gschickte Leüth. 12. Vatter das ist kein Kunste / ich kan das al⸗ les wol / führt jhn in die grosse Stuben / macht jhm ein Gjeg daher / von Hünd / Füchs / Haasen / Hirtzen / auch ein Gestrüpp darzu / der Sohn dar⸗ zu thaͤt singen / dem Vatter moͤcht sHertz zer⸗ springen / sprach mein Sohn es ist gnuͦg. 13. Der Vatter thaͤte gehen / zum anderen Kaͤmmerlein / Anneli wilst auffstehen / gehn mit der Müetterlein / so thuͦ dich gschwind anziehen / Vater ich fertig bin / er sprach hast nichts ver⸗ nom̄en / in ein Land seynd Leüth kom̄en / koͤñen vil schoͤner Künst. 14. Naͤmblich auß eim Tisch zaͤpffen / weissen vnd rothen Wein / die schoͤnste Milch zu melcken / auß einem Zwaͤhelein / wann wir nur das auch koͤnten / es sprach das kan ich wol / er sprach so laß mich sehen / ein Melchteren thaͤt da stehen / nun milck mir auch hierein. 15. Das Maͤgdlein fieng an melcken / auß ei⸗ nem Tischtuͦch guͦt / biß vast voll war die Melch⸗ tern / vnd sprach habt jetz verguͦt / sonst müeßt die Kuh verderben / der Herr sprach milck nur fort / bald schrauwe ein Burger mit Sorgen / mein be⸗ ste Kuh ist verdorben / war erst frisch vnd gesund. 16. Der Herr sprach lieber Nachbaur / ich weiß wers hat gethan / gehe hin zu meiner Scheü⸗ ren / da werden zehen stan / nimb welche dir gelie⸗ bet / mein Tochter hats gethan / seine Kind thaͤt er selbs führen / auffs Rathauß zu seinen Mit⸗ Herren / sagt wies ergangen war. 17. Daß Vrthel war gefellet / vber den Mei⸗ ster gschwind / an ein Gaul ward er bunden / sFewr vnder jhm anzündt / mit glüeenden heis⸗ sen Zangen / zerriß man jhm sein Leib / verbrent zu Staub vnd Aschen / weil er so Gottsvergessen / verführt manchs Muͦtterkind. 18. Einen anderen lebendig / man ins Fewr gworffen hat / bey viertzig Soͤhn vnd Toͤchteren / gerichtet mit dem Schwert / mehrtheils hernach verbrennet / weil sie so schroͤckenlich / Mentchen vnd Viech verderbet / durch Hagel vil verherzet / vnd sonst vil Boͤses gstifft. 19. Jhr frommen Mann vnd Weiber / laßt euch diß zHertzen gahn / thuͦt kein Gspoͤtt hierauß treiben / ruͦfft JEsum Christum an / der für vns ist gestorben / vergoß am Creütz sein Bluͦt / daß Er vns woͤll erloͤsen / vom Teüffel vnd allem Boͤsen / Amen das werde war. Geistliches A. B. C. A. ACH HErr du allerhoͤchster GOTT / sih an die klaͤglich grosse Noth / in gantzen teutschen Landen / solch Rauben / Brennen / Bluͤt vnnd Mord / von den Christen vor nie gehoͤrt / seit die Welt hat gestanden. B. Bey vns ist Jammer vnd grosse Noth / Sih du darein O trewer Gott / vnser Elend laß dich erbarmen. Sih du nicht an die grosse Suͤnd / damit wirs wol haben verdient / komm du vnd hilff vns Armen. C. Claͤglich so ruffen wir dich an / viel grosser Suͤnd han wir gethan / gefuͤhrt ein gottloß Leben / Dein heilig Wort so gar veracht / dasselbig nicht einmal betracht / O GOTT wollst vns vergeben. D. Die Warnung der Frommen Diener dein / haben wir nur gehoͤrt allein / ken Buß hat man vernom̄en / Derwe⸗ gen alle dise Plag / die wir jetzt sehen alle Tag / auff einem Hauffen kommen. E. Ehrgeitz der ist gesessen ein / ein jeder will der beste seyn / kein Maß will man nicht halten / Daher ein jeder dicht vnnd tracht / O haͤtt ich nur Weltlich Pracht / bey Jungen vnd bey Alten. F. Fluchen vnd Schwern nimbt uͤberhand / man achtet gar kein Suͤnd noch Schand / niemand laͤst jhm solchs weh⸗ ren / die Vnzucht ist so gar gemein / es wissens auch die Kinder klein / die Alten thun sies lehren. G. Guͤt vnd Gelt liebet alle Welt / nach solchen sie stets tracht vnd stellt / darnach steht jhr Verlangẽ. Es sey mit Fug / Glimpff oder Recht / Es gilt jhr alles gleich vnd schlecht / damit thut sie fast prangen. H. Hoffart hat noch nie guͤt gethan / schaw alle Reich auch Babylon / wo sind sie doch hinkommen? Also wirds gwiß vns auch ergehn / es will doch niemand Buße thun / das hab ich wol vernommen. J. Jch weiß es wol / du glaubst es nicht / heiß mich ein Thorn / wenns nicht geschicht / allweg hat mans gesehen / Wenn man Goͤttlich Warnung veracht / kein Wunder⸗ zeichen will nem̄en in Acht / Pharao ists auch geschehen. K. Krieg vnd Blut ist auch vor der Thüer / Hunger vnnd Thewrung ruckt auch herfuͤr / Pestilentz thut herschweben / daß macht allein die grosse Suͤnd / damit wirs wol haben verdient / auch vnser Gottloß Leben. L. Last vns bessern / ist grosse Zeit / die Axt schon an dem Baume leit / drey Ruten sind vorhanden / Krieg / Pesti⸗ lentz vnd auch Thewrung / sind das nicht Straff vnd Plagen gnuͤg / in vnsern Teutschen Landen. M. Man glaubt auch nicht / mir alls veracht / vergangne Straff man nicht betracht / ist hin / ist schon vergessen / O du Gottloses Sodome / es ist dir nicht zu rahten mehr / das kan ich wol ermessen. N. Ninive die sehr grosse Statt / von Warnung sich be⸗ kehret hat / bessert ihr gottloß Leben / wie lang haben wir nun gehoͤrt / die Warnung Gottes heiligs Wort / vns zu keiner Buß begeben. O. O GOtt / wie sind wir also blind / erbarm dich doch der kleinen Kind / dein Gnad thu vns beweisen / von vns wend dein gerechten Zorn / wir sind sonst gantz vnd gar verlorn / ewig wollen wir dich preisen. ENDE. Show less

Bericht über mordende Waldbewohner 1667 / 1668; verbrecherische Geschwister, Herzogtum Mechelburg, 12. April 1668
Zwo warhaffte / newe vnnd grundliche Beschreibungen / die erste meldet vnd zeigt an von dreyen erschroͤcklichen Waldmoͤrderen / so sich in vnderschiedlichen Waͤlden deß 67. wie auch 68. Jahrs haben auffgehalten / was sie aber in den benandten Waͤlden / als namblich in dem Wald bey Buͤtsch im... Show more Zwo warhaffte / newe vnnd grundliche Beschreibungen / die erste meldet vnd zeigt an von dreyen erschroͤcklichen Waldmoͤrderen / so sich in vnderschiedlichen Waͤlden deß 67. wie auch 68. Jahrs haben auffgehalten / was sie aber in den benandten Waͤlden / als namblich in dem Wald bey Buͤtsch im Waͤsterich gelegen / wie auch in der Churfuͤrstlichen Pfaltz / in dem langen Candeler / Burgerwald / wie auch in dem Creutzwald / fuͤr Leuth vnd Persohnen haben schroͤckenlich ermoͤr⸗ det / vnd was sich weiters mit jhnen verloffen / vnd zu⸗ getragen / wird der guͤnstige Leser in dem Gesang zu⸗ vernemmen haben: wie aber der aͤrgste den 28. Tag Mertzen / von einer Christenlichen Obrigkeit ist hingerichtet worden zu Sanct Waͤndel. Die andere Zeitung. Meldet / vnd zeigt an / von zweyen Ge⸗ schwuͤsterten; so sich begeben vnd zugetragen / auß dem Hertzogthumb Mechelburg / deß 68. Jahrs / den 12. Tag Aprellen: was sie fuͤr vbels haben angestellt / wird der guͤnstige Leser in disem Gesang zu vernemmen haben. Erstlich gedruckt zu Franckfurt am Mayn / Jm Jahr Christi 1668. Die erste Zeitung. WAch auf du werthe Christenheit / vom tieffen Schlaff der Suͤnden / der Tag deß Herren ist nicht weit / vber vns Men⸗ schen Kinder / daß macht allein der Suͤnden Schuld / daß wir vns nicht bekehren / vnd auch verwuͤrckt habn Gottes huld / der vns all Tag thut nehren. 2. Auß Waͤsterich / schreibt man gewissen bricht / von erschroͤcklichen dingen / so bey Sanct Waͤndel / geschehen ist / im Doͤrfflein heißt Waͤdlingen / ein Witfraw allda / wohnen thut / von ehrbarlichem Stam̄en / war zimblich reich an Gelt vnd Gut / Maria Faltz / mit Namen. 3. Die Witfraw hat drey Kinder klein / wel⸗ che sie aufferzogen / mit grosser Muͤhe vnd Ar⸗ beit fein / da wolten sie nicht mehr folgen / der elt⸗ ste Sohn war alt zwantzig Jahr / der treibt ein gottloß Leben / mit spihlen / vnzucht fuͤllerey / thaͤt er sein zeit vertreiben. 4. Der Oberkeit wurds kundt gethan / man thaͤt jhn drumb abstraffen / man wurff jhn acht Tag in den Thurn / eh man jhn rauß hat glassen / so bald er nun ist kommen heimb / da brach er vber den Kasten / vnd nahm der Mutter Gelt zu jhm / thaͤt sich mit darvon machen. 5. Da kam er in das Staͤttlein / Buͤtsch zu zweyen gottlossen Gsellen / er thaͤt sein Geltlein / liederlich versauffen vnd verspilen / da hielten sie ein boͤsen rath / was sie wolten anstellen / sie mach⸗ ten sich bald auff die Straß / dise drey gottloß Gsellen. 6. Gar bald ein reicher Kraͤmer kam / von Buckemun thu ich sagen / den theten sie alsbald lauffen an / vnd jaͤmmerlich todt schlagen / zween Handtwercks Gsellen ohn gefahr / durch den Wald muͤßten reisen / die thaͤtens alsbald lauffen an / vnd jaͤmmerlich hinder schleichen. 7. Sie stachens alle beyd zu todt / ach weh deß grossen Schmertzens / daß von jhn fluß das Blut so roth / auß jhren vnschuldigen Hertzen / acht gantzer Tag sag ich fuͤrwar / sie in dem Wald thaͤten streiffen / biß daß zween junge Metzger ka⸗ men / die thaͤtens auch angreiffen. 8. Den einten schlugens bald zu todt / der an⸗ der thaͤte sprechen / ey jhr Boͤßwichter all drey / mit euch will ich braff fechten / daß Gott erbarm / es war bald auß / mit seinem jungen Leben / sie hiewen jhm den Kopff entzwey / mit seinem eyge⸗ nen Sebel. 9. Von ober Brunn ein Mann vnd Fraw her kamen / wie ich sagen / die habn sie alle beyde bald / auch jaͤmmerlich ztodt gschlagen / sie zogen in Churfuͤrstlich Pfaltz / in Flecken langen Can⸗ del / alldort habn sie im Burger wald / auch sehr vbel gehandlet. 10. Erstlich zween Schmidknecht thut ver⸗ stohn / habns jaͤmmerlich z'Todt gschlagen / eim Maͤgdlein von achtzehen Jahren / dem namen sie auch das Leben / noch fuͤnff Persohnen in dem Wald / also hab ich vernommen / haben sie schroͤcklich ermoͤrdet bald / ehe sie darauß seynd kommen. 11. Jm Creitzwald habns auch vbel / mit einer schwangeren Frawen / dieselbig habn sie geschnit⸗ ten auff / die Frucht auß jhr genommen / ach Gott das gut vnd fromme Weib / thaͤt Fruͤndtlich zu jhn sprechen / verschonet doch meinem grossen Leib / thut Gott den Herren foͤrchten. 12. Jhr lieben Herren vnd gute Fruͤnd / thut doch mein Bitt anhoͤren / ich hab nichts dann sechs kleine Kind / die ich allein muß nehren / zwen reiche Herren ohn gefahr / von Metz rauß thaͤten kommen / traffen die drey Gesellen an / bey diser schwangern Frawen. 13. Welche war auffgeschnitten schon / das Kindlein dort gelegen / gar Elend nackend vnd auch bloß / welches noch war bey Leben / sie er⸗ schracken hart ab diser that / thaͤten zu dem gwehr greiffen / schussen zu Todt bald zwen darvon / der dritt war jhn entloffen. 14. Er lieff bald heim / nach Sanct Waͤndel nein / kam an das Wasser forren / da draff er an / ein trunckener Mann / den hat er auch ztodt gschlagen / da zu der frist diser boͤßwicht / nun wider heim ist kommen / hat jhn sein Mutter tu⸗ gentlich / vnd gantz freundlich vmbfangen. 15. Der Teuffel jhn besessen hat / wolt vmb kein Straff nicht geben / biß daß er seine Mutter alt / auch hat gebracht vmbs Leben / sie fiel in eine Kranckheit schwer / der Teuffel thaͤt jhn stifften / er gab der Magd ein boͤse Lehr / sie solt jhr Tranck vergifften. 16. Das Maͤgdlein folgt deß juͤnglings raht / doch aber nicht in ehren / wo ers in vnzucht brau⸗ chen wolt / da thaͤt es sich nicht wehren / da sie darvon gestorben war / wolt sie lassen begraben / die magd solt sie legen an / da thaͤt sie ein zeichen geben. 17. Da nam man das gantze haußgesind / gefangen wie ich sagen / fuͤhrts fuͤr die Oberkeit geschwind / man thaͤt die Magd bald fragen / da hat sie also bald bekennt / die erschroͤckliche Tha⸗ ten / sie thaͤt auch weiters zeigen an / wie jhrs der Sohn hab gerathen. 18. Der Knab wurd auch examiniert / da thaͤt er bald bekennen / was er fuͤr vbels hab ge⸗ uͤbt / mit zweyen gottlosen Gesellen / darauff ein Oberkeit gar bald / die vrthel hat gesprochen daß man den grossen Moͤrder solt / an seinem Leben straffen. 19. Erstlich die Finger alle sampt / hat man jhm abgeschnitten / auff eine Schleiff man jhn auch bund / mit Zangen zu jhm greiffen / hinauß geschleifft auff die Waldstadt /da war geruͤst ein Esel / auff den man jhn gesetzt hat / welcher ist fewrig gewesen. 20. Da man jhn wider genommen ab / mit dem Rad thaͤt man jhn stossen / ja alle seine Gli⸗ der ab / auff das Rad jhn geflochten / die Magd wurd gerichtet mit dem Schwerdt / man thaͤt jhr Gnad beweisen / weil sie der arge Boͤßwicht / haͤt gebracht in solches Leyden. Die ander Zeitung. HOeret was ich will singen / jhr lieben Christen⸗ leuth von erschroͤcklichen dingen / so sich vor kurtzer zeit begeben hat in diesem iahr / an dem 12. tag Aprellen im Mechelburger landt. 2. Zu Rebel da thaͤt wohnen ein burger wol be⸗ kandt / der treibt mit seiner schwester hurerey vnd groß blut schand / so lang biß daß sie schwanger gieng / da nun die zeit war kommen / zwey kinder sie empfieng. 3. Das eine war ein knaͤblein / daß ander ein maͤgdlein zart / sie habens alle beide gar schroͤckelich er⸗ moͤrdt / vnd erbaͤrmlich vmbs leben bracht / das fewr in dem bachofen alsbald wurd ein gemacht. 4. Die kinder bey sammen / schroͤcklich darinn verbrennt / in grossen fewres flammen / mit schrecken vnd ellend / noch wolten sie nicht lassen ab / sondern groß hurerey treiben / biß sie widerumb schwanger war. 5. Da nun die zeit war kommen / daß sie gebaͤhrẽ solt / ist sie spatzieren gangen / mit zwo maͤgden ins holtz / das geschah den 12. Aprellen tag / hat sie ein wunderliche geburt auff die welt gebracht. 6. Sie wolts auch thun vertuͤschen / bringen vmbs leben sein / das kind gar inniglichen hertzlich zu weinen fieng / das hoͤrten die zwo maͤgd gar schan / thaͤten zu⸗ sammen sprechen / es thut nicht recht zugehn. 7. Sie fuͤhrten sie mit glimpfe / wol in die statt hin⸗ ein / auffs rahthauß thaͤt man tragen / das wunder⸗ seltzam kind / war erschroͤcklich zu sehen an / an seinem gantzen leibe thaͤt es viel zeichen haben. 8. Das kind war also beschaffen / erstlich hat es zwen koͤpff / vier arm / thaͤt es auch haben / deß gleichen nur zwen füß / auch nur ein leib vnd nur ein hertz / hat diese magd gebohren / von jhrem bruder her. 9. Weiters thaͤt das kind haben / ein flor vmb den rechten hals / wies jetzt die leut thun tragen / es sey arm oder reich / vnd vmb den lincken thaͤten seyn / auff sechs facht rot karellen / paͤrlen vnd edelgstein. 10. Weiters will ich anzeigen / was vmb den Leib thaͤt gohn / ein band wie lauter seyden / vnd lange spitzẽ dran / vmb seine hendlein thaͤten seyn / auff die fuͤnfffach grannetlein perlen vnd edelgstein. 11. Weiters thaͤt das kind haben / ein schlang wol vmb den hals / fuͤr einen grossen kragen / hat in dem mund ein strauß / daran haͤngten viel lieberey / das find doch alles zeichen daß hoffart ein laster sey. 12. Man thaͤte das kind haben auff dem Rathauß ich sag / biß an den dritten tag / da fiengs zu reden an / vnd fuͤhrte gar ein grosse klag / vber die schweren Suͤn⸗ der klagt Vatter vnd Mutter an. 13. Der einte kopff thaͤt schreyen / vber den Vatter rach / daß er mit seiner schwester / hat groß Blut schand vollbracht / bey gezeugt zwey Kinder zart / welche sie alle beyde schroͤcklich vmbs leben bracht. 14. Weiters thaͤt es anzeigen / was das seidenflor bedeut / ein Band von stahel vnd eisen daran der Sa⸗ tan euch wird schmiden in hoͤllischer Pein / daß jhr ver⸗ brennt haben ewere zwey Kinder klein. 15. Die schlangen will ich anzeigen / so vmb den Leib thut gon / thue euch warhafft bedeuten / die strick vnd Band fuͤrwar / in den jhr jetzt schon lange Jahr / gebun⸗ den vnd gefangen / zeigt euch die Hoffart an. 16. Die schlangen die ich habe / die ligt vmb meinen hals / will ich euch bald anzeigen / was das bedeutet als ein strauß hat sie in jhrem Mund / ist auch der Hoffart ein Zeichen / daß sies vergifften wolt. 17. Der schoͤnste Engel Gottes / der heißt Lucefer / ist von der Hoffart wegen / gestuͤrtzt wol in die hoͤll / mit sambt einer grossen Schaar / die alle thaͤten hangen / der stinckenden Hoffart an. 18. Darauff nam mann gefangen / die zwo Per⸗ sonnen beyd / vnd thaͤts examinieren / da haben sie bald erkennt / jhre begangene vbelthat / sagten wie es waͤr er⸗ gangen / alles von wort zu wort. 19. Die vrthel thaͤt mann geben / daß Mann die beyde solt / straffen an jhrem Leben / also vmb der gestalt / der Mutter thut mich recht verstahn / hat mann mit gluͤenden zangen die bruͤst außreissen lahn. 20. Gleich wie deß Frommen Abels / sein vil vn⸗ schuldig Blut / hinauff in Himmel schreiet / zu Gott dem Herren gut / also thun auch die Kinder klein / jhr Vatter vnd Mutter bringen / vmbs Leben gleich. 21. Mit dem Schwert thaͤt mans Richten / ja alle beyde sambt / darnach gar schroͤckeliche / auch in dem fewr verbrenn / wie sie gethan jhren Kindern klein / die sie auch beyde sammen / haben verbrennt in dem fewr. ENDE. Show less

Belagerung von Candia, 1669; Loblied "Gott gibt mehr in einem Tag als ein Kaisertum vermag"; "Auf ihr Augen lasst die Nacht, das Welt Auge ist erwacht"
Warhafftige Beschreibung Von der Stadt Candia / Wie dieselbige nach zwey und zwatzig Jaͤhriger Belaͤgerung endlich im 69. Jahr mit Accord von den Tuͤrcken ist eingenom̄en / werden fromme Christen im folgenden Gesang vernehmen. Jm Thon: O Todt mit deinem rc. Das Andre. GOtt giebt mehr in... Show more Warhafftige Beschreibung Von der Stadt Candia / Wie dieselbige nach zwey und zwatzig Jaͤhriger Belaͤgerung endlich im 69. Jahr mit Accord von den Tuͤrcken ist eingenom̄en / werden fromme Christen im folgenden Gesang vernehmen. Jm Thon: O Todt mit deinem rc. Das Andre. GOtt giebt mehr in einem Tag / als ein Kaͤyserthumb vermag / rc. Das Dritte. Auf ihr Augen last die Nacht / das Welt Auge ist erwacht / rc. Gedruckt im Jahr / 1671. Das erste Lied / von Candia. Ermuntert euch jhr Christen / ermun⸗ tert euch vom Schlaff / des Tuͤrcken⸗ Muͦth und Listen / die toben euch zur Straff: sein brennen und verheeren / greifft um sich weit und breit / wacht auff und helffet mehren / es ist sehr hohe Zeit. 2. Bißher wir taͤglich hoͤren / alle wochen und auch stund / daß er sich so last hoͤren / der grausame Bluthund / in Venedischẽ Landen / in Candien ich sag / so lang thut er es treiben / sochn zwanzig Jahr und Tag. 3. Daß er das edle Reiche / mit seiner grossen Macht / und alles uͤberwunden / uñ in sein Gewalt gebracht / ach Gott laß dich erbarmen / frisch deine Christen an / und stärcke jhre Arme / daß sie jhm wehren thun. 4. Jm Jahr sechshundert sechtzig sieben / das ist gewißlich wahr / auffs neu kam angezogen / der Tuͤrck mit grosser Schaar / mehr denn wol hun⸗ dert tausend Mann bracht er in das Land / durch seinen Generale / welcher vor war bekandt. 5. Jn Ungern vor Neuhaͤusel / Grand⸗Vezier wird genãdt / welcher jetzund vor Candien ist ziem⸗ lich wol bekandt / mit schiessen und mit stuͤrmen / hat Tag und Nacht kein Ruh / sie wehren sich drein wacker / und schlagen tapffer zu. 6. Die Vestung ist umbgraben / mit lauter Mi⸗ nen gut / wañ er vor eine thaͤt springen / so kost es gar viel Blut / wie dann sehr offt geschehen / daß sie springen lahn / in stuͤrmen welches kostet / Tuͤr⸗ cken viel tausend Mann. 7. Wie dann auch gar neulichen / durch einen starcken Außfall / der hurtigen Frantzosen / und der Cartaunen Knall / mit grosser Macht und Fury die Tuͤrcken gefallen an / das jhnen hat gekostet / drey in vier tausend Mann. 8. Vier Stuͤck hat man bekom̄en / darzu auch wol vernaͤgelt / welche zuvor auff die Vestung / ge⸗ waltig sehr gehagelt / es lag alles voller Todten / am ganzen Meeres Strand doch hat es auch ge⸗ kostet / manchen tapffern Frantze Mann. 9. Der beruͤhmte Graff von Waldeck / sich wol gehalten zuvor / in Ungern und in Oesterreich war General Major / es hat jhm wol geraten / in Po⸗ len und in Siebenbuͤrgen / thaͤt ritterliche Tha⸗ ten / die Tuͤrcken zu erwuͤrgen. 10. Darauff er GOtt zu Ehren / und zu erhal⸗ ten sein Wort / den Tuͤrcken zu verwehren / macht er sich wieder fort / nach Candien marschieret / mit einer grossen Macht / sich trefflich præsenti⸗ ret / haͤlt treulich gute Wacht. 11. Auff Sanct Andræ Pasteye / welche die ge⸗ faͤhrligste war / siegt ritterlich ohn scheue / mit sei⸗ ner Christen⸗schaar / der Tuͤrck thaͤt grossen scha⸗ den / hat jhn offt abgetrieben / die Sturm jhn nicht gerahten / viel Bluthund sind geblieben. 12. Biß endlich durch Granaten / jhm an ein Bein verletzt / das thuͤt ihm grossen Schaden / und jhm sein Leben verkuͤrtzt / der Bluthund also wuͤtig / hat in solanger Zeit / viel Schaden zuge⸗ fuͤget / ach GOtt es sey dir leyd. 13. Den Tuͤrcken thaͤt stets kommen / ein starker Succurs an / wie wir dann haben vernommen / vier tausend guter Mann / den besten Janitscha⸗ ren / so gar neu kommen an / welche alle vermei⸗ nen / gut Beut zu bringen davon. 14. Ob wol viel Vloͤcker kamen / auch aus der Christenheit / und jhnen ganz fuͤrnahmen / von Candien mit Streit / den Tuͤrcken abzutreiben / hats doch nicht wollen seyn / wie die Abisen schrei⸗ ben / der Tuͤrcken muß Herr da seyn. 15. Denn weil sichs nicht mehr halten / fuͤrm Strum̄ und Schiessen kundt: Wagts hin auch Gottes Walten / Accord mit den Bluthund : thaͤ⸗ ten auff die Thor und Pforten / und ließ die Tuͤr⸗ cken ein / vertraut den guten Worten / und gab⸗ sich willig drein. 16. Was zur Besatzung lage / mehr denn 4000 Mann / die zogen auff den Tag / begleitet wol da⸗ von daneben auch die Buͤrger / und die daselbst zu Hauß 8000. diesem Wuͤrger / entgingen von dar⸗ aus. 17. Also ist es nun geschehen / wie sich Vezier geruͤhmt / das er von dar nicht gehen / wies einem Held geziemt / biß Candien bezwungen / und ein⸗ genommen haͤt : Es hat jhn doch gelungen / wie er geloben thaͤt. 18. Doch hat der Tuͤck verlohren / ist gewiß wie ich euch sing / in diesen zweyen Jahren / ein grosses Wunderding / mehr dann wol hundert tausend Mann hat er gebuͤsset ein / in diesen zwey⸗ en Jahren / las dis ein Wunder seyn. 19. Wenn wir die Brieff durch sehen / die zwey und zwantzig Jahr / hat er davor ver⸗ lohren / ist gewiß und offenbahr / meh dann vier⸗ hundert tausend Mann / hat er gebuͤsset ein / vor diesen edlen Candien / O Christ schlag tapffer drein. 20. Doch hat es auch gekostet / in dieser langen Zeit / wol hundert tausend Christen / wie ich be⸗ richte heut / doch meiste sind gestorben / an Kranck⸗ heiten fuͤrwahr / gar wenig sind umkommen / wol durch den Saͤbel⸗Schaar. 21. Darumb jhr wehrten Christen / allesampt in der Welt / thut euch tapffer ruͤsten / weil sich der Bluthund stellt / als wolt er alles bringen / unter seine Gewalt / ach tretet doch zusammen / und wehret jhm doch bald. 22. GOtt wird euch nicht verlassen / obs schon bißweilen hart gehet / er thut euch nur probieren / wie jhr im Glauben steht: Er wird euch nicht ver⸗ lassen / halt nur zusammen jetzund / er wird euch wol bewachren / vor dem Tuͤrkischen Hund. Das andre. GOtt giebt mehr in einem Tag als ein Kaͤyserthumb vermag / und bleibt doch ein reicher GOtt / je mehr er gibt je mehr er hat. Meer und Erden Laub und Graß / Vogel / Fisch ohn unterlaß / geniessen das in grosser Zahl / taͤglich stuͤndlich alzumahl. Alle unsere Rederlein / die geringsten Bei⸗ nelein / Leib und Seel bezeugen das / herrlich uͤ⸗ ber alle maß. Denn sein Wort in einem Tag / mehr als alle Welt vermag / bringt in allem Hertzeleid / Friede / Freud und Seligkeit. Auch dem Leibe mangelt nicht / Nahrung / Kleider / Lufft und Licht / Regen / Wind Son⸗ nenschein / muͤssen Segens Diener seyn. Offt ein Regentroͤpffelein / offt ein Son⸗ nenblickelein / fruchtet mehr in einem Tag als ein Keyserthumb vermag. Wie vielmehr in Ewigkeit wird die reiche Guͤtigkeit / alle alle Augenblick / machen neues Freudengluͤck. Tausend tausend Kaͤyserthum / sind gar nichts in einer Summ / Gott wird alles in allem seyn / Ehre / Fried und Freudenschein. Drumb O mein Hertz preisse fort / deinen GOtt der hie und dort / dir gibt mehr in einem Tag / als ein Kayserthumb vermag. Das Dritte. AUff jhr Augen last die Nacht / das Welt Auge ist erwacht / auf die schoͤne Morgenroͤht / schon in jhren Gol⸗ de steht. Jedes Voͤglein hat sein Lied / schon gespielt des Schoͤpffers Guͤtt / auff er⸗ wache meine Ehr / bring auch dein danck opffer her. Grosser Gott ich sage Danck / daß mein Leib nicht siech und kranck / sondern wol geschlaffen auß / ohne Schreckung Furcht und grauß. Dein Schutz hat mich wol bedeckt / daß mich nicht im Traum erschreckt / daß mich Satans List und Macht / nicht betruͤbt in dieser Nacht. Jst mein Bette gleich mein Grab / ich dabey doch Hoffnung hab / daß wie ich jetzt aufersteh / und geschickt zur Arbeit geh. Also sol das / was ich bin / noch ge⸗ schickter als vorhin / schoͤner als der Morgenschein / in der Aufferstehung seyn. Nun HERR leite Sinn und Muth / daß er heut was gutes thut / daß er auch nicht stimmet ein / so dir mag zu⸗ wieder seyn. Meine Arbeit Ampt und Fleiß / die ich thue auf geheiß / treulich redlich nicht zum Schein / laß O HERR gesegnet seyn. Schuͤtze selbst mein Haab und Gut / meinen sauren Schweiß und Blut / weh⸗ re aller Suͤnd und Schand / nehre mich in meinem Stand. Drauf O Glieder die jhr seyd / quit von aller Muͤdigkeit / greifft nun eure Arbeit an / geht mit Lust und beten dran. ENDE. Show less

Überwältigung eines ausgerissenen Stiers; Von dem schmachsichtigen Jüngling
Zwey schoͤne newe Lieder / Das erste Lied. Der Thauner⸗Stier Wie er in der Statt Thun so übel gehauset vnd ruinieret hat / vnd doch endlich ist uͤberwun⸗ den worden. Jn seiner eygenen Melodey. Das Ander : Von dem schmachsichtigen Juͤngling. Lachet doch der alten Narren / rc. Jn seiner... Show more Zwey schoͤne newe Lieder / Das erste Lied. Der Thauner⸗Stier Wie er in der Statt Thun so übel gehauset vnd ruinieret hat / vnd doch endlich ist uͤberwun⸗ den worden. Jn seiner eygenen Melodey. Das Ander : Von dem schmachsichtigen Juͤngling. Lachet doch der alten Narren / rc. Jn seiner eygnen Melodey. Getruckt im Jahr Christi / 1671. Das Erste. 1. ZV singen ich ein Lust hatte / ein newes Liedlein schon / was sich zutragen hatte / wol in der Statt zu Thun / im tausend vnd sechshundert / im ein vnd fuͤnfftzigsten besonder / vil Kummer vnd Vnruh. 2. Die Statt ist wol erbawen / mit Mauren eyngemacht / da seynd gar vil der Jungen / mannliche Burgerschafft / in Stuͤrmen vnd in streitten / sicht man zu allen Zeiten / jhr Hertz vnd Mannes⸗Krafft. 3. Vnd grad zu Herpstes Zeiten / im erstge⸗ meldten Jahr / da mußten sie erleyden / gwiß⸗ lich ein grosse Gfahr / mit eim vngheuren Stiere / jhr Hertz erzittert schiere / der gantzen Burgerschafft. 4. So vil ich hab erwogen / nun glaubend gwißlich mir / ein Burger hat erzogen / einen wunder schoͤnen Stier / gemest ein gantzes Jahre / bracht sie in grosse Gfahre / ich darffs nicht melden schier. 4. Als nun die Zeit ist kommen / daß man den Stier wolt schlan / Herr Niclaus Fuchser kame / bruͤfft z'sammen tapffere Mann / man solt jhm auch beyspringen / es moͤcht jhm sonst mißlingen / es soll zuverdienen stahn. 6. Gar tapffer kam der Kaͤrnen / der kuͤhnen Burgerschafft / jhr Mannheit zugewaͤren / mit einem Wehr zaghafft / den Stier wollen wir entleiben / jhm sein gut Sach vertreiben / die er so lang ghan hat. 7. Da sie zur Schewren kamen / die Thuͤren thaͤten auff / der Stier stuͤtzt seine Brawen / vnd ließ ein harten Schnaff / jhr Hertz das thaͤt sich weigern / wird sich auch sehr erzeigen / nun sehen all darauff. 8. Ein schnellen Rath sie gaben / vnd jhren der mehrte Theyl / ein jeder solte haben / ein frisch new haͤlsig Seyl / sampt andern Jn⸗ strumenten / der Stier muß vns nicht geschaͤn⸗ den / vnd waͤr er noch so geyl. 9. Da kam Jacob an gluͤcken / der starcke Hil⸗ debrand / darab ich nicht erschricke / vnd nahm den Stier zuhand / Jacoblin will ich nicht heissen / Jacob will ich beweysen / da gieng der Streitt erst an. 10. Grausamb thaͤt sich erzeigen / der Stier mit grimmer Hand / er thaͤt gar uͤbel hausen / mit dem guten Hildebrand / man doͤrfft jhm nicht z'hilff kommen / der Stier den Sieg hat g'wunnen / den andern allen z'leyd. 11. Da thaͤt man nichts dann schreyen / das gieng es war ein grauß / der Stier mit Hilde⸗ branden / fuhr uͤber d'Kuͤhbruck auß / da schlug man auff die Trommen / man solt jhm zu hilff kommen / sein Leben waͤr sonst auß. 12. Wo thut doch herkommen / sprachens ge⸗ mein in der Statt / daß man Nußbaum dem frommen / sein Muͤnch genommen hat / man ließ dabey nicht grahten / thaten Geyssen vnd Katzen braten / zu letst folgt Gfahr darauff. 13. Da eylten alle Mußquetierer / uͤber die Kuͤhbruck auß / wol mit dem Stier zustreiten / mit Forcht vnd grossem Grauß / da war kein Baum noch Linden / man floh drauff vnd darhinder / vnd gaben Fewr auff jhn. 14. Jch haͤtt mich schier verschworen / also wehrt sich der Stier / man schoß jhn an die Horne / vnd an die Rippen schier / das Blut thaͤt herauß spritzen / waͤren da nicht dreyssig Schuͤtzen / das Feld waͤr bliben dem Stier. 15. Ach Mord uͤber Mord / schrey da ein Ka⸗ chelmann / mich rewen meine Kachlen / die ich so thewr kaufft han / da stieg er auff die Lin⸗ den / der Stier muß mich nicht finden / ehe will ich d'Kachlen lahn. 16. Der Stier war uͤberwunden / mit frewden gfuͤhrt in d'Statt / was man fuͤr Bley bey jhm gfunden / zwey Pfund gewogen hat / Hanß Lonner hat jhn gschunden / Hildebrand war bald verbunden / das Fleisch auch auß⸗ theilt war. 17. Sie luͤfften den Schaller auffen / wol in das Taubenhauß / was solt er droben schaf⸗ fen / die Katzen jagen auß / da griff er auff sein Daͤgen / vnd wolt der Katzen geben / sprung sie zum Laden auß. 18. Sie fuͤhrten die Katz aussen / wol in die Esels⸗Matt / gebunden an ein Linden / mit Seyl vnd Stricken hart / du hast mir Tau⸗ ben gfressen / ich kan dirs nicht vergessen / must mir das Leben lahn. 19. Jhr Nammen auffzuschreiben / dient den Nachkommenen z'nutz / es thaͤt den Wolff⸗ gang ziehren / allda dann Meister Schutz / vnd die der Muͤh seynd vndergeben / auff Baͤum vnd hinder den Haͤgen / ist diß Lied zu ehren gemacht. 20. Diß Lied thut sich beschliessen wol mit dem Kiley Bock / den sie thaͤten verbrennen / vnd dem Nußbaͤumigen Stock / die Merlinger thunds jhn schencken / das Kelle hinden an⸗ hencken / zu der gebrattenen Katz. Das Ander. 1. LAchet doch der alten Narren / die vil Gelt zusammen scharren / vnd sich nie⸗ mal essen saat / ja das Gold in jhren Trugen / lassen sie vil Jahre ruhen / ach waͤr ich an jhrer statt / wolt ich darum̄ froͤlich seyn / bey dem kuͤhlen Moßler Wein. 2. Jch kan Silber distilieren / vnd das alte gold palieren / welches schon verrostet scheint / ich kan das Metall zerfloͤssen / von deß geitzes Faͤssel loͤsen / der sich fast zu todte weynt. Jch haß allen falschen Schein / vnd bin lustig bey dem Wein. 3. Es ist vmb das Gelt geschehen / welches ich noch nicht gesehen / daß mein Vatter hat er⸗ spahrt: ach wann ich es koͤndte haben wolt ich meine Gurgel laben / mit so mancher Frew⸗ den Art / er ist haͤrter als ein Stein / ich trunck dannoch milten Wein. 4. Hoͤrt Herr Wirth jhr muͤßt mir borgen / gehet / schlafft ohn alle Sorgen / borgt jhr nicht so borg ich doch : ich werd mich ja nicht beschaͤ⸗ men / vnd dem seinen Mantel nemmen / dessen Vatter lebet noch / schencket / schencket tapffer eyn / heut ist es geschenckter Wein. 5. Noah hat vns jhn verbunden / daß Er Most vnd Wein erfunden / vnd die Faͤsser erst gesetzt; Wann er jetzt noch koͤndte trincken / wuͤnscht ich jhm von disem Schincken / der biß auff das Beyn verletzt / es ist meines Vat⸗ ters Peyn / wann er hoͤrt vom theuren Wein. 6. Er ist auß der Juden Stammen / bringt den Wucher⸗Zins zusammen / liebt doch nicht October Safft / welcher Noah machen schlaf⸗ fen / vnd vns pflegt die Kuch zuschaffen / durch beliebte Frewden Krafft / wird meins Vatters Guͤtlein fein / tauschen vmb den besten Wein. ENDE. Show less

Wunderzeichen und Warnungen Gottes
Eigentlicher Bericht und traurige Zeitnng / Von unterschiedlichen Wun⸗ derzeichen und Warnungen Gottes / so sich begeben an unterschiedenen Or⸗ ten und Enden / Erstlich ist darin zu finden / wie sich in Ungarn den 20. November bey Reusohl gegen Windisch⸗Tipsch ein groß Wunder begeben / in... Show more Eigentlicher Bericht und traurige Zeitnng / Von unterschiedlichen Wun⸗ derzeichen und Warnungen Gottes / so sich begeben an unterschiedenen Or⸗ ten und Enden / Erstlich ist darin zu finden / wie sich in Ungarn den 20. November bey Reusohl gegen Windisch⸗Tipsch ein groß Wunder begeben / in dem mit dem schner eine grosse Menge erschreckliche und greuliche Wuͤrme gefallen / also daß das Feld gantz bedecket: Weiter ist darin zu finden / wie uͤber Engelland ein feuriger Arm mit einem schwerdt und Ruchen gestanden: uͤber Straßburg ein Comet: auch wie das ware Blut auff einem Schiffe aus dem Mastbaum geflossen und was sich vor Wunder uͤber und in der Stadt Preßburg begeben hat / ist im Gesange weiter zu ver⸗ nehmen. Jm Thon: Kommt her zu mir spricht Gottes Sohn: Gedruckt / Jm Jahr. 1673. Am [...] Martii. 1673. HErbey / herbey ihr Christen⸗Leut / hoͤrt was ich werde singen heut / es hat sich gewiß zugetragen / Verwunderns voll ihr werdet stehn / und auch nicht von derstelle gehn / last euch doch singen und sagẽ. Bey Reusohl in den Unger⸗Land / groß Wunder hat da GOtt gesand / in freyen Feld mit Schrecken / solche abscheuliche Voͤgel gar / sind unter den Schnee gefallen dar / thaͤten das Feld bedecken. Sie lagen 3. Tag und auch 3. Nacht / grosse Furcht es da den Menschen bracht / ihr greulich schnauben und zischen / die schwartzen frassen die gelben dar / ein grosser Stauck auch dabey war / hoͤrt weiter ohn Verdriessen. Uber Engeland auch offenbar / ein feuriger Arm ge⸗ sehen war / mit einem Schwert und Ruthen / auff etli⸗ chen Schiffen viel 100. Mann / mit Entsetzung gese⸗ hen han / die Mastbaͤume thun bluten. Wohl uͤber der beruͤhmten Stadt / Straßburg man auch gesehen hat / einen Cometstern stehen / sein Stra⸗ len sah man offenbar / gegen Holland schiessen fuͤrwar wer weiß was moͤcht geschehen. Uber Preßburg mein frommer Christ / groß Wun⸗ der auch gesehen ist / wie man allhier thut sehen / viel 1000. Menschen groß und klein / beschauten diese Zei⸗ chen fein / wie hier vor Augen stehen. Ein schoͤnen Engel sah man dar / am Himmel ste⸗ hen offenbar / Weh / Weh hoͤrt man auch ruffen / man hoͤrt auch den Trompeten Klang / das wehrt drey gan⸗ tzer Stunden lang / der Himmel stund weit offen. Der Engel aber glaͤntzet sehr / am Him̄el dar / ach hoͤrt doch mehr / der in Wolcken thaͤt stehen / fuͤhrt ein Schwerdt in der lincken Hand / nach der Tuͤrckey sich damit wand ferner hat man gesehen. Wie er in der rechten Hand ein Ruth / ein grosses Creutz wie rothes Blut / sah man darneben stehen / zur lincken Seit ein schwartzes war / ferner kont man auch offenbar / ein weisses eben sehen. Hoͤrt was sich mehr begeben hat / in dieser ober⸗ wehnten Stadt / mit einer Jungfrau dar / sie entsetzt sich uͤber der Geschicht / kam heim zu Hauß / fiel auffs Gesicht / sing ich euch offenbare. Vater und Mutter erschracken beyd / wie sie sahen das Hertzeleid / sie wolten sie erwecken / aber es war kein Huͤlffe dar / die Vernunfft war ihr entfallen gar / Arm und Bein thaͤt sie außstrecken. Die Eltern fuͤhrten grosse Klag / sie lag biß auf den dritten Tag / ein Sarg thaͤt man bereiten / ein Begraͤb⸗ nis ward da angestellt / weil es den lieben Gott gefaͤlt / zum Grab wolt man sie beleiten. Der Vater war ein wohlhabender Mann / er stellt ein groß Begraͤbnis an / die Freundschafft thaͤt einla⸗ den / sie kamen saͤmbtlich jung und alt / die Pfarrer gleichsam alsobald / sehr klaͤglich sie auch thaͤten. Als nvn die Zeit kam vollends an / daß man sie wolt zum Grabe tragen / hoͤrt man sehr Wundersachen / die Jungfrau sich ermuntern thaͤt / das Volck erschrack sehr auff der staͤt / den Sarg musten sie auffmachen. Sie rieff bald nach der Geistlichkeit / und sprach / sie solten seyn bereit / und soltens nicht verschweigen / was ihr von Gott befohlen waͤr / sie solten haben kein Be⸗ schwer / sie doͤrfft es nicht verschweigen. Erstlich sprach sie / sie solten dar / was sie gesehen of⸗ fenbar / an Firmamente stehen / nemlich die beyden Kriegesheer / auch viel Zeichen und Wunder mehr / nicht lassen voruͤber gehen. Denn weil der Tuͤrck mit seiner Schaar / sich geruͤ⸗ stet hat / wie offenbar / die Christen zu vertreiben / wie er auch schon an vielen Orten / viel tansend Menschen hat ermordt / erbaͤrmlich baben muͤssen sterben. Absonderlich die kleinen Kind / die noch gar unver⸗ staͤndig sind / unter sein Joch thut zwingen / welche er seinem Mahomet / dem er so grosse Ehr anthut / zum Opffer ihm thut bringen. Den Engel den ihr habt gesehn / mitten unter dem Kriegsheer stehn / mit seinem Schwert und Ruthen / den sendet uns der liebe GOtt / der soll auch mitten in der Noth / den Feinden nehmen den Muth. Die drey Creutze schwartz / weiß und roth / zeign an Krieg / Pestilentz / Hungersnoth / werdt ihr euch nicht bekehren. Drumb zeigts dem gantzen Volcke an / daß sie von Hoffart abelan / nicht fluchen oder schweren. Wo sie nicht werden abelan / werden die Straffen kommen heran / geschwind in kurtzen Zeiten / hiermit verschied die Jungfran rein / sie ward beweint von groß und klein / man thaͤt sie Christlich beleiten. Die Pfarrherrn und die Obrigkeit / vermahnten das Volck mit Bescheid / von Suͤnden abzustehen / da⸗ mit das gedraute Ungluͤck / der fromme GOtt behalt zuruͤck / und nicht lasse geschehen. Das hilff und gieb HErr JEsu Christ / der du der grosse Kriegs⸗Held bist / im Himmel und auff Erden / streit fuͤr uns mit deinr starcken Hand / und fuͤhr uns in dein Vaterland / auff daß wir see⸗ lig werden. Show less

Mord in Naumburg an der Saale
Kurtzer jedoch gruͤndlicher Warhafftiger Bericht / Eines schrecklichen⸗Tyrannischen und uͤber alle massen grausamen Mords / so in vielen Jahren in der Christenheit nicht geschehen noch erhoͤret worden / welcher begangen in der wohlbekanten und weitberuͤhmten Stadt Naum⸗ burg an der Saale /... Show more Kurtzer jedoch gruͤndlicher Warhafftiger Bericht / Eines schrecklichen⸗Tyrannischen und uͤber alle massen grausamen Mords / so in vielen Jahren in der Christenheit nicht geschehen noch erhoͤret worden / welcher begangen in der wohlbekanten und weitberuͤhmten Stadt Naum⸗ burg an der Saale / von einem Buͤrger / mit Na⸗ men George Date / seines Handwercks ein Schmidt / derselbe hat durch des Teuffels einge⸗ ben solche boͤse That veruͤbt an seinem Knechte / uñ ihn unbarmhertzig umb das Leben bracht. Erst⸗ lich hat er ihm mit einen grossen Hammer den Kopff eingeschlagen / daß das Gehirne in das Handfaß geflogen / hernach den Halß / wie er in der Stube gelegen / abgeschnitten / darnach sein Hertz / Leber und Lunge aus dem Leibe gerissen / und das Hertz Tyrannisch gefressen / so auch Rie⸗ men aus dem Leibe geschnitten / wie denn auch die Schaam und Bruͤste / wie er auff frischer That eingezogen / wie er sich allda im Gefaͤngnuͤß selbst erhencket / und was sich sonst mehr mit ihm begeben und wie mit ihm verfahren worden / wird der Liebhaber im Gesange weiter vernehmen. Jm Thon: Wo GOtt der HErr nicht bey uns / rc. Gedruckt im Jahr / 1674. JHr lieben Christen tret heran / und hoͤret an mit Klagen / was sich hat neulich zugetragn / ist fast nicht auß⸗ zusagen / in Naumburg der beruͤhmten Stadt / geschach die grausamme Mordthat / vor kurtzer Zeit und Tagen. 2. Ein wohlhabender Schmidt viel Jahr / zu Naumburg wohnet eben / sein Hauß beym guͤlden Harnisch war / er fuͤhrt ein ruchloß Leben / Georg Date hieß er zu hand / Er war gebohrn im Finnenland / hoͤrt was sich hat begeben. 3. Der hat durchs Teuffels Trug und Spiel / viel Leute thun umbbringen / auch Zauberey getrieben viel / wie ich euch hier thu singen / biß endlich seine Zeit auß war / thaͤt er zu End im nechsten Jahr / die boͤse That vollbringen. 4. Er hatte einen Knecht bey ihm / war er sehr lang gewesen / der wolte von ihm weiter ziehn / den Lohn solt er ihm geben / was er bey ihm verdienet hat / der Schmidt aber durch Moͤrderthat / nahm ihm dafuͤr das Leben. 5. Denn als der Knecht sich legte dar / auff eine Banck gar eben / und in dem be⸗ sten Schlaffe war / thaͤt er ihm balde ge⸗ ben / mit einem Hammer einen Schlag / daß das Gehirn im Handfaß lag / da en⸗ det er sein Leben. 6. Darnach hat er ihm mit Gewalt / in stuͤcken thun zerreissen / die helffte hat er eingesaltzt / ins Hertze thaͤt er beissen / und hats grausam gefressen dar / die Haut schund er vom Leibe gar / in Keller thaͤt ers schmeissen. 7. Als man des Morgens in dem Hauß / des Bluts viel finden thaͤte / da hat er sich geredet aus / wie er den Abend spaͤte / der Katz geschnitten ab den Schwantz / die weil sie einen Braten gantz / ihm auffgefressen hette. 8. Doch blieb die That verschwiegen nicht / den Coͤrper hat man funden / in den Keller wie ich bericht / drauff der Moͤrder zur Stunde / von Brandwein weggenom⸗ men ward / man setzt ihm ins Gefaͤngniß hart / wie ihr erfahrt mit Wunder. 9. Drauff als sein Hauß durchsuchet ward / viel Coͤrper man noch funden / die alle er ermordet hat / in langer Zeit und Stunden / auch funde man ein Hexen Buch / daraus er mit List und Betrug / viel Leut beschaͤdign kundte. 20. Jn dem Gefangniß er sich hat / selbst verzweif⸗ feld gehencket / der Haͤncker ihn abschneiden thaͤt / mit Schrecken mans gedencket / er spant ein Pferd an beyde Bein / und schlept ihn uͤber Stock und Stein / durch alle Gassen und Enden. 11. Und als er nun geschleifft zur hand / auffm Schind⸗Anger mit grausen / hat man auff ihm das Buch verbrand / da ward ein schrecklich brau⸗ sen / es wolte erst wie ich bericht / verwunders voll verbrennen nicht / endlich verbrands mit sausen. 12. Und fuhre grausam in die Lufft / drey Knalle thaͤt es geben / gleich wie ein Duppelhacken pufft / man hats nicht mehr gesehen / nicht offenbahr ward alle That / die der Unmensch veruͤbet hat / weil er sich bracht umbs Leben. 13. Man sagt gewiß das sein Hauß sol / von Grund zerstoͤret werden / und zum Abscheu und Schrecken wol / an eine Seul gar eben / gemahlt werden die boͤse That / die der Unhold veruͤbet hat / in seinem boͤsen Leben. 14. So seht ihr nun was hat verricht / und wie er sich hat gehencket / dieser Gottlose Boͤsewicht / ein jeder solchs bedencke / wie doch der Teuffel mit Gewalt verfuͤhrt viel Menschen dergestalt / und sie von GOtt ablencket. 15. Also ihr Christen groß und klein / ihr Alten und ihr Jungen / so viel ihr hie versamlet seyn / habt ihr deutlich vernommen / die so gantz er⸗ schreckliche That / ach huͤtet euch fuͤrs Teuf⸗ sels Rath bitt ich in JEsu Namen. ENDE. Show less

Reicher Bürger verlobt mit armer Bäckerstochter; Geistl. Lied: Ich hab mein Sach zu Gott gestellt; Geistl. Lied: Betrübe Dich nicht
Erbaͤrmliche Neue Zeitung / Von einer ungehorsah⸗ men Tochter. MErckt was ich euch itz wil singen / Reich / Arm / Jung und Alt / und was ich euch ver⸗ kuͤnde / fuͤr keine Luͤgen halt / denn was ich wil anzeigen / red ich ohn allen Spott / darauff nehm ich zum Zeugen / den wahren treuen... Show more Erbaͤrmliche Neue Zeitung / Von einer ungehorsah⸗ men Tochter. MErckt was ich euch itz wil singen / Reich / Arm / Jung und Alt / und was ich euch ver⸗ kuͤnde / fuͤr keine Luͤgen halt / denn was ich wil anzeigen / red ich ohn allen Spott / darauff nehm ich zum Zeugen / den wahren treuen Gott. Jn Maͤhren gelegen eine Stadt wol bekant / ach Mensch thu es wol erwegen / Ulmitz ist sie genant / dar thet ein Buͤrger wohnen / mit seiner Frauen fuͤrwar / sechs Kinder hat er schone / die Elt ist von achtzehen Jahren. Der Vater war Hutger / Hans Ritter war seyn Nahm / Margaretha hieß die Mutter / eine Fraue Tu⸗ gendsam / Magdalen die groͤste Tochter / ein ungehor⸗ sames Kind / verachtet Vater und Mutter / und das gantze Haußgesind. Daraus vor der Stadt eben / ein Wirthshauß ge⸗ legen war / ein boͤß und arges Leben / fuͤhrten sechs Moͤrder dar / des Tags auff freyer Strassen / sie mord⸗ ten ohne grauß / des Nachts sie thaͤten prassen / und le⸗ ben frisch im sauß. Mit den die Tochter buhlet / wol biß ins dritte Jahr ihr Eltern nicht hoͤren wolte / und gantz zu wieder war / zwey Kinderbett in kurtz / sie draussen hat die Zeit / und thaͤt die Kinder stürtzen / wol in die Heimligkeit. Darnach kam sie gegangen zu ihren Eltern gut / laß mich mein Erb empfangen / sprach sie aus stoltzen Muth ihr koͤnt mirs nicht verhalten / es ist ja eigen mein / der Teuffel dancks euch Alten / und brech euch Hals und Bein. Der Vater sprach mit Guͤte / zum boͤsen Antichrist / wie kompt dir zu mein Guͤte / weil du noch ledig bist / wir seynd dir nicht schuldig zu geben / weil du nicht folgst unser Lehr / du fuͤhrst ein gottloß Leben / dich wird straffen Gott der Herr. Die Tochter thet sich besinnen / von der Stete auff⸗ sprang / im Zorn / Haß und Grimmen / lieff ihren al⸗ ten Gang / er wil mir nichts geben / der alte Hund / ich braͤcht sie beyd umbs Leben / wenn ichs vollenden koͤnt. Die Moͤrder theten sprechen / zur Tochter in der Eyl / thu dich an ihnen rechen / weil sie am Narrenseyl / dich also wollen leiten / drumb schlag sie kuͤhnlich todt / so kriegstu dann bey zeiten / all deines Vaters Gut. Sie ließ sich das gefallen / gieng nach den Eltern heim / sie und die Schwestern alle / hiessens willkommen seyn / gar freundlich sie da sassen / all Wort waren mein Kind / noch kunt sie nicht ablassen / ihr vorgenommene Suͤnd. Wol an demselben Abend / da kam die Mitternacht / sie lagen all und schlieffen / keiner war der da wacht / das thet ihr wohl behagen / lieff alsbald ins Gemach / da Vater und Mutter lagen / beyden die Kehl abstach. Zwey Schwestern in der Kammer lagen von dar nicht weit / denen schnitt sie auch ohn Jammer / die Kehl ab allebeyd / darvon die juͤngste Schwester er⸗ wacht / und sehr erschrack / und sich auffricht / das Messer ihr noch im Halse stach. Da bracht sie bald zu wegen / und nahm in ihre Hand / jhres Vaters scharffen Degen / der da hing an der Wand / allda drey Knaben geruhet / besorgten kei⸗ ner Gefahr / die sie jaͤmmerlich ermordet / das juͤngst war alt drey Jahr. Darnach nahm sie ohn grauen / die Kinder in ihre Haͤnd / die sie hat todt gehauen / warff schmertzlich an die Wand / ein Waͤchter kam gegangen / sah durch ein Glaß hinein / was sie hat angefangen / kunt er erken⸗ nen fein. Als er nun hat gesehen / wie die Sach war bestelt / thaͤt er alsbald hingeben / dem Voigt auch das erzehlt / als er nun hat vernommen / alsbald vom Bett auff⸗ sprang / thaͤt mit der Wacht ankommen / und sie ge⸗ fangen nahm. Sie fingen an zu weinen / all die da sahen an / erbar⸗ men moͤchts einem Steine / was die Hur hat gethan / sie thaͤt alles heraus sagen / und meldet mit der That / wie daß sechs Moͤrder legen / im Wirtshaus vor der Stadt. Des Morgens wie ich sing / so bald die Pfort auff⸗ ging / da war das Hans uͤmringet / daß man die Moͤr⸗ der fing / sie wurden all gefangen / Wirth und Wir⸗ thin im Hauß / was sie haben begangen / sagten sie all heraus. Die sechs Moͤrder bekanten / als sie wurden verhoͤrt / daß sie haͤtten begangen / hundert und dreissig Mord / der Wirth mit sambt den Moͤrdern / wurden gerath⸗ braͤcht / die Wirthin und die Tochter / verbrant mit allem Recht. Sie thaͤten alles verkuͤnden / ihr Herren so viel eu⸗ er find / thut eure Kinder zwingen / weils leiden wil die Zeit / ihr moͤgt den Baum wol beugen / weil er ist weich und schlecht / wenn er faͤngt an zu tragen / wil er sich schicken nicht. Darumb ihr jungen Leute / nehmt ein Exempel hieran / und schicket euch bey Zeiten / hoͤrt gute Ver⸗ mahnung an / weil ihr hier lebt auff Erden / halt ehr⸗ lich euren Stand / auf daß ihr nicht moͤcht werden / end⸗ lich zu Spott und Schand. Ein geistlich Lied. Eine Seele laß es gehen / wie es in der Welt itzt geht / meine Seele laß es stehen / wie es itzund acht und steht / liebe Seele halte still / dencke es ist Gottes Will. Jst die Welt dir gleich zuwieder / und bist deiner Freunde Spott / druͤcken dich gleich Feinde nieder / so vertran du deinen Gott / liebe Seele halte still / dencke / es ist Gottes Will. Gott pflegt die getreuen Hertzen / wenn sie durch das Creutz bewehrt / wol zu troͤsten nach dem Schmertzen / und thun was sie nur begehrn / liebe Seele halte still / dencke es ist Gottes Will. Jst in deines Hertzens Kammer / nichts als gros⸗ ses Hertzeleid / druͤcket dich sehr grosser Jammer / hier in dieser Sterbligkeit / liebe Seele halte still dencke / es ist Gottes Will. Auff den Regen scheint die Sonne / also koͤmmet Lust auff Leid / auff die Angst folgt lauter Wonne / Freude koͤmmt auff Traurigkeit / liebe Seele halte still / dencke es ist Gottes Will. Sollst du von der Welt abscheiden / scheide nur ge⸗ trost zu Gott / Gott gibt auff dis Scheiden Freude / Freude giebt er auff die Noth / liebe Seele halte still / dencke es ist Gottes Will. Show less

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