Hunger und Gottesstrafe im Amberg, 1693
Warhafftige / erbaͤrmliche / aber doch troͤstliche Newe Zeitung / Welche sich begeben und zuge⸗ tragen bey Amberg / zu Hambach / in der Obern Churfuͤrstlichen Pfaltz / mit einem armen Tagloͤhner / indem er in dieser langwierigen Theurung mit seinen Kindern in acht Tagen keinen bissen Brodt... Show more Warhafftige / erbaͤrmliche / aber doch troͤstliche Newe Zeitung / Welche sich begeben und zuge⸗ tragen bey Amberg / zu Hambach / in der Obern Churfuͤrstlichen Pfaltz / mit einem armen Tagloͤhner / indem er in dieser langwierigen Theurung mit seinen Kindern in acht Tagen keinen bissen Brodt genossen / aber einen Gefatter daselbst ge⸗ habt / welches ein reicher Bierbrauer gewesen / densel⸗ ben hat er angesprochen / ihme 5. Kreutzer zu leyhen / ist ihme aber von seinem Gefatter dem Bierbrauer abge⸗ schlagen worden / hernach aber von einem Engel Gottes gespeiset worden / der Bierbrauer aber mit seinem gan⸗ tzen Hause mit Feuer vom Himmel verbrennet / und von GOTT gestrafft worden / und was sich weiter zugetra⸗ gen / ist ordentlich in nachfolgendem Gesang / von Herrn M. Jeremiæ Herden / Pfarrherrn in derselben Stadt beschrieben / so geschehen am 30. October dieses 1693. Jahrs. Jm Thon: Warum betruͤbst du dich mein Hertz / rc. Benebst ein schön Christlich Lied / aus dem Weltlichen / ins Geistliche gebracht. Jm Thon: Hoͤret ihr Goͤtter mein / rc. Gedruckt im Jahr Christ 1693. HOert zu jhr frommen Christenleut / was ich euch fuͤr Trawrigkeit / erzehlen wil jetzund von deiner warhafftigen Geschicht / wil ich thun klaren Bericht. Die sich begeben hat dißfals / in der Obern Chur⸗ fuͤrstlichen Pfaltz / bey Amberg ich euch sag in dieser harten theuren Zeit / verschmachten viel der armen Leut. Dann viel musten trostloß seyn / und leyden mit den Kindern seyn / die allergroͤssest Armuth / zu Ham⸗ bach in dem Marckflecken sein / ist solches geschehen in gemein. Mit eim Tagloͤhner zu der frist / der an dem Ort gesessen ist / mit seinen frommen Weib / daneben auch vier Kinderlein / die litten grosse Hungers⸗ pein. Also daß sie mit grosser Klag / fuͤrwar in acht gan⸗ tzer Tag / kein bissen Brodt gesehn / undaͤwlich Speise vielerley / haben sie gessen ohne schew. Dadurch sie in grosse Kranckheit / gerathen sind in dieser Zeit / die Kinder schreyen all / Ach allerlieb⸗ ster Vater mein / wir bittn euch hertzlich in ge⸗ mein. Gebt uns doch in diesem Elend / noch einmahl Brodt vor unserm End / darnach wolln wir gern sterben / und dem lieben GOtt besehlen ein / Ach helfft doch liebes Muͤtrerlein Da sprach der arm betruͤbte Mann / herzlieb Fraw geh doch hinan / zu unserm Gefatter hin / ob er uns moͤchte noch einmal / helfnf in dem klaͤglichen Fall. Derselbig ein Bierbrawer war / die arme Fraw gieng hin fuͤrwar / und sprach mit Trawren groß / Ach hertzliebster Gefatter mein / erhoͤrt doch mein Bitt allein. Ja umb die Liebe Jesu Christ / der fuͤr uns all gestor⸗ ben ist / begehr ich doch nicht mehr / als ein und zwan⸗ tzig Pfenning klein / die solt ihr mir fuͤrstrecken fein. Daß ich mein armen Kindern nun / die in Todes⸗ noͤthen liegen thun / moͤchte vor ihrem End / ein bissen Brodt nach jhrm begehrn / geben und ihrer Bitt ge⸗ wehrn. Aber der ungetreue Mann / der fuͤhr die Frau gar zornig an / und sprach pack dich hinweg / was hab ich mit dein Kindern zu thun / laß sie nur Hunger sterben nun. Jch hab jetzund kein Geld fuͤr dich / die Frau betruͤbt elendiglich / gieng traurig von ihm weg / weinet und schrey O treuer GOtt / ach steh mir bey in dieser Noth. Sie gieng zu einem andern Mann / den sprach sie auch demuͤthig an / nur umb ein Groschen klein / wiewol der Mann auch nicht mehr haͤtt / den Groschen er ihr leihen thaͤt. Die arm betruͤbte Frau gieng hin / und kaufft ein kleines Brodt dafuͤr / gieng damit also heim / theilet das Brodt in ihrem Hauß / bald ihren krancken Kindern aus. Ach GOTTes wolt nicht klicken dar / uͤber drey bissen Brodt fuͤrwar / wurd keinem Kind zu theil / der Mutter Hertz fuͤr grossem Schmert / entbrandt fuͤr Leid / O traurigs Hertz. Sie sprach du mein hertzlieber Mann / Jch kan den Jammer nicht sehen an / an meinen Kindern all / soll ich sie Hungers sterben lahn / ich will sie eh umbringen thun. Der Mann sah seine Kinder an / mit betruͤbten Au⸗ gen voran / und sprach hertzliebes Weib / schlag dir diese Gedancken aus / ich wil mit dir von Hauß zu Hauß. Heischen und ansprechen die Leut / ob wir aus diesen Hertzenleyd / moͤchten werden erloͤst / die groͤste Tochter ellf Jahr alt / bat auch nachfolgender Gestalt. Ach allerliebste Mutter mein / die ihr uns eure Kin⸗ derlein / unter eurem Hertzen schon getragen habt / und auff die Welt / gebracht wie es denn GOtt gefaͤllt. Bitt euch durchs Leyden JEsu Christ / der unser aller Erloͤser ist / schlagt euch diß aus dem Sinn / ver⸗ zweiffelt an GOttes Gnade nicht / hertzliebste Mutter ich euch bitt. Wir Kinder wollen ingemein / JEsum Christum anruffen fein / und beten fleißiglich / daß er uns ohne Brodt bereit / erhalten wolle lange Zeit. Als diß die Mutter gehoͤret hat / von ihrem Fuͤrneh⸗ men abtratt / und gieng mit ihrem Mann noch Popen⸗ reit ein Dorff ich sag / Brodt zu heischen denselben Tag. Und beschloß das Hauß fleißig zu / befahl den Kindern ohne Ruh / sie solten beten fein / wenn die Nacht herbey kommen ist / sprechen Ach bleib bey uns HErr JEsu Christ. jhr frommen Christen ingemein / nun wil ich Got⸗ tes Allmacht fein / jetzund erzehlen thun / weil der armen Kinder Gebet / der ewig GOTT erhoͤret hat. Denn da jetzt die Macht herbey kam / die Kinder beten zusamm / umb Schutz der Engelein / daß GOtt der HERR jhn wolt seyn / siehe da trat zur Stu⸗ ben ein. ein Engel des HERR fuͤrwar / sprach zu jhn erschrecket nicht gar / GOtt hat euer Gebet erhoͤrt durch die Wolcken gedrungen rein / seyd getrost lieben Kin⸗ derlein. GOTT schickt durch mich zu euch heraus / aus sei⸗ nem himmlischen Proviant⸗Hauß / einm jeden ein Laub⸗ Brodt / bittet nur fleißig zu GOtt dem HErrn / dann er wird euch noch mehr beschern. Wuͤnsch euch hiemit von GOTT allein / gut Nacht ihr lieben Kinderlein / der Engel schied von dann / und kam noch in derselben Nacht / in die Scheuer gantz wol bedacht. Darin ihr Vater und Mutter lag / eines dem andern die Noth klagt / der Engel sprach zu ihn / euer Gebet ist kommen vor GOTT / darumb schickt er euch dieses Brodt. Geht hin zu euren Kindern heim / Christus JEsus wird bey euch seyn / seyd nur im Glauben fest / bestaͤndig biß an euer End / hiemit sich der Engel abgewendt. Doch sagt er GOTT wird straffen die / Geitzhaͤlß die euch versagt allhie / in der Noth ein stuͤcke Brodt / die armen Leute neigten sich / und danckten GOTT gar fleißiglich. Giengen Morgens froͤlich zu Hauß / die Kinder lieffen ihnen entgegen rauß / schreyen mit Freuden groß / freut euch hertzliebster Vater mein / und ihr O liebstes Muͤtterlein. Es ist gestern ein frembder Mann / kommen zu vns der hat uns schon / Brodt genug gebracht umsont / haben unser Lebenlang / Brodt genug zu essen davon. Die Eltern habens gespuͤhret fuͤrwar / daß der Engel des HERRN zwar / bey ihn gewesen ist / als sie zum Hauß giengen hinein / woltens Brodt legen in den Schranck fein. Da fundens Saltz / Meel / Grieß ohne scheu / und drey Scheffel Korn dabey / sie fielen auff ihre Knie / schreyten O HErre Zebaoth / der du niemand verlaͤst in Noth. Wir dancken dir HErr JEsu Christ / der du der Armen Helffer bist / du allerhoͤchstes Gut / dein Nahme werd gepreist allzeit / Hochheilige Dreyfal⸗ tigkeit. Jndem sie das Gebet vollbracht / fiel Feur vom Him⸗ mel daß es kracht / auff des Bierbrauers Hauß / und brennet weg biß auff den Grund / im andern Hauß kein Leyd entstund. Also habt jhr den wahren Bericht / gehoͤret von dieser Geschicht / nehmt ein Exempel dran / verlaßt die Armen nicht so gar / so wird euch GOtt segnen aldar. Und all ihr Armen in gemein / so viel ewr in der Welt noch seyn / die ihr auch Christen seyd / halt mit dem Gebet fleißig an / so wird euch Christus nicht verlahn. Ein schoͤn Geistlich Lied. ERhoͤre GOtt Vater mein klaͤgliches Sehnen / HErr JEsu nimb mein Seufftzẽ an / Zehle heiliger Geist mein suͤdigen Thraͤnen / der ich mein Tage so viel gethan / darumb ich so klaͤglich ruff und schrey / GOtt Vater mir dein Gnad verleih / HErr JEsu steh mir bey. Pruͤfet GOtt ihr Winde / ihr Voͤgel in Luͤfften / singt und lobt GOtt mit euren Zuͤn⸗ gelein / All Thier in Waͤldern und finstern Kluͤfften / die alle von GOtt geschaffen seyn / die Engelin des Himmels Hoͤh / die schreyen uͤber meine Suͤnde Weh / der ich so viel begeh. Es verklagn mich die Voͤgel und Thier in Heyden / vor GOtt mein himmlischen Vater an / HErr JEsu Christ steh mir zur Seiten / du unschuͤldiges GOttes Lamb / der du von Judam in der Nacht / verrathen und ans Creutz gebracht / nimm mich in acht Ob gleich der Satanas in den Luͤfften / uͤber meiner Suͤnd ist Freuden voll / Hab ich doch allzeit zu GOtt geruffen / daß er mie die vergeben soll / und nicht mit mir gehn ins Gericht / zu gedencken meiner Suͤnden nicht / die ich hab außgericht. Haͤtt ich mich nicht zu suͤndigen begeben / waͤr ich bey GOtt in Gnaden hoch / und duͤrf⸗ te nicht so eine kurtze Zeit leben / erfahren das bitter Todes Joch / du himmlische Nachtigal dich bitte ich / O HErr JEsu erhoͤre mich / ich ruffe jaͤmmerlich. Jch wil mich ermuntern von Suͤnden und Schlaffen / wil gehen uͤber Berg und Thal / O JEsu thu mir ein rein Hertz schaf⸗ fen / daß ich geniesse dein Abendmahl / Das du fuͤr mich hast eingesetzt / welchs meine Seele speist und ergetzt / im Tode zuletzt. Du hast mich aus hoͤllischen Banden und Stricken erloͤset / des danck ich dir HErr und GOtt / thu JEsu mein Leib und Seele erqui⸗ cken / wenn mir ankompt der bitter Todt / so steh mir bey O JEsulein / mit deinen lieben Engelein / nimm an die Seele mein. Laß doch mein Heulen / mein Weinen und Schreyen / HErr Jesu nicht vergeblich seyn / thu mir mein Suͤnd aus Gnaden verzeihen / hetzaller liebstes JEsulein / komm / komm ach lieber GOtt behend / komm / komm mir zu einm jeligen End / wenn sich mein Leben end / Amen. Show less

Schlacht bei Zenta, 12. August 1697
Newe Zeitung / Von dem Herrlichen Sieg so die Christen bey Zenta an der Theiß in Un⸗ geren den 12. Augusti dises 1697sten Jahrs ge⸗ gen dem Tuͤrcken gehalten / und was fuͤr herrliche Beuthen sie gemacht / auch wie vil Volck zu beyden Seithen geblieben / das wird der guͤnstige Leser im Gesang... Show more Newe Zeitung / Von dem Herrlichen Sieg so die Christen bey Zenta an der Theiß in Un⸗ geren den 12. Augusti dises 1697sten Jahrs ge⸗ gen dem Tuͤrcken gehalten / und was fuͤr herrliche Beuthen sie gemacht / auch wie vil Volck zu beyden Seithen geblieben / das wird der guͤnstige Leser im Gesang mit verwunderung vernehmen. Jm Thon / Kombt her Zu mir spricht GOttes Sohn / rc. Gedruckt zu Wien / bey Christian Kupffer. 1. MErck fleissig auff mein from̄er Christ / wie in Vngern zu diser frist / ein Feld⸗ schlacht sich begeben / zwischen dem Tuͤrcken und Christen Heer / beyderseyts star⸗ cker Haupt Armee / wie jhr jetzt werdet hoͤren. 2. Jhr Kaͤiserliche Majestaͤt / Printz Cu⸗ genuy von Savoi dort / Ritter und Graffe zu Malten / hielten mit dem Tuͤrcken ein Feld⸗Schlacht / haben durch GOttes Hilff / Gnad und Krafft / obgesieget zumahlen. 3. Die Franckfurtische Relation / schreibt daß bey zwey hundert Jahren schon / kein sol⸗ ches Blut⸗Bad sey gewesen / man findt auch in keiner Cronick nicht / daß bey zwey hundert Jahrens frist ein soll Schlacht sey geschen. 4. Wie dißmahl in Vngeren geschen / war im Augst an dem zwoͤlfften Tag / um 9. Vhr thut man schreiben / morgens die Schlacht thaͤt fangen an / kein Theil wolt von dem an⸗ deren lahn / biß die Nacht thaͤt abtreiben. 5. Als die Schlacht⸗Ordnung war gestellt / zu beyden Seits auff weitem Feld / die Chri⸗ sten nieder gefallen auff jhre Knye / rufften GOtt an / daß er jhnen gnaͤdig wol beystahn / und Huͤlff leisten zumahlen. 6. Darauff bald Laͤrmen geblasen an / zu beyder Seits zu Rooß und Mann / gantz rit⸗ terlich gefochten / die Tuͤrcken haben sich nicht gespart / die Christen auff die Tuͤrcken trat / tapffer geschlaͤgen / gehauen und geschossen. 7. Die Tuͤrcken haben jhr Geschuͤtz gut / loß gebrent nach dem Christen Blut / die Chri⸗ sten lag nieder biß das groß Geschuͤtz fuͤr uͤber war / der Dampff und Rauch vergangen gar / stunden darnach auff bald wieder. 8. Vnd brenten auch loß ihre Stuck / daß braͤcht den Tuͤrcken wenig Nutz / weil an ei⸗ nem Wasser lagen / das klein Geschuͤtz wie der Hagel gieng / gar mancher Tuͤrck zu Boden fiel / der in seinem Blut must baden. 9. Obwol sehr groß der Tuͤrcken Hauff / doch setzen die Christen dapffer darauff / schies⸗ sen / hauen und staͤchen / je ein Christ zu dem an⸗ deren sagt / frisch auff und dran und dapffer gewagt / die Tuͤrcken wollen wir verjagen. 10. Der Tuͤrcken waren sehs mahl mehr / als gewesen der Christen Heer / allzeit sechs Tuͤrcken gestanden / gegen einem Christen in der Schlacht / jedoch durch GOttes Gnad und Krafft / die Christen den Sig behalten. 11. Es gieng als wie das gemein Spruͤch⸗ Wort saget / das offt ein kleiner Hauff ein grossen jaget / an der groͤsse ist nicht gelegen / darumb soll man GOtt bitten immerdar / daß er die Christenheit bewahr / von dem Tuͤrcken allwegen. 12. Die Tuͤrcken werthen sich ein Rast / darnach so flohen sie gar fast / zur Rechten und zur lincken / die Bruck war jhnen vil zu klein / ins Wasser sie gefallen seynd / da muͤß⸗ ten sie vertrincken. 13. Ein Stimm vom Him̄el ward gehoͤrt die sagt / jhr frommen Christen seyt unverzagt GOtt wird euch heut beystahn / da griffens erst recht freudig an / die Theiß so voller Tuͤr⸗ cken schwam / daß man koͤnt druͤber gehen. 14. Nun werdet jhr hoͤren jetzund / wie vil der Tuͤrckischen Blud⸗Hund / im Feld und Wasser blieben / bey dreyssig tausent an der Zahl / wurden von den Christen zumahl / an einem Tag gar auffgerieben. 15. Auch gar viel geschaͤdigt und verwund zwoͤlff tausent gefangen zu der Stund in die⸗ sem harten streiten / das Feld und Wasser uͤberall voll todter Tuͤrcken lag zumahl / und das zu beyden Seiten. 16. Ein hundert und sechzig grosse Stuck / haben die Tuͤrcken gelassen zuruck / viel Kar⸗ ren Bagage und Waͤgen / alle Kriegsruͤstung so er hat / mit vnd bey sich im Laͤger gehabt / verlohren und auffgeben. 17. Die Christen haben eroberet dort / an Haab und Gut ein grosser Vorraht / Perlen Silber / Gold / Edelgstein / Granaten / Zelten und anders mehr / vil tonnen Gold gantz Zen⸗ ner schwer / wurd den Christen zu theile. 18. Jetzund will ich auch zeigen an / wie vil der Christen auff dem Plan / gebliben vnd ver⸗ wundt worden / fuͤnff hundert sind geblieben todt / deren GOtt jhre Seel begehrt / dann sie sind ritterlich gestorben. 19. Bey sechs hundert sind toͤdtlich ver⸗ wundt / GOtt macht sie an Leib und Seel ge⸗ sund / sie und allesammen / ach Herr bewahr die Christenheit / wol vor dem Tuͤrcken alle⸗ zeit / durch JEsum Christum / Amen. Jn gantzer Sum̄a waͤs die Tuͤrcken verlohren: Erstlich: sind 20000. auff dem Platz gebliben / worunder der Groß⸗Vezier vnd der Janitscharen Aga und 27. Bassa / und 12000 gefangen / 6000 verwundt / und 6000. Waͤgen / 8000. Pferdt / 12000. Buͤffel⸗Ochsen 162. grosse Stuck / 500. Fahnen / 48. paar Herpaucken / alle jhre Zelten / und deß Groß⸗Tuͤrcks gantzer Schatz mit seinem Pittschafft / welcher 5. tonnen Golds geschaͤtzt / weggenommen. Show less

Unwetter in Brandenburg, 29. April 1697; Buß-Lied
Eine warhafftige Newe Zeitung / So sich begeben und zuge⸗ tragen / den 29. Aprillen 1697. in dem Brandenburger⸗Land mit einem grossen Sturmwind und Ungewitter / daß vil Menschen und Vieh sind umb das Leben kom⸗ men; auch Kirchen und viel schoͤne Gebaͤu in Staͤtten und Doͤrfferen abgedeckt;... Show more Eine warhafftige Newe Zeitung / So sich begeben und zuge⸗ tragen / den 29. Aprillen 1697. in dem Brandenburger⸗Land mit einem grossen Sturmwind und Ungewitter / daß vil Menschen und Vieh sind umb das Leben kom⸗ men; auch Kirchen und viel schoͤne Gebaͤu in Staͤtten und Doͤrfferen abgedeckt; wie auch vil Voͤgel in der Lufft von dem Hagel sind er⸗ schlagen worden / daß man sie Hauffen weiß zusammen geworffen hat. Von diesen Schi⸗ ckungen GOttes wird der treuhertzige Leser in diesem Gesang zu vernem̄en haben. Beneben einem Schoͤnen Neuen Buß-Lied. Jm Thon: O Mensch steh ab von Suͤnden. Erstlich gedruckt zu Franckfurt / 1697. 1. O Mensch steh ab von Suͤnden / dann es ist an der Zeit / so wol zu Statt und Land / bey Rei⸗ chen und bey Armen / wies allen ist bekandt / dann GOTT schickt uns Wunder⸗zeichen / am Himmel und auff Erd / kein Mensch doch nicht Buß thun begehrt. 2. Wie ihr jetzt werdet hoͤren an / von grosser Traurigkeit fortan / die sich erst hat zutragen / im Branden⸗ burgerland / ist uns gantz wolbekant / mit Schrecken und Wehklagen. 3. Vnd wolt ihr wissen eben / was das da moͤchte seyn / viel Menschen eben / da waren groß und klein / ver⸗ lohren auch das Leben / daß war der Augen schein / mit Trauren anzuse⸗ hen / mit Angst wohl insgemein. 4. Ein Sturm⸗Wind kam auch daher / mit sausen und mit brausen / die Leuthe auff dem weiten Feld / es thut ihnen darab grausen / da lauff⸗ ten sie wohl insgemein / darzu nicht sicher auch zu seyn / Ach ist das nicht ein grosse Peyn. 5. Da fieng es auch zu krachen an / der Himmel und die Erden / ver⸗ treibt den Menschen das Lachen dann / all hie auff dieser Erden / dann GOtt will damit zeigen an / daß wir in Suͤnden allzumahl / woͤllen gar nicht besser werden. 6. Es hat die Kirchen abgedeckt / die Fenster eingeschlagen / und auch die Haͤuser insgemein / wohl in die Lufft getragen / und andere schoͤne Gebaͤn mehr / darvon man jetzund saget / hat GOtt gestrafft mit einem Hagel. 7. Jn dem Staͤttlein Alten Lan⸗ denberg / da wohnt ein reicher Bur⸗ der / mit Haab und Gut gar wohl bekandt / ihr Christen hoͤret wun⸗ der / der hat ein Schaͤfferey / vier stunde die GOtt auch frey / thaͤte straffen jetzunder. 8. Vnd wolt ihr nun mehr hoͤren an / so will ich euch zeigen an / wie es weiter ist ergangen / es hat die Baͤum im Feld / wohl auff die Stupfflen ge⸗ stellt / secht doch mit Verlangen / als wann kein Baum zugegen waͤr / also hat mans vernommen. 9. Die lieben Fruͤcht auch auff dem Feld / zerschlagen und verderbet / so das bey vilen Jahren / nicht ist erhoͤ⸗ ret worden. Darumb O Mensch bitt du den lieben GOtt / daß er uns behuͤt vor Hungers⸗noth / Allhie auff dieser Erden. 10. So sach man auff dem Felde stahn / kein Graß und auch kein Halmen / vnd auch nichts mehr dar⸗ von / die Erden hat es bedecket / daß man darvon nichts mehr sehen kan / wo es ist hinkommen. 11. Die Welt thut straffen GOtt der HErr / in vielen Landen vnge⸗ fehr / durch unsere grosse Suͤnden / daß wir nit halten seine Gebott / dar⸗ umb thut er uns finden. 12. Viel hundert Menschen ins⸗ gemein / die auff dem felde thaͤten seyn / die kamen so in grossen Schre⸗ cken / daß da vom Himmel herunder fiel / so grosse Stein die ein Pfund wegen thun / ja so mit vielen Ecken. 13. Ja etlich hundert Menschen / von den Steinen erleget gar / die deß Leben nicht nahmen wahr / dann GOtt hat sie gestraffet / durch den Hagel und Sturmwind / daß sie be⸗ gangen offt grosse Suͤnd / und sich nicht wahrnen lassen. 14. Vnd auch viel mehr nehmet wahr / viel Vieh hat sich verlauffen gar / daß man in vilen Tagen / nichts von dem selben nahme wahr / theils von dem Holtz zerschlagen gar / und umb das Leben kommen. 15. Ja das Viehe nicht allein / die grossen Voͤgel insgemein / hat auch der Hagel troffen / daß da ligen auff der Erd / vil hundert in der samm / das Leben hand muͤssen lassen. 16. Man hat die Voͤgel groß und klein / auch Hauffen weiß gefunden / daß dergleichen auff der Erd / nie⸗ mahlen ist entstanden / sie brachten auch ein Gstanck daher / daß schier kein Mensch mehr bleiben kondt / wol in demselben Land. 17. Darumb ihr Christen allge⸗ mein / ihr seyt reich / arm / groß oder klein / thut euch daruͤber bedencken / wie GOtt der HERR schon lange Zeit / uns gwarnet hat mit under⸗ scheid / er woll uns den Friden schen⸗ cken. 18. So wollen wir bitten allesam̄ / daß GOTT uns bhuͤt vor solchem Laͤyd / wol in der Welte allenthalb / voranß in diser letsten Zeit / GOTT helff uns allensam̄en / durch Jesum Christum / Amen. Ein schoͤn neues Buß⸗Lied. 1. HJlf Herr Gott uns Würmelein / Sonst muͤssen wir verzagen / Warum̄ wilt du so zornig seyn / Dich unser gar entschlagen / Sind wir doch dein ererbtes Gut / Erworben durch dein theures Blut / Ach HErr erbarm dich unser. 2. Krieg und Theurung auff aller seit / Kranckheit und Pestilentze / Hand sich schon starck zum streit be⸗ Zu Plagen unsere Graͤntze / (reit / Wach auf! wach auf herzlieber Gott Verlaß uns nicht in dieser Noth / Ach HErr erbarm dich unser. 3. Sih nicht an unser schwehre Suͤnd / Die dich treibt uns zu straffen / O Jesu hertzigs liebes Kind / Allen Krieg ihn von uns schaffen. Deinen Friden⸗geist gib jedem stand / Gluͤck und auch Ruh dem Teutschen Land / Ach HErr erbarm dich unser. 4. Laß uns fallen in deine Hand / Wir wolten lieber sterben / Als daß Krieg hersch in unserm land / Vnd uns zu grund verderben. Zerbrich / zerbrich die blutige Ruth / Wirff sie ins Feur O Vatter gut. Ach HErr erbarm dich unser. 5. O trewer GOtt in Ewigkeit / Vnser Gebaͤtt erhoͤre / Troͤst uns in dieser Traurigkeit / Vnd unsern Glauben mehre / Ach wie ist uns so angst und bang / Herr Jesu Christ bleib ja nicht lang / Erbarm dich unser / Amen. ENDE. Show less

Frieden von Rijswijk, Oktober 1697
Ein schoͤnes Newes Lied / Uber den von GOTT lang⸗ erwuͤnschten und allgemeinen Friden / als selbiger zu Ryßwick den 10. 20. Weinmonat dises 1697sten Jahrs / ge⸗ schlossen worden / zwischen Jhro Kayserlichen Majestaͤt / dem Koͤnig in Franckreich / Koͤnig in Spannien / Koͤnig in Engelland /... Show more Ein schoͤnes Newes Lied / Uber den von GOTT lang⸗ erwuͤnschten und allgemeinen Friden / als selbiger zu Ryßwick den 10. 20. Weinmonat dises 1697sten Jahrs / ge⸗ schlossen worden / zwischen Jhro Kayserlichen Majestaͤt / dem Koͤnig in Franckreich / Koͤnig in Spannien / Koͤnig in Engelland / den Herren Statten in Holland / und allen Christli⸗ chen Fuͤrsten und Allierten Potentaten. Jm Thon: O Weh du Armes Prag / rc. Gedruckt zu Coͤlen / bey Peter Bruck. 1. LOb / Ehr / und Preiß allzeit / sey dir O GOtt gesungen / weil du nun⸗ mehr befreyt / die Christenheit von Krieg und Brand / und uns den edlen Friden gesandt / welcher uns alle erfreut. 2. Es hat schon lange Jahr / vil Staͤtt / Laͤnder und Fürstenthumb / außgestan⸗ den Kriegs⸗Gefahr / Jetzunder hat der Krieg ein End / den Edlen Friden uns GOTT send / deß freuen wir vns zwar. 3. Und preisen allesambt / den lieben GOtt ins Himmels⸗Thron / zu Statt und auch zu Land / Herren Buͤrger und Bauers⸗Mann / im Frid und Freude le⸗ ben kan / ein jeder seinem Stand. 4. Jhr Kaͤyserliche Majestaͤt / mit Koͤ⸗ nig / Fürsten und Herren / den Friden beschlossen hat / zu Nutz der gantzen Chri⸗ stenheit / daß auffhoͤrt Krieg und Her⸗ tzenlaͤyd / GOtt geb darzu sein Gnad. 5. Daß es lang hat bestand / das Reich und Arm im edlen Friden / koͤnnen woh⸗ nen in seinem Land / deßgleichen die ver⸗ trieben sind / ein jeder mit seinem Weib und Kind / kan in sein Vatterland. 6. Die Frantzoͤsische Cron / den Krieg hat auff ein Seith gestellt / und nimbt den Friden an / wie auch Koͤnig in En⸗ gelland / Spanien / Schweden und Hol⸗ land / deßgleichen hand gethan. 7. O Fried! du edles Band / O Ei⸗ nigkeit! du edler Frid / du erfreuest Statt und Land / Jnsonderheit den Bauers⸗ Mann / der jetz im Friden geniessen kan / die Arbeit seiner Hand. 8. Dann gar nichts edlers ist / als wo oben und unden / einig sind zu aller Frist / Kaͤyser / Koͤnig / und Fuͤrsten zu hand / ein jeder regiert in seinem Land / mit Ruh und Billigkeit. 9. Darumb jhr Christen⸗Leuth / jhr hohen und auch nideren Stands / was Nation jhr seyd / Rufft an den HErrn deß Fridens gut / daß er woll halten in seim Hut / die gantze Christenheit. 10. Daß wir zu jeder frist / den HErrn koͤnnen loben / Jesus den Fridens⸗Fuͤrst / der durch sein Todt hat Frid gemacht / und vns wider zum Vatter bracht / des⸗ sen Feind wir alle geweßt. 11. Dann GOTT der HErr allzeit / mit seiner Gnad und Guͤte / seinem Volck ist bereit / daß jhn von Hertzen thut ruffen an / wird er auch nimmermehr verlahn / in alle ewigkeit. 12. Darumb kombt jhr Christen her / laßt vns den HErrn preisen / und jhm ge⸗ ben die Ehr / dieweil er hat zu Statt und Land / den edlen Friden wider gesandt / der uns verlangt gar sehr. 13. Weil nun ein lange Zeit / wol bey den zwantzig Jahren / in der Welt weit und breit / war Krieg vnd Blutvergies⸗ sen sehr / damit uns straffet GOTT der HErr / von wegen vnser Suͤnd. 14. Alle Laster sind gemein / bey Jun⸗ gen vnd bey Alten / bey reich / arm / groß und klein / man flucht vnd schwoͤret also sehr / als wann kein GOtt im Himmel waͤr / ja auch die kleine Kinder. 15. Darumb mein frommer Christ / sey danckbar und demuͤthig / weil GOtt so guͤtig ist / und uns auß Gnaden hat be⸗ schert / den lieben edlen Friden werth / je⸗ zund zu aller Frist. 16. Zu loben seyd bereit / jhr Reichen vnd auch Arm / die gantze Christenheit / den HErrn JEsus GOttes Sohn / der uns auß seines Vatters Thron / den Fri⸗ den hat gesandt. 17. Darumb O Welt nimm wahr / wie durch die Gnad deß HErrn / Kaͤyser und Koͤnig groß / den edlen Friden ge⸗ schlossen hand / damit Unruh und Krieg im Land / auffhoͤren gantz und gar. 18. Und wir zu aller Zeit / den HErrn koͤnnen loben / in Frid und Einigkeit / ja alle Voͤlcker uͤberall / zu Land und Was⸗ ser / Berg und Thal / der gantzen Chri⸗ stenheit. 19. AMEN zu aller Stund / daß ist so vil es werde wahr / wuͤnsch ich von Hertzen⸗Grund / und mach hiemit dem Lied ein End / GOtt allen unseren Kum⸗ mer wend / fuͤhr uns ins Himels⸗Thron. ENDE. Show less

Von Rheinfelden; Der Rheingraf und der Schwede; Es wollt gut Fischer fischen;
Drey schoͤne neue weltliche Lieder. Das Erste: Von Rheinfelden Hoͤret an ein newes Gesang / was ich jetzund wil singen / rc. Das Ander. Der Rheingraaff und der Schwede / die kriegten alle beede / Rheinfelden wolten / rc. Das Dritte: Es wolt gut Fischer fischen / wolt fischen wol auff dem... Show more Drey schoͤne neue weltliche Lieder. Das Erste: Von Rheinfelden Hoͤret an ein newes Gesang / was ich jetzund wil singen / rc. Das Ander. Der Rheingraaff und der Schwede / die kriegten alle beede / Rheinfelden wolten / rc. Das Dritte: Es wolt gut Fischer fischen / wolt fischen wol auff dem rc. Jedes in seiner eigenen Melodey zu singen. Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste. Hoͤrt an ein newes Gesang / was ich je⸗ tzund wil singen / zu Lob der schoͤnen Dam / am Rheinstrom ist sie wol be⸗ kandt / Rheinfelden wird dieselb genandt / von Keiserlichem Stamm. 2. Dieselb gebohren ist / Adelreich thut sie leben / jetzund zu aller frist / die hat vil Gelt / Silber und Gold / gleich wie ein Graͤffin haben solt / wie ich deß bin bericht. 3. Viel Diener sie thaͤt han / die sie gar wol verwachen / wol bey fuͤnff hundert Mann / mit Stucken und Carthaunen groß / mit Proviant / mit Kraut und Loth / wo nun der Feind herkam. 4. Haben sie gute Wacht / der Paß ist wol versehen / bey Tag und auch bey nacht / ein frembder Held zu ihren kam / hielt umb die Edele Dam an / dessen sie gar nicht acht. 5. Crequy mit seinem Gheer / thaͤt sie gar schoͤn umbfangen / und both ihr grosse Ehr / dreymal er sie auffordern ließ / auch schmei⸗ chelwort er ihr verhieß / wann sie sein eigen werd. 6. Er woll ihr einen Krantz / von klarem Gold auffsetzen / und fuͤhren an den Tantz / wann sie sich ihm ergeben wolt / soll sie kein mangel mehr an gold / haben im leben gantz. 7. Die Dam zur Antwort gab / deiner ich nicht begehre / weil ich das Leben hab / die⸗ weil du schon mein Nachbaur bist / Betrug und Falschheit in dir ist / wie ich vernommen hab. 8. Mein Herr ist Keisers Blut / er thut mich defendieren / halt mich in guter Hut / von ihm wil ich nicht lassen ab / weil ich ein gantze Mauren hab / er hat auch Heldes⸗ muht. 9. Mit seiner grossen Macht / kan er mich wol versehn / bey Tag und auch bey Nacht / du aber bist ein frembder Gast / und man⸗ cher Stadt ein Uberlast / hast viel in Ar⸗ muth bracht. 10. Solche Red ihn verdroß / mit Stu⸗ cken und Carthaunen / spielt er ohn under⸗ laß / damit trieb er ein grossen Pracht / daß under ihm die Erden kracht / Granaten er auch schoß. 11. Der Damen Heldes⸗muht / gegen dem Feind außfallen thaͤt / sie wagte Leib und Blut / den Feind thaͤten sie greiffen an / es kost gar manchen stoltzen Mann / wie man vernemmen thut. 12. Drey Stund sag ich fuͤrwahr / thaͤ⸗ ten sie scharmutzieren / auff den Feind schlug man dar / gar manchem Held sein Haar und Haut / vor Rheinfelden der schoͤnen Braut / in Lufft geflogen war. 13. Printz Herman wolgemuht / gar rit⸗ terlich thaͤt fechten / mit den Frantzosen gut / das klein Geschuͤtz wie der Hagel gieng / gar mancher auff die Erden fiel / mußt sterben in seim Blut. 14. Das Frantzoͤsische Heer / deßgleichen tapffer streiten thaͤt / und schlugen auff sie dar / zuletst das Keiserliche Heer / von dem Feind gantz umbgeben war / doch halff ihn GOtt der HErr. 15. Daß sie mit gantzer Gewalt / durch den Feind muͤßten schlagen / biß sie die Bruͤ⸗ cken erlangt / auff die Rheinbrucken Freund und Feind / bald mit einander kom̄en seind / da thaͤt man Widerstand. 16. Vom newen Thurn alsbald / ein Wachtmeister thaͤt spielen / auff die Bruck mit Gewalt / die Fallbrucken mit grosser Macht / in solcher Eyl hat auffgebracht / dem Feind das nicht gefallt. 17. Doch drungen sie hinein / der Feind der thaͤt vermeinen / die Stadt waͤr eigen sein / sie drungen auff einander dar / die Bruck mit Volck beladen war / biß sie fiel in den Rhein. 18. Dardurch die reine Magd / bald thaͤt victorisieren / ihr Krantz sie heut noch tragt / Trutz andern Staͤdten allzugleich / die seynd gefallen von dem Reich / ihr Le⸗ ben sie frisch wagt. 19. Der Feind mit grosser Schand / Rheinfelden mußt verlassen / wie wir ver⸗ nommen hand / jm Rhein war ihn zu groß das Bad / darinn hat mancher Held sein Grab / wies maͤnniglich bekandt. 20. Rheinfelden Vestung starck / GOtt wolle dich behuͤten / vor Feur und Krieges⸗ Noht / und geben dir nach der Zeit / die ewig Freud und Seligkeit / Amen / bewahr dich GOtt. Das Andere. DEr Rheingraff und der Schwede / die kriegten alle beede / Rheinfelden wollen sie han. 2. Sie zugen ein klein baß uffen / wol bey der Weyermatt uffen / mit viertzig tausend Mann. 3. Wo woͤllen sie sLaͤger haben / zu Rheinfelden in den Raͤben / da haͤnd sie sLaͤger ghan. 4. Sie hand das Laͤger gschlagen / es kostet man⸗ chen Knaben / mancher Frawen ihr Mann. 5. Ein Boͤttlein kam ihnen spahte / von Zuͤrich auß dem Rahte / gab ihnen ein gute Lehr. 6. Sie sollen Kuͤgelein giessen / dapffer gen Rhein⸗ felden schiessen / dann werden sie inen ko. 7. Sie haben Kuͤgelein gegossen / dapffer gen Rheinfelden gschossen / sind notti nuͤt innen ko. 8. Ein Boͤttlein kam ihnen spahte / von Bern wol auß dem Rahte / gab ihnen ein gute Lehr. 9. Sie soͤllend das Korn abschneiden / groß Hun⸗ ger muͤssen sie leyden / dann werden sie inen ko. 10. Sie haben das Korn abgschnitten / groß Hun⸗ ger haben sie glitten / sind notti nuͤt inen ko. 11. Ein Boͤttlein kam ihnen spahte / von Basel auß dem Rahte / gab ihnen ein gute Lehr. 12. Sie soͤllend die Trauben abschneiden / grossen Durst muͤssen sie leyden / dann werden sie inen ko. 13. Sie haben die Trauben abgschnitten / grossen Durst haben sie glitten / sind notti nuͤt inen ko. 14. Ein Boͤttlein kam ihnen spahte / von Schaff⸗ hausen auß dem Rahte / gab ihnen ein gute Lehr. 15. Sie soͤllen die Mauren brechen / und soͤllend frey dapffer fechten / dann werden sie inen ko. 16. Sie haben die Mauren brochen / und haben dapffer gfochten / sind notti zletst inen ko. 17. Ein Kuͤhlein schickten sie fuͤr usen / thaͤt man⸗ chem Schweden drab grusen / das Kuͤhlein traͤit Werck am Horn. 18. Wann das Kuͤhlein lehrt spinnen / Rheinfel⸗ den werden ihr gwinnen / dann werdend ihr inen ko. 19. Das Kuͤhlein hat nit glehrt spinnen / Rhein⸗ felden hand wir gewonnen / sind notti zletst inen ko. Das Andere. ES wolt gut Fischer fischen / wolt fi⸗ schen wol auff dem See / dirl dirl de / wolt fischen auff dem Wasser / ja Wasser / ja Wasser / ja Wasser / dirl dirl Wasser / bey Reiff und kuͤhlen Schnee. 2. Was fangt er in seim Netze / ein Fisch von hundert Pfund / dirl dirl Pfund / ein Fisch von hundert Pfund / ja Pfunde / ja Pfunde / ja Pfunde / dirl dirl Pfunde / das fangt er aber nicht / dirl dirl nicht / das fangt er aber nicht. 3. Den Fischer friert es an die Fuͤß / es thut ihm alles so weh / dirl dirl weh / er trat zu der Fraw Wirthin in die Stuben / ja Stuben / ja Stuben / ja Stuben / dirl dirl Stuben / biß daß es besser werd / dirl dirl werd / biß daß es besser werd. 4. So sprach es nun die Wirthin / mein Mann ist nicht daheim / dirl dirl heim / mein Mann ist in der Kirchen / ja Kir⸗ chen / ja Kirchen / ja Kirchen / dirl dirl Kirchen / baͤttet alle die Heiligen an / dirl dirl an/ baͤttet alle die Heiligen an. 5. Jst ewer Mann in der Kirchen / baͤt⸗ tet alle die Heiligen an / dirl dirl an / so laßt uns essen und trincken/ ja trincken / ja trin⸗ cken / ja trincken / dirl dirl trincken / und laßt uns schlaffen gahn / dirl dirl gahn / und laßt uns schlaffen gahn. 6. Und da die Zeit am besten war / da kam der Frawen ihr Mañ / dirl dirl Mañ / dacht ihm derselbige Fischer / ja Fischer / ja Fischer / ja Fischer / dirl dirl Fischer / waͤr ich dreissig Meil darvon / dirl dirl von / waͤr ich dreissig Meil darvon. 7. Das Fraͤwlein war so listig/ sie schuͤtt ein Waͤsserlein auß / dirl dirl auß / ließ sie denselben Fischer / ja Fischer / ja Fischer / ja Fischer / dirl dirl Fischer / zu der hindern Thuͤr hinauß / dirl dirl nauß / zu der hin⸗ dern Thuͤr hinauß. 8. Und da er nun gen Regenspurg kam / wol fuͤr ein grosses Hauß / dirl dirl Hauß / da schaut ein schoͤne Jungfraw / ja Jung⸗ fraw / ja Jungfraw / ja Jungfraw / dirl dirl Jungfraw / zum obern Fenster herauß / dirl dirl rauß / zum obern Fenster herauß. 9. O Fischer mein lieber Fischer / habt ihr die Fischlein mitbracht / dirl dirl bracht / sieh neine / sieh neine / sieh neine / dirl dirl neine / an euch hab ich nie gedacht / dirl dirl dacht / an euch hab ich nie gedacht. 10. O Fischer lieber Fischer / habt ihr der Fischlein noch mehr / dirl dirl mehr / sieh nei⸗ ne / sieh neine / sieh neine / dirl dirl neine / sie schwimmen gar tieff im See / dirl dirl de / sie schwimmen gar tieff im See. 11. Zu Regenspurg auff der Brucken / da fragt man das Fischerlein / dirl dirl lein / es kan gar freye fischen / ja fischen / ja fischen / ja fischen / dirl dirl fischen / beym Meth und kuͤh⸗ len Wein / dirl dirl Wein / beym Meth und kuͤhlen Wein / bey schoͤnen Jungfraͤwlein. E N D E. Show less

Wundergeschichte aus Schwäbisch Hall, 4. Juni YYYY
Eine warhaffte Geschicht, So sich zugetragen Zu Hall in Schwaben, d. 4. Jun. An einem Menschen Der auf steten Laster⸗Wegen gegangen, dem⸗ selbigen setzte der boͤse Feind in einer Kranck⸗ heit hefftig zu, und sahe wie ihn der Satan wolte in die Hoͤlle fuͤhren, und vorgedachter Mensch schon... Show more Eine warhaffte Geschicht, So sich zugetragen Zu Hall in Schwaben, d. 4. Jun. An einem Menschen Der auf steten Laster⸗Wegen gegangen, dem⸗ selbigen setzte der boͤse Feind in einer Kranck⸗ heit hefftig zu, und sahe wie ihn der Satan wolte in die Hoͤlle fuͤhren, und vorgedachter Mensch schon einige Schritte mit ihm fort⸗ gegangen, aber nicht weiter fort wolte, son⸗ dern rieff zu GOtt um Errettung vom Boͤ⸗ sen, da ihm dann ein Engel entgegen getreten und ihn bey der Hand wieder von ihm gerissen. Dieser Mensch ist nachgehends ein Feind der Suͤnden und Liebhaber GOttes und seines Wortes geworden: Auffgezeichnet und in diese Verse gebracht allen rohen Suͤndern zum Exempel und Besserung. Jn der Melodey: Werde munter mein Gemuͤthe, rc. STehe Suͤnder, stehe stille! laß von deiner Boßheit ab, ehe GOttes ern⸗ ster Wille Dich rufft in das Tod⸗ ten⸗Grab, der dich offt geruͤhret hat abzu⸗ stehn von boͤser That, wilt du denn dein Hertz verschliessen, und die Gnade nicht geniessen. 2. Denck daß du von deiner Jugend GOtt stets ungehorsam bist, der dich fuͤhrt zu aller Tugend, aber durch des Teuffels List, bist du von GOtt abgewand und hast dich in Satans Hand, selbst und einig eingeschrieben, da du GOtt allein sollt solt lieben. 3. Hat nicht stets dein Hertz gehangen, an der Welt und Fleisches⸗Lust? Hast du nicht offt angefangen was dir besser war bewust, denck wie manches liebes mahl und wie oͤff⸗ ters ohne Zahl, du hast GOttes⸗Gnad ver⸗ achtet und nach boͤse Ding getrachtet. 4. War dir nicht gar offt sehr bange, wann du auff den Suͤnden⸗Steg? Aber solches wehrt nicht lange, Satan nahm die Furcht bald weg, bildet dir durch falschen Schein, also bald was anders ein, daß du boͤses aus⸗ geuͤbet, und den grossen GOtt betruͤbet. 5. Jch weiß GOttes Gnad zu preisen, die ich sah in meiner Noth, dadurch kann ich warlich weisen, daß wenn gleich auch koͤmbt der Todt, ja wenn Satan trit heran, und uns niemand helffen kann, so kan GOtt die Engel schicken, die uns aus den Ungluͤck ruͤcken. 6. Da ich lag in Todes Noͤthen, ruͤckte mir der Satan fuͤr, daß GOtt willens mich zu toͤdten, zu verdammen fuͤr und fuͤr, mein Gewissen sagt mir auch, daß nach Recht und nach Gebrauch, ich muͤst ewig seyn ver⸗ lohren und zum Hoͤllen⸗Kind erkohren. 7. Da ich einst um Mitternachte Lag im Bett und schlieffe nicht Sich der Satan zu mir machte Sah ich wuͤrcklich im Gesicht, und er stelt sich mir auch dar Als wenn er mich gantz und gar, wolte in den Abgrund brin⸗ gringen Meine Seele zu verschlingen. 8. Es schien als wolt er mich fuͤhren, hin in ein gar finster Loch, da viel Stuffen zu be⸗ ruͤhren, deren 2. ich folgte nach, an der dritten blieb ich stehn, wolt nicht weiter mit ihn gehn Weil ich sah den alten Drachen, seinen Ra⸗ chen weit auffmachen. 9. Darum schrie ich: JEsu rette, steh mir bey in dieser Noth! Ach Erloͤser mich vertre⸗ te Du Beherrscher uͤber Tod, uͤber Teuffel, uͤber Hoͤll, rette meine arme Seel, du hast sie ja auch erworben, da du vor der Welt gestorben. 10. Da ich dis kaum ausgesprochen, fast ein Engel meine Hand, sprach: Hast du gleich viel verbrochen, welches alles GOtt bekand, will er dir doch gnaͤdig seyn Und erretten von der Pein Aber er befielt darneben das du bes⸗ sern solt dein Leben. 11. Dieses nahm ich wohl zu Hertzen, da ich wieder stunde auf, ich empfand die groͤsten Schmertzen uͤber meinen Lebens⸗Lauff, daß da ich doch GOtt betruͤbt Er mich doch so sehr geliebt, druͤm will ich den Entschluß fassen, von der Suͤnden abzulassen 12. Nun frag ich nach keinen Leiden, nichts soll seyn in dieser Welt, daß mich mag von JE⸗ su scheiden, weil mich seine Gnad erhaͤlt, find sich Armuth, Krieg, und Pest, weiß ich doch mein JEsus laͤst Mich in keiner Noth verder⸗ ben, leid ich mit ihm, muß ich erben. 13. Wers will haben wie ichs habe, der steh auch von Suͤnden ab, daß ihn GOttes Gna⸗ de labe, diese bleibt biß in das Grab, auch wañ man wird aufferstehn, wird sie uns zur Sei⸗ ten gehn, weg mit allen Welt⸗Getuͤmmel, meine Seele sucht den Himmel. Show less

Tod eines Soldaten durch ein Gewitter bei Altenburg
Eine Erschroͤckliche Geschicht / Von einem Soldaten welchen das Gewitter in dem Staͤdtlein Kahl bey Altenburg in die Erde geschlagen. Jn seiner eignen Mel. WAch auff / O Mensch / vom Suͤnden⸗Schlaff / Ermuntre dich verlohrnes Schaaff / und bessre bald dein Leben / daß du nicht darffst in... Show more Eine Erschroͤckliche Geschicht / Von einem Soldaten welchen das Gewitter in dem Staͤdtlein Kahl bey Altenburg in die Erde geschlagen. Jn seiner eignen Mel. WAch auff / O Mensch / vom Suͤnden⸗Schlaff / Ermuntre dich verlohrnes Schaaff / und bessre bald dein Leben / daß du nicht darffst in Ewigkeit / die wehret eine lange Zeit / Ewig im Feuer schweben. Ach spotte ja nicht deinen GOtt / sonst wird dich die verfluchte Rott / in daß Verderben stuͤrtzen; Gleich⸗ wie anjetzt geschehen ist / drum mer⸗ cket all zu dieser Frist / in einer Stadt nicht ferne. Kahle / bey Altenburg sie heist / allda der grosse Satans⸗Geist / einen Soldat besessen; Der hat gelaͤstert GOtt so sehr / daß ihn der Donner schroͤcklich schwer / hin in die Erd ge⸗ schlagen. Als er beym guten Biere saß / vnd darbey seinen Gott vergaß / erschroͤck lich thaͤt er sagen: Jch hoͤre jetzt den Drummel⸗Schlag / darauff er von dem Tisch gieng ab / und thaͤt gar spoͤttisch fragen: Du Drum̄el⸗Schlaͤger durst dich auch? Darauff der grosse Donner⸗ Hauch / ihn in die Erd thaͤt schlagen / daß er biß an den halben Leib / in die⸗ ser Klufft verborgen bleib / und kont kein Wort mehr sagen. Als nun stunde gantz verstoͤrt / nicht sahe und auch nicht mehr hoͤrt; Welchs graͤßlich anzusehen / so war doch keine Huͤlffe da und ob man ihn mit Thraͤnen sah / doch must er blei⸗ ben stehen. Das Bier im Glaß war kochend heiß / die Angst trieb ihm auß einen Schweiß / wust nicht wie jhm ge⸗ schahe / leben und sterben kan er nicht / drum sehe man an Gottes Gericht / GOtt laͤsset sich nicht spotten. Ob man ihn schon wolt rausser ziehn / jedennoch must er bleiben stehn in der geschlagenen Grube / die Erde ward wie Eisen und Stahl / darin⸗ nen er must leyden Quaal / der Gott⸗ vergesse Bube. O Mensch so du nun zweiffeln wilt an den geschehnen Trauer⸗Bild / so kan dich GOtt auch straffen; Haͤtt dieß der rohe Mensch bedacht / und GOttes Guͤte nicht veracht / waͤr er so nicht entschlaffen. Ach fliehe doch des Teuffels strick die boͤse Welt mit ihrer Tuͤck / laß ab / Gott zu verachten / sonst must du in der Hoͤllen⸗Pein / da mehr denn tau⸗ send Hencker seyn / in Ewigkeit ver⸗ bleiben. Ach meyde ja des Teuffels strick / die Wollust kan ein Augenblick / und laͤnger nicht ergaͤtzen; Dafuͤr wilt du dein arme Seel / hernachmahls in des Teuffels Hoͤhl / O Mensch / zu Pfande setzen. Lieb deinen GOtt von Hertzen rein / auff daß du mit den Engelein / im Himmel Theil moͤgst haben: Ach leb und stirb auff Christi Blut / das tilgt die grosse Suͤnden⸗Glut / und wird dich ewig laben. ENDE. Show less

Bericht über eine fünffache Kindsmörderin
Beschreibung und Lied von einer Kindermoͤrderin, die ihre fuͤnf eigenen Kinder getoͤdet hat. 1. Es moͤcht ja wohl ein hartes Herz vor Traurigkeit zerspringen, wenn ich er⸗ erwaͤge diesen Schmerz, wovon ich jetzt werd singen, was sich begebn hat voriges Jahr, unweit von Pezigau der Pfarr, ... Show more Beschreibung und Lied von einer Kindermoͤrderin, die ihre fuͤnf eigenen Kinder getoͤdet hat. 1. Es moͤcht ja wohl ein hartes Herz vor Traurigkeit zerspringen, wenn ich er⸗ erwaͤge diesen Schmerz, wovon ich jetzt werd singen, was sich begebn hat voriges Jahr, unweit von Pezigau der Pfarr, groß Herzenleid entspringen. 2. Man hoͤrt nicht leicht zu dieser Zeit, solch unerhoͤrte Suͤnden, von einem Tuͤr⸗ ken oder Heyd wird man den Mord nicht finden, daß er ein solche That ausuͤbt, kein wildes Thier thut es auch nit, seine Jun⸗ gen selbst umbringen. 3. Die Unzucht, Hurerey und Suͤnd hat sie gar lang getrieben, ermord ihr al⸗ lererstes Kind, und dacht es bleibt ver⸗ schwiegen, wie sie dann selbst bekennen thaͤt, die Zeit den Ort und auch die Staͤtt / wo sie es hat begraben. 4. Die Moͤrderin verharren thaͤt, noch mehr in diesen Suͤnden, bekam zum an⸗ dernmal ein Kind, gleich uͤbel thaͤt sich fin⸗ den, sie bracht ein Knaͤblein zu der Welt, dasselbige thaͤt sie, wie ich meld, im Wasser gleich ertraͤnken. 5. Mit Grausen will ich zeigen an, er⸗ schrecklich anzuhoͤren, welch teufelisch Be⸗ ginnen kan die Moͤrderin bethoͤren, daß sie durch den gottlosen Rath, ihr drittes Kind verbrennet hat, sollt ein denn diß nit grauen. 6. Sie will sich geben nicht zur Ruh, und eilet mit dem vierten, auch gleich mit Grauß dem Morden zu, hat ihm den Hals abgeschnitten, wie kanst du doch so grim⸗ mig seyn, gegen dein eigen Fleisch und Bein, du moͤrderische Seele. 7. Damit wie sie bekennet hat, wird sie das fuͤnftemale, in aller Suͤnd und Missethat nochmahl gebracht zu Falle, dieweil sie ohne allen Scheu, anhieng der Suͤnd und Hurerey, must sie das fuͤnft gebaͤhren. 8. Doch will sie auch an diesem Kind, selbst Henker darob werden, und eilet mit dem fort geschwind, und dacht an keinen Gfaͤhrten, sie schleift es in ein Keller hin, und meinet gleich in ihrem Sinn, es sey nunmehr gelungen. 9. Damit die Sach doch kam an Tag, hoͤrt Wunder was geschehen, wird durch ein Maͤgdlein, wie ich sag, dasselbige Kind, gesehen, sie zeigt es an der Obrigkeit, man schickt dahin auch allbereit, die Sache zu besehen. 10. Jndem man nun nachsuchet recht, fand man die Kinder eben, noch an dem Ort und an der Staͤtt, wo sie bekannt, gelegen, doch weil sie die gottlose That, ganz freywillig bekennet hat, hoͤrt, wie es ihr ergangen. 11. Sie wurde mit dem Schwerd ge⸗ richt, die rechte Hand abghauen, zum Beyspiel allen, wer es sieht, sollt einem das nicht grauen, ach nehmet ein Exem⸗ pel dran, daß niemand thut, was sie ge⸗ than, vor Gott und seiner Lehre. 12. Darum ihr liebe Menschenkind, nehmt dieses auch zu Herzen, und huͤtet euch fuͤr solcher Suͤnd, Gott laͤßt nicht mit sich scherzen, so werden wir zu seiner Zeit geniessen auch der Seeligkeit, entge⸗ hn den Hoͤllenschmerzen. Ein anderes Lied. So geht es in der Welt, man darf bald nichts mehr sagen, es giebt nur lau⸗ ter Klagen, ist alles gleich gefehlt, und wann man schon mit Haͤnden die Wahr⸗ heit greifen kann, so laͤßt man sich verblen⸗ den, vom rechten Weg abwenden, kein Mensch kehrt sich daran. 2. Jst alles umgekehrt, man redt wann man soll schweigen, man weint, wann man soll geigen, ist alles gleich gefehlt, der Luͤgner ist in Ehren, der Schmeichler in hohen Wehrt, Kinder die Eltern lernen, zu Fuß gehn manche Herren, der Sim⸗ pel sitzt zu Pferd. 3. Jst alles umgekehrt, denn wer nicht kan zuͦtragen, auf allen Lauten schlagen, wird gar nichts aͤstimirt, drey Sprachen muß er fuͤhren, franzoͤsisch, deutsch parli⸗ ren, auch spanisch sich auffuͤhren, sonst kriegt er keine Gunst. 4. O deutsche Redlichkeit, was hat dich so bezwungen, daß du Urlaub genommen, bey dieser falschen Zeit, ach frag nicht lang mein Deutscher, du weißt es gar zu wohl, weil Treuheit ist verlohren, und Falschheit ist gebohren, die Welt ist Luͤ⸗ genvoll. 5. Ade zu guter Nacht, das Geld jetzt alls regieret, wenn man nur braf spendi⸗ ret, so ists schon ausgemacht: O Gott thu dich erbarmen, nimm dich der Armen an bey diesen boͤsen Zeiten, ertheil Barm⸗ herzigkeit, schenk uns den Gnadenschein. Show less

Mord-Geschichte auf einem Meyerhof bei Eberstein; Ermahnung der Jugend: Oh Jugend was hilft Dich Dein Scherzen
Zwey uͤberaus schoͤne Lieder. Das Erste: Von einer erschroͤcklichen Mord⸗Geschicht / Welche sich in dem letztern Jahr bey einem Meyerhof zwischen Eberstein und Rheinfels begeben, was sich vor und nach derselbigen Merkwuͤr⸗ diges zugetragen, wird der Guͤnstige Leser hierin vernehmen. Der... Show more Zwey uͤberaus schoͤne Lieder. Das Erste: Von einer erschroͤcklichen Mord⸗Geschicht / Welche sich in dem letztern Jahr bey einem Meyerhof zwischen Eberstein und Rheinfels begeben, was sich vor und nach derselbigen Merkwuͤr⸗ diges zugetragen, wird der Guͤnstige Leser hierin vernehmen. Der Jugend zur Wahrnung Ge⸗ sangsweiß verfaßt. Nun hoͤret allesamt ihr Chri⸗ sten, Frau und Mann, rc. Jm Thon: Sylvia, Sylvia. Das Andere: O Jugend! was hilft dich dein rc. Gedruckt in diesem Jahr. Die bey einem Meyer⸗Hof gesche⸗ hene greuliche Mord⸗Geschicht. Nun hoͤret allesamt, ihr Christen, Frau und Mann, nehmts wohl zu Herzen, was ich euch neues bring, und trauriges singen will von Laid und Schmerzen Auf einem Meyerhof, geschah das Elend groß, mit einem Gesellen, der sich verliebet hat in eine arme Magd, thaͤt ihr nachstellen. Einsmals als sie allein, sprach er: Herzliebste mein, ich will euch nemmen: ehrlich zu einem Weib, wann ihr zu⸗ frieden seyd, wolt es erkennen. Sie sprach: daß GOtt erbarm, ich bin euch viel zu arm, ich mags nicht haben, daß ihr mich so vexirt, und euch so naͤr⸗ risch ziert, drauf thaͤt er sagen: Drauf schwur er hoch und theur, ihn solt das hoͤllisch Feur, schroͤcklich verzehren, verkrummen Arm und Bein, wann ers nicht treu vermeyn, thaͤt er raus schwoͤren. Als sie diß hat gehoͤrt, daß er so flucht und schwoͤrt, thaͤt sie ihm glauben. Die Jungfrau liebte ihn von Herzen, Muth und Sinn, weil er versprochen, ihr hat sein Treuͦ und Ehr, sie dacht es wird nimmer, werden gebrochen. Aber es war weit gefehlt, da der Gesell hat erzehlt, solchs seiner Mutter, daß er die arme Magd, ehrlich genommen hat, kams nicht zum guten. Sie sprach: Ach du Boͤßwicht, wann das dein Vatter wuͤßt, so unter der Erden. Daß du den Baͤttelsack, zur Braut genom⸗ men hast, es braͤcht ihm Beschwaͤrden. Sie sprach: Ach lieber Sohn, was wilt mit dieser thun, ich weiß ein reiche, die ist auch schoͤn gestalt, die kanst du also⸗ bald zur Braut erreichen. Seine Mutter trugs ihm an, sie sprach: du kanst ein Mann bey dieser werden. Die erst gab ihn nicht loß, so ihn gar sehr ver⸗ droß, bracht ihm Beschwaͤrden. Darauf die Mutter sprach: mein Sohn ich weiß ein Rath, es wird dir gelingen, fuͤhr sie hinaus alsbald, wanns bringst in dicken Wald, thu sie umbringen. Darauf gieng er zur Magd, die er genom⸗ men, sprach sie soll gehen, mit ihm nach E⸗ berstein, da wollen sie allein, sich unterreden. Sie gieng mit ihm alsbald, in einen dicken Wald, beyde sind kommen, da ruͤst er sich zur That, die er in seim Sinn hat, auch vorgenommen. Und zog sein Messer raus, schwur hoch und theur darauf, sie muͤßt ihm sterben, vor seinen Augen hier, du kanst jetz nicht bey mir, kein Gnad erwerben. Sie fiel ihm um den Hals, mein Schatz verzeih mir alls, sie thaͤt ihn kuͤssen, fieng auch zu wainen an, was ich euch Laids gethan, kan ich nicht wissen. Sprach auch: mein Schatz ich bitt, euch um das Juͤngst Gericht, laßt mich beym Le⸗ ben, wann euch ansteht ein Gluͤck, will ichs verhindern nit, euch gern los geben. Er sprach das acht ich nit, fuͤrwahr ich trau dir nit, moͤchtst mich verrathen, und warf sie auf die Erd, sticht ihr das Mes⸗ ser ins Herz, o boͤse Thaten! Sie fieng zu schreyen an, HErr JEsu GOttes Sohn, wollst mir beystehen, an meinem letsten End, mein Seel in deine Haͤnd thu ich befehlen. Er kehrt sich nicht daran der boͤse Braͤu⸗ tigam, trug kein Erbarmen, und gab ihr noch drey Stich, ins Herz erschroͤckelich, o wehe der Armen! Als sie ihr'n Geist aufgab, er sie begra⸗ ben hat, bey einem Graben. Da ist er kom⸗ men heim und sprach zur Mutter sein, es thaͤt ihm gerathen. Jch hab sie schon ermordt, und heimlich an eim Ort, auch schon begraben, das niemand finden kan. Du hast gar recht gethan, thaͤt d' Mutter sagen. Es wuchsen in etlich Tag, drey Blumen auf dem Grab, recht in der mitten, wie ein natuͤrlich Hertz, bedeut ihr grossen Schmertz, den sie erlitten. Es that der Edelmann, im Wald spa⸗ tzieren gahn, er sah die Blumen, welche zwar fein und schoͤn, auf einem Grab da stehn, er thaͤt herkommen, Und oͤffnete das Grab, er fand die todte Magd, thaͤts bald anzeigen, den Unterthanen sein, alles kam groß und klein, ein Meng der Leuten. Schauten die Mordthat an, niemand wußt wers gethan, doch ists auskommen, wer solches hat gethan. Jung, Alte, Frau und Mann, schauten die Blumen. Er nahm die reiche Braut, es war schon richtig auch, bey ihrem Vatter, sie wur⸗ den gleich verkuͤndt, die Hochzeit gieng geschwind, mit ihm von statten. Er stellt die Hochzeit an, dacht schon nicht mehr daran, was er geschworen, da er die arme Magd, ehrlich genom⸗ men hat, wer ihn solt holen. Als seine Hochzeit⸗Leut, waren in groͤster Freud, kame gegangen, ein lang Kohl⸗schwartzer Mann, der sprach zum Braͤutigam, was thust anfangen? Und mit dem Finger draͤut, erschrocken seynd die Leut, drauf er verschwunden, ließ hinder sich ein Gstank, daß man moͤcht werden krank, o erschroͤcklich Wunder! Er kam die dritte Nacht, da er am be⸗ sten schlaft, bey seiner Frauen, und riß ihn aus dem Beth, erschroͤcklich schlagen thaͤt, daß die Nachbauren, Auch hoͤrten das Geschrey, ein Nacht zwo oder drey, thaͤt er ihn schlagen, der laidige Satan, bis er thaͤt zeigen an, Sein boͤse Thaten. Er hatte keine Ruh, der boͤß Geist setzt ihm zu, er thaͤt hingehen, er zeigt es selbsten an, daß er den Mord gethan, und wanns geschehen. So bald man das vernahm, daß er den Mord gethann, wurd er gefangen, Ge⸗ schlossen in ein Thurn, ihr lieben Chri⸗ sten fromm, hoͤrt mit Verlangen. Er fuͤhrt ein grosse Klag, weil er ge⸗ fangen lag, uͤber sein Mutter, weil sie ihn gereitzet an, daß er den Mord ge⸗ than, Wehe meiner Mutter. Er wurde verurtheilt, es kamen gar viel Leut, sein End zu sehen, sein Mut⸗ ter bracht man auch, ein Schandsaͤul richt man auf, drauf mußt sie stehen. Der Sohn bate alldort, die Herren um ein Wort, mit ihr zu reden, sie habens ihm er⸗ laubt er sprach uͤberlaut, thaͤt vor ihr stehen. Ach du verfluchtes Weib, du bringst mich in diß Laid, daß ich muß sterben, Vil⸗ leicht nach meinem Tod, noch in der Hoͤl⸗ len dort, ewig verderben. Verfluchet sey die Stund, wie auch dein Sinn und Mund, da du mirs gerathen, dein Lohn wird seyn die Hoͤll, da wird dein Leib und Seel, ewiglich braten. Er knyete auf die Erd, man thaͤt ihm mit eim Schwerdt, das Haupt abschlagen, sein Kopf gesteckt aufs Gricht, der Leib erschroͤckiglich, aufs Rad getragen. Die Mutter aus dem Land, der Eyd mit Spott und Schand, wurde gegeben, sie kam um Haus und Hof, hinaus ins Elend groß, mußt sich begeben. Das Andere. O Jugend! was hilft dich dein Scherzen, wanns bringet nur ewigen Schmerzen, was hilft dich ein zeitliche Freud, wann fol⸗ get ein ewiges Leyd. Umsonsten verlaͤst dich aufs Buͤssen, die Taͤg mit dem Wasser ver⸗ fliessen, ach laß es nicht kommen so weit, verschone der guͤldenen Zeit. 2. O Jugend, heut ists noch nicht Mor⸗ gen, drum hast du wohl billig zu sorgen, was heut hat einen lieblichen Schein, kan morgen ein Todten⸗Leich seyn. Wehe dir, wann du gar zu viel trauest, auf junge Jahr Haͤuser aufbauest, kommt gaͤhling ein Ungluͤck da⸗ rein, reißt alles dein Dockenwerck ein. 3. Du bist noch kein Baumstarke Eichen, die nicht pflegt den Winden zu weichen, du bist ein vergaͤngliche Blum, der mindeste Reif bringt dich um. Das Eys auf den Bergen kan harren, wanns schon Sonn und Hitz muß erfahren, du aber zergaͤnglicher Schnee, der mindeste Schein thut dir weh. 4. Ein Geschirr so aus Marmor gehauen, dem darf man ja sicherlich trauen, ein Be⸗ cher gemacht aus Chrystall, zerquetschet der mindeste Fall. Aus Gold oder Silber gegossen, ist auch nicht so gar leicht zerstos⸗ sen, du aber zergaͤngliches Wax, zerflies⸗ sest wie die Stunden des Tags. 5. Wohlan unbesonnene Jugend, er⸗ wehle dir allzeit die Tugend, den eitelen Wollust veracht, der viel in die Hoͤlle ge⸗ bracht. Die Tugend verlaͤngert das Leben, und kanst dich in Sicherheit begeben, dann wann es gestorben solt seyn, in Fried und Ruh schlaffest du ein. 6. Die Wollust das Leben abkuͤrzet, hat viel in Verzweiflung gestuͤrzet, beschwaͤr⸗ zest die Seele mit Ruß, wie hart ist auf einmal die Buß. Drum lebe wie sterben wirst muͤssen, daß du nicht hast Ursach zu buͤssen, o Jugend, verfluche die Suͤnd, vor jede ein Mittel gleich find. ENDE. Show less

Von dem edlen Lindenschmid; Es flog ein Täublin über den Rhein; Des Coridons Traum
Drey schoͤne neue weltliche Lieder / Das Erste: Von dem Edlen Lindenschmid. Jm Thon: Vom Stoͤrtzbecher. Das Andere: Es flog ein Taͤublin uͤber den Rhein / rc. Das Dritte. Des Coridons Traum. Es gieng ein Schaͤfer unter den Baͤumen / und legte sich / rc. Jn seiner bekandten Melodey zu... Show more Drey schoͤne neue weltliche Lieder / Das Erste: Von dem Edlen Lindenschmid. Jm Thon: Vom Stoͤrtzbecher. Das Andere: Es flog ein Taͤublin uͤber den Rhein / rc. Das Dritte. Des Coridons Traum. Es gieng ein Schaͤfer unter den Baͤumen / und legte sich / rc. Jn seiner bekandten Melodey zu singen. Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste. Es ist nicht lang / daß es geschach / daß man den Lindenschmied reuten sah / auf einem hohen Rosse / er ritt den Rhein⸗ strohm auf und ab / gar wohl hat ers genossen / ja genossen. Frisch her ihr lieben Gesellen mein / es muß sich nur gewaget seyn / wagen das thut gewin⸗ nen / wir wollen reuten Tag und Nacht / biß wir ein Beut gewinnen / ja gewinnen. Dem Marggraf von Baden kamen neue Maͤhr / wie man ins Geleith gfallen waͤr / das thut ihn sehr verdriessen / wie bald er Junckern Casparn schrieb / er solt ihm ein Reise dienen / ja dienen. Juncker Caspar zog dem Baͤurlein ein Kappen an / er schickt ihn allzeit vornen dran / wol auf die freyen Strassen / ob er den Edlen Lindenschmied fuͤnd / denselben solt er verrah⸗ ten / ja verrahten. Das Baͤurlein schifft uͤber den Rhein / er kehret zu Franckenthal im Wirthshauß ein / Wirth haben wir nichts zu essen / es kommen drey Wagen / sind wohl beladen / von Franck⸗ furt auß der Messen / so Messen. Der Wirth der sprach dem Baͤuerlein zu ja Wein und Brodt hab ich genug / im Stall da stehen drey Rosse / die sind des Edlen Lin⸗ denschmieds / nehrt sich auf freyer Strassen / ja Strassen. Das Baͤurlein dacht in seinem Muht / die Sach die wird noch werden gut / den Feind hab ich vernom̄en / wie ich bald Juncker Ca⸗ spern schrieb / daß er solt eylend kommen / ja kommen. Der Lindenschmied der hat einen Sohn / der solt den Rossen das Futter thun / den Ha⸗ bern thaͤt er schwingen / stehe auf hertzliebster Vatter mein / ich hoͤr die Harnisch klingen / ja klingen. Der Lindenschmied lag hinder dem Tisch / und schlieff / sein Sohn zum offtermahl ihm rieff / der Schlaff haͤtt ihn bezwungen / sieh auf hertzliebster Vatter mein / dein Verraͤh⸗ ter ist schon kommen / ja kommen. Juncker Casper zu der Stuben eintratt / der Lindenschmied von Hertzen sehr erschrack / Lindenschmied gib dich gefangen / zu Baden an den Galgen hoch / daran so solt du hangen / ja hangen. Der Lindenschmied war ein freyer Reu⸗ tersmann / wie bald er zu der Klingen sprang / wir wollen erst ritterlich fechten / es waren der Bluthund also viel / sie schlugen ihn zur Er⸗ den / ja Erden. Kans und mags dann nicht anders geseyn / so bitt ich umb den liebsten Sohne mein / auch umb meinen Reuters⸗Jungen / und haben sie jemand Laͤid gethan / darzu hab ich sie gezwun⸗ gen / ja gezwungen. Juncker Caspar der sprach Nein darzu / das Kalb muß entgelten der Kuh / es soll dir nicht gelingen / zu Baden in der werthen Stadt / muß ihm sein Haupt abspringen / ja absprin⸗ gen. Sie wurden alle drey gen Baden gebracht / sie sassen nicht laͤnger dann eine Nacht / wol zu derselben Stunde / da ward der Linden⸗ schmied gericht / sein Sohn und Reuters⸗ Junge / ja Junge. Das Andere. 1. ES flog ein Taͤubeli uͤber den Rhein / es flog ein Taͤubeli uͤber den Rhein / es kam den gantzen Sommer nicht heim. 2. Und wie der Sommer bald uͤberen war / Und wie der Sommer bald uͤberen war / das Taͤubele wiederumb heime kam. 3. Und wer ein guts par Taͤubeli will han / und wer ein guts Taͤubeli will han / der muß ein neuen Taubenschlag han. 4. Ein neuen Taubenschlag nicht allein ein neuen Taubenschlag nicht allein / er muß ihren geben Zaͤssen darein. 5. Er muß jhren geben das allerbest / er muß ihren geben das allerbest / sonst fluͤgt das Taͤu⸗ belin auß dem Nest. 6. Er nahm das Taͤublin bey der Hand / er nahm das Taͤublin bey der Hand / er fuͤhrt es in das Niederland. 7. Jns Niederland fuͤrs Goldschmieds Hauß / ins Niederland fuͤrs Goldschmieds Hauß / Goldschmiedli schaut zum Fenster nauß. 8. Ach Goldschmied lieber Goldschmied mein / ach Goldschmied lieber Goldschmied mein / mach mir von Gold eins Ringelein. 9. Mach mirs frey steiff und auch frey zart / mach mirs frey steiff und auch frey zart / dann ich wills geben meinem Schatz. 10. Er nahm das Taͤublin bey der Hand / er nahm das Taͤublin bey der Hand / er fuͤhrt es in das Oberland. 11. Jns Oberland fuͤrs Baͤren Wirths Hauß / ins Oberland fuͤrs Baͤren Wirths Hauß / dort schenckt man den Wein zur Ka⸗ nen nauß. 12. Zu Kanen nauß ins hohe Glas / zur Kanen nauß ins hohe Glas / trinck auß mein Lieb / was schadt dir das. 13. Es schadt mir nuͤt / es thut mir wohl / es schadt mir nuͤt / es thut mir wohl / es ist numen umb der wos bzallen soll. 14. Ders bzallen soll ist nienen hier / ders bzallen soll ist nienen hier / er leit sich an / er will in Krieg. 15. Wilt du in Krieg / wilt nimmerme ko / wilt du in Krieg / wilt nimmerme ko / was wilt du mir zur Letze lan. 16. Ein gute Letze will ich dir lahn / ein gute Letze will ich dir lahn / ein Kindle in der Wie⸗ gen stahn. 17. Ein semlege Letze wär mir nit gut / ein seinlege Letze waͤr mir nit gut / es naͤhm mir all mein Freud und Muth. 18. Er nahm das Taͤubli bey der Hand / er nahm das Taͤubli bey der Hand / er fuͤhrt es in das Schwobenland. 19. Auß dem Schwobenland / gon Basel auf Brug / auß dem Schwobenland gon Ba⸗ sel auf Brug / lug numen lug umen / lug noch einmahl z'rug. 20. Das Taͤublin schrau / O weie wehe / das Taͤublin schrau / O weie wehe / jetz han ich meins Schaͤtzlin zuletst mahl gesehn. Das Dritte. Des Coridons Traum. ES gieng ein Schaͤfer unter den Baͤumen / und legte sich in Schatten dahin / da fieng ihm eigentlich an zu traͤumen / wie er bey seiner Schaͤferin / nicht allein die Gunst verlohren / sie hat ihm auch den Tod geschworen. 2. Er muͤß auch uͤber diß verschmertzen / wie sie bey einem andern saß / und ließ sich gerne von ihm hertzen / sie legte sich die Laͤng ins Graß / ließ ihren begreiffen ja wol die Bruͤste / als wann sie stille halten muͤßte. 3. Sie lag gantz bloß und nackend oben / es war ihr leichter Sommer⸗Rock / biß an den Nabel aufgehoben / sie lobte seinen Schaͤfer⸗ stock / mit seinem außgekerbten Stiele / der ihr so trefflich wohl gefiele. 4. Sie hatte nah bey seinem Schosse / ihr woll und weiche Hand gelegt / die Laͤmmer nagten dort von dem Moose / das die verfaulte Wurtzel traͤgt / und sahen zu / zu seinem Suͤs⸗ sen / wie sie den Schäfer koͤnte kuͤssen. 5. Er legte sich auf sie fein sachte / sie thaͤt als schlieff sie druͤber eyn / als wußte sie nicht was er machte / ach Schaͤfer was soll dieses seyn / forthin thut sie was saur sehen / hierauf als waͤr es schon geschehen. 6. Sie gab ihm offtmals saure Blicke / und sah ihn wieder freundlich an / beklagte ihr groß Ungeluͤcke / wie daß er ihr zu viel gethan / und thate doch als ob sie wolte / daß ers noch mehr versuchen solte. 7. Du darffst dich / sprach er / nicht befah⸗ ren / und wird es gleich ein junger Sohn / so bald er kommt zu seinen Jahren / so soll er heis⸗ sen Coridon / wird sich das Widerspiel erwei⸗ sen / so soll es nach der Mutter heissen. 8. Jndeß erwacht er von dem Schlaffe / beklagte seine Liebes⸗Pein / verfluchte sich und seine Schafe / die so verlassen muͤssen seyn / und daß er schlaffend hab gesehen / was offt⸗ mals wachend war geschehen. 9. Er warff den Stab und Taschen nie⸗ der / und schreyt auß lauter Liebes⸗Macht / ich komm zu euch wol schwaͤrlich wieder / Ade ihr Wiesen gute Nacht / sagt daß mein ungluͤck⸗ hafftigs Lieben / mich armen Schaͤfer hat vertrieben. E N D E. Show less

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