Der Neue Tell; Forderungen zum Friede von Aarau, 1712
Ein schoͤnes newes Lied Uber Gegenwaͤrtiges faul / falsch und schandtilches Kriegs⸗Wesen Der Newe Tell genannt. Jm Thon: Wie man den Wilhelm Tell singt. Mit angehaͤngten Puncten / welche die beyde Staͤnde / Zuͤrich und Bern / an die Loͤbl. Fuͤnff Catholische Orthe Lucern / Ury /... Show more Ein schoͤnes newes Lied Uber Gegenwaͤrtiges faul / falsch und schandtilches Kriegs⸗Wesen Der Newe Tell genannt. Jm Thon: Wie man den Wilhelm Tell singt. Mit angehaͤngten Puncten / welche die beyde Staͤnde / Zuͤrich und Bern / an die Loͤbl. Fuͤnff Catholische Orthe Lucern / Ury / Schweitz / Un⸗ derwalden und Zug so hochmühtig / wider alle Puͤndtnuß / Ehr und Eyde Praͤtendiren / und gewaltthaͤtig abtringen wollen. Componirt und Getruckt in dem Jahr 1712. Newer Tell. 1. WJlhelm wo ist der Telle? Vergraben in der Erd: Komm her vor uns dich stelle / Du Held lieb / theur und werth Thu deine G'spahnen wecken / Zu newer Trew und Eyd / Die Herren zu erschrecken / So worden seynd Meineyd. 2. Was du mit Blut errungen / Anjetzt verkauffet ist / Die Freyheit wohl gelungen / Den Herren z'wider ist. Der Adel sucht z'verstoͤhren / Den alten freyen Stand / Die Eydgnoßschafft empoͤren? Verkaufft das Vatter⸗Land. 3. Die Herren aller Orthen / Suchen nur ihren Stand / Mit gantz betrognen Worten / Verbluͤoͤmen ihre Schand. Die G'meinden wollen zwingen / Anz'nemmen ihren Gwalt / Bey diser Zeit auffbringen / Was ihrer Falschheit gfalt. 4. Hat man nicht alter Zeiten / Den Adel Krafftloß g'macht / Warumb will man jetzt leiden / Vom selben solchen Pracht? So groß nicht ist gewesen / Der Voͤgten Tyranney / Als wie anjetzt zusehen / Der Herren Schelmerey. 5. Nicht gnug an Undertrucken / Der Gmeinden ihr Freyheit / Den Glauben zu verstucken / Sie suochen Glegenheit. Wie man gnug thut erfahren / Und nicht umbsonst verschreyt / Daß sie Verraͤhter waren / Am Glauben diser Zeit. 6. Denselben zu verfechten / Sie außgezogen seynd / Wanns haͤtten sollen fechten / Sie schonten dessen Feind. Wann Zuͤrcher und die Berner Freyen Glaub muothen an / Seynd den gleich die Lucerner / Anzunehmen gluͤst voran. 7. Wie solches war zusehen / An letster Stauden⸗Schlacht / So bey dem Galgen gschehen / Da sie Verbergiß gmacht. Sich in dem Wald verschloffen / Spoͤttlich ihr Volck bethoͤrt / Darvon schandtlich geloffen / Zu fliehen nicht auffghoͤrt. 8. Zwar wohl nach dem Versprechen / So sie dem Feind gethan / Daß sie nicht wolten fechten / Verletzen keinen Mann / Doch wider ihr Parollen Die Bauren sich gestelt / Und haben mit Bley⸗Knollen / Sehr vil der Feinden gfelt. 9. Jetzt meynen sie gewonnen / Zu haben / was sie gsucht / Daß sie dem Feind entrunnen / Der sie nie hat gesuocht. Jetzt seynd sie muͤed mit Kriegen / Wollen nicht mehr daran / GOtt und die Welt betriegen / Halten umb Friden an. 10. Jst es jetzt Zeit Frid z'machen / Wann man verlassen hat / (Wer wolt nicht druͤber lachen) So manchen Platz und Stadt? Warumb ist man auffzogen / Und sich gestelt ins Feld? Daß man also verlogen / Vom Feind genommen Geldt. 11. Politische Lucerner Was meynt ihr doch darmit / Daß ihr wider die Berner / Euch habet gewoͤhret nit? Jch will es wohl errahten / Die Berner seynd euch G'freund / Weil ihr ab solchen Thaten / Auch ihres Gleichens seynd. 12. Noch nicht ist darmit g'endet / Daß Kriegen an seim Orth / Wann sich das Blettlein wendet / Muß Lucern wider fort. Fuͤrn Glaub und d'Freyheit z'geben / Wir Gmeinde biethen an / Leib / Blut und auch das Leben / Biß auff den letsten Mann. 13. Will sich Lucern bekehren / So sey es ihm zum Heyl / Wil sich das widerspehren / So wartet ihm sein Theil. Der Herren Pracht wird sincken / Weil er ist wider GOTT / Wie Wuest wird solcher stincken / Wann er gemacht zum Spott. 14. Tell Wilhelm Tell dich stelle / Von Newem zum Gewehr / Der Herren G'walt verfelle / Dem Vatterland zu Ehr / Sammle dir redlich Bawren / Under den Freyen Fahn / die gern all Gfahr außdauwren / Und ziehen frisch daran. 15. Man wirds zwar für Rebellen / Außruffen uͤberall / Dich selbst fuͤr solchen zehlen / Die Herren offtermahl. Doch heißt nicht Rebellieren / Wann man den Glauben schirmbt / Die Freyheit Defendieren / Dem Feind den G'walt benimbt. 16. GOtt selbsten thut gefallen / Ein solche Redlichkeit / Drumb hat er offtermahlen / Beschirmet die Freyheit. Den Alten beygestanden / Wider deß Adels G'walt / Schickt uns auch Hilff zu Handen / Weil es ihm wohl gefalt. 17. Haben wir nicht gesehen / Die Zeichen in dem Lufft / Daß Er uns woll beystehen / Treiben die Feind in d'Flucht? Ligt nicht an grosser Maͤnge / Der Sig in GOttes Hand / Offt machet in der Enge / Der Klein den Groß zu Schand. 18. Haben wir nicht zu trauwen / Dem Heilgen Rosenkrantz / Maria der Jungfrauwen / So steht fuͤr unser Schantz? Catholische Soldaten / So trew am Glauben seynd / Erneweret ewere Thaten / Ziecht Tapffer an den Feind. 19. Jhr muͤest doch einmahl sterben / Jm Krieg oder zu Hauß / Jm Krieg koͤnnt ihr erwerben / Die groͤste Ehr darauß. Laßt nicht euch sLeben dauwren / Weil es der Glauben gilt. Sigen werden die Bauwren / Wann schon der Herr verspilt. Puncta / Welche die beyde Staͤnde / Zuͤrich und Bern an die Lobl. Fuͤnff Catholische Orth / Lucern / Ury / Schweitz / Underwalden und Zug prætendieren. (1.) Sollen die Drey Vogteyen Thurgoͤw / die Graffschafft Baden / und das Freye Ambt den Zuͤrcheren und Berneren verbleiben / biß und so lang sie umb die voͤllige Kriegs⸗Koͤ⸗ sten bezahlt seyn werden. (2.) Solle auch die Alte Landtschafft / (so dem Fuͤrsten zu St. Gallen sonsten zustaͤndig) denen Zwey Orthen an die Kriegs⸗Koͤsten verbleiben. (3.) Solle die Paritaͤt so wohl in Civil - oder Burgerlich / als anderen Sachen gestattet werden. (4.) Sollen alle Puͤndtnussen mit Frombden Fuͤrsten und Herren auffgehaͤbt werden. (5.) Solle der Fuͤrst von St. Gallen voͤllig auß dem Pundt außgeschlossen seyn. (6.) Sollen bestaͤndig offene Straffen fuͤr beyde / Staͤnd / Zuͤrich und Bern / offen stehen / und behalten werden. (7.) Wann man die Kriegs⸗Koͤsten baar bezah⸗ len thaͤte / werde man alsdann trachten ein Stillstand der Waffen zu procuriren oder außzuwuͤrcken. (8.) Solle das gantze Toggenburg in voͤlligem Salvo verbleiben / und in Fridens⸗Stand gesetzt seyn. DEr Allerhoͤchste / dessen Eygenschafft ist / sich dem Hochmuͤthigen zu wi⸗ dersetzen / und sich deß Demuhtigen zu erbarmen / wolle Jhme Allergnaͤdigist belieben lassen / disen angemaßten Hoch⸗ muht / vnd so ungerechtes Begehren / durch das Allerreinestes und vilmö⸗ gendes Fürbitt seiner Jungfraͤulichen Mutter Maria voͤllig zu hemmen / und Dero Ertz⸗Feinde niderzutrucken / uns Betrangten aber eine herrliche Victory zu verleihen / fuͤr welche wir deinen Allerheiligsten Nahmen / hier Zeitlich / und dorten Ewiglich loben / ehren und preysen werden / Amen. Show less

Lied zum Vierten Landfrieden vom 18. Juli und 9./11. August 1712; Über den Pfaffen-Streit
Musical⸗Historische Beschreibung Deß Pfaffen⸗Kriegs im Schweitzerland / Und wie derselbe von Jhnen angeblasen und underhalten worden / da uͤber der Fuͤnff Lobl. Catholischen Orthen / als Lucern / Vri / Schweitz / Vnderwalden und Zug / gleichsam ausgebotten kriegischen Aufzuͤgen / ohneracht... Show more Musical⸗Historische Beschreibung Deß Pfaffen⸗Kriegs im Schweitzerland / Und wie derselbe von Jhnen angeblasen und underhalten worden / da uͤber der Fuͤnff Lobl. Catholischen Orthen / als Lucern / Vri / Schweitz / Vnderwalden und Zug / gleichsam ausgebotten kriegischen Aufzuͤgen / ohneracht aller Jhnen von Seithen beyder Loblich Evangeli⸗ schen Staͤnden Zuͤrich und Baͤrn Vilfaltig beschechenen / Freuͤndt⸗Eidgenoͤßisch Schrifft⸗ und Mundlichen Sincerationen und Remonstrationen, Daß nemlich beyder Hochen Staͤnden Außzug gantz nicht auf Sie / sonder lediglich auf die Widerhaͤrstellung der undertruckten Toggenburgeren wohlerhaltene / und wohl ein lange Zeit durch guͤtliche Mittel gantz vergeblich gesuchte Freyheiten angesehen; Auch wie folglich Durch Mißtrauen und vil ungegruͤndten Eiffer / von Seithen der gesagt Fuͤnf Lobl. Catholischen Orthen / wegen deß zu Arau den 18. Julij stipuliert und ge⸗ brochenen Friedens sie aus einer Straff in die andere gerathen; Bis auf den allgemeinen / hernach sub 9. und 11. Augusti 1712. beschloßnen / und von allen Lobl. XIII. Orthen der Eidgenossschafft besigleten Neuͦwen Lands⸗Frieden. Der Posteritaͤt zu Ewigem Andenken in Truk geben / durch einen unpartheyischen Bergnossen von Eydtburg / Jm Jahr 1713. Cantus. Auf Gavote Weiß zu singen und zu springen. WAch auf Psalter / wach auf Harpfe / Gottes Lob zu stimmen an / Jch will deine Seyten Scharpfe / Zwingen so hoch als ich kan. Jch wil Gottes Guͤt erheben / Jhme dancken / und darneben Breiten aus sein Wunderthat / Die Er uns er ⸗ zeiget hat. Bassus. WAch auf Psalter / wach auf Harpfe / Gottes Lob zu stimmen an / Jch wil deine Seiten Scharpfe / Zwingen so hoch als ich kan. Jch will Gottes Guͤt erheben / Jhme dancken / und darneben Brei ⸗ ten aus sein Wunderthat / Die Er uns er ⸗ zeiget hat. 1. Wach auf Psalter / wach auf Harpfe / Gottes Lob zu stimmen an / Jch will deine Saͤiten scharpfe / So hoch zwingen als ich kan. Ich will Gottes Guͤt' erheben Jhme danken und darneben Breiten aus sein Wunderthat Die Er uns erzeiget hat. 2. Von dem HErren ists beschehen / Was gebohren unsre Tag / Harpf und Feder soll verjähen / Was dißmahl der Kinder Sag / Was man singt auf allen Gassen / Und auch voll sind alle Strassen / Unsrem Aug ein Wunder sehr / Der Poster tät noch mehr. 3. Hievor hattend unsre Alten / Alles diß in Reim gebracht / Was die Nachwelt solt behalten / Was durch Tapferkeit und Macht / Sie verübt in Helden⸗Dingen / Das must die Jugend besingen; Jch ruͤem den Schmid in der That / Der den Pfeil geschmidet hat. 4. Als man zehlt von heut ein tausend / Und ein hundert sibenmahl / Und dann zwölffe / war sehr brausend / Die ganz Schweiz mit Kriegesschall Angefüllt / man hoͤrt den Baͤren / Sich vor die Freyheit erklaͤhren / Daß der Undertruckten Geschrey / Schmertzlich zu beklagen sey. 5. Damals ward sein Thron und Scepter Von Hrn. Schultheiß Willading Occupiert / der gnaͤdig Retter / Wust das die Gefahr nit g'ring / Zu der Muͤeh gab Gott den Segen / Gluͤck zur Klugheit / Muht zum Degen / Gott gnaͤdig sein Consulat, Durch vil Sig bekroͤnet hat. 6. Man wußt wie der Herr z'St. Gallen / Sich schon lang geführet auß / Ganz Tyrannisch gegen allen Seinen Underthanen z'hauf / Man wust auch in was für G'fahren / Toggenburg seit langen Jahren / Schwebte wie die Billigkeit / Nur verlacht ward als Thorheit. 7. Von so viel und langen Jahren / Hoͤrt man nichts als Hohn und Spott / was muste man erfahren / Von geschorner Kutten⸗Rott? Aber Gott hat sie gehemmet / Zwuͤschen Angel eingeklemmet / Und zernichtet ihren Raht; Durch sein grosse Wunderthat. 8. Toggenburg must' lang herhalten / Underjocht mit List und Zwang / Seuͤffzend gramen sich dergstalten / Bis ihr Flehen dorthin drang / Wo das Vatter⸗Hertze hoͤret / Und den Armen Huͤlff beschehret Diser hat die Feind zerstreuͤt / Die da Mord und Brand gedraͤut. 9. Jmmer ihnen noch getraumet / Von der blutig Cappel⸗Schlacht / Daß ihn Hertz und Mund geschaumet / Bis sie Stoltz und Wuth vollbracht. Und dann noch eins zu Vilmergen / Moͤchten Baͤrn zu Staub verhergen / Machen ihnen den Garaus / Treiben zu dem Land hinaus. 10. Aber wie der Mensch gedenket / Und im Sinn viel nimmet fuͤr / Hat es Gott also gelenket / Daß der Feinden Wuth⸗Begier / Ward zu Wasser / und zu Schanden / Daß in ihren eignen Landen / ihr vergallte Streit und Krieg / Uns must' lassen Ehr und Sig. 11. Disen Krieg hat angefangen Ein gar hoch verstirnter Geist / Dessen schwanger Hochmuths⸗prangen Sehen ließ sich allermeist / Daß er immer hoͤher wolte / Als sich ziemet / und thun solte. Wann der Apt zum Bischoff wird / Nie kein Messer haͤrter schiert. 12. Alles wird herum getrieben / Wann Leodegarius, Sich so hoch hat angeschrieben / Daß der Päpstlich Nuntius, Jhme Hülff und Hand verheisset / Daß er Bund und Band zerreisset / Daß er ohne Scham und Scheüw / Gar vergisset aller Treuͤw. 13. Zehen und vier sind der Jahren / Daß Herr Apt umb Osterzeit Wolt die Burger uͤberfahren Durch ein Blutgefecht und Streit / Als er wolt die Statt Sant Gallen Stürmend ploͤtzlich überfallen / Aber Gott der immer wacht / Hat den Schalk zunicht gemacht. 14. Toggenburg er ohne maassen Draͤnget und gedrucket hat / Beyder Gattung Undersaassen Flehen fand kein Platz noch stat / Hierauf sind zwey Loblich Stände Auf Anmahnen nit unb'hende Schikten ihre Huͤlffe dar / Sie zu retten aus Gefahr. 15. Solches Ubel abzustraffen Giengen hin der Loͤuw und Baͤhr / Combinierten ihre Waaffen / Rukten fort mit Macht daher / Weil die Freuͤndlichkeit zu Gunsten / Ward gesucht so lang umsonsten / Schlug der Ernst und Eyffer zu / Daß man braͤcht' diß Volk zu Ruh. 16. Diesen wolt sich widersetzen Uri / Schweitz / Zug und Lucern / Liessen sich von Pfaffen hetzen / Underwalden folgte gern: Bsatzten Baden und Mellingen / Daß der Baͤhr nicht solt durchdringen / Bremgart / Klingnau und Coblentz / Füllten sie mit Volk behends. 17. Ob man sich offt underwunden Hinzulegen diesen Streit / Ware doch kein Raht gefunden / Dahin kahm es noch so weit / Daß gar alles war vergeben / Dann der Feinden Zorn war eben Allzuhaͤfftig angebrandt / Und der Apt hielt Oberhand. 18. Zuͤrich war schon ausgezogen Gegen Toggenburger⸗Land / Baͤrn must sehen sich betrogen Weil der Paß so stark zu Hand War gesperrt von den Fuͤnff Orthen / Sucht mit Gwalt ein offene Porten / Fand' die bey der Stille breit / Durch sein Hertz und Dapfferkeit. 19. Hoͤrt das Pfaffen=Gspünst hat dorten Solcher Gestalt das Volk verhetzt / Daß herumb dort aller Orthen Sich dem Baͤren widersetzt / Was doch underthan seyn solte / Aber der / der anders wollte Unser Hoͤchst gerechte Gott / Schluge sie mit Schand und Spott. 20. Selbsten an dem Orth zu Baden Haben diese tolle Leüht Mit Arrest den Vogt beladen / Und behalten ihn zur Beuͤht / Weil er zu dem Baͤhr gehoͤret / Waren auch so weit bethoͤret / Daß durch ihr Feindthaͤtlichkeit Bey der Reuͤß anhub ein Streit. 21. Loͤuw und Baͤhr gleich drauf geruket Vor die Residenz zu Weil / Haͤtt' der Apt sich nur gebuket Und sich nicht in solcher Eil Fortgepakt / und weg gemachet / Haͤtt' Er weiter nichts ursachet; Er blieb aber so verblendt / Zu verderben sein Convent. 22. Nachdem nun sich Weil ergeben / Folgte Roschach und Gossauw / Rheinthal / und was sonst darneben / Aptisch Land und auch Turgöuw. Es ist nur dem Abt um Beuͤthe Sprachen seine armen Leüthe / Jhm ist nit um Relion / Tyranney gibt Er zu Lohn. 23. Wenden wir uns zum Aargeüe Finden wir der Staͤtten viel / Die der Baͤhr zusamt dem Loͤue Nahme hin mit Kriegesspiel; Zurzach / Klingnau / Coblenz / Baden / Alle die zu ihrem Schaden / Samt Melling / und Keiserstuhl / Musten gehen noch zur Schuhl. 24. Stattlich uͤber Meyengruͤne Zog auf Mellingen der Baͤhr / Suchte seine Feind sehr kühne / Wann ihr gleich viel tausend waͤr / Zwey Stuk ihme nahm bekante / Die man Paul und Philipp nannte / Mellingen die Schlüssel bringt / Und den Baͤhr ein Liedlein singt. 25. Als der Baͤhr nun starck erwachet / Suchet Er auf seine Feind / Die den Durchpaß Jhm vermachet / Wuste daß sie trotzig sind / Zog durchs Frey⸗amt auf ohn Scheuͤen Wolt sich lagern vor Bremgart / Der Feind kont diß nicht verdaͤuen / Griff ihn an ungstüm und hart. 26. Weil der Feinden Macht 9. Tauset Jhm ein Fall im Wald gelegt / Hat Er sie / als dem nicht grauset / Bald von ihrer Stell bewegt. Hat zwar einen Puff gehalten / Lohnt ihn aber dergestalten / Daß sie ferner unverweilt / Jhrem Fegfeür zugeeylt. 27. Uri / Muri / wolt dem Baͤhren Zu der Zeit abg'sagter Feind / Seinen Kopff und Tatzen schaͤren / Diser aber kam geschwind / Jhme seine Wuht zu nemmen / Solcher Gstalten ihn zu hemmen / Daß er bald sein Heyl versucht Durch ein eilig⸗schnelle Flucht. 28. Uber tausend Todt und Wundte Blieben sitzen an dem Orth / Bremgart nun nicht warten kunte / That dem Baͤhren auf die Port; Das Frey⸗Ambt mit seinen Leuten Kaufft sich loß von Raub und Beühten Huldigte den Staͤnden beyd / Kehrt doch um / und ward meineyd. 29. Hier bey disem wilden Wesen / Da die Feind im Wald versteckt / Hielten z'sam sie taub gewesen / Ward dannoch nit aufgeweckt; Die Beyhuͤlff der lieben Frauen / Geb wie sie auch immer schrauwen / Gott wollt hier zu diser Frist / Zernichten der Jaͤger List. 30. Geb wie sie im Vortheil stunden / War doch keine Sicherheit Sie zu schirmen vor den Wunden / Die der Baͤhr in Männlichkeit Jhnen schlug / all's provocieret / Angegriffen und stumpfieret / Das aber dem also sey / Zeuͤget ihr Gewüssen frey. 31. Daß Gott mit dem Baͤhr gewesen Man gar wohl und klaͤrlich sah / Fünfzig Mann zu Hauff gelesen Herr Baron von Lassara / Und drey andre todne Herren / Die hier dieses Bett der Ehren Hand erwaͤhlt / Jhr Nahm ist treuͤ: Pache, Duthon, de Rovvray. 32. Dann aufs hoͤchst fand sich zum Wun⸗ der Der Todt und Bleßierten Zahl / Gar nicht uͤber die zweyhundert / Gottes Guͤet ist diß zumahl / Daß Er den Baͤhr wolt bewahren Vor so handgreiflichen G'fahren / Gott wollt zeigen aller Welt / Daß Er Jhn zum Raͤcher b'stellt. 33. Wann der Baͤhr haͤtt' wollen trucken Völlig damahl sein Conquet, Hätt Lucern Er können schlucken; Doch sein Generosität Wolt nicht Zorn für Undank lohnen / Und noch dises mahl verschonen / Darum nahm sein Edles Hertz Seinen Weeg fort Baden waͤrts. 34. Baden / Baden die Geschmauchte Die da wegen Ubelthat / Heissen mag die sehr Berauchte / Solt bereuen fruͤh und spaht Solche Schand⸗ und Laster⸗Possen / Die den Leuͤw und Baͤhr verdrossen / Dises geht aus nicht so leer Was sie hat gethan dem Baͤhr. 35. Weil sie sich so gar entschlossen Mit Fuͤnf Orthen gaͤntzlich hat / Musten beyde Stamm⸗Genossen Die Rebellisch falsche Statt Under ihre Dappen werffen / Und dabey dieß Urthel schärffen / Daß zum Zeichen und zur Scheuͤ / Dise Statt ohn Mauren sey. 36. Was solt je die Badanellen Durch den Schnorff den schnoͤden Christ / Dise beyde Staͤnd anbellen / Sehen nur auf Pfaffen⸗List? Schnoͤd bethuoͤrte Pfaffen⸗Knechte! O wie g'schicht nun euch so rechte! Schnorpff / der nicht mehr ist zu Hauß / Spreitet eüre Thorheit aus. 37. Lasset / lasset dise fahren / Wendet euch auf Arau zu / Daß man moͤchte den Gefahren Steuͤrend bringen har die Ruh Durch den Frieden in dem Lande / Hargestellt durch veste Bande; Aber da zeigt boͤser Raht Was die Glock geschlagen hat. 38. Die noch friedlichen Eidgnossen Kamen da zusam̄en offt / Sie bemühten sich mit grossen Sorgen / daß man haͤtt' verhofft / Daß Lucern und Uri richtig / Treuͤw / wahrhafft / beständ⸗ und pflichtig; Aber ihre Wort wie Sprey Waren schwartze Heuͤcheley. 39. Man hat gar sechs ganzer Wochen An dem Frieden aufgesetzt / Treu und Glaub sich dort verkrochen / Wie es fand der Baͤhr zuletzt; Dem solch Untreuͤ lang verborgen / Jmmer war in Müh und Sorgen / Und bald alles waͤr' vereint / Hat gehoffet und vermeint. 40. Ob gleichwohl Lucern und Uri Diesen Frieden underschrieb / War da Schalkheit noch und Furi / Gar kein wahrer Eiffer⸗Trieb Solchen Frieden harzustellen / Glaubten ihren Judas⸗G'sellen / Rukten von Arau behend / Und war also nichts vollend. 41. Jacobs Stim̄ / und Esaus Haͤnde Musten seyn das Schein⸗Gemerk / Zu bethoͤren beyde Staͤnde Zu vermeinten Friedens=Werk. Daß dem Beyfall wurd gesteuͤret / Das Geschwohrne ward betheuͤret Als vor Gottes Angesicht / War doch alles falsch erdicht. 42. Das so lange Negotieren Hat den Baͤhr Sorglooß gemacht / Auch der Loͤuw that es probieren / Dankten ab von grosser Macht / Hier / bald dorten manche Schaare / Weil die Erndt vorhanden ware / Drauff verrukt die g'sam̄te Macht Der Fünff Orthen in der Nacht. 43. Als ihr Landsturm ist erschallen Vor bekandte Seiffer⸗Bruck Wollten den Baͤhr uͤberfallen Und ihn hauen gar zu Stuck / Weil sie vermeint er waͤr entschlaffen / Koͤnten sie denselben straffen / Doch that er da Widerstand Daß der Feind es hart empfand. 44. Dann bey tausend und vierhundert Hielten sich fuͤrtrefflich wohl / Aus dem Baͤrner⸗Volk gesundert / Waren Muht⸗ und Hertzens⸗voll / Daß sechs tausend von den Feinden Die angriffen vorn und hinden / Kümmerlich abtreiben kont / Die zu fliehen nicht gewohnt. 45. Dann sie setzten sich so veste Auf dem Kirchhof dort zu Seiß / Wehrten sich aufs allerbeste / Machten ihrem Feind so heiß / Daß er in die Haͤusser flohen / Und sein starke Macht verzohe / Feür und Steinen auf den Baͤhr Schoß von allen Orthen haͤr. 46. Bloß ohn Schutzwehr lag er dorten So / daß endlich als er sah' / Daß fuͤr ihm kein Durchtrangs⸗porten Kraut und Loht aufgieng gar nah' Und / so nach dem all's verschossen / Auch Herr Obrist merkt den Possen / Nahm er sich großmuͤhtig vor / Mit dem Bayonnett im Rohr 47. Durch die Feinde durchzuschlagen / Wie geschah' in Ordnung sein / Mannhafft / dapffer ohne Zagen / Dacht es muß gewaget seyn; Drang durch sein Treuͤlose Jäger / Zog also nach seinem Laͤger / So zu Muri war bereit Jhn zu Ehren nach dem Streit. 48. Liesse zwar zwey Stuck dahinden / Dise nahm die lose Rott Der Frey⸗aͤmtler so den Feinden Zogen zu / dem Baͤhr zu Spott; Doch der Loͤuw mit Meerschwanden / Durch Vertrag aus Feindes Handen Alles wieder looßgezehlt / Und dem Baͤhr hat zugestellt. 49. Auf diß so vermeinte Gluͤcke Da der Feind nochmahl so vil Auf der Wahlstatt ließ zurücke / Meint er haͤtt gewunnen Spihl / Bließ der Nuntius den Laͤrmen / Macht den Poͤfel hinzuschwaͤrmen / Spreitet groß Unwesen auß / Da war alles Sauß und Prauß. 50. Machte sich hin auf die Weegen Mit dem Creuͤtz in einer Hand / Braucht die ander zu dem Seegen / Den er nicht im Himmel fand. Laßt mir diß seyn Friedens⸗Botten! Die zum Blut / zu Raach und Rotten Rahten? Nein! des Teuͤffels Raht Jst der Lust hat an Mordthat. 51. Tezel jener Ablaß⸗Kraͤmer Gleich in eben dem Verstand Rufft wie dieser Muken⸗Brämer Ecce jam jam volirant, Um die lieb Catholisch Seelen / So den Todt im Streit erwaͤhlen / Wider aller Ketzer⸗schertz / Dann sie fliegen Himmelwaͤrts. 52. So getröst' fieng an zu rucken Die gesam̄t Catholisch Macht / Auf des Baͤhren Hauff zu trucken / Spahret weder Tag noch Nacht; Fleiß / Muͤh / Schalkheit / Sorgen / Wachen / Wust doch nicht wie bey den Sachen Sie dem Baͤhren seinen Muht Nem̄en solt? Gott hielt die Hut. 53. Uber disem kleinen Hauffen So kaum war neuͤn tausend Mann / Wolt der Feinde Sturm anlauffen Einen Berg zum andern an; Wie dann uͤber vier und zehen Tausend sich dort liessen sehen / So die Hoͤhen occupiert, Glorioß schon triumphiert. 54. Aber Gott der Herr der Schaaren Hat dem Feind ein Netz gestellt / Eben gleich vor fuͤnfzig Jahren Unser Vaͤtter sind gefaͤllt / Durch Verraͤter List und Raͤnke / Daß man nun hinfort gedenke / Daß Gott disem falschen Feind Hab vergolten seine Sünd. 55. Der lieb Gott sahe vom Himmel Auf sein kleines Haͤuflein hin / Und der Feinden Wuht⸗Getümmel Ware selbsten wider Jhn; Darum muste seyn gerochen Diser grimmen Menschen Pochen / Unser Vaͤtter theuͤres Blut Ruͤeffe zu dem Hoͤchsten Gut. 56. Dises sandte deren Soͤhne Die der stolzen Feinden Pracht / Under ihrem Mord⸗Gethoͤne Durch ihr Schwerd zunicht gemacht Deren die da stolz vermessen / Gottes Raach nicht wird vergessen / Wullin Fuͤß / und Eisern Haͤnd / Straffen mit gar hartem End. 57. Unser Leuͤth daurhafft wie Mauren Zu Vilmergen in dem Feld / Warteten der Feind ohn Dauren / Wolten zeigen vor der Welt / Daß der Ahnen Helden⸗Kräffte / Jn dergleichen Kampff⸗Geschäffte Walle noch in Dapfferkeit Vor den Feinden ungescheuͤt. 58. Das Gefechte zu Bremgarten Auf Fronleichnams⸗Tag beschach / Dises aber hier must warten Dem Sant Jacob der die Sach / Der Fünff⸗örthig Melodeyen Moͤcht erhoͤren / und ihr Schreyen; Doch war diß ein falscher Sinn / Dañ sein Ghoͤr und Gsicht war hin. 59. Villeicht möcht zum Sieg noch helffen Agnuß / Creutz / und Schilderey / Die deß Baͤhren Freuͤnd die Guelphen, Auf den Kleidern mancherley / Der ertödten Gibellinen / Die nur die Heil'gen angreinen Fanden; Allein auch diß Band Halff nichts / weil es Menschen= Tand. 60. Merke man wie daß die Pfaffen Angezettelt diesen Krieg / Jhren so viel tausend Affen Vorgeschaͤtzt nur lauter Sieg; Kleider / Huͤet / war all's bemahlet / Von dem Heil'thum gantz bestrahlet. Jetzo seyd ihr all befreyet / Saget euch die Pfaffenheit. 61. Schuͤtz und Stich sind nur vergeben Vest seyd ihr wie Staal und Eyß / Pabst und Cardinal daneben Sind für euch ja gleicher Weiß / Streittet nur für Hauß und Fenster / Dann die Ketzer⸗Baͤrn⸗Gespenster Werden euch angwinnen nicht / Euͤwer Muht durch alles bricht. 62. Gar vil Umstaͤnd von dergleichen Zettel koͤnt ich zeigen an / Die dem Fried hand muͤssen weichen / Dann die Geistlichkeit wolts han; Geh / sagt sie / du wirst umbringen / So viel Baͤrner durch dein Klingen / Drum muste gewaget seyn / Mit dem Baͤrn ein Taͤnzelein. 63. Gehet nur / ihr solt verschlingen So viel / und so viel in Zahl / Jagen / und zu Boden dringen / Als ihr habt am Hut zumahl; Dise sollet ihr hinraffen / Sig und Ehr dardurch verschaffen / Daß sich hertzlich wohl erfreuͤ Unser Pabst und Clerisey. 64. Man sprach: Habt ihr schon vergessen Was Herr Hafner der Chronist / Seinem Schauplatz angemessen / Und sagt was sein Meinung ist? Wie Maria voller Glori Zu Vilmergen die Victori Euͤren Vaͤttern zugelegt / Als der Baͤhr sich hat bewegt. 65. Wust' ihr nicht wie sich damahlen Hat der Himmel aufgethan / Und die Him̄els⸗Magd voll Strahlen Als die Sonn sich blicken lan / Gnaͤdig gegen den Fuͤnf Orthen / Grausam gegen Baͤhren dorten / So da stuhnd in Finsternuß / Jn Verblendung und Verdruß. 66. Mit dergleichen Thorheit⸗Grillen / Plauder⸗Aff⸗ und Pfaffen⸗Gschwaͤtz Must man gleich den Kopff anfüllen Allem Volck / und machen laͤtz / Was fuͤr Wunder ists gewesen Daß man nicht das best erlesen? Und nicht wich' um einen Schritt / Der Feind dacht / es fehlt mir nit. 67. Den Baͤhr will ich überfallen / Er ligt / glaub ich / in Ohnmacht / Weil er vil sein's Volks ließ wallen / Das die Ernd ihn hat ursacht; Er wird sich am Frieden halten / und kaum glauben daß der alten Schweitzer Redlichkeit und Treü / Sey nur Lufft / und Heucheley. 68. Dann er dacht / solt es gelingen / Kriegen wir den Baͤhr im Nest / Werden ihn die Freuͤnd umringen Wird uns seyn ein Hauptgefest; Arau ist uns wohl gelegen / Lentzburg muß sich auch ergeben / Baden / Bremgart und Frey⸗Amt Das erobert Land gesamt. 69. Diese Rechnung war ohn Wirthe / Da man keine Kreid anruͤhrt / Weil Gott unser theuͤre Hirde Anders es hat außgefuͤhrt. Jn der Gruben / die dem Baͤhren Graben ward / man hoͤrte plaͤren Seine Feind in dem Fallstrik / Die Gott toͤdt' durch sein Geschik. 70. Wie nun dieses zugegangen Soll besingen meine Harff / Wie die Feind Victori sangen Und vom Berge schossen scharff / Aus den Stucken bey zwey Stunden / Auf den Baͤhr / den sie doch funden Unbeweglich halten an / Biß sie kamen auf den Plan. 71. Baͤhr! der Baͤhr / der blieb nichts schuldig Braucht in schneller Eil das Geschütz, Unverdrossen⸗Muht gedultig / Leget manchen in die Bütz / Zeiget wie Er mit Canonen Wüsse seinem Feind zu flohnen / Lohnen für sein Heuͤcheley / Neid / Vergunst / und Taͤuscherey. 72. Sonsten ist der Baͤhren Arthe Sich zu halten in dem Wald / Dem Nachsatz der Jaͤger harte Strick und Netz so manigfalt / Abzuseyn / und auszuweichen / Doch war da gar nichts dergleichen / Dann Er war' ihr in dem Feld / Bey dem Lager und Gezelt. 73. Allem Vorthel abzulauren Wich' Er ab / hin auf die Seit / Ließ die Meng der Feinde Bauren / Suchte Platz zu Kampf und Streit. Da nun diß sein Jaͤger sahen / Dachten sie / wir woͤllen schlahen / Dann der Baͤhr ist nun zaghafft / Jhm vergehet Muht und Krafft. 74. Als da nun der Baͤhr die Feinde Hielt wo Er sie haben wollt / Drang Er an diß Pfaffen⸗Gsinde Merkt wie Er es schlagen sollt / Traffe dessen rechten Flugel / Jagt ihn biß an jenen Hügel / Mocht allda nicht sicher seyn / Stuͤrzt ihn gar zum Wald hinein. 75. Da fieng an der Baͤhr zu wüten / Kriegt die Jaͤger bey dem Schopf / Deren sah' man viel verblüten / Dort zerspaltet Er den Kopf Seiner Jaͤger / so da flohen / Und sich ins Gebüsch verzohen / Stuͤrtzet manchen von dem Pferd / Durch sein starkes Helden⸗schwert. 76. Ob zwar alles Heer zerstreuͤet Hin und wieder lieff im Wald / Da der eint dem andern draͤuet / Sam̄let man es wieder bald; Die dann mit gesam̄ten Waaffen / Wieder auf den Feinde traaffen / Und erholten ihren Muht / Setzten auf ihr Leib und Blut. 77. Oberst Pfeiffer ward erschossen Als er kam den Wald herab / Ein Weltsch⸗Bärner unverdrossen Schoß ihn von dem Pferd hinab: aDiser Schlag so bald verstreuͤte All sein Volk und ihme draͤute / Daß sie solten fliehen hin / Dann es war nun aus mit ihn. 78. Das Gehoͤltz lag voller Todten und Verwundten uͤberall / Die so viele Siges⸗Botten Schrien immer allzumahl: Nunmehr muͤssen wir erfahren Was seit viel und langen Jahren Wir nicht glauben konten / heuͤt Werden wir dem Baͤhr zur Beuͤt. 79. Jhre Flucht die war so hitzig Daß viel hundert im Buͤtzbach / Sind ersoffen / weil der spitzig Baͤhrenklau sie allgemach / Dorten machte zubezahlen / Was der Meister vorgemahlen / Der aufschwellte diesen Bach Zu so vieler Weh und Ach! 80. Musten sich die Feind selbst faͤllen Jn die Grub die sie gemacht / Und zugleich den Teich aufschwellen / Darinn sie den Baͤhr gedacht Zu versaͤuffen / und zu stuͤrtzen / Selbst ihr Leben drinn verkuͤrtzen; Wer dem anderen Gruben grabt / Wird von ihnen selbst erschnapt. 81. Disen Teich man halffe schwellen Als dem Baͤhr zum Fall gemacht / Weil der Feind ihm that nachstellen Dessen Gott im Himmel lacht; Untreuͤw seinen eignen Herren Solte schlagen ohn Versperren. Deren die darinn entseelt / Dreyzehn hundert man gezehlt. 82. Das Nachschauwen must einstellen Der nun sehr erzürnte Baͤhr / Dacht an seine Mitgesellen Die in Streit⸗ und Kämpfen schwaͤr. Rechter Hands er hinderlassen / Oeffnet alle Straß⸗ und Gassen / Hieb darnider daß es bufft / Macht dardurch den Seinen Luft. 83. Dann der Feinden starke Menge Drang in sie von aller Seit / Doch der Baͤhr in dem Gedraͤnge Wolt nit weichen aus dem Streit; Seiner Officierer Veste That hierinn das allerbeste / Stuhnden da wie Mauren hart Jhrem Feind in Gegenwart. 84. Diß empfandt Herr Schultheiß Schweitzer Sambt dem Panner von Lucern / Der deß Baͤhren Treib⸗ und Reitzer Alles haͤtt vertilget gern Uber Hauf und Halß geworffen / Muste stehn! hat doch nicht dorffen Jhme laͤnger setzen zu / Dann sein Feuͤr ließ ihm kein Ruh. 85. Solches ware staͤtig waͤhrend Daß auch kein reglierte Troup / Kaum ein mehrers unentbaͤhrend Ausgericht / das heisse Wupp / Lieffe wohl fuͤnff ganzer Stunden / Doch ward endlich niemand funden Vor dem Baͤhr / der sich erhohlt / Widerstehen kont noch wolt. 86. Sonnenberg war schon entflogen Und Herr Pfeiffer Brigadier / Kame fluchs dem nachgezogen Aber keiner hielte hier / Dann der Baͤhr war stark erwartet / Keineßen dort sich erbarmet / Alles flohe fort in Eil / Dann Er gab niemand kein Weil. 87. Der Fuͤnff⸗Orthen rechten Flügel Aus der Ebne Bergwaͤrts an Jagt Er / und gab ihm den Zügel Jn die Hand / daß er solt gahn / Wieder heimwärts / und anzeigen / Daß man ihm geb jetz Ohrfeigen / Stich / und blaue Pfraumen hart / Man wetz' auß die alte Schart. 88. Habe man seit fünfzig Jahren Feyr⸗ und Fest⸗Tag angestellt / Moͤg man solches lassen fahren Weil der Baͤhr sich loßgeschnellt Von dem nichtig Fraͤvel⸗Wesen / So die Pfaffen abgelesen Von der Canzel ohne Schaam / Zu Nachtheil des Bahren Nahm. 89. Pfui! der schnoͤden Pfaffen⸗Possen / Sollen die wohl haben Platz? Under Eüch / Jhr Eidgenossen / Denkt Jhr nit daß solcher Hatz Hab den Baͤhren offt gestochen / Biß Er sich dermahls gerochen; Pfaffen⸗raht und Gschwaͤtz zernicht / Was der Fried hat aufgericht. 90. Meine Harpff sing jetz Victori / Weil die Feind biß auf das Haupt Sind geschlagen / zur Histori Dient diß / dann es ist erlaubt. Bey fünf tausend Todt⸗ und Wundte Viel Gefangne man auch kunte Wieder geben nach dem Fried / Die Fuͤrnemsten sind im Lied. 91. Als die Herren Feer / zur Lilien / Zellger / wie auch von Spiring / Kommend hier Leuͤt von Familien / Daß man die auf Lenzburg bring; Weiter ward noch anbefohlen / Aus den Todten harzuhohlen Ein Rheding / zwey Fleckenstein / Und die waren nicht allein. 92. Wie gemeldt / der Todt gepfiffen Jhrem Pfeiffer Brigadier / Seine Genß hat er geschliffen / Mors und Mars gab kein Quartier; Zwey der Balthasar, Grivelli, Rafft hinweg der Furor Belli, Und ihr Gnaden Schweizers Sohn Wurde gleich der Todt zu Lohn. 93. Viel aus den Vier⸗Orthisch Herren / Acht Rahtsglieder von Lucern Sollen treülich Maͤnnig lehren / Daß bey Untreuͤw sey kein Stern. Siben Stuk / wie auch acht Fahnen / That man nacher Baͤrn zumahnen; Eines heißt der Bruder Clauß / Underwalden klagts vorauß. 94. Von Lucern den Panner⸗stecken / Waappen / Rok / vier Uri⸗Horn / Da man that vor Zeits erschrecken Wann der Stier anbließ im Zorn / Nunmehr machet all sein Blasen / Luͤyen / Bruͤllen / Wuht und Rasen Nichts! gar nichts! es gehört zur Zeit / Da man graͤßlich brült und schreit. 95. Fuͤnff bemahlte schoͤne Waͤgen Zum Munition - behalt / Nahm man weg als Siges⸗Segen / Ander Vorraht manigfalt. Das Lucern⸗geschoß / Feldschlangen / Die begierig that verlangen Auf deß Baͤhren Ankunfft dort / Nahm der Baͤhr mit Freuden fort. 96. Als den Feind man lang umtrieben Uber Stoͤk und Stauden hin / Und da nirgend sicher blieben Kahm die Flucht ihm in den Sinn; Da man ihm spielt in den Rucken Mit Canonen und Feltstucken / Das zu guter Nacht und Letzt / Unsern Baͤhren noch ergetzt. 97. Als der Abend that anrucken / Setzt man ab von diesem Strauß / Daß man fort aus allen Stucken Gottes Ehr moͤcht breiten auß / Liesse man zum Abzug blasen / Weilen nun der Feinden Rasen Kraͤfftiglich gesteuͤret sey / Darum fiel man auf die Kney. 98. Alles dankte Gott dem Herren Daß Er Jhn so wunderbahr / Aus Genaden that bescheeren Den completen Sieg fürwahr; Alles sprach: diß ist der Segen / Daran alles ist gelegen. Gott sey Lob in dieser Zeit / Und dort in der Ewigkeit. 99. Edel⸗Hochfürnehme Helden Herr von Dießbach / Sacconey / Deren Ruhm hier anzumelden / Herr von Bergé, noch darbey Kriegs⸗versuchte Generalen / Sich verwundtet dazumalen Schier gar toͤdtlich / ich hier meld Tragen liessen aus dem Feld. 100. Trauren / Schroͤcken / war bey allen / Uber so bestuͤrtztem Fall / Liessen doch den Muht nicht fallen / Staͤrckten wieder sich zumahl / Drangen uͤber Heid' und Flaͤchen / Jhrer Helden Blut zu raͤchen / Hieben nieder was vorkam / Die der Todt auch bald hinnahm. 101. Fluchs an dieser Helden Stelle Ward ein Hoher Held erweckt / Der sich dort einfand gar schnelle / Der die Feinde hat erschroͤkt. Durch sein Wuͤrdig Hoch Ansehen / Jst aus Gottes Macht geschehen / Daß das Volck schon dergestalt Voller Schroͤcken / machte Halt. 102. Dieser Held war selbst Jhr Gnaden / Krieges⸗Rahts Herr Præsident, Hoch von Alter zwar beladen / Der doch fuͤhrt' das Regiment. Der sein Kinder aufgemahnet / Zu dem Sieg den Weg gebahnet / War' Herr Frisching / dessen Raht Alles Volck erfrischet hat. 103. Freuͤet euch ihr Baͤrnerinnen Uber diesem frommen Haupt / Euwer Feinden Wuht⸗Beginnen Ward zunichten und zerstaubt / Durch sein kraͤfftig Trost⸗Zusprechen / Daß man Gottes Ehr solt rächen. Ich verlaß euͤch Kinder nicht Dieser theuͤre Vatter spricht. 104. Von dem Morgen biß an Abend Ab dem Pferd nie kommen war / Dieser Herr / wie Jhm Lob gabend Maͤnniglich: Wie wunderbahr Jst der HErr der vor Gefahren / Diesen Helden wolt bewahren / Der Jhm gab in diesem Krieg / Von dem Himmel Ehr und Sieg. 105. Ubrig respective Hohe Officier und grosse Freuͤnd / Mein Gemuͤht brennt Leichterlohe Daß Jhr habt den grimmen Feind / So großmuͤhtig uͤberstiegen / Dapffer ihne mocht besiegen / Ewer Helden Dapfferkeit / Ewig Lob wird seyn bereit. 106. Edel Hohe Generalen / Lieutenant und Herr Major Jn der Ordnung Die zumalen / Gehen allen Andern vor / Sambt den' Herren Brigadierern / Und den Hohen Officiren / Herren May und Manuel, So die Ersten an der Stell. 107. Auch die Herren von Muͤlinen / Tscharner und von Wattenweil / D’Ecclepans als Helden schienen Auf dem Schlacht⸗Feld / als in Eil Sie die Rahtschlaͤg außgefuͤhret / Und die Feinde culbutieret / Daß sie dorten nichts versaumt / Weil die Feind das Feld geraumt. 108. Folgen nach die Herren Obrist / Und auch Dero Lieutenant / Die Majoren allerfordrist Jenner / Regis und gesamt Gingins, Davell und von Disy, Herren Berché, Portefes, Die da billich hochzupreisen / Derer Lob⸗Ruhm ewig steh. 109. Fischer / Stuͤrler / und die Herren Chambrier und à Wattenvveil, Unser Feinden Gewalt zusperren Trembley, Damon, Blitz und Pfeil / Schnell Commando außzurichten / Mit der Faust den Streit zu schlich⸗ ten Chevalier und Bezenas Samtlich Loͤuen waren das. 110. Ubrig Herren und Hauptleuͤte / Officierer insgemein / Klopfften ihrem Feind die Haͤute Jn der That / und nicht zum Schein. Sam̄tlich alle die Soldaten Thaten Prob⸗ und dapfre Thaten / Daß ihn' bliebe die Wahlstatt; Jeder Lob erworben hat. 111. Hoch muß auch der Baͤhr beweinen Gar viel der Biderbenleuͤht / Die umkommen aus den Seinen / Die beklagt Er schmertzlich heuͤt; General Feld⸗Quartier⸗Meister Herren Tscharner ein Folgleister / Seiner Treuͤ und theuͤren Pflicht / Dessen Ehr vergißt Er nicht. 112. So die Herren und Hauptleuͤte Als Kilchberg und Manuel / Deren Ehren⸗Ruhm andeuͤte / Und gebuͤhrend hier vorstell; Hoch entsprossen von Gebluͤhte / Groß von Geist / frisch von Gemuͤhte / Hielten dapffer sich in Zug / Die ertödtet List und Trug. 113. Weiter sind noch Edle Hertzen Zu gemeiner Traur und Leyd / Zu gesam̄ten Jammer⸗Schmertzen Hingefallen in dem Streit / d'Arney, Jenner und de Pailly, Metral, Langin, und de Féchy, Challand, Demier, und Mentat, Jeder Ruhm verdienet hat. 114. Ligend nun im Bett der Ehren Weil sie fuͤr das Vatterland / Dessen Wohlstand zuvermehren Dort ihr Blut vergossen hand; Denen wir zum Denkmahl schreiben / Daß Jhr Ruhm soll ewig bleiben. Er soll auf dem Marmorstein Ewig unausloͤschlich seyn. 115. Gleicher Weiß von uͤbrig Todten Die nun ligen in dem Grab / Die ihr Leben dargebotten Fuͤr die Gottes Ehr vorab / Und fuͤr das gemeine Beste / Die zur hohen Himmels⸗Veste Hingefuͤhrt als Siger sind / Sechsmal hundert Mann da sind. 116. Die Verwundten und Betruͤbten Troͤste Gott mit seinem Geist / Daß sie als die Hertzgeliebten Achtung gebind allermeist / Daß der veste Gottes Willen / Habe muͤssen sich erfuͤllen / Daß den Zeugen seiner Ehr / Sieg und Cron der HErr bescher'. 117. Thu mein Harpf hier nicht vergessen Gottes wunderbahre Guͤt / Sein Erbaͤrmbd so unermessen Noch sein Vaͤtterlich Gemuͤht / Dann von mehr als dritthalbhundert Burgern / deß' man sich verwundert / Die von hier außzogen sind / Uber fuͤnff Tod man nicht sind. 118. Schau O Baͤhr! schau deine Jungen Die da noch sind die zur Hand / Schau! wie es dir wohl gelungen / Zu bewahren deinen Stand; Denk an Kaiser Rudolph Zwerge / Als er dich anschaut vom Berge / Was er prophezeyet hat / Da belagert war den Statt. 119. Deiner kühnen Jugend Veste / Dero Muht und Dapfferkeit / Bleibt noch immer auf das beste / Und fortan noch lange Zeit; Grosse Herren und Magnaten / Lieben deine Treü und Thaten; Sey gesegnet werthe Statt / Die mit Gott angefangen hat. 120. Meine Harff sich schier verstigen Jn Gedanken mancherley / Weil aus allen diesen Sigen Sie ein lieblich Melodey Haͤtt' ohn Noht anstimmen koͤnnen / Nun soll man dem Baͤhren goͤnnen, Daß Er auf der Wahlstatt bleib / Nur zu seinem Zeitvertreib. 121. Setzet weiter sein Victori Zog' auf den Lucerner⸗Grund / Fand noch diß in der Memori Wie die Feind durch List und Fund Sind gedrungen biß Fahrwangen Darum haͤtt er auch Verlangen / Wegzunehmen ihre Beuͤt / Und zu raͤchen seine Leüht. 122. Zu Groß Dietweil und auf Hausen Jn der Graffschafft Willisau / Sandt der Baͤhr hin auszumausen Zu St. Urb und Pfaffenau Spührte man daß Bähren⸗Gäste / Sich gesetzet in das Neste; So dupliert der Baͤhr das Spihl / Wann man Jhn vexieren will. 123. Wunder! wie die Barenhaͤngsten Obschon da war keine Noht / Gantz verstuͤrtzet voller Aengsten Siebenfudrig / viergeschrot / Lieffen über Gstaͤnd und Rutten / Jn den schwären Pfaffen⸗Kutten / Lachet doch ihr Freuͤnde nicht / Uber diese Noht⸗Geschicht. 124. Underwalden must einnem̄en Enzian und bitter Pill / Dann der Baͤhr that sie beklemmen Groß und klein Vieh nahm Er viel / Daß man wohl achthundert zahlte / Auch zweyhundert Gfangne hohlte / Die man hatt nach Thun verschickt / Bis der Friede sie begluͤckt. 125. Nach dem Fried hat man sie alle Loßgemacht ohn Ranzion / Man lobt noch den Baͤhr mit Schalle Daß kein Contribution Jhrem Land ward aufgeleget / Wie zu thun man sonsten pfleget / Und auf Engelberg der Abt Hat nicht minder Dank gehabt. 126. Lang Herr Tillier dort gelegen in dem rauhen Haaßli⸗Land / Der gantz hoͤflich war dagegen Als ein kluger Commandant. Ohne Nachred noch Verblümen Mag man Jhne billich ruͤhmen / Dann sein kluge Dapfferkeit Hat ihr selbst das Lob bereit. 127. Ursus und sein' Mitgesellen Lagen dort zu Schwartzenbach / Muͤnster muste Batzen zehlen Da gieng an das doppel Ach; Man that sehr nach Frieden sehnen Da die Augen voller Thraͤnen Dem Baͤhr klagten den Verdrieß / Den man Friedlibettler hieß. 128. Kurtz! der grob erzuͤrnte Poͤbel War so toll in disem Krieg / Dachte nicht daß ihm der Zobel Klopffet wurd / und daß der Sieg Wieder auf den Baͤhren warte / und veraͤndert sey die Karte / Also gehts wo man z'viel traut / Und nicht besser auf Gott schaut. 129. Der Loͤuw war indeß nicht muͤßig / Dañ als gleich die Schweizer⸗rott / So deß Kriegs bald uͤberdrüßig Jhm einfielen / doch mit Spott Schlug Er todt dort auf der Bellen; Hundert sechzig kont man zehlen; Fiel hernach ins Zuger⸗Bieth Welches in Ohnmacht gerieht. 130. Dannen lagert sich der Loͤue An dem Orth zu Frauenthal / Wolt nicht weichen von der Streue Das war Zug im Fleisch ein Pfahl Fieng an zu capitulieren / Paͤß und Brucken zu cedieren / Geisel auch es geben muß / Bis nach vollem Friedenschluß. 131. Kaum war mit dem abgespunnen Zog der Loͤuw vor Rapperschweil / Diß Orth ward auch bald gewunnen Und ergab sich bald in Eil. Schweitz / so jetz wie Zug getroffen / Hat kein bessers nicht zu hoffen / Macht Capitulation, Und veraͤndert seinen Thon. 132. Uznach / Gaster / und auch Wesen Gab man beyden Staͤnden z'Pfand Rapperschweil mocht nicht genesen Es war dann in Jhrer Hand. Man wolt auch Buͤrgmaͤnner haben / Dises waren feine Knaben / Bliebend jedoch laͤnger nicht / Bis der Kriege ward geschlicht. 133. Zu dem Frieden sind drey Herren Hochbegabet an Verstand / Ausgeziert mit Ruhm und Ehren Lieb und werth zu Statt und Land / Von dem Stand von Baͤrn gesendet Die dann alles angewendet Was an Fried⸗gewünschter Ruh / Dermahleins solt dienen zu. 134. Herren Frisching / Steiger / Tscharner Alle drey deß Kleinen Rahts / Jeder der ein Staats⸗Erfahrner / Weiser eines sichren Pfads / Dise haben Ruh geschaffet / Sturm und Krieg hinweg geraffet / Naͤchst Gott sagen wir nun frey Jst der Fried durch dise drey. 135. Fragt man was der Fried innhalte: Mein Harpff hat kein Wuͤssenschafft Von der Sach / der lieb Gott walte Ob der werthen Eidgenoßschafft: Er geb Einigkeit im Lande / Vnd dem Frieden starke Bande / Der Fried hat nun seinen Lauff / Der Jung hebt den Alten auff 136. Jetzund Gfragt ob Pfaff / Baur / oder Herre Dieses Vbels Vrsach sey: Ob die Zeit mich dieses lehre / Weiß ich nicht / Jch halt all drey Habind diesen Bach betruͤbet / Schalk⸗ und Taͤuscherey verübet / War der Sack deß Blastes voll / Must' das Band zerreissen wohl. 137. Doch halt ich fuͤr Raͤdlifuͤhrer Alle Pfaͤffisch Geistlichkeit / Das sind halt die rechten Stöhrer Alles Frieds und Einigkeit / Jhre Brieffe sie verrahten / Als sie aber gleich den Braten G'rochen / hatten sie behend Jhren Fuchs⸗Balg umbgewend. 138. Vnd den Schaaf⸗Beltz aufgesetzet Weil sie mußt in Sorgen stehn / Da sie beyd Hoch Staͤnd verletzet / Wurd es nicht gar wohl' abgehn. Was sie durch die Welt geschrieben / Daß die Staͤnde ausgetrieben Bilder / Meeß / Religion / Daß man allen Spott und Hohn 139. Angethan so viel Persohnen / Heilthumb und Altaͤr geschaͤndet / Christi Mutter ohne Schonen Ungebuͤhrlich zugewendt / Alles was die Zucht verbiethe / Darvor uns der Herr behuͤte, Jst nur falscher Lugen⸗Tand Von der Lojoliten Hand. 140. Weil nun diß sind falsch Zulagen So⸗genandter Geistlichkeit / Haͤtt mit Recht man ohne Fragen, So manch Closter weit und breit / Die der Staͤnden Gwalt nicht leiden / Rasibus im Grund abschneiden Können / daß der Zweck nicht wahr / Dann die That machts offenbahr. 141. Merkt Jhr Herren und Prælaten / Diesen Krieg habt Jhr anzuͤndet / Haͤtten Jhr zum Frieden grahten / Vnd nachdruklich Euͤren Fruͤnd Den Herr Abte von Sant Gallen / Daß Er ließ den Hochmuht fallen Angemahnt / haͤtt Er vielleicht Den gewuͤnschten Fried erreicht. 142. Wie kan der sich nun entschuͤtten Deß vergoßnen Schweitzer⸗Bluts / Wie in Staͤtten / wie in Huͤtten Jst viel Wimßlens und Vnmuhts: Was fuͤr Kummer / was fuͤr Schmertzen / Hat er in viel tausend Hertzen Angericht auß Neid und Groll: Dessen sein Hertz toll und voll. 143. Kan Er auch in seinem Gwuͤssen Ruͤhig seyn ein Augenblick: Wird Er nicht staͤts foͤrchten muͤssen Daß in eignem Blut erstick Sein vermeint Geistlich Hochwürde: Dieses Blut wird seyn die Buͤrde Die Jhn trucken wird hinab / Tieffer als nur in das Grab. 144. Schließlich mahn Jch noch ohn Wanken / Laßt Euͤch diß ein Warnung seyn / Halt in kuͤnfftig in den Schranken Euͤre Zung nicht nur zum Schein. Thut wie liebe Gottes⸗Kinder / Baͤttet mehr / und rahtet minder Zu dem Weltlich Regiment Sonst nehmt Jhr kein gutes END. Staͤtsgruͤnend⸗ Mit Siges⸗Palmen umflochtene Grab=Cypressen / Zusammen gewunden zu unverwelklich daurendem Nachruhm Dem Löblich entbrandten Eiffer Der Glorwürdigen Baͤrner⸗Helden / Die ihr Muht und Blut der Ehr Gottes und werthen Vatterland in disem Pfaffen⸗Krieg gewidmet; Auch die Proben und Thaten Jhrer Großmuͤ⸗ thigen Uraltvaͤttern nachgeahmet / und bey underschiedlich scharffen blutigen Actionen und Gefechten / zu Schuͤtzung der Edlen Leibs⸗ und Seelen⸗Freyheit einen Vnsterblichen Ruhm und Nahmen erfochten / Und Deren Die wuͦrklich ihr Blut zum unvergeßlichen Denkmahl Als Ewig Preißwuͤrdige Siger ausgeschuͤttet; Die der HErr der Heerschaaren als seine Streitter mit Cronen der Herrlichkeit nach Dero triumphirenden Einzug Jn seiner grossen Ruh⸗ und Friedens⸗Statt bekroͤnt / und seinen ver⸗ herrlichten Zeuͤgen zugesellet hat. Daß auch die Nachwelt moͤg ein staͤhtes Denkmahl haben / Werd unsrer Helden Ruhm in Marmor eingegraben! Zugab dem Herrn Authori / Uber den wohl⸗ausgearbeiteten Pfaffen⸗Streit. Loqui mihi necesse, nam scio Amyclas tacendo perijsse. JCh muß wohl reden jetzt / weil jene Burger sind Auß schlecht behoͤrtem Wahn elend zu Grund gegangen / Amyclæ wolten nicht daß man was sagt vom Feind / Doch warden sie getoͤdt von ungeheuren Schlangen. Man wolt lang glauben nicht daß jener Gallizin Der Freünd und Bundts⸗Genoß den treuͤgeachten Frommen Anstatt deß suͤssen Trancks solt Wermuht schenken ein / Und mit verboßter List den Seinen so zukommen! Jm tausend hundert sechs neunzig und sechst' Jahr War hastig schon sein Geist / und wolt damahls St. Gallen Sechs tausend Maͤnner starck / und scharff geruͤster Schaar / Die Freuͤnd vertraute Statt urploͤtzlich uͤberfallen. Was solt Jhm Eids⸗Contact? Der als ein Lojolit Nichts halt auf Glaub und Treuͤ / der so gar unverholen Den Eid und alles bricht / der als ein Favorit Deß Papsts / den Seinen hat Jhr Freyheit abgestohlen? Ein Freyheit die den Grund vor uͤberlaͤngst gelegt / Die Er doch abgezwackt sambt seinen stolzen Herren / Weiß nicht ob's Schweitzer sind? Diß ist das uns bewegt Den tollen Pfaffen⸗Muht mit grechter Macht zu sperren. Was hat der Cardinal / und was der Pabst mit Schweitz? Was dringet man sich ein in frembden Streit und Handel / Der solche Staͤnd angeht? Soll der verruchte Geitz Zerstoͤhren unser Thun / verwirren unsern Wandel? Was soll der Cardinal das so politisch ist / Zu Geistloß Misch und Masch aus unbefugten Sachen Nach seines Willens⸗kuhr aus Welt⸗verschmitzter List Uns Schweitzeren zu Spott in unsern Landen machen? Nein / Nein Herr Nuntius! stekt euͤren List in Sak / Gott wacht noch über uns / versorgt uns durch sein Guͤte / Der machet daß Jhr moͤcht mit Stiefel / Sack und Pack Noch sagen / wer weiß wann? Luzern dich Gott behüte! Jhr habt gereitzt die Orth / die doch mit theürem Eid Verbunden waren uns / da musten Euͤer Pfaffen Es sey den Herren lieb / den Baur⸗ und Burgern leid / Durch Schalk⸗verruchte List zum Abfall all's hinraffen. Wann Amuraht der Türck / deß Pabstes Treuͤlosigkeit Der sie dem Ladisla Meineids⸗weiß eingerahten / Vor dem gerechten Gott vorhielt zu seiner Zeit / Gedenkt Herr Cardinal / was sind diß jetz fuͤr Thaten? Die Nun geschehen sind / bey Zug und bey Vielmergen? Da so viel Christen⸗Blut der Meineid kostet hat / Last sich solch Ubelthat verschmücken und verbergen / Bezeuͤgets selbsten nicht die blutig Lagerstatt? Die Grabschrifft Ladisla solt seyn dort eingegraben / Daß Uri / Schweitz / Luzern / gleich Underwalden / Zug / Und ihr Nachkoͤm̄lingsschafft / moͤcht staͤtes Denkmahl haben Deß Traur⸗ und Blut⸗Gefechts / geschehen aus Betrug. Die Roͤmer Cannas dort / Vielmergen Jhr beruͤhmt Jn aller Welt gemacht. Haͤtt' Jhr was Euch geziemt Gethan / und Eides⸗Treu / so fraͤvend nicht gebrochen / Haͤtt' solch abscheuͤlich That Gott nicht an Euͤch gerochen! Haͤtt' Abt und Cardinal Euch diß geheissen nicht / So haͤtt Euͤch nicht beruͤhrt solch Straaff und Zorn⸗Gericht. O Menschen seyd doch nicht hierinn so Heil⸗vermessen / Daß Jhr wolt Eid und Treuͤw aus boͤsem Raht vergessen! Jhr Eid verbuͤndte Orth / wie trifft diß uͤberein / Solt Euͤwer Gwissen nicht diß haben ausgesprochen / Wir spielten mit dem Eid / wir machten falschen Schein / Das Blut das ruffte Raach / das sich an uns gerochen. Deß Blut⸗Rahts schoͤne Fruͤcht! O Abt! O Cardinal! Die Forcht deß HErren ist nur Tand in euͤren Augen / Der doch die Donnerkeuͤl mit Blitz⸗beflam̄ten Strahl Durchschießt in euer Hertz / daß ihr nichts solt mehr taugen; O Blut⸗verdürstet Hertz! das bringen must' in Todt Die theuͤren Obersten / die man hat zu Luzern / Von andern Orthen auch / und kamen in die Noht / Doch gienge mehr den Gspuͤnst auf Zuͤrich und auf Baͤrn. Was sagst du nun darzu? der Hoͤll⸗entzuͤndte Raht Hat weg gerafft dein Volck! Gott machte dich zuschanden / Und das dreykoͤpffig Haupt daß man fort fruͤh und spaht Ein Pfaffen⸗Liedlein singt in diesen unsern Landen. Wirst deinem Oberst mehr / der doch ward unser Freuͤnd / Mit deiner Lugen⸗Zung ein Heuͤchel⸗Lied aufpfeiffen? Den du verwicklet hast daß Er ward unser Feind? Solt man nicht eiligst dir nach deiner Kappen greiffen? Die Purpurfaͤrbig ist / die immer trachten thut Wie sie die Freuͤnd verhetz und Einigkeit entzweye / Wie sie vergieffen moͤg das theuͤre Schweitzer⸗Blut ; Und Zweytracht / Mord und Streit der Eidgnoßschafft einstreuͤe. Jhr Bundts⸗Genossen Jhr / habt viel deß Bluts vergossen Ach leider! das ist wahr / auß untreü⸗boͤsem Raht / So daß gantz Stroͤhme sind von beyderseits geflossen / Bedenkt den Scheuͤsaal doch / verflucht die schnoͤde That. Seyd uns den Bruͤdern treuͤ / so habt Jhr Heil und Segen / Vereinigt Eüch mit Uns mit ewig vester Treu / So werd Jhr haben Gluͤck auf allen Euͤren Wegen / Last Pfaffen Affen seyn / den Abt ein Vogelscheu. Vertieff ich mich zuviel! Noch eins / noch eins Herr Abte / Wer reitzet alles Volck? bracht ihm in Kopff den Wurm / Daß es nach unserm Blut so hostig war und schnapte; Wer ruffte Furio? Auf! auf! Allarm und Sturm! Wie daurt Euͤch nun das Volk das Jhr so habt verstuͤrtzet / Das gleich in Thraͤnen schwim̄t / nun ruffet Ach und Weh. O lose Pfaffenheit! wie manchem hast verkuͤrtzet Sein Leben / der da meint daß er noch lange steh? Wie diß gewahret hat die hochgestim̄te Harpf⸗ Die Euͤch den Pfaffen⸗Krieg umbstaͤndlich hat besungen / Sie thoͤnet sicher laut / Jhr Klang ist stark und scharff / So daß er bald seyn wird in End und Orth gedrungen. Haͤtt Jhr diß Jammer⸗Spiel ihr schnoͤde Mord⸗Gesellen Nicht angestellt / O Schand! So hoͤrte man nun nicht Viel Angst⸗und Noth⸗Geschrey / an vielen End und Stellen / Das von der Erden auf / durch Lufft und Wolken bricht! Ach! Ach! Wir haben auch ein Leyd das uns bekuͤmmert / Ein grosses Hertzenleyd / das draͤngt und schwellt uns auf / Es stuͤrtzet unsern Muht den es bey nah zertruͤmmert / Viel Helden sind hinweg / von jenem grimmen Hauf Ertoͤdt durch Meuͤchel⸗Eist / die sind. Ach ja! gefallen / Der Tugend Edie Zier / ein schoͤn gezweyte Blum / Kilchberg und Manuel / daß die must erschallen Holdselig waren sie / in Ehren / Lob und Ruhm / Ein Lust der Jhrigen / ein Freuͤde der Soldaten / Herr Jenner / d'Arney sind auch weg aus dieser Welt / Die gute Huͤlff geleist mit dapfern Prob⸗ und Thaten / Die sich geschwungen hin in Gottes Ruh⸗Gezelt. Mars, Mors, die grimme zwey / viel theure Leuͤth entzogen / Die ihren dapffren Muht in mancher Schlacht erzeigt / Die in dem Mord⸗Gefecht sind Himmel⸗auf geflogen / Triumph⸗ und Sieges⸗voll ihr sterbend Haupt geneigt. Herr Fechy und de Pailly, die trefflich commandieret / Herr Metral und Langin, mit wohlbedachtem Raht / Jhr munter Krieges⸗Heer / fuͤrsichtig angefuͤhret / Die hat der Todt gebracht / zu seiner Leichen⸗Saat. Gleichwohl wird niemand seyn / von uns so gar vermessen / Der solcher Maͤnner wird / die nun dort oben sind / Des schuldig Ehren⸗Ruhms / der Jhn' gebührt / vergessen So lang die Sonne sich am hohen Himmel findt. Herr Tscharners kluger Geist / mit vilen ward entrissen Sein dapffer Helden⸗Muht / Sein hochgeprüfte Treuͤ / Die nur der Tugend sich / und Dapfferkeit beflissen Wird uns zum Denkmahl seyn / daß sie verewigt sey. Freyherr von Lassara, von Gingin wohl erbohren / Ein nun verrühmter Held / wich seinen Feinden nicht / Der Vorderst und der Erst im Streit war außerkohren / Schlug Loͤuenmuͤhtig drein / sein Schwerdt war so gericht / Daß Links und Rechts die Feind sind Hauffenweiß gestürtzet, Und sie aufhielte lang bis Er nun Sieges⸗satt Und Jhm der Todt bereit / das Leben abgekuͤrtzet / Dem Schoͤpffer seinen Geist / Ach! anbefohlen hat. All sind mit Ehren hier / mit Glori dort gekroͤnet / Gleich andre Zeuͤgen auch / die für die Gottes Ehr / Nach dero Schutz sie sich / so aͤngstiglich gesoͤhnet / Die nun von hinnen sind / und nicht auf Erden mehr. Jhr blutig theurer Todt wird Jhnen wohl belohnet Mit grossem Sieg⸗Triumph / vor allem Himmel⸗Heer / Da Gottes hohe Macht auf ewig / ewig thronet. Bekümmert demnach Euͤch Ihr Kinder nicht so sehr Wann Euͤre Vaͤtter sind in solchem Kampf gestorben / Jhr habt ja dessen Ruhm das Euͤch zum Trost heim dien / Weil sie den theuͤren Sieg und dort den Crantz erworben / Der auch so weit bey uns / gleich wie die Ceder gruͤnt. Der grosse General / Herr Tscharner ward verwundet / Herr Hauptmann Frisching auch durch seine beyde Bein / Die doch mit Helden⸗Muht / obwohl sehr hart verschrundet / Dem Feind umb keinen Schritt / außhin gewichen seyn. Herr Diesbach / Sacconay / die dapffre Generalen / Das schoͤne Helden⸗Paar die bald des Feindes Hauff Gestürtzet und verjagt / verwundet hart zumahlen / Verliessen diß Gefecht / da man Sie trug hinauf Jn einen sichern Orth. Der Ruhm der Jhn' gebühret Jst der / daß unser Volk / wie billich es auch thut / Den tapffern Nahmen staͤts in seinen Munde fuͤhret / Den HErren für sie bitt mit Danken in Demuht. Theuͤre Männer! Dapfre Helden! Feind⸗Bezwinger / Euͤre Proben / Eure Thaten / Frieden⸗Bringer Vbersteigen / Meine Geigen / Gott belohne Euͤch Jhr Maͤnner / Euͤch Jhr Helden! Er verschone / Bis Jhr steiget Himmelan / Dann wird es seyn wohlgethan! Dort waren gleich noch mehr der dapffre kuͤhne Helden Von Wattenweil / Monier, von Bonstaͤtt und von Werdt / Vnd so der Herren mehr / die man auch solt vermelden / Durch die gemeiner Nutz und Wohlfarth war vermehrt. Hab Dank nun allerseits Jhr Hohe Krieges⸗Fuͤhrer / Soldaten allesamt: Hab Dank du dapffers Heer / Habt Dank fuͤr euͤer Muͤh / Jhr Herren Officierer: Gott sey fort euͤer Schutz / der Euͤch je mehr und mehr Lieb als sein wehrtes Volck! Er woll sich zu Euͤch neigen Mit aller Vatter⸗Huld / daß Jhr moͤgt ohne Scheu Vor Euͤrer Feinden Trutz den Helden⸗Muht erzeigen / Bestaͤndig Jhme seyn / in Hoffnung / Glaub und Treuͤ / Jn Truͤbsal und Wohlfahrt forthin zu allen Zeiten Mit Mund und starker Faust sein hohe Macht und Staͤrck / Sein Wunder⸗hohe Gnad / sein Ehr und Lob außbreiten / Vnd sagen alles diß: Allein ist GOttes Werck! Dank / Dank sey Euͤch Jhr theuͤre Erden⸗Götter Vor Euͤre Sorg und Muͤh / vor allen weisen Raht / Dank seye Euͤch gesagt / Jhr wehrte Landes⸗Vaͤtter / Es dank Euͤch alles Volk! Es dank Euͤch fruͤh und spaht: Dank seye die gesagt Jmmanuel du Fürst Der du dein Israel nach deinem Raht regierest / Der du noch fort den Volck mit Macht beschuͤtzen wirst / Vnd dein gerechte Sach zu deiner Ehr ausfuͤhrest! Dein Lob O theuͤres Baͤhrn zur Nachwelt fort außgeht / Vnd bleiben wird so lang die Sonn am Himmel steht. Dem Herrn AUTHORI setzet die Nachgab Aristarchus Ord. Eremit. Show less

Wunderzeichen; Mordgeschichte, 1719
Drey warhaftige und erschroͤckliche Zeitungen: Die erste meldet / von vielen ersch[...] lichen Wunderzeichen / so man in diesem jetzt⸗lauffen[...] 1719. Jahr hin und wieder am Himmel und auf Er[...] seynd gesehen worden. Den außfuͤhrlichen Bericht wird man in dem ersten Lied zu vernehmen... Show more Drey warhaftige und erschroͤckliche Zeitungen: Die erste meldet / von vielen ersch[...] lichen Wunderzeichen / so man in diesem jetzt⸗lauffen[...] 1719. Jahr hin und wieder am Himmel und auf Er[...] seynd gesehen worden. Den außfuͤhrlichen Bericht wird man in dem ersten Lied zu vernehmen haben. Jm Thon: Wo ist JEsus mein Verlangen / rc. Mehr folgen zwey grausame und erschroͤckliche Mord Geschicht / allen frommen Eltern und Kindern zur Warnung vorgestellt. Erstl. gedruckt zu Bremen bey Christoph Reimer 1719. O Jhr Suͤnder thut aufschliessen / euer hart ver⸗ stocktes Hertz / fallt dem lieben Gott zu Fuͤssen / dencket nur es ist kein Schertz / was man gsehn fuͤr Wunderzeichen / jetzt in einer kurtzen Zeit / feurigen Glantz hat man gesehen / in viel Laͤndern weit und breit. 2. Am Eschermittwoch zu Abend / um 7. Uhr wol in der Nacht / sah man den Glantz mit feurigen Strahlen / [...] wañ geschossen waͤr ein Drach / woruͤber man sich sehr verwundert / alles jung / alt / Frau und Mañ / ob der Statt Bremen hat man gesehen / den Him̄el klaͤrlich offen stan. 3. Ein harnisch Mañ hat man gesehen / in dem Glantz an selbem End / der ein bloses Schwert thaͤt fuͤhren / hat sich gegen Norden gwendt / ist doch wieder bald ver⸗ schwunden / daß man ihn gesehn nicht mehr / ob der Statt Luͤb[...]k hat man gesehn / in dem Glantz 2. Krieges⸗Heer. 4. Man hoͤrte groß krachen und knallen / Trompeten⸗ und Heerpaucken⸗Schall / feurige Kuglen seynd gefal⸗ len auf die Erden dazumahl / welches brachte grossen Schrecken / jedermann betruͤbet war / dieweil man in dem Glantz gesehen / ein bundne Ruth und Todten⸗Bahr. 5. Jn Daͤnnemarck zu Coppenhagen / thaͤt auch der Him̄el offen stahn / zwey Maͤnner die ein Leich getragen / [...] man deutlich sehen kan / Hauen vnd Schaufflen [...]arneben / hat man gesehn ein feurig Schwert / [...] laßt viel Wunderzeichen sehen / doch ist niemand sich bekehrt. 6. Den dritten Mertzen thu ich sagen / drey Sonnen gesehen hat man / viel hundert Mensch habens gesehen / auch hier und in der Nachbarschafft / was solche Wun⸗ der uns bedeuten / ist dem lieben GOtt bekandt / ein Co⸗ met⸗stern siht man laͤider / ob staͤtten in Pommerland. 7. Zu Dantzig sah man auf der Gassen / ein Knaͤblein welches wunderschoͤn / waͤinet sehr durch alle Strassen / mutternackend thaͤt es gehn / wanns die Leuth thaͤten be⸗ fragen / warumb es so waint und schreyt / hat es klaͤglich antwort geben / thut Buß der Juͤngst Tag ist nicht weit. 8. Jch waͤin uͤber die schwaͤren Suͤnden / die jetzt gehen in dem Schwang / GOtt der HErr wird schroͤcklich straffen / ein manches schoͤnes Statt und Land / weil die Suͤnden sich vermehren / Unzucht und groß hurerey / man hoͤrt nichts als Fluchen und Schwoͤren / so gar Gottslaͤsterung auch darbey. 9. Auch das Stehlen / Rauben / Morden / geht jetzt froͤlich in dem Schwang / die Armen thut man sehr ver⸗ achten / hin und wieder in dem Land / keines thut dem an⸗ dern goͤnnen / jetzund mehr die gute Lufft / Haß und Neid thut sich vermehren / darum GOtt endlich straffen muß. 10. Das Kind thaͤte gar klaͤglich waͤinen / vom morgen an biß in die Nacht / wann man es schon thaͤte aufneh⸗ men / wolt es behalten uͤber Nacht / ist es wieder bald ver⸗ schwunden / kam gleich an ein anders End / hebt seine Au⸗ gen staͤtts gen Himmel / und schlug zusammen seine Haͤnd 11. Ach GOtt! du wollst dich doch erbarmen / uͤber uns Suͤnder in der Welt / straff uns nit in deinem Zoren / machs mit uns wies dir gefaͤllt / thu uns Suͤnder doch verschonen / alle Straffen von uns wend / ach GOtt du wollst uns allen geben / nach diesem ein seliges End. 7. Am Morgens als es Tage ward / wolt die Magd nicht auffstehen / der Meister zu der Frauen sprach / sie solt nach ihr umsehen / als sie in dKammer kom̄en thaͤt / fand sie die todte Magd im Bett / traurig thaͤt sie hingehen. 8. Und zeigt es allen Leuten an / mit Schrecken / Forcht und Klagen / es kam gelauffen Frau und Mañ / jedermañ thaͤte sagen: sie hab bekommen einen Gifft / man fragt sie beyd beym Eyd und Pflicht ? ehe man die Magd begrabẽ. 9. Hierauf ihr Meister und sein Frau / ein Eyd muß⸗ ten ablegen / daß sie nichts wuͤßten von der Sach / wer ihr den Gifft hat geben / man konnt nichts machen auß der Sach / man ließ die beyde wiederumb loß / und thaͤt die Magd begraben. 10. Der Thaͤter gieng selbst mit der Leich / als man die Magd begraben / niemand dacht / daß ers hab gethan / wahrhafftig thu ich sagen / es waͤhrte gar ein kurtze Zeit / der boͤß Feind ihm schon wiederumb rieth / daß er thaͤt noch mehr wagen. 11. Daß er ein Maͤgdlein fromm und schon / leicht⸗ fertig thaͤt betriegen / versprach ihren bald diß bald das er thaͤt ihr viel vorliegen / biß er sie auch hat uͤberredt / daß sie auch seines Willens thaͤt / und thaͤt sie sehr betruͤben. 12. Daß sie von ihm auch schwanger ward / ach hoͤ⸗ ret Wundersachen / wie daß der Satan in der Welt / sein Spiel weiß wohl zu machen / der Kerle dachte Tag und Nacht / wie er angreiffen wolt die Sach / er ließ ihn we⸗ nig rasten. 13. Jhr Vatter der ein Kieffer war / wußt nichts von [...]enen Dingen / er schickt sein Tochter uͤber Feld / Faßbrand solt sie ihm bringen / der Boͤßwicht ward es iñen bald / spa⸗ zirte nauß biß in den Wald / er dacht es werd ihm gelingẽ. 14. Da das Maͤgdlein wiederumb zuruck kam / di Nacht thaͤt schon anbrechen / der Moͤrder thaͤt sie greif⸗ fen an / jetzund will ich mich raͤchen / er sprach: bereu jetzt deine Suͤnd / du must sterben durch meine Haͤnd / deinen Halß will ich dir brechen 15. Sie fiel bald nieder auf die Knye / mit augestell⸗ ten Armen / sie sprach: Hertz⸗allerliebster mein / ach thut euch doch erbarmen / der Moͤrder kehrt sich nicht daran / alsbald seinen hirschfaͤnger nam / thaͤt sie damit erstechen. 16. Es thaͤt sich ruͤhren ob der That / die Frucht in Mutterleibe / der Moͤrder bey ihm selber sprach: ich will dirs schon vertreiben / stach ihr den Degen durch den Leib / solches thut ja kein Tuͤrck noch Heyd / er thaͤte darvon eylen. 17. Er machte in dem Wald ein Grab / thaͤt sie da⸗ rinn verscharren / er gieng heim / legt sich in sein Bett / da war diß Mensch verlohren / ihr Vatter suchte hin und her / doch konnt er sie nicht finden mehr / es stuhnd an biß am Morgen 18. Da gieng der Jaͤger in den Wald / das war des Moͤrders Vatter / ein Wildbraͤt auf zu treiben bald / ach hoͤret Wundersachen / da ist er kom̄en an das Ort / wo sein Sohn das Mensch ermordt / thaͤt er ein Grausen fasse[...] 19. Die weil das Mensch / welche schneeweiß / thaͤt an dem Platz rumb gehen / der Jaͤger schaute hin und her / vie[...] Blut er auch gesehen / er fande auch ein neues Grab / das⸗ selbig hat er aufgemacht / thaͤt druͤber bald hingehen. 20. Zeigt solches ihrem Vatter an / er hab sein Toch⸗ ter gfunden / die lig todt drausen in dem Wald / jedermann sich verwundert der Thaͤter selbst hinkommen thut / da schwitzt sie auf ein neues Blut / hoͤrt weiter an jetzunder. 21. Hierauf man diesen Juͤngling bald / nahm bunden und gefangen / er thaͤte solches gleich bestahn / daß er die Mord begangen / und habe der andern auch mit Gifft / vergeben und schroͤcklich hingericht / er lag nicht lang gefangen. 22. Er war bereitet zu dem Tod / er thaͤt sein Suͤnd be⸗ raten / ein Abschiedlied er hat gemacht / und bat Gott um Verzeihung / sein Urtheil wurde so gemacht / daß man ihn richt mit Schwert und Rad / einem andern zum Abscheuen. ENDE. Show less

Der Thuner-Stier; Von dem schmachsüchtigen Jüngling; Wie geschicht mir bin ich truncken
Drey schoͤne neue weltliche Lieder Das Erste: Der Thuner⸗Stier / Wie er in der Statt Thun so uͤbel gehauset und ruinieret hat / und doch endlich ist uͤberwunden worden. Das Andere: Von dem schmachsuͤchtigen Juͤngling. Lachet doch der alten Narren / die viel Gelt zusammen / rc. Das... Show more Drey schoͤne neue weltliche Lieder Das Erste: Der Thuner⸗Stier / Wie er in der Statt Thun so uͤbel gehauset und ruinieret hat / und doch endlich ist uͤberwunden worden. Das Andere: Von dem schmachsuͤchtigen Juͤngling. Lachet doch der alten Narren / die viel Gelt zusammen / rc. Das Dritte: Wie geschicht mir bin ich trun⸗ cken / oder ficht der Tod / rc. Alle in ihrer bekandten Melodey zu singen Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste: 1. ZU singen ich ein lust hatte / ein neues Liedlein schon / was sich zutragen hat⸗ te / wol in der Statt zu Thun / im tau⸗ send und sechshundert / im ein und fünff⸗ zigsten / besonder viel Kummer und Unruh 2. Die Statt ist wol erbauen / mit Mau⸗ ren eingemacht / da sind gar viel der Jun⸗ gen / mannliche Burgerschafft / in stuͤrmen und in streiten / ficht man zu allen Zeiten / ihr Hertz und Mannes-Krafft. 3. Und grad zu Herbstes⸗zeiten / im erst⸗ gemeldten Jahr/ da mußten sie erleyden / gwißlich ein grosfe Gfahr / mit einem un⸗ geheuren Stiere / ihr Hertz erzittert schie⸗ re / der gantzen Burgerschafft. 4. So viel ich hab erwogen / nun glau⸗ bens gwißlich mir/ ein Burger hat erzo⸗ gen / einen wunder-schoͤnen Stier / gemaͤss ein gantzes Jahre / bracht sie in grosse Gfahre / ich darffs nicht melden schier. 5. Als nun die Zeit ist kommen / daß man den Stier wolt schlan/ Herr Niclaus Fuchser kame / bruͤfft zsam̄en tapffere Man man solt ihm auch beyspringen / es moͤcht [...] stahn. 6. Gar tapffer kam der Kaͤrnen / der kuͤh⸗ nen Burgerschafft / ihr Mañheit zu gewaͤh⸗ ren / mit einem Wehr zaghafft / den Stier wollen wir entleiben / ihm sein gut Sach vertreiben / die er so lang hat ghan. 7. Da sie zur Scheuren kamen / die Thuͤ⸗ ren thaͤten auff / der Stier stuͤtzt seine Brau⸗ en / und ließ ein harten Schnauff / ihr Hertz das thaͤt sich weigern / wird sich auch sehr er⸗ zeigen / nun sehen alle darauff. 8. Ein schnellen Raht sie gaben / unter ihnen der mehrer Theil / ein jeder solte ha⸗ ben / ein frisch neu haͤlsig Saͤil / sampt an⸗ dern Jnstrumenten/ der Stier muß uns nicht gschaͤnden / und waͤr er noch so geil. 9. Da kam Jacob angluffen / der starcke Hildebrand / darab ich nicht erschricken / und nahm den Stier zuhand / Jacoblin wil ich nicht heissen / Jacob will ich beweisen / da gieng der Streit erst an. 10. Grausam thaͤt sich erzeigen / der Stier mit grimmer Hand/ er thaͤt gar uͤbel hausen / mit dem guten Hildebrand / man doͤrfft ihm nicht z'huͤlff kommen / der Stier den Sieg hat gwunnen / den andern allen z'laͤid. 11. Da thaͤt man nichts dann schreyen / [...] Hildebranden / fuͤhr uͤber d Kuͤhbruck auß / da schlug man auf die Trommen / man solt ihm zu huͤlff kommen / sein Leben waͤr sonst auß. 12. Wo thut es doch herkommen / spra⸗ chens gemein in der Stadt / daß man Nuß⸗ baum den frommen / sein Muͤnch genom⸗ men hat / man ließ dabey nicht grahten / thaten Geissen und Katzen brahten / zuletst folgt Gfahr darauff. 13. Da eilten alle Musquetierer / uͤber die Kuͤhbruck auß / wol mit dem Stier zu⸗ streiten mit Forcht und grossen Grauß / da war kein Baum noch Linden / man floh da⸗ rauf und darhinder / und gaben Feur auf ihn. 14. Jch hat mich schier verschworen / also wehrt sich der Stier / man schoß ihn an die Hoͤrner / und an die Rippen schier / das Blut thut herauß spritzen/ waͤren da nicht dreissg Schuͤtzen / das Feld waͤr blieben dem Stier. 15. Ach Mord uͤber Mord / schrey da ein Kachelmann / mich reuen meine Kach⸗ len / die ich so theur kaufft han / da stieg er auf die Linden / der Stier muß mich nicht finden / ehe wil ich die Kachlen lahn. 16. Der Stier war uͤberwunden / mit [...] Bley bey ihm g'funden / zwey Pfund ge⸗ wogen hat / Hans Lonner hat ihn gschun⸗ den / Hildebrand war bald verbunden / das Fleisch auch außtheilt war. 17. Sie lieffen den Schaller auffen / wol in das Taubenhauß / was solt er droben schaffen / die Katzen jagen auß / da griff er auff sein Degen und wolt der Katzen ge⸗ ben / sprung sie zum Laden auß. 18. Sie fuͤhrten die Katzen aussen / wol in die Esels⸗Matt / gebunden an ein Lin⸗ den / mit Seil und Stricken hart / du hast mir Dauben gefressen / ich kan dirs nicht ver⸗ gessen / must mir das Leben lahn. 19. Jhr Nahmen aufzuschreiben / dient den Nachkommenen znutz / es thaͤt den Wolffgang zieren / allda dann Meister Schutz / und die der Muͤh sind undergeben / auf Baͤum und hinder den Haͤgen / ist diß Lied zu Ehren gemacht. 20. Das Lied thut sich beschliessen / wol mit dem Kiley-Bock / den thaͤten sie ver⸗ brennen / und den Nußbaͤumigen Stock / die Merlinger thuns ihn schencken / das Kel⸗ li hinden anhencken / zu der gebratenen Katz Das Andere: LAchet doch der alten Narren / die viel Gelt zusammen sparren / und sich [...] [...]en / lassen sie viel jahre ruhen / ach waͤr ich an ihrer statt / wolte wol drum froͤlich seyn / bey dem kuͤhlen Moßler-Wein. 2. Jch kan Silber distillieren / und das alte Gold palieren / welches schon verrostet scheint / ich kan das Metall zerfloͤssen / von des Geitzes Faͤssel loͤsen / der sich vast zu todte waͤint. Jch haß allen falschen Schein / und bin lustig bey dem Wein. 3. Es ist umb das Gelt geschehen / wel⸗ ches ich noch nicht gesehen / das mein Vatter hat erspahrt: Ach wann ich es koͤndte ha⸗ ben / wolt ich meine Gurgel laben / mit so mancher Freuden-Art / er ist haͤrter als ein Stein / ich trunck dannoch milten Wein. 4. Hoͤrt Herr Wirth / ihr muͤßt mir bor⸗ gen / gehet schlafft ohn alle Sorgen / borgt ihr nicht so borg ich doch: ich werd mich ja nicht beschaͤmen / und dem seinen Mantel nemmen / dessen Vatter lebet noch / schencke / schencket tapffer ein / heut ist es geschenckter Wein. 5. Noah hat uns ihn verbunden / daß er Most und Wein erfunden / und die Faͤs⸗ ser erst gesezt / wann er jezt noch konnte trin⸗ cken / wuͤnscht ich ihm von disem Schuͤncken / der biß auff das Bein verletzt/ es ist meines Vatters Pein/ wann er hoͤrt vom theuren Wein. 6. Er ist auß Juden Stammen / bringt den Wucher-Zinß zusammen / liebt doch nicht October-safft / welcher Noah machet schlaffen / und uns pflegt die Kuch zu schaf⸗ fen / durch beliebte Freuden⸗Krafft / wird meins Vatters Guͤtlein sein / tauschen umb den besten Wein. Das Dritte: WJe geschicht mir bin ich truncken / oder sicht der Tod mich an / alle Kraͤfften sind versuncken / helffe wer da helffen kan / schencket mir mein voll Ge⸗ nuͤgen / von dem Ambrosinger-Wein / ehe daß mir mein Seel entfliehet / in den tief⸗ fen Keller nein. 2. Ehe ich dann von hinnen setze / und ich nauff gen Himmel muß / Da die Goͤt⸗ ter sich ergoͤtzen / an dem suͤssen Neckar-fluß / lasset mir ein Schreiber kommen / der mein Testament versaßt / alles was in einer Summen / meinem Bruder ich hinderlaß. 3. Jch hab noch ein halbes Futter / Muscateller suͤssen Most / den ich mit dir lieber Bruder / offtermahlen hab gekost / et⸗ lich Eymer Bacheracher / ligen in der Ordnung still / auch Elsasser / Frontanacher / wie man ihn nur haben will. 4. Etlich Schuncken sind versuncken / der fuͤnfft ist der rest im Sack / auch ein grosse Ochsenzungen / darzu ein Roll Taback / raͤsser Senf und Pfeffer-wuͤrste / wirst du finden in dem Schanck / ach mein Bruder / ach mich duͤrstet / bring mir eins zum grossen Danck. 5. Eine Flaͤsch von sieben Massen / han⸗ get an der Keller-thuͤr/ die will ich dir hin⸗ derlassen / weiters findst du nichts bey mir/ einen Becher unter diesen / nimm ihn an wann er dir gfaͤllt / daß wann er wird recht gemessen drey Reichs-staͤttẽ Schoppen haͤlt. 6. Was an Gelt wird uͤberbleiben / und all meine andere Haab / will ich meinem Wirth verschreiben / der mir offt zu sauffen gab / findet ihr noch was zum besten / dassel⸗ bige nehmt und sagt / er hat mit uns lieben Gästen / all sein Guͤtlein durchgejagt. 7. Jch will daß man meinen Leib / in ein tieffen Keller leg / meines Hertzens Ruh⸗ statt bleibe / under einem Laͤger Wein / ich will daß man meine Lungen / gantz und gar in Wein verkoch / an den Zapssen mei⸗ ne Zungen / meine Naß ans Buntenloch. 9. Jch will daß man für die Baare / mir ein langes Weinfaß such / leget mich mit Haut und Haare / in ein langes Taffet Thuch zuͤndet Glaͤser an fuͤr Kertzen / flechtet Kraͤntze von Ebheu / ruffet Bachum an von Hertzen / daß er uns woll guͤnstig seyn. E N D E. Show less

Prinzen Eugeni Feld-Stücklein; Juch he Victoria; Jackel geh mit mir;
Drey schoͤne neue weltliche Lieder / Das Erste: Des Prinzen Eugeni Feld⸗Stuͤcklein / Auff auff ihr Helden all / Mars blaßt euch schon den Feldzug an / durch den rc. Das Andere: Juch he Victoria Jodel spring um und um / Steffel und Riepel ihr Bueben zusamm / rc. Das Dritte: Jackel geh... Show more Drey schoͤne neue weltliche Lieder / Das Erste: Des Prinzen Eugeni Feld⸗Stuͤcklein / Auff auff ihr Helden all / Mars blaßt euch schon den Feldzug an / durch den rc. Das Andere: Juch he Victoria Jodel spring um und um / Steffel und Riepel ihr Bueben zusamm / rc. Das Dritte: Jackel geh mit mir / Zahl gleich was du sauffen magst / geh du zum Adler / rc. Jedes in seiner eigenen Melodey / lustig zu singen. Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste. 1. [...]f auf ihr Helden all / Mars [...]laßt euch schon den Feldzug an / [...]ch den Trompeten⸗Schall! Frisch [...]ff wer fechten kan / zu Fuß und Pferdt / ist schon der werth / ins Feld / ins Feld / den Christen Muth / im Tuͤr⸗ cken⸗Blut / zeigt vor der gantzen Welt. 2. Der Christen Helden⸗Hertz ist zum Victorisiren geneigt/ sie treiben hier kein Schertz / und habens schon er⸗ zeigt / vor Temeswar / ist kommen klar / der Streit / der Streit / die Niederlag / und Ubergab / der Vestung allbereit. 3. Der Winter ist vorbey / der Schnee wird schon vergangen seyn / nun geht das Feld⸗geschrey / deß Loͤr⸗ chen wuͤrcklich eyn / macht euch be⸗ wehrt / umgürt das Schwert / und wacht / und wacht / der Tuͤrcken⸗ Schaar / will dieses Jahr / euch zeigen ihre Macht. 4. Der Adler bleibt die Sonn / zu dieser schoͤnen Fruͤhlings⸗Zeit / verfolgt den bleichen Monn / nach seiner Tapf⸗ ferkeit / behertzt darein / es muß nur seyn / gewagt gewagt / dann eure Feind / die Blut⸗Hund seynd / schon würcklich gantz verzagt. 5. Der Printz Eugenius / wird die Campagne fangen an / durch einen Heyraths⸗Schluß / so bald er immer kan / Belgrad / Belgrad / die schoͤne Statt / ist die / ist die / so ihm gefallt / wird kosten wenig Muͤhe. 6. Die Musicanten seynd / schon all⸗ bereit vom Mars bestellt / die werden unsere Feind / begruͤssen in dem Feld / Carthaunen⸗Thon den halben Mon / und Stuck / und Stuck / samt allem Geschuͤtz als wie der Blitz/ vom Hoch⸗ muth nider druck. 7. Wann nun das Krieges⸗Volck / gantz blutig seinen Anfang nimmt / so tantzt der Mahomet / als wie es euch gezimt / ist alles gleich / wer wird ein Leich / und stirbt / und stirbt / dann der da ligt / und der so siegt / zugleich die Cron erwirbt. 8. GOTT geb dem Kaiser Sig / nach Wunsch der gantzen Christenheit / der Blut⸗hund unden lig / und komm sein letzte Zeit / deß Tuͤrcken Reich / vergeh zugleich / in Grund / in Grund / die gantze Schaar / der Tuͤrcken Waar / verschluckt der Hoͤllen⸗Schlund. Das Andere. 1. JUch he Victoria / Jodel spring um und um / Steffel und Riepel ihr Bueben zusamm / hoͤrt was neue Zei⸗ tung uns bringet / der Graf Hiller ist kommen heran / der Printz der grosse Held / hat schon ein G'fecht angestellt / Juch he! es lebe der Mann. 2. Naͤchten da gab mir der Baur zwey Gulden / solt mit der Dirne die Statt eingehn / da trincken wir ein Maͤßel von eim guten alten / wolt mit der Dirne das Gasthauß eingehn / da gieng das Juchsen an / wie sechs Posti⸗ lionen / Juch he wie ist mir geschehn. 3. Da kam ein Herr mit der langen Paruquen / einer mit dem rothen Kleid schmaͤchlich erzehlt / wie Printz Euge⸗ nius gantz unerschrocken / hat mit den Tuͤrcken sein Saͤchel angestellt / wie er ein blutigs Bad / den Tuͤrcken gewiesen hat / Juch he der taugt ins Feld. 4. Gaff mir schier die Augen auß / kans nicht erzehlen / wie ihn der Printz gezaußt / den Kuͤttel geflickt / er wolt nicht / gern die Tuͤrcken all zehlen / so in der Sau und Blut⸗bad erstickt / er schlug die Tuͤrcken⸗hund / viel tausend in acht Stund / Juch he das ist ein Gluͤck 5. Stuck und Carthaunen / Pulfer und Bley / das gantze Lager und alles darbey / all ihr Zelter / so sie erst auffs neu / mit einem Wort / ich sag es mein Treu / Eugenius / nimmt er weg / den Tuͤrcken bleibt kein Dreck / Juch he! waͤren wir darbey. 6. Daß dich potz tausend / haͤts Best bald vergessen / deß Groß⸗Veziers Zelt liessen sie im Stich / geschicht mein aid recht / warum geh sie mit uns Chri⸗ sten in Krieg / darauff setzt sich Euge⸗ nius ein / und nimt das Nachtmahl ein / Juch he segn GOtt mich duͤrst. 7. Juch he! Victoria / Bueben schreyt all zusamm / Vivat soll leben der tapf⸗ fere Held / er ist des Kaysers sein an⸗ dere Glory / raufft wie ein Loͤw mit den Feinden im Feld; Trincket nur seine Gesundheit aus / ich schlag es auch nicht auß / Juch he! es soll leben der Held. Das Dritte. 1. JAckle geh mit mir / zahl dir was du sauffen magst / geh du zum Adler / Jackle geh rein / sauffn wir Victorien / der Printz Eugene tapfferer Held / sags meim Bruder der und der Bue / tau⸗ gen ins Feld. 2. Waiß nit was uns abgeht / nichts als dudel dudelsack / geit es viel Men⸗ scher / geh au darzu / Jackle bist drinne / geh du ein wenig raus / thu dich nicht besinne / geh ins Wirtshauß. 3. Drunten bey dem Adler/ sitzen alls lauter gute Freund / sauffen wir ein Maas / vergeht uns die Zeit / meinet⸗ halb komst gleich recht / hab wollen zu dir gehn / hab dich beym Adler wohl sehen stehen. 4. Mein kanst wohl lesen / hat Vet⸗ ter Casper Stoͤffel Muͤllers Bue / auß Ungarn geschriben / was sagst du darzu / was hat er geschrieben / schreibt uns der Printz Eugene Held / und Printz Alexander / will wider ins Feld. 5. Sie haben tapffer gefochten / das wissen wir ohne Schreiben schon / daß der Printz Eugene tapffrer Mann / Nemma ist graußlich/ schlagt auch der Plunder alle drey / wie es koͤnt zugehn all nach der Schlacht. 6. Weiß offt wie es zugeht / wann Bauren⸗Bueben rauffen mit einand / erschroͤckt mich der Kummer/ von meim Verstand. Bleibt alles verschwiegen / sitzen als lauter gute Freund / bleibt alles verschwiegen / Bruder Matheus war dein. 7. Heur wird es stincken / wann Tuͤrcken lauffen an den Schweiff / bleibt alles verstricket / du und Belgrad. Rinn rinn laß rinnen Gesundheit Printz Eugene aller Officier/ es leben Reuter und Mußquetier / GOtt wird uns staͤrcken / staͤrck GOtt Wehr und Waffen zugleich / Belgrad merck dises / hat sein Theil darbey. E N D E. Show less

Mord in Oldenburg; Lied über die Ungehorsamkeit, 1722
Außfuͤhrliche neue Beschreibung / Von Zweyen denckwuͤrdigen Ge⸗ schichten und Begebenheiten / so sich in dem 1722. Jahr hin und wieder bege⸗ ben und zugetragen: Den außfuͤhrlichen Bericht wird der guͤnstige Leser in den Liederen zu vernehmen haben. Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste. Jm... Show more Außfuͤhrliche neue Beschreibung / Von Zweyen denckwuͤrdigen Ge⸗ schichten und Begebenheiten / so sich in dem 1722. Jahr hin und wieder bege⸗ ben und zugetragen: Den außfuͤhrlichen Bericht wird der guͤnstige Leser in den Liederen zu vernehmen haben. Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste. Jm Thon: Kombt her zu mir spricht GOttes Sohn / rc. Hoͤre zu mein lieber frommer Christ / was in dem Jahr geschehen ist / merckt auff ihr Junggesellen / ihr Soͤhn und Toͤchteren mit Verstand / was nemlich im Hollsteinerland / geschehen will ich erzehlen. 2. Jm Staͤdtlein Oldenburg genandt / gehoͤrt in das Doͤninger⸗Ambt / ein Bur⸗ ger thaͤt da wohnen / Johannes Metzger war sein Nahm / seines Handwercks ein Schmid zeig ich an / also hat man veronm̄en. 3. Der hat ein Soͤhnlein wohlgemuht / wie man deren noch vil finden thut / er ließ ihm gantz sein Willen / er hat sein Freud bey Tag und Nacht / wie er sein Zeit und Weil vollbracht / mit Sauffen und mit Spihlen. 4. Vor drey Jahren der Vatter hat / ins Hauß gedinget ein Dienst⸗Magd / hat man / warhafft vernommen / auff St. Johannis zeig ich an / und als sie in den Dienst thaͤt gahn / und in das Hauß war kommen. 5. Stellt er ihr nach bey Tag und Nacht / meint sie zubringen in Schand und schmach er gieng ihr nach allwegen / daß sie solt sei⸗ nes Willens seyn / sie wolt sich nicht erge⸗ ben drein / thaͤt ihm zur Antwort geben. 6. Er solle sie doch lassen mit Lieb / solt dencken wie sie wurd betruͤbt / wann GOtt wurde zugeben / daß ich von ihm wurd schwanger sehr / und nur ein arme Dienst⸗ Magd waͤr / ach was wolt ich anheben. 7. Darauff antwort ihr der Boͤßwicht / wanns darzu kommt / und das geschicht / so glaub nur ohne Zweiffel / verlaß ich dich biß in den Tod / so soll mein Seel verlassen GOtt / und verreiß mich der Teuffel. 8. Weil er so grausam schwur und flucht / vergaß sie ihrer Ehr und Zucht / thaͤt seines Willens pflegen / sie wohnten staͤts einan⸗ der bey / in der Unzucht ohn alle Scheu / daß sie thaͤt schwanger werden. 9. Hoͤrt wie durch des Teuffels Trug und List / weil er der Suͤnd ein Kuͤnstler ist / ein Spihl thaͤt er anheben / dem Boͤßwicht gab er in den Sinn / wie er die Magd mit sambt dem Kind / solt bringẽ um̄ das Leben. 10. Auff daß er kaͤme nicht in Schand / ein reiche Tochter in dem Land / koͤnn er hernach heuradten / an einem Sonntag mercket das / dieweil man in der Kirchen was / thaͤt er die Magd ermoͤrden. 11. Weil die Magd war allein im Hauß / der Boͤßwicht kam ohn allen Grauß / die Magd thaͤt er anfallen / und riß sie nider auff die Erd / mit dem Flor hat er sie er⸗ moͤrd / und schleifft sie in den Stalle. 12. Da stach er ihr die Gurgel ab / zwoͤlff Stich er mit dem Messer gab / mit Fuͤssen thaͤt ers tretten / gar elend er mit ihr um⸗ gieng / kein Gnad sie mehr bey ihm em⸗ pfieng / wie sehr sie ihn gebetten. 13. Jm Stall er sie vergraben hat / da lag sie zwey Jahr etlich Tag / hoͤrt was sich mehr zutragen / kein Faden wird gesponnen so klein / der nicht kommt an den Sonnen⸗ schein / thut man im Spruͤchwort sagen. 14. Man sucht die Magd drey gantzer Tag / kein Mensch sie mehr erfahren mag / wo sie moͤcht seyn hinkommen / aber diß jetzt lauffende Jahr / da wurd die Sach erst offenbar / als er ein Weib genommen. 15. Ein reiche Tochter zu der Eh / groß Freund und Jubel thaͤt man sehn / doch thaͤt sich bald verkehren / die Freud in grosse Traurigkeit / vilmehr in grosses Hertzen⸗ leid / wie ihr jetz werdet hoͤren. 16. Als jederman thaͤt lustig seyn / mit Essen / Trincken ins gemein / mit Tantzen und mit Springen / da kamen auß hoͤlli⸗ scher Hitz / drey Teuffel so schnell wie der Blitz / ins Wirths⸗Hauß sie eintringen. 17. Den Braͤutigam sie greiffen an / und sprachen / jetzt must du darvon / weischt was du hast versprochen / vor drey Jahren der Dienst⸗Magd / wir sollen kommen an der statt / GOtt laßt nichts ungerochen. 18. Die fuhren mit ihm zur Thuͤr hin⸗ auß / gleich an der Stell vor dem Wirts⸗ Hauß / haben sie ihn zerrissen / zu Stucken klein / O weh der Seel / die ewig muß seyn in der Hoͤll / GOtt hat ihn gantz vergessen. 19. Jetzt sicht man an dem hellen Tag / sein Geist im Hauß wo die Magdt lag / welche er hat ermorden / formiert wie ein kohl⸗schwartzer Hund / kein Mensch im Hauß mehr bleiben kundt / Ach der er⸗ schroͤcklichen Gefaͤhrden. 20. Darumb ihr Elteren ins gemein / laßt euch diese Geschicht ein Wahrnung seyn / thut euere Kinder ziehen / in der Ju⸗ gendt bey guter Zeit / wolt ihr an ihnen erle⸗ ben Freud / und nicht der Gnad entfliehen. 21. Auch ihr Kinder groß und klein / thut eueren Eiteren geborsamb seyn / hat Vat⸗ ter und Mutter in Ehren / so wird euch GOtt nach diser Zeit / geben die ewig See⸗ ligkeit / JEsus woll uns erhoͤren. Das Andere. 1. O Mensch! komm zu betrachten / und schau ein Wunder⸗Ding / thu sol⸗ ches nicht verachten / und hoͤre was ich sing / wie GOtt jetzt allbereit / die Unge⸗ horsammen straffet / und zeigt sein Gerech⸗ tigkeit 2. Jhr Junge / auch ihr Alten / ach fasset wohl zu Hertzen / wie ihr euch zu verhalten / und treibet keinen Schertz / damit zu aller Zeit / der Allerhoͤchst geprisen / mit rechter Ehrbarkeit. 3. Hier fuͤhret ihr zu Hertzen / ihr Elte⸗ rens ins gemein / es laßt sich hier nicht scher⸗ tzen / GOtt will geehret seyn / weil er an sei⸗ ner stadt / die Kinder zu underweisen / er euch bestellet hat. 4. Wie ihr sie werden fuͤhren / darumb habt gute Wacht / Exempel z' statuiren / dann sie nendts gwuͤß in acht / dann wann durch euch GOtt g'lobt / so werden auch die Kinder erlangen keinen Spott. 5. Wie hier ist zu ersehen / ein Straff vom grossen GOTT / die wuͤrcklich ist ge ten / den Strick der Mutter zeigt. 11. Die Mutter unverdrossen / hat sich nicht lang bedenckt / im G'wuͤssen gantz er⸗ soffen / sich selbsten da erhenckt / und da in gleicher Stund / die Tochter heimgeloffen / gieng mit der Mutter z'Grund. 12. Die Tochter gantz ergrimmet / so bald sie hat erblickt / die Mutter ungezim⸗ met / verzweifflet an dem Strick / schlagt noch auff sie dar / die Mutter spannt die Armen / erwuͤrgt auch d'Tochter gar. 13. Secht Wunder in den Armben der Mutter muͤßte stehn / die Tochter ohn Er⸗ barmen / zur Hoͤll mit ihren gehn / ein Schlang auß der Mutter Mund / in ihr der Tochter Kriechet / anjetzt seynd beyde z`Grund. 14. Anjetzt ihr fromme Christen / secht hier nun allbereit / wie GOtt die Straffen richtet / nach seiner Grechtigkeit / jedem nach seiner That / wies jeder thut verdienen / mit Straffen oder Gnad. 15. Thu bitten eines bitten / daß uns die Goͤttlich Gnad / nicht werde abgeschnit⸗ ten / wann man sie einmahl hat / und aller Leben sey / den hoͤchsten GOtt zu preisen / hier und im Himmelreich. ENDE. ten / den Strick der Mutter zeigt. 11. Die Mutter unverdrossen / hat sich nicht lang bedenckt / im G'wuͤssen gantz er⸗ soffen / sich selbsten da erhenckt / und da in gleicher Stund / die Tochter heimgeloffen / gieng mit der Mutter z'Grund. 12. Die Tochter gantz ergrimmet / so bald sie hat erblickt / die Mutter ungezim⸗ met / verzweifflet an dem Strick / schlagt noch auff sie dar / die Mutter spannt die Armen / erwuͤrgt auch d'Tochter gar. 13. Secht Wunder in den Armben der Mutter muͤßte stehn / die Tochter ohn Er⸗ barmen / zur Hoͤll mit ihren gehn / ein Schlang auß der Mutter Mund / in ihr der Tochter Kriechet / anjetzt seynd beyde z`Grund. 14. Anjetzt ihr fromme Christen / secht hier nun allbereit / wie GOtt die Straffen richtet / nach seiner Grechtigkeit / jedem nach seiner That / wies jeder thut verdienen / mit Straffen oder Gnad. 15. Thu bitten eines bitten / daß uns die Goͤttlich Gnad / nicht werde abgeschnit⸗ ten / wann man sie einmahl hat / und aller Leben sey / den hoͤchsten GOtt zu preisen / hier und im Himmelreich. ENDE. Show less

Raub- und Mordgeschichte aus dem Siebenbürgenland, 1725
Ein warhafftiges aber zugleich trauriges Zeitungs⸗Lied / Von einer Gottlosen Moͤrder⸗Bande / welche in dem vergangenen Winter im Siebenbuͤrger⸗Land / unweit Ungarn / mit Rauben / Moͤrden / Staͤhlen / und anderen Schand⸗Thaten / grossen Fref⸗ fel veruͤbet / doch endlich auff einem Schloß... Show more Ein warhafftiges aber zugleich trauriges Zeitungs⸗Lied / Von einer Gottlosen Moͤrder⸗Bande / welche in dem vergangenen Winter im Siebenbuͤrger⸗Land / unweit Ungarn / mit Rauben / Moͤrden / Staͤhlen / und anderen Schand⸗Thaten / grossen Fref⸗ fel veruͤbet / doch endlich auff einem Schloß von einer Edelfrawen einge⸗ than / und der Justitz gefaͤnglich uͤber⸗ lieferet worden / von welcher sie saͤmt⸗ lich den wohl⸗verdienten Lohn em⸗ pfangen haben. Dieses alles hat der geneigte Leser in diesem Gesang außfuͤhrlich zu vernem⸗ men. Jm Thon: Kompt her zu mir / spricht GOttes Sohn / rc. Gedruckt im Jahr Christi 1725. 1. NUn hoͤret an insonderheit / was kuͤrtz⸗ lich thaͤt geschehen / was sich im Sie⸗ benbuͤrger⸗Land / erst neuͤlich hat be⸗ geben / mit einem grossen Moͤrder⸗Band / mit Unzucht trieben sie groß Blutschand / die fuͤhren ein schlimmes Leben. 2. Der Muͤssiggang ist jederzeit / Der Anfang aller Suͤnden / Ach Christenmensch nur diesen meyd / du wirst kein Nutzen fin⸗ den / wann du muͤssig das Leben dein / hier und dort der Lohn wird seyn / Ewig ach Weh wirst singen. 3. Erfahren haben dieses eben / sechsze⸗ hen muͤssig Gesellen / weil sie gefuͤhrt ein gottloß Leben / mit Rauben und mit Staͤh⸗ len / mit Fressen / Sauffen allerhand / mit Unzucht trieben sie groß Blutschand / thun viel Laͤnder durchlauffen. 4. Etlich die waren schon ein lange Zeit / in Kriegs⸗Zeiten dermassen / und da uns nun der Fried erfreut / hat man sie all ent⸗ lassen / arbeiten wolten sie gar nicht / im Baͤttlen hat man ihnen nicht / nach ihrem Willen geben. 5. Nicht weit ein Orth von Herman⸗ statt / der Jahrmaͤrckt war erwoͤhlet / das Moͤrder⸗Gsindel sich da hat / gottloß zusam⸗ men gsellet / und haben da gantz in der still / daß sie seyn woͤllen eines Will / ob gleich die Seel verlohren. 6. Gantz einhaͤllig sie thaͤten wohl / ein Commendanten machen / der sie auff Par⸗ they fuͤhren soll / zu erbeuͤthen viel Sachen / sie nennen ihn mit Nahmen Frißferr / Er commandiert sie hin und her / groß Scha⸗ den thaͤt man spuͤhren. 7. Auf zwey oder biß drey Parthey / beym Tag sie herumb strichen / der Com⸗ mandant war auch nicht frey / außspaͤhen mußt dergleichen / wo sie zu pluͤndern wer⸗ den dann / zwey Handwercks⸗Bursch sie treffen an / haben ihnen ihr Sach genom⸗ men. 8. Der Commendant auch jederzeit / ein Raͤuber mit sich fuͤhret / der ihnen Kund⸗ schafft bringt beyzeit / daß sich keiner verir⸗ ret / Er thut zu Nacht mit seinem Gespan / er raubt und stihlt was er nur kan / groß Unzucht thaͤt er treiben. 9. Und wann die Leuth in groͤster Ruh / am besten thun sie schlaffen / der Commen⸗ dant schickt Botten zu / die Moͤrder sich auf⸗ machen / dann er den andern mit grosser Freud / im Hauß koͤnten sich auch die Leuͤth / gegen dem Gsind nicht wehren. 10. Sechs Moͤrder muͤsten Schiltwacht stehn / vor allen Thor und Thuͤren / die an⸗ dern sechs den Haußmann thun / starck martern und tractieren. 11. Die Leuͤth sie auch bey den Fuͤssen / gantz moͤrderisch sie auffhencken / auf daß sie alles gestehen muͤssen / an GOTT sie nicht gedencken. 12. Viel Menschen muͤssen allbereit / durch diese Marter sterben / kein Gnad / ja kein Barmhertzigkeit / kein Huͤlff war zu erwerben / umb Barmherzigkeit bitten sie / man thaͤt sie martern jaͤmmerlich / viel Schmertzen sie erlitten. 13. Weil sie so viel Mordthat und Schand / auch viele Suͤnd und begangen / die Leuͤth gepeiniget in dem Land / endlich hat mans gefangen / dann GOtt den Suͤndern geben thut / weil sie so viel unschuldigs Blut / gebracht umb ihr junges Leben. 14. Hoͤret Wunder was sich zugetra⸗ gen / mit diesen Raͤubers⸗Leuͤthen / nach dem Dorff Samusch thaͤten fragen / sie giengen hin mit Freuden / ein reiche Edel⸗ fraw wohnet dort / das Schloß ein Vier⸗ telstund von dem Ort / entfernet waren eben. 15. Der Commendant mit seinem Ge⸗ span / spath in das Schloß thaͤt lauffen / und sagt wie sie vernommen han / ein Kuh wolt dFraw verkauffen / den Kauff man alsbald machen thaͤt / die Kuh sie gleich bezahlten / der Commendant gebaͤtten haͤt / uͤber Nacht solt mans behalten. 16. Die Edelfraw sie willig auffnahm / sie solten verlieb nemmen / als in der Nacht zwey Burgers⸗Mann / das Nachtmahl sie bekaͤmen: Ach GOtt wie falsch sind diese Gaͤst / und da man schlieff auffs allerbest / niemand sie da verschonten. 17. Umb Mitternacht das Moͤrder⸗ Gsind / waren zusam̄en kommen / sie mach⸗ ten eines Feuͤr geschwind / niemand hat diß vernommen / ermoͤrdten im Schloß alle Leuͤth / O moͤrderische Grausamkeit / laßt euchs doch gehn zu Hertzen. 18. Da die Dienst⸗botten ins gemein / schon all ermoͤrdet waren / zu der Frauen giengen sie hin / ohn all und jede Gefahre / begehrten da viel Geldt und Gut / umb Huͤlff schreyt das unschuldig Blut / kein Gnad war zu erwerben. 19. Ein Kammer⸗Jungfer so da war / mit der Frauen schlaffen gangen / die muͤßt denen Moͤrdern zeigen an / wo sie das Geld bekommen / ein Gewoͤlb mit einer eisernen Thuͤr / sie mußten ihnen auffsperren viel / Geldt und Gut sie funden hier / man thaͤt ihnen nicht wehren. 20. Sechs thun bey der Fraw Schildt⸗ wacht stehn / den Raub die andern nahmen / sie sprachen die Fraw solt auch mitgehn / daß sie auch Beuth bekamen / ein jeder in grossen Freuden war / die Fraw die nahm sie all fuͤrwahr / auff einmahl da gefangen. 21. Ein jeder nahm sein Portion / die Fraw zuruck hat muͤssen / kein Raͤuber sie nicht sahe an / das Gewoͤlb thaͤt sie zuschlies⸗ sen / außwendig legts die Aerben an / kein Raͤuber ihm nicht helffen kan / gefangen sie all waren. 22. Die Jungfraw das unschuldig Kind / wolten sie da zerhauen / wann sie nicht da auffmacht geschwind / die Fraw soll auff sie schauen: Ach nein die Fraw hoͤrt sie nicht an / sie fand ermoͤrdet Weib und Mann / die Jungfraw sie zerhauen. 23. Worauf sie mit etlich Bund Stroh / ein grosses Feuͤr thut machen / die Edelfraw war auch gar froh / daß Laͤrmen koͤnte ma⸗ chen: Die Leuͤth die luffen haͤuffig dar / man braucht kein Wasser da fuͤrwahr / son⸗ der nur Band und Ketten. 24. Sie wurden gleich gefangen ein / vors Gricht man sie thaͤt fuͤhren / mit mar⸗ tern und mit grosser Pein / thut mans exa⸗ minieren / da wurden alle Ubelthat / das Moͤrder⸗Gsindel viertzig Tag / hat kuͤrtz⸗ lich bracht umbs Leben. 25. Das Urtheil da gesprochen war / sie solten sich nur schicken / sie muͤßten alle ster⸗ ben gar / mit Zangen thaͤt mans zwicken: Der Commendant an Spieß hinan / sechs durchs Rad musten sterben durchs Schwert die andern sieben Mann / kein Gnad war zu erwerben. 26. Sechs Coͤrper legt man auff das Rad / Ertz⸗Raͤuber warens dermassen / die andern sieben auch geviertheilet hat / und gesteckt auf die Strassen / die zwey Weibs⸗ bilder mußten auch / am Strick den Geist / aufgeben / weil sie nach Diebischem Ge⸗ brauch / gefuͤhrt ihr gantzes Leben. 27. Sie schreyen alle ins gemein / JE⸗ sus thun dich erbarmen / die Seelen sollen dir eigen seyn / nimb sie in deine Armen / errette uns von der Hoͤllen⸗Qual / Ach JEsus in dem Himmels⸗Saal / thu un⸗ ser Seel erdulden. 28. O Mensch betracht den Schmertzen groß / was diese muͤssen leyden / in Schand und Spott nackend und bloß / von der Welt muͤssen scheiden / Der Commendant vier Tag und Nacht / an dem Spieß thaͤte le⸗ ben / endlich man ihn erschossen hat / in GOtt sein Geist aufgeben. 29. Jhr Menschen⸗Kinder nemmet all / ein Exempel dergstalten / Ach meydet doch den Suͤnden⸗Fall / ihr Jungen und ihr Alten / Ach sehet wie GOtt darneben straf⸗ fen thut / Mord / Brand / Unzucht / und wann so viel unschuldigs Blut / gebracht wird umb das Leben. 30. Es waͤhrt allhier ein kleine Zeit / den Himmel thu erwerben / O Mensch be⸗ tracht die Ewigkeit / wann du wilt saͤlig sterben / Meyd Suͤnd und Schand / auch Mord und Brand / allhier auf dieser Er⸗ den / und foͤrchte GOttes gerechte Hand / so wirst du saͤlig werden. E N D. E. Show less

Wundergeschichte aus Warschau, 2. Januar 1726; Geistl. Lied: Mir schmecket oft der Kelch sehr herbe
Wahrhaffte Neue Zeitung, Welche sich den 2. Januarii, in die⸗ sem neu angehenden 1726. Jahr uͤber der Stadt Warschau in Pohlen begeben, Da man am Himmel eine Ruthe und ein Schwerdt, nebst noch vielen andern Wun⸗ der⸗Zeichen gesehen hat, Wie dieses alle fromme Christen aus fol⸗ genden... Show more Wahrhaffte Neue Zeitung, Welche sich den 2. Januarii, in die⸗ sem neu angehenden 1726. Jahr uͤber der Stadt Warschau in Pohlen begeben, Da man am Himmel eine Ruthe und ein Schwerdt, nebst noch vielen andern Wun⸗ der⸗Zeichen gesehen hat, Wie dieses alle fromme Christen aus fol⸗ genden Gesange ersehen werden, Wach auf, du werthe Christenheit, steh auf vom Schlaf rc. Nebst noch einem schoͤnen Geistlichen Liede, Darinnen sich ein betruͤbter Mensch aufs beste troͤsten kan, Mir schmecket offt der Kelch sehr herbe, rc. Gedruckt im obigem Jahr. Jm Thon: Es ist gewißlich an der Zeit, rc. 1. WAch auff du werthe Chri⸗ stenheit, steh auf vom Schlaff der Suͤnden, der Tag des HErren ist nicht weit, wie sein Wort thut verkuͤnden, darzu die schreckliche Wunder groß, wie es erfahren ohn Unterlaß, an man⸗ chen Ort und Enden. 2. Wie mans neulich gesehen hat, in Pohlen⸗Land gar eben, in der sehr wohlbekannten Stadt, Warschau thut mich verstehen, da ließ GOtt durch sein Groß Allmacht, solch Zei⸗ chen stehn drey Tag und Nacht, wie ihr solt weiter hoͤren. 3. Den 2ten Januar in diesem Jahr hoͤret und sah man klagen, um zwey Uhr nach dem Mittag dar, der Him⸗ mel ward gantz blaue, mit Donnern und mit Blitzen groß, drey gantzer Stund ohn Unterlaß, bis in die Nacht ich sage. 4. Der Himmel sich gantz weit auf⸗ thaͤt, hoͤrt zu der Wunder⸗Dingen, drey Engel sah man an der Staͤtt, in Wolcken lieblich singen, da ward der Himmel hell und klar, ein feurig Sonn und Ruth alldar, samt einem Geschuͤtze stehen. 5. Die Wolcken wurden wie lauter Feur, die vier Winde thaͤten blasen, weh, weh, schryen die Engel drey, O Mensch, thu es wohl fassen, laß ab von Hoffart, Laster und Schand, be⸗ kehre dich, o Pohlen⸗Land, GOTT wird straffen geschwinde. 6. Ein Schwerdt sah man am Him⸗ mel stahn, samt andern Sternen kla⸗ re, o Mensch, schau doch die Wunder an, die uns GOtt offenbahret, ein Stim̄e schrie jaͤmmerlich, o Mensch, O Mensch bekehre dich, viel Creutzer sah man stehen. 7. Die Winde man sehr wehen sah, von Abend bis an Morgen, das war bis an den dritten Tag, die Menschen stunden in Sorgen, viel Haͤuser warffen die Winde ein, da ward zer⸗ quetschet groß und klein, von Mann Weib und auch Kinder. 8. Unten hoͤrt man einen hellen Klang in Wolcken lieblich singen, wie ich melde in diesem Gesang, drey Engel vom Himmel sich schwungen, herun⸗ ter auf den Kirchhoff dar, was ich euch singe das ist wahr, von diesen schrecklichen Dingen. 9. Von solchen Singen in der Stad, thaͤt sich groß Wunder begeben, die Kirche da geoͤffnet ward, die Thuͤrme thaͤten beben, die Pfarrherrn und ein ehrbahr Rath, diese Geschicht gese⸗ hen hat, ist wahr und nicht erlogen. 10. Komm bald mit deinem Juͤngsten Tag, und thu uns doch erloͤsen, hilff uns aus aller Noth und Plag, errette uns vom Boͤsen, hilff uns aus allem Hertzeleyd, gib uns nach dieser be⸗ truͤbten Zeit, die ewige Seeligkeit. Amen. Ein Anders. Jm Thon: Wer nur den lieben Gott laͤst rc. MJr schmecket offt der Kelch sehr herbe, wenn ich zum Creutzes Tische geh, ich sorge, daß ich fall und sterbe, und nicht das Land des Lebens seh, mit Wermuth und mit Gall getraͤnckt, werd ich zuletzt ins Grab gesenckt. 2. Mein Heyland, durch dein willig trincken, nimm weg die zagend Unge⸗ duld, laß mich im Schlamm nicht gar versinckẽ, versuͤsse mirs durch dei⸗ ne Huld, dein voller Creutz⸗Kelch mir verley, das ich im Creutz geduldig sey. 3. Wir musten dich zum Mittler ha⸗ ben, der heilig ist und unbefleckt, un⸗ schuldig und voll Himmels⸗Gaben, den eigne Schuld nicht angesteckt, dein Unschuld macht uns loß und rein, die wir verdammet solten seyn. 4. O heilge Unschuld, Sonn ohn Fle⸗ cken, viel reiner als der weisse Schnee, dich wollen boͤse Klaͤger schrecken, dir thaten falsche Zeugen weh. Jedoch du liettest das fuͤr mich, denn meine Schuld verklagte dich. 5. Hat nun der HErr so viel erduldet, warum will denn der arme Knecht nicht leiden was er wohl verschuldet, da er empfaͤngt ein gnadig Recht, der sonst durch seine Suͤnden⸗That, weit groͤßre Straff verdienet hat. 6. Es ist das Creutz das rechte Zei⸗ chen, dabey der HErr die Seinen kennt, und wer von dieser Bahn will weichen, der wird nicht wuͤrdig auch erkennt, daß ihn wie Frommen dort gebuͤhrt, des Himmels Sieges⸗Kro⸗ ne ziert. 7. Daß gantze Leiden dieser Erden, ist ja nicht werth der Herrlichkeit, die an uns offenbahr soll werden, vor GOtt in jener Ewigkeit. Hie ist der Kampff nur dort der Lohn. Hie ist der Sieg und dort die Kron. 8. Es kan doch hie nicht lange dau⸗ ren, der HErr weiß schon die Helf⸗ fens⸗Zeit, den Abendlang nur waͤhrt das Trauren, der Morgen dort bringt Wonn und Freud, wenn mit der Uberwinders⸗Kron, wir stehen vor des Lammes Thron. 9. Der treue Hirt versaͤumet keinen, wer solte denn verlohren gehn. Jch kenne, spricht er, all die Meinen, die mir in Hertz und Haͤnden stehn, ihr Schuͤtz ist meine Krafft und Treu, drum bleibt mein Schirm stets ihnen neu. 10. Wer aber ihn scheut zu bekennen, den kennet JESUS wieder nicht. Drum will ich mich den Deinen nen⸗ nen: Und wenn ich trete fuͤr Gericht, so kenne mich mein Heyland du, sprich dieses Hertz gehoͤrt mir zu. Show less

Ach schönes Schweizerland; Grüß Dich Gott mein lieber Jack; Wer liebet ein lustiges Leben;
Drey schoͤne neue weltliche Lieder, Das Erste. Ach schoͤnes Schweizer⸗Land / wie lebst du im vergnuͤgten / rc. Das Ander: Gruͤß dich Gott / mein lieber Jack, Wie hat deine Naß ein, rc. Das Dritte: Wer liebet ein lustiges Leben / Der folge meinem Rath / rc. Getruckt unter der Preß, Mein... Show more Drey schoͤne neue weltliche Lieder, Das Erste. Ach schoͤnes Schweizer⸗Land / wie lebst du im vergnuͤgten / rc. Das Ander: Gruͤß dich Gott / mein lieber Jack, Wie hat deine Naß ein, rc. Das Dritte: Wer liebet ein lustiges Leben / Der folge meinem Rath / rc. Getruckt unter der Preß, Mein nicht vergeß. Das Erste. ACh schoͤnes Schweizer⸗Land / Wie lebst du im vergnuͤgten Stand / Vom Kriegen hast du gute Ruh, Jch wuͤnsche dir viel Gluͤck darzu, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 2. Von Gott bist du begluͤckt, Weil dir Gott den Frieden schickt, So dancke Gott vor diese Gnad, Der Krieg bringt dir ja keinen schad, O schoͤnes Schweitzer⸗Land, 3. Ein schoͤnes freyes Land, Jst in der gantzen Welt bekannt, Du liebest die Gerechtigkeit, Die zu erhalten sinds bereit, Ach schoͤnes Schweitzer⸗ Land. 4. Sie stehen in gutem Mut, Wachtsam in aller Huth, Sie ihre Sach haben gar wohl be⸗ stellt, Dem lieben Gott es also gfaͤlt, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 5. Haͤnd gar ein schoͤne Mannschafft, Von Courage und grosser Krafft, Sie sind nicht unter⸗ thaͤnig, Dem Kayser noch dem Koͤnig, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 6. Sie dienen zwar uns Geld, Dem Herren der sie braff bezahlt, Sie werden in der Welt ge⸗ liebt, Jm Kriegen sind sie wohl geuͤbt, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 7. Jn schoͤner Qualitaͤt / Dienen sie Jhr Ma⸗ jestaͤt, Wann einer kommt zun Jahren, Muß er den Krieg erfahren, O schoͤnes Schweizer⸗Land. 8. Marschieren sie ins Feld / So sind es tapf⸗ re Held, Jch thu nun nicht hoffieren, Mit schoͤnem Exercieren, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 9. Geht es nun vor den Feind, Ab dem sie unerschrocken sind, Deß darff man kecklich denken, Jhr Muth thut ihn nicht sincken, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 10. Man dencke nun und schau, Jhr Vieh laufft dort auf gruͤner Au, Es ist nun eine Lust und Freud / Das Feld steht schoͤn mit Obs und Treyd, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 11. Der Rebstock gibt sein Wein, Den sie im Frieden schencken ein, An Milch und Kaͤß, und gutem Brod, im gringsten habens keine Noth, Ach schoͤnes Schweitzer⸗Land. 12. Der Herr und Unterthan, Jm Frieden einander schauen an / Lieben einander auf alle Weiß, Die Ruh zu erhalten mit gantzem Fleiß, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 13. Das ist eine schoͤne Sach, Wann man im dencket nach, An Nahrungs⸗Mittlen fehlet nichts, Mit Geistlich, Weltlich, wohl eingricht, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. 14. Jch wuͤnsche euch von Herzen⸗Grund, Den Frieden nach viel Jahr und Stund, Weils Gott so gefallen thut, Er schencke euch viel Krafft und Muth, Ach schoͤnes Schweizer⸗Land. Das Andere. Hans. GRuͤß dich Gott mein lieber Jack, Wie hat deine Naß ein Hack. Ey wie bist du doch so Rahn, Der Krieg ficht dich gwiß auch an, Oder must du so starck hacken, Daß du hast so schmahle Backen. Jack. 2. Schau du nur mein lieber Hans, Du hast ein Halß wie ein Ganß, Solt mir nicht sein um den Krieg, Oder sage das ich lieg, Wann die Teutschen nicht waren am Rhein, Moͤchten dFranzosen kommen herein. Hans. 3. Es ist nicht so gar uͤbel, Man wird ihn schon braten Zwibel, Der ihn nicht wird wohl gschme⸗ cken, Man wird sie angreiffen an allen Ecken, Laß nur ihnen ihren Gang, Man wird ihnen singen ein ander Gsang. Jack. 4. Ey ich moͤcht doch gerne wissen, Wo die Saͤnger waͤren haͤr, Es muͤßt mich doch nicht verdriessen, Wanns nur Holl⸗ und Engeland waͤr, Das ihnen wie vor 40. Jahren, Thaten braff die Hauth erbehren. Hans. 5. Naͤrscher Jack du must warten, Es wird ihnen schon noch gerathen, Du meinst es faͤhlt ihnen an Churasche, Sie muͤssend haben Futtrasche, Es ist ist jetzt erst mitt im Mey, Sie muͤssen han Graß oder Heu. Jack. 6. Die Soldaten thund es sagen, Wie sie dFranzosen wollen schlagen, Bleiben aber gar Sitzen, Jndessen muͤssen wir braff schwitzen, Also uͤbel ists bewandt, Es kost viel Geld in unserm Land. Hans. 7. Glaub es nur mein lieber Bruder, Man brauchet jetzt ein ander Ruder, Man wirds nicht auf die alte Weiß / Jhnen alles lassen Preiß, Must nicht glauben jedem Tropffen, Man wird sie gar maͤchtig klopffen. Jack. 8. Ey du sagst mir wohl vom Klopffen, Wann man auf mehr Leut duͤrfft hoffen, Man sagt im⸗ mer von den Preussen, Jndeß thut uns der Gu⸗ gug bscheissen, Das Ankommen waͤhrt schon lang, Mithin ist mir angst und bang. Hans. 9. Jackel du hast ein grosse Sorg, Sie werden nicht lang lang thun auf Borg, Sie haͤtten in gern weg vom Rhein, Dannach wend sie hinder ihm nein, Gott geb ihnen Gluͤck darzu, Dem Frantzoß ausziehen Stiffel und Schuh. Das Dritte. Jm Thon: Was helffen mich tausend Ducaten / rc. WEr liebet ein lustiges Leben / Der folge meinem Rath Er laß sich Handgeld geben, Und werde ein Soldat, Wir leben ohne Sorgen, Sind froͤlich allezeit, und zehren sonder borgen, Man ist uns stets bereit. 2. Bey allem Depouschiren, Jst uns all⸗ zeit hold / Weil wir gleich contentiren, Den Wirth vom Monat⸗Sold, Kein grosse Schuld wir ma⸗ chen, Uns mahnt kein Creditor, Wir haben die besten Sachen, und leben stets im Flohr. 3. Viol⸗ vnd Waldhornisten, Bey Werbung fruͤh vnd spath, Uns dienen Hautboisten, und Tambour auf Parad, Des Morgens fruͤh Vi⸗ cater, und Abends Zapffenschlag, Man hoͤrt bey dem Geschwader, Viel Neues Nacht und Tag 4. Wann wohl noch Mem gesogen, Doch mancher Mutter⸗Sohn / So ist man aufgeozogen, und faßt den Posten schon, Wohin man comman⸗ diret, Da dieser also geht / biß deß ihn der abfuͤhret, So nach ihm Schildwacht steht. 5. Wann es dann geht vom Posten, So greifft man in den Sack, Wann jener macht Un⸗ kosten, und raucht ein Pfeiff Taback, Kommt uns zum Essen, Trincken, nun an der Appetit, So duͤrffen wir nur Wincken, Ums Geld und auf Credit 6. Die eine Nacht gewachet / Die andere drauf ins Bett / Wir ziehen ab wanns taget / mit Flinth, Patron, Bagnet, Sind wir denn frey vom Wa⸗ chen. So gehen wir aufs Biquet, Bey allen un⸗ sern Sachen, Plaissier, Commoditaͤt. 7. Ha, moͤcht wohl mancher sagen, Jhr seyd doch wahrlich nicht allzeit befreyt von Plagen, Der Muth euch ort gebricht, Wann Pfahl und Esel draͤuen, Verachten unsere Pflicht, So duͤrf⸗ fen wir nicht scheuen, Kein Spißruth / Hochgericht. 8. Wir dienen Kayser, Koͤnigen, um Kleidung, Ehr und Geld, Der Ruhm ergoͤtzt nicht weniger Wenn uns ein Sieg zufaͤlt, Bald sind wir in Approschen, Bald stehen wir in dem Feld, Doch allzeit wohl bey Groschen, Und nimmer ohne Geld. 9. Wann wir ein Stadt bloquiren, Siegen durch Mannheit da, So thun wir drinn campie⸗ ren, Nach der Victoria / Dann laufft die Tour zu Wasser, Dann geht der Marsch zu Land, Bald heißt man uns Aufpasser, Oft kurtz drauf Herr Scherschant. 10. Jetzt bin ich Musquetierer, Bin submiß, hab Regard, Vor den Herrn Oficierer, und auch Fortun erwart. Das Gluͤck das thut schanschiren, Und nimmt gar manchen mit, Ein Corpus nach⸗ zufuͤhren, Und steckt ihn in das Glied. 11. Der ein wird prommoviret, Und wird ein Fehndrich schnell, Dem man schon gratuliret, Zu einer Lieutenant⸗Stell, Der ander ein Gefrey er, So vor hoͤrt in die Zahl, Er denckt du wirst schon weiter, Wohl auch noch Corporal. 12. Wie mancher ist gewesen, Vorhin ein Ar⸗ gedant, So auch das Gluͤck genesen, Und ist nun Commandannt, Uns muß Honnet verhalten, Kein Stell versagen nicht, Den Jungen, wie den Alten, Doch alles nach Meritt. 13. Werd ich kein Oficierer, Acht ich es nicht ein Dant, So bleib ich Musquetirer, Bin einweg doch contant: Drum Bruͤder laßt flangiren, Die ihr seyd engaschirt, Und thut behertz braviren, Weil uns nichts manquirt. ENDE. Show less

Desertation und Bestrafung des Soldaten Friedrich Schultze, Breslau; Lied eines Delinquenten
Nachricht von einer traurigen Begebenheit welche sich in Breßlau in Schlesien, mit einem Soldaten , Namens: Fried. Schultze zugetragen, welcher 17mal desertirt und das 17temal von zwoͤlf Bauern, nicht weit von einem Dorfe, angehalten worden; von diesen aber, weil er ge⸗ wußt, daß er zum... Show more Nachricht von einer traurigen Begebenheit welche sich in Breßlau in Schlesien, mit einem Soldaten , Namens: Fried. Schultze zugetragen, welcher 17mal desertirt und das 17temal von zwoͤlf Bauern, nicht weit von einem Dorfe, angehalten worden; von diesen aber, weil er ge⸗ wußt, daß er zum Strange verurtheilet werden wuͤrde, einen erschossen, und zwey mit dem Sei⸗ tengewehr gefaͤhrlich verwundet hat; fuͤr welche ruchlose That er mit dem Strange vom Leben zum Tode gebracht worden. Nebst einem von Delinqenten selbst verfertigten Liede. Mancher Mensch ist so verblendet, daß er seinem Ungluͤcke muthwillig ent⸗ gegen eilet. Er laͤßt sich weder ra⸗ then noch warnen; sondern folget seinen gottlo⸗ sen Trieben, bis er sich endlich selbst in die Gru⸗ ben des Verderbens stuͤrzet. Hiervon hat man ein abermahliges Beyspiel an einem Soldaten in Breßlau. Dieser Mensch, Namens Friedrich Schultze, 36 Jahr alt, war schon 16mal desertirt. Als er das 16temal wieder nach Breß⸗ lau zuruͤck gebracht, ward ihm zuerkannt, daß er, wenn er noch einmal desertiren wuͤrde, mit dem Strange am Leben gestraft werden sollte. Er ließ sich aber, durch diese Drohung nicht ab⸗ schrecken; sondern desertirte des Nachts um 12 Uhr zum 17tenmahle. Ehe er noch an das naͤch⸗ ste Dorf kam, begegnete ihm ein Bauer. Die⸗ sen fragte er, wo der Weg hingehe. Der Bauer antwortete: Er sey gewis ein Deserteur. Dieser erwiederte: Er sey von Breßlau commandirt, 2 Recruten abzuhohlen. Der Bauer gieng al⸗ so von ihm. Ehe aber der Deserteur noch in das Dorf kommen konnte, kamen ihm 12 Bauern entgegen. Er wußte, daß er, wenn er sich von den Bauern wieder zuruͤck nach Breßlau brin⸗ gen ließe, nichts gewißer, als den Tod, zu er⸗ warten hatte; faßte daher den desperaten Ent⸗ schluß, sich den Bauern mit Gewalt zu wider⸗ setzen; erschoß einen von ihnen, und zwey an⸗ dern brachte er mit dem Seitengewehr gefaͤhrli⸗ che Wunden bey. Die Bauern aber ließen ihn dennoch nicht entwischen, sondern entwaffneten ihn, und brachten ihn nach Breßlau; woselbst er, wie er es verdient, mit dem Strange hin⸗ gerichtet worden. Moͤchte doch kein Soldat mehr auf die gottlosen Gedanken kommen, sei⸗ nen theuern Eyd zu brechen! Es bleibt doch kei⸗ ner ungestraft. Wer aber treu, und ehrlich dient, der wird, als ein rechtschaffener Soldat, mit Ehren leben und sterben. Hier folgt noch das Lied, weiches der Deserteur selbst gemacht hat. Lied des Delinquenten. Den Preussen thaͤt' ich mich verschreiben, Auf lebenslang getreu zu bleiben; Doch kaum vergieng ein halbes Jahr, So gab ich mich in die Gefahr. Und eh' ich kam ans Dorf heran, Begegnet mir ein Bauersmann. Er sprach: Mein Freund! wo kommt ihr her? Jhr seyd gewis ein Deserteur. Jch aber excusirte mich, Und sprach: Mein Freund, glaubt sicherlich, Jch bin von Breßlau commandirt, Und habe mich vom Weg verirrt. Der Bauer gieng ins Dorf hinein, Und sprach, ich werd bald bey euch seyn, Und eh' ich noch kam vor sein Haus: So kamen schon 12 Bauern raus. Hier dacht ich vielmal hin, und her Bald in die Laͤng, und in die Queer. Endlich schoß ich ab mein Gewehr, Und sprach, ich bin ein Deserteur. Sie fuͤhrt'n mich in den Krug hinein, Und schrien, Bier, und Branntewein Und schrien, Bier und Branntewein her, Wir haben einen Deserteur. Als sie genug gesoffen dort, Brachten sie mich zu dem Transport, Und schlossen mich an Hand und Fuß, So, daß ich jetzo klagen muß. Und als ein klein Commando kam, Und mich sogleich nach Breßlau nahm, Ward mir durchs Kriegsrecht zu erkennt, Daß ich solt werden aufgehaͤngt. Jch bat zwar meinen General Noch um Pardon dies einz'ge Mal. Worauf Er mir zur Antwort gab: Mein Sohn! fuͤr dich ist keine Gnad. Du bleibest mir doch nicht getreu, Vom Strang kannst du nicht bleiben frey. So muß ich denn zum Tode gehn, Und will zu Gott um Gnade flehn. Show less

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