Klaglied zum Tod von Kaiserin Anna
Soͤhnliches KlagLied. Vber den trawrig: vnd toͤdt⸗ lichen Abschied auß diesem Jammer⸗ thal / Weyland der Allerdurchleuchtigisten / Hochgebornen Fuͤrstin vnnd Frawen / Frawen Annae / Gekroͤnten Roͤm: Keyserin / So den 14. Decembris 1618. seelig⸗ lich in GOtt dem HErren entschlaffen. ... Show more Soͤhnliches KlagLied. Vber den trawrig: vnd toͤdt⸗ lichen Abschied auß diesem Jammer⸗ thal / Weyland der Allerdurchleuchtigisten / Hochgebornen Fuͤrstin vnnd Frawen / Frawen Annae / Gekroͤnten Roͤm: Keyserin / So den 14. Decembris 1618. seelig⸗ lich in GOtt dem HErren entschlaffen. Gedruckt zu Augspurg / bey Johann Schultes. 1. HOer auff mein Seel trawr nit so sehr / ob schon dein Suͤnd seynd noch so schwer / verzag nicht in deinem Gewissen / thu zu der Buß dein Hertz auffschliessen. 2. Ob schon dein Suͤnd seynd noch so schwer / gleich wie der Sand im tief⸗ fen Meer / soltens dir doch werden ver⸗ geben / damit du koͤnnest ewig leben. 3. Darum̄ mein Seel sey vnverzagt / gedenck was JEsus gelitten hat / be⸗ tracht sein bitter Leyden vñ Sterben / so wirst du Gnad vnd Hilff erwerben. 4. Dann ausser deß kein Beystand mehr / dann nur der Todt all vnser Herr / welcher mit einer kurtzẽ schlacht / vns bald zu Staub vnnd Aschen macht. 5. Ob ich schon war ein Keyserin / darzu ein maͤchtige Koͤnigin / von Ge⸗ schlecht ein Ertzhertzogin / hat er mich doch genommen hin. 6. Ob ich schon war ein adelich Weib / in schoͤne Rosen / von Adams Zweig / so moͤcht ich doch entrinnen nit / mein gantzes Leben war jhm verpflicht. 7. Er fuͤrchtet nit mein guͤldine Cron / weder mein Keyserlichen Thron / mein Gwalt / Reichthum̄ vnd alle Pracht / er hats verspott vnd nur verlacht. 8. Mich halff auch nit meins Gma⸗ hels Recht / ob er schon hatte Ritter vnd Knecht / darzu vil guter Artzt zur stund / kein Gwalt noch List doch ret⸗ ten kund. 9. Mich verliessen meine Koͤnigreich / Jhr Lieb / der Keyser auch deßgleich / kein Dienerin war da bereit / die mir wolt geben das geleit. 10. Sondern ich muͤst allein von hinn / hab nur ein kleinen Sarch zu Gwin / darin der Leib zwar ohne Schmertz / den Wuͤrmen ist ein speiß vnd schertz. 11. Ob er gleich ziert mit Edelgestein / so hat er nichts dann Todtenbein / O Mensch sih zu / fleissig betracht / also zergeht all weltlich Macht. 12. Die ich vor war ein Keyserin / lig jetzund da ohn allen Sinn / hab auch nit mehr so viel Gewalt / das mit ein Wurm nit schaden solt. 13. Da doch zuvor all meinen Willen / ein jeglicher bald must erfuͤllen / der je⸗ tzund zwar hie vor mir steht / doch ob meim Leib ein abschew tregt. 14. Weil dann all weltlich Frewd ver⸗ geht / vnd vor dem Todt kein Macht besteht / so sollen wir lieber zeitlich fah⸗ ren / dann lang mit Sorgen auff jhn harren. 15. Welches ich dann vollendet hab / hertzlieber Gmahel kompt bald her⸗ nach / last euch nicht halten Gut noch Ehr / was ewig ist das bleibt vielmehr. 16. Ob jhr schon hie bleibt lange zeit / hett jhr doch nichts dann Schmertz vnd Leyd / drumb richt ewr Sach / euch selbst erkent / zu Trost ich euch diß Vr⸗ laub send. 17. Du Heligs vnd Roͤmische Reich / such deinen Stand ein Koͤnig gleich / welche dich fuͤhrt zu Gottes Ehr / wi⸗ der all Feind vnd Tuͤrcken Wehr. 18. Jhr Vngern / Boͤhm vnd andere mehr / dem Koͤnig gebt sein schuldige Ehr / so wird euch GOtt mit seiner Hand / wenden all Mißfall in dem Land. 19. Dich aber liebes Vatterland / be⸗ fehl ich Gott in seine Hand / sambt dem gantzen Hauß Oesterreich / Gott woͤll euch schutzen all zugleich. 20. Vor Pestilentz / Krieg / Hungers⸗ noth / die Haͤupter vor den gaͤhen Todt / in Frid vnd Wolfahrt jederzeit / Ade von euch ich jetzund scheyd. 21. Mein Leib wolt legen in die Erd / die Seel aber zu GOtt sich kehrt / von dem sie kommen war vorher / das sie das ewig Reich begehr. 22. Welches Er jhr versprochen hat / bey seiner Goͤttlichen Majestat / vnnd durch das bitter Leyden schon / JEsu Christi seins einigen Sohn. 23. Maria Mutter GOttes rein / sambt Leopold mir zu Huͤlff erschein / bey JEsu deinem lieben Kind / das mir verzyhen werd meine Suͤnd. 24. Darzu Christliches Hertze mein / sprich: Woll dir GOtt genaͤdig seyn / so fahr ich dann selig dahin / vnd werd erst recht ein Keyserin. 25. Regier mit Christo ohne Leyd / im Him̄el ohn zergãnglichkeit / da nichts dann vnaußsprechliche Frewd / von nun an biß in Ewigkeit / AMEN. ENDE. Show less

Bericht über Hexen bei Dillhofen, 1650
Erschreckliche Newe Zeitung / Welche sich begeben vnd zu⸗ getragen in diesem 1650. Jahr / in der Oster⸗ Nacht / im Schweitzer Gebirge / bey der Stadt Dill⸗ hofen auff einem Dorffe Dimdurff genandt / in wel⸗ chem drey Hexen gewohnet / da die eine 25. Jahr eine Heb⸗Amme gewesen / viel Menschen... Show more Erschreckliche Newe Zeitung / Welche sich begeben vnd zu⸗ getragen in diesem 1650. Jahr / in der Oster⸗ Nacht / im Schweitzer Gebirge / bey der Stadt Dill⸗ hofen auff einem Dorffe Dimdurff genandt / in wel⸗ chem drey Hexen gewohnet / da die eine 25. Jahr eine Heb⸗Amme gewesen / viel Menschen vnd Vieh ver⸗ derbet: wie dann weiter durch jhr Teuffels⸗Kunst in Willens gewesen in dem 51. Jahr alles Getreyde auff dem Felde / Wein vnd Obs zu verderben / ja sie hetten die Erde vnd Lufft wollen vergifften / daß viel tausent Menschen / Vieh vnd Voͤgel / hetten bey hauffen sol⸗ len wegsterben / solches jhr boͤses Vornehmen aber ist durch zwey Schaͤferknechte durch Gottes Allmacht / welche des Nachts jhre Heerde gehuͤtet / offenbar worden / wie im Gesange besser zu vernehmen. Jm Thon: Wie man den Stoͤrtzen⸗ becher thut singen / rc. Erstlich gedruckt zu Dilhofen bey Matthias Hammern / im Jahr 1650. 1. NVN hoͤret zu jhr Frawen vnd Mann / schreckliche Wunder wil ich zeigen an / was sich hat zuge⸗ tragen / wol in den Schweitzer Bergen / thu ich mit Warheit sagen. 2. Darinn ein Stadt gantz wohl bekandt / Dillhofen wird sie genandt / ein Dorff auch darneben / Dimdurff sein Nahme / hoͤret was da ist geschehen. 3. Da waren drey Hexen bey der Stadt / haben sich verbunden mit des Teuffels Rath / das gantze Land zu verderben / durch jhre grosse Zauberey / daß Menschen vnd Vieh dadurch sollen sterben. 4. Auch Wein vnd Korn auff dem Felde / alles was durch Gottes Segen war auß⸗ gestellt / die Fruͤchte auff den Baͤumen darneben / soll durch Hagel vnd Vngewit⸗ ter alles verderbet werden. 5. Ja auch die kleine Graͤthe geradt / die sieben dreissig Jahr mit dem Teuffel ge⸗ buhlet hat / war ein Bademutter darne⸗ ben / hat mehr dann zweyhundert Kinder ermordt vnd gebracht vmbs Leben. 6. Alß sie nun die Zauberey hatten zusa⸗ men gebracht / giengen sie in der heiligen Oster⸗Nacht / wolten sie ins Feldt begra⸗ ben / aber GOtt wolt es leiden nicht / daß es muste gerathen. 7. Zwey Schaͤfers wahren in dem Felde / bey jhrer Huͤrte wie ich melde / sie warten jhr Gut fuͤr Schaden / sie hatten grosse starcke Hunde / die thaͤten das verrathen. 8. Die Schaͤfer hetzten fleißig zu / die Hexen hatten keine Ruh / die Hunde mach⸗ ten jhnen so bange / biß die Schaͤfer ka⸗ men darzu / vnd nahmen sie gefangen. 9. Die Schaͤfer sprachen was machet jhr da / in der heiligen Osternacht / das gibt euch ein boͤse Verdacht / thut vns die War⸗ heit sagen / oder wir wollen mit den Haken schlagen / das wird euch bringen Schaden. 10. Die kleine Grethe sprach gar geradt / Jch bin die Bademutter von Dimdurff bey der Stadt / die Todtgebohrne Kinder muß ich begraben / Allemann muß das wissen nicht / thu ich in Warheit sagen. 11. Die Schaͤfer sprachen diß ist nicht recht / die todtgeborne Kinder begraͤbt man in der Stadt auch all recht / man muß das besser erfahren / jhr solt die Poͤtt fuͤr den Herren tragen / oder wollen euch zu Bo⸗ den schlagen. 12. Als sie die Poͤtte vor die Herren haben gebracht / auch selbsten haben auffge⸗ macht / grosse Hexerey hat man da vernom⸗ men / haben sie Korn vnd Weitzen / auch allerley Frucht darein gefunden. 13. Auch Schlangen / Maͤuse / Raupen vnd Kroͤten / ein schrecklich Vngeheure / viel Todtenknochen darneben / dardurch vieltausendt Menschen vnd Vieh / hat sol⸗ len vergifftet werden. 14. Alßbald haben sie sondern Zwang zu Hand / eine schreckliche Vbelthat bekandt / wie sie der Teuffel hat bezwungen / vnd al⸗ les ins Werck gestellt / welches jhm doch mißlungen. 15. Alßald hat man sie behalten in der Stadt / biß man sie mit Fewr verbrandt hat / vnd jhn jhrn Lohn gegeben / den sie wol verdienet han / in jhrem boͤsen Leben. 16. Darumb jhr Christen Jung vnd Alt / verschwert euch nicht dem Teuffel so bald / thut euch jhm nicht ergeben / er bringet euch vmb Leib vnd Seel / vnd vmb das ewige Leben. 17. Ach HERR fuͤhr vns in Versuchung nicht / wenn vns der boͤse Geist anficht / be⸗ wahr vns alle zusammen / daß wir erlan⸗ die ewige Frewd vnd Seligkeit / durch JEsum Christum / Amen. ENDE. Show less

Selbstmord eines liebeskranken Studenten; Wundergeschichte einer Grabschändung; "Gleich wie ein Fisch im Wasser frisch"; "Ich weiß mir ein Mägdlein hübsch und fein"
Vier schöne newe Lieder. 1. Jst ein Antwort deren Person / vmb welcher willen sich der Student zu Franckfurt an der Oder erstochen. 2. Von eim Juͤngling der sein Todte Buhlschafft im Grab geschendt. 3. Gleich wie ein Fisch / der im Wasser frisch / rc. 4. Jch waiß mir ein Maͤgdlein ist ... Show more Vier schöne newe Lieder. 1. Jst ein Antwort deren Person / vmb welcher willen sich der Student zu Franckfurt an der Oder erstochen. 2. Von eim Juͤngling der sein Todte Buhlschafft im Grab geschendt. 3. Gleich wie ein Fisch / der im Wasser frisch / rc. 4. Jch waiß mir ein Maͤgdlein ist huͤpsch vnd fein / rc. Augspurg / bey Marx Anthoni Hannas. Das Erste Lied. Jm Thon: Ach daß ich koͤndt von Hertzen / rc. Ch hoͤret zu mit klagen / jhr Juͤngling vnd Jungfraͤwlein / was ich euch jetzt wil sin⸗ gen / in disem Liedlein / werd ohn zweiffel ge⸗ hoͤret hon / das Lied von eim Studenten / der ihm selbst Land anthon. Wegen daß sich vermaͤhlet / sein allerliebstes Lieb / und ein andern erwoͤhlet / weil er so lang auß⸗ blieb / das bracht jhn in so grosse Noth / daß er sich selbst erstochen / ja gantz verwund in Todt. Bin ich doch nie gewesen / die Vrsach nur al⸗ lein / darumb noch nit vergessen / der Trew vnd Lie⸗ be sein / die Vrsach war / weil mir zukam / ein fal⸗ scher Bick darauff stunde / sein Pettschafft vnd sein Nam. Darinnen war zu lesen / ich solt binfort nun⸗ mehr / seiner gaͤntzlich vergessen / er taͤm doch nim⸗ mer her / er hett sein Lieb gesetzet nun / auff eine die ihm lieber / als aller Welt Reichthumb. Als ich den Brief gelesen / mit schroͤcken vnd grossem Leyd / wurd mir mein Hertz besessen / mit chtel Trawrigkeit / mein Hertz staͤts seufftzt vnd klaget sehr / ach du liebster auff Erden / seh ich dich ann nimmermehr. Der Brief hat mich betrogen / vnd ihn gebracht in Todt / war falsch vnd alles erlogen / O weh deß Jam̄ers vnd Noth / den Brief doch nur geschri⸗ ben hat / ein falsches Hertz vnd Haͤnde / vnd mich abwendig gemach Drauff hab ich mich vermaͤhlet / ein gantzes Jahr hernach / vnd mir zum Trost erwoͤhlet / dem ich vertraut mein Klag / maint nit anderst dann alles war / was mir ward zugeschriben / waͤr seine mainung gar. Da Er doch offt geschriben / ich solt bestaͤndig seyn / aber wo seind gebliben / dieselbige Briefelein / keines ich nie empfangen hab / bezeug ich mit Mund vnd Hertzen / biß in mein traurigs Grab. Wie wahr du nun gesungen / O du mein traut⸗ ster Hort / freylich werd ich getrungen / von eim zum andern Ort / dein Geist der thut mich guelen sehr / daß ich kein rast noch ruhe / kan haben nim⸗ mermehr. Jch schlaffe oder wache / so kombst mir zu Ge⸗ sicht / dein jaͤmmerliche klage / hat kein auffhoͤren nicht / dein blaichen Mund / dein toͤdtlich Wund / zeigst mir zu allen Zeiten / wann dann erst kompt die Stund. Daß ich von hinn soll schaiden / hast du gesun⸗ gen mir / da muß ich dann erst leyden / was nit ge⸗ schehen hier / soll ich dann haben gar kein Ruh / das muß ja Gott erbarmen / das klag ich jm̄erzu. Mein ist doch nicht alleine / die Schuld wie vor gehoͤrt / dannoch so leyd ich peine / weil er sich har ermoͤrdt / von meinetwegen nur allein / Ach GOtt troͤst du sein Seele / vnd behuͤt mir die mein. Diß Liedlein hab ich gedichtet / auß traurigem Gemuͤt / darmit ich nur berichtet / das mich allein verfuͤhrt / das falsche Schreiben / welches mir zu⸗ kommen vnd berichtet / er komme nimmer hier. Jhr Juͤngling vnd Jungfrawen / nembt diß Liedlein in acht / vnd thut nicht allzeit trawen / so euch wird zugebracht / Schreiben von ewrem Lie⸗ belein / daß jhr nicht werdt betrogen / vnd kompt in gleiche pein. Das ander Lied. 1. Johannes Demonta Villa / Schreibt ein schroͤckliche Historia / Jn seiner weiten Raise da / Hat er dieselb erfahren. Wie zu Rhodis ein Juͤngling was / Der ein Jungfraw uͤber die maß / Hertzlich liebet ohn vnterlaß / Alt bey sechzehen Jahren / Doch sie vilmehr jhn liebet sehr / Kurtzer Zeit sich begabe / Daß die Jungfraw eins Abends spat / Jn GOtt verschied / welche man hat / Gelegt in Rhodis der Statt / in ein schoͤn steines Grabe. 2. Jn Hertzenleyd der Juͤngling blieb / Jedoch die starck jnbruͤnstig Lieb / Jhn so gewaltiglich trieb / Daß er zu Nacht hingienge / Zu der todten Jungfrawen Grab / Den Deckel thet er bald herab / Nun hoͤret was sich da begab / Sein boͤß begier trieb er mit jhr / Doch wurd es niemand jnnen / Das hat er triben etlich Nacht / Darzu sein boͤß begier jhn bracht / Wer Gottes Straff nicht betracht / Der wird blind in sein Sinnen. 3. Jm neundten Monat kam ein Stim̄ / Eins Nachts die sprach schroͤcklich zu jhm / Geh zu dem Grab / schaw vnd vernimb Was dein Lieb hat geboren. Mit forcht er zu dem Grabe gieng / Den Deckel hub er ab gering / Vnd wolt beschawen allerding / Sein Buhlschafft außerkoren. Herauß gar schnell / fuhr der Teuffel / Gegen dem Juͤngling schone / Mit grosser Vngestuͤmmigkeit / glaubt Vnd riß jhm gar morsch ab sein Haupt / Vnd seines Lebens jhn beraubt / Fuͤhrt jhn mit sich darvone. Das dritte Lied. Bleich wie ein Fisch / der in dem Wasser frisch / herum̄er sucht gantz vnverdrossen: Braucht seinen fleiß / wie er durchs Netze reiß / darinnen er hart ist verschlossen / weils jhm zuhand / gilt sein bestes Pfand / tracht er auß Ne⸗ zes Land / sucht rings herimb / die laͤng die krimb / daß er frey darvon schwim. Weil jhr dann mich / Jungfraw so vnguͤtig / von euch wolt gantz vnd gar abweisen / So muß ich auch / nach Fisches art vnd brauch / mich alles deß auffs best befleissen / das ich entgeh / dem Ach vnd Weh / dariñ ich jetzund steh / das ich auch sey / wie der Fisch frey / trag deß gar keinen schew. Ewr schoͤne gestalt / braucht in dem an mir ge⸗ walt / dieweil sie mir ist hart entgegen: Wann jhr nun wolt / wie jhr dann billich solt / ewer haͤrtigkeit von euch ablegen / so kaͤm zu recht / ewer Diener schlecht / wann jhr jhn nicht verschmaͤcht / zu sol⸗ cher Gnad / wißt jhr wol rath / wann mein Bitt funde statt. Kans dann nicht seyn / zart schoͤne Jungfraw rein / daß jhr euch meiner wolt erbarmen: Bitt ich doch zletzt / ehe jhr von mir setzt / So gewehrt doch / nur ein Bitt mir armen / weil jhr ewer Gunst / vnd Liebesbrunst / mich doch beraubet sonst / so nembt zugleich / mein Lieb mit euch / daß die auch von mir weich. Da aber jhr seyt gesinnet zu helffen mir / so macht doch bald etlicher massen: Mein hoffnung frey / wie gering auch die nur sey / doch daß ich mich moͤcht gwiß dran lassen / ob jhr endlich / wolt gwehren mich / wie lang sichs auch verzuͦg / gschehs gleich nicht behend / wann die Lieb nur wend / noch zu eim seligen End. Das vierdte Lied. JCh waiß mir ein Maͤgdlein huͤpsch vnd fein / huͤt du dich / ich waiß mir ein Maͤgd⸗ lein huͤpsch vnd fein / es kan wol falsch vnd freundlich seyn / huͤt du dich / huͤt du dich / ver⸗ traw jhr nicht sie narrett dich. Sie hat zwey aͤuglein die sind braun / huͤt du dich / sie hat zwey aͤuglein die sind braun / sie sech dich nicht an durch ein Zaun / huͤt du dich / huͤt du dich / vertraw jhr nicht sie narret dich. Sie hat ein gelb Golfarbes Haar / huͤt du dich / sie hat ein gelb Goldfarbes Haar / vnd was sie redt das ist nit war / huͤt du dich / huͤt du dich / vertraw jhr nicht sie narret dich. Sie hat zwey Bruͤstlein die sind weiß / huͤt du dich / sie hat zwey Bruͤstlein die sind weiß / sie legts herfuͤr nach allem fleiß / huͤt du dich / huͤt du dich / vertraw ihr nicht sie narret dich. Sie gibt dir ein Kraͤntzlein wol gemacht / huͤt du dich / sie gibt dir ein Kraͤntzlein wol gemacht / huͤt du dich / fuͤr einen Narren wirst du ge acht / huͤt du dich / vertraw jhr nicht sie narret dich. ENDE. Show less

Belagerung von Magdeburg, 1551
Ein Lied von der Stadt Magdeburck / was sich zur zeit jrer Belagerung zu getra⸗ gen hat. Jm Tohn / Es gehet ein Frischer Sommer da⸗ her / ect. ES geht ein frischer Sommer daher / vnd wolt jr hoͤren Newe Mehr / da uon ich euch wil Singen / Hilff Rei⸗ cher Christ von Himmel reich / das vns... Show more Ein Lied von der Stadt Magdeburck / was sich zur zeit jrer Belagerung zu getra⸗ gen hat. Jm Tohn / Es gehet ein Frischer Sommer da⸗ her / ect. ES geht ein frischer Sommer daher / vnd wolt jr hoͤren Newe Mehr / da uon ich euch wil Singen / Hilff Rei⸗ cher Christ von Himmel reich / das vns nicht missgelinge. Ja gelinge. Was sich itzt zu getragen hat / mit Magdeburg der alten Stadt / in diesem jar geschehen / als man zalt ein vnd funffzig jar / vorwar ich habs gesehen. Ja gesehen. Der das spiel hat gefangen an / das ist furwar ein kuͤner Man / ist von Fuͤrstlichen stamme / heist Hertzog Goͤrg von Mech⸗ elnborch / das ist sein rechter Name. Ja Name: Er zugk vor Magdeburg ins felt / zu Fermerssleb schlug er sein Gezelt / thet et⸗ lich Fuͤrsten schreiben / man solt jm huͤlff vnd beistandt thun / fur der Stad wolt er bleiben / Ja bleiben. Balt Herzog Moritz das vernam / fur Magdeburgk er zu im kam / er thet sich bald besinnen / darzu Graff Juͤrg von Mansfelt gut / ein Fenlein Knecht thet bringen / Ja bringen. Marckgraff Albrecht mit seiner macht / viel Frenkisch Reuter mit jm bracht / sampt den Capittels Pfaffen / die aus der Stadt entlauffen sein / hetten al mit zuschaffen / ja schaffen. Der Feind sechs Leger fuͤr die Stadt / in einer eyl Geschlagen hat / die man all wol thut kennen / vnd wer das nicht glau⸗ ben wil / der magk sie hoͤren nennen. ja nen⸗ nen. Zu Bukaw eine bey der Alb / die ander bey Harstorff in dem feldt / zu Krakaw war die dritte / da Bawten sie ein feste Schantz / hart vor der langen bruͤcken / Ja bruͤcken. Der feind die Newe stadt ein nam / das sterkest Lager darein kam / das fuͤnffte war an dem Teiche / das sechste auff der stein gruben lag / darauss sie vns musten weichen / ja weichen. Freitages nach S. Burckhardi nacht der Feindt liff an die Stadt mitt macht / hart an Sanct Vlrichs Tore / die Wintmuͤ len Brand er ab / hat manchen Man vor⸗ loren / ja vorloren. Der Feind vermeint in seinem sinn / in der Stadt wer kein Landesknecht in / einer thet zum andern sagen / es seind ein wenig Bawren darin / mit jn so woln wirs wa⸗ gen / is wagen. Die Knecht in der Stadt das verna⸗ men / gar balde sie zusamen kamen / man⸗ cher Lantzknecht thet sagen / wol auff wir zihen in das Feldt / wir wollen vns mit jhn schlagen / ja schlagen. Den andern tag des Jenners geschach das man die Lantzknecht zihen sach / aus der Stadt liess man flihen / siben Lantz⸗ knecht Fenle schon / daran wil ich nicht ligen / ja ligen. Graff Albrecht von Mansfelt das ist war / auch mit den Reutern draussen war / tet in dem Felt vmbspringen / er sprach der Feind wil nicht herrauss / es wil vns nicht gelingen / ja gelingen. Viel Scharmuͤtzel mit dem Feindt / hernach al tag gehalten seind / der Feindt hat wol vernummen / das wir fuͤrwar nicht Bauren sind / hat nicht viel an vns gewunnen / ja gewunen. Das solten sie inneworden sein / als sie kamen in die Newestadt hinnein / hetten wir vns recht besunnen / da wir verbran⸗ ten der heuser viel / da seind ir viel vmbko⸗ men / ja vmbkommen. Vnd wer das nicht gleuben wil / der mag fragen der Reuter viel / wie es jn ist ergangen / da wir sie weckten aus dem Schlaff / der Adel wart gefangen / Ja ge⸗ fangen. Wir zogen aus mit kleiner macht / vns hindert nicht die finster Nacht / den Pferd stal teren wir nemen / was sie daselbst ver⸗ loren han / dorffen sie nicht bekennen / bekennen. Zwischen zwey Leger zogen wir hin / nach dem Pferdst al stund vnser sinn / mit Lantzknecht kamen geritten / mehr als mit drithalb hundert Pferd / nach Adelichen sitten / ja sitten. Gott straffet den Adel das ist war / wie das geschag ist offebar / Gott kunds nicht Lenger Leiden / das sie Vorhern jr Va⸗ terland / Gots Wort wollen sie vertreiben Ja vertreiben. Hoͤrt was den andern Tag darnach / auff einen Scharmuͤtzel geschach / Gott gab in vnser hende / den Hertzog Goͤrg von Mechelnburg / das ginck zu gar behende / ja behende. Das mal wart er geschossen hart / gar bald er auch gefangen wart / er thet zunn Knechten gehen / das mich mein Reuter verlassen hann / het ich mich nicht versehen ja versehen. Ehrlich sich vier gehalten hann / Hans Kotzer der viel trewe Man / Hans von Trote mit namen / vnd darzu Levin Winterfelt gefenglich in die Stadt ist ko⸗ men / ja komen. Jhr lieben Lantzknecht hoͤret mich / sprach der Fuͤrst gefangen nemet mich / verwarer mich gar eben / kom ich den Buͤr⸗ gern in die hend sie lassen mich nicht Le⸗ ben / ja Leben. Wir Lantzknecht kuͤrtzlich das verna⸗ men / das dem Feinde viel Schiff an kamen bald wir vns theten schicken / wir furen zu Nacht zu Wasser aus / vns thet gar ge⸗ lingen / gelingen: Als wir Kamen an den ort dar / der Feinde Wache vorhanden war / theten wir al erschissen / die Schiff senckten wir in die grundt / das thet dem Feindt verdrissen / ja verdrissen. Nicht lange darnach ein Kleine zeit / fuͤr Magdeburgck ein Dorff nicht weit / ist vber der Elb gelegen / da schlugen wir ein Leger hin / hart bey dem Feind dargegen / ja gegen. Da lagen wir biss in den fuͤnften Tag dem Feind sechs bruͤcken wir Branten ab die Clause auch darneben / die zufur von Prouiant vnd Bier / must sich der Feind er⸗ wegen / ja erwegen. Darnach ein mal es sich begab / aus der Newestadt man zihen sach / ein Fenlein Latzknecht eben / Hans Guͤlicher stund das selbige zu / hoͤrt was sich hat begeben / ja begeben. Jn die steingrube stund ir sinn / am an dern ort zogen auch darein / vier hundert Schantzen greber / wir Lantzknecht zogen aus der Stadt / hier nach dem selben Le ja Leger. Jn einer eil Lieffen wir hinnan / dem Feind kost es manchen Man / die Schantz hetten wir gewunnen / das Fenlein das war Roch vnd Gruͤn / in die Stadt ist es kom⸗ men / ja kommen. Die Reuter ranten vmb da erhub sich ein seltzem Tantz / Keiner must dauon komen / hundert vnd dreissig Lantzknecht gut / wurden gefangen geno⸗ men / ja genomen. Am stillen Freitag das geschag / das vnser Knechte Nachmittag / seind aus der Stadt gekomen / die Feinde trieben sie wie⸗ der hinnein / ehr wirs haben vernomen / ja vernomen. Darnach Kuͤrtzlich auch die Stadt / zwey Schiff in eil gemachet hat / die wil ich euch itzt nennen / die wilde Saw vnd Bunts Ku / thut mannicher Lantzknecht / kennen / ja kennen. Nicht lange hirnach auff einen Tagk / zu Wasser furen wir hinnab / in ein gross Dorff wir kamen / da funden wir von A⸗ del zwen / die wir Gefangen namen / ja namen. Darnach dem Feinde kam die mehr / wie aus der Stadt gefaren wer / zwey schiff weren ankomen / zu Nigrip zwen von Adel gut / wurden Gefangen genommen / Ja nommen. Der Feind het sich Kuͤrtzlich bedacht / ein grosses Schiff aufs Wasser bracht / dar ein so thet er legen / hundert gar wol geruͤs⸗ ter Knecht / do mit vns zu begegen Ja be⸗ gegen. Auff einen Dingstag morgen frw / het ten wir wider Rast noch Rhw / nach der Newstadt theten wir faren / als wir kamen vor die Newstadt / der Feind nam vnser wa re ja ware. Auff vns waren die Feind so jach / ein Lantzknecht zu dem andern sprach / Her Her wir haben gewunnen / die Schiffe sol⸗ len Heut Diesen Tag / gen Magdeburg nicht Komen / ja Komen. Der Feindt truͤckt hefftig auff vns zu / da wart scheldig die Bunte Rw / thet grau sam vmb sich stossen / der Feind kunt sie erle gen nicht / wie hart sie darauff Schossen ja Schossen. Der Feind abe geschossen hat / Gott gab das er kein schaden that / wir hatten noch alle geladen / do schossen wir mit frew den darein / da thet der Feind vorzagen / ja vorzagen. Wir sprungen zu dem Feind hinein / stachen sie wie die wilden Schwein / keiner danon mocht komen / etliche sprungen in die Elb / seind nach Hamborch geschwm⸗ men / ja schummen. Gross Wunder thet der Liebs Gott / halff vns dissmal aus grosser noht / auf⸗ ihn theten wirs wagen / vnser nicht mehr denn Dreissig Knecht / musten ir Hunder⸗ schlagen / ja schlagen. Also kam mancher Man in noth / die Kw sties sie al sampt zu todt / jhr Geschuͤtz wart ihn genomen / die Todten bliben in dem Schiff / sind nach Hamborch geschum men / ja schummen. Kuͤrtzlich der Feind in einer nacht / vor Berga sich in Garten macht / die Beum thet er abhawen / des morgens zogen wir hinaus / vnd theten das beschaͤwen / Ja schawen. Das Holtz furten wir in die Stadt / der Feind das balt vernummen hat / das wir sein theten warten / er Kam zu vns von Buckaw herauss / wol in den selben garten ja garten. Da sach man manchen Lantzknech Stoltz / wir Schlugen vns wol vmb das Holtz / vnd vmb die Koͤpffe darneben / es weret nicht gar ein viertel stund / der Feind die flucht must geben / ja geben. Den Reutern war aus der Stat so iach sy Truͤckten Gewaltig hinden nach / den Feind hetten vmbringet / wir brachten den Holtzhawern den lohn / in thet da Misge⸗ lingen / ja gelingen. Bey hundert Knecht erlegten wir dar Sechs vnd zwentzig vnd das ist war / wur⸗ den gefangen genommen / die alzumal den selben Tag / seind in die Stadt gekomen. ja gekomen. Am dritten des Brachmondes ge⸗ schach / das man die Feinde im felde sach / aus allen Schantzen her komen / sie waren all geruͤst da rzu / etlich sie han genomen / ja genom̄en. Sie seind nicht alle komen daruon / als sie die Kw genommen han / sie musten tewer bezalen / ein gross Herr jhn erschla⸗ gen wart / das thet jhn vbel gefallen / Ja gefallen. Hoͤrt weirer zu in dieser frist / auch ein Scharmuͤtzel gewesen ist / wol in den fris⸗ sen garten / wir waren alle gezogen ab / darnach der Feindt thet warten / Ja war⸗ ten. Die vnsern solches erfaren han / wie bald sie kamen auff den plan / gantz Rit⸗ terlich sie fochten / vnd seind der Feind auff dieses mal / acht vnd zwentzig erstochen / ja erstochen. Auch ein mal ist Gesehen Hernach / am Ersten Hewmond das geschach / der Feind etlich seind Erschlagen / nicht weit von Berge des andern Tages / seind von den vnsern begraben / ja begraben. Die Edelleut aus diesem Stifft / han mit Scharmuͤtzel gewunnen nicht / solchs han sie wol vernommen / darumb die Fren kischen Reuter gut / seind jn zu huͤlffe ko⸗ men / ja komen. Derhalben sich erhaben hat / ein gros Scharmützel vor der Stadt / an einen Don derstag morgen / die Francken kamen her gerandt / vns alle zu Erwuͤrgen / Ja Er⸗ wuͤrgen. Der Engel Gottes stund vns bey / jrer wir theten warten frey / zwey vorteil wir vorliessen / im dritten begriffen wir den standt / fingen an die Feind zu schissen / ja schissen. Die Francken auch nichts gewunnen han / den sie viel Pferdt verloren han / der Reutet wil ich schweigen / so jhn dissmal vertorben seind / der Tantz hat sie gerewen / Ja gerewen. Am dreizehendt des Augstmondes dar nach / ein trefflich gross Scharmuͤtzel ge⸗ schach / vor Magdeburgk in dem felde / die Feinde kamen her gerant / mit grimmiger macht gar schnelle / ja schnelle. Die Reuter han das best gethan / fuͤnff mal zum Feinde gesetzet an / die schuͤtzen auch darneben / den Reutern bey gestanden seind / der Feind die flucht must geben / Ja geben. Grossen schaden der Feind entfangen hat / auch dissmal vor der Jungfraw stadt ein Herren mit Guͤlden sporen / auf diss⸗ mal Erschossen ist / viel Pferde han sie ver⸗ loren / ja verloren. Darbey gedenckt ir Christen Leut / wie Gott der Herr zu aller zeit / die seinen thut erhalten / der hat vns huͤlff vnd beistand gethan / durch wunder mannigfalte / Ja falte. HErr Gott den wolst vns nicht verlan / wie du bissher noch hast gethan / Erhalt vns durch dein namen / Herr bey deinem Goͤtlichen wort / wer das begert sprech A⸗ men. Darumb bitten wir dich lieber Herr / wolst vns hinfort beschuͤtzen mehr / durch dein gros guͤte vnd trewe / darauff wir vns verlaßen thun / das wirt vns nicht gerewen Ja gerewen. Show less

Eroberung von Magdeburg, 1631
Zwey schoͤn newe Lieder / Das erste: Wie die weitberuͤm̄t vnd voͤste Statt Mag⸗ deburg / den 20. May / deß 1631. Jahrs / vom Obristen Tilli eingenom̄en / vnd wie erbaͤrmlich es darinn zugangen / wird der Leser alles auß⸗ fuͤhrlich in disem Gesang vernehmen. Jm Thon: Warumb betruͤbst du dich... Show more Zwey schoͤn newe Lieder / Das erste: Wie die weitberuͤm̄t vnd voͤste Statt Mag⸗ deburg / den 20. May / deß 1631. Jahrs / vom Obristen Tilli eingenom̄en / vnd wie erbaͤrmlich es darinn zugangen / wird der Leser alles auß⸗ fuͤhrlich in disem Gesang vernehmen. Jm Thon: Warumb betruͤbst du dich mein Hertz / rc. Das ander: Drey ding thuͦ ich be⸗ geren / von Gott im hoͤchsten Thron / rc. BEY MARX ANTHONNI HANNAS BREIFMA Das Erste Lied. 1. O From̄er Christ herzlich betracht / wie traw⸗ rig ist die finstere Nacht / nemblich die letzte Zeit / die wir erlebt haben mit noth / daß es gleich muß erbarmen Gott. 2. Ach GOTT wie wird das Christenblut / darob der Him̄el trauren thut / vergossen hin vnd her / in gantzer Teutscher Nation / doch will man nit von Sünden lohn. 3. Merck fleissig auff mein frommer Christ / was erst newlich geschehen ist / vor Magdenburg der Statt / die wolt sich nit ergeben bald / dem Herrn Tilli in sein gwalt. 4. Den sibenzehenden May gewiß / Graf Tilli die Statt ermahnen ließ / solten ergeben sich / vnd schonen jhrer Weib und Kind / sonst mußt die Statt werden verbrendt. 5. Die Antwort kam darauff gar bald / sie woͤllen sich woͤhren mit gewalt / wie ein Junckfraw ge⸗ muth / so gar biß auff den letzten Mann / er soll nur dapffer greiffen an. 6. Graff Tilli aber zorns voll / Fewrkuglen ließ er machen wol / vil hundert an der zahl / vnd ruͤstet sich mit gantzer Macht / zu disem Streit ja Tag vnd Nacht. 7. Den zwainzigsten May Graff Tilli gut / die Statt gar maͤchtig stürmen thut / mit schiessen vberauß / warff Fewr hinnein die gantze Nacht / darvor der gantz Erdboden kracht. 8. Das Fewr nam so gar vberhandt / die gantze Statt wurd gesteckt in Brandt / da war ein groß geschrey / von Mann / Weiber vnd kleine Kindt / Hat grossem Jammer vnd Elendt. 9. Graff Tilli die Statt besteigen hieß / vnd alles niderhawen ließ / was sie nur traffen an / aber es war so vngehewr / die gantze Statt war voller Fewr. 10. Vil Menschen haben sich gar schon / dort in den Gwoͤlbern zsamen thon / mit Pulver jaͤm̄erlich / darnach dasselbig angezündt / vnd haben sich da⸗ felbst verbrendt. 11. Vil Mütter namen jhre Kindt / schlugen die⸗ selben an die Waͤndt / so vnbarmhertzigklich / deß gleichen vierhundert Junckfrawen schon / die ha⸗ ben sich zusamen gethon. 12. Das Hauß mit Pulver angezünt / vnd jaͤm̄er⸗ lich sich selbst verbreñt / darzu vil Mañ vnd Weib / auch sprangen vber die Maur mit Roth / vnd jhn selbst antheten den Todt. 13. Vil hundert Menschen jung vnnd alt / dort sprangen in das Wasser bald / haben sich feist er⸗ traͤnckt / erbarmen moͤcht es einem Stein / die Noth so thet verhanden sein. 14. Die schwangere Weiber schaͤtzt man allein / auch etlich hundert gwesen sein / so da seind kom⸗ men vmb / der Jammer so in der Statt war / kein Mensch kan es beschreiben gar. 15. Die vbrige Weib vnd Kinderlein / so inn der Statt verhanden sein / Graf Tilli zu jhm nam / vnnd gag jhn vnderhaltung gut / noch mehr die Zeitung melden thut. 16. Das Magdeburg die schoͤne Statt / jetzund nur zwaintzig Haͤuser hat / der Thumb steht auch noch fest / sonst alles sambt verbrunnen ist / noch weiter hoͤr mein lieber Christ. 17. Auff dreyssig tausent Seelen gut / dz Schwerd vnd Fewr verzoͤhren thut / so gar in schneller eyl / O Magdeburg du schoͤne Statt / GOtt dich gar hart gestraffet hat. 18. Die du vor warest maͤchtig reich / jetzt bistu kei⸗ ner Statt mehr gleich / fast wie Jerusalem / seind jetzt verstoͤrt die Burger dein / darzu die feste Mauren fein. 19. Also habt jhr vernom̄en schon / wie es der schoͤ⸗ nen Statt thet gohn / O du mein from̄er Christ / laß dir diß ein Exempel sein / lieb GOtt von gan⸗ tzem hertzen dein. 20. Wann wir von Sünd nicht kehren vmb / an⸗ daͤchtiglich vnd werden frumb / wird vns also er⸗ gahn / wer aber sich bekehrt bey zeit / der wird dort haben Frid vnd Frewd. Das ander Lied. 1. DRey ding thu ich begehren / von Gott im hoͤchsten Thron / ach Gott thu mich geweh⸗ ren / Erstlich daß bey mir wohn / der heilige Geiste schon. 2. Fürs ander thu ich bitten / mein lieben Herrn Jesum Christ / der fuͤr vns hat gelitten / daß Er mich starck außruͤst / im Glauben zu der frist. 3. Fuͤrs dritt woͤll mir Gott senden / sein heyligen Engel gut / der mich an allen Enden / allweg be⸗ wahren thut / vnd halt in seiner Hut. 4. Dann ich bin jezund eben / auff dem vngestü⸗ men Meer / ach GOtt thu du mir geben / ein Pfen⸗ ning daß ich zoͤhr / dein Wort mein Seel ernoͤhr. 5. Dieweil ich hie muß wallen / in disem Jam̄er⸗ thal / ach Gott laß mich nit fallen / der Weg ist eng vnd schmal / wol zu deß Him̄els⸗Saal. 6. Der Weeg ist gar vneben / rauch vnd vbel ge⸗ band / ich kan mich nit anheben / fuͤhr du mich bey der Hand / zum rechten Vatterland. 7. Ach GOTT ich kan nit eylen / ich bin nit wol zu Fuͤß / ich hab noch gar vil Meyle / dahin ich kom̄en muͤß / lehr mich zu rechter Buͦß. 8. Jch bin in grossen sorgen / der Feind der greifft mich an / der in dem Wald verborgen / ach GOtt ich ruͦff dich an / vnd sey du vornen dran. 9. Dann ich bleib weit dahinden / ich kan nit weit⸗ ter gahn / kan auch den Weg nit finden / wann du mich will verlahn / Ach JEsu Gottes Sohn. 10. Ach GOTT gehe mir entgegen / ich hab ein schwere Rayß / ich bin muͤd vnnd erlegen / das macht der Sünden schweiß / mir ist sehr bang vnd haiß. 11. Dann ich muß mich hart bucken / ich trag ein schweren Last / meine Suͤnden thun mich hart trucken / hilff mir ich bin ein Gast / zur Herberg daß ich rast. 12. Auff daß ich koͤnd einkehren / in dem rechten Gasthauß / darin man dich thut ehrẽ / mit Danck⸗ sagung vberauß / in Gottsforcht ohne grauß. 13. Groß Sturm̄wind mich anwehen / wo ich mich nur hinricht / es thut mich hie nichts frewen / O HERR verbirg du nicht / dein gnaͤdiges Ange⸗ sicht. 14. Vor dem grossen vngewitter / kan ich nit vn⸗ derstahn / mein Leben wirdt mir bitter / die Sonn will vndergahn / ach GOtt hilff du mir nun. 15. Daß ich bald moͤch hinkom̄en / wohin ich lang begehrt / zur Herberg aller Frommen / auff daß ich seellg werd / Amen GOtt sey geehrt. ENDE. Gedruckt zu Augspurg / bey Joh: Ulrich Schoͤnigk. Show less

Flutkatastrophe in deutschen Städten, 1651
Klaͤgliche Geschicht von der grossen Wasser Fluth So Gott durch die Dona Maͤyn vnd Rhein im Januaro dieses 1651ten. Jahrs hat ergiessen lassen vnd grossen Schaden gethan / wie der guͤnsti⸗ ge Leser im Gesang wird vernehmen / Jm Thon: Allein auff Gott setz dein Vertrawen. Sampt noch einem... Show more Klaͤgliche Geschicht von der grossen Wasser Fluth So Gott durch die Dona Maͤyn vnd Rhein im Januaro dieses 1651ten. Jahrs hat ergiessen lassen vnd grossen Schaden gethan / wie der guͤnsti⸗ ge Leser im Gesang wird vernehmen / Jm Thon: Allein auff Gott setz dein Vertrawen. Sampt noch einem Geistlichen Lied / Jn Anruffung zu Gott vmb Huͤlff vnd Beystandt. Gedruckt im Jahr 1651. 1. ACh Menschen hoͤrt zu dieser Frist / was newlich fuͤrgelauffen ist / wie GOtt der HErr sein Straff ließ ge⸗ hen / kein Mensch lebt / der solches je ge⸗ sehen. 2. Betracht es wol O Christenheit / vnd merck auff diese betruͤbte Zeit / Sonn / Mond / Himmel vnd Erdreich fein / auch Wasser Gottes Straffen seyn. 3. Die man nun kurtz erfahren hat / in Doͤrffern / Staͤdten vnd Landen grad / so durch das Wasser schrecklich groß / der Menschen Huͤlff waren Trostloß. 4. Den Jamer vnd Elend sehr groß / ge⸗ schehen durch der Wassergoß kein Mensch gnugsamb beschreiben kan / wie hin vnd her bezeuget jederman. 5. Der Donaw Floß / wie man vernimbt / die Stadt Regenspurg vberschwimbt / die Menschen fliehen auff Dach vnd Baum / ja nirgends finden Platz noch Raum. 6. Der Necker in der Pfaltz bekandt / ein Stadt so Heydelberg wird genandt / biß Fluß so gar beflossen hat / ja durchlauf⸗ fen alle Haͤuser grad. 7. Der Haͤuser viel durchs Wassers Schlundt / zerfallen sind biß zu dem Grundt / die Bruͤck gleichfalls in aller Eil / wegtreib ohn lange Weil. 8. Nicht weinig schad der Meyn vnd Reihn / gethan an Menschen groß vnd klein / so durch der Fluͤssen schneller Lauff / zum Soͤller musten lauffen auff. 9. Jm Land von Geraw wol versteht / das Wasser vber alles geht / kein Mensch zu finden in dem Land / dem nicht die grosse Noth bekandt. 10. Ein Dorff gelegen im Bergisch Land / des Nahm Wißdorff ist genandt / die Kirch vnd Kirchhoff durche Wasser ge⸗ schwind / sampt vielen Haͤusern vertrie⸗ ben sind. 11. Viel schoͤner Gebaͤw sampt der Pal⸗ lest / Kirchen vnd Kloͤster auff das best / ver⸗ truncken sind mit vielem Gut / von Muͤh⸗ len nichts man finden thut. 12. Die Felder vnd auch Wiesen gruͤn / gantz vnterm wasser stehen nu / der Baͤum im Land bey nah vnd weit / auch Streuch vnd Stauden viel niederleit. 12. Die Haͤuser man hertreiben sieht / wie durch den Wind ein wehres Rieht / vorn Dach wehet weg / daß nicht mehr bleibet Stock noch Steck. 14. Der Menschen viel durch diß Elend / jhr Leben bracht biß zu dem End / die kond man sehen von weitem fehr / im Wasser treiben todt daher. 15. Das Vieh im Stall anschwimmen kam / Pferdt / Kelber / Kuͤh / Schaaff vnd Lamb / die musten da in diesem Lauff / jhr Leben gleichfalls geben auff. 16. Die Seyn in Franckreich ein Fluß gut / gantz schrecklich vberfliessen thut / daß Bruͤck vnd Vorstadt gleich zur Stund / zu Thange genand fielen zu Grund. 17. Voll Wasser auch die Scheweren sind / auff Thuͤrne steigt Mann Weib vnd Kind / die Haͤuser vnd die Keller all / erfuͤllet sind schier all zumahl. 18. Das liebe Getreyde vom Felde gut / jetzund gar vberschwemmen thut / das wird hernach manchs frommes Hertz / beklagen glaub mirs ohne Schertz. 19. Diß Jamer vnd Elend betracht / O frommer Christ nimbs wol in acht / in Wasser / Kelt vnd Hungers Noth / man⸗ cher geschmeckt der bittern Todt. 20. Viel Wunderzeichen fruͤh vnd spat / ein Zeitlang man vernommen hat / so vns der Herr in dieser Zeit / schier durch alle Land anzeigt. 21. Darumb O Mensch nun fall zu Fuß / dem lieben Gott / vnd wircke Buß / jetz ist es Zeit glaub mirs behendt / dann die Welt laufft zu dem End. Ein schoͤn Geistlich Lied Jn Anruffung zu Gott / vmb Huͤlff vnd Bey⸗ stand: Jn der bekandten Melodey. 1. WEnn wir in hoͤchsten Noͤthen seyn / vnd wissen nicht wo auß noch ein / vnd finden weder Hülff noch Rath / ob wir gleich sorgen fruͤh vnd spat. 2. So ist diß vnser Trost allein / daß wir zusamen in gemein / dich anruffen O tre⸗ wer Gott / vmb Rettung auß der Angst vnd Noth. 3. Vnd heben vnser Augen vnd Hertz / zu dir in wahrer Rew vnd Schmertz / vnd su⸗ chen der Suͤnden Vergebung / vnd aller Straffen Linderung. 4. Die du verheissest gnaͤdiglich / allen die darumb bitten dich / im Nahmen deins Sohns JEsu Christ / der vnser Heyl vnd Fuͤrsprecher ist. 5. Drumb kommen wir O Herre Gott / vnd klagen dir all vnser Noth / weil wir jetzt stehn verlassen gar / in grosser Truͤb⸗ sal vnd Gefahr. 6. Sieh nicht an vnser Suͤnde groß / sprich vns derselben auß Gnaden loß / steh vns in vnserm Elend bey / mach vns von allen Plagen frey. 7. Auff daß von Hertzen koͤnnen wir / nachmahls mit Frewden dancken dir / ge⸗ horsamb seyn nach deinem Wort / dich allzeit preisen hie vnd dort. Show less

Wunderzeichen am Himmel über Dortmund, 9. Februar 1651; Geistl. Lied: Merket auf und schweiget still
Warhafftige erschreckliche Geschicht vnd Wunderzeichen Welche sich begeben vber der Kaͤyserl. Freyen Reichs Stadt Dortmundt / des Nachts zwischen 10. vnd 11. Vhren / als nemlich zwo Ruthen am hellen Himmel / Die eine kam auß Sudwesten / die ander auß NordOsten / mit jhren Stralen vnd... Show more Warhafftige erschreckliche Geschicht vnd Wunderzeichen Welche sich begeben vber der Kaͤyserl. Freyen Reichs Stadt Dortmundt / des Nachts zwischen 10. vnd 11. Vhren / als nemlich zwo Ruthen am hellen Himmel / Die eine kam auß Sudwesten / die ander auß NordOsten / mit jhren Stralen vnd Zincken in einander geflochten / welche eine gute Weil sind stehen geblieben / Vnd dieses Mi⸗ racul ist von Hochgelaͤrten glaͤubwuͤrdigen Mannen gesehen worden / biß sie endlich sind verschwunden / Geschehen den 9. Febr. im Jahr 1651. Gedruckt zu Dortmundt durch Anthonium Ruͤhln. Jm Thon: Hilff Gott daß mirs gelinge. Hoͤr Wunder vber Wunder / du werthe Christenheit / Die Welt wird gehn baldt vnter / das zeigt an diese Zeit / darzu das betruͤbte Leben schwer / in aller Welt jetzunder / laß dichs erbarmen HErr. 2. Kein man hat niemals gelesen / von solcher boͤsen Zeit / darzu das Gottloß We⸗ sen / so jetzt fuͤhren die Leut / des Himmels Lauff vnd Firmament / mit Trawren vnd mit Weinen / beklagen vnsere Suͤnd. 3. Als man zehlt tausent sechshundert / im ein vnd funfftzigsten Jahr / darob sich manch Mensch verwundert / das ist gewiß⸗ lich war / am 9. Februarij ich sag / vber Dortmundt hat man gesehen / am Him⸗ mel mit grosser Klag. 4. Zwey Ruthen kamen zusamen / hoch an dem Firmament / gegeneinander mit Verlangen / mit Jamer vnd Elend / die ein kam auß SudtWesten so klar / die ander auß NordtOsten / O weh der grossen Ge⸗ fahr. 3. Da reicht ein jeder von dannen / biß zu vnsern Haͤuptern her / da die Zincken in⸗ einander / giengen mit grossem Beschwer / an ein jeder war ein langer Stral / gleich wie ein Stiel an der Ruthen / nun hoͤret allzumahl. 6. Die auß SudtWest ist gestanden / ein Band sah man daran / ach Teutsches Vatter Lande / laß dirs zu Hertzen gahn / die Ruthen weist dir O Menschen Kind / Gott wil vns darmit straffen / von wegen der grossen Suͤnd. 7. Die Zincken kamen zusamen / die Ruthen breiten sich auß / mit klaren hellen Flammen / sahen sie natuͤrlich auß / eben als wenn zwey Krieges Heer / im Feld sich haben verbunden / ach was wirds bedeuten mehr. 8. Ach last vns nicht mehr verschertzen / die liebe FriedensZeit / ach ein jeder nehms zu Hertzen / daß wir sind stets bereit / mit Fasten vnd Beten zum lieben Gott / daß Er vns nicht mehr wolt straffen / mit frem⸗ der KriegesNoth. 9. Die Ruthen nichts gutes bedeuten / O Mensch nimbs wol in acht / in diesen letzten Zeiten / ein jeder diß wolbetracht / die Ruthen auß NordOsten klar / bedeut die Heyden vnd Tuͤrcken / O weh der grossen Gefahr. 10. Die ander auß SudtWesten / jhr lieben Christen Leut / bringt vns nicht viel zum besten / O weh der boͤsen Zeit / ach last vns fleissig beten zu GOtt / daß wir nicht moͤchten werden / der Heyden vnd Tuͤrcken zum Spott. 11. Die Ruthen beyde zusamen / vn⸗ beweglich blieben sie stahn / von zwey vor⸗ nehmen Mannen / habens gesehen an / ein gute weil am Firmament / sie wahren wie⸗ der verschwunden / mit Jamer vnd Elend. 12. Wie dann nicht lang geschehen / in Polen an dem End / mein Christ thus recht verstehen / mit Jamer vnd Elend / die Cusacken vnd Tartarn fielen ein / viel tausent Christen vnd Juden / vmbs Leben kommen seyn. 13. Da war keiner verschonet / von hoch vnd niedrigem Standt / wie sie den Christen haben belohnet / mit den Juden auch wol bekandt / die Kinder in der Wie⸗ gen dar / jaͤmmerlich gebracht vmbs Leben / O weh der grossen Gefahr. 14. Die Kinder gantz vnvermessen / kochten sie an dem End / die Eltern musten darvon essen / mit Jammer vnd Elend / zwungen die Eltern mit gleicher Hand / weil die Welt hat gestanden / ist solches nie⸗ mahls erkandt. 15. O Teutschland nimb zu Hertzen / die schoͤne Friedens Zeit / treib darauß kei⸗ nen Schertzen / vber das groß Hertzenleidt / wo wir nicht werden Busse thun / mit Schmertzen werden wirs erfahren / wies in Polen hat ergahn. 16. Erger ist es nie gewesen / von an⸗ begin der Welt / ein jeder mags wol lesen / was jetzund wird gemelt / ein Mensch des andern Teuffel ist / die Warheit thuts be⸗ zeugen / wie einr den andern aufffrist. 17. Es ist nun darzu kommen / wie vns die Schrifft vermelt / schrecklich thut man vernehmen / in dieser argen Welt / ein Bruder ist des andern Feind / der Mund thut freundlich sprechen / das Hertze viel anders meint. 18. Ach jhr Schwester vnd auch Bruͤ⸗ der / diß Exempel wol betracht / belt ewern Eltern nicht wider / im Alter nembts wol in acht / wo jhr dasselbig nicht werdet thun / so wird euch GOtt der HErr straffen / mit ewigem Spott vnd Hon. 19. Jerusalem auch deßgleichen / GOtt der HErr gewarnet hat / mit vielen Wunderzeichen / sie trieben drauß nur ein Spott / Tag vnd Nacht kundtens sehen an / aber niemand wolt sich bekehren / zu Grund musten sie gahn. 20. Deßgleichen Sodom vnd Go⸗ morra / mit dem lieben Loth geschah / da hoͤrt man Korren vnd Morren / im Fewer mit grosser Klag / Gott der HErr gab jh⸗ nen den rechten Lohn / im Fewer musten sie sterben / mit Ach vnd Weh darvon. 21. Darumb jhr Christen alle / last vns machen bereit / wacht vnd bett allzu⸗ mahle / der Juͤngstag ist nicht weit / die Ruth ist schon gebunden dar / darumb last ab von Suͤnden / vnd nembt es eben war. 22. Ach GOtt sey vns genaͤdig / ver⸗ gib all Missethat / denn du bist sehr gutthaͤ⸗ tig / erzeig vns deine Gnad / wir wollen dich loben allezeit / allhier auff dieser Erden / vnd dort in der ewigen Frewd / AMEN. Ein Geistlich Lied / im eygenen Thon: MErckt auff mit Fleiß vnd schwei⸗ get still / hoͤrt zu was ich euch sin⸗ gen will / vnd wenn jhr diß durch⸗ leset eben / so werdt jhr mir gewunnen geben. Ach Gott wie gern ich wissen wolt / wem ich auff Erden vertrawen soll / es ist jetzun⸗ der worden new / viel guten Wort vnd fal⸗ sche Trew. Wenn der Mund spricht Gott gruͤsse dich / so denckt das Hertze huͤte dich / ich seh mich vmb zu aller frist / weiß nicht wer mein Freund oder Feind ist. Da manch Mensch meynt daß Trewe sey / so ist die Falschheit nah dabey / man lacht mich an / vnd gibt mich hin / das ist jetzund der Welt jhr Sinn. Veracht nicht mich vnd auch die mein / beschawe vor dich vnd auch die dein / ein falsche Zung so viel verwirren kan / daß zwoͤlff Mann dadurch zu verrichten han. Dorn vnd Disteln stechen sehr / falsche Zungen noch viel mehr / ich wolt lieber in Dornen vnd Disteln baden / denn mit fal⸗ schen Zungen seyn beladen. Jch wolt daß alle falsche Zungen / in jhrem Halse muͤsten verstummen / man find manch Zung die nichts begehrt / verge⸗ bens einen gibt ins Schwerdt. Drumb hat man darzu bereit ein Ge⸗ biß / daß man jhn das boͤse Maul zuschließ / vnd jhr boͤßhafftige Zung bezwing / daß sie nicht vergifftet alle Ding. Die Zuͤng ist inwendig gantz hol / auß⸗ wendig ist sie der Luͤgen voll / damit schlies⸗ sen das boͤse Maul zu / daß er niemand sein Ehr abschneiden thu. Ein Galgen Gebiß / dasselbige ist / daß man hat denẽ zugeruͤst / vnd an dẽ Galgen⸗ gebiß erfar / wie er sein Zung fuͤrbaß bewar. Allen boͤsen Maͤnnern vnd falschen Weibern / die manchem Menschen die Ehr abschneidẽ / ist jhnen zu einem Exempel ge⸗ macht / O lieber Mensch diß wol betracht. Ein boͤß Gewissen wanns auffwachen thut / so hat der Mensch kein Rast noch Ruh / was kan der Mensch doch haben frey / als ein gut Gewissen auch darbey. Noch eins jhr Weiber vnd auch Mann / die heilige Schrifft vns thut zeigen an / daß wir nicht solln die liebe Sonne schon / vber vnserm Zorn nicht lassen vntergahn. Jederman nicht laͤstern noch verfluchn / son⸗ dern bey seim Nechsten all Mittel suchn / so wird GOtt der Herr geben Gnad darzu / daß wir leben allezeit in Fried vnd Ruh / Amen. Show less

Hochwasser am Rhein vom Januar 1651; Von dem bittern Leiden und Sterben Jesu Christi
Ein schoͤn Traur⸗und Klag⸗Lied / Võ der grossen Wassersnoht / so diß 1651. Jahr im Januario / im Suntgaw / Neccar / Mangrund und Thonaw⸗ strom gewesen / was dardurch fuͤr Schaden erfolgt / ist mit Fleiß beschrieben / in Druck verfertiget / und in ein Lied ver⸗ setzt / Jm Thon: Da Jesus an... Show more Ein schoͤn Traur⸗und Klag⸗Lied / Võ der grossen Wassersnoht / so diß 1651. Jahr im Januario / im Suntgaw / Neccar / Mangrund und Thonaw⸗ strom gewesen / was dardurch fuͤr Schaden erfolgt / ist mit Fleiß beschrieben / in Druck verfertiget / und in ein Lied ver⸗ setzt / Jm Thon: Da Jesus an dem Creutze stund. Das Ander. Von dem bittern Leiden und Sterben unsers HErrn Jesu Christi / wie es ein Mensch bey seiner Arbeit taͤglich betrachten soll. Jm Thon: Ach Jammer / Schmertzen / Angst und Pein. Getruckt zu Straßburg bey Johann Andreas. Das Erste. MJt traurẽ will ich heben an / herzu ihr Frau⸗ en und auch Mann / was ich iezund will singen / von Jammer / Noht und grosser Klag / und gar schroͤcklichen Dingen. Weil so gar in der Welt gemein / bey Reich vnd Armen / groß und klein / niemand will sich bekehren / wie Sodom / Gomorra / Jerusalem / biß sie Gott thet zerstoͤren. Wann ich die Warheit sagen soll / die Welt ist aller Bosheit voll / Vnzucht / fluchen und schwoͤ⸗ ren / treiben so gar die kleine Kind / Gott schaͤnden und unehren. Kein Warnung / Predigt oder Lehr / hilfft schier bey keinem Menschen mehr / man thut alles verach⸗ ten / biß Gott mit seinem Juͤngsten Tag / thut uns den garauß machen. Darumb betracht O from̄er Christ / den Jam̄er so gewesen ist / im Januario eben / in dem ein und fuͤnfftigsten Jahr / hat sichs traurig begeben. Wie man denn gwisse Bschreibung hat / daß durch die grosse Wassersnoht / an dem Rheinstrom besonder / in Staͤtt / Doͤrffer / Menschen und Vieh / traurig seyn gangen under. Das Wasser / die Jll wird genandt / dort in dem Suntgaw wol bekandt / umb Muͤhlhausen und Entzen eben / das Wasser uͤbel gehauset hat / bracht Menschen und Vieh umbs Leben. Vnd umb Straßburg der werthen Statt / viel Wasserkuͤnste es da hat / Baͤder / Muͤhlen uñ Brun⸗ nen / ruiniret und verderbet gar / zerissen und wegg genommen. Die Statt da grossen Schaden lidt / und dort herumb gantz trauriglich / im Wasser hat man ver⸗ nommen / im Rhein mit grauß / dort bey dem Zoll⸗ hauß / Menschen und Vieh herschwummen. Wie man dann mit Warheit bericht / gar ein er⸗ baͤrmliche Geschicht / den zwoͤlfften Jenner eben / ein Kindlein in der Wiegen kam / das war noch bey dem Leben. Vnd weinen thet von heller Stimm / merk auff mein Christ es thet ob ihm / ein weisse Taub herflie⸗ gen / ein Katzen man da ligen sah / bey dem Kind auff der Wiegen. Zween Fischer da in dieser Noht / ihr Leib und Seel befahlen Gott / in einem Schiff besonder / fuh⸗ ren dem Kindlein eylends nach / hoͤrt an das grosse Wunder. So Gott damals erzeigen thet / die Wieg mit⸗ ten im Rhein still steht / biß daß sie darzu kamen / das Kindlein lacht sie freundlich an / wie sie es in das Schiff einnahmen. Vnd brachten es da in die Statt / jederman sich verwundert hat / man thut warhafftig schreiben / die Katz stets bey dem Kindlein war / ließ sich davon nicht treiben. Der Rhein nam weiter uͤberhand / daß man⸗ ches Dorff im Wasser stund / die Leut sich reterirten / auff die Haͤuser und hohe Baͤum / und auff die Kir⸗ chenthuͤrne. Vnd mußten doch vil bleiben tod / in dieser gros⸗ sen Wassersnoht / umb Philippsburg und Speyer / mit trauren mans erfahren hat / das lachen war da thewer. Von Manen will ich zeigen an / kein Zung die Noht außsprechen kan / das Wasser thet mit hauf⸗ fen / der Neccar und Rhein in einer Nacht / einer Pi⸗ cken hoch anlauffen. Menschen und Vieh gieng da zu grund / keines dem andern helffen kunt / die Kranken in den Bethen / das Wasser uͤbereylen thet / kundten sie nit erretten. Zu Germersheim mein frommer Christ / groß Jammer da gewesen ist / der Rhein hat weggenom⸗ men / bey achtzig Haͤuser in der Statt / Menschen und Vieh umbkommen. Auß Mayntz schreibt man mit grosser Klag / auff dem Rhein hat man etlich Tag / gesehen und ver⸗ nommen / der Haͤuser viel / Menschen und Vieh / vor der Statt hingeschwummen. Man schreibt von Basel biß nach Mayntz / drey tausend Menschen klecken nicht / umb Germersheim und Manen / acht hundert auffgeschrieben sind / die in dem Wasser zu grund gangen. Am Neccar und Mangrund genandt / im Wuͤr⸗ tenberger und Frankenland / und andere Wasser e⸗ ben / groß Schaden da verursacht han / bracht Men⸗ schen und Vieh umbs Leben. Am Thonawstrom war grosse Noht / wie man traurig erfahren hat / in Staͤtt und Doͤrffer eben / in Chur Bayren an vilen Orth / bracht Menschen und Vieh umbs Leben. Vnd dort im Laͤndle ob der Ens / umb Everdin⸗ gen / Wels und Lintz / das Wasser hat weggenom⸗ men / der Haͤuser viel / Menschen und Vieh, dar⸗ durch umbs Leben kommen. Keins Menschen Zung bey Fraw und Mann / die Noht gnugsam außsprechen kan / so uͤberall gewe⸗ sen / in dieser grossen Wassersnoht / wie man schrifft⸗ lich thut lesen. Dieses betracht O Menschenkind / bitt Gott fleis⸗ sig / heb auff die Haͤnd / daß er uns wolle geben / in die⸗ ser Welt das taͤglich Brot / vnd dort das ewig Leben. Das Ander. O Christen⸗Mensch nimm wol in acht / das Leiden Christi wol betracht / in dem er An⸗ Noht und Arbeit / in Freud und auch in Traurig⸗ keit / gedenck deß HErrn allezeit. Wann du deß Morgens auff thut stahn / so ruffe Gott den HErren an / daß Er sey ein Anfang und End / was du den Tag schaffst und vollbringst / und daß Er dich behuͤt vor Suͤnd. Dieweil du dich thust legen an / deß HErrn wol gedencken kanst / wie Jhm die Juden mit grossem Geschrey / anlegten ein spoͤttlich Purpur⸗Kleid / mit grosser Vngestuͤmigkeit. Bindst du ein Guͤrtel umb deinen Leib / so sollst du wol gedencken darbey / wie Jesus Christus mit Stricken ward / gebunden und gereittelt hart / als er im Garten gefangen wand. Ziehst an ein Schuh an deine Fuͤß / so gedenck wie Jesus gangen muͤß / von deinetwegen so harte Pfad / daß ihm das Blut auff der Erden staht / niemals kein Schuch angezogen hat. Bedeckstu dein Haupt mit einem Hut / oder was du auffsetzen thust / so gedenck wie Christus Gottes Sohn / ward auffgesetzt ein doͤrne Cron / daß Jhm sein heiligs Blut rab rann. So du thust waͤschen deine Haͤnd / denck an die Abwaschung deiner Suͤnd / und bitt Gott fleissig ins gemein / daß Er abwasch die Suͤnde dein / auff daß du lebest keusch und rein. Gedenck wann du gehst auß dem Hauß / wie offt ward Jesus gefuͤret auß / gar traurig von der Juden Schaar / von einem Richter zum andern dar / biß Er zum Tod verurtheilt war. Thust du fuͤr einen Menschen gahn / der dich veracht mit Spott und Hohn / solt du gedencken zu aller frist / wie daß dein Heyland Jesus Christ / ver⸗ acht und verspott worden ist. Redt man dir nach viel Schand und Schmach / und bist unschuldig an der That / so gedenck wie ha⸗ ben die Juden gethan / faͤlschliche Klag sie fuͤrbracht han / als Jesus vor Pilato stahn. Pilatus sprach / sehet an den Mann / an dem ich kein Schuld finden kan / so bald die Juden das hoͤr⸗ ten von ihm / schreyen sie all mit lauter Stimm / creutzige / creutzige Jhn. Thust du uͤber ein Wasser gahn / so gedenck an den Bach Cedron / wie daß dein Heyland Jesus Christ / dardurch gezogen worden ist / so gar un⸗ barmhertziglich. So du ein Fewer brennen sihst / so bitte Gott de⸗ muͤthiglich / daß Er in dir das Fewr anzuͤnd / Goͤtt⸗ lich Liebe wol gedenck / das sies in deinem Her⸗ tzen brennt. Wilt essen und dein Leib speisen wol / so gedenck deß HErren Abendmahl / wie Er auffsetzt uns Men⸗ schenkind / das hochwürdige Sacrament / zu verge⸗ bung unser Suͤnd. Legt dir Gott auff ein Kranckheit schwer / daß dir der Tod zu besorgen waͤr / so gedenck wie Christus tragen hat / ein schweres Creutz vor seinem Tod / da⸗ ran Er dich erloͤset hat. Nimbst du ein Messer in deine Haͤnd / die heilige fuͤnff Wunden wol bedenck / wie Gott durchgraben worden sind / mit grossem Schmertzen Fuͤß und Haͤnd / ans Creutz genaglet gar elend. Wann du ein Trunck thust nemmen ein / es sey gleich Wasser oder Wein / so gedenck an die grosse Noht / betracht darbey das vierdte Wort / so Gott am Creutz gesprochen hat. Mich duͤrstet sehr / als Er das sprach / in hoͤch⸗ stem Schmertzen gar matt und schwach / so bald die Juden hoͤren das / einen Schwam̄ sie Jhm reichen dar / darinn nur Gall und Essig war. So bald das Jesus versuchen thet / mit geneig⸗ tem Haupt den Geist auffgeben / er sprach / O Chri⸗ stenmensch gedenck / Vatter ich befihl dir in deine Haͤnd / mein Geist an meinem letzten End. Der dieses Liedlein hat gemacht / der wuͤnscht hiemit ein gute Nacht / der gantzen werthen Christen⸗ heit / ach Gott gib ihm nach dieser Zeit / die ewige Frewd und Seeligkeit / Amen. ENDE. Show less

Von einem geizigen Bauern in der Hungersnot; Klaglied "Ach Gott mein Seel tut herzlich zu dir schreien"
Warhafftige Newe Zeitung / Von einem wolhabenden Bauren in Ditmarschen zu Horn / der einigen Menschen / so in Hungers⸗Noth zu jhm gekommen / vnd eine Me⸗ tzen Korn kauffen wollen / solche vnbarmher⸗ tzig versaget; vnd wie GOTT solchen Geitzhals gestraffet: Jn ein Gesang verfasset: Jm... Show more Warhafftige Newe Zeitung / Von einem wolhabenden Bauren in Ditmarschen zu Horn / der einigen Menschen / so in Hungers⸗Noth zu jhm gekommen / vnd eine Me⸗ tzen Korn kauffen wollen / solche vnbarmher⸗ tzig versaget; vnd wie GOTT solchen Geitzhals gestraffet: Jn ein Gesang verfasset: Jm Thon: Kommt her zu mir spricht GOttes Sohn / etc. Nebenst einem Klag⸗Liede / Ach GOTT mein Seel thut hertzlich zu dir schreyen / etc. Jm Thon: Wo ist mein schoͤner Fuͤrst vnd Herr hinkommen / etc. Gedruckt im Jahr / 1651. Das erste Lied. Ach GOTT in deinem hoͤchsten Thron / durch Jesum Christum dei⸗ nen Sohn / laß dich die Noth erbar⸗ men / wol in der gantzen Christenheit / ist voller Truͤbsal vnd Trawrigkeit / komm du zu Hilff uns Armen. Wie leyd sich nur der gemeine Man / das Brodt er nicht bekommen kan / mit seinen Weib vnd Kindern / muß er offt leiden groß Hungers⸗Noth / wo jhn nicht speist der liebe GOtt / so kã er kein Huͤlff mehr finden. Dieses betracht mein frommer Christ / was erst neulich geschehen ist / wol im Ditmarscher⸗Lande / Horn die⸗ ser Marck⸗flecken genandt / viel reiche Bauren man da fand / wie maͤnniglich bekandte. Ein armer Mann mit sieben Kind / der schlug zusammen in sein Haͤnd / thaͤt zu dem Bauren lauffen / er redet jhn gar freundlich an / er sprach du lie⸗ ber Bidermann / aib du mir doch zu kauf⸗ fen. Ein Metzen Korn das bitt ich dich / sonsten muß Hungers sterben ich / mit meinen Weib und Kindern / ich bitt dich vmb GOtts willen schon / ach lieber Bauer laß mich nit gahn / du wirst dich hart versuͤndigen. Der Baur jhm bald die Antwort gab / warhafftig er kein Korn nicht hab / oder GOtt solt jhn straffen / vñ schwur zu letzlich auch darzu / das Korn vnd das er brauchen thu / muß ers doch sel⸗ ber kauffen. Vnd schickt den Armen wieder fort / wie er kam an ein anders Ort / geschach jhm auch dergleichen / kein Mensch wolt sich erbarmen sein / sondern must ohn ein Korn heim / niemand kund er erweichen. Wie er kam in das Hause fein / die Kinder sprachen Vater mein / weñ gibst du vns zu essen / wie lang bleibest du võ vns auß / hast den vnser in deinẽ Hauß / jetzund so gar vergessen? Der gute Mann voll Traurens schwer / gieng in sein Hauß wol hin vñ her / sein Hertz moͤcht jhm zubrechen / durch Marck vnd Bein es jhm ging / und heiserlich an zu weinen fieng / dz er kein Wort konnt sprechen. Jn dem so kam ein fremder Mann / der an dem Fenster klopffet an / und sprach zu jhm darneben / da schickt dir Gott das Himmel⸗Brodt / vnd hat dir in der grossen Noth / acht schoͤne Leib gegeben. Der Arme sagt was geb ich drumb / da sprach der Engel sey du fromb / Gott thut dir alles schencken / aber der Geitz⸗ haͤlß Vbermuth / Gott jaͤmmerlichen straffen thut / und wird jhn das nicht schencken. Jn dem der Engel da verschwand / der Arme grosse Koͤrb empfand / vñ dan⸗ cket GOtt fuͤr alle / in der Nacht da es Zwoͤlffe schlug / ein grosse Noth sich da zutrug / Feuer thaͤt vom Himmel fallen. Jn einem Augenblick behend / viel Haͤuser wurden da verbrent / an allen Orten drinnen / die Bauren schrien all⸗ bereit / ach helffet doch ihr armen Leut / daß wir der Noth entrinnen. Aber das Feuer nam die uͤberhand / man kund jhm thun kein widerstand / daß in dritthalben stunden / wol 6. vnd 30. Haͤuser gut / mit jammer und mit groß Vnmuth / sind da gangen zu Grunde. Bey 40. Menschen jung und alt / sind da uͤmbkommen der gestalt / viel hun⸗ dert Malter Korn / seynd auch verbrun⸗ nen in der Noth / also laͤst vns der liebe Gott / uns sehen seinen Zorn. Dieses betracht mein from̄er Christ / denn ein Geschicht kein Fabel ist / son⸗ dern warhafftig geschehen / deñ wer dẽ Armen in der Noth / versagen thut ein Bissẽ Brodt / das kan Gott nit zusehen. Drumb jhr Buͤger vnd Bauers⸗ Leut / in dieser schweren letzten Zeit / die Armen solt jhr speisen / den wer den Ar⸗ men hilfft auß Noth / dieses wird auch d'liebe Gott / dort ewiglich hoch preisen. Derhalben O HErr Jesu Christ / der du der rechte Helffer bist / komm du zu Huͤlff vns Armen / vnd mach der theu⸗ ren zeit ein End / straff nicht nach vnserer grossen Suͤnd / ach GOtt thu dich er⸗ barmen. Komm du mit deinẽ Juͤngsten Tag / da ein End hat alle Noth vnd Klag / vnd hilff vns allzusammen / fuͤr solchẽ Vngluͤck in gemein / daß wir vor jhnen sicher sein / durch JE⸗ sum Christum Amen. Das Ander. Ach GOtt mein Seel thut hertzlich zu dir schreyen / erhoͤr mein ruffen / dein Ohren zu mir neige / mein Creutz vnd Elend / mir wider wend / daß sich mein Seel in dir moͤg ewig freuen. Wie lang hastu dein Antlitz fuͤr mir verborgen wie lang soll sich mein Hertz aͤngsten vnd sorgen / mein arme Seel / leidt grosse Qual / ich bin betruͤbt den Abend als den Morgen. HErr wie lang wilt du meiner so gar vergessen / mein Jam̄er vñ Elend ist gãtz uͤber die massen / fuͤr Angst vnd schmertz bricht mir mein Hertz / erbarm dich mein du suͤsse wurtzel Jesse. Erbarm dich mein laß dirs zu Her⸗ tzen gehen vnnd thue mein Elend gnaͤ⸗ diglich ansehen / wen ich empor / zu dei⸗ nem Chor / mein Haͤnd vnd Augen sehn⸗ lich thue auff heben. Jch weiß gewiß vnd glaͤub von Her⸗ tzen Grunde / du wirst mich erhoͤren zu rechter Zeit und Stunde / denn du hast die / verlassen nie / die dich anruffen mit Hertzen vnd Munde. Christus JESus wird mich auffs Schoͤnste zieren / vnd mich als seine liebste Braut heimfuͤhren / in seinen Thron / da werd ich schõ / mit allen Eng⸗ lein lieblich musiciren. Da wird deñ alles schoͤn vnd lieblich klingen / die Engelein schoͤne Freuden⸗ Lieder singen / der lieblichn Thon klingt also schon / daß alle Seelen vor grosser Freuden springen. Wen mein Hertz an die grosse Freud thut dencken / so thut mich mein Elend nit so sehr kraͤncken / deñ es wird Gott / nach meinem Todt / dz rechte Gnaden⸗ wasser mir einschencken. Mit himmlisen Manna wird er mich speisẽ / vnd mir die allerschoͤnste Schaͤtze weisen / da werd ich jhn / mit heller Stimm / mit allen Englein ruͤ⸗ men / loben vnnd preisen. ENDE Show less

Petriflut in Friesland und Amsterdam, 1651
Warhafftiger Bericht / vnd Newe Zeittung Von einer grossen Erschraͤcklichen vn⸗ erhoͤrten Wasserflut / welche sich begeben den Rheinstrom / durch vnd durch biß auff Am⸗ sterdam in Holland / deßgleichen in Frißland haus gehalten hat / was fuͤr Menschen / Vieh / Haͤusser / vnnd Kauffmans... Show more Warhafftiger Bericht / vnd Newe Zeittung Von einer grossen Erschraͤcklichen vn⸗ erhoͤrten Wasserflut / welche sich begeben den Rheinstrom / durch vnd durch biß auff Am⸗ sterdam in Holland / deßgleichen in Frißland haus gehalten hat / was fuͤr Menschen / Vieh / Haͤusser / vnnd Kauffmans Wahren in den Kellern ist verdorben / vnd vmbkommen / kan nicht Taxirt / oder beschrieben werden / ge⸗ schehen diesen vergangenen Winter / dieses jetzt lauffenden Jahrs. Jm Thon / Wacht auff jhr Christen alle. Gedruckt im Jahr 1651. 1. MJt Trawer muß ich Singen / merckts wol zu dieser Zeit / von gar schreck⸗ lichen Dingen / auch von Jammer vnd Hertzenleyt / waß sich hat zugetragen / am Rheinstrom durch das Landt / daß Hertz moͤcht uns verzagen / wenn solches wird be⸗ kandt. 2. Wie dann newlich geschehen / jhr lieben Christenleut / o Mensch thus recht verstehen / in diesser boͤsen Zeit / wie grewlich thet ankom⸗ men / eine grosse Wasserflut / viel Tausent Menschen in Summen / waren in grosser Noth. 3. Es hat schrecklich thun haussen / im Lande dazumal mit Saussen vnd auch Braussen / hoͤrt man da vberall / zu Coͤllen auff dem Marckte / stunde der Rhein alldar / ist niemals gewest so starcke / wol in drey hundert Jahr. 4. Westorff liegt an dem Rheine / zwoͤlff Haͤu⸗ ser von der Stadt / die Todten all ins gemei⸗ ne / hinweg getrieben hat / vom Kirchhoff hat genommen / von jhren Ruhbetten herauß / schrecklich hinweg geschwummen / mit Jam⸗ mer vnd grossem Grauß. 5. Zu Duͤsseldorff auch deßgleichen / zu Key⸗ serswerth fortan / o Mensch laß dich erwei⸗ chen / laß dirs zu Hertzen gahn / da hoͤrt man Weinen vnd Karmen / die Menschen in der Wasserßnoth / ein Stein moͤcht es erbarmen / laß dichs erbarmen Gott. 6. Ruhrort / wie man vernommen / Orschaw / vnd Berg zumahl / nach Wesel / vnd Xanten thet kommen / der Rhein gieng vberall alle Wiesen vnd Faͤlder vberschwemmet / mit Stein vnd Sandt fortan die Warheit thuts bekennen / nun hoͤret weiter an. 7. Rees / Emmerich auch deßgleichen / biß auff Schenckeschantze fort / Nimwegen thets auch erreichen / schrecklich an diesem Orth / Diel / Pommel hats nicht verschonet / S. Andreas Schantz alldar / die Wahl hats schrecklich be⸗ lohnet / o weh der grossen Gefahr. 8. Weitter solt jhr anhoͤren / jhr lieben Chri⸗ stenleut / wie die Wasserflut hat verstoͤret / durch die Bedam weit vnd breit / auff Arnem / vnd Reinen ist kommen / biß auff Amsterdam hinan / die Teich in einer Summen / jaͤmmer⸗ lich sind durch gegahn. 9. Amsterdam in grossen Sorgen / die Men⸗ schen all sonder Spott / sie hatten sich ver⸗ borgen / auff die Balcken in grosser Noth / alle Keller voll Wassers waren / groser Schad ge⸗ schehen ist / von allerley Kauffmans Wahren / nicht zubeschreiben ist. 10. Viel Menschen musten verderben / in der grossen Wassersnoth / Jaͤmmerlich musten sie sterben / laß dichs erbarmen Gott / viel Vieh auch in der Summen / im Wasser ge⸗ blieben seyn / jaͤmmerlich sindt vmbkommen / o weh der schweren Pein. 11. Frießlandt hats auch erfahren / in solcher Wassersnoth / sie waren in grossen Gefah⸗ ren / die Menschen all sonder Spott / es hat schrecklich thun haussen im Lande weit vnnd breit / darvor viel Menschen thut graussen / o weh der boͤsen Zeit. 12. Was Gott darmit thut meinen / ist vns gar wol bekant / wir muͤssen all beweinen / vn⸗ ser Suͤnd Laster vnd Schandt / groß Vn⸗ gluͤck ist vorhanden / Gott traͤwet vns haͤfftig sehr / das macht in allen Landen / erzoͤrnt man Gott gar schwer. 13. Wo hin man sich thut kehren / durchauß in aller Welt / erzoͤrnt man Gott den Herren / als die Zeit jetzt vermelt / Fluchen / Laͤstern vnd Schenden / Mordt / Haß / Vnzucht vnnd Pracht / hoͤrt man an allen Enden / bey Tag vnd auch bey Nacht. 14. Gar viel Sauffen vnd Fressen / treibt man zu diesser frist / man hat Gott gar vergesstn auffs hoͤchste kommen ist / man kann nicht all beschreiben / die Laster vnd Boßheit / die jetzt die Welt thut treiben in dieser letzten Zeit. 15. Wer mag doch all bedencken / die Boßheit vberall / Gott wirdts vns nicht frey schen⸗ cken / es neige sich alles zum Fall die Suͤnde thut sich mehren / Thewrung / Hunger vnnd Pest / werden vns gar hoch beschweren / dann wir thun nicht das best. 16. Christus hat angezeiget / daß vorm letzten Gericht / als sich nun zu vns neiget / gar viel Wundergeschicht / wirt man als dañ erleben / Pest / Hunger vnd Brand darbey / die Was⸗ serwogen schweben / vñ Wunder mancherleey 17. Das solches genug klar am Tage / hoͤrn wir mit grossem schmertz / mit Seufftzen noth vnd klagen / aͤngstet sich manches Hertz / da⸗ mit ein Christ mit leyden von Hertzen haben muß / solch Wunder Gottes verbeidten / mit Rew vnd rechter Buß. 18. Last vns zu Gott bekehren / mit der Statt Ninive / vnd seinen Nahmen ehren / die Suͤnd mit Angst vnd weh / beweinen vnd beklagen / Ernstlich an allem orth / thun was seyn Die⸗ ner sagen / vnd folgen seinem Wort. 19. Wann wir abstehn von Suͤnden / will Gott vns straffen nicht / thut Buß zu allen Stundẽ gedenckt an Gottes Gericht / der Herr wirdt bald kommen / in seiner Herrligkeit / zu richten boͤß vnd frommen / es ist fast an der Zeit. 20. Ach last vns Gott all bitten / vmb Beystand vnd Genad / dann wir sind auch damitten / wz Gote beschlossen hat / das ist vns gar verbor⸗ gen / wz vnser Nachbarn geschicht / kann vns widerfahren Morgen / wie man gemeinlich spricht. 21. Es solt sich doch erbarmen / ein gar harten Stein / das Seufftzen vnd daß Karmen / da⸗ selbsten an dem Rhein / in Frießlandt auch mit klagen / in Schmertz vnd grosser Noth / sie sa⸗ hen am selbigen Tage / fuͤr jhnen den bittern Todt. 22. Solt nicht ein Christ erschrecken / vber diß Wasserwerck / seyn Hertz vnd Gemuͤth auff⸗ decken / daß Gott durch seine Staͤrck / viel Wunder offenbahret wie man hoͤrt heut zu Tag / die Zeit es gnug erklaͤret / mit Angst vnd grosser klag. 23. Die diß Wunder verachten / vnnd lassens gehn in Wind / vnnd nicht Hertzlich betrach⸗ ten / wie man leyder viel findt / die wird der Herr sehr straffen / vmb solcher Suͤnden groß die gar in Suͤnden schlaffen / vnd seyn so sehr Gottloß. 24. Ach last vns all beklagen / die Wasserflut im Land / vnd wolt man weitter fragen / es ist nit all bekandt / Ach Gott thu vns geleyden durch deine Guͤttigkeit / vnd nimmer von vns scheyden / heut ist die letzte Zeit. 25. Ach Gott ins Himmels Throne / durch Christum deinen Sohn / vnser aller verscho⸗ ne / straff nicht nach vnserm Thun / wollest so nicht von vns weichen / mit deinem H. Geyst / bekehr vns durch dein Zeichen / dein Nahm sey ewig gepreyst / AMEN. Show less

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