Wundergeburt in Zellerfeld bei Braunschweig, Mai 1641; Missgeburt in Winnenden
Drey vnderschiedliche Newe Zeitungen Erstlich Von einer Fra⸗ wen zu Zellerfeldt im Braun⸗ schweigerlandt / wie dieselbe schwan⸗ gers leibs gestorben / im Grab das Kindt ge⸗ boren / vnd nach 9. wochen wieder lebendig auß dem Grab kommen / sambt dem Kindt / vnd was jhr Aus⸗ sag gewesen /... Show more Drey vnderschiedliche Newe Zeitungen Erstlich Von einer Fra⸗ wen zu Zellerfeldt im Braun⸗ schweigerlandt / wie dieselbe schwan⸗ gers leibs gestorben / im Grab das Kindt ge⸗ boren / vnd nach 9. wochen wieder lebendig auß dem Grab kommen / sambt dem Kindt / vnd was jhr Aus⸗ sag gewesen / ordentlich beschrieben / gesche⸗ hen am Heil: Pfingstag / 1641. Beschrieben durch Jeremiam Wollerum Supperatendenten daselbsten. Neben eines verzuckten Juͤngleins zu Prag / offentliche Aussag vom Frieden. Zum andern / Von einer schroͤcklichen Mißge⸗ burth / welche 2. Meil von Stutgarten zu Winenden im Hertzogthumb Wuͤrtem⸗ berg / von ehrlichen Eltern / mit Namen Hanß Phi⸗ lip Aychelin / Burger vnd Schneider / vnd seiner Fra⸗ wen Agnes / auff die Welt gebohren / wie es ge⸗ staltet / sambt deren Bedeutung außfuͤhr⸗ lich beschrieben. Getruckt zu Nuͤrnberg / bey Christoph Lochner / Anno 1641. Die erste Zeitung. HOert zu jhr lieben Christenleut / ein Zeitung thu ich bringen / so sich newlich in kurtzer Zeit / begeben will ich singen / am Hartz / genandt zu Zellerfeldt / die pur lauter Warheit ich meldt / ach Gott hilff mirs vollbringen. Jn diesem Ein vnd viertzigsten Jahr / am Gruͤn⸗ donnerstag eben / mit Herman Weitzers Frawen zwar / hat sich die Gschicht begeben / denn sie gieng schwanger auff die Zeit / wurd kranck legt sich zu Bett bereit / mit trawren vnd wehklagen. Vier wochen hat sie noch vor jhr / eh sie sich thaͤte legen / sie baht den Herren fuͤr vnd fuͤr / er woll jhr doch Gnad geben / daß sie jhr Kind braͤcht auff die Welt / darnach wens Gott dem Herrn gefaͤllt / wolt sie gern sterben eben. Aber der Allmaͤchtige Gott / wolt Wunder mit jhr treiben / darumb durch den zeitlichen Todt / nahm er bald hin das Weibe / am vierdten Tag wurd sie begra⸗ ben / mit jammer hertzleyd vnd wehklagen / thaͤt vier Kinder verlassen. Nun hoͤrt jhr lieben Christen fein / was sich weiter zutragen / die Kinder sambtlich ins gemein / giengen fuͤrwar alltage / auff den Kirchhoff wol zu dem Grab / beweinten jhr Muter vorab / taͤglich thaͤtens sie treiben. Als nun die Fraw neun wochen lang / in dem Grab ist gelegen / nahmen die Kinder jhren Gang / auff den Kirchhoff hergegen / da hoͤrten sie ein lieblich Stimm / auff jhrer Muter Grab vernimb / ein Kinderlied zu singen. Nun schlaff mein liebes Kindelein / sang sie im rechten Thone / die Kinder lieffen gschwindt anheim / zu jhrem Vatter schone / sprachen hertzlieber Vatter mein / gehet mit vns auff den Kirchhoff nein / vnser Muter singt gar schoͤne. Sie wiegt im Grab ein Kindelein / der Vatter thaͤt bald sagen / jhr lieben Kinder bleibt daheim / ewer Muter schlaͤfft ohn klagen / die Kinder liessen im kein rhu / biß er mit gieng dem Grabe zu / da thaͤt ers selb⸗ sten hoͤren. Ein vberauß liebliche Stimm / er thaͤt geschwindt hin gehen / zeigts an der Obrigkeit fuͤr hin / bath sie auch hoch darneben / sie wollen jhm vergoͤnnen doch / daß er daß Grab laß oͤffnen noch / auff seinen kosten eben. Dieses wuͤrdt jhm vergunt geschwind / er solt es oͤffnen lassen / es lieff herzu Mann Weib vnd Kindt / der Pfarrherr gleicher massen / als man nun grub biß auff die Baar / vnd oͤffnet sie ohn alle gfahr / groß Wunder thaͤt man sehen. Da lag daß Weib gantz lebendig / das Kindt an jhrer seiten / man zogs auß dem Grab sichtiglich / der Mann sahs an mit frewden / sie sprach zu jhm hertz⸗ lieber Mann / da nimb dein Kindt in deine Handt / vnd thu dich nicht entsetzen. Das Kindt lachet sein Vatter an / sie giengen heim zu hause / ein Bad thaͤt man zurichten schon / ein Malzeit auch vorausse / die Glehrten kamen all zu⸗ sam / das Mirackel zu schawen an / auch zu hoͤren ohn grausen. Was sie doch werd anzeigen thon / was man von jhr wirdt hoͤren / sie sprach jhr lieben herren schon / bitt jhr wolt ohn beschweren / meine Wort jetzund hoͤren an / dieselb fleissig auffzeichnen thon / vnd in gedaͤcht⸗ nuß bhalten. An dem Heiligen Auffartstag / bin ich erwachet eben / gleichsam auß einem tieffen Schlaff / befande auch darneben / mein gegenwertig Kindelein / hat in der Hand ein Lilgen fein / vnd war gantz frisch darneben. All Abendt vnd auch alle Nacht / all Morgen vnd Mittage / bracht mir ein kleines Knaͤbelein / Speiß gnug ohn alle Klage / daß ich mein Kindlein seugen Kundt / sprach auch auff den Pfingsttag zur stund / sollst gehen auß dem Grabe. Aber nicht lenger als 3. Jahr / wirst noch bleiben im Leben / du solt auch anzeigen fuͤrwahr / dem betruͤbten Volck darneben / das sie nicht sollen Zweifflen all / sondern sich frewen Alzumahl / Gott will den Friden geben. Den das gantze Himmlische Heer / fuͤr die Christen heit Betten / das doch Gott seinen Zorn abkehr / doch sollen wir auch tretten / mit Wahrer buß vnd Paͤnit⸗ entz / zu Gott mit Hoͤchster Reverentz / sollen wir auch fleissig betten. Viel andere sach erzelet sie / das zu Regenspurg feine / Kayser vnd Fuͤrsten Allsambt wie / sie jetzt bey sammen seine / guͤtlich werden Vergleichen thun / den lieben Friden beschliessen schon / zu Trost den Vnterthanen. Aber O weh vnd vber weh / die das Gespoͤtt darauß treiben / sagen ich erlebs nimmermehr / das Fridt wirdt jetzund bleiben / derselbig Mensch zweiffelt an Gott / Ja an der Hoͤchsten Mayestatt / Gottes Allmacht thut er Laͤugnen. Hat Gott dorte Senacherib / in Assirien geschla⸗ gen / Hundert vnd 80. Tausent Mann / in einer Nacht mit klagen / da er die Kinder Jsrael / durch den Engel erloͤset schnell der GOtt lebt nach den Tage. Jetzundt ist auch ein Juͤngling schon / zu Prag Verzucket worden / fuͤrwahr eines Raths Herren Sohn / 3. Tag andiesen Orthen / ist er gelegen gantz fuͤr Todt / Nach dem ist er wider durch Gott / gantz recht Lebendig worden. Er sprach Frewt euch jhr Christen all / es wirdt bald Besser werden / den Gott in seinem Himmlischẽ Saal / hat bschlossen daß auff Erden / das Blutt⸗ vergiessen hab ein endt / all vngluͤck sich auch von vns wend / Doch muͤssen wir buß wuͤrcken. Vnnd ehe drey Monat thun vergehn / wird das Teutsch Roͤmisch Reiche / wider in aller wolfart stehen / sich mit einander Vergleichen / der liebe Fridt wirdt vmb vnd vmb / in Herbstes zeit bluͤhen in Sum̄ / Ach thut nur fleissig Betten. Vnnd zweiffel nicht mein fromer Christ / Gott wirdt dirs gewißlich halten / was er verspricht sey nur geruͤst / laß den lieben Gott walten / Bett vnd ruff Jesum Christum an / er ist der rechte Fridens Mann / der wirdt dir helffen AMEN. Die ander Zeitung. ES ist gewißlich an der zeit / das Gottes Sohn wird kommen / der Juͤngste Tag ist nicht mehr weit / zu richten boͤß vnd frommen / weil vns der lieb HErr JEsus Christ / als ein Vatter genaͤdig ist / zur warnung vns laͤst kommen. Ach wie ein schreckliche Mißgeburt / hat sich kurtz⸗ lich zutragen / darvon man klaͤrlich schreiben thut / vor kurtz verschienen Tagen / ein Statt wird Winenden genandt / zwo Meil von Stutgart wol bekant / die Warheit muß man sagen. Jm Martio den vierdten Tag / gebar mit gros⸗ sem schmertzen / von ehrlichen Eltern wie ich sag / ach Christ faß es zu Hertzen / jhr Nahm sind beyde obge⸗ melt / da sie vns Gott vor Augen stelt / ach treib da⸗ rauß kein schertzen. Schroͤcklicher gestalt gantz trauriglich / ein Maͤgd⸗ lein ist geboren / wie man wird haben wahren bericht / gar klaͤrlich vnverborgen / der Anblick war trawriger⸗ gestalt / auß befelch deß Fuͤrsten wurds abgemahlt / sonst wer es zubesorgen. Nicht nur in diesem Hertzogthumb / sondern in gantz Teutsch Lande / ist es kommen in einer summ / das ist vor GOtt einschande / das Kind hatte auff seinem Kopff / verknuͤpfft mit Baͤndlen / Haar vnnd Zoͤpff wie ein Nest thut verstanden. Jetzunder ists worden gemein / so man zur Kirchen gehet / das Weibsvolck will auff gnestelt seyn / wie ein Mansbild dastehet / solch grewel ist vor Gott verklagt / wie vns diß Wunder deut vnd sagt / ach mein Christ laß dirs sagen. Solch Kirchen gehn ist nur ein schein / auch solch Communiciren / du ehrst Gott mit dem Mund allein / im werck kan man nichts spuͤren / dardurch so wird er⸗ zuͤrnet Gott / daß wir kommen in angst vnd noth / mein Christ thu dich bekehren. Die Augen mitten auff dem Haupt / so gen Him̄el aufsehen / demuͤhtig so erbaͤrmiglich / vnd trawrig offen stehen / so vns verklagen will bericht / gwißlich vor Got⸗ tes Angesicht / mit weinen vnd mit flehen! Die Ohren auch gantz wundersam / auff den Achs⸗ len thun stehen / das thut anzeigen Fraw vnd Mann / thu ich mit warheit jehen / die vnbillich vermessenheit / Ehrgeitz / Hoffart / Betrug vnnd Neyd / wie wird ein Christ bestehen. Soll das nun recht Jungfraͤwlich seyn / wie man je⸗ tzund thut prangen / wol fuͤr das Ehrenkraͤntzlein / hin⸗ den am Kopff muß hangen / gantz buͤschl Baͤndel groß vnd klein / von allen Farben ins gemein / vor Gott ist es ein schande. Darumb jhr Eltern arm vnd reich / jhr Frawen vnd jhr Herren / die Mißgeburt last warnen euch / thut der Jugend abwehren / vermahnts zur Zucht vnd Erbar⸗ keit / so wird vns Gott zu dieser zeit / fuͤr das Blutnest bescheren. Nemlich einen schoͤnen Ehrenkrantz / damit herein darffst gangen / auß Gottes Wort der bluͤmlein glantz / abbrechen mit verlangen / auß dem rechten Wurtzgaͤr⸗ telein / mit beten / singen ins gemein / ein Jungfraw soll herprangen. O Teutschland wie warst du so reich / wie auch so hocherhaben / kein Land ist / das dir vor war gleich / vom Morgen biß gen abend / nun aber ists schier auß mit dir / wilt dich nicht bessern / glaub du mir / frembds Volck wird dich vollend berauben. Nun spuͤrst du noch den Vatter lind / darumb laß dich bewegen / an diesem jetzt gebornen Kind / thu auch dein Haͤnd auff heben / Augen vnd Hertz gen Himmel auff / mit wahrer Buß zum Vatter lauff / so wird er gwißlich geben. Den edlen vnd guͤldenen Frid / in vnserm Vatter⸗ lande / hiemit Teutschlandt ermahnet wird / ein jeder nach seim Stande / soll einher gehn nach seiner gebuͤr / so wird der HERR das glaub du mir / auffloͤsen diß Straffbande. Ach frew dich dann mein frommer Christ / schlag deine Haͤnd zusammen / weil es warhafftig gschehen ist / in Jesu Christi nahmen / greiff zu der Buß / denn es ist zeit / so gibt euch Gott die Seeligkeit / durch JEsum Christum AMEN. Show less

Liebesdrama und Selbstmord eines Ehemanns, 1608
Ein gar trawriges Lied. Von einem Stu⸗ denten / welcher im Jahr 1608. zu Franckfort an der Oder / sich mit einer Jungfraw verehelichet / vnnd vor der Hochzeit in seine Heymath gezogen / sein Pa⸗ trimonium oder Heyrahtguth zu holen / vnd also ein wenig vber die zeit außgeblieben / als hat die... Show more Ein gar trawriges Lied. Von einem Stu⸗ denten / welcher im Jahr 1608. zu Franckfort an der Oder / sich mit einer Jungfraw verehelichet / vnnd vor der Hochzeit in seine Heymath gezogen / sein Pa⸗ trimonium oder Heyrahtguth zu holen / vnd also ein wenig vber die zeit außgeblieben / als hat die Braut (auß zwang jhrer Eltern) einen welcher reicher gewe⸗ sen ist / nemmen muͤssen / als aber der erste wider kommen / vnd erfahren / daß die Braut einem andern verhey⸗ rathet. Als hat er dieses Lied gemacht / vnd Abends vor jhrer Thuͤr gesungen / vnd letstlich sich er⸗ stochen. Allen Venus Kindern zur Warnung fuͤrgestellt / vnd in der Melodey: Nun laßt vns den Leib be⸗ graben / rc. Getruckt im Jahr / 1641. 1. KEhr vmb mein Seel vnd trawre nicht / Ob schon deim Leib groß leyd geschicht / Vnd jhr o liebste aͤugelein mein / wischt ab von euch die Thraͤnelein. 2. Weil mir mein wunsch jetzt misselingt / vnd mir das gluͤck ein anders singt / weil gunst vnd kunst vergebens ist / vergebens alle Witz vnd List. 3. Auff welch ich all mein hoffnung hab / Die bringt mein Coͤrper in das Grab / vnnd auch mein Seel zur Hoͤllen pein / Wo GOtt nicht bricht den willen mein. 4. Ach daß ich je geboren war / ach daß mich je die Sonne klar / beschienen thaͤt / so waͤr ich loß / von Venus band vnd jhren geschoß. 5. Verflucht sey die vnselig zeit / da mich dein Anblick erst erfrewt / verflucht sey die vn⸗ selig zeit / da ich von dir durch den todt scheydt. 6. Die stundt sey auch verflucht geacht / da ich zum ersten mal erwacht / vom ersten schlaff vnd da nit pflag / Zu schlaffen biß an Juͤng⸗ sten tag. 7. Die auffzuͤge deß Todes mein / sindt wie der Wind geschwind vnd klein / kurtz ist die zeit / nah ist der Todt / O weh / O weh der grosse noth. 8. Darumb liebste Seele mein / dicht mir zuvor ein Liedelein / vnd du o rothes Muͤnde⸗ lein / sing mir zuvor ein Liedlein klein. 9. Sing mir o Welt ich muß dich lassen / den ich fahr dahin meine strassen / in dir hab ich kein frewd noch ruh / biß man mir truckt die Augen zu. 10. Biß man mein gantz betruͤbten Leib / der ellend vmb dich schoͤnes Weib / stirbt vnd ver⸗ dirbt mit trawren wehrt / begraben in die traw⸗ rig Erd. 11. So weiß im doch daß mit wehklagen / mich manch schoͤns Weibsbild wirdt bekla⸗ gen / Mit trawren werden die Leuth sagen / jhr schoͤn gestalt hat jhn erschlagen. 12. Wann ich dann werd gestorben seyn / begraben vnder den Marmelstein / so soll diß auff weiß Helffenbeyn / zur letzte mein Grab⸗ schrifft seyn. 13. Mein Wandersmañ vmb Gottes will / geh nicht forthan / sonder steh still / dein sach schieb auff diese Verßlein liß / die Christlich Lieb erfordert diß. 14. Ein Juͤngling zart / ein Edler Leib / ge⸗ toͤdtet ward von einem Weib / wider jhrn wil⸗ len / ach manigfalt / doch vervrsachts jhr schoͤ⸗ ne gestalt. 15. Die richtet jhn zum todt vom leben / vnd kont jhms doch nicht wider geben / sein Frewd war klein / sein Leydt war hart / sein Leib hierin gelegt ward. 16. Darumb gut Gsell gleich wer du bist / vnd diese meine Grabschrifft lißt / laß dich die Lieb nicht so verfuͤhren / sonst wirstu Leib vnd Seel verlieren. 17. Sag nun hertzallerliebste mein / heist das nit recht geliebet seyn? Weil durch die Lieb / mein Leib vnd Leben / wirdt schaͤndtlich in den Todt gegeben. 18. Jch het ja ewig nicht gedacht / Daß ich wurd so gering geacht / von dir / wegen deß Le⸗ bens mein / O herber Felß / O harter Stein. 19. Daher dann auch die Eltern dein / nit dein natuͤrlich Eltern seyn / sonder die Leybisch Wuͤsteney / viel billicher deine Mutter sey. 20. Atlas von dem da ist die sag / daß er die last deß Him̄els trag / der hoͤchste Berg in Mo⸗ renland / wird billicher dein Vatter genandt. 21. Dein Vatterlandt vnd Wuͤsteney / die vmbligende vmb Sinay / vom rothen Meer / biß zum Jordan / Egypten biß nach Canaan. 22. Die Tigerthier so grausamlich / haben zehen Jahr gesaͤuget dich / von fuͤnff Vntu⸗ genden wirst du bekleid / vngnad / stoltz / raach zorn vnd falschheit. 23. Dieweil du deine freundlichkeit / gegen mir verbirgest allezeit / ach blutdurstig grim⸗ migkeit / ach grimmige blutdurstigkeit. 24. Doch ist mein letster trost daß ich / nit bin der erst / der durch Lieb sich / ertoͤdt deß todts gleich wie man list / die Lieb vor laͤngst gewe⸗ sen ist. 25. Jch werd auch nit der letste seyn / der durch Lieb fehrt zur Hoͤllenpein / jedoch wird den Nachkommen dein / mein Todt ein ewig exempel seyn. 26. Julius Cæsar / vnd Hanibal / Tarqui⸗ nius vnd Astrubal / ja Adam / Loth vnd Sa⸗ lomon / Samson / David vnd Absolom. 27. Die sind vber alle weißheit vnd macht / wie hoch sie jm̄er wurden geacht / durchs Teuf⸗ fels strick vnd Frawen tuͤck / gerathen in groß Vngeluͤck. 28. Leander in dem Meer vmbkam / da er zu seiner liebsten schwam̄ / die Biblis sich zu tode weynt / da sie verlohr jhren besten freundt. 29. Lysippus erhenckt worden ist / Procris erschossen wie man lißt / Narcissus durch sein eigen Lieb / ist worden seines lebens Dieb. 30. Troja das Edle Koͤngreich / geschlayf⸗ fet ward der Erden gleich / manch Koͤnig / Fuͤrst vmb Helenam / erbaͤrmlich vmb sein lebẽ kam. 31. Noch mehr seind / welch mir mein ab⸗ scheid allzu erzehlen weit verbeut / den Todt den ich mir fuͤrgenommen / der soll vnd muß mir nicht entkommen. 32. Dann mein Leib eylet in das Grab / welchs ich mir selbst erwehlet hab / vnd sing zu letzt mit trawrigen klang / gleich wie ein Schwan den Leychgesang. 33. Wann dann nun wirdt das Muͤtle dein / durch mein jungs Blut gekuͤhlet seyn / erst wird sich deine Seel thun kraͤncken / wann du wirst meiner Trew gedencken. 34. Dann von dir will ich lassen nicht / will trawren wann dir wol geschicht / froͤlich will ich sein / wens vbel stehet / wie es jetzt in der Welt zugehet. 35. Wann du wirst essen zu Mittag / vnd hoͤren meiner Seelen klag / so denck daß dich deß Abends eben / gleich klagen vnd zagen wird vmbgeben. 36. Wann du nun wirst zu Bethe wolln / dich deine gedancken schroͤcken solln / auch soltu mich deß Nachts sehen / trauwrig vor deinem Bethe stehen. 37. Wann du deß Morgens erwachen wirst / gleich wie ein Hirsch / den grausam Duͤrst / dich duͤrften soll nach meinem Leben / vnd kanst mirs doch nicht wider geben. 38. Fruͤh will ich sein ein schweres plagen / zu Mittag ein erbaͤrmliche klagen / Abends deins Hertzen angst vnnd zagen / zu Mitter⸗ nacht ein Wurm vnd nagen. 39. Ja wo dich wirdt der Wind hin wehen / solt du mich allzeit bey dir sehen / mit trawer Kleydern angezogen / darumb daß mich deine Lieb betrogen. 40. Jn der Kirchen / zu Feld / im Hauß / wirdt vmb dich sein ein Wind vnd sauß / in winckeln / Wenden vnd allen enden / will ich mein Geist zur Qual dir senden. 41. Der Todt vnd das schnoͤd ende mein / deim leben nicht sollen nuͤtzlich seyn / auch wir⸗ stu nimmer werden froh / nur ach / rach / weh / o mordio. 42. Wann du wirst in den letsten Zuͤgen / ohn Menschen trost vnd huͤlffe liegen / will ich wie ein Daͤpff bey dir seyn / engsten dein armes Seelelein. 43. Vnnd wann man dir dein Leichge⸗ brang / halten mit klarem Glockenklang / so will ich dir daß gleite geben / vnd vber deiner Baar her schweben. 44. Darnach will ich nicht lassen ab / son⸗ dern zehen tag auff deinem Grab / mit heulen vnd Weinen bringen zu / daß dein Seel nicht kan haben ruh. 45. Jm Grab auch vnder deinem Stein / solt du fuͤr mir nit sicher sein / dann ich dich offt ohn maaß vnd ziel / grausam wecken vnd schrecken will. 46. Vnd wann dich deucht fuͤr vber seyn / die truͤbe Wolck / all qual vnd pein / was du zu⸗ vor im Spiegel gesehen / wird erst mit rechtem ernst angehn. 47. Wann deß Engels gethoͤn vnd sauß / das letste Gericht wird blasen auß / so wird erst Blitz vnd Donnerschlag / die Nacht angehn bey dem Tag. 48. Da wird auff tretten mein bleicher Mund mein Hertz zerhackt / zerknirscht / ver⸗ wundt / vnd mein Seel auß betruͤbten Sinn / dich anklagen als ein Moͤrderin. 49. Mein arme Seel erloͤßt von GOtt / hat dein vntrew gebracht in noth / vnd den Leib so mir GOtt gegeben / hat dein vntrew ge⸗ bracht vmbs Leben. 50. Ade ich scheide zu dieser frist / der Zeyger außgelauffen ist / mein Hertz durch eysen wirdt verletzt / ob sich schon die Natur entsetzt. 51. Ade o Welt o Zeit o Frewd / vnd jhr o Venus Kriegsleut / GOtt geb daß jhr erhalt den Streit / vnd werdet Venus Siegesleut. 52. Letstlich bitt ich vmb Gottes willen / ich will mein willen doch gern erfuͤllen / laß nur dz junge leben mein / fuͤr deinen todt bezahlet sein. 53. Ade o weh zu guter Nacht / sey dir diß Lied in leydt gemacht / in trawrigkeit sey dirs erdacht / O weh / Ade zu guter Nacht. E N D E. Show less

Seeschlacht zwischen Türken und Christen, 1644
Warhafftige Newe Zeitung / Von Der erschroͤckli⸗ chen vñ grausamen Schlacht so geschehen den 1. 2. vnd 3. Hornung dieses 1644. Jahrs auff dem Meer / zwischen der Christen vnd Tuͤrckischen Schiff⸗Armeen / dar⸗ bey die Tuͤrckischen Hunde durch verhaͤngnuß Gottes wegen vnserer vielfaltigen... Show more Warhafftige Newe Zeitung / Von Der erschroͤckli⸗ chen vñ grausamen Schlacht so geschehen den 1. 2. vnd 3. Hornung dieses 1644. Jahrs auff dem Meer / zwischen der Christen vnd Tuͤrckischen Schiff⸗Armeen / dar⸗ bey die Tuͤrckischen Hunde durch verhaͤngnuß Gottes wegen vnserer vielfaltigen Suͤnden / den Sieg erhal⸗ ten / vnd wie sie auch gleich darauff in die Polnische Grentze einen Eynfall gethan / wie grewlich sie allda gehauset / vnd auch willens sind das gantze Teutsch⸗ land mit Raub / Mordt vnd Brandt vollends gar hinzurichten / Gott woͤlle es gnaͤdig verhuͤten / solches alles ist in diesem Gesang außfuͤhrlich verfasset. Darbey auch ein schön Lied / Welches der Geistliche Schaͤck genannt wird. Getruckt zu Augspurg / im Jahr 1644. Die erste Zeitung. ACh Christen Mensch sih an die Noth / wie hefftig ist erzoͤrnet Gott / uͤber vns Christen zu gleiche / Es ist doch ja kein wochen nicht / man hoͤrt groß blutvergiessen. 2. Es wird vns sorg ich aͤrger gehn / wo wir von Suͤnden nicht abstehn / als Sodom vnd Gomorra / Jerusalem die schoͤne Statt / die wurden gantz verstoͤret. 3. Darzu ist schon vor langer zeit / vns von den Alten propheceit / wie der Tuͤrck soll eyn⸗ tringen wol in die Christenheit mit macht / al⸗ les jaͤmerlich vmbbringen. 4. Durch Polen biß gen Coͤln am Rhein / all⸗ da soll dann sein ende seyn / fuͤrwar es thut sich schon schicken / man hoͤrt daß der Tuͤrck mit gantzer macht in die Christenheit thut rucken. 5. Der Tuͤrckisch Keyser zu der stund / der tobt jetzt wie ein tauber hund / will die Christen eins machen / hat jhnen lange Jahr zusehen thun Wie sie einander geschlagen. 6. Er hat beysammen ein grosse Macht. der Tuͤrcken da zusammen bracht / welche man thut schetzen Jn dreymahl hundert tausend Mann / will in die Christenheit setzen. 7. Auch geschworen bey seiner Kron / Tag vnd nacht kein ruh nicht han / biß er Teutsch⸗ land hab eyngenommen / woͤll sehen ob jhr ge⸗ creutzigter Gott Jhnen zu huͤlff will kommen. 8. Wie er dann heur in diesem Jahr / den ersten Hornung ist gewißlich wahr / also hab ich vernommen / biß auff die dreyzehen Schiff den Christen abgenommen. 9. Sie haben gesten drey nacht vnd tag / das Meer gar grausamlichen tobt / that nichts dann saussen vnnd praussen / viel Christen wag⸗ ten frey den Todt / sprungen ins Meer ohn graussen. 10. Forchten des Tuͤrcken vngestuͤm̄igkeit / Viel mußten leyden grosses laͤld / dar zu auch grosse schmertzen / wie es andern ergangen ist / die sich han gefangen geben. 11. Die Tuͤrcken wol zur selben zeit / hatten auff die Christen grossen neid / wol zu derselben stunde / schossen mit Stucken manigfalt / viel Schiff fielen zu grunde. 12. Die Tuͤrcken haͤtten den wind gar gut / das brach den Christen Hertz vnd Muth / sie mochten nicht entrinnen / die Tuͤrcken eylten starck auff sie / vnd thaͤten sie gar vmbringen. 13. Mit dreyssig Schiffen thu ich bekandt / die Tuͤrcken die Christen vmbfangen handt / daß sie nicht konnten entrinnen / sie fochten drey gantz tag vnd nacht / ehe sie sich wolten ergeben. 14. Der Tuͤrcken waren ein groß anzahl / die stiegen auff die Schiff zu mahl / vnd schrien die Bluthunde / wo hand jhr ewren gecreutzig⸗ ten Gott / daß er euch zu huͤlff komme. 15. Da sprach der Tuͤrckische Tyrann: man soll kein Christen leben lahn / all in das Meer versencken / vier Obriste ich verlohren hab / das will ich jhnen eyntraͤncken. 16. Vnd da die Christen das erhorten / grif⸗ fen bald wider zu jhren Wehren: vnd erstachen noch manchen Tuͤrcken / das waͤrt biß in die finstere nacht / kein ernst sie gar nicht sparten. 17. Sie dachten all zu dieser frist: kom̄ vns zu huͤlff Herr Jesu Christ / wir muͤssen alle ster⸗ ben / Gott woͤll wenden jhren schaden / vnd sie fuͤhren ins ewige Leben. Sie machten sich nicht mehr erwehren / die Tuͤrcken thaͤten sie darvon fuͤhren / viel hant sie lebendig geschunden / vnd viel haben sie ent⸗ haupten lahn / wol zu derselben stunde. 18. Was noch fuͤr Christen in Schiffen sind / die fuͤhrt man gar behende in ein Schiff besonder / da musten sie leiden grosse Pein / ach weh des grossen schmertzen. Schwebel vnd Pech namen sie behend vnd steckten dasselbig an zu end / O wehe des grossen jamers / die Tuͤrcken haͤtten des grosse frewd / vnd thaͤten viel spotwort treiben. Jm fewer mußten sie leiden den Todt / O Christen Mensch denck an die noth / Zwen Obriste sie auch nammen / darzu zwen Haupt⸗ mann an dem end / vnd bunden sie zusam̄en. 21. Ein Kessel mit oͤl man dahaͤr trug / Ein grosses fewr darunder schlug / ach Gott laß dichs erbarmen / die vier wurden dareyn gesetzt / ins oͤl biß vnder die arme. 22. Den Tod mußten sie leyden zur stund / weiters haben die Tuͤrckische Hund / auffm Land gar uͤbel gehauset / mit den schwangern Frawen an dem end / daß eim darvon thut grausen. 23. Vnd thaͤten sie bald schneiden auff / die Leib vnd nammen die Frucht darauß / vnd schlugens vmb die waͤnde / wie sie weiters mit jhnen vmbgangen sind / ist nicht darvon zu sagen. 24. Also in dieser grossen noth / drey tausent Christen bliben todt / wol durch die Tuͤrckische Hunde / viel Stuck sie bekommen handt / an Gold ein grosse summe. 25. O Christen Mensch fall auff dein knie / Bitte Gott taͤglich spath vnd fruͤh / daß er doch woͤll verstoͤren / des Tuͤrcken Macht vnd sein Gewalt / auch seiner Tyranney wehren. 26. Damit die Christenheit allzeit / behuͤtet werd vors Tuͤrcken neyd / durch Jesu Christi Nammen / die heilige Dreyfaltigkeit / beschuͤtze vns allsammen / Amen. Ein schoͤn Gesang der Geistliche Schaͤck genandt. ACh Jammer / Schmertzen / Angst vnd Pein / hat mit mein Hertz genom̄en eyn / von wegen der betruͤbten Zeit / daß in der gantzen Christenheit / ist lauter Angst vnnd Traurigkeit. 2. Kein Freud weiß ich auff Erden / kan auch nimmer froͤlich werden / wañ ich betracht mit groß vnmuth / daß man schmertzlich ver⸗ giessen thut / gleich wie wasser der Christen Blut. 3. Der groͤste theil wol in der Welt / hat nur freud an Gut vnd Geld / ich aber will zu dieser frist / suchen wo ganz die voͤlle ist / bey dem so heisset Jesus Christ. 4. Da find ich Frid vnd Zuversicht / ich weiß daß er mich verlasset nicht / wann mir gleich Leib vnd Seel verschmacht / so hat doch Jesus auff mich acht / vnd sorget fuͤr mich tag vnd nacht. 5. Ja mancher Mensch thut sich hoch uͤbẽ / vnd will nichts dann die Hoffart lieben / ich aber hab mein beste freud / an der Gnad Got⸗ tes allezeit / sein Vnschuld ist mein bestes kleyd. 6. Gar viel Weltkinder find man hie / die haben jhr frewd spat vnd fruͤh / mit fressen / sauffen wie ein Schwein / so Tag vnd Nacht nicht nuͤchtern seyn / sauffen die suͤnd wie wa⸗ ser eyn. 7. Jch aber will an diesem Orth / suchen mein frewd in Gottes Wort / dar zu an seinem Leib vnd Beut / das Leib vnd Seel erquicken thut / vnd bringt mir auch das ewig Gut. 8. Ja mancher thut sein Zeit zubringen / vñ will nur Buhlenlieder singen / ich aber will mein Liedelein / singen von diesem JEsulein / meim allerliebsten Bruͤderlein. 9. Gar viel also jhr zeit verzehren / taͤglich mit fluchen vnd mit schweren / ich aber will zu dieser stund / Gott loben auß meins Hertzen grund / der mir macht Leib vnd Seel gesund. 10. Deßgleichen thut man viel fin⸗ den / haben jhr frewd mit diesen Suͤnden / essen der Armen Schweiß vnnd Blut / verzehren taͤglich frembdes Gut / vnnd achten nicht der Hoͤllen glut. 11. Wann ich haͤtt alles Gut vnd Gelt / bey⸗ sammen in der gantzen Welt / vnd haͤtt die Lie⸗ be Gottes nicht / so waͤr mein Frewd zum Fluch gericht / wie der Apostel Paulus spricht. 12. Drumb acht sich nicht das zeitlich Gut / mein beste Frewd / Hertz / Sinn vnd Muth / hab ich an dir O Jesulein / dann wo du bist da will ich seyn / weil du bist mein / vnd ich bin dein. 13. Weil nun kein frewd mehr wird gefun⸗ den / in der Welt oben vnd vnden / so bitt ich dich O JEsulein / ach laß mich dir befohlen sein / im Tod vnd auch im Leben mein. 14. O JEsulein thu bey mir bleiben / hilff mir die schwere Zeit vertreiben / dañ du machst mir mein Leben ring / deß bin ich froͤlich guter ding / zu lob ich dir diß Liedlein sing. 15. Ein gute Nacht Schwester vnd Bruͤ⸗ der / die jhr gern singet diese Lieder / vnd in der Singer Gesellschafft seyn / haben das liebe Jesulein / fuͤr jhr hertzliebstes Bruͤderlein. ENDE. Show less

Wunderzeichen im Schwäbischen; Unwetter in Hessen; Wunderzeichen in Leipzig, 1645
Drey Warhaff⸗ tige Geschichten / vnd erzellun⸗ gen etlicher erschroͤcklichen Wunderzei⸗ chen / die GOtt der Allmaͤchtig abermahls der suͤndigen Welt / diß lauffenden 1645. Jahrs im Meyen / vnd seyt hero fuͤr die Augen stelt / sie darmit vom Suͤnden⸗schlaff auff zuwecken / rc. Als hernach ... Show more Drey Warhaff⸗ tige Geschichten / vnd erzellun⸗ gen etlicher erschroͤcklichen Wunderzei⸗ chen / die GOtt der Allmaͤchtig abermahls der suͤndigen Welt / diß lauffenden 1645. Jahrs im Meyen / vnd seyt hero fuͤr die Augen stelt / sie darmit vom Suͤnden⸗schlaff auff zuwecken / rc. Als hernach volget: Jn frey vnderschiedliche Klag⸗ Lieder gefasset. Das Erste: Jn der Melodey: Kompt her zu mir spricht GOttes Sohn / rc. Das Ander: Von einem erschroͤcklichen Waͤtter / darinnen vber 400. Menschen vmbkommen: Jn der Melodey: Es wohnet Lieb bey Liebe / darzu rc. Das Dritt: Von etlichen Wunderzeichen so sich zu Leipzig begeben / wie deß Churfuͤrsten in Sachsen Bildnuß Blut geschwitzt / auch allda das Wasser im Newen Statt⸗ graben sich in Blut verwandlet / auch was sich zu Cala mit einem Teych oder Weyer begeben / werdet jhr in disem Lied vernemmen. Jn der Melodey: Warumb betruͤbst du dich mein Hertz / rc. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn deß lauffenden 1645. Jahrs. Die Erste. KOmpt her jhr Christen Weyb vnd Mann / hoͤret die grossen Wunder an / die GOtt der Welt gezeiget / so erst im Meyen gschehen sind / betracht sie wol O Menschen Kind / dWelt gwuͤß zum End sich neyget. 2. Es nahet sich dem Juͤngsten Tag / welcher kompt mit Angst / Noht vnd Klag / dVorbotten sind vorhanden / die sicht vnd hoͤrt man alle Tag / mit Trawren vnd mit grosser Klag / in Teutsch und Welschen Landen. 3. Mensch wilt entfliehen der hoͤllen Glut / laß von Suͤnden sonst thuts nicht gut / zu Gott thu dich bekehren / Er thut Wunder vnd War⸗ nung viel / darmit Er dWelt auffwecken will / wie vns sein Wort thut lehren. 4. Ein Wunderzeichen kuͤrtzlich gschach / im Schwabenland zu Biberach / wie jhr jetzt werdet hoͤren / im Meyen den 15. Tag / grad in derselben Nacht hernach / ein Weegschrey thut man hoͤren. 5. Vmb Mitternacht sag ich fuͤrwahr / wurd es als wann es Tage war / den Himmel sach man offen / ein Hand mit eim Schwerdt herfuͤr kam / auß der Wolcken wie Fewerflam / wie Blut Schwerdt war durchloffen. 6. Das waͤret biß der Tag anbrach / die rohte Wolcken man noch sach / bald hub es an zu knallen / gleich einem grossen Donnerklapff / daß maͤniglich drab erschrack / drey Kugel vom Himmel gfallen. 7. Wie ein Saltzscheyben in der groͤß / ge⸗ schach mit einem grossen getoͤß / in Luͤfften hoͤrt mans braussen / in dStatt fiel eine auff den Marckt / die ander in Stattgraben starck / die dritt vor der Statt draussen. 8. Jn einen Weyer gfallen sey / was dise Kuglen alle drey / fuͤr ein bedeutung haben / das weißt allein der guͤtig GOtt / der alle Ding erschaffen hat / der woͤll vns dSuͤnd vergeben. 9. Die Kuglen verzehrt worden sind / bey einer viertel stund geschwind / vnd sind zu Aschen worden / man weißt nicht was dieses bedeut / GOtt bhuͤt die gantze Christenheit / an allen End vnd Orten. 10. Noch mehr muß ich euch zeigen an / so gschehen nicht gar weit darvon / auch grad am selben Tage / ein gar schroͤckliche Wunder⸗ gschicht / wie ich euch jetzund gib bericht / mit Wahrheit ich euch sage. 11. Vier Stund von Weysenhorn be⸗ kandt / ein Staͤttlein Deinhausen genandt / an vorgemeltem Tage / Kuglen Blutroht fie⸗ len in dStatt / deren man viel auffglaͤssen hat / hoͤrt was sich mehr begeben. 12. Etlich wie Kegel Kugel groß / man thet sie in Geschirr gar bloß / vnd ließ sie darinn stehen / wie Schneeballen sie zerschmoltzen fein / sWasser darvon wie Blut thet sein / viel 100. Menschen es gsehen. 13. Mit Trawren vnd mit grosser Klag / O Mensch betracht den Juͤngsten Tag / dar⸗ von Christus thut sagen / wir sollen sHaupt vnd sHertz empor / heben zu dem Himmlischen Chor / alls mit gedult ertragen. 14. Biß daß vns GOtt nach diser Zeit / beschehrt die ewig seligkeit / in JEsu Christi Nam̄en / auch durch deß heiligen Geistes gnad / daß vnser Suͤnd der Seel nicht schad / wer das begehrt sprech / Amen. Das Andere. O Mensch es geht zum Ende / sich nahet die letste Zeit / die Welt ist gar verblen⸗ det / der Juͤngst Tag ist nicht weyt / fuͤr GOttes Gricht muͤssn wir bald stahn / wie der Mensch gfuͤhrt ein Leben / so gibt jhm GOtt den lohn. 2. Welcher guts hat verrichtet / dem wird gelohnet wol / welcher nur boͤses gstifftet / dersel⸗ big auch nicht soll / zehlt werden vnder Christi Schaaff / muß zu den Boͤcken stehen / vnd ley⸗ den ewig Schmach. 3. Jetzunder thund anhoͤren / was kuͤrtzlich gschehen ist / trawrigkeit thut sich mehren / die⸗ weyl man zu der frist / alle warnungen schlecht in Wind / die GOtt der Welt thut schicken / daß sie ablaß von Suͤnd. 4. Als dann laßt GOtt entbrennen / sein Zorn als wie ein Fewr / wie man auch hat ver⸗ nommen kurtzlich in dem Jahr hewr / erstlich durch grosse Sturm⸗wind / durch Krieg vnd Blut vergiessung / auch schwaͤre Waͤtter gschwind. 5. Schroͤcklich hat man vernommen von Aschenburg der Statt / auch von Hanaw thet kommen groß schaden gethan hat / ein sehr schroͤckliches Waͤtter groß / daß die Bayrische Armee / darvon lit grossen stoß. 6. Vier Hundert Menschen vmbkom̄en / in dem Waͤtter mit Noht / auch 25. in Sum̄en / die durchs Waͤtter zu Tod erschlagen vnd er⸗ truncken sind / O GOtt thu sie begnaden ver⸗ zeich jhnen jhr Suͤnd. 7. Etliche Regimenter begaben sich in Wald / auff daß sie waͤhren sicher / dann dieses Waͤtter kalt / Stein zu vierling vnd halben schwaͤr / viel Soldaten vmbkamen / ersoffen auch viel Pferd. 8. Viel sind die schroͤcklich schweren / fluchen vnd lestern GOtt / sie lassend jhns nicht wehren treiben darauß ein Spott / die zart Ju⸗ gend vnd kleinen Kind / solches bald thut em⸗ pfangen / wie ein Zundel geschwind. 9. Nur Fluchen / Schweren / Prassen / ist jetzt der Welte Art / niemand wils zhertzen fas⸗ sen / daß GOtt wird straffen hart / allhie vnd dort an Leib vnd Seel / es will GOtt niemands foͤrchten / als ob dort sey kein Hoͤll. 10. GOtt thut der Welt fuͤr stellen / der Wunderzeichen viel / man kans nicht all erzeh⸗ len / manchem wurd zlang die weyl / wann man jhn darmit hielte auff / wurd ers nicht woͤl⸗ len hoͤren / wie es der Welte brauch. 11. Wilt du Christi Reich zerren / GOtt sagen ewigs Lob / laß dich dSuͤnd nicht regieren / sie ist deß Teuffels Prob / wie er Adam vnd Eva gthan / so thut ers dir auch machen / drumb flieh ab seiner Bahn. 12. Wandel auff Christi Strassen / folg seim Wort vnd Gebott / Er wird dich nicht ver⸗ lassen / er ist der recht wahr GOtt / der alle Ding weyßt / hoͤrt vnd sicht / der woͤll vns allen helffen / an dem letsten Gericht / Amen. Das Dritte. JHr Lieben Christen hoͤrt mir zu / was ich euch jetzt anzeigen thu / wie so in kurtzer Zeit / viel wunderzeichen gschehen sind / getracht es wol O Menschen Kind. 2. Als man zehlt 16. hundert Jahr vnd 45. das ist war / zu Leipzig in der Statt / im Hewmonat die Wunder groß / hat GOtt fuͤr gstelt der Welt Gottloß. 3. Erstlich in vor gemelter Statt / sChur⸗ fuͤrstlich Bildnuß Blut gschwitzt hat / so im Kuͤriß gmahlt war / an einer Wand ich zeigen an / viel hundert Menschen es gsehen han. 4. Mit Fatzinetlin wischt mans ab / so doch wider Blutstropffen gab / daß waͤrt 3. gantzer Tag / was diß bedeut / ist GOtt be⸗ kandt der / bhuͤt vns all vor Suͤnd vnd Schand. 5. Da diß fuͤrvber mercket mich / im Newen Stattgraben hat sich / Wasser in Blut ver⸗ kehrt / zu Leipzig solchs auch gschehen ist / be⸗ tracht es wol O Lieber Christ. 6. Nun merckt weyters jhr Fraw vnd Mann / zu Cala auch nicht weyt darvon / ein Weyer oder Teych / sWasser drinn ist worden wie Blut / welchs GOtt also verwandlen thut. 7. Acht gantzer Tag es also war / hernach so sag ich offenbar / daß Wasser wurd voll Wuͤrm / wann man dise zertretten thut / so ist in jhnen lauter Blut. 8. Dise Wuͤrm eins Fingers lang sein / was sie moͤgen bedeuten fein / das weißt der Liebe GOtt / der woͤll vns auch nicht straffen. than / nach dem das wir verdienet han. 9. Gwuͤßlich die gantze Christenheit / voll Bluts in Suͤnd vnd Lastern leyt / die GOtt vns zeiget an / durch so viel Wunder manig⸗ falt / ja allen Menschen Jung vnd Alt. 10. Darumb du Christliche Schaar / laß ab von Suͤnd / thu Buß fuͤrwahr / sonst wirds dir vbel gahn / wann GOtt wird sitzen zu Gericht / da ist kein Mensch der Vrtheil spricht. 11. Dann GOtt wird selbst der Richter sein / vnd die Vrthel sprechen allein / vber alle Menschen Kind / ja die da von der Welt an⸗ fang / haben gelebt biß zu außgang. 12. Gnad / Frid / vnd Segen HErr gib vns / dann ohn dein huͤlff ist als vmb sonst / thu vns verlassen nicht / gib vns nach der betruͤbten Zeit / die ewige Frewd vnd Seligkeit / Amen. E N D E. Show less

Belagerung von Malta durch die Türken u.a.; Gebet
Glaubwuͤrdige Beschreibung des vnauß⸗ sprechlichen Aufzuges vnnd Ankunfft des Tuͤrcken / der mit etlich hundert tausend Mann / sich gegen der Jnsel Malda bemaͤchtigen wil. 2. Deß grausamen vnd erschroͤcklichen Einfalls vnd tyrannisiren vnd wegfuͤhren der Christen so man auß Ofen Raab /... Show more Glaubwuͤrdige Beschreibung des vnauß⸗ sprechlichen Aufzuges vnnd Ankunfft des Tuͤrcken / der mit etlich hundert tausend Mann / sich gegen der Jnsel Malda bemaͤchtigen wil. 2. Deß grausamen vnd erschroͤcklichen Einfalls vnd tyrannisiren vnd wegfuͤhren der Christen so man auß Ofen Raab / Comorra / Preßburg / Gran / Steyermarckt berichtet / wie folgt. 3. Was den 20. Martij von Auffgang der Sonnen fuͤr ein vnaußsprechlicher Schwarm von grossen schwartzen Voͤgeln mit roten Hauben / vnd mit grossem Geschrey vber obgemelte Staͤdte geflogen / die Bedeutung ist Gott bewust. 4. Der Tuͤrcken Künst so sie fuͤr das Vnzifferr / vnd andere Jnfectiones brauchen / vnd von gefangenen Tuͤrcken zu Venedig erkundtschafft vnd auff teutsch bewerth erfunden worden. 5. Ein trostreiches Gebet / fuͤr alle Christliche Potentaten / deß heiligen Roͤmi⸗ schen Reichs / vmb vollends Erwegung deß edlen Frie⸗ deus / vnd dem Tuͤrcken ein gewaltigen Wie⸗ derstandt zu thun. Diß alles nach außgangener Relation schrifftlich ein⸗ gebracht / Gedruckt zu Franckfurt bey Johann Roͤteln / im Jahr 1646. KOmpt her jhr Christen allge⸗ mein / groß Jammer thut anhoͤ⸗ ren / es moͤcht erbarmen einen Stein / Angst Noth wil sich erst meh⸗ ren / auß Wien schreibt man gar trauri⸗ glich / Auß Vngarn gar viel erbaͤrmi⸗ glich / schrifftlich thut mans erklaͤren. Auß Raab / Comorra / hat mann gwiß / auß Alt Ofen besonder / daß der Tuͤrck schon eingefallen ist / mit grosser Macht vnd Wunder / vber siebentzig tausend Mann / schon vnaußsprechlich Schaden gethan / man schreibt die Zeit vnd Stunde. Jm Martij den zwantzigsten tag / Auß Ofen thut man schreibẽ / Kaltbach ein Stadt nechst darbey lag / der Türck hat schon auffgeriebẽ / dz Weibsbild vñ die Kinder klein / die Mannschafft muß gefangen seyn / elendiglich weg getribẽ. Eim from̄en Christen darob graust / ein Stein moͤcht es erbarmen / wie der Tuͤrck schon so uͤbel haust / jetzt an den Christen Arme / zu Koditz der Stad wol bekandt / hat der Tuͤrck schrecklich ange⸗ rannt / mit grossem Gwalt vmpfangen. Mit den Weibsbildern groß vnd klein / schroͤcklich tyrañisiret / O Christ⸗ lichs Hertz thue es mercken fein / was der Tuͤrck im Schild fuͤhret / dann er nimbt weg Eysen vnd Stahl / Glock⸗ en / Kupffer vnd alls Metall / was da⸗ mit zu tentiren. Es ist gewiß recht continuirt / daß er wider vns Christen / gegen der Jnsel Malda fuͤhrt / so wol vnd starck außge⸗ ruͤstet / mit etlich hundert tausẽd Man / die Christen zu greiffen an / Gott war⸗ net vns zur Friste. Am Firmament hat mans gespuͤrt / an Sonn vnd Mond vernommen / am Himmel mans gesehen hat / gehoͤrt als schiessen vnd Trommel / das Wild / wie auch die Voͤgelein / trawrig zusammen ins gemein / auß forcht zusam̄en kom̄en. Auß Gratz / Krahn / Steyer⸗ marck hat man gewiß / daß von Auffgang der Sonnen / in Luͤfften her geflogen ist / Ein vnaußsprechliche Sum⸗ ma / viel schwartzer Voͤgel vnbekant / man schreibt nicht wie sie seyn genandt / warumb sie seynd herkommen. Groß als die Dolen sind formirt / man thets se⸗ hen vnd hoͤren / mit roten Hauben sinds geziert / ein groß Geschrey gefuͤhret / vmb zwoͤlff vhr hat man solches ge⸗ acht / biß daß einfiel die finster Nacht / wer hat solch ding erhoͤret. Auß Preßburg wird außfuͤhrlich bericht / daß auß der Voͤgel Schaare / aus jhrem Geschrey verstan⸗ den wird / außfuͤhrlich teutsch vnnd klar / oͤffada / oͤffada O Christlichs Hertz / halt diß Wunder fuͤr keinen Schertz / man wirds bald nehmen ware. Mit Constantinopel ists war / daß der Tuͤrck selbst ankommen / viel Galleen ein grosse Schaar / brin⸗ get mit ein grosse Summa / viel Muminet vnd Tiger⸗ thier / Loͤwen vnd Greiffen glaubet mir / ach Gott thue vnß verschonen. Aus Gratz hat man schon Warheit bericht / daß groß Tuͤrckisch Partheyen / jhr Christen wolt jhrs mer⸗ cken nicht / deinen MitChristen verzeihen / So ists mit vns geschehen gschwind / O Christlichs Hertz heb auff die Haͤnd / viel Christen sie wegfuͤhren. Der Tuͤrck schreyt vns Pharoisch aus / die nicht auff Moses Zeichen / Goͤttliches Wunder ohne grauß / so spoͤttlich thun vernichten / drumb muß er jetzt die Gei⸗ sel seyn / dieweil die Christen ins gemein / ein ander selbst hinrichten. Viel Christlich Ritter vnd Grafen werth / praff Helden vnd Freyherren / so jetzt dem Tuͤrcken allbereit / dienst barlich den Krieg fuͤhren / mit Fewerwerck newen Jnvention / so sie wieder vns fuͤhren schon / was beson⸗ ders thut anheben. Weil bey vns Christen noch der Zeit / sonderst im Teutschland haben / Pharoisch Plagen noch auff heut / mit Vnzieffer begabet / bscheidlich Floͤhe / Laͤuß vnd anders mehr / ein Kunst dafuͤr bringt der Tuͤrck her / der darff man kecklich glaͤuben. Rauchkertzen so kuͤnstlicher weiß / die Tuͤrcken mit sich fuͤhren / so alls Vnziefer toͤdt mit fleiß / an Men⸗ schen vnd an Thieren / Es sey im Kleid / Hauß oder Ge⸗ mach / was nur erreichen kan der Geruch / die Kunst ist gewiß bewaͤret. Zu Venedig ists kommen auß / durch Gefange⸗ ne so verstanden / auff Teutsch wird es geschrieben auß / wie es noch wird zugangen / wann sich die liebe Chri⸗ stenheit / zum Frieden sich nicht bald bereit / der Tuͤck werd vns vmbfangen. Darumb mein Christ nimb eben war / was vns ist fuͤr geschrieben / die heilig Schrifft bezeuget klar / nichts ist verborgen blieben / was vns ist propheceyt mit Klag / daß zu der letzten Zeit vnd Tag / der Tuͤrck werd auffgerieben. Weil er sich schon mit grosser Macht / seins Gewalts sich gar ergoͤtzet / willens vns Christen in die acht / erschlagen vnd verletzen / Aber sein Vntergang wirds seyn / gewißlich zu Coͤllen an dem Rhein / erschla⸗ gen vnd versetzet. Drumb last vns Christen all zugleich / hertzlich zusammen beten / vor das heilig Roͤmisch Reich / daß doch Gott woll erretten / Kaͤyser vnd Koͤnig samment⸗ lich zum Frieden sein einmuͤtiglich / mit Huͤlff zusam⸗ men treten. Ach kem̄ zu Huͤlff Jmmanuel / all Christlichen Potentaten / schaff weisen Raht / woran es fehlt / laß doch den Frieden gerahten / wenns nicht wird Fried in die⸗ sem Jahr so ists vmb Teutschland geschehen gar / dem ist nicht mehr zurathen. Bet O mein Christ nehm eben war / die Wun⸗ der allesammen / die vns Gott zeiget in diesem Jahr / wie jhr dann habt vernommen / Ach bleib bey vns liebs Je⸗ sulein / biß an das End bestaͤndig seyn / hilff vns seliglich Amen. Ein Gebet. ACH du HERR Jesu Christ / bitt woͤllest bey vns bleiben / der Abend kommen ist / der Juͤngste Tag / nach der Schrifft sag / warhafftig ist nicht weit / das zeiget an die Zeit / vnnd das betruͤbte Leben / in der gantzen Welt weit. Dann die 6. tausent Jahr / gar nahe sind verloffen / wie kundt vnd offenbahr / des Himmels lauff / zeign an die Straff / Gott laͤst vns regnen Blut / mit Jammer vnd Vnmuht / Aber diese Welt voll Suͤnden / dieses nicht achten thut. Hilff vns O trewer Gott / gleich wie du hast geholf⸗ fen / dort in der Hungers Noht / Samaria / der Stadt allda / deßgleichen in der Noht / wie du O treuer GOtt / fuͤnff tausent Menschen speisest / wol mit fuͤnff Gersten⸗ Brodt. Du bist ja noch fuͤrwar / der Gott allein auffrichtig / als vor viel hundert Jahr / dein rechte Hand / erhaͤlt das Land / Himmel vnnd Erd ist dein / vnd was darinn thut seyn / von vns wir selbst nichts haben / ein einigs Koͤrne⸗ lein. Ach du Jmmanuel / hilff wie du hast geholffen / den Kindern Jsrael / durch das rot Meer / fuͤhr vns O Herr / wol von den Feinden wild / so auff vns haben gezielt / laß sie darinn vmb kommen / wie Pharao gar wild. Ach laß dich doch die Zeit / O Gott Vater erbarmen / die arme Christenheit / jhr Bitt vnd Klag / bey Nacht vnd Tag / hilff Kaͤyser vnd Koͤnig bereit / wie du hast vor der Zeit / Jacob des Esau Feinde / machest bald einen Freund. Ach hilff O Jesus fromm / verzeih all Potentaten / daß sie dergleichen than / als Joseph fein / den Bruͤdern sein / an jhm jhr Missethat / weinend verziehen hat / Va⸗ ter vnd Bruͤdern geholffen / auß grosser Hungesnoht. Hilff O heiliger Geist / gleich wie du hast geholffen / dem Koͤnig David weiß / ein Prophet war / der offt mit gfohr / von seinem Feind angerant / doch sie all uͤber⸗ wand / auß demuͤtigen Hertzen / biet seim Feind wieder die Hand. Ach Kaͤyser Koͤnig lind / last euch einmal erbarmen / biet einander die Haͤnd / der Christen Blut mit groß vnmuth / so schon vergossen ist / nicht auß zusprechen ist / solches den Tuͤrckẽ erfrewet / auff vns sich macht geruͤst Ach betet allzugleich / ach Jesulein thu geben / dem gantz Roͤmischen Reich / all Fuͤrstenthumb / sich kehren vmb / deßgleichen auch bereit / all Christliche Obrigkeit / woll Jesus Christ Fried geben / sampt vns die Seligkeit. E N D E. Show less

Acht verschiedene Berichte aus Böhmen; Seeschlacht der Venetianer gegen die Türken in den Dardanellen 1646
Ein wahrhafftige vnd gar erschroͤckliche Relation vnd Traurige Zeitung / dergleichen in hundert Jahren nit erhoͤrt worden / so sich durch Schickung Gottes im Koͤnigreich Boͤheim in vnderschiedlichen Orten zugetragen / vnd zu Rackowitz von warhafftigen Gerichtspersonen beschrieben / vnd nacher ... Show more Ein wahrhafftige vnd gar erschroͤckliche Relation vnd Traurige Zeitung / dergleichen in hundert Jahren nit erhoͤrt worden / so sich durch Schickung Gottes im Koͤnigreich Boͤheim in vnderschiedlichen Orten zugetragen / vnd zu Rackowitz von warhafftigen Gerichtspersonen beschrieben / vnd nacher Wien / Praag / Regenspurg / Nuͤrnberg / Franckfurt / Augspurg / vnd in andere Staͤtt vnd Ort uͤberschickt worden / Daß nemlich Erstlich / Den 28. Februarij bey Rackowitz ein schroͤckliches Wetter entstanden. Zum Andern / Wie es zwischen Commodaw vnd Caden beym hellen Tag Blut geregnet. Zum Dritten / Wie uͤber der Statt Brix vnd uͤber das Schloß siben Schwerter vnd ein Todtenbaar gesehen worden. Zum Vierten / Wie der boͤse Geist in Weibs gestalt in der Statt Brix gehauset. Zum Fuͤnfften / Was fuͤr Wunder uͤber der Statt Satz gestanden. Zum Sechsten / Was der boͤse Geist zu Commodaw mit einem Ampt⸗ mann schroͤcklich veruͤbet. Zum Sibenden / Wie den 12. Martij zu Schippen ein schwangere Fraw ein wunderlichs Kind geboren. Zum Achten / Daß zu Rackowitz in Kind in Muterleib 3. mal gewey⸗ net / 3. Tag zuvor eh es vff die Welt geboren worden / vnd jetzt noch le⸗ bet / dessen außfuͤhrlichen Berich der Leser inn disem Gesang verne⸗ men wird. Jm Thon: Hilff Gott daß mir gelinge / rc. Die andere Zeitung / Von dem Sieg so die Venediger sampt andern Christlichen Potentaten auff dem Meer wider den Tuͤrcken erhalten. Beneben einem Geistlichen Lied / Wie lieblich ist der Fridens⸗ Stern / Jm Thon: Wie schoͤn leuchtet der Morgenstern. Erstlich getruckt zu Praag / im Jahr / 1647. HOer Wunder uͤber Wunder / du werthe Christenheit / nas new⸗ es ich jetzunder / in diser letzten Zeit / warhafftig sing vnd mach bekandt / was Gott fuͤr zeichen geben / dort in dem Boͤhmerland. Den 29. tage / Februarij gut / deß morgens fruͤh ich sage / mit jammer vnd vnmuth / bey Rackowitz das Firmament / gar schroͤcklich sich erzei⸗ get / ach hoͤr du Menschenkind. Mit donnern vnd durch blitzen / der Himmel war wie fewr / hernach fieng an zu schwitzen / zum ersten vngehewr / ein grosse Wolck wie Blut so rot / zwischen Commedaw vnd Caden / o weh der grossen noth. Beym hellen liechten Tage / regnet es wie lauter Blut / wie ein tod⸗ ter Mensch mit klage / gar schroͤcklich stincken thut / zum andern nach dem Wunder groß / am Him̄el thaͤt Gott weisen / recht 7. schwerter bloß. Darbey ein Todtenbaare / uͤber Schloß vnd uͤber die Statt / mit na⸗ men Brix fuͤrwahre / klaͤglich man gsehen hat / zum dritten kam der boͤse Feind / in die Statt Brix mit wunder / wie ein Weibsbild erscheint. Vor deß Commendanten Hause / ein Schildwach bestellt gar wol / der boͤse Feind mit grause / schry daß sie weichen soll / die Wacht behertzt still stehen thut / der boͤse Feind mit zoren / speyt auff sie fewresglut. Darnach der Geist thaͤt gehen / ließ dSchildmacht vnverletzt / fuͤrs Kloster in der Statt zu sehen / der Geist ein Zeichen setzt / speyt auch da⸗ selbst fewr auff die erd / zu morgens hauffen weise / blut dort gesehen ward. Noch mehr ist es zu sagen / ein baum erfaßt der boͤse Geist / den 8. per⸗ sonen nit kundten tragen / vor deß Commendanten Thuͤr hinschmeißt / geht darnach in das Hauß hinein / kompt in die Stuben gangen / da et⸗ lich Herren seyn. Froͤlich am Tisch gesessen / disen der Geist erscheint auch / gantz blu⸗ tig vnd vermessen / speyt auß jhm fewr vnd rauch / macht schrecken groß in disem Hauß / darnach ist er verschwunden / welches gab forcht vnnd graus. Zum 5. ist geschehen / daß man uͤber der Statt Satz / ein grosses wun⸗ der hat gesehen / gegen der Sonnen Auffgang warts / am Himmel thaͤt erscheinen / zweyerley Volck bebend / ach hoͤrt jhr groß vnd kleinen / mit Jammer vnd Elend. Jn der Lufft zusammen hawen / ein Heer wie Tuͤrckenleuth / war in der gestalt zu schawen / das ander in dem Streit / wie Christen zu verglei⸗ chen recht / in den Wolcken wie Todtenleichen / thu Buß du Christen⸗ Gschlecht. Zum 6. wie geschriben / was stellt der boͤß Geist an / mit angst hat er vmbtrieben / bey Commodaw einen Amptmann / mit namen Schoͤn ge⸗ nennet war / gottlos neidig uͤber die Armen / Gott uͤber jn verhengt gar. Der boͤß Feind thaͤt jhn peinigen / vnnd nahm jhn bey dem Haar / kein huͤlff war von den seinigen / die warn voll schrecken gar / in ein zim⸗ mer der boͤß Geist reißt / den Amptman mit grossen Plagen / jhn auff den boden schmeißt. Thaͤt jhn lebendig schinden / mit grossem Jammergschrey / weh jhm / o weh der suͤnden / hoͤr Christ / ach merck darbey / der boͤß Feind hat jhm Haut vnd Haar / von der Solen biß auff das Haupte / abzogen grew⸗ lich gar. Schmertzlich so mußt er sterben / jaͤmmerlich diser Amptmann / kein gnad kundt er erwerben / sein Leben mußt er lahn / der boͤß Feind nam zu⸗ letzt sein Haut / thaͤt jhn damit zudecken / eim frommen Christen grawt. Biß an den 4. tage / er dort lag also todt / kein Mensch / auß forcht der plage / o weh der grossen noth / dorfft gehen inn das Hauß hinein / wie Schlangen vnd Gewuͤrme / solch sausen drinn thaͤt seyn. Zum 7. den 12. Mertzen / bey Rackowitz in Boͤheim / da ligt ein dorff heißt Schippen / darinn ein Fraw thaͤt seyn / mit namen Liebenitzkin sich findt / welche schmertzlich geboren / ein schroͤcklichs Wunderkind. Welches an seinem Leibe / durch Gottes schickung hat / solch Zeichen ich anzeige / auß seinem Haͤuptlein ward / das Hiren herauß gehangen / Leber / Lungen auß dem Bauch / die Ohren so gformiret / wie die Maͤus⸗ ohren rauch. Auß den Kinbacken seine Haͤnde / daß zu erbarmen war / auff seinem Koͤpfflein elende / wie Zoͤpff so wunderbar / gleich wie jetzunder tragen / manch Jungfraw vnd Weibsbild / ein Hoffartskraut ich sage / daruͤber Gott offt schilt. Zum 6. auch darneben / zu Rackowitz in der Statt / ein Burgers Fraw fromm eben / ein grossen Leibe hat / das Kind vor seiner Geburt 3. Tag / fieng drey mal an zu weynen / in Muterleib mit klag. Das lebet noch auff Erden / o liebe Christenleut / du suͤndigst mit be⸗ schwerden / thu Buß weil es ist Zeit / dise Wunder bedeuten vil / Gott allein kan es wissen / darumb ich warnen wil. Wer gottlos geweßt vnd geschworen / der hoͤr auff vnnd laß einmal ab / die Donnerwetter Gottes Zoren / anzeigen vom Himmel rab / das Blutregnen zu gleicher weiß / warnet / die Christi Leiden spotten / daß sie Buß thun mit fleiß. Sonst werden sie verderben / vmbkommen in jhrem blut / durch Pe⸗ stilentz hinsterben / die Todtenbaar mit vnmuth / am Himmel auch die Warnung geit / die siben Schwerter eben / mit grosser Traurigkeit. Warnen fuͤr siben Plagen / die Moses hat verkuͤndt / siben mal mehr wird schlagen / Gott das suͤndhafft Gesind / o du gottloses Sodoma / wilt dir nicht lassen rathen / fahr hin mit Gomorrha. Gottesverachtung vnd groß schwoͤren / bey der Welt ist ein Kunst / vil boͤß der Mensch thut lehren / Gott siht zu nicht vmbsonst / die from⸗ men Armen laͤßt man laͤr / Barmhertzigkeit wird gehasset / darumb ver⸗ hengt Gott der HERR. Daß der boͤse Feind sich thut finden / zu manchem Gottlosen geruͤst / denselben peinlich thut schinden / wie newlich eim gschehen ist / die zeitung liß mit allem fleiß / ich warne dich fuͤr schaden / Mensch such das Para⸗ deis. Die Kindlein so geboren / Warner vnd Bußprediger seyn / von Gott dir außerkoren / mit seinen Zeichen fein / weiset die groß Hoffart ge⸗ schwind / das ander in Muterleibe / beweynt vnser Straff vnd Suͤnd. Darumb was Menschlich Leben / hie noch auff Erden hat / dise Wunder betracht zu gegen / er such die Gottes Gnad / die GOtt ver⸗ spricht den Frommen auff heut / denselben gewis wird geben / die selig ewig Frewd / Amen. Die andere Zeitung. JHr lieben Christen all zugleich / merckt auff was ich will singen / Jung / Alt / klein / groß / auch arm vnnd reich / von kurtz verlauf⸗ fenen Dingen / was sich newlich begeben hat / mit den Veneti⸗ anrn der Statt / hilff Gott daß mirs gelinge. Demnach vergangene Sommerzeit / der Tuͤrckisch Kayser ankame / ein blutign Krieg anfieng auß Neid / mit den Venetianern / er ruͤstet ei⸗ ne Schiffarmee / von tausent Schiffen in die Seee / die Christen zu verfolgen. Zu Constantinopel bracht er zusamm / dreissig hundert tausend Tuͤr⸗ cken / schifften fuͤr die Jnsel Candiam / mit Gewalt sie zu bekriegen / die Christen ruͤffen fleissig zu Gott / HErr Jesu Christ hilff vns auß Noht / Ach Gott thu vns beystehen. Der Tuͤrcke trotzet auff sein Macht / auff grosse Schiff vnd Galle⸗ en / er setzt sein Volck auß bey der Nacht / in die Candta thut verstehen / vil Kriegs Munition darbey / auch grosse Stuͤcken mancherley / ein grosse Schlacht allda geschehen. Die Ritter auß Malta kommen her / mit jhrem Heer gezogen / der Statt Canea auff dem Meer / die Venetianer deßgleichen / doch stuͤr⸗ meten die Tuͤrcken Tag vnnd Nacht / sie schossen Fewerkugeln in die Statt / groß Jammer thu ich anzeigen. Die Tuͤrcken gewonnen die veste Statt / die Christen habens verlo⸗ ren / der Commandant accordiret hat / der grosse Tuͤrck geschworen hat / bey seinem Gott Mahomet / er wolt nicht ruhen an der staͤtt / die Jnsul Candia wolt er gewinnen. Die Christen hatten grossen Verdrus / von den Tuͤrckischen Hun⸗ den / die Venediger machten einen Schluß / mit dem Papst zur selben Stunden / sie fuͤhrten vil Schiff mit Volck hinein / 300. Schiff gezeh⸗ let seyn / mit den Tuͤrcken thaͤten sie es wagen. Die Christen hielten einen Bettag / in Jesu Christi Namen / das hei⸗ lig Creutz im Panier ich sag / fuͤhrten sie allzusammen / rufften Gott vmb Huͤlff vnd Beystand an / wider den Tuͤrcken auff dem Plan / groß wun⸗ der thu ich sagen. Der Tuͤrck gantz grimmig zu der Statt / beym Saibel hat geschwo⸗ ren / man soll die Christen wie die Hund / niderhawen vnverholen / Ach Gott hilff vns zu diser Zeit / schry Ach vnd Wehe die Christenheit / vil musten jhr Blut bezahlen. Die Venediger fuͤhrten jhre Schiffe zusamm / mit dem Tuͤrcken thaͤten sie streiten / vnd griffen sie an zu Wasser vnd Land / vor Canea auff allen seiten / der Papst vnnd gantz Jtalia / Franckreich / Neapolis / Spania / schickten vil Volcks mit Frewden. Darnach kam bald der Christen Heer / mit vnverzagtem Hertzen / vnd schlugen die Tuͤrcken auff dem Meer / 40. Galleen ohne schertzen / sampt 70. Schiffen wol mundirt / mit Schwerdt vnd Feuer ruinirt / das thaͤt die Tuͤrcken schmertzen. Vil groß Geschuͤtz vnd Proviant / auch andere Beuten reiche / Gold Silber / Kleinod mancherley / vil Schiffe auch deßgleichen / bekamen die Christen hie darvon / die Tuͤrcken mustens dahinden lan / auch von dem Meer entweichen. Der Tuͤrcken General Bassa blieb todt / 16000. sind vmbkommen / so hat der Tuͤrcken grosse Macht / auch widerstand bekommen / die Tuͤr⸗ cken namen jhre Reterad / nach Constantinopel vor die Statt / wie man es hat vernommen. Der Papst zu Rom hat in Teutschland / an den Roͤmischen Kayser / sowol an die Churfuͤrsten gesand / sie sollen jhm Huͤlff beweisen / mit jh⸗ rem Kriegsvolck allzugleich / bald Fride machen im Roͤmischen Reich / auch Fried in allen Craisen. Drumb hat Kayserliche Majestaͤt / den Frieden vorgenommen / auch Schweeden vnd Franckreich in der Statt / Osnabruck zusammen kom⸗ men / daß nun bald Friede werden soll / das ist gantz Teutschland Frew⸗ den voll / der Frieden wird bald kommen. Wir bitten dich HErr Jesu Christ / steh auff der Christen seiten / al⸗ lein du vnser Helffer bist / hilff deinen Feunden streiten / dafuͤr wollen wir dir danckbar seyn / dich preisn mit allen Engelein / hie vnd in Ewigkeit / Amen. Ein schoͤn Geistlich Lied / vmb den lieben Friden. WJe lieblich ist der Fridenstern / wie moͤcht ich jhn doch sehn so gern / in vnserm Lan⸗ de scheinen / Ach ja derselbe koͤnnte wol / erfrewen alles uͤberal / vns grossen mit den kleinen / drumb wir / nach dir / mit begierde / schoͤnste Zierde / sehnlich harren / nun⸗ mehr her von vilen Jahren. O Jesu wahrer Fridens Sohn / thu doch einmal mit Frewd vnd Wonn / den edlen Friden senden / in vn⸗ ser liebes Vatterland / mit seinen Gnaden allerhand / gib Frid an allen Enden / stuͤndlich / muͤndlich / jubili⸗ ren / triumphiren / vnd dich loben / wollen wir dich im Himmel droben. Der Fried ists der vns hoch erfrewt / ja gleich vns gantz vñ gar vernewt / weit uͤber alle Gaben / deß schoͤ⸗ nen Fridens Liebligkeit / vnd seine grosse Nutzbarkeit / vns kraͤfftiglich thut laben / taͤglich / klaͤglich / wir vns muͤde / nach dem Friede / schreyen vnnd aͤchtzen / gleich eim Turteltaͤublein laͤchtzen. Fuͤwahr mir nichts koͤnnt liebers seyn / denn staͤtig sehn in klarem Schein / die guͤldenen Fridensstralen / Ach HErr laß sie mit Liebligkeit / in allen Laͤnden weit vnd breit / leuchten bey grossen zahlen / singen / sprin⸗ gen / ruͤhmen vnd loben / GOtt dort oben / wolln wir gerne / HErr laß seyn den Fried nicht ferne. Ja wenn ich recht erkennen soll / kan mich uͤber alle massen wol / deß Fridens liebliches blicken / so ich etwa in meinem Sinn / bekuͤmmert vnd betruͤbet bin / gantz innerlich erquicken / thraͤnen / graͤmen / muß verschwin⸗ den / sich thut finden / ohne Schmertzen / Fried vnnd Frewd in meinem Hertzen. O wundersuͤsser Fridensafft / wie hast du doch so grosse Krafft / weit uͤber alle Blumen / O Jesu trewer Medicus / gib vns einmal den Frideskuß / so wollen wir dich ruͤhmen / hertzlich / schmerzlich / wir lediret / in⸗ ficiret / niderligen / HErr die Fridensfahn laß fliegen. Par vobis liebes Jesulein / sagst du ja zu den Juͤn⸗ gern dein / als sie betruͤbet waren / ey laß auch dise suͤsse Stimm / endlich nach deinem Zorn vnd Grimm / vns hoͤren vnd erfahren / hefftig / kraͤfftig / Fridensblicken / vns erquicken / HErr laß glaͤntzen / Fride vnd Ruhe in allen Graͤntzen. Laß vns den lieben Friden sehn / wenn wir deß mor⸗ gens fruͤh auffstehn / vnd vnser Gewerb forttreiben / auch wenn wir wollen schlaffen ein / vmbgib vns mit dem Fridenschein / das Frid bey vns mag bleiben / laß dein / Engelein / vns behuͤten / fuͤr dem wuͤten / vnnd be⸗ truͤben / so der Feind an vns thut uͤben. Endlich laß vns auß diser Welt / in Fride fahren wenn dirs gefaͤllt / hinauff ins ewig Leben / O HErr laß vns den Dienern dein / ein Si⸗ meonis Stuͤndelein / am letzten Ende geben / wenn wir / nun schier / dises Leben / so vergeben / werden muͤde / gib vns HErr den ewigen Friede. ENDE. Show less

Wunderzeichen, Den Haag; Wunderzeichen, Willisau, Kempten; 1647
Zwey warhaffige vnd erschröckliche Geschichten vnd Wunderzeichen hat vns Gott fuͤr Augen gestelt an vnterschiedlichen Orthen / das Erste zu GravenHage in diesen verschienenen Jahr / Sontags den 31. May nach Mittag vmb halb ein Vhr / am hellen klaren Himmel / seine Gestalt werdet jhr auß dieser... Show more Zwey warhaffige vnd erschröckliche Geschichten vnd Wunderzeichen hat vns Gott fuͤr Augen gestelt an vnterschiedlichen Orthen / das Erste zu GravenHage in diesen verschienenen Jahr / Sontags den 31. May nach Mittag vmb halb ein Vhr / am hellen klaren Himmel / seine Gestalt werdet jhr auß dieser Figur vnd Gesang vernemmen. Jm Thon: Der grimmig Todt / rc. Das Ander Warhafftige beschreibung was sich bey der Statt Wilisaw jhn einem Dorff mit einer Zauberin begeben / wie sie das Hochwürdig Sacrament empfangen vnnd wider auß jhrem Mund gethan / in ein Dorn Hecken geworffen. Wie Das selbig von dem Sawhirten vnd jhrer Magd / ist offenbar worden / auch was sich in der Reichs Statt Kempten / bey einen Bürger / vund Leinewe⸗ ber Jörg Rieden / vnd seiner Hennen begeben / den fünfften tag jhm Herbstmonat. Wie auch in Kernden / bey Rockelspurg / Ludeburg vnd deren Orthen bey hellem Tag fünff Sonnen am Himmel gesehen worden / ein Todtenbahr / zwen Regenbogen Creutzweiß vber sich gekehrt / vnd ein fewrige Ruth. Gesangsweiß verfaßt / im Thon: Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn / rc. Das Erste. KOmpt her jhr Christen Man vnnd Fraw / hoͤrt zu was ich will singen / die grossen Wunder Gottes schaw / die ich je⸗ tzundt thu bringen / was sich newlich bege⸗ ben hat / warhafftig zugetragen / zu Gravenhag mit Forcht vnd Klag / thu ich mit warheit sagen. 2. Erstlich ein grosse Anzahl Schiff / thaͤten in Wolcken schweben / wie man alhie fuͤr Augen sicht / viel Schiffknecht auch darneben / gar fleissig sie nach jhrem Brauch / die Segel auff thun spannen / viel stiegen auff die Mastbaͤum hinauff / vnd steck⸗ ten darauff Fahnen. 3. Darnach etlich hundert Person / sag ich ohn alles triegen / die keine Koͤpff vnnd Haͤupter han / sah man in Wolcken ligen / O Christliches Hertz mit fleiß es merck / darvor thut manchen grausen / bedeut warhafftig wie der Tuͤrck / mit vns Christen wil hausen. 4. Jn einer Senfften kam behend / einer von ho⸗ hem Stammen / als einer fuͤhrt das Regiment / auff seinem Haupt drey Cronen / ein Scepter in der handt hat er / daß mans wol sehen kundte / dreymal darmit schlag hin vnnd her / darauff alsbald ver⸗ schwunde. 5. Zwey Regiment gar wohl gestal / prave Ca⸗ vallier vñ Reuter / die kamẽ auß den Wolcken bald die Trompetter auff der Seitten / die bliesen auff mit grossem Schall / Fahnen an den Trompeten / wie man allhie sihet abgemahlt / zum Streit sich ruͤsten thaͤten. 6. Roth / goldgelb / weiß / blaw Liberey / an jh⸗ rem Leib sie tragen / eigentlich sah mans ins ge⸗ mein / darff ich mit Warheit sagen / Schlagt Ord⸗ nungen thaͤten stellen an / das Fewer sah man fah⸗ ren / als wanns lebendige Menschen seyn / auß Buͤchsen vnd Pistolen. 7. Einer reit auff einem Roß daher / der thaͤt sich selbst erschiessen / mein Christ bedenck das E⸗ lendt schwer / vnd grosse Blut vergiessen / vielleicht ist er Vrsacher dran / an grossen Krieg vnd Strei⸗ ten / vnd es nit verantworten kan / daß er selbsten verzweifelt. 8. Darnach zween prave Cavallier / bald auß den Wolcken kamen / wie jhr habt an zusehen hier / einander freundtlich vmbfangen / zierlich abnah⸗ men jhre Huͤt / ein heimlich Gespraͤch sie hetten / darnach sie bald in kurtzer frist / zu hauffen fallen theten. 9. Gar baldt sah man kommen hernach / ein ab⸗ schewlichen Drachen / schroͤcklicher Gestalt mit gantzer Macht / speyt Fewer auß seinem Rachen / ein sehr grosser grimmiger Loͤw / thaͤt fuͤr den Dra⸗ chen stehen / ein Schwerdt in seinem Klawen hat / noch weiter thaͤt geschehen. 10. Der Drach den Loͤwen thaͤt greiffen an / thaͤt Fewer auff jhn speyen / der Loͤw wehrt sich so gut er kan / gegen den Drachen streiten / fielen vber ein hauffen zu der frist / der Drach ward vberwun⸗ den / der Loͤw da stehen blieben ist / aber der Drach verschwunden. 11. Ein Adler auch mit schoͤner Zier / wie man allhie thut sehen / kam auß dem Wolcken mit be⸗ gier / gegen den Loͤwen stehen / sahen einander traw rig an / demuͤtig sie sich schmuckten / freundtlich ein⸗ ander empfangen thun / einander hertzen vnd tru⸗ cken. 12. Als nun der Loͤw gen Norden gieng / der Adler wider kame / mit seinen Fluͤgeln er vmbfieng / den Loͤwen zu sich name / zu kuͤßen sie anfiengen sich / den Krieg sie gar hinlegten / es gschach von jhn ein schoͤn Verglich jhre Hertzen sich bewegten. 13. O heilige Dreyfaltigkeit / jhn doch helffen vnd rathen / daß alle Staͤndt der Obrigkeit / vnnd alle Potentaten / Kaͤyser / Koͤnig / Churfuͤrsten / mit sich auch schmuͤcken vnd zieren / vnd auch den lang gewuͤnschten Fried / tractiren vnd einfuͤhren. 14. O wehr du heiligs Roͤmisch Reich / wie sehr bistu verstoͤhret / jetzt siehst du einer Wildnuß gleich zuvor warst doch geehret / dein Nachbarschafft Jnwohner frey / seynd gantz vnd gar vertrieben / viel hundert tausendt Mann vnd Weib / der Krieg hat auffgerieben. 15. O wehe du liebes Teutsches Landt / wie hat es dir ergangen / vorhanden dein Vntergang / Truͤbsal hat dich vmbfangen / du bist sehr schwach vnd hast kein grund / thust allenthalben tracken / wann Got nicht baldt zu Huͤlff dir kompt / wird man dir den garauß machen. 16. Wo ist der Pracht vnd vbermuth / den man zuvor getrieben / das Silber geschneid / das Seidt vnnd Gut / gar nichts ist vberblieben / auch Hauß vnnd Hoff / auch Vieh vnnd Leuth / manches schoͤ⸗ nes Land vermessen / daran zuvor war Lust vnnd Frewd / jetzt hats der Krieg auffgefressen. 17. Hilff H. Dreyfaltigkeit / bescher den edlen Frieden / gib vns wieder die alte Zeit / darummen wir dich bitten / die sehulich Bitt / versag vns nicht / in JEsu Christi Namen / hilff vns zu dem er⸗ wuͤnschten Fried / erhoͤr vnser Klagen. Amen. Das ander Lied. HOrt zu jhr Christen in gemein / ein Wunder groß das ist nicht klein / das sich hat zugetragen / bey Wilisaw jhm Schwei⸗ tzer Land / wie manchem ist gar wolbe⸗ kandt / thu ich mit warheit sagen. 2. Nicht weit daruon jhn einem Dorff / ein Bawren weib ein Zauberin ward / baldt in die Statt sie gehet / die Beicht vnd Communicirt be⸗ hend / empfing das Heilige Sacrament / hoͤrt was darauß entstehet. 3. Das Gottloß Weib zu derselben stund / thet die Hostien auß jhren Mund / mit gantz verstock⸗ ten Hertzen / wolt wider heim gehen zu Hauß / wie sie kam auff das Feldt hinanß / thet sie es in ein Doͤrn heck werffen. 4. Mit warheit sag ich ohneschew / mit Reffe⸗ rentz ein hauffen Sew / die fundens jhn der Hecken / aber die vnuernuͤnfftigen Thier / fielen nider auff jhre Ruyhe / sehr schnarchen wuͤten vnnd groͤg⸗ tzen. 5. Der Sawhiert wuͤrd solchs gewar / lieff bald gegen der Hecken dar / wolt sehen was dar jhnen / wolt von der Hecken Jagen die Schwein / erschlug mit gantzer macht darein / kundt sie daruon nicht bringen. 6. Gar bald er jhn die Statt hinein ging / vnnd zeigt es an wer jhm fuͤr kam / Geistlich vnd Welt⸗ lichen Herrn / die Buͤrgerschafft bey Fraw vnnd Man / gingen hin mit Procession / noch weiter solt jhr hoͤren. 7. Wie man bald darzu kommen thut / sahe man die Heiligen Hostien gut / glantzen klar wie die Sonen / bald hat mans auff gehoben schon / vnd in ein Monstrantzen gethan / trawrig war Fraw / vnd Mann. 8. Was ist ein from Christliches hertz / der thu zu vor mit Rew vnd schmertz / sein gewissen wolbe⸗ dencken / das er von Gott erschaffen ist / vnd sein er⸗ loͤser Jesu Christ / nicht so sehr schmehen vnd schen⸗ den. 9. Zu Kempten auch mit grossem Grauß / in eines Lienewebers Hauß / groß Wunder thaͤt ge⸗ schehen / natuͤrlich schreibt man wie ein Henn / O Christen Mensch solches wol er kenn / als sie ein Ey thaͤt legen. 10. Wie nun die Henn von dem Ey ließ / der Mann thaͤts legen auff den Tisch / sein Fraw die solts jhm sieden / da sprang es vom jhm selber auff / ein blawer Wolcken gieng herauß / ach GOtt der Wunder Gschichten. 11. Jm Wolcken ein Mannsbild bereyt / als einer der da schwaͤrt ein Ayd / zwen Finger thaͤt man sehen / in dem Ey etlich Todtenbeyn / ach was wird die Bedeutung seyn / kein Mensch kan es verstehen. 12. Gewißlich wird vns Gott der Herr / von we⸗ gen vnser Suͤnden schwer / ein newe Ruthen bin⸗ den / durch gar viel Zeichen predigt er / zur Buß zur Buß O Mensch dich kehr / laß ab von deinen Suͤn⸗ den. 13. Weil in Kerndten wol bekandt / ein Statt wird Rockelspurg genandt / sich warhafftig bege⸗ ben fuͤnff Sonnen mit grosser Klag / trawrig an dem Himmel sah / O Christlichs Hertz merck eben. 14. Die erste Sonn Blutrothe war / daruͤber ein grosse Todtenbar / die ander bleich darneben / die dritt kohlschwartz vnd vngehewr / die vierdte flam̄t wie lauter Fewr / die fuͤnfft schoͤn klar merckt eben. 15. Zwen Regenbogen ich bericht / die Spitzen kehrten uͤbersich / sah man am Himmel stehen / dar⸗ neben eine grosse Ruth / gantz fewrig herschweben thut / wie man allhie thut sehen. 16. Gott vns darmit vor Augen stellt / wie er die boͤß Gottlose Welt / warnet von jhre Suͤnden / wann wir nicht werden Busse thun / will GOtt Jung / Alt / Frawen vnd Mann / ein newe Straff ankuͤnden. 17. Darumb jhr lieben Christenleuth / greifft zu der Buß / dann es ist zeit / schlagt ewer Haͤnd zu⸗ sammen / daß vns GOtt geb nach dieser Zeit / die ewig Frewd vnd seligkeit / durch Jesum Christum / Amen. Erstlich Getruckt / zu Mittelburg in See⸗ land / das andermal zu Berlin / das Dreittemal Bey Bartholome Schnell / zu Hohen⸗Emß. Jm Jahr Christi / 1647. Show less

Von einem falschen Mädchen und der Büberei
Ein ware gschicht vnd newe Zeitung / Von einem falschen Meitlin welches sich ein zeit lang fuͤr ein rei⸗ ne Tochter außgeben / vnd vnder dem schein desselbigen / siben Jahr lang schandtliche buͤberey ge⸗ triben / wann es zur Kirchen gehn sollen / ist es die⸗ selbige zeit in winckel vnd... Show more Ein ware gschicht vnd newe Zeitung / Von einem falschen Meitlin welches sich ein zeit lang fuͤr ein rei⸗ ne Tochter außgeben / vnd vnder dem schein desselbigen / siben Jahr lang schandtliche buͤberey ge⸗ triben / wann es zur Kirchen gehn sollen / ist es die⸗ selbige zeit in winckel vnd hoͤltzer gschloffen / vnd sein buͤberey getriben mit Jungen Gesellen / vnd wie es darnach an einem Sontag / ein ellenden anblick / in der Kilchen auff die Welt geboren hat / wie allhie in der Figur zu sehen. Allen falschen Toͤchteren vnd Jungfrawen / so Vatter vnd Mut⸗ ter nit folgen woͤllen / zur warnung in Truck geben. ES ist ein Zeitung verhanden / wol auß dem Franckenland / wie ein Meitlin voll schanden / gelaͤbet in Suͤnd vnd schand / seim Vatter es nit gfolget hat / deß⸗ gleichen seiner Mutter / drumb hats Gott endtlich gstrafft. Wie man jetzunder leider / findet der Kin⸗ den viel / was Vatter vnd Mutter sie heis⸗ sen / thun sie das widerspil / wie diese Tochter auch gethan / dessen Vatter vnnd Mutter / fuͤhret ein grosse klag. Wie dieses Jahrs geschehen / im Flecken Wolffenstatt / mit warheit thu ich sagen / ein Wunder gschicht geschach / wie ein seltzame Wundergeburt / daselbsten in der Kilchen / am Sontag geboren ward. Von dieser Wunder gschichte / muß ich euch zeigen an / von einem falschen Meitle / darauff merck Fraw vnd Mann / wie es mit buͤberey vmbgieng / wol siben gantze Jahre / nun hoͤrt groß Wunder ding. Jn Wolffstatt war gesessen / ein feiner Burger zwar / Joͤrg Hoͤrnlin heißt sein Na⸗ men / ein fromm̄er Mann der war / derselb erzog ein einig kind / ein Tochter schoͤn vnd huͤpsche / er war jhr viel zu milt. Der Vatter der was alte / auch from̄ vnd Ehren reich / die Mutter der gestalte / die Tochter ward jhn vngleich / sie zugens auff mit grosser noth / mit grosser arbeit schwaͤre / muͤßtens gwinnen jhr Brot. Als fuͤnffzehen jahr verschinnen / sie schick⸗ tens in die Statt / es solt auch gehn gon die⸗ nen / wie andre Jungfrawen thun / sie solt sie halten wol vnd recht / aber die red seins Vat⸗ ters / es allerding verschmecht. Die Mutter thet auch zu sprechen / es solt sie halten wol / aber es war zu fraͤche / darzu all schalckheit voll / das macht sie liessen jhm alles nach / alles was es geluͤstet / drum̄ kams in schand vnd schmach. Zwey jahr hat es gedienet / in eines Herren hauß / da hat es lang gebulet: heimmlich es kam nit auß / vnd wolt doch staͤts die froͤmste sein / vnd thet also dergleichen / mit trug vnd fal⸗ schem schein. Als die zwey Jahr hin gwesen / dingts in ein ander hauß / da ists eins Kinds genaͤsen / heimmlich es kam nit auß / das kind wurffs in ein heimlich gmach / niemand hat dessen ge⸗ achtet / das war ein arme sach. Letstlich thaͤts ein weib mercken / die sprach das Meitlin an / darab thet es erschrecken / vnd macht sich bald darvon / vnd zoge in ein ander Land auff das es koͤndt verbergen / sein boͤse duͤck vnd schand. Es kam in dstatt Wormlingen / da dingts in ein Wirtshauß / da hats drey Jahr gedie⸗ net / mit kleider butzt es sich auff / all sein ge⸗ win an dhoffart wendt / an die vorige schande es gar nicht mehr gedenckt. Den Gesten hat es gnommen / das Gelt vnd was es fand / die knecht sind zu jhr kom⸗ men / es hat sie nicht mehr gschaͤmpt / wann mans schon darumb straffen thet / so schwur es hoch vnd theure / das Gott ein zeichen thet. Noch ein mal ward es Schwanger / eins kinds wie ich euch meld / dasselb thet es gebaͤ⸗ ren / allein auff einem Feld / da nam es das kind an der stett / dieweil es war noch lebendt / vnds in ein Zaun versteckt. Das kindt haben gefunden / die Sew am selben ort / die hands jaͤmerlich zerrissen / der Hirt das schreyen hort / er laufft vnd zerts jn auß dem maul / er trugs heim auff den Kilch⸗ hoff / das es darinn verfaul. Zu letst ward die maß volle / das es solt kon an Tag / es auch zum dritten male / des kinds groß schwanger ward / doch schwur es hoch vnd theur darfuͤr / es soll es gwiß verzerren / das heiß hoͤllische fewr. Wann es gang mit dem kinde / so thuͦ ein zeichen Gott / aber dz ist geschehen / dardurch kam es zu spot / den da es ein mal z Kirch wolt gehn / thet es sich schoͤn bekleiden / auß hof⸗ fart mich verstehn. Ein krantz thet es bald machen / von blu⸗ men mancherley / das mans dester minder achte / vnd es kaͤm auß dem gschrey / da setzt es auff denselben krantz / auch thet es sich an⸗ legen / alß wenn es wolt zum tantz. Es hat darfuͤr geschworen / biß an den let⸗ sten tag / der Teuffel soll sie holen / wann es ein Kindlin trag / so werd sein krantz zu einer schlang / den es auff seim haupt trage / wann es mit dem kind gang. Als es in d Kirchen kom̄en / nun hoͤrt groß wunder ding / die zeit bracht das an tage / das es groß schwanger gieng / eins kinds thet es genesen bald / schroͤckenlich wars an zusehen / auch gar grausamer gestalt. Zwo schlangen waren gflochten / dem kind ans krentzlins statt / die theten herab hangen / gleich wie zwo zuͤpffen glat / die dritt hat es vmb seinen Leib / hart wie ein guͤrtel bunden / den bauch hert zam̄en treibt. Die schlangen haben glitzert / von farben mancherley / gar wunderbar außgspitzet / gleich wie das krentzlin gsein / welches die Tochter hat auffghan / zur selben zeit vnd stunden / da es des kinds genaß. Die Tochter hat sie gebunden / allzeit mit Guͤrtlen hart / also hat man gefunden / die schlang ans Guͤrtel statt / das meitlin hats darumb gethan / das man nicht solt vermer⸗ cken / wann es mit dem kindt thet gehn. Man thet das kindlin tragen / wol fuͤr die Herren bald / die habens wol beschawet: auch eygendtlich abgmalt / das meitlin warff man in den Thurn / das hat bekennet balde / das es sonst zwey ermoͤrdt. Boͤse stuͤck thet es bekennen / die es began⸗ gen hat / wann mans in die Kirchen hat ge⸗ schicket / hat es sein bulen nachgjagt / ins holtz da sie den zem̄en kon / weil es Gotts wort solt hoͤren / hat es boͤß duͤck vollbracht. Auch hab es zwey der kinden / gar jaͤmer⸗ lich erwuͤrgt weil es da hab gedienet zworm⸗ lingen bey dem Wirt / das ein der Schwein⸗ hirt funden hat / der hab es seinen schweinen / auff dem Feld abgejagt. Das ander hab es gworffen / tieff in das heimmlich gmach / das mans nit wurde innen: und hab sie darvon gmacht / vnd sey zogen in ein ander Land / auff das nicht an tag kaͤme / sein grosse suͤnd vnd schand. Die Vrthel ward gesprochen / vber die Tochter falsch / das man es solt hinrichten / in solcher weiß vnd gstalt / heiß oͤl schuͤtten in seinen mund / darnach die Bruͤst abschneiden gleich zu derselben stund. Also haben jhr vernom̄en / wie es gerich⸗ tet ward / zur warnung allen frommen / daß sie gedencken dran / auch dElteren ziehen jhre kindt / vnd nemmens vnder dRut / weil sie noch zbucken sind. Ein jeder woͤll bedencken / der handel ist nicht klein / dein kindt wirdt dich noch kren⸗ cken / wilt du verschonen sein / je groͤssere kind je groͤssere angst / zu spat wirst du bege⸗ ren / daß dus nicht gstrafft hast langst. Show less

Drei Lieder: "Streit zwischen einem bösen Weib und einem versoffenen Mann"; "So fang ich aber an"; "Mein Herz ist mir bekümmert so sehr"
Drey schoͤn neue Weltliche Lieder. Das erste: Jst ein Streitt / zwischen einem boͤsen Weib / vnd einem versoff⸗ nen Mann. Das ander: So fang ich aber an / vnd sing ein newes rc. Das dritte: Mein Hertz ist mir be⸗ kuͤmmert so sehr / rc. Gedruckt zu Augspurg / bey Johann Schultes. Das... Show more Drey schoͤn neue Weltliche Lieder. Das erste: Jst ein Streitt / zwischen einem boͤsen Weib / vnd einem versoff⸗ nen Mann. Das ander: So fang ich aber an / vnd sing ein newes rc. Das dritte: Mein Hertz ist mir be⸗ kuͤmmert so sehr / rc. Gedruckt zu Augspurg / bey Johann Schultes. Das Erste Lied. O Weib / O Weib / das sey GOtt klagt / wie sehr bin ich von dir geplagt / fuͤr dir hab ich doch spat vnd fruͤh / kein Rast noch Ruh / elend bring ich mein Leben zu. O Mann / O Mann / du gottloser Mann / also fangst du stets mit mir an / du kieffst vnd beist auff mich all stund / gleich wie ein Hund / ich leyds nimmer / sag ich kurtz rund. O Weib / O Weib du boͤse Haut / so bitter waͤchst dir gleich kein Kraut / das mir kraͤnckt das Hertze mein / bey Bier vnd Wein / speyest mir ins Angsicht mein. O Mann / O Mann du versoffnes Blut / hast mir verthon meins Vatters Gut / ich wolt daß der ersoffen wer / im tieffsten Meer / der dich zu mir hat gwiesen her. O Weib / O Weib du boͤser Wurm / dein Maul macht offt manch wilden Sturm / daß ich dir muß / offt mit verdruß / geben ein Kopff⸗ stoß / wolt Gott daß ich dein were loß. O Mann / O Mann du boͤser Han / du thust mich vbel krehen an / wañ du heim kompst voll wie ein Schwein / so muß ich seyn / stets die alte Huͤre dein. O Weib / O Weib du boͤse Katz / fuͤr dir hab ich kein sichern Platz / du hast mir mein gantz Angesicht / vbel zugericht / das kan ich dir noch schencken nicht. O Mann / O Mann du arger Schalck / du machst mich gar zun Maͤderbalck / hast mir verkaufft mein beste Kuh / das Kalb darzu / vnd mir nit gibest zu eim par Schuh. O Weib / O Weib du wilder Luchs / du bist listiger dann ein Fuchs / mein Gelt fuͤr dir nit sicher ist / zu jeder frist / in meinem Beuttel vnd in der Kist. O Mann / O Mann du grober Hacht / hast du doch nichts zu mir gebracht / drumb laß mich vnverachtet auch / du fauler Schlauch / viel leyden ist nicht mein Gebrauch. O Weib / O Weib du heßlich Bild / ist doch ein Woͤlfin kaum so wild / die so viel Schaaff und Laͤmmer fraß / du Rabenaß / als mich ge⸗ staht dein Maul vnd Gfraß. O Mann / O Mann du falsche Haut / ich hett es dir nit zugetrawt / jung Weiber seynd dir angenem / wann der Todt kaͤm / vnd mich nur von hinnen nem. O Weib / O Weib im grawen Haar / wolt Gott daß dein Wunsch wuͤrde wahr / auff daß ich einmahl wuͤrde loß / meines Elends groß / mein lebtag gescheh mir nit so baß. O Mann / O Mann ich sag dir eben / wañ ich werd ein zeitlang leben / woͤllen wir einan⸗ der noch manchmal auß / dapffer jagen vmb das Hauß / fuͤr dir hab ich fuͤrwar kein grauß. O Weib / O Weib ich sag fuͤrwar / ich will dich nemmen bey dem Haar / vnd mit dir sau⸗ ber kehren auß / die Stuben vnd Hauß / vnd dir wol machen ein grauß O Mann / O Mañ glaub mir ohn schertz / ich hab auch ein frisches Hertz / ich hett jetzt gleich ein Luͤstlein / ob ich gleich bin klein / wolt ich doch schlagen mit Faͤusten drein. O Weib / O Weib du vnnuͤtze Gosch / fau⸗ ler Schlersack vnd Laußbosch / was soll ich doch mit dir fangen an / ich armer Mann / das letzte Wort muß ich dir lahn. O Mann / O Mann wann du auffstehst / gar bald du zu dem Brandtwein gehst / vom Brandtwein zum guten Bier / das sag ich dir / kein Brot ins Hauß schaffest du mir. Wer bekompt ein solch vngehewr / der hat allhie das Fegfewr / wann sein Nachbarn vnd Freund allzeit / auff jhn tragen Neyd / darff er niemand klagen sein Leyd. Das ander Lied. SO fang ich aber an / vnd sing ein neues Gesang / kein Muͤh thut mich verdries⸗ sen / ein Liedlein laß ich schiessen / Jch moͤchts wol lassen bleiben / muß doch mein weil vertreiben. Jch weiß ein schoͤne Junckfraw / sie ist nicht weit von Au / Ein Netirin thut sie geben / fuͤhrt gar ein hurtigs leben / sie wer recht in ein Char⸗ tausen / koͤndt manchen gar wol lausen. Gar hoch ist sie geboren / von einem Pfaffen außerkoren / dessen hat sie sich vbernommen / wann einer zu jhr ist kommen / so macht sie sich so froͤlich / als wann sie wer gar ehrlich. Ein Junckfraw will sie seyn / es geht mir aber nicht ein / dann ich hab viel erfahren / in meinen jungen Jahren / wie sie sich gehalten / doch will ichs lassen walten. Sie wird hie nicht genannt / weil sie sonst wol bekannt / Jch hab sie hoͤren loben / im Land vnten vnd oben / was wolt ichs dann viel nen⸗ nen / weil man sie sonst thut kennen. Die Junckfraw ist gar trew / wann junge Gesellen darbey / die Warheit muß ich sagen / sie thut nicht viel außschlagen / jhr muß ich sel ber lachen / wills anderst nicht verachten. Gar schoͤn ist sie gestallt / als wer sie sechtzig Jahr alt / lieblich als wie die Sonne / in einem finstern Brunne / jhr Leib schneeweiß wie Ko⸗ len / das sing ich vnverholen. Sie buhlt vmb ein Muͤhlknecht / sie kenne jhn aber mcht recht / mit Augen thuts jhm win⸗ cken / zween Thaler thaͤts jhm schencken / sie meynt sie wolt jhn fangen / aber er ist jhr ent⸗ gangen. Wann sie hett Zinß vnd Rent / wers doch alls angewendt / auff die Jung Geselln vnnd Knaben / vnd wills doch keiner haben / drumb weiß man jhren Willen sie ist nicht zu erfuͤllen. Wer vmb sie buln will / muß han der Pfen⸗ ning viel / sie will gar stattlich zehren / Wer wolt sich nur ernehren / mit einer solchen Hetzen / die doch nichts kan als schwaͤtzen. Hett sie mich nicht außgericht / das Lied wer hr nicht dicht / weil sie mich hat verachtet / hab ichs jhr gleich gemachet / jetzt muß sies singen lassen / auff frischer freyer Gassen. Das dritte Lied. MEin Hertz ist mir bekuͤmmert so sehr / Der liebe GOtt es zum besten kehr / scheiden das thut mich krencken / vor Leyd mein Hertz mir zerspringen moͤcht / wenn ich daran thu gedencken. Kein Frewd ich jetzt auff Erden mehr hab / deñ trawren bringt mich ins Grab / mein Hertz weynt vber die massen / daß ich dich hertzaller⸗ liebster mein / jetzund muß fahren lassen. Auff Erden ist doch kein schwerer pein / denn weñ zwey Lieb von einander seyn / das muß ich jetzt wol erfahrẽ / kein Speiß noch Tranck auff Erden mehr ist / die mich jetzund thut laben. Mein einiger Schatz schoͤner Juͤngling zart / wie betruͤbst du mit mein Hertz so hart / wilt du mich deñ gar verlassen / mein Hertz ist kranck biß in den Todt / betruͤbt wol vber die massen. Darum̄ bitt ich dich mein hoͤchste Zier / wañ du wilt scheiden je von mir / thu mir dein Hertz auffschliessen / sih an mein junges betruͤbtes Hertz / laß mich einer Trew geniessen. Mein Schatz wie kanst du doch scheiden von mir / hab ich dich doch nur in Ehren lieb / will dirs zu erkennen geben / scheidest du denn von mir / das sag ich dir / so bringst mich vmb mein Leben. Du weist daß ich in trauren stund / wenn ich dich nicht bekommen kundt / das hast du wol er⸗ fahren / auch bringst du mich vmb manchen gang / den ich sonst wol kundt ersparen. Ob ich dir an Schoͤnheit nicht bin gleich / vnd bin auch an dem Gut nicht reich / mit dem thust mich auch vbertreffen / allein mein hertzli⸗ che grosse Lieb / muß dir dein Hertz zubrechen. So ist es auch vmb vnser beyder Freund / wiewol sie starck dawider seynd / wolten vnsere Lieb zustoͤren / so setz ich mein Hoffnung zu Gott vnd zu dir / du werst dich nicht dran kehrẽ. Mein Hertz das hat noch nie verzagt / Gott hat mir auch kein gluͤck versagt / deßgleichn auff dieser Erden / wann du mir von Gott beschaf⸗ fen bist / mein eygen must du noch werden. Kans aber dann leyder nicht geseyn / so gib ich mich gedultig darein / Hoffnung muß mich ernehren / Jst aber ein schoͤner Juͤngling auff Erd / den man mir nicht kan wehren. Behuͤt mir GOtt das edle Blut / daß er mein Hertz erkennen thut / er scheid dahin mit schmertzen / so ist es mir auch von Hertzen leyd / GOtt erquick mein trawrigs Hertze. Zwey Bluͤmelein heissen Wolgemut / offt manches Hertz da troͤsten thut / das will ich dir zu letzt geben / Je laͤnger je lieber / Vergiß nicht mein / schenck ich dir auch darneben. Show less

Die schwäbische Bauern-Klag, Lied eines armen Bauern über hohe Abgaben; Geschichte eines kleinlichen Goldschmieds
Zwey schoͤne newe weltliche Lieder / Das Erste: Die Schwaͤbische Bawren⸗Klag / Wie sich der Baur beklagt wegen der grossen Contribution vnd Beschwaͤrnussen. Jm Thon: Man sings oder sags / so ist es doch wahr / rc. Oder: Wie man den Baͤyerischen Bauren singt. Das Ander: Eines Goldschmids... Show more Zwey schoͤne newe weltliche Lieder / Das Erste: Die Schwaͤbische Bawren⸗Klag / Wie sich der Baur beklagt wegen der grossen Contribution vnd Beschwaͤrnussen. Jm Thon: Man sings oder sags / so ist es doch wahr / rc. Oder: Wie man den Baͤyerischen Bauren singt. Das Ander: Eines Goldschmids zu Straubingen mit seiner Frawen vnd Haußgesind Vbelhausen / eines einigen Pfenning⸗allmosens halber. Jm Thon: Ach Gott mein Annele wo woͤllen wir nauß. Gedruckt in diesem Jahr. Das Erste. 1. ACh ich bin wol ein armer Baur / Mein Leben wird mir maͤchtig saur / Jch meyn ich koͤnn offt nimmermehr / Ach daß ich nie gebohren waͤr. 2. Mein / horcht mir nur ein wenig zu / Mit Wyden bind ich meine Schuh / Kein Frucht hab ich schier in der Schewr / Vnd muß doch geben meine Stewr. 3. Vor Weynachten iß ich auff / Das Vieh ist auch im wolfeilen Kauff / Hergegen sind die Handwercksleuth Gar thewr / helff Gott dem der mir beut. 4. Die Contributz das greulich thier / Macht / daß ich muß entlauffen schier / Der Waibel gheyt mich alle Tag / Jch halt es sey kein groͤsser Plag. 5. Mein Amptmann helgt mich uͤberauß / Er legt mich offt ins Narren⸗hauß / Wer gibt mich nun bey jhm so nahn / Jch sorg der Waibel habs gethan. 6. Der Schultheiß ist mir auch nit hold / Jch weiß wol wo ichs hab verschuldt / Jch sagt nur: Er frißt ab der Gmeind / Jetzt ist er mit von Hertzen feind. 7. Der Pfarrherr weißt vns zur Gedult / Vnd sagt es sey der Suͤnden Schuld / Er siht daß er sein Zehenden hab / Daß Wetter schlag auff oder ab. 8. Jch muß auch immer Frondienst thun / Vnd hab doch nicht ein Schnell davon / Jch wolt daß der am Kragen hieng / Der erstlich die Beschwaͤrd anfieng. 9. Jch hab ein Knecht / man hat mir gsagt / Der Lecker schlupff mir zu der Magd / Auff dreissig Gulden kompt sein Lohn / Vnd hab doch Sorg er lauff davon. 10. Jm Sommer schaff ich wanns so heiß / Daß ob mir steht der kalte Schweiß / O dann / O Pein / muß ich zu Nacht / Den wilden Saͤw erst halten wacht. 11. Jch hielt naͤchst Maur⸗ vnd Zim̄erleut All Tag gieng drauff ein Viertel Treyt / Darzu ein halber Eymer Bier / Wann ich dran denck / so gschwindt mir schier. 12. Drumb ist mein Seckel aller laͤr / Aun wenn ich nur nichts schuldig waͤr / Verwalter / Pfleger / vnd der Jud / Die nemmen mir offt schier den Hut. 13. Jch hab drey Roß ist keins nichts wert / Das eine hinckt mir heur vnd ferd / Das ander hat kein Zahn im Maul / Das dritt ist blind / darzu mistfaul. 14. Hab auch drey Kuͤh doch nur vm̄s halb Dem Metzger ghoͤrt auch schon das Kalb / Daͤrzu hab ich kein Stroh noch Hew / Das Laub im Wald ist meine Strew. 15. Jch hab kein Holtz vor meinem Hauß / Versetzt ist das im Wald darauß / Es raucht mein Off / vnd regnet eyn / Es koͤnnt ja je nicht schlimmer seyn. 16. Mein Wagen auch keine Leytern hat / Am Pfluge mangelt auch ein Rad / Die Egge hat auch nur acht Zaͤhn / Vnd darff zu keinem Wagner gehn. 17. Der Schmid / Seiler / vnd solche Leut Der Sattler auch / mir keiner beut / Es sey dann / daß ich sie vor zahl / Ja wann ichs haͤtt / ich hab kein Wahl. 18. Als ich ein Knecht / trug ich zum tratz / Ein hirsches Kleyd mit einem Latz / Jetzt da ich hauß vnd bin ein Mann / Hab ich nur zwilche Hosen an. 19. Der Schuster waͤr auch gerne zahlt / Jch gib jhm weders new noch alt / Drumb muß ich jetzt schier parfuß gehn / Man siht mir ja die blosse Zehen. 20. Mein Hut ist loͤchericht uͤberauß / Als wann die Maͤuß drinn hielten hauß / Der Huͤter borgt mir auch nicht gern / Was hab ich dann fuͤr Gluͤck vnd Stern. 21. Fuͤhr ich schon Obs nein auffn Marck So pressen mich die Leuth so starck / Daß ichs muß halber schencken hin / Wann ich dann schawe zum Gewinn. 22. Dann lauffen dSchuldner her zu mir / Der ein reißt da der ander hier / Diß treiben sie ein lange weil / Biß ich mein Gelt mit jhnen theil. 23. Bleibt mir nun etwas uͤbrig dran / So kauff ich drumb so viel ich kan / Saltz / Kertzen / Karrensalb vnd Schmaͤr / Dann ist der Seckel wieder laͤr. 24. Vnd weiß kein Heller zum Gewinn / Es sey dann daß ich schneller spinn / Doch ist noch eines das mich plagt / Jch muß den Winter auff die Jagt. 25. Jch bin auch in der Auß⸗wahl mit / Jch trag ein Pick im vierdten Glied / Man trillt mich offt / ich muß hinauß / Es geh nun wie es woͤll im Hauß. 26. Jm Wirtshauß waͤr mir trefflich wol / Wann ich wird Bier vnd Taback voll / Doch borgt der Wirth mir nimmermehr / Jch geb dann einen Acker her. 27. Jetzt uͤber alles hab ich noch Daheim ein uͤberschwaͤres Joch / Was meint jhr wol / daß dieses sey / Es ist mein Weib voll Schelmerey. 28. Sie haͤlt allzeit das Widerspiel / Sie thut mit Lust / was ich nit will. Sie traͤgt mirs Muß in dStuben nein Vnd brocket boͤse Wort darein. 29. Jch wolt sie waͤr im Himmelreich / So geb sie mir / ich jhr kein Streich / Den Hader macht das lose Gelt / Sonst stuͤnds viel besser in der Welt. 30. Das ist nu kuͤrtzlich meine Klag / Wiewol ich kaum die Helffte sag / Es glaubts kein Mann / als ders erfaͤhrt / Wie jetzt der Baursmann ist beschwaͤrt. 31. Wer ist der vns diß Liedlin sang / Ein Schwaͤbischer Baur ist er genannt / Er hats gesungen vnd wol bedacht / Er wuͤnscht allen Bauren ein gute Nacht. Das Ander. EJn Goldschmid zu Straubingen saß / erstlich so thut anhoͤren: Mit seinem Weib zu Mittag aß / ein Landsknecht thaͤt begehren ein Steur / als ich vernommen hab / der Goldschmid jhm ein Pfenning gab / sein Weib verdroß es uͤbel. 2. Vnd sprach: wilt du dein Armut gar / den Armen alles anhencken. Was ich haͤrtiglich zusam̄en spar / heilloser weiß verschencken / der Goldschmid sprach zu seinem Weib / biß zu fri⸗ den vnd nit viel treib / da gieng es jhm erst uͤbel. 3. Jn dem ein armer Schuler kam / bat vm̄ ein Gab der Tropff Der Goldschmid bald ein Messer nahm / thet an das Fenster klopffen / in dem schlug er ein Scheiben auß / er war so zor⸗ nig uͤberauß / da gieng es wieder uͤbel. 4. Jn sein Hand er sich selber stach / weiter hab ich vernom̄en: das Messer in der mite ab⸗ brach / ist jhm dreyfach hinkom̄en / was er am Armen hett zu gwinn / das haͤtt St. Veltin dreyfach hin / die sach schickt sich erst uͤbel. 5. Alsdann hub er das Fenster ab / vnd wolt es lassen machen: Die Magd fiel mit die Stieg hinab / des Vnfalls muß ich lachen / die Magd schrey / O ich armer Dropff / wie hab ich ein groß Loch im Kopff / wie geht es mir so uͤbel. 6. Die Fraw stund auff vnd hoͤret das / den Vnfall zu beschawen: Trat sie gar eben in ein Glaß / der Herr kam zu Hilff seiner Frawen / vnd jhr das Glaß rauß ziehen muß / da trat er selber eins in Fuß / da gieng es erst recht uͤbel. 7. Das Essen auff dem Tische stund / Huͤ⸗ ner / Voͤgel vnd Fische: Da kam die Katz vnd auch der Hund / machten sich auff den Tische / das Essen jhnen gar wol schmeckt / das war der mangel daß nicht kleckt / darnach gieng es jhn uͤbel. 8. Der Goldschmid in die Stuben kam / kein Speiß war mehr vorhanden: Der Katzen vnd deß Hunds wahr nahm / wolts schlagen an ein Wande / erwitscht den Hund wohl bey dem Kantz / darnach die Katze bey dem schwantz da gieng es wieder uͤbel. 9. Die Katz als ich vernommen hab / thet sich ans Tischtuch heben / vnd zog es uͤber den Tisch herab / erst thet es Scherben geben / Glaͤ⸗ ser vnd Krüg verbrachen allsamm / der Wein auch an der Erd vmbschwam / das ist gehau⸗ set uͤbel. 10. Der Herr war zornig uͤberauß / vnnd sprach: Jch habs wol troffen: Jetzt ist die Katz zum Fenster nauß / der Hund ist mir entloffen / ein Kind lieff in der stuben dar / fiel ins pfleisch daß es hincket war / ach wie geht es so uͤbel. 11. Der Goldschmied sein Weib bey dem Kopff nahm / thaͤt dapffer auff sie schlagen: Das Weib sprach / keinem armen Mann / will ich was mehr versagen. Sie schrey allzeit / Jch will / Jch kan / der Goldschmid kehret sich nit dran / thaͤt vester darein schlagen. 12. Hiemit daß sie bey Leben bleib / muͤßts jhrem Mann entlauffen: Also thaͤt Gott das vntrew Weib / gar wunderbarlich straffen. Ein jedes Weib gar wol betracht / vnd ja die Armen nit veracht / daß jhr nit geh so uͤbel. E N D E. Show less

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