Schlacht am Weißen Berg bei Prag, 8. November 1620: Über des Böhmischen Königs Hofhaltung
Ein schoͤn Newes Liedt / Von der Her⸗ lichen vnd Siegreichen Schlacht / so zu Prag den 8. Nouemb: geschehen / vñ durch ei⸗ nen daselbst mit anwesenden Reu⸗ ter iuxta contingentiam Compo⸗ niert / vnd auff die Melodey gesetzt. Soldaten die seind Ehren werth / sie dienen zu Fuͤß vnd auch zu... Show more Ein schoͤn Newes Liedt / Von der Her⸗ lichen vnd Siegreichen Schlacht / so zu Prag den 8. Nouemb: geschehen / vñ durch ei⸗ nen daselbst mit anwesenden Reu⸗ ter iuxta contingentiam Compo⸗ niert / vnd auff die Melodey gesetzt. Soldaten die seind Ehren werth / sie dienen zu Fuͤß vnd auch zu Pferdt / r. Anno qno à FerDInanDo sVperatVs FrIDerICVs abIIt. DVrch Gottes will vnd Krieges Macht / Der Boͤhmer Trutz vnd stoltzer Pracht / Zu schanden ist gemacht: Jhr Reich nicht laͤnger koͤndt bestehn / Wie man hat bey der Schlacht gesehen / Am achten Nouember geschehen. ¶ Zur selben zeit sie all jhr Macht / Beim Thiergarten zusammen gebracht / Vnd sich der Hoffnung erdacht / Meister zu werden in dem Streyt / Jhr Hoffnung aber fehlet weit / Vnd kompt jhnen zum Leyd. ¶ Anfangs sie jhre Batterey / Gestellet auff die hoͤhe frey / Vnd das Geschuͤtz darbey: Sie schossen herab gar manigfalt / Jhr Ordnung zur Schlacht war gestalt / Welchs sich verendert baldt. ¶ Zwo grosse Armada wol bestellt / Darunder war manch Tapffer Heldt / Zohen froͤlich ins Feldt / Deß Kaysers Heer zur rechten Handt / Fhuͤrt Conte Bucquoy wol bekandt / Jn seinem Ritter Standt. ¶ Er setzet zu dem Feindt hinein / Darneben auch die Obristen sein / Schluͤgen gar Herzhafft drein: Die Polen jhr Ordnung in das rond / Formieret han zu diser stund / Gleich einem halben Mond. ¶ Die Bayerisch Macht zur lincken Seyt / Frisch kam herbey zu disem Streyt / Jn Ordnung weit vnd breit: Der Hertzog Maximilian / Jn der Person tratt vornen an / Wer solt hier nicht bestahn? ¶ Tily der Leutenampt General / Jm Feld verrichtet vberal Was zur Schlacht dient zumahl: Auch andere Obristen wolgemuͤht / Frisch wagten dran jhr Leib vnd Blut / Gott geb jhnen alles zu guth. ¶ Vornen an der spitzen ohne still / Der Obrist Bawr vnd Florenvill / Kochten mit Hertz vnd will: Hingegen der Feindt sich Tapffer wehrt / Jn mittels ward mancher Sattel gelehrt / Zu weichen keiner begert. ¶ Biß auß der Bayrischen Reuterey Der Obrist Cratz geritten herbey / Mit fuͤnff schoͤner Companey: Er griff den Feind mit Frewden an / Er schluͤg drein wie ein Ritters Mann / Daß kostet Pferdt vnd Mann. ¶ Die Maͤhrisch vnd Schlesingisch Reutterey / Gesetzet in neun Companey / Hat er geschlagen frey: All jhr Corneten seind bekommen / Der Feinde Stuck alle zmahl genommen / Also huͤlfft Gott den Frommen. ¶ Hierdurch ist der Feind gar verjagt Vnd endtlich auff die Flucht gebracht / Mit seiner gantzen Macht: Der von Eynatten jhm setzet nach / Vil Muͤtter Kind an disem Tag / Man da den Halß zerbrach. ¶ Die im Thiergarten seind ermordt / Wie noch zusehen am selben Ohrt / Ein jeder machet sich fort: Der Rest auff Prag sich hat Saluiert / Wiewol vilen ist der weeg gespert / Daß sie die Augen verkehrt. ¶ Die Vngern: daß Gottlose Gsind / Gar vil deren versoffen seind / Jn der Moldaw geschwindt: Verlauff dein Guth / verlauff dein Ehr / Also gehet Herr mit Knechten daher / Vnd kompt auff Prag nicht mehr. ¶ An der Schlacht war auch zvorderst dran / Iohann de la Court der Ritters Mann / Griff den Feind Hertzhafft an: Sein Pferdt vnder jhm erschossen war / Ein anders bekam er vngefahr / Ein Hauptmann drabgfallen war. ¶ Der Fuͤrst in Bayern Hochgeborn / Mehr Menschen Bluts vnuerlohren / Sanfftmuͤtig ohne Zorn: Zu Prag baldt ist gezogen ein / Zum ghorsam bracht die gantzen Gemein / Mit der bescheidenheit sein. ¶ Dessen hat groß Lob derselbe Herr / Dann von Gotts vnd deß Kaysers Ehr / Fuͤhret er sein Gewehr: Nun danckt jhm daß Hauß Oesterreich / Die Catholische Staͤnd all zugleich / Jm gantzen Roͤmischen Reich. ¶ Ein Reutter hat diß Lied gesetzt / Jn der Schlacht er sein Degen netzt / Sein Leib blieb vnuerletzt: Vom Feind hat er ein Beut ertapfft / Welch grosse Leuthe zu sich gerafft / Gott laßts nicht vngestrafft. ¶ Dein Gnad von vns nicht wend O HERR / Vmb deines Heyligen Namens Ehr / Bewahr dein Krieges Heer. Verleih dem Catholischen Standt / Sieg vnd Tryumph in allem Landt / Rebellen hand kein bstandt. I. Ass. F. CaMeLo CornVa foLLICItantI non aVressVnt reLICtæ Integræ. Deß Boͤhemischen Koͤnigs Hoff⸗ haltung. Koͤnig. Pfaltzgraff. Jch bin der Koͤnig von kurtzer zeit / Mein Reich ist gleich der Faßnacht frewd / Wann dFaßnacht auß: geht dFasten an / Vor Koͤnig / jetzt ein Armer Mann. Kaͤmmerling. Graff vom Thurn. Jch hab meim Koͤnig ein Beth gemacht / Daß vnder jhm zerbricht vnd kracht / Darauß jetzund die federn fliegen / Weil er zuuil glaubt meinem liegen. Raͤhte. Protestanten. Wir Raͤht weren zu seüch gelehrt / Darumb hat sich das vngluͤck gmehrt / Fritz nimb mit der Faßnacht verguͤht / Kanst nit mit Gellt: zahl mit deim Bluͤt. Hoffmeister. Engellaͤnder. Jch soll deß Hoffs der Meister sein / Sonst faͤllt der gantze Bettel ein / Wann der Hoff nicht besser wirdt bstellt / Der Koͤnig durch die reytern fellt. Fuͤrschneider. Der von Mañßfeldt. Jch laß mein Messer zwenig wetzen / Daher ich fuͤrschneid drey groß fetzen / Die kan mein Koͤnig nicht verschlicken / Darumb muͤß er daran versticken. Thürhuͤter. Gallus. Jch bschleuß mein Thor bey zeyten zu / Daß mir kein Schmeichler mach vnruͤh / Sie moͤchten wie die andern thun Vnd mir nachstellen nach der Kron. Spillmann. Bayer. Jch pfeiff dem Koͤnig einen Tantz / Jhm zu erhalten seine Schantz / Weil er nicht gwolt: pfeiff ich hupff auff / Hey Pfaltzgraff auß Cron Boͤhem lauff. Singer. Sax. Jch vnd der Spilmann auff ein Tact / Singen deß Winter Koͤnigs Act: Vil falsch Noten lassen wir auß. Wer nicht Kayserisch / troll sich hinauß. Hoff Koch. Mauritius. Jch vnd mein Gsell Fuͤrst Bulion / Haben Hundtsvbel grichtet an. Versaltzen vnd verpfeffert gar / Daß was vorhin versotten war / Die Speiß steckt jhm noch in seim Kropff Gilt gleich / es kostet nur sein Kopff. Beichtvatter. Imperator. Bist ein Rebell wies dann wahr ist / Mein aller gnaͤdigst Vrtheil ist: Knie nider / vnd bekenn dein Schuld / Jch kan dich nemen auff zur Huld. Medicus. Hispanus. So baldt ich nun den Brunnen bsah / Gedacht ich gleich da ist ach / ach: Dann wo der Fritzli nicht baldt Stirbt/ Auffs wenigest sein Landt verdirbt. Secretarius. Venediger. Vnser Decret ist gar zu laut / Wir habens nicht rechten vertrawt: Wir muͤssen etwas newes schnitzen / Vnd die Schreibfeder besser spitzen. Rentmeister. Die Reichsstaͤtt. Vnser Contribuiertes Gellt / Mit dem König in Brunnen faͤllt. Wann wir vber die Rechnung kommen / Steht vil außgaab / vnd nichts gewunnen. Mundschenck. Ambrosius Spinola. Schenckein / Trinck auß / hab guten Muͤht / Jch bin Herr ins Pfaltzgraffen Guͤt/ Zu Heydelberg ligt das groß Faß Derselb Wein wirdt mir schmecken bas? Furier Bucquoy. Jch bring in Mehren Boͤhmische Post / Vnd Schlesien guten Trost: Biß man mir zaͤhlt mein Bottenlohn Zeuch ich so eylendts nicht daruon. Show less

Eroberung von Prag, 1620
Bericht von Eroberung Der Stat Prag vnnd was fuͤr ein Blutige Schlacht vorhergangen / also daß auff der Boͤhmen seyten in die Siebenzehen tausent / vnnd auf deß Bayrfuͤrsten Sieben tausent Mann ge⸗ blieben / vnd wie der Koͤnig sampt seinem Gemahl mit Zepter vnd Cron auß Prag gewichen / nach... Show more Bericht von Eroberung Der Stat Prag vnnd was fuͤr ein Blutige Schlacht vorhergangen / also daß auff der Boͤhmen seyten in die Siebenzehen tausent / vnnd auf deß Bayrfuͤrsten Sieben tausent Mann ge⸗ blieben / vnd wie der Koͤnig sampt seinem Gemahl mit Zepter vnd Cron auß Prag gewichen / nach allen vmbsten⸗ den in ein Lied gebracht. Jm Thon: Wie man den Grak Nicolai von Serin Singt. Gedruckt zu Prag / bey Lo⸗ renz Emmerich. 1620. 1. MErckt auff was ich will singen / ihr lieben Christenleut / ein Zei⸗ tung ich euch bringe / welch sich newli⸗ cher zeit / in Boͤhmen zugetragen / bey Prag der werthen Statt / wie lich beyd Heer geschlagen / vnd wer den Sieg er⸗ jagen / habt jhr die wahre that. 2. Den 29. Tage / deß Monats Octo⸗ bris / die warheit ich euch sage / hat sich begebẽ diß / das sich in aller stille / Bay⸗ ren mit seim Kriegsheer / auffmachr als eben fruͤe / ein dicker Nebel fiele / vmb 4. Vhr ohn gefehr. 3. Bayren nam seinen wege / auff Prag mit gantzer macht / durchs ghoͤltz vnnd ander stege / verließ ein kleine Wacht / in seim Laͤger die machten / Fewer an vilen ort / dadurch sie die Schildwach⸗ ten / den Boͤhmen jrre machten / der groͤste hauff zog fort. 4. Drauff kam ein groß geschreye / ins Boͤhmisch Laͤger bald / daß auffgebro⸗ chen seye / Bayrfuͤrst zieh durch den Waldt / wol sich nach Prag begeben / die Stadt zu nehmen ein / aber zu wi⸗ derstreben / han sich die Boͤhme bege⸗ ben / vnd jhm vorkommen seyn. 4. Nah bey dem weissen Berge / traf⸗ fens einander an / da gieng es an ein wuͤrgen / daß kost viel tausend Mann / den Boͤhmen da zersprungẽ / drey gros⸗ se Stuͤck fuͤrwar / uͤbel ists jhn gelun⸗ gen / was sie sich vnterfungen / war vm̄⸗ sonst gantz vnd gar. 6. Jhr Schlachtordnung mit gefahre / wurde zertrennet baldt / kein rettung mehr da wahre / die Flucht ward ange⸗ stalt / da ward ein solches schiessen / vnd niderhawen drauß / Ja ein solch Blut⸗ vergiessen / daß auff der Erdt thet flies⸗ sen / da war ein ernst mit grauß. 7. Den Boͤhmen sein geblieben / siben⸗ zehen Tausendt Mann / welch das Schwerd auffgerieben / vnd jhr Leben gelan / es ward auch gantz zerschlagen / jhr Armada fuͤrwar / daß auff drey mei⸗ le lagen / todte Koͤrper mit klagen / da war dann groß gefahr. 8. Es ist nicht zubeschreiben / der Jam⸗ mer vnd grosse Noht / so auff der Boͤh⸗ men seyten / sich zugetragen hat / acht Stund lang hat gewehret / daß wuͤrgẽ vnd Metzgen da / gleich wie das Fewer verzehret / also hats Schwerdt verhee⸗ ret / viel tausent Christen Mann. 9. Es wurd in auch genommen 6. gros⸗ ser Hagelgeschoß / Heerwaͤgen ein groß Summen / viel wolgebutzter Roß / manch Ritter wurdt gefellet / durchs Schwerd zu beyder seyt / doch mich ver⸗ stehen wollet / Victori ward zugestellet / den Bayrischen allzeit. 10. Koͤnig sampt ander Herren / Ritter und Grafen viel / machten sich inn die ferne / kamen auß diesem Spiel / nah⸗ men die Flucht auß Prage / Bayrfuͤst mit seim Kriegsheer / thet jhn gar baldt nachjagen / bekam denselben Tage / die Stadt Prag ohn beschweer. 11. Auff deß Bayrfuͤrsten seyten / siben tausendt fuͤrwar / sing ich euch mit be⸗ scheide / sind auch geblieben dar / darun⸗ ter manch kuͤhner Helde / sein Leben mu⸗ ste lahn / auff diesem Plan im Felde / die warheit ich euch melde / da kosts manch schoͤnen Mann. 12. Als Bayren mit seim Heere / fuͤr Prag kam mit gewalt / Nachmittag ohn gefehre / nahm er die ein gar baldt / niemand sich widersetzte / jhn wurdt ge⸗ nad erzeigt / kein Mensch er da verletzte / sondern inn Frieden setzte / die auff der kleinen seydt. 13. Der Koͤnig mit seim Gemahle / sein gwichen auß der Stadt / Gron / Zepter Schaͤtz ohn zahle / mit sich genommen hat / vñ ist die sag ergangen / daß er auff Preßburg sey / allda huͤlff zuerlangen / vnnd wider zuempfangen / was er ver⸗ lohren hierbey. 14. Also habt jhr vernommen / was mit Prag der Stadt / verloffen inn der Summa / wie solchs bekommen hat Hertzog auß Bayrn mit machte / vnnd wie vorgangen sey / ein groß Blutig Schlachte / dieses mein Christ betrach⸗ te / vnd merck folgends darbey. 15. Wann GOTT ein Land will straf⸗ fen / oder gleich eine Stadt / wie er alles koͤnn schaffen / nach seim verborgnen Raht / wie er kan Sieg verleyhen / wel⸗ che jhn ruffen an / wie erkoͤnne erfreu⸗ en / die so jhr Suͤnd berewen / vnd wahre buse THUN. Show less

Weltliches Lied über drei Weiber; Weltliches Lied über Augsburg
Zwey Kurtzweyli⸗ ge Weltliche Lieder. Das Erste: Von drey Weybern / Wie sie einem Holtzhacker sein Agst versof⸗ fen haben. Jm Thon: Wie man den Kümmichkoͤhrer singt. Das Ander: Von allerley Wahren / so man zu Augspurg inn allen Gassen herumbher schreyet. ¶ Jm Thon: Wie man den Rolandt... Show more Zwey Kurtzweyli⸗ ge Weltliche Lieder. Das Erste: Von drey Weybern / Wie sie einem Holtzhacker sein Agst versof⸗ fen haben. Jm Thon: Wie man den Kümmichkoͤhrer singt. Das Ander: Von allerley Wahren / so man zu Augspurg inn allen Gassen herumbher schreyet. ¶ Jm Thon: Wie man den Rolandt singt / rc. 15. ¶ Vñ gieng wider in dStuben nein / ey Holtzha⸗ cker thuͤ lustig sein / es wirdt bald kommen / hab ich vernommen / ein guͤttes Biet rom Bluͤmenschein. 16. ¶ Vnd füllten den Holtzhacker vol / darbey jhn vberreden wol / gantz vnuerholen / man hetts jhms gstohlen / sein Agst das solt er mercken wol. 17. ¶ Der Holtzhacker muͤst zu frieden sein / ach hett ich nur die Agste mein / die Weyber lachten / vnnd jhn außmachten / ein anders mal kehr wider ein. Das ander Lied. 1. MErckt auff was ich thuͦ Singen / jhr lieben Biderleüt / von Wunderlichen dingen / So man zu Augspurg schhreyt / darob sich man⸗ cher Frembdling / sehr verwundert hat / wann er das⸗ selbig hoͤret / allenthalb in der Statt. 2. ¶ Saurs Kraut Weyber / hui Riebigskraut / schreyen die von Lechhaussen / am morgen vberlaut / Suͤsse Millich / Butterschmaltz / Sawre Millich / auch / macht manchen guͦten Gesellen / den Hagel in den Bauch. 3. ¶ Hammermillich vnd Blaichermillich / die hat man gar für guͦt / kan sich offt begeben / das man da⸗ rumb reissen thuͤt / Sauri Senpff Sur Sura schreyt man auch / die Buͤben mit grossem geschrey / lauffen demselben nach. 4. ¶ Ho Rieb Gerschoffen / schreyet man vberlaut / zu Lechhaussen seind sie gewachssen / mit irem gruͤh⸗ nen Kraut / Weyblein kauffet Salat / Zwifel / Pfif⸗ ferling / Rehling auch darneben / lauter guͦtter ding. 5. ¶ Weybleln kauffet guͤts Bech / Schefferbis guͦt / Bürckenwasser / Wacholter / man auch schreyen thuͤt / Erdtbeer / Holbeer / Heydelbeer darbey / dar⸗ neben guͤtte Kerschen / das alls beysamen sey. 6. Boͤsen / boͤse Weiber / ist ein warhafftigs gschrey / weyl man derselben inn diser Statt / findet so man⸗ cherley / Ofengabeln / Stuͤtzen / Stangen groß vnnd klein / vnnd bey dergleichen Wahren / mussen auch Leüttern sein. 7. ¶ Schwebenhoͤltzlen Weiblein / vnd andere ding noch mehr / Ofenrohr vnnd Huͤnnerdaͤrm / gehoͤren auch hieher / Fliegenschwammen / Katzenschwaͤntz / Wasserstangen guͦt / alt Kretzen zu machen Weiber / schreyet das Weyb mit muͤt. 8. ¶ Schisselbinden Pfannenflecken / bleibet hie nicht auß / vnnd ist der beste Handel / man machts eim vor dem Hauß / die Kuͤmmichkehrer hoͤrt man wol / sie schreyen Opiger / auch thuͤt man allhie fli⸗ cken die alte Läthern. 9. ¶ Hui Maͤydlein welchs hat alte zerrißne schuͤch / Ein guͤtten hauffen Lumpen / dieselbe herfuͤr such / Bain / Bain Maͤydlen / thuͤt vns auch herauß / gebt jhr vil vmb wenig Gelt / so zahlen wir dapffer auß. 10. ¶ Hui Weyber welchs hat / alts Eysen suchs her⸗ für / reyst Naͤgel auß den Waͤnden / die Schloͤsser ab der Thür / Biergelt / Schliergelt / ich euch drumb geben thuͦ / die Weyber sich dann dumblen / tragen im dapffer zu. 11. ¶ Laͤhren / Laͤhren Weber / vnd Schwingflecken darzu / Spulen auch darneben / schreyet man spat vnd fruͦ / Tuch / Tuch die Karter schreyen am Mor⸗ gen fruͤ / arbeyten gar harte / klagen sich grosser muͤh. 12. ¶ Allhie auch nicht außbleibet / der Sawrbrun⸗ nen gar waͤhrt / wer er gleich halb verfaͤlschet / man seiner doch begert / Turteltaubn vnd Voͤgeluaͤstlen / ist gar ein guͦtte wahr / die Burger sie dann kauffen / zahlens auß also bar. 13. ¶ Die Oberhausser Buͤben / tragen auch herein / Bürckenstaͤnd vñ Tannenwaͤdel / dieselben braucht man fein / in die Canari Vogelhaͤuß / darinn steckt man sie auff / damit sie darein nuͤsten / vnd zu nacht sitzen drauff. 14. ¶ Sessel zu machen Weyber / vnd alte Wannen 8. ¶ Obm Herdt das Schmaltz lag voller Ruß / da hetten sie keinen Dryfuͤß / huͤben an lachen / wie woͤlln wirs bachen / eine die Pfannen heben muͦß. 9. ¶ Vnnd sie muͤß Waͤlglen thuͤ ich sagen / ja wer wirdts aber rausser tragen / geh drauß ist wacker / ein Jung Holtzhacker / der muͤß vnns vor das Scheyt verschlagen. 10. ¶ Ach lieber Holtzhacker gemuͤth / wolt jr mit vns nemmen für guͦt / ein Scheyt verschlagen / vnd vnns rauß tragen / die Kuͤchlein in die Kuchen guͦt. 11. ¶ Dann wir haben heut die Faßnacht / er sprach zu jhr / vnd darab lacht / ich bin vermessen / vns hilff euch fressen / vnd schlicken das die Gurgel tracht. 12. ¶ Die Kuͤchlein hettens bachen gar / da sassens zsamen die gwaltig wahr / also vermessen / theten wett fressen / ein jegklichs das fraß zweintzig bar. 13. ¶ Der Holtzhacker sprach vnnd gedenckt / Wie kompts das man allda nichts trinckt / die Weyber eben / lachten darneben / vñ eine der anderen winckt. 14. ¶ Vnd gieng mit jhr zur Stuben nauß / schickts mit der Agst inn das Würtshauß / flugks thuͦ dich drollen / vnnd auff die Agst hollen / ein Stotzen Bier du bringst nichts rauß. Das Erste Lied. 1. NVn hoͤret zu in kurtzer frist / dieweyl jetzundt verhanden ist / die Faßnacht eben / mercket darneben / jederman geren Kuͤchlein ißt. 2. ¶ Erstlich so muͤß ich zeigen an / was ich selber ge⸗ sehen han / ein Faßnacht bossen / hoͤrt vnuerdrossen / von drey Witfrawen thuͤt verstahn. 3. ¶ Die hielten einen engen rath / eine zu der ande⸗ ren gaht / wie woͤlln wirs machen / vnd Kuͤchlein ba⸗ chen / keine kein Mehl vnd kein Schmaltz hat. 4. ¶ Die erst die sprach ich bin so keck / ich will geben meinen Fürfleck / du hast zwen feine / gib mir den ei⸗ ne / die dritt die sprach was gib ich wegk. 5. ¶ Jch hab kein Feder in dem Hauß / sie sind mir all geflogen auß / mein Zin vnd Kupfferr / seind recht Zaunschlupffer / schlupffen mir all zum Juden nauß. 6. ¶ Mein bestes Pfandt ist ein Driefuͤß / villeicht er auch herhalten muͤß / ich will jhn geben / lauff du darneben / vnd verkauff jn / das ist dein Buͤß. 7. ¶ Sie holten Meel vnnd Schmaltz vorauß / hu⸗ ben den Taig an inn dem strauß / huͤben an lachen / Pfantzelten machen / als sie kament in kuchen nauß. auch / thuͤt man herumher schreyen / nach lang ge⸗ wohntem brauch / Maußfallen / Holtzschlaͤgel vnnd Haͤchlen guͦtter zeug / die tregt man auch herumher / glaubt mirs ich gwiß nicht leug. 15. ¶ Hett schier das best außgelassen / trags doch stets in der Hand / vnd ist mir in dem gantzen Land / schier nichts bessers bekandt / nemblich allerley Kih⸗ len / man hie vmbschreyen thuͤt / darauß alle fromme Schreiber / jhren Werckzeug machen guͦt. 16. ¶ Hie muͤß ich auch anzeigen / ehe ich zum Cnde kom / Doren vnd Dorenschloͤhen / schreyt man auch herumb / Spindlen vnnd Mayenpfeiffen / darzu Weyber Stroh / damit werdt dises schreyen / ein gantzen tag also. ¶ Fegsand Maͤydlein / so laut der Bawren stim̄ / darob die Junge Maͤydlein / offt werden grausam grim̄ / vnnd wunschen jhm / wann es wurdt war / Er kundt nicht weyt mehr gahn / mit mir darff ers nicht theysen / der gut frumme Bawers Mann. 17. ¶ Jetzt will ichs lassen bleiben / so man weyters außschreyt / bitt ich man woͤlls zuschreiben / meiner vnwissenheit / weyl mir jetzund auff dißmal / nichts weyters kompt in sinn / wolts sonst nit vnderhalten⸗ deß Arbeytens ich bin. ENDE. Show less

Hinrichtung der Attentäter von Kaiser Matthias
Execution. Oder Außrichtung deß gefelten / erschroͤcklichen / jedoch gerechtigsten Vrthels / wider jene Rebellen / so erstlich zwar wider hoͤchstseeligster gedächt⸗ nuͤß Matthiam den I. Roͤm: Kayser / rc. Hernach auch wider den Vnuͤber⸗ windlichsten / Großmaͤchtigisten Herrn / H. Ferdinandum... Show more Execution. Oder Außrichtung deß gefelten / erschroͤcklichen / jedoch gerechtigsten Vrthels / wider jene Rebellen / so erstlich zwar wider hoͤchstseeligster gedächt⸗ nuͤß Matthiam den I. Roͤm: Kayser / rc. Hernach auch wider den Vnuͤber⸗ windlichsten / Großmaͤchtigisten Herrn / H. Ferdinandum diß Nahmens den II. Roͤmischen Kayser Feindlichen Gewalt vnd Muhtwillen geuͤbt. Fuͤrgenommen Jn der Haubt⸗ vnd berhuͤmbten Kayserl: Stadt Prag / auff dem Altstaͤtter Platz auff einer auffgerichten Pin oder Plan / so mit schwarzen Spaliren allenthalben behengt / in beysein vnd ansehen vieler tausent Personen / im Jahr Christi 1621. den 21. Brachmonds am Montag nach S. Veitstag. Allen vnd Jeden Auffruͤhrern vnd Rebelln zu einer ernst⸗ hafften Warnung / in diesem Klaglied auff kuͤrtzest fürge⸗ stellt. Erstlich gedruckt zu Prag in der Altenstadt / jetzt auß der Boͤhmischen in die deutsche Sprach versetzt / im Jahr 1621. Zu den Roͤmern am 13. Cap. Ein jede Seel soll der hohen Obrigkeit vnderthaͤnig seyn / dann es ist kein Gewalt als von GOTT / was aber von GOTT ist / das ist ge⸗ ordnet / derowegen welcher der Obrigkeit widerstrebt / der widersetzt sich der Ordnung Gottes / welche aber sich also widersetzen / die laden jhn die Verdamnuß auff / dann die Vorsteher seynd nicht zu fuͤrchten / wel⸗ che fromb / sondern welche boͤß seyd / wilst du aber die Obrigkeit nicht fuͤrchten thue gutes / vnd man wird dich loben. Anfang / Deß Klaglieds von dem volzognen Vrthel vñ Sen⸗ tentz wider die Rebellen jhro Kays. Mtt. Ferdinandi II. Vn⸗ sers allergnedigsten Herrens / rc. Boͤß angefangen zu jeder zeit / hat nimmer wol ge⸗en⸗det / Das hat erfahren mit hertzenleit / der dir diß Lied zu⸗sendet / Vrhebr die Calvi⸗nisten sein / die Boͤhmen kochen auß den Prein / Rebeln seynd groß vnd klein. Boeß angefangn zu jeder zeit / hat nimmer wol geendet / Daß hat erfahrn mit Hertzenleit / der dir diß Lied zusendet / Vrhebr die Calvinisten sein / die Boͤhmẽ kochen auß den Prein / Rebeln seynd groß vnd klein. Die gantze Welt kaumb sicher war / vor einer solchen menig / Nach dem sich stelt die Boͤhmisch schar / zugegen jhrem Koͤnig / Was sol diß zu bedeuten habn / nach Trew vnd Glaubn sie sonst nichts fragn / Dem Kaysr sie Vrlaub gabn. Sie warffen auff ein anders Haubt / jhres humores vnd Lasten / Wer hats euch liebe Herrn erlaubt / oder seyd jhr die masten? Der Mutwill ist euch halt zu lieb / darumb ist wordn mancher ein Dieb / Daß war ewer Antrieb. Wie solt es aber bevorab / nicht gschmerzt habn manchen Herren / Daß er von Hoff seyn muest schabab / vnd stehen nur von ferren / Daher entzuͤndet jhn der Neyd / bedencket sich nach weiterm bscheid / O weh der armen Leuth! Erdulden moͤchtn sie lenger nicht / daß man sie thet außschliessen / Vom Koͤniglichen Hofgericht / da waren sie zerrissen / Drumb rotten sie sich allzumal / balt auff den Pragerischen Saal / Da gschach ein newe Wahl. Vollendtem Rathschlag thu ich melden / ist der Sententz ergangen / Darauff zwen Adeliche Heldn / selbst auff der Stell gefangen / Vnangehoͤrter Gegenpart / zum Fenstr hinauß schickt man sie fort / Daß Recht hett da nicht Ort. Herr Philip in jhrn Kram nit taug / drumb muß er auch mit fahren / Ein Splitter war in jhrem Aug / GOTT thet jhn abr bewahren / Er must jhn seyn ein Schlangenzung / dieweil er neben andern drung / Auff die erste Wahlung. O wie ein Ritterliche That / uͤbt jhr nicht ohn gefehre / Einm Mord es gleichr gesehen hat / verzeucht mirs liebe Herren / Ja weil jhr so viel doͤrfftet wagn / thuet jhr dz uͤbrig auch drauff schlagn / Es kostet nur ewrn Kragn. Balt muste der Auffruhr geschehn / daß glug wolt sonst entlauffen / Man moͤcht euch in die Karten sehn / darumb dringt jhr mit hauffen / Koͤnig Ferdinand thut weh ewrm Magn / Hauß Oesterreich wolt jhr nicht habn / Da ligt der Has begrabn. Was wendt jhr ab vor Vrsach ein / ewrn Frevel zuebeschoͤnen ; Der Koͤnig will zu eyffrig sein / nach jhm wir vnß nicht sohnen / Er ist dem Pabst wol zu gethan / dergleichen hat er mehr Gespan / Danck habt / er ist der Mann. Solt jhr drumb ohne Wissen gut / vnter euch daß Reich thalen / Vnd spielen mit vnschuldigm Blut? daß werd jhr nie bezahlen / Euch vnterstehn ohn rechten fug / aͤmbter zutragen mit betrug / Abr Hochmut hat nie gnug. Muß man auch weittr euch nehmen an / vor Herren Directorn / Weil ewer worden ist der Plan / wer seyd ihr O jhr Thorn? Braucht euch nur jetzt ewr Tuͤck vnd List / weil euch der Henckr daß Leben frist / Am Reyhen ihr halt muͤst. Verrathn habt jhr daß Vatterlandt / vnd selber auffgezehret / Daß ist lautbar durch alle Land / jhr habt daß Reich verheret / Wegn ewer; Weibs und Manns Person / Blut vnd Gut haben muͤs⸗ sen lohn / Daß ist gar kein Argwohn. Weil jhr euch abr in gemein / zu einem solchen Auffbott / duncket gar zu schwach zusein / nembt jhr auch in ewer Rott / Fuͤrsten / Koͤnig vnd Laͤnder gantz / Oesterreich / Maͤhrn falt in die schantz / Wehe deß Vngerlands. Wer wird auß euch eins frechen Muths / jhr Herren Destructorn / Rechenschafft gebn vergoßnes Bluts / in grossem Grimm vnd Zorn? Wer wird dem gantzen Koͤnigreich / den Schaden widrumb machen gleich? Sagt an wer ist auß euch? Drey Jahr wehrt ewer Regiment / wie auff dem Baum die Bluͤe / Die Frewd hett aber balt ein endt / jhr maint es sey zu fruͤe / Gott last nicht allzeit spotten sein / wanns zeit ist so schlagt er darein / Das weist der Augenschein. Was sich hat newlich zuegetragn / zu einer Forcht vnd Beyspiel / Darvon werdn ewre Kinder sagn / merckt was ich hie melden wil / Entgeltn werdn sies / ist gewiß / ewr Vntrew falsch vnd alle Drieß Ach saurer Apffelbieß! Wil jemandt habn weitern Bericht / zuesehn das Vrthel Gottes / Was nemblich fuͤr ein strengs Gericht / ergangen vol deß Spottes / Wolan / wer sich der Obrigkeit / entgegen setzt vnd trutz anbeut / Zu lebn hat kurtze zeit. Tausent sechshundert zwantzig ain / Montag nach Sanct Veitstage / O Vatterlandt die That bewain / vnd deine Schuld beklage / ) hat man den Ernst nach streng geuͤbt / wie wol vil Muͤtter wurdn be⸗ truͤebt / Es halff da kein geluͤbt. Zwainzig vnd 4. der Thaͤter warn / so daß Schwerdt weg genom̄en / Zum Strang drey andre thet man sparn / dardurch sie auch vmbkomben / Wegn Auffruhr vnd Rebellion / haben sie all empfangen schon / Jhren verdienten Lohn. Es solt je einmahl witzig werdn / der Calvinisten Blutgeist / Der sich außbrait auff aller Erden / Kirchen vnd Altaͤr abreist / GOtt geb daß sich viel stossen dran / Exempel gehen jhn voran / Sein Trew bedenck der Mann. Nach Blut vns duͤrstet nicht so sehr / den Fried moͤgn wir wol leiden / Jedoch wann vns thut also schwer / mit seiner scherpffe Schneiden / Der Scorpion / mit seinem Todt / muß er die Wunden machen rot / Daß ist der Artzt gebott. Vngleichs verbrechn nach Grichtes Art / vngleiche Straff will habẽ / Darumb geviertelt mancher ward / zu ein Pancket den Raben / Die Zungen auch so glestert hett / vnd sich wider den Keysr verrett / Must hafften an eim Brett. Darzu auch auß der tolln gemeind / auff die Graͤntzen zum Graben Deß Vatterlands verwisen seyndt / dahin musten sie traben / Auff Keyserliche kunfftig Huldt / in der Gefengnuß mit gedult / Bezahln etlich jhr Schuldt. O Klaͤglichs Schawspiel / klaͤglichs Orth / darauff kein replicieren. Gegolten hat / man must nur fort / es halff khein appelliren, Die That war allbereit zuklar / die Straff ein jeder innen war Must lassen Haut vnd Haar. Gar balt darauff zwelf Haͤupter sein / gesehen wordn auf der Bruckẽ Zum schrecken vnd abschew dem Feindt / wie thet sich mancher tucken Es solten mehr herumber stehn / vnd solche Warzeichen besehn Der lust moͤcht sie vergehn. Die Viertel auff den Strassen hangn / an vnterschiedlich Orthen / Jedes auff einr besondern Stangn / Haͤndt nagelt man an die Pforten / So wird vergoltn die Meuterey / dern Großmuͤtter die Ketzerey Daß sag ich ohne schew. Ach wie so thorecht vnnd verblendt / seynd worden weise Ritter / Das sie nicht habn bedacht daß End / vnd wie der Todt so bitter Verlassn muͤssn jhr Kinder seyn / so strafft sich selbst der Thaͤter fein / Daß ist ein doppelt Pein. Wo seyndt jetzund jehne alte Greiß / hartet wol auf die Guͤrtel? Den Voͤgeln seynd sie wordn zur Speiß / vorm Thor hangn jre Virtel kein mangel hetten sie am Witz / wann sie nur nicht deß Neydes Hitz / Hett gebracht an den spitz. Aber ein gwisse Regel ist ; den Gott wil lassn verderben / An jhme selbst er sich vergist / vnd darauff thut er sterben / Wie vns vor Augen liegen hie / Exempel genug spat vnd fruͤh / Zusehen bringts kein muͤh. Jst jemands so vermessen noch / auff Keyserliche Guͤte / Der auff sein Bubenstuͤcklein hoch / mehr vnd mehr tob vnd wuͤte / Erfahrn muͤß er daß schneident Schwerd / der nicht den Scepter hat verehrt / Das Endt ist jhm beschert. Nun gleichwie abgewisen ist / Vntrew vnd falscher Anschlag / Also wird fein zu jeder frist / belohnet Trew vnd Zusag / Jhr Adeliche trewe Herrn / man wird euch bald der Gnad gewehrn / Daß Gluͤck steht nicht von fern. Euch aber lasts ein Warnung sein / zu allen ewign Zeiten / Jhr Haußvaͤtter wol in gemein / vertrauts auch andern Leuthen / Daß so jemands aufflahnet sich / wider sein Herrn / es baldt kein stich / Der Handl ist vnbillich. Vnd was jhr zu einr boͤsen Stundt / empfunden gar zu sehre / Thut ewren Kindern machen kundt / zu einer gsunden Lehre / Wahrnt jederman mit trewen Rhat / keiner jhm selbst zuricht ein Bad / Daran er bald genug hadt. Darumb last vns sein allbereit / nach Friedenzeiten trachten / Verehrn die liebe Obrigkeit / vnd niemandt nicht verachten / Den Segen wolln wir sprechen all / Keysr Ferdinand mit hoͤchstẽ schall / Daß er laut vberall. HErr Christe dich wir bitten sambt / erhoͤre vnser flechen / Jung vnd alt wie wir seyndt benambt / laß vnser bitt geschehen / Verleyh dem Reich sein Oberherrn / nach dem wir seuftzen thun võ fern / Thue vns deß wunschs gewehrn. Allhie in aller kurtz vermeldt / ein vnerhoͤrten Zustandt / Dran sich wird reibn wol alle Welt / O Christlichs Hertz hast erkandt / Vnd weil die That war vnerhoͤrt / billich ein gleiche Straff drauff ghoͤrt Dern sich kaum einer erwehrt Wie viel hettn moͤgen bey guten Fried / daß Lebn lenger erstrecken / Sie wolten lieber werden muͤth / vnd Khrieg vmbsonst erwecken / Kunfftig vor einer solchen Gfahr / O Gott der Sanfftmut vns bewar Sonst haben wir es gar. Beynebn hie die Verzeichnuß ligt / Dern so anfangs waren verstrickt / Vnd nach ergangner Vrtels zeit / Empfangen haben jhren bescheidt. Enthaupte / 1. Joachim Andree Graff Schlick / dem auch die Handt abgeschlagen worden. 2. Wentzel Budowetz. 3. Christoph Harant. 4. Caspar Caplirsch. 5. Procop Dworschetzki. 6. Friderich von Wila. 7. Heinrich Ott. 8. Wilhelbm von Cchlumski. 9. Bohuslauß von Michalouitz / dem auch die Ha[...] abgeschlagen worden. 10. Dionisius Chernin. ☩ 11. Valentinus Kochan. 12. Thobias Steffek. 13. Christoph Kober von der klein Seiten. 14. Johann Schultes von Kuttenberg / dahin man sein Kopff geschickt. 15. Maximilian Hostaleck von Sateck / dahin sein Kopff geschickt worden. 16. Johannes Jessenius Doctor / dem die Zungen erst⸗ lich abgeschnitten / hernach den Kopff verlohren / letzlich in 4. stuck zerthailt worden. 17. Georg Haüenschild / der die Hand auch verlohren. 18. Leander Ripl ein Jurist ist auch vm̄ die Hand kõmẽ. 19. Wentzel Masterowski. 20. Heinrich Kozel. 21. Andre Kozaur. 22. Georg Rzecicki. 23. Michael Widtman. 24. Simon Wokac. Selbst vmb das Leben bracht hat sich Martin Frue⸗ wein / als jhn das Gewissen drucket seiner begangenen / verrhaͤte⸗ rischen Thaten halben / hat er sich auß dem weissen Schloßthurn herab gestuͤrtzt / vnd den Kopff zerschmettert / ist in 4. Stuck ge⸗ thailet worden / der Kopff aber sambt der Hand ist auff dem Roß⸗ marckt auff den Pranger angehefft worden. Durch den Strang gerichtet. 1. Johann Kutnaur / ist zu deß Rathaus Fenster obn hinauß gehenckt worden. 2. Simon Sussicki / ist eben an dem Baum gehenckt worden. 3. Nathanael Wodnianski / ist auffgeknipfft worden mitten am Platz. Außgestrichen mit Ruthen vnd deß Lands verwiesen. 1. Joseph Kubin. 2. Wentzel Bozecki. 3. Johann Swehla. Mit der Zungen an den Galgen ist an⸗ gehefft worden. Niclaß Starssi / Servus in der Altstadt. Trewe Warnung. DArumb ein jedr Jnsonderheit / Kunfftig soll sehen auff sein Beuth / Gehorsamb dem Regentn gebuͤrt / Dieses wird auß der Trew gespuͤrt. Sonst moͤcht es weiter setzen Koͤpff / Solche folg auß dem erstn ich schoͤpff ; Es donnert also lang vnnd plitzt / Biß sich einmal die Wolckn erhitzt / Vnd treibt von sich den Donnerstrach / Welches geschicht in aller gach : Daß leschen hilfft alsdann nicht viel / Wanns Fewr schon ohne maß vnnd Ziel / Verherget alles vmb vnd vmb / Verschonet weder boͤß noch frumb. Last vns geniessn der Einigkheit / Vnd nicht raitzen die Obrigkeit. Langsamb thun straffen grosse Herrn / Darfuͤr sich niemands khan erwehrn / Gedenckt daß es nicht sicher sey / Mit Potentatn handeln zu frey / Nicht allzeit ists gut Kerschen essen / Mit jhnen / dann sie sich vergessen / Vnd werffen aim die Kern an Ruckn / Daß sich mancher zur Erdt muß buckn / Sanfftmuth zieret die Obrikheit / Den Vnderthan die Latsambkheit. APPENDIX Augustinus 19. De Civit: DEI. Tantum est pacis bonum, vt etiam in terrenis re⸗ bus atq; mortalibus nihil gratius soleat audiri, nihil desiderabilius concupisci, nil melius inveniri, nil fe⸗ licius possideri. Ein so treffliches vnd fuͤrnembes Gut ist der Fried / daß vnter allen diesen jrdischen / zergenglichen Sachẽ / nichts angenembers kann gehoͤrt werden / nichts begier⸗ lichers kan gewuͤnscht werden / nichts bessers erfun⸗ den / nichts gluͤckseeligers besessen. Gleich wie niemand acht den Gesundt / Biß das jhn trifft ein boͤse Stundt / Vnd jhn mit aller Plag anlegt / Alßdann er den Gesund erwegt / Gleicher weiß niemands wissen wolt / Was fuͤr ein Schatz / was für ein Sold / Daß Land thue segn vnd machen reich / Biß daß einriß das Kriegs Seuch / Vnd der Feind mit blutigem Schwert / Alles durchraubet vnd verzehrt / Verwuͤstet auch mit Brand vnd Blut / Hinfuͤhret Weib / Kind / Haab vnd Gut. Nach dem vns plagt des Krieges Sucht / Schaͤtzen wir erst deß Friedens Frucht. Jetzt sehen wir nichts koͤstlichers / Wir hoͤren auch nichts lieblichers / Als wann in vnsern Ohren klingt / Ein Botschafft / die den Frieden bringt / Dem Loͤwen es nie besser geht / Als in der Hoͤln in seim Ruhbett / Jm Nest findt der Vogel sein Ruhe / Den Jungen Speiß er traget zue. Der Walfisch im Abgrund deß Meer / Jst nirgents anders sicherer. Summa wer nicht nach Frieden tracht / Der nimbt sich selbsten nicht in acht. Verleyh O GOTT den gwuͤnschten Fried / Mit dieser Bitt end ich das Lied / Amen. Endliche vollziehung des Vrtels. Zwoͤlff Malefitz Haͤupter seynd in eisernen Hacken bey der Pru⸗ cken auff daß Thor gehengt worden / 6. gegen Auffgang der Son⸗ nen / 6. gegen Nidergang / deßgleichen auch seynd der Verraͤhter ab⸗ gehauene Haͤnd angenaglet worden. Darumb ein jedr zur Tugnt sich lenck / Vnd sein geschwornen Aidt bedenck. ENDE. Show less

Meldungen über erbärmliche Zustände verschiedener Orte, 1621
Gewisse Postzeitung vnd Bericht / Erstlich von dem Er⸗ baͤrmlichen Zustandt im Veltlin / vnd deß vmbligenden Paß daselbst / Vnnd dann von Regierung der gifftigen Pestilentz / Wie man auch taͤglich / bey Tag vnd Nache ein Stim schreyen hoͤrt / zu Tell / O weh / O weh / deß vnschuldigen Bluts... Show more Gewisse Postzeitung vnd Bericht / Erstlich von dem Er⸗ baͤrmlichen Zustandt im Veltlin / vnd deß vmbligenden Paß daselbst / Vnnd dann von Regierung der gifftigen Pestilentz / Wie man auch taͤglich / bey Tag vnd Nache ein Stim schreyen hoͤrt / zu Tell / O weh / O weh / deß vnschuldigen Bluts so wir vergossen / rc. Zum andern / von den grossen Præsenten deß Persianers / dem Tuͤrckischen Soldan verehret. Zum 3. Wie der Koͤnig von Franck⸗ reich die Raͤth der Huggenotten zu Roschell in die 50. auffhencken lassen⸗ Zum 4. Wie die Maͤhrischen Staͤnd sich Kaͤys. M. ergeben. Zum 5. Ein Ermahnung Schreiben von J. Churf. Gn. von Sachsen an die Schleff⸗ sche Staͤnd / der Parition vnnd Gehorsam der Kaͤys. M. Zum 6. Wie der Koͤnig zu Preßlaw den Boͤhmischen Raͤthen sie jhres Eyds erlassen / vnd naher Perlin verreißt / allda sein Gemahl mit einem jungen Printzen gelegen. Letzlich / wie Graff Boucquoy die Statt Mysteritz zum vierdtenmal gestuͤrmpt / doch wi⸗ der abgezogen / Geschehen den 5. Ja⸗ nuar 1621. Jm Thon / Graff Niclaus von Serin. Gedruckt im Jahr 1621. O HERR hilff mir vollbringen / daß ich moͤg zeygen an / Vnd die Warheit auch singen / Was die Zeitung bringt an / Wie Krieg vnd hungers Nothe / auch pesti⸗ lentzisch Seuch / Regiert der Christen orthen / viel tau⸗ sendt sie ermordten / Auch der Tuͤrck wuͤtet zu gleich. Dann er hat Friedt geschlossen / Mit der Persen Koͤnig min / da⸗ mit er boͤse Bossen / Der Christenheit thun kan / dann er gar unver⸗ holen / sein Bassan angezeygt / daß sie mit Macht in Polen / An vie⸗ len Orthen fallen / Einnemmen das Koͤnigreich. Avisen seind ankommen / Von Constantinopel frey / Ein Persia⸗ ner Ambassator / Allda ankommen sey / Mit stattlicher Præsenten / dem Tuͤrckischen Soldan / hundert vnnd fuͤnfftzig Ballen Sey⸗ den / Auch vier Elephanten / zwey Tigerthier frey. Auß Mayenfeldt thut man schreiben / Daß trawrig im Veldlin steht / Jn Angst vnd Noth sie leben / jhr Plag noch haͤrter wirdt / jhr Land sey gantz vergifftet / mit der pestilentzisch Seuch / viel Menschẽ ploͤtzlich sterben / vnnd jaͤmmerlich verderben / Jm Schweitzerlandt zugleich. Der Koͤnig von Hispanien / die Paͤß im selben Land / Gar starck lasset verwahren / Niemandt auß noch ein kan / man hat bey allen Paͤssen / Ein Hochgericht gebawt / Wer sich herauß will lencken / Oder ein / der muß hencken / das ist ein schwere Plag. Schroͤcklich thut man auch hoͤren / zu Tell vnd ander orth / wel⸗ ches schon lang thut wehren / ein Stimm fuͤhrt solche Wort / O we⸗ he / O wehe / O wehe / deß vnschuldigen Bluͤts / zu Nachts in der Kirch vnd Strassen / fuͤhrt solch Geschrey der massen / O wehe vn⸗ schuldig Blut. Ein Exempel thut man lesen / Ehe Jerusalem die Statt verstoͤrt / Sey auch gewesen / ein Mann der diese Wort / O weh Jerusalem / O weh Jerusalem / drey Jahr gefuͤhrt solch Schreyen / biß die Roͤ⸗ mer kamen freye / Jhn den garauß gemacht. Auß Franckreich vnd mehr Orthen / Von Pariß vnd Rochell / daß alle Huggenotten / der Koͤnig außrotten will / dann sie gegen jhr Majest. Zusammenkunfft gethan / die Vestung einzunehmen / sich darinn zu salvieren / wol vor deß Koͤnigs zwang. Der Rathschlag war entdecket / vnnd dem Koͤnig kundt gethan / Kriegsvolck er dahin schicket / sie alle gefangen nam / die Herren vnd Autoren / vom Huggenotten Rath / Jm Proreß fuͤnfftzig gangen / Die alle musten hangen / am Galgen einen Tag. Auß Vngarn thut man schreiben / Der Bethlehm Gabor / Jhr Kaͤys. Majest. geschrieben / belangt die Vngarisch Kron / Jhr Ma⸗ jest soll sich erklaͤren / wie er gesinnet sey / Mit Vngarn Fried zu tref⸗ fen / oder greiffen zu den Waffen / zum Fried er willig sey. Auß Wien hat man vernommen / daß die Maͤhrischen Staͤnd / zum Gehorsam sindt kommen / Vnd sich wider gewendt / auff Kaͤy⸗ serlich Majest. seyten / vnnd kommen auß Gefahr / den Schlesiger noch nicht eben / sich zum Gehorsamb geben / Dardurch stehen in Gefahr. Churfuͤrst von Sachsen eben / An die Schlesier Staͤndt / ein be⸗ weglich schreiben geben / zu bedencken jhr Elend / Wann sie ja woͤllen bleiben / Jn der Boͤhmisch Rebellion / Vnnd jhr Freyheit verscher⸗ tzen / vnd auch erfahrn mit schmertzen / was vmb Krieg sey gethan. Wol gut ist euch zu rathen / mein geliebte Herrn drat / Bedenckt ewern schaden / gehorcht Kaͤys. Maj. So war ich bin gebohren / auß Churfuͤrstlichem Stam̄ / will helffen die Straff ablehnen / vnd euch wider versoͤhnen / erhalten die Religion. Wie solche schrifft vernommen / zu Pressel Koͤnig Friderich / be⸗ aͤruffen ließ zusammen / die Boͤhmisch Raͤth vor sich / vnnd thaͤt jhn hoch verweissen / Was sie an jhm gethan / doch bedancket sich darne⸗ ben / die jhms Geleyt gegeben / Daß hab nun zu lohn. Nun thu ich erst recht spuͤren / der Boͤhmen Auffrichtigkeit / wie sie mich han gefuͤhret / Jn Jammer Angst vnd Leyd / darauff thaͤt er erlassen / den Raͤth jhr Eyd vnd Pflicht / doch thaͤt er jhn freystellen / ob sie mit reysen woͤllen / viel da entsatzten sich. Trawrig der Adel vernommen / die Raͤth / doch wolten mit / sie in Boͤhmen nicht doͤrffen kommen / Ja jhrer keiner nicht / Alsbald mit den Paggagien / sich zum Anzug geruͤst / Gar trawrig den Landt⸗ staͤnden / der Koͤnig bott die Haͤnde / keiner Widerkunfft sie troͤst. Die Princessin ist genesen / mit einem jungen Printz / zu Cistrit auff der Reyse / wolt nacher Berlin zu / wie freudig das sey zugan⸗ gen / betracht ein jeder frey / die Zeitung war ergangen / jhr Koͤnig wer gefangen / vnd war nur ein Geschrey. Letzlich will ich beschliessen / mit dem Graffen Bouquoy / wie er die Statt Mysteritzen / 4. mahl gestuͤrmpt so frey / etlich Volck da vor verlohren / dadurch abgezogen ist / O das alle Ver⸗ fuͤhrten / wider zu recht bekehrten / das hilff HErr JEsu Christ. ENDE. Show less

Glaubenskrieg zwischen Hugenotten und Zwinglianern; Barmherzige Gesten des Kaisers; Bericht von einem alten frommen Mann, Ungarn
Drey Warhafftige Zeitung Die erste / vom König in Franckreich / weil sich die Hugenothen vnnd Zwinglianer / jm bißher deß Glaubens halben sich starck wider⸗ setzt / wie er jetzt mit jhn hauß helt / vnd was sich sonderlich mit der Statt Angelij zutragen hat. Jm Thon: Kommt her zu wir spricht... Show more Drey Warhafftige Zeitung Die erste / vom König in Franckreich / weil sich die Hugenothen vnnd Zwinglianer / jm bißher deß Glaubens halben sich starck wider⸗ setzt / wie er jetzt mit jhn hauß helt / vnd was sich sonderlich mit der Statt Angelij zutragen hat. Jm Thon: Kommt her zu wir spricht Gottes Sohn. Die ander. Was sich mit dem Christlichen Kayser seines Fuͤßwaschens der Armen / auch anderer grossen Barmhertzig⸗ keit halben / so er an den Armen erzeigt / verlauffen vnd zu getragen hat. Die dritte. Was sich mit einem Alten frommen Mann / in einem Flecken Wolckersdorff in Vngern begeben. Gedruckt zu Rottweil / 1621. Die erste Zeitung. HOrt zu jhr Frawen vnd jhr Mann / was ich jetzund will singen thun / was sich kuͤrtzlich zugetragen / mit dem Konig in Franck⸗ reich das ist war / von wegen grosser Krieges gefahr / kuͤrtzlich vor wenig Tagen. Weil dann derselbig Koͤnig hat / viel Glaubens in seinem Land ich sag / Catholisch / Zwinglisch darneben / die Hugenotten auch zugleich / woͤllen die besten sein im Reich / viel vnruh thun erregen. Das haben sie nun etlich Jahr / gegen dem Koͤnig genommen vor / durch Huͤlff der Zwinglianer / dem Koͤnig thun ein widerstand / jhren Glauben in dem Land / viel Volck sie auch annamen. Der Koͤnig im Grimm schnell vnnd behend / nam an viel Volck wol an dem End / vber fuͤnfftzig Tausent in Summ / vnd kam vor So⸗ mours die Statt / sie auch gar hart beschossen hat / manch Mann darvor vmbkommen. Erstlich die Statt gewonnen ward / vielen die Koͤpff gekostet hat / darzu auß grosser genaden / das Leben viel geschenckt zur frist / was nicht wider den Koͤnig gewesen ist / der Koͤnig bald voraben. Der hat sich noch weiter gewandt / eine Statt wird S. Angelij ge nandt / viel Volck darinn gewesen / sie stellten sich so starck zur Wehr / daß mans kaum hat erhoͤret mehr / inn Franckreich ich thu jehen. Der Koͤnig wolt nit abelan / wie wols jhn kostet manchen Mann / Ritter Graffen vnnd Herren / die jhm waren von Hertzen lieb / darumb durch schiessen nicht auffhoͤrt / das hat so lang gewehret. Biß er die Statt mit gantzer Macht / bezwang vnter seine Hand / gebracht / vnd muͤsten sich ergeben / der Koͤnig schwur bey seiner Kron / es muͤst die Koͤpff jhn kosten thun / thut euch nur frey drein geben. Aber die Edle Koͤnigin zwar / bey diesem Kampff vnd Streit auch war / dem Koͤnig ein Fußfall thete / bat hertzlich vor die Vnterthan / das Leben er jhn woll schencken nun / die sich han vbertretten. Der Koͤnig sie der Bitt gewehrt / doch musten die Herren ohn be⸗ schwerdt / auff jhre Knie thun fallen / inn blosen Haͤuptern das ist war / zwo gantzer Stund geknyet aldar / vor jhrem grossen Frevel zumale. Sie musten dem Koͤnig auch schweren der zeit / daß sie wolten inn ewigkeit / nicht mehr wider jhn streiten / die mawren auch gantz reissen ein / nicht vber lassen einen Stein / so ward die sach bestettet. Also wurden die Mawren rein / an dieser Statt gerissen ein / eine Burg sich jetz thut nennen / auff daß die kleinen Kinder klein / inn ewig⸗ keit gedencken fein / wies jhren Eltern ergangen. Der Koͤnig fehrt noch immer fort / vor einen vnd zum andern Ort / in seine Hand zubringen / alle so vngehorsam sein / Rohtschelle du mußt auch herein / es wird dir vbel gelingen. Rothschell dieselbe grosse Statt / viel Volck auch angenommen hat / sich gegen dem Koͤnig zu wehren / voll Hugenohten vnd Zwing⸗ ler Schar / in dieser Statt sie sind alldar / Vngluͤck ist vor deiner thuͤre. Ein ander Statt Lodum genandt / vnter der Hugenothen Hand / der Koͤnig auch hat bezwungen / jhren vielen die Koͤpff auch kosten thut / die sich dem Koͤnig auß vbermuth / widersetzet zu der Stunde. Wies den andern Staͤtten wird ergahn / die dem Koͤnig noch thun widerstahn / daß wird man werden innen / etliche Fürsten in gemein / die auch wider den Koͤnig sein / moͤgen jhm nicht entrinnen. Denn der Koͤnig will in seinem Land / einmal haben ein geruͤwigen Stand / deß Glaubens halben zware / Evangelisch / vnnd Catholisch gleich / will er schuͤtzen in seinem Reich / vor aller Noth vnd gefahren. So hilff du heilige Dreyfaltigkeit / daß doch moͤg in der Christen⸗ heit / ein Fried werde zusammen / dein heilig rein vnnd Goͤttlich Wort / gefordert werd an allem Ort / durch Jesum Christum Amen. Die ander Zeitung. HOr zu jhr Frawen vnd jhr Mann / was ich jetzund will singen thun / was sich hat zugetragen / mit dem Christlichen Kayser kur⸗ tzer zeit / das mercket wol Mann vnd auch Weib / was ich jetzund thu sagen. Weil vorige Kayserlich Mayestat / den Armen erzeiget grosse Ge⸗ nad / groß Allmusen thun gegeben / in selber die Fuͤsse gewaschen hat / und auch kleydt nach aller Noth / gedient Christo dem Herren. Weil er hett Feind eine grosse Summ / die wider jhn waren vmb vnd vmb / nach Leib vnnd Leben gestanden / wolten jhn jagen auß dem [...] gar zu Spott / vnnd Schand / treiben von sein Erb⸗ landen. Rufft er zu GOtt ins Himmels Thron / daß er jhm wol ein Bey⸗ stand thun / das Vngluͤck von jhm wenden / weil er nun hohes Alter war / behuͤt jhn Gott vor solcher Gefahr / nam jhn zu seinen Haͤnden. Weil jhn dann GOtt wegnemmen that / vnd jetzt die Kayserlich Mayestat / an seine statt ist kommen / vnd hat der Feinde noch sehr viel / ein jeder jhn außreuten will / noch ist jhm wol gelungen. Weil seine Feinde faͤlschlich han / auff den Kayser auß geben thun / daß er woͤll gantz außreuten / denn Evangelischen Glauben gar / daran kein Wort gewesen war / bringt jhn jetzt schweres leyden. Mit solchen Worten sie auch han / Fuͤrsten vnnd Herren bereden thun / ein groß Auffruhr thun machen / daß sich gar mancher werthet man / durch diesen Krieg verdorben schon / deß schimpffs gar wenig la⸗ chen. Deß Kaysers Erblaͤnder vorab / mit solchen worten wie ich sag / das Vngerland darneben / auch andte Laͤnder neben rumb / haben sie auch verfuͤhren thun / sich zu jhn thun begeben. Darumb auch mancher dapfferer Mann / vmb jhrent willen gefan⸗ gen schon / kommen vmb sein Leib vnd Leben / vmb Haab vnd Gut / mit Weib vnd Kind / in grosse schand / in groß Elend / jhrent halben merckt mich eben. Vnd auch darzu viel tausent Mann / in Oesterreich vnnd Boͤhem schon / in Vngerland darneben / auß allen Landen nah vnd weit / geko⸗ stet hat in diesem Streit / GOtt geb jhn das ewig Leben. Die gantzen werthen Christenheit / vmb jhren willen ligt im Streit / will noch kein end drauß werden / vnd thut sich erst recht fangen an / wird noch kosten manchen stoltzen man / der kuͤssen muß die Erden. Weil dann der Kayser durch Gottes Krafft / viel Feind vnter sein Hand gebracht / sein Erblaͤnder darneben / vnd sich dann auch das Rö⸗ misch Reich / etliche Fuͤrsten auch zugleich / zu eim seeligen Fried begeben. Daran die Kayserliche Genad / ein grossen wolgefallen hat / daß sie Land vnd Leut bedencken / jhn selber sein vor grossem schad / GOtt ver⸗ ley ferner sein Goͤttlich Gnad / wol alles Vngluͤck wenden. Auff solche grosse Gottes genad / zwoͤlff arme Manner beruffen lahn / Jhn selbst die Fuͤß gewaschen / ließ sie auch kleyden auff dem Blahn / in schoͤne Hembd er machen lahn / gab jhn trincken vnd essen. Vnd gab jhn auch den besten Wein / vnnd schencket jhn auch selber ein / als sie satt gessen haben / hub man die vbrigen Brocken auff / ließ jh⸗ nen nachtragen zu Hauß / sich weiter mit zu laben. Das hat er gar viel Armen gethan / essen vnnd trincken geben lahn / greß Allmusen darneben / Wittwen vnnd Waysen in gemein / gekleidt gespeist getrenckt auch sein / zu Lob vnd Ehr dem Herren. Fuͤrsten vnnd Herren an dem end / was sich bey zeit vom auffruhr wendt / nimbt er an zu genaden / seine Feind so er gefangen hat / bewei⸗ set er auch grosse genad / nach dem sie begangen haben. Wie es den andern wird ergahn / die dem Auffruhr noch starck han⸗ gen an / vnd wollen sich nicht ergeben / dardurch verderbt wird mancher Mann / das wird die Zeit auch geben schon / wird noch manchem kosten sein Leben. Weil sich der Kayser gegen GOtt / so hoch gedemuͤtiget hat / den ar⸗ men die Fuͤß gewaschen / jhn essen vnd trincken geben auch / das dringet zu Gott im Himmel nauff / der wird seiner nicht vergessen. Weile Christus selber zeiget an / was jhr dem geringsten hat gethan / in meinem Namen gesehen / das hat jhr mir selber gethan / dem will ich geben seinen Lohn / nemblich das ewig Leben. Darumb vergest der Armen nicht / so wirdt auch GOtt wie ich be⸗ richt / ewer auch nicht vergessen / er wird euch geben Korn vnnd Wein / auff daß jhr auch koͤndt froͤlich seyn / mit trincken vnd auch essen. Last vñs auch beten fuͤr die Leut / die jetz noch haben Krieg vnd Streit / das jhn Gott helff zusammen / daß sie auch kommen auß der Noth / das hilff lieber getrewer Gott / durch Jesum Christum / Amen. Die dritte Zeitung. Ach HErr du aller hoͤchster Gott / thu dich vnser erbarmen / vnnd sih doch an die grosse Noth / so geht vber vns Armen / von wegen vnser grossen Suͤnd / darmit wir die Straff verdienet. Darumb wann der Apostel zeitig ist / vom Baum herab muß fallen / die heilige Schrifft bezeuget diß / wann Gott der Herr zumalen / erzuͤrnt vber eine Statt oder Land / darauff die Straff folgt bald zuhand / wie wirs jetzt wol erfahren. Daß mancher man durch diesen Krieg / gantz jaͤmmerlich verdorben / in Boͤhmen vnnd Osterreich der zeit / auch viel Hungers gestorben / der Reinstrom stehet in grosser noth / laß dichs erbarmen O treuer GOtt / hilff den betruͤbten allen. Darumb so muß ichs zeigen an / was sich hat zu getragen / mit einem frommen alten Mann / sein Weib vnd Kind ich sage / der Vatter must auch in den Krieg / von Weib vnnd Kind hinziehen mit / in denselbigen Tagen. Er war darinn ein viertel Jahr / gar hart ward er geschossen / durch beyde Schenckel das ist war / deß war er sehr verdrossen / gantz krumb vnd Lahm kam er zu Hauß / das bracht sein Weib vnd Kind ein grauß / war Elend vber die massen. Als im nun Gott geholffen zu Hauß / zu seinem Weib vnd Kinden / auß diesem Krieg vnd grossen Strauß / dem Vngluͤck zu entrinnen / vil Kriegsvolck fiel in Flecken zur stundt / verbrennt jhm auch biß auff den grund / bracht das Volck in groß Elende. Weil dann nun auch dem frommen Mann / sein Hauß vnnd Hoff verbrennen / wust er nit mehr wo auß noch an / kein Nahrung mocht be⸗ kommen / rufft er zu GOtt in seinem Elend / O Herr hilff mir meim Weib vnd Kindt / vnd laß vns selig sterben. Acht gantzer Tag kein bissen Brodt / mit Weib vnnd Kind thet ha⸗ haben / das klagten sie sehr dem hoͤchsten Gott / auffs Feld musten nauß traben / suchen Wurtzel vnnd Kraͤutelein / das must dißmahl jhre speise sein / jhren Vatter mit zulaben. Ein kleines Kind auch zu der stundt dreyer Jahr alt gewesen / der speiß es nicht geniessen kund / drumb mochts auch nicht genesen / dem Vatter es hart zu Hertzen gieng / daß er nicht helffen kund sein Kind / im nichts geben zu essen. Das arme Kind auß Hungersnoth / sein Geist muste auffgeben / das bracht dem Vatter auch den Todt / jaͤmmerlich vmb sein Leben / er weint vnd klagt sein Kind gantz sehr / es mocht aber nicht helffen mehr / es war mit jhm geschehen. Noch zwey die lagen auch allda / eins hin das ander here / vnnd run⸗ gen auch da mit dem Todt / weil jhn kein Speiß mocht werden / das bracht dem Vatter noch mehr leid / er sprach es ist nun hohe Zeit / mich auch in Todt zugeben. Er sprach das Schwerdt vnnd daß ich han / auff ander Leut todt ge⸗ tragen / daß muß mir selber durch mein Hertze gahn / alsbald mit gros⸗ sem klagen / setzt er die spitzen inn sein Hertz / stachs durch sein Leib mit grossem Schmertz / in denselbigen Tagen. Als das Weib diese sach vernamb / groß Jammer thet drauß wer⸗ den / daß sie sah jhren frommen Mann / im Blut ligen auff der Erden / von wegen seiner Kinder klein / daß sie musten auß Hungers pein / so jaͤmmerlich verderben. Als nun das arme Weib thet stahn / den Jammer recht thet beden⸗ cken / das ander Kind thet fangen an / vnd sich zur Mutter thet wenden / ach Mutter so schlag mich auch zu todt / daß ich komm auß der Hun⸗ gersnoth / mein Leben sich thu enden. Die Mutter stund in grosser Noht / mit jhren krancken Kindern / so weiß ich doch kein bissen Brodt / euch Kinder mehr auff zubringen / ein messer erwischt in solcher klag / dem einen schnits den Hals bald ab / mit Jammer sein Leben endet. Als jetzt das dritte vnnd krancke Kind / diesen Jammer thet ersehen / das seine Mutter schnell vnnd behend / sein Bruͤderlein ich thu jehen / so jaͤmmerlich hett vmb gebracht / schrie es gar laut mit gantzer macht / zu seiner Mutter elende. Ach du hertzliebste Mutter mein / thu mich nicht auch vmbbringen / Gott wird mir helffen auß der Pein / mich nemmen in seine Haͤnde / ehe das arme kind außredt das Wort / GOtt halff jhm auß der Hungers⸗ noth / zu eim seeligen ende. Es schrie vnd weint das arme Weib / kein Trost war mehr vorhan⸗ den / es loffen bald herzu die Leut / sahen den vbel zustanden / mit einem Messer sie jhr hat / das Hertz auch bald gestochen ab / erbaͤrmlich auch vmbkommen. Das hat der alte vnd fromme Mann / in diesem Krieg gewonnen / daß er vmb Hab vnd Gut voran / auch jaͤmmerlich vmbkommen / mit Weib vnnd Kind durch Hungersnot / wie jetzt geschicht an manchem Ort / O HErr hilff doch den frommen. Weil wir noch haben Krieg vnd streit / in vnserm Deutschenlande / darumb so bitt ich Mann vnnd Weib / ruffet Gott an zusammen / daß er vns woͤll behuͤten thun / daß wir in frieden leben nun / durch Jesum Christum / Amen. ENDE. Show less

Eroberung der Kurpfalz durch Spinola; Eroberung von Worms; Kriegsarmada von Frankreich; Lied: Von dem Veltliner Land
Drey Warhafftige Newe Zeytungen. Die Erste: Wieuil Ambro⸗ sius Spinola Staͤtt / Schloͤs⸗ ser / Flecken vnnd Doͤrffer / in der Chur Pfaltz erobert vnd mit stürm⸗ ender handt eingenom⸗ men. Die ander: Von einemung der Statt Wormbs / vnd was sich darbey weitlaͤuffig zugetragen. Die dritte:... Show more Drey Warhafftige Newe Zeytungen. Die Erste: Wieuil Ambro⸗ sius Spinola Staͤtt / Schloͤs⸗ ser / Flecken vnnd Doͤrffer / in der Chur Pfaltz erobert vnd mit stürm⸗ ender handt eingenom⸗ men. Die ander: Von einemung der Statt Wormbs / vnd was sich darbey weitlaͤuffig zugetragen. Die dritte: Von der Gewaltigen Kriegs⸗ Armada welche der Koͤnig in Franckreich in daß Teutschlandt verordnet / vnd allbereit im anzug marsieren. Es ist auch hinzu gesetzt ein lustiges Lied / von dem Veldtliner Landt / vnd kan in der weiß ge⸗ sungen werden: Wir woͤllen hinab ins Boͤhmerland ziehen. Getruckt in der Koͤnigklichen Hauptstatt Prag / bey Peter Fabrici. M. DC. XXI. Grundtlicher vnd Warhafftiger Be⸗ richt / wieuil Staͤtt / Schloͤsser / Maͤrckt vnd Dorffer / Marques Spinola vom 7. Augusti 1620. biß dato / in der Chur Pfaltz eingenommen vnd erobert. Als fuͤrs erste: Die Statt Creutznach / Oppenheim. Altzey. Jngelheimb. Bach⸗ rach. Caub. Alten Simmern. Castelhum. Kirchberg. Drorach. Schloß Beckel⸗ heimb. Monsingen. Kirn. Odernheim. Sobernheim. Meyssenheim. Francken⸗ stein. Stromberck. Kirchenbolanden Mu⸗ schella Nißberck. Guntersbluͤmen. Gemun⸗ den. Pfaltz im Rhein. Glanodernheim. Ra⸗ uenglarspurg. Rockenhausen. Rudelheim. Friedtberg. Glenhausen. Muͦntzenbergk. Wetzflar. Assenheim. Glanodenbach. Dis⸗ rodenbach. T[...]rtecken. Herstein. Beilstein Wienenbergk. Merschein. Mertenstein. Engelstatt. Stadecken. Arienschwanck. Sponheim. Horn vnd Wormbs. Summa aller Staͤtt / Schloͤsser / Flecken vnd Doͤrffer. 46. Das erste Liedt. MErck auff vnd nimb zu Hertzen du Teutsche Nation / was ich dir Sing mit schmertzen / vnnd gantz klaͤglichem thon / das Lob vnd Preyß der Alten / das sie ein lange zeit / durch einigkeit erhalten / ist auß zu diser zeit. Ein gwonheit ist auffkommen / ja mehr ein Sünd vnd Schandt / hat vberhandt ge⸗ nommen / im gantzen Teutschen Landt / auffs Fressen vnd auffs Sauffen / jeder sein datum setzt / Gottes wirdt darbey vergessen / vnd sein Gebott verletzt. Es wirdt auch nit betrachtet / der Se⸗ len Seligkeit / Gotts Straff man gantz ver⸗ achtet / zu diser letsten zeit / erbaͤrmklich thut man hausen in deß Pfaltzgrafen Landt / das eim darab moͤcht grausen / ist jedermann be⸗ kandt. Ein Krieg thut man drinn fuͤhren jetzt ettlich Monat lang / darinn vil Volck ver⸗ liehren / mit noht vnnd grossem zwang / der Spinola vnnd die Fürsten / haben maniche Schlacht / ein andern die Koͤpff zerknirsten / biß her kein Frid wirdt gmacht. Der Spinola kam jetzt eben / gehn Wormbs fuͤr die Reichsstatt / sie wolten sich nicht ergeben / wie man vernommen hat / zum Reich wolten sie halten / jhr gantzes leben⸗ lang / die Spanier habens zerspalten / vnd jh⸗ nen gemachet bang Der Spinola thet anfallen / die Statt Wormbs gwaltigklich / das man die Stuck hoͤrt knallen / vil Meyl weegs mercket mich / das Stuͤrmen hat gewehret 6. gantzer stun⸗ den lang / darinn mancher sein leben / ellendig⸗ klich auffgeben / in disem grossen zwang. Als nun die Burger sahen / das sie zu schwach da sein / woltens nit laͤnger schlahen / beschlossens in gemein / sie woͤllen Gnad be⸗ geren vnd sich ergeben gschwindt / wurd jnen Heyl gebeeren / erretten jhr Weib vnd Kind. Betracht mein Christ im Hertzen / wie⸗ uil der frommen Leuth / jhr Bluͤt vergossen mit schmertzen / jetzt her in kurtzer zeit / vrsach ist vnser Suͤnde / deren wir taͤglich vil than / vnd seind noch gar Stockblinde / woͤllen dar⸗ uon nicht lahn. Darumb laßt vns allsamen / den lieben trewen Gott / in Jesu Christi Namen / bitten in diser Noht / das er Gnaͤdig woͤll geben / al⸗ len Staͤnden in dem Reich / ein fridsam ruͤhig Leben / darnach das Himmelreich / Amen. Das ander Liedt. WJr woͤllen ins Veldtliner Landt zie⸗ hen / vnd mit den Puͤndtnern Krie⸗ gen / wir woͤllen dieselbigen Bawren heimsuͤchen / vnd sie fein lustig probieren. Vnsere Pferdt die seind geruͤstet schon / auch vnsere Pistolen / wir woͤllen zusammen ins Veldtlinerlandt Reyten / woͤllens lustig mit jhnen wagen. Das Schweitzerlandt ist gar schoͤn vñ groß / darinn laßt man vns passieren / wann wir dann ins Veltlinerlandt kommen / dort wirdt man vns auch probieren / Hans Weiß von Chur ist er genandt / der vns darein thut fuͤhren / ein Hauptmann frisch gar wol bekandt / mit Reutter vnd mit Knechten. Der Koͤnig in Spannien wolgemuͤht / der traͤgt ein guldene Krone / er hat ein Toch⸗ ter von Oesterreich gut / ein Koͤnigin also schone. Das Schweitzerlandt ist gar schoͤn vñ gut / vnd hat vil gaͤnge strassen / wir woͤllen zusammen ins Veldtlinerlandt Reyten / zu fuͤß wider darauß lauffen. Daß Schweytzerlandt ist ein Gotts⸗ foͤrchtigs Landt / sie dienen Gott dem Her⸗ ren / so baldt die Pündter jhr wurden gewahr theten sie sich dapffer wehren. Vil Hunger werden sie auch leyden dort / wann sie nichts haben zuverzehren / vnd wann wir dann fuͤr die Feinde kommen / so koͤnnen wir vns nicht wehren. Das Parlament vnnd Excellent / dar⸗ von ich euch will Singen / wie das die Baw⸗ ren in kurtzer zeit / auß Veldtlinerlandt mus⸗ sen springen. Vnnd wann wir ins Veldtlinerlandt kommen / so woͤllen wir die Sprach lehren / vnd wann es die Puͤndter werden gewahr / so werden sie sich dapffer wehren. Jn Pündten hats ein grossen Waldt / darinn wurden vil gefangen / hetten vns die Spannischen Reutter bekommen / so muͤßten wir alle hangen. So bitten wir den Allmaͤchtigen Gott den Herren aller frommen / fuͤr die Soldaten so ins Veldtlinerlandt ziehen / daß sie frisch wider kommen. Da wir zogen durch daß Schweytzer⸗ landt / da waren wir froͤlich im Hertzen / vnd wann wie ins Veldtlinerlandt kommen / da leyden wir grossen Schmertzen. Wann wir so Arm auß dem Veldtli⸗ ner kommen / so muͤß es Gott erbarmen / hette ich meins Vatters raht gefolgt / ich schlieff meiner Frawen an jhren Armen. Der vns daß Liedt zum ersten Sang / der hats gar wol gesungen / zu Pferdt ist er ins Veldtlinerlandt geritten / zu fuͤß wider heim kommen. Die dritte vnd letste Zeytung. DJe Obristen vber das Kriegsvolck so im anzug nach dem Elsaß auffgebrochen / seind dise: Capitaͤn vber das Fuͤßvolck / Mohe⸗ ney Assigny / Bonnours / Ahuyne / Catris / Ghistelle Sablon / Blasere / Morel / Alament / Robels / Dante⸗ lort / Wochit / Buick: Diejenige aber so jetzt nach S. Veit / Bastogne vnd Luͤtzenburg marsieren seind dise: Noirmont / Lavon / Momain / Carles Beralin / Jac⸗ ques / Betay / Harchiers / Martigen / Emmerin / Lob⸗ quequen / Doucy / Simonde / Hey / Reberdela / Posse / Barlois. Vber ein Regiment ist Graff Henin / vnd Con⸗ te Bucquoye vber ein Colonel. Vber 2. Compagnia Teutsche geworbne Reuter / seind This von Wach⸗ rendanck / vnnd Gilles von Honanie Leutenampts. Vber das Coronel Waltensteinisch Reuter / ist Mons: de la Motle / Leutenampt / Coronel vnd Capitaͤn sein dise: Graff Valentin von Ysenburg / Mariamme de Rache / Witenporst / Poicitiers / Wyngarde. Vber die zweyte Reuterey aber / Graff von Ysenburg / Vice Conte von Genth / Freyherr von Petersen / Freyherr Dinck / Herr de Binque / Androniquis / Frennes / Ca⸗ pitan Johan de Dempre / Capitan Therry der juͤn⸗ ger / deß Capitan Diticks Leutenampt / Hans Vinck / deß Conte de Jndugne Leutenampt / Jacob de Pin / Joh. Berrea / genant Ganthier / commendiert vber die Trauppes / man will noch von 4. Regiment zu Fuͤß / 2000. Kuͤrisser / vnd 600. leichten Pferdt / wie bericht einkompt / so ligen vmb Dormund vnd Son⸗ sterbuͤrden 5000. mann / welche Graff Johann de Nassao der juͤnger gefuͤhrt / vnd den Paß durch Hessen nemmen woͤllen. Der liebe Gott woͤlle alles zum besten wenden / A⸗ men. Show less

Armut, Hunger und Pest in Österreich-Ungarn; 1621
Warhafftige vnd Erbaͤrmliche Newe Zeittung von der grossen vnd vnerhoͤrten Thewrung / Sterben vnd Hungersnoth / so in Oesterreich / Maͤhrn / Schlesien vnnd im Boͤhmerland / wegen deß grossen Kriegs / wel⸗ cher nunmehr sich uͤber die Zwey Jahr belauf⸗ fen thut / vnnd noch alle Tag je lenger... Show more Warhafftige vnd Erbaͤrmliche Newe Zeittung von der grossen vnd vnerhoͤrten Thewrung / Sterben vnd Hungersnoth / so in Oesterreich / Maͤhrn / Schlesien vnnd im Boͤhmerland / wegen deß grossen Kriegs / wel⸗ cher nunmehr sich uͤber die Zwey Jahr belauf⸗ fen thut / vnnd noch alle Tag je lenger je meer[...] Volcks hauffenweiß zugefuͤhrt wird / vnnd die Thewrung sich noch taͤglich mehrt / Auch Got⸗ solches weiß / wann offt gedachte Thewrung vnd schroͤcklicht Pestilentz (oder Vngerische Kranckheit wie mans nennet) moͤchte ein End nemen. Allen frommen Christen zur nachrichtung / vnd zu besserung jhres Suͤndlichen Lebens in Druck verfertiget. Newe Zeitung / Jm thon: Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn. KLaͤglich will ich euch zeigen an / hört zu jhr Jung Alt / Frawen vnd Mann / wavon ich jetzt will singen / von Thew⸗ rung vnnd groß hungersnoth / laß dichs erbar⸗ men O lieber Gott / mein Hertz moͤcht mir zer⸗ springen. 2. Wies so Erbaͤrmlich zugeht jetzt / nun hoͤr mir zu mein frommer Christ / in Oesterreich ich sage / in Maͤhrn vnnd Schlesing fuͤrwar / auch zu Praag im Boͤhmerland dar / hoͤrt man groß Jammer vnd klage. 3. So lang Oesterreich dasselbig Land / auch Maͤhren Schlesien zuhand / vnd Boͤhmerland deßgleichen / gestanden sind / ist nie erhort / wordn solch thewrung an gmeldtem Ort / solchs macht der Krieg ich zeuge. 4. Darumb viel Menschen Jung vnnd Alt / in Staͤttn vnd Doͤrffern wegsterben bald / wie man denn solchs vernommen / sie klagen all⸗ da jhr grosse noth / Weib vnnd Kind die haben wenig Brot / koͤnnen auch kein Getreyd bekom⸗ men. 5. Denn fast inn zweyen Jahrn ich sag / wedr Gtreyd / Wein meld ich mit klag / man nicht hat koͤnnen bawen / wegen deß Kriegs so darinn ist vnd lenger je mehr wehrt zur frist / HErr Gott thu darein schawen. 6. Wie dann Fuͤrst inn Siebnbuͤrgn sehr / der Paß auß Vngern je lenger je mehr / thut sperrn mit grossem gwalte / daß kein einiger Ochs nit kan / rauß kommen / noch mehr hoͤret an / wie thewer es ist ich melde. 7. Ein Kalb das ist gewißlich war / muß man zahln vmb zehn guͤlden baar / ein stieder schmal darneben / denn man vor kaufft vmb 9. Patz[...] ich sag / oder noch wolfeiler hoͤrt hernach / 7. [...] Gultn man jetzt drumb geben. 8. Ein Maß Oesterreichischen Wein / die vo[...] vmb drey Kreutzer gmein / vmb 4. auffs thewr thet kauffen / muß man jetzt 12. Patzn darzu ha[...] vnd ist nicht zu bekommen schon / drumb viel Leut thun weglauffen. 9. Die armen Leut weynen vnd klagen / man⸗ cher wol in 3. gantzer Tagen / kein bissen Brod hat gessen / vor 5. groschen Brodt ich zeige an / muß ein Mensch auff ein Mahlzeit han / kan sich doch nicht satt dran essen. 10. Fuͤr hunger manch darnider fellt / ein Pfund Fleisch jetzund auch gar viel gild / alles Zuge⸗ muͤß deßgleichen / Kaͤse / Speck / Fisch darzu die Eyr / Huͤner vnnd alls ist mechtig thewer/ Ach Gott laß dich erweichen. 11. Thewrung nimbt zu von Tag zu Tag / Bur⸗ ger vnd Bawern fuͤhrn grosse klag / es hat schon lang thun wehren / alt Kuͤhfleisch jhr bests Wild⸗ pret ist / was nur zu bekommen dasselb man isst / damits nicht hungers sterben. 12. Auch ist da Jammer vnnd grosse noth / wol vmb das lieb taͤgliche Brod / viel arme Leut weg sterben / nur durch den bittern hunger zwar / gar kein Korn kompt zu kauffe dar / koͤnnen auch nichts erwerben. 13. Ach wend doch widr die hungersnoth / Du frommer barmhertziger GOtt / wie wunden die Kinder jhr Hende / sie rufften stets Vatter vnnd Mutter an / vnnd wolten Essen von jhn han / Gott woͤll die Straff abwendin. 14. Das arme Volck rufft jaͤmmerlich / HErr Jesu Christ verlaß vns nicht / hilff vns zu allen Zeiten / Bescher vns alln das liebe Brodt / Jnn dieser schweren Hungers noth / Laß vns froͤlich abscheyden. 15. Ein arme Wittbe saß allein / in eim Wald hett Sechs Kinderlein / die sungen Tag vnnd Nachte / HErr Jesu Christ bescher vns Brot / ein Engel zu jhr sendet GOtt / dreymal jn Es⸗ sen brachte. 16. Ach last euch doch zu Hertzen gahn / die straf⸗ fen die Gott gezeiget an / bißher ein lange Zeite / noch ist die Welt so Gottloß vnd Blind / sie acht es nicht schlegt alls inn Wind / Thut Buß jhr Christen Leute. 17. Jhr seyd gleich Jung / Alt / groß vnd klein / Last euch das eine Warnung sein / von Suͤn⸗ den abzustehen / ruffet an die heilig Dreyfaltig⸗ keit/ daß Er vnns behuͤt vor allem Leid / durch JEsum Christum / Amen. Namen der Staͤtt / Flecken vnd Schloͤsser / welche Ambrosius Spinola eingenom⸗ men. Creutzenach Oppenheim Altzen Jngolheim Bracharach Caub Alten Summern Castelhun Kirchberg Trorba Schloßbeckelheim Monsincken Kirn Odernheim Sodernheim Wetzelar Assenheim Glanoderbach Meysenheim Franckenstein Stromberg Kirlchenbollanden Muschellantsberg Guntersblumen Gemunden Pfaltz im Rein Glanoderheim Ravengirßburg Rockenhausen / Ruͤdelheim Friedberg Gelhausen Muͤntzenberg Arienschwang Sponhein Horim Disbodenberg Tronecken. Herdstein Bellstein Wienenberg Mercksheim Mertenstein Engelstatt Stadecken Ebernberg Reingrafenstein Falckenstein Taunen Rodheim Groͤningen Goltzheimer Gangbach Gedruckt zu Olmitz / bey Jobst von der Burck / Anno 1621. Show less

Blutbad im Veltlin, 1620 bis Juni 1621; Flucht der Spanier, Jesuiten und Kapuziner
Warhaffte Historische Relation vnd Bericht / Was sich in den gemeinen dreyen Buͤnden / inn altem hohen Rhetia gele⸗ gen / seythero dem vorgangenen vnmenschlichen veruͤbten Blutbad de Anno 1620. im Veltlin / biß auff gegenwaͤrtige Zeit naͤmlich zu anfang diß Monats Junij / Anno 1621. begeben... Show more Warhaffte Historische Relation vnd Bericht / Was sich in den gemeinen dreyen Buͤnden / inn altem hohen Rhetia gele⸗ gen / seythero dem vorgangenen vnmenschlichen veruͤbten Blutbad de Anno 1620. im Veltlin / biß auff gegenwaͤrtige Zeit naͤmlich zu anfang diß Monats Junij / Anno 1621. begeben vnd zugetragen. Beschrieben durch einen Liebhaber der Warheit. ANNO M. DC. XXI. Nachdem die schaͤndtliche Cainische Mordthat / im Veltlin / den Zerstoͤrern gemeiner Ruhe / vnd Feinden der wahren Christlichen Religion / gelungen vnnd ab statt gangen: seynd jhres gleichen blutgirige Hertzen / darab nit ersaͤttigt worden / sondern es haben die Papistischen Ge⸗ meinden im Obern vnd Ersten Bund (so der Grawe Bundt genandt wird) damit gleiches Blutbad auch in gemeinen dreyen Buͤnden moͤch⸗ te angerichtet werden / durch etliche Spanische Practicanten / sonder⸗ lich den genandten Ritter Gioier, Pompejum Plantam, vnd ande⸗ re / sich wider Ehr vnd Eyd / vnnd wider den geschwornen Bundsbrief gemeiner dreyen Buͤndten / hinderrucks / vnnd ohne wissen der zweyen andern Buͤndten / inn ein sehr schaͤndtliche / dem Vatterland vnnd desselben alten Bundtsverwandten / dem Evangelichen Wesen a⸗ ber innsonderheit / schaͤdliche nachtheilige Bundstractation einelas⸗ sen / auch selbige mit Spanischer Huͤlff von Meyland auß / vnnd der fuͤnff Papistischen: vnd dem Spanischen Gelt schier mehr als der wol hergebrachten Freyheit vnd Wolstand deß Vatterlands nachfragen⸗ den Cantonen der Eydgenoßschafft / hindurch zu bringen / vnnd ins Werck zu setzen / vnd nicht allein allen Gemeinden in bemeltem Obern Bund / sondern auch den beyden andern Buͤndten / maͤyneydiger weiß auffzudringen / sich vnterstanden: zu welchem ende dann der bemelten Cantonen fuͤnff Faͤhnlein allbereit ins Land gebracht / vnnd mit Spa⸗ nischem Gelt bezahlt worden / darzu ein Spanischer Ambassador Visconte Scaramuccio genandt / selbst ins Land kommen / auch jhres theils die gedachte Bundstractation vnd Capitulation schon besie⸗ gelt gewesen / solche nur zu Meyland gleichfalls hat besiegelt werden sollen / dahin dann Leutenant Georg / vnd obberuͤrter Gioier abgeord⸗ net waren. Hierauff ward der blutige Anschlag / die Evangelische Rechtglau⸗ bige Religion / eben wie im Veltlin geschehen / auch inn ganz Rhe⸗ tia oder gemeinen dreyen Buͤndten außzurotten / widermb an die Hand genommen / vnd folgends beschlossen / die namhafften Evange⸗ lischen Gemeinden Tusis vnd Schams / durchauß zuverhergen / vnnd zuverbrennen: volgends gen Cleven zu ziehen / die Besatzung daselb⸗ sten zuerschlagen: darnach mit sampt der Spanischen Macht durchs Bergel hinauff in beyde Engadin vnd durch Brettigaͤw wider hinauß / alles Evangelische Volck / so nit zum Bapstthumb tretten wolte / zuer⸗ morden: auch da sie mit den Ketzern inn Buͤndten / wie gleichsfalls im Toggenburg fertig / als deñ das Ketzernest zu Zuͤrch (wie sie es titulirn) auch heimzusuchen: wie solches alles auß den / von den fuͤnff Orten inn einer Raͤyß Truhen / vnd sonsten dahinden bliebenen Schreiben gruͤnd⸗ lich zubeweisen / solches auch das inn deß Abts von Disentis Schreib⸗ stuͦblein gefundene Original / dessen Copey hernach folget / mehr als ge⸗ nugsam bezeuget / welches also lautet: Molto lllustre & molto Reverendo Signore. Dal presen⸗ te messo in questo punto, ricevo la letteradi V. S. delli 15 stan⸗ te, con l'annesso originale del signore Colonello Berlingerá lei, dalle quali intend, come in fin hora, non é conclusa cosa alcuna sopra gli affari di coteste parti, & con mio dispiacere, provedo altre rouine & altri mali, che senz'altro succederan⸗ no se non s'abbraccia da douero, il partito giá da me á V. S. piuvolte proposto, & da lei molto bene approvato, di distrug⸗ ger affato l'Eresia, & piantare in ogni luoco della Retia la san⸗ ta fede Cattolica. Alli 15 di questo ferissi io à V. S. lei feci un lungo discorso intorno alli detti affari dei Signori Grigio⸗ ni confidentemente. Di Lugano li 23 Decembre 1620. Di V. S. molto Illustre & molto Reveren⸗ da come fratello affettionatiss`, per servirla prontissimo Il Vescovo di A⸗ dria Nuntio. Auff Teutsch also: Hochwuͤrdiger Herr. Eben jetzt wird mir ewer Schreiben vom 15 diß / durch gegenwaͤrtigen Bot⸗ ten uͤberantwortet / mit sampt beygefuͤgtem Original deß an jhne von Herrn Obristen Berlinger gethanen Schreibens: darauß ich vernimme / was massen biß dato von den Sachen ewers Lands noch nichts geschlossen / kan wol mit meinem bethawren den Vntergang vnnd ander Vngluͤck / so hierauß vngezweiffelt erwachsen mag / vorsehen / wo man nicht nach der gebuͤr das von mir euch mehrmalen fuͤrgeschlagene / vnd von euch durchauß approbirte Mittel / daß naͤmlich die Ke⸗ tzerey / oder der newe Glauben der Evangelischen / gantz auß⸗ gereutet / vnd hingegen an allen ortẽ deß Grawbuͤndterlands der heilig Catholisch Roͤmisch Glaub an die statt gepflantzet werde / fuͤrnimbt / vnd zu werck stellet. Den 15 diß habe ich euch auch deßwegen geschrieben / vnd euch vertrewlich vnnd außfuͤhrlich aller Sachen der Herren Buͤndtnern berichtet. Zu Lugan den 23 Decembr. 1620. Ewer Ehrw. als dienstbeflissener wil⸗ liger Bruder Bischoff zu Adria / Baͤpstlicher Nuncius'. Solche Rahtschlaͤg wurden wider die Evangelischen in Buͤndten von jhren Feinden gefasset. Aber der im Himmel wohnet / lachet jhr / rc. Psalm. 2. Dann als kein menschliche Huͤlff mehr vorhanden / erweckt er etliche redliche Bunds Leut / welche sich miteinander durch einen Eid⸗ schwur verbunden / (gleich wie auch vor Zeiten die lieben alten drey Eydgenossen / auß jhrem Vatterland / alle Tyranney / best jhres vermoͤ⸗ gens abzuschaffen / vnd deme zu der alten wol hergebrachten Freyheit / wie auch Fried vnd Ruhe zuverhelffen / gethan) vnd kamen mehr nicht als 18 Mann zusammen / die zogen zu dem Schloß Rietberg / erschlu⸗ gen in demselben den 15 letzt verwichenen Monats Februarij / den fuͤr⸗ nembsten Raͤdlinsfuͤhrer aller boͤsen Practicken / vnnd choragum die⸗ ser gantzen Tragœdi, Pompejum Plantam. Vnd ob woln in allen Papistischen Gemeinden im Thumlaͤgsch sturm geleutet / vnnd das Volck inn ein Schlacht Ordnung allbereit gestellet worden: sind sie doch durch dieselbige / mit Gottes Huͤlff / vnverletzt kommen / haben jh⸗ rer viel mit Backenstreichen empfangen / vnd mit Drohworten davon lauffen lassen / sind auch widerumb neben dem Vrner Faͤhnlein vnan⸗ gefochten / da sich 300 Mann an 18 zu nit wagen duͤrffen / in jhre Gewar⸗ same kommen: da sich bald jhre Zahl gemehret / vnnd bald darauff wi⸗ derumb sechs andere Zerstoͤrer der gemeinen Ruhe vnd Evangelischen Religion / als Fortunatus Planta, Dominicus Nuder / Bartholome Dulffin / alle drey von Steinsberg / Amman Bart / Nut Valentin / vnd Johann Adam auß dem Weg geraumet worden. Weil es aber nichts destominder an boͤsen Practicanten nicht gemangelt / auch die Frantzoͤsische versprochene Huͤlff vmb etwas zu lang außblieben / dar⸗ durch man sich deß endtlichen Vntergangs zuversehen hatte / Als sind auch die Vntern Engadiner in gemein / vnnd dann etliche auß dem Obern Engadin / sampt den vertriebnen Muͤnsterthalern / jhrer auff die 900. nachdem sie die Paͤß zu Pesclaf vnd Claͤven / auff alle Fuͤrfallen⸗ heit wol versehen / mit Wehr vnd Waffen zusammen kommen. Als die vernommen / daß die Faͤhnlein deß abtruͤnnigen obern Bunds / naͤm⸗ lich die Disentisser / Lugnitzer / Laarer vnnd Galancker den 10 Martij gen Tusis kommen / deß vorhabens vnnd Willens (wie klaͤrlich auß der vier Gefangenen vnd hingerichten Vrgichten am Tag) dem beschlos⸗ senen abschewlichen Mord einen Anfang zu machen / sind sie inn den obern Bund gefallen / haben den 13 dito / mit Huͤlff etlicher Schamse⸗ ren / so durch Ruckella hinab / den Feind angegriffen / mit verlust 60 vnd mehr Personen des Feinds / ohne verletzung der jhrigen / denselbigen inn die Flucht geschlagen / welchem die fuͤnff Ortischen Faͤhnlein am selbi⸗ gen Tag / die Ketzerey sauber außzusaͤubern / haben nachfolgen sollen / welche sich aber zu einem solchen Schimpff nicht naͤhern / noch auch denselbigen in jhrem eigenen Quartir erwarten wollen / sondern haben sich stracks deß folgenden vierzehenden Tags wol fruͦ / von Embs / Tha⸗ mins vnd Ratzuͤns / da sie gelegen / inn die schaͤndtliche Flucht begeben / vnd seynd gen Jlantz / Laar / vnd andere Ort deß Obern Bunds / gegen den Graͤntzen jhres Vatterlands / mit groͤster Zagheit (da sie doch deß Feinds noch nie ansichtig worden) gezogen. Darauff obbemelte gut⸗ hertzige Bundsleut alsbald auff Ratzuͤns geruckt / vnd die Einwohner daselbsten auff jhr begeren / zu Gnaden angenommen. Als sie daselbst uͤber nacht gewesen / vnnd im Schloß (allda die Nacht zuvor obbemel⸗ ter Spanischer Ambassador / so die hingerichten Auffruͤhrer vnnd Re⸗ bellen mit Raht vnnd Gelt angetrieben / vnnd wider die zween andern Buͤnd verhetzt hatte / gelegen / aber gleichfalls mit den fuͤnff Ortischen Faͤhnlein außgerissen) geruhet / sind sie den 16 dito / auß inbruͤnstigem begeren der Evangelischen Gemeinden ob dem Wald / mit sampt den Davoseren / gar spat zu Valandoß ankommen / da in allem außreissen die fuͤnff Ortischen Faͤhnlein ein arme Mutter mit dreyen Kindern / jhre Mannheit zuerweisen / auch in jhrem eignen Hauß haben angreif⸗ fen / vnd jaͤmmerlich erwuͤrgen lassen. Als die guthertzigen Bundsleut aber kaum zu Nacht gessen / wurden sie von zwey der Fuͤnff Ortischen Faͤhnlein / zu denen aber die andern drey auch alsbald gestossen (wider versprochene vnnd von Baden auß jhnen von den Herren Gesandten gemeiner loͤblichen Eydgenoßschafft der dreyzehen Orten / zum andern mal gebottene Neutralitet) von dem Berg hinab ob Valands ange⸗ griffen / so von den Ober Buͤndnerischen Einwohnern der Grub ge⸗ fuͤhrt wurden. Der guthertzigen Bundsleut Volck zog auff sie mit gros⸗ sem Eyfer / vnnd ward jhme / das keinen Vortheil nirgendt hatte / durch sonderbare schickung Gottes ein Vortheil von den Feinden selber ge⸗ geben / dann sie / die Feind / einen Stadel / mit sampt vielem Vieh dar⸗ innen / angezuͤndet / vermeynend daß durch den Rauch den guthertzi⸗ gen Bundsverwandten das Gesicht benommen werden solte: Es wen⸗ dete sich aber der Wind / vnnd wurde der Rauch gegen jhnen selber ge⸗ waͤhet / hat darzu von den Guthertzigen jhr gantzes Laͤger moͤgen gese⸗ hen werden / sie aber von dem Feind nicht. Also gieng ein harter Streit an von den 12. Vhren der Nacht / welcher gewaͤret biß an den Tag / Ja wol biß auff Mittentag / vmb welche Zeit zu den Feinden (welche alle⸗ zeit auff dem Berg gehalten) alles was Wehr vnnd Waffen tragen moͤgen / von Disentis / Lugnitz / Vbersar / Laar / Grub vnnd derselben gantzen Gegene / sich conjungirt vnd versamblet. Derhalben als der Feind neben der viele deß Volcks (dann jhrer in die 6000. Ja nach etli⸗ cher der jhrigen eigenen Sag / inn die 8000 Mann gewesen) auch das grobe Geschuͤtz in seinen Haͤnden hatte / vnd auff die andern / so in dem Boden gegen Valcarera nit mehr als 1000 Mann starck waren (denn die Churer vnnd Prettigoͤwer noch nicht zu jhnen gestossen) hefftig ge⸗ schossen / haben sie sich uͤber das Tobel retirirt, stracks auff Davoß zie⸗ hende / alda vnd zu Rychenaw alle Faͤhnlein der zweyen Buͤnden / auß⸗ genommen Pesclaf vnd Bergell / mit sampt den Tufner vnd Schamser Faͤhnlinen deß Obern Bunds / versamblet gewesen. Jnn obbemeltem Treffen sind auff der Guthertzigen seyten geblieben 22 Mann / vnd et⸗ lich wenig verwundet / naͤmlich vnter andern von Ober Engadin fuͤnff Mann / von vnter Engadin vnd Muͤnsterthal 8 Mann / ab Davoß 4. von Schams zween / die uͤbrigen drey aber von denen / so zun Tusneren vnd Brettigoͤwern gehoͤreten. Auff deß Feinds seyten aber ist ein sehr grosse Anzahl vmbkommen Dann zween grosse Graͤben haben sie mit todten Coͤrpern deß Nachts außgefuͤllt / viel sind in dem obbemelten an⸗ gezuͤndten Stadel verbrunnen / vnnd zween Waͤgen voll hinweg ge⸗ fuͤhrt worden / damit man die Anzahl nicht erfahren koͤndte / viel hat man nach jhrem Abzug noch vnbegraben ligen gesehen. Dannenher jhnen / wie ein Papist von Laar / der selbst dabey gewesen / bekennet hat / dieselbe Nacht das Hertz gar in die Hosen gefallen. Den 17 Martij Anno 1621. sind die Guthertzigen / nachdem die Faͤhnlein von Chur / der vier Doͤrffern / Herrschafft Churwalden vnnd Belfort zu jhnen gestossen / mit gesampter krafft zogen biß gen Flimß: allda sie jhr Nachtlaͤger gehabt haben. Jn dem kam jhnen Botschafft / es were der Feind von Laax auff Jlantz zugewichen / vnd habẽ die fuͤnff Ortischen Valandoß aller dingen gepluͤndert / auch jhr Vieh abgetrie⸗ ben. Es schickten auch Laax vnd die naͤchste Doͤrffer zu den Guthertzi⸗ gen / begerten Gnad / vnd sind in Gnaden empfangen worden. Dar⸗ auff haben sie sich den 18 Martij naher Jlantz / inn den Hauptflecken deß Obern Bunds / darauß die Einwohner geflohen waren / begeben / darab auch die vmbligenden Ort einen solchen schrecken empfangen / daß alle die Gemeinden so die Spanische Capitulation allbereit ange⸗ nommen hatten / dieselbige widerumb fallen lassen / vmb Gnad gebetten / auch sich fuͤrterhin aller Trew vnnd Auffrichtigkeit gegen den andern zweyen Buͤndten anerboten haben. Ob Sanct Martin waren zwey Faͤhnlein angetroffen vnnd er⸗ tappet / vnd in den Hauptflecken gebracht / naͤmlich das Lugnitzer / vnd eines / genandt Balthasars neue Spanische Faͤhnlein / welches zu Fe⸗ tzen zerrissen / das ander aber als ein Landfaͤhnlein behalten worden. Deß Volcks / weil es mit auffgehebten Haͤnden / vnnd auff den Knyen jnniglich Gnad begehrt / wurde verschonet / auch es zu Gnaden ange⸗ nommen / wie gleiches den Jlantzern widerfahren / welche am selben Tag mehrer theils mit den Guthertzigen biß gen Brigeltz oder Wal⸗ tenspurg gezogen. Vnter deß kamen den Maͤyneydigen von Meyland naher gen Bellentz 2000 Musquetirer / vnnd 300 Pferd zu huͤlff / da sie aber das herrliche vnnd gute Engadiner Wetter / naͤmlich den grossen Schnee gesehen / haben sie sich uͤber das Gebuͤrg nicht wagen doͤrffen. Streit⸗ tet also GOtt der HERR widerumb fuͤr die seinigen. Die fuͤnff Or⸗ tischen Faͤhnlein / als sie sahen / daß jhnen keine gebratene Voͤgel in das Maul fliegen wolten / vnd sich jhrer sieben wider einen genanten Ketzer nit samblen doͤrffen / liessen sie auch zween allbereit gespickte vnd gebra⸗ tene Capaunen dahinden / vnd fliehen mit der Buͤndtner Geschuͤtz vnd gestolenem Vieh / Haab und Gut / in Allmacht. Darumb ward jhnen von den Guthertzigen nachgeeylt / das Geschuͤtz zu Sonwig vnnd Di⸗ sentis abgejagt / eine zimliche Anzahl von der Hinterhut in der furia. erlegt / doch dem mehrern theil Gnad bewiesen / vnnd sie am Berg Vr⸗ sula vnter dem Creutz nur mit hundert Mannen vngefehr / ereylet / da man jhnen all jhren Troß / Munition / Vieh / Haab vnnd Gut / so sie gestolen hatten / mit sampt 30 vngefehr jhren eigenen Pferden / sampt vielen Harnischen / Spiessen / Musqueten / (deren alle Strassen voll gelegen) abgenommen vnnd bekommen / zween haben sie gefangen / die uͤbrigen / weil sie alle vmb Gottes Willen / in allem fliehen / Gnad / Gnad / Gnad / schreyeten / auß Christlichem Gemuͤt vnd mitleiden lauf⸗ fen lassen. Diese fuͤnff Ortische Flucht war so groß / daß nicht allein der ge⸗ meine Soldat / sondern auch die Befelchs Leut groͤsten theils jhre Wehr vnd Waffen / Spieß vnd Harnisch / Pistolen vnd Buͤxen / Ja auch drey Faͤhnleinstangen / sampt einem Faͤtzen von dem Vrner Faͤhnlein / vor grossem aͤngstlichen eilen hinweg geworffen / vnd weiln der Schnes uͤ⸗ bers Gebierg tieff / etliche jhre Spieß entzwey gehawen / vnd sonst in an⸗ der weg jhnen selbst fortgeholffen haben. Der Oberste Beroldinger / so zuvor uͤbel zu fuß war / thaͤt sich sonderlich herfuͤr / wie maͤchtig er je⸗ tzund zum fliehen abgericht were. Dann er jhme eben zu dem ende / da⸗ mit er desto eher durch den Schnee kommen koͤndte / eylend die Stieffel außziehen lassen / welche behaͤndigkeit jhm auch wol erschossen ist. Vnd hat der von Fleckenstein vor grosser Geschwindigkeit sein eigen Seiten⸗ wehr zu Jlantz dahinden gelassen / welches behertzter als sein Herr gewe⸗ sen / als welches der Feinden Ankunfft an der Wandt standhafft erwar⸗ tet hat. Doch sind etliche so vnbehertzt nicht gewesen / dann da sie jhre Pferd ein stuͤck Wegs weit auff den Berg gebracht / aber solche nit vol⸗ lendts hinuͤber fuͤhren kondten / daß sie wie andere Schinder vnd Hen⸗ ckersknecht / denselbẽ die Spannadern abgehawen haben / damit sie den Ketzern nit zu theil wuͤrdẽ. Jnmassen da nichts gemangelt / was zu einer rechtgeschaffenen Hasen Armada von noͤten gewesen / sonderlich einer solchen / die zuvor sich offentlich hat verlauten lassen / daß jhren einer deß Gegentheils fuͤnff oder sieben Ketzer nicht foͤrchten wolte / da je⸗ tzunder jhrer fuͤnff Faͤhnlein / nit hundert Mann erwarten / viel min⸗ der angreiffen haben doͤrffen. Darauß ja klaͤrlich gnug zu sehen / welchs die rechten Hasen seyen / Ob es die seyen / welche den maͤchtigern Feind mit Heldenmut angreiffen / demselben viel Volcks erlegen / vnd endtlich nach ritterlichem kaͤmpffen vnd absterben deß Obersten / vnnd etlicher Befelchs Leuten auß wichtigen Vrsachen sich retirirt haben / oder aber die jenigen / welch die Evangelischen vnwehrhafften Kirchen vnd Can⸗ zeln mit vnschuldigem Blut befeuchtet / das arme Vieh gestolen / ein Mutter mit jhren Kindern ermoͤrden / vnd folgends deß Feinds nur nit erwarten doͤrffen / sondern schaͤndtlich außgerissen sind. Als nun die Guthertzigen jre Feind / vnd mit jhnen auch den Spa⸗ nischen Ambassadorn / etlich Jesuiter vnnd Capuciner / die allbereit inn gemeinen dreyen Buͤnden einnisten woͤllen / obgemelter massen inn die Flucht gebracht / vnnd uͤbers Gebierg mannlich hinuͤber gejagt / daß sie auch Altorff den Hauptflecken deß Vrnerlands selber / wo sie boͤses mit boͤsem hetten vergelten / vnnd sich nicht vielmehr der Christlichen Liebe befleissen woͤllen / leichtlich uͤberrumpeln vnd einnemen hetten koͤnnen / sind sie denselben 19 Tag Mertzens widerumb zuruͤck vnd nach Disen⸗ tiß gezogen / allda das namhaffte Closter vnnd Kirchen vor uͤbel vnnd schaden bewahret / vnangesehen jhnen Vrsach gnug gegeben ward zum Widerspiel / Speiß vnd Tranck aber darauß genommen. Auch andere Kirchen gleichsfalls im geringsten nicht belaͤydiget / auch nichts gebren⸗ net worden / sondern man hat sich der Bescheidenheit beflissen so viel muͤglich gewesen. Den 22 dito sind der Guthertzigen etliche Faͤhnlein durch Vber⸗ sax / etliche aber gen Lugnitz / vnd etliche an andere rebellische Ort gezo⸗ gen / allda maͤnniglich Gnad begert / vnd deroselben billiche Artickel an⸗ genommen / dargegen die Spanische Buͤndnuß verschworen vnd cas⸗ sirt hat. Dann man anderst nichts gesinnet / als den geschwornen ge⸗ meinen alten Bundsbrief gemeiner dreyer Buͤndten bey seinen kraͤff⸗ ten vnd buchstablichem Jnhalt / redlich vnnd Bundmaͤnnisch zu schir⸗ men / die beyde Religionen frey zu lassen / die entwendete Land zuero⸗ bern / die alten Buͤndtnussen mit gemeiner Eydgnoßschafft getrewlich bestes vermoͤgens zu manuteniren, der zuversicht / es werde diß vor⸗ haben billicher weiß von niemanden koͤnnen getadelt oder gescholten werden. Folgender zeit als die zween Buͤndt vermeynet / den Spanischen vnd fuͤnff Ortischen Sawertaͤyg gnugsam / wie oberzehlt worden / auß jhrem Vatterland gefegt zu haben / auch keines ferrnern Gewalts mehr von noͤten seyn erachtet / sonderlich weil sich der Ober Bundt auch er⸗ geben / haben sie sich mit allen Faͤhnlein in die Stadt Chur begeben / je⸗ doch von einem jeden 8 oder 10 Mann zuverbleiben verordnet / vnd zo⸗ ge das uͤbrige Volck widerumb biß auff weitern bescheid zuruͤck / als zu⸗ vor drey Gesandte verordnet worden / welche im Namen gemeiner drey⸗ en Buͤndten die Huldigung im Masoxerthal einnemen solten. Diese drey Gesandte als sie solchem jhrem Befelch in dem Flecken Rogoreda oder Ruffle nachkommen wollen / sind etliche hundert Spanische Sol⸗ daten von Bellentz vnversehens daher kommen / haben die Lands Ge⸗ meind zertrennt / viel redlicher guthertziger Leute ermordet / vnd die drey Gesandten gefaͤnglich angenommen / welchen obgenandter Oberster Beroldinger mit etlich Faͤhnlein biß auff die Graͤntzen nachgeruckt: vorhabens die Obern Masoxer / Rhynwalder / Schamser vnd andere Gemeinden zu uͤberfallen / vnd alles zu verbrennen. Derowegen selbi⸗ ge vmb eylende Huͤlff an jre naͤchstgesessenẽ Bundsleut geschrieben / die auch alsbald den 7 Aprilis auffgebrochen / vnnd den 10 im Rhynwald zusammen kommen sind / da die Faͤhnlein von Embs / Tusis / Schamser vnd Rhynwalder Hochgerichts / jhrer gewartet / haben den Berg uͤber⸗ stiegen / den Feind von Sanct Bernhardin alsbald abgetrieben / vnnd jhrer vier gefangen / nemlich einen Engelaͤnder / welchem das Leben ge⸗ schencket wurde / einen Tyroler / einen Vnterwaldner / vnd einen Spa⸗ nier / die man ad patres geschickt hat. Den 11 sind sie auff Bernhardin ankommen / vnnd sind den 12 sechtzig Musquetirer zur lincken / vnd vier Faͤhnlein auß Davoß vnnd Brettigaͤw zur rechten deß Bergs gezogen. Der Feind hatte sich zu S. Jacob starck eingeschantzet / wie auch zu Masox / welchem die uͤbrigen Faͤhnlein der Ebne nach / nachgezogen. Es war der besagte Feind ohne das Landvolck / starck in die 1200 Mann / wie der General Frantz Gam⸗ barel selbsten gen Meyland geschrieben / vnd war ein außerlesen Kriegs⸗ volck / von Capelleten / Corsen / Albanesern / Walonen / Frantzosen / Schweitzern / Spaniern vnd andern Landen / mit denen man den Gri⸗ sonen einen schoͤnen schimpff vnterstanden zumachen / sonderlich auch weil die gemeinen Soldaten von einem Perusiner Priester / wann sie mit seinem geweichten Oel vnnd Wasser bespruͤtzt / vnnd angesalbet wurden / samb sie Schuß vnnd Stichfrey seyn solten / beredt waren. Welches sie aber wenig genutzt. Dann sie wurden mit solcher behaͤn⸗ digkeit / Gewalt vnd Eyfer von dem Buͤndtnerischen Volck bey Sant Jacob also mannlich angegriffen / daß sie weder jhrer Kriegsexperi⸗ entz wegen / noch in krafft deß obberuͤrten Priesterlichen Segens / das Fersengelt zu geben / sich enthalten moͤgen: jedoch wolten sie zu Masox ob dem Dorff widerumb einen stand halten. Als sie aber gesehen / daß sie uͤberhoͤcht / haben sie widerumb die Flucht / jhr Leben zu salviren, das bequaͤmste Mittel seyn erachtet / Es wurden aber nichts destomin⸗ der jhrer in die 42. vnd mehr / ehe sie die Graͤnitzen erraͤychen moͤgen / er⸗ schlagen / vnnd darunter drey fuͤrnehme Befelchshaber / als Capitain Frantz Pison von Marsilien / ein anderer Hauptmann / so nachdem man jhme ein Hand abgehawen / zu Bellentz hernacher gestorben / vnd der oberste Wachtmeister Frantz Sfonza. Es sind auch ein zimbliche Anzahl / als man zu Ruffle ein Tonnen Pulver in der Flucht außthei⸗ len wollen / welches durch einen Zuͤndstrick vnversehenlich angangen / gantz jaͤmmerlich besengt vnnd verbrennet worden. Von dem Land⸗ volck auß Suazza / so mit dem Feind im Feld gewesen / seind acht Per⸗ sonen geblieben / vnnd wurden zu Masox viel inn der Flucht gelassene Harnisch vnd Munition / auch zu Ruffle etwas Pulvers vnd Lunden gefunden. Auff der Buͤndtner seyten / zweiffels ohne durch sonderbare fuͤrse⸗ hung Gottes / ist niemand geblieben / als Wieland Braͤm / so dem obbe⸗ melten Hauptmann die Hand abgehawen hatte. Nach erlangtem Sieg / haben erstlich die Masoxer / demnach der halbe theil zu Ruffle / vnd was darob / auch endtlich die Galancker / ge⸗ meinen dreyen Buͤndten widerumb gehuldigt / die uͤbrigen wurden zur Eydspflicht gehalten / von der Besatzung / so das Land vor fernerm Einfall zu bewahren / hinderlassen worden / welche man (niemanden kei⸗ nen schaden zu thun) beeydiget hat. Jst also das uͤbrige Buͤndtnerische Kriegsvolck den 18 dito widerumb abgezogen / vnd wurden die Kirchen / Geistlichen / Wehrlosen / Weib vnd Kinder / von niemanden nirgendt belaͤydiget. Darauff man den 20 widerumb heim kommen / vnd hat den 22. GOtt den HERRN vmb den verliehenen Sieg solenniter ge⸗ lobt vnd gedanckt. Alldieweil dieser Masox Handel gewaͤret / ist ein Sturm durch die Herrschafft Meyenfeld vnd Brettigaͤw / wie auch inn den naͤchstgraͤn⸗ tzenden Landen Jhrer Hochfuͤrstl. Durchl. Ertzhertzogs Leopoldi ge⸗ gangen / alda denckwuͤrdigs nichts erfolget / als daß bey S. Lucis Steig in einem geringen Scharmuͤtzel 5. der Oesterreicher vnd drey Buͤndt⸗ ner auff dem Platz geblieben / die Sach aber alsbald widerumb gestillet / worden. Die in Masox von den Buͤndtnern Gefangene zeigten an / es ha⸗ ben die drey Buͤnd an fuͤnff orten auff eimal angegriffen sollen werdẽ von Meyland vnd Tyrol auß / naͤmlich in Masox oder Rhynwald: uͤber Vrselen auff Disentiß / zu Cleven / Engadin vnd Meyenfeld / vnd das so bald die Berg wandelbar seyn moͤchten. Den Soldaten hette man erlaubt zu rauben / zu toͤdten / zu brennen / vnnd zu verhergen was sie antreffen wuͤrden moͤgẽ / ohne vnterscheid der Religion / deß vnmensch⸗ lichen vorhabens / wann sie mit den Buͤndtern fertig / daß man als deñ jhre benachbarte Evangelische Bundtsgenossen zum Baren fuͤhren / vnd ebenermassen wit jhnen hausen wolte. Nach diesem Masoxischen Geschaͤfft / sind die Graͤntzen deß Vat⸗ terlands von gemeinen dreyen Buͤndten / mit notwendiger Besatzung wol versichert / vnd alle fernere weitlaͤufftigkeiten biß auff die Zukunfft deß Herrn Frantzoͤsischen ertraordinari Ambassadorn Monsieur de Montholon, so den 9 Maij zu Chur ankommen / eingestellt worden. Was nun weiter erfolgt gibt die Zeit. Flucht der Spanier / Jesuiter vnd Capuci⸗ ner / auch der fuͤnff Ortischen Faͤhnlein / auß gemeinen dreyen Buͤndten / Reimensweiß gestellt. BEroldinger ist Ehren werth / Er stielt die Kuͤh / vnd laͤst die Pferd: Doch haͤßlich es jhm ist mißlungen / Dann jhm man hat auch d'Kuͤh abdrungen. Beroldinger der Ehren Mann / Jm fliehen seyn wolt z'foͤrderst dran: Drumb er jhm d'Stieffel ließ außziehen / Damit er koͤndte wacker fliehen. Der Ehren ist auch Fleckenstein / Jm fliehen nicht wolt z'hinderst seyn. Sein Daͤgen soll man billich loben / Als sein Patron davon gestoben / Bleib er zu Jlantz an der Wand / Floh nicht / wie Fleckenstein mit Schand. Die Jesuiter / Capuciner / Davon flohen wie Zieginer. Der Spanisch Ritter Scaramutz Den Buͤndtnern geflohen ist zu trutz. Gar keiner wolt dahinden bleiben / Damit man jhn nicht thet auffreiben. Das kan ein huͤbsch Armada seyn / Von eytel Hasen gspicket fein / Außreissend durch der Buͤndtner Awen: Gantz zierlich war sie anzuschawen. Von hundert Mann fuͤnff Faͤhnlein sind / Getrieben worden wie die Huͤnd: Durch Thal / durch Schnee / durch Alpgebierg: Deß keiner wider kommen wird: Auß Forcht man solchen gschwinden Hasen / Ein Ring moͤcht legen an die Nasen. Wie man in den Wald rufft / also schillet es herwider Show less

Schlacht von Fleurus, 29. August 1622; Folgen für die Obersten; Geistl. Lied: Von der Welt Lauf
Warhaffte Beschreibung / der grossen Schlacht / so geschehen zwischen dem Grafen von Mansfeld vnd Hertzogen von Braunschweig eins theils / vnd Don Cordova auff der andern seiten / den 29. Augusti / dieses 1622. Jahrs / zwischen Gembeloers vnd Flery vor⸗ gangen. Sampt einem Geistlichen Lied /... Show more Warhaffte Beschreibung / der grossen Schlacht / so geschehen zwischen dem Grafen von Mansfeld vnd Hertzogen von Braunschweig eins theils / vnd Don Cordova auff der andern seiten / den 29. Augusti / dieses 1622. Jahrs / zwischen Gembeloers vnd Flery vor⸗ gangen. Sampt einem Geistlichen Lied / Von der Welt Lauff. Gedruckt im Jahr M DC XXII. 1. NVn mercket auff vnd schweiget still / Ein Newes Lied ich singen wil / Was sich hat zu getragen / So kan ichs vnterlassen nicht / Die Warheit muß ich sagen. 2. Der Graf von Mannsfeld wol bekand / Wolt ziehen in das Niderland / Mit seinen guten Soldaten / Auß vnverzagtem Helden muht / Jst ihm die Sach gerahten. 3. Ein Spanischer Oberster kuͤn vnd wol⸗ geruͤst / Don Cordova er genennet ist / Wolt jhm den Paß verlegen / Als der Mannsfelder das vernam / Zog er jhm schnell entgegen. 4. Ein Trommeter kam geritten gar allein / Vnd sprach Cordova edler Herre mein / Der Mannsfelder lest fragen / Ob man jhn lassen passieren wil / Oder ob er muß schlagen. 5. Cordova hett viel Baurn in seinem Heer / Sprach ich wil streiten nach ritterlicher Ehr Mit den Mansfeldischen Knechten / Der Mannsfelder wider die antwort gab / Mit Bauren ist nicht gut fechten. 6. Darauff begegneten dem Mansfelder bald / Zwoͤlff Compagni Baurn vor einem Wald Wolten sich mit jhm schlagen / Aber des Mansfelders Ritterschafft / Thet sie in Wald nein jagen. 7. Die Doͤrffer ließ man stecken in Brand / Die Mansfelder vermercketen zu hand / Cordova wolt mit jhm schlagen / Mit seiner dapffern Ritterschafft / Wolt er ein Gaͤnglein wagen⸗ 8. Deß Morgens als der Tag anbrach / Der Mansfelder zu seinem Kriegsvolck sprach / Heut wollen wir Ritterlich kempffen / Da kam Cordova der Edel kuͤne Heldt / Wolt den Mansfelder dempffen. 9. Er griff jhn an frisch vnverzagt / Das Volck ein ander im Feld vmbjagt / Gar hart lind sie gestanden / Von jhnen floß das rote Blut / Groß Jammer war vorhanden. 10. Der kuͤne Halberstaͤtter wol bekand / Nam sein Schwerdt in die eine Hand / Sein Pistol in die ander / Er ritt mit blosen Armen in den Streit / Sein Volck stund vest bey einander. 11. Die Spanischen Reuter wichen hinder⸗ sich / Das Fußvolck hielt noch lang den stich / Auff sie wurd hart geschossen / Zwey Stuck giengen offt vnter sie / Hat manchen hart verdrossen. 12. Das Spanische Gschuͤtz thet keinen scha⸗ den nicht / Es war alles viel zu hoch gericht / Man thet es klaͤrlich sehen / Den neun vnd zwaintzigsten Tag Augusti / Jst diese Schlacht geschehen. 13. Nach diesem Treffen vngemut / Wolt Graf von Mansfeld das Edle Blut / Sein weite Raiß vollfuͤhren / Da kamen die Luͤttiger Wahlen herauß / Wolten jhn auch vexiren. 14. Den Paß wolten sie einnemen zu letzt / Das Mannsfeldisch Kriegsvolck vnter sie setzt / Theten vierhundert erschlagen / Die uͤbrigen zogen sie nackend auß / Vnd theten sie hinweg jagen. 15. Zu letzt das Mansfeldische Kriegsheer / Mit Harnisch Ritterlicher Wehr. Zu Breda ist ankommen / Die Zeit wird noch eroͤffnen fein / Was ferrner wird fuͤr genommen. 16. Jch bitt die Herren nemen mit vorgut / Was weiter hernach folgen thut / Das wollen wir auch fuͤrtragen / Zu lob der Edlen werthen Ritterschafft / Die Leib vnd Leben wagen. Folgen die Obersten / welche im Scharmicirn beschaͤdigt worden seynd. JN diesem treffen ist Hertzog Christian von Braunschweig durch die lincke Haͤnd geschos⸗ sen / vnd weiln er solche im streitten so vermuͤh⸗ te / daß endlich das Fewr drein kommen / als ist jhm die⸗ selbe durch raht der Artzt abgesetzt worden. Der Oberst Christoff von Mengesheim ist sehr verwund / gefangen / vnd dann Hertzog Friderich von Weinmar beneben et⸗ lichen Befelchshabern geblieben. Auff der Spanischen seiten ist der vornehme Oberste Don Francisco de Giavarra / sampt 5. seiner Capi⸗ taͤin / Jtem der Viconto de Mori, der Baron d'Enfi, sampt viel Officirern erlegen. Das Fuggerisch vnd Vsenburgische Regiment haben sonderlich grosse noht außgestanden / der Graf von Yfenburg ist auff die Brust doch nit durchgeschossen / aber seine Capitaͤin biß auff zwen verwund vnd todt blieben / Als nun der Graf von Mansfeld mit seiner noch bey sich habenden Sol⸗ datesca zu Breda ankommen / hat er vnd seine Offi⸗ cirer an die Staaden den Ayd geleystet / darauff er also bald eine grosse sum̄a Gelts empfangen / Es seynd auch von vnterschiedlichen orten Wehr vnd Waffen dahin gesandt / auch etliche newe Corneten vnd Vranische Faͤnlein auff gerichtet worden / welche sich mit ehistem nach dem Mansfeldtschen Laͤger begeben werden / vnd wird alsdann ein General Musterung fuͤrgehen. Es laͤst jhm auch Hertzog Christian einen eysern Arm ma⸗ chen / vnd wird mit Mansfeld widerumb zu Feld ziehen. Ein Geistlichs Lied von der Welt Laͤuff. O Frommer Christ hertzlich betracht / wie trawrig ist die finster Nacht / nemlich die letzte Zeit / die wir erlebt haben mit noht / daß es gleich muß erbarmen Gott. Wie Salomon schreibet gemuht / vnd Si⸗ billa weissagen thut / kurtz vor der Welt be⸗ schluß / wird grosse noth verhanden seyn / bey allen Menschen in gemein. Man wird vergiessen hin vnd her / deß Menschen Blut mit trawren schwer / wol in der gantzen welt / wird man sagẽ von Krieg vnd streit / mit grosser forcht vnd Traurigkeit. Wo jhrer drey beysam̄en stohn / so werden sie reden davon / vnd an dem Himmel hoch / wird man sehen der wunder vil / klaͤglich uͤber die maß vnd ziel. Der Vatter wird auch seinen Sohn / ver⸗ treiben mit groß spott vnd hohn / die Mutter in dem Leib / wird verfluchen jhr eygens Kind / wie schon der vil geschehen sind. Ein Bruder den andern mit noth / wird er⸗ baͤrmlich schlagen zu todt / deßhalb der guten Freund / werden sich gar wenig finden lan / die freundschafft wird alles vergahn. Die Propheceyung melden thut / daß man wird in dem Christenblut / vmbgehn biß zu dem Knye / es wird heulen vnd weinen recht / vmb die Maͤnner Weiblichs Geschlecht. Solches hat schon den Anfang / es ist der Welt so angst vnd bang / daß gleich ein from⸗ mer Christ / auch schier nicht mehr kan wis⸗ sen wol / wem er auff Erden vertrauen soll. Es ist leyder worden gemein / nur gute Wort vnnd falschen schein / der Judas kuß regiert / ach wie kan doch Gott sehen zu der Welt boßheit vnd groß Vmuh. Ach schaw dich vmb mein lieber Christ / vnd gedenck was geschehen ist / dises vergangne Jahr / so must du er⸗ kennen mit klag / die letzte Zeit vnd Juͤngsten Tag. O frommer Christ schaw mit verstand / die grosse noth im Teutschen Land / wie daß man alle Tag erwuͤr⸗ get also jaͤmmerlich / die Christen wie das liebe Viech. Ja daß kein wunder wer gemein / daß es erbarmen thet ein Stein / der jaͤmmerlichen noht / so vberall ver⸗ handen ist komm vns zu hilff Herr JEsu Christ. Vnd erfrew die Glaubigen dein / ach komb balb lie⸗ der Herre mein / mit deinem Juͤngsten Tag / vnd mach der boͤsen Welt ein end / nimb vns zu dir auß dem Elend. E N D E. Show less

This site is currently password protected.