Hinrichtung von Martin Du Voisin, 1608
Ein Neuwes Lied / Von Meyster Martin du Voysin / Burgern vnd Passament Webern zu Basel / Wie derselbig den 3. tag Weinmonat / alten Ka⸗ lenders / Anno 1608. von wegen deß Euan⸗ geliums / zu Sursee ist Enthauptet / vnd ver⸗ brennt worden: Mit vermeldung etlicher denkwuͤrdigen vmbstenden /... Show more Ein Neuwes Lied / Von Meyster Martin du Voysin / Burgern vnd Passament Webern zu Basel / Wie derselbig den 3. tag Weinmonat / alten Ka⸗ lenders / Anno 1608. von wegen deß Euan⸗ geliums / zu Sursee ist Enthauptet / vnd ver⸗ brennt worden: Mit vermeldung etlicher denkwuͤrdigen vmbstenden / die sich damalen verloffen. Jst im Thon / Wie man die Sempacher Schlacht singt. O Sursee / Es wirdt dir geschechen weh / Daß Vnschuldig blut / Wirt dem̄en dein vbermut. Getruckt im Jahr / M. DC. VIII. An den Christlichen Leser. Sagt har ihr Christenleut / Von diesem Proceß ewer b'scheyd / Richtet / ob Sursee recht hab? Sagt / was ewer Gwissn ertragen mag. E in Vrthel fellen wieder Gott / E in anzeyg ist / daß man sein spott. 1. JM tausendt / vnd sechs hundert / Darzu im achten / Da ist was gschehen b'sunder Zu Sursee daß ist wahr. Hee / sie haben in vbermut / Mit gewalthaͤtiger Hande / Vergossen Vnschuldig blut. 2. Ein Burger from̄ von Basel / Martin du Voisin genandt / Jst kommen zu boͤsem Fasel / Jn seiner Herren Land. Hee / bey Basel vor der Statt / Mit Jhn als Erbefraget / Wol disputieret hatt. 3. Sie kamen auß Niderlande / Auff Rom sie wolten zu / Als er solchs hart / behende Gab Jhnen zuverstahn. Hee / sie weren vnweyse Leut / Jhr Reyß / arbeyt / vnd muͤhe / Die gaͤlte vor Gott neüt. 4. Bald sie jhn theten fragen / Waß Er mit Hertz / vnd Mund / Von Maria thet glauben / Ob's bey jhm also stund / Hee / daß sie ohn Suͤnde wer / Ein Fuͤrbitterin der Menschen / Vnd anders noch viel meh 5. Drauff antwort jhnen gschwinde / Martin du Voysin fein / Sie seye nit gar ohn Suͤnde / Jhn jhrem leben gsin. Hee / sie seye ein Weiblichs bild / Gleich wie auch andere Weiber / Die reyne Jungfraw mildt. 6. Es stand auch nienen gschrieben / Das sie fuͤr d'Suͤnder baͤtt / Dar bey so thue Er bleiben / Zugleich jhnen anzeygt haͤt. Hee / man solle Gott allein / Mit Hertz / vnd Mund anbetten / Daß seye der Wille sein. 7. Nun wolt Martin du Voysin Auff den Marckt gen Lucern Verreysen / wie daß war gesin Sein gwonheit / heur / vnd fern Hee / Er als ein Bidermann / Sein Wahr wolt da verkauffen / Wie mancher pflegt zuthun. 8. Als sie nun theten nachen Auff Sursee / zu der Statt / Bald seine Geferten sprachen / Auß falschem Gmuͦt / vnd rath. Hee / wir wollen vorhin gohn / Jhr werd bald nacher kommen / Gott wolle euch bey stehn. 9. Danck habt / sprach Meyster Martin / Zu jhnen also bald. Gott wolle ewer Schirmer sein Allzeit / so es jhm gfallt. Hee / sie zugen vor jm dahin / Er kond nüt boͤses dencken. Kein gfahr kam ihm in sinn. 10. Hiemit so thet Er kommen / Gen Sursee / in die Statt / Sie hand verklagt den Frommen / Er wußt kein vbelthat. Hee / die Er begangen hett / Mann ließ jhn gar bald fangen / Dasselbig jhme weh thet. 11. Daruff thet man jhn fragen Von seiner Religion: Er sprach / Jch will euch sagen / Wast Jch gelehrnet han. Hee / Jch glaube vest / daß Got Vmb Jesu Christi willen / Mir seine Gnad erzeiget hatt. 12. Maria nit gar ohn Suͤnden Gelebt hatt in der Welt: Nichts anders kan Jch finden / Jn Gottes wort gestellt. Hee / eins Weiblichs bild sie war / Waß jhr Natur belanget / Thund mir ein anders dar. 13. Was Bapsts Lehr thut betreffen / Weil jhr mich fragen thund: er thut die Menschen aͤffen / Sag Jch mit Hertz / vnd Mund. Hee / sein Lehr / vnd auch sein Thun / Jn Gottes wort gebotten / Keins wegs man finden kann. 14. Als man diß hat vernommen Von jhm / auß seinem Mund / Da hatt man bald den Frommen Verdammet zu der stund. Hee / sie haben auch zugleich Erkennt man soll jhn straffen. Jn eyl / gar hertiglich. 15. Den dritten tag Weimmonat / Sind zu Sursee ankon: Zwen Maͤñer von Bern auß der Statt / Zu jhnen sich thete schlan. Hee / ein anderer Bidermann / Jm Wirtshauß zu der Sonnen / Hand sie ein Mahl ingnen. 15. Da haben sie gefunden Den Schultheß / vnd die Raͤth / Denen man zurselben stunden Ein Mahlzeyt geben haͤt. Hee / als es war vmb Elff vhr'n / Sind drey von jhnen gangen Zum Gfangnen / in den Thurn. 17. Da hand sie jhm abgsprochen Sein Leben trotziglich: O Gott / laß nit vngrochen / Dann du bist grecht gwißlich. Hee / die Sturmglock in der yl / Thet man als bald anziechen / Daß war jhr Frewden spil. 18. Daruff hand sich begeben Die Burger zum Richthauß: Die Berner auch darneben / Giengen auß dem Wirtshauß. Hee / die frommen Biderleut / Die wolten gar gern sechen / Was dieses glaͤuff bedeut. 19. Da ist als bald gefellet Ein Vrthel / vber jhn: Wie dieselb sey gestellet / Will ichs anzeygen fein. Hee / sie hands im Wirtshauß glehrt / Beim kuͤlen Wein am Morgen / Der jhnen gar wol hatt gschmeckt. 20. Es ward auff jhn geklaget / Gar viel / vnd mancherley: end daß Er habe gsaget / Es seye nur Narrey: Hee / daß der Bapst dbring auff ban / Daß hab in Gottes worte / Gelesen nie kein Mann. 21. Faͤlschlich man jhm zugmessen / er habe auch geseyt: Maria hab vergessen Jhrer Zucht / vnd Keuschheyt: Hee / sie hab als ein ander Weib / Den Mannen vnderworffen Jn Sünden / jhren Leib. 22. Darauff hand sie erkennet / Man soll mit Schwerdt vnd Feur / Jhn richten / vnd verbrennen / Daß sein Gifft vngeheur: Hee / also außgreutet werd / Vnd daß sein Lester zungen Vngstrafft nit blieb auff Erd. 23. Sie theten noch darzu sprechen / Jn einem vbermut / Wer solchs wuͤrd woͤllen rechen / Und es nit heissen gut / Ach weh / er soll mit gleicher straff / Auch also gerichtet werden / Und solt er sein ein Graff. 24. Hie wolt Martin waß reden / Auff dklag / vnd vrthel schwaͤr: Solchs wolten gern anhoͤren Die Biderleut von Bern. Hee / man ließ jhnen solchs nit zu / Man thet sie starck abweysen, Sagt / Jhr solt dannen gohn. 25. Hiemitt so thet man eylen / Mit jhm zur Statt hinauß: Es war da kein verwylen / Niemand bleyb in seim Hauß. Hee / bey Sursee vor der Statt / Durch ein eng Gaͤßlin gschwinde / Man jhn da gfuͤhret hatt. 26. Von Basel da der Botte Schnaufend geloffen kam: Sprach / Er da etwaß hatte Dem Schultheß zeygen an. Hee / man jhme den Schultheß zeygt / Er zu jhm kam glauffend / Mit reverentz sich neygt. 27. Er wolt jhm vbergeben Da seiner Herren Schrifft: Der Schult heß wolts nit nem̄en / Vermeint es were Gifft. Hee / Er saget Er het nit weyl / Zum Nachrichter Er sprache / Joͤrg du nur dapffer eyl. 28. Der Bott bey jhm anhaltet Mit ernst / vnd grosser bitt: Daß Er auff solche gstalte / Seine Herren verachte nit. Hee / Er bathe jhn gar starck. Der Schultheß den Brieff nahme / Stieß jhn / in Hosensack. 29. Als sie nun schier sind kommen Zur gwonlichen Richtstatt: Gar bald man diesem Frommen / Daß Wammest abzogen hatt. Hee / deß Hembdes Obertheyl / Als solchs sich thet verziechen / Sprach ein Pfaff auß mutwill. 30. Man solt es jhm zerreissen / Es verzeich sich zulang: Hierauff man mit jhm reyset / Wol auff deß Richters plan. Hee / da wolten die frommen Leut / Von Bern mit fleyß beschawen / Deß Martyrer bestendigkeyt. 31. Als bald man sie ersechen / Der Schultheiß zu jhnen sprach: Jhr solt euch hie nit naͤchen / Es bringt euch vngemach. Hee / sagt einer vnder jhm / Jsts nit ein wunder dinge / Daß man nit darff zusehn. 32. Da daß der Schultheß hoͤret / Jhm diß zur antwort seyt: Man hat dir solchs gewehret / Troll dich / dann du hast zeyt. Hee / Er mußt abtretten bald / Mit dem Surseyschen Rechte / Hatt es ein solche gstalt. 33. Die Pfaffen / vnd Cappuziner / die man jhm hett geben zu Auch andere Zügiener / Die hatten da kein ruh. Hee / sie sprachen staͤts zu jhm / Wann du wirst Widerruffen / So wirst du ledig sein. 34. Martin thet stepff verharren / Daß wircket der wahre Glaub: Daß macht die Muͤnchen zu Narren / Das sie schier wurden taub. Hee / sie sprachen druff zu jhm: Du wirst min Leib vnd Seele / Deß Teuffels eygen sein. 35. Daruff Martin sein Augen Gen Himmel hat gewendt: Vnd das durch wahren Glauben / Drumb ward jm hilff gesendt. Hee / vom HErren Jesu Christ. Daß Er am selben orte / Seelig entschlaffen ist. 36. Sein aͤschen da im Felde / An der selben Richtstatt: Die ward vergraben balde / Ohn zweyfel Er da hatt. Hee / erlangt auß Gottes gnad / Die Cron der Außerwehlten / Die Christus jhm geben hatt. 37. Da nun solchs war fuͤruͤber / Der Bott zum Schulteß sprach: Herr / Jch kom̄ zu euch wider / Von wegen dieser sach. Hee / ja meiner Obrigkeyt / Waß soll ich jetz anzeygen: Vnd geben fuͤr ein bscheyd. 38. Der Schultheß der thet zeygen / Spoͤttlich mit seiner hand: Dem Boten zu der Holtzbige / Sagt zu jhm vnverschampt. Hee / dort hast du demen bscheyd. Jst nit diese antwort gflossen / Auß lauterm haß / vnd neyd. 39. Als auch die Cappuziner / Vnd Muͤnchen giengen z'hauß: Da sprach vnder jhnen einer / Mit diesem ists jetz auß. Hee / nur bald ein anderer her / Wir wend sie lehren schmaͤchen / Vnd schenden Vnser Lehr. 40. Noch eins muß Jch beschreiben / Vnd kurtzlich zeygen an: Als man dSturmglock thet lüten / Da sach man manchen Mann. Hee / mit Wolbewerter Hand / Mit Hallupart / vnd Schlachtschwerten Schnell in daß Richthauß gahn. 41. Diß waren die Raths Herren / Die solches haben thon: Die so mit solchen Wehren / Bewapnet giengen do. Hee / Jst war. Ein newe sach / Ein newen brauch muß haben / Bringt aber gern Vngemach. 42. Die Muͤnchen hand darneben / Kein Gebett niemals gethan: Mit diesem frommen Manne / Ey / wie fein thut es stahn? Hee / daß stil gar Geystlich Lüt / Kein Vatter vnser gebetten / Jst wieder jhr Orden nit. 43. Hiemit so will Jch bschliessen / Diß von mir gmachte Lied: Wird solches sie verdriessen / Jch sag bey meinem Eyd. Hee / ein bessers weyß Jch bald / Wol auff die ban zubringen / So jhnen diß nit gfallt. 44. Thund die von Sursee sagen / Jhnen geschech vnrecht: o thu Jch sie auch fragen / Warumb sie wider Recht: Hee / From̄ vnd auch Biderleut / Abtreiben / als Martin geben / Sein antwort / vnd bescheydt? 45. Geths nit hie nach der Lehre / Die Christus hatt gelehrt? Ver sich versuͤndet schwere / Die Finsternuß Er liebt. Hee / daß mannit seine Sünd / Vnd Boßheit koͤnne sechen. Wers nit merckt / der ist blind. Anno 1608. den 15 Octobr. ENDE. Show less

Reicher Bürger verlobt mit armer Bäckerstochter; Geistl. Lied: Ich hab mein Sach zu Gott gestellt; Geistl. Lied: Betrübe Dich nicht
Eine warhafftige neue Zei⸗ tung / Von eins Reichen Buͤrgers Sohns zu Rywalde / im Lande zu Pommern / der sich mit eines armen Becken Tochter ehelichen verlobt / Hernacher sich an ein Reichere vermaͤhlet / vnd wie er vmb seiner Nichthaltung willen vom Teufel schrecklicher weise gestrafft... Show more Eine warhafftige neue Zei⸗ tung / Von eins Reichen Buͤrgers Sohns zu Rywalde / im Lande zu Pommern / der sich mit eines armen Becken Tochter ehelichen verlobt / Hernacher sich an ein Reichere vermaͤhlet / vnd wie er vmb seiner Nichthaltung willen vom Teufel schrecklicher weise gestrafft worden / gesche⸗ hen den 20. Januarii / in diesem 1608. Jar. Jm thon: Komt her zu mir spricht Got⸗ tes Sohn / rc. Das ander Lied / Jch hab mein sach zu Gott gestelt rc. Jm thon: Auff mein gesang vnd mach dich ring / rc. Das dritte / Betruͤbe dich nicht / etc. Erstlich gedruckt zu Franckfurt an der Oder / bey Niclas Boltzen Hort zu jr frommen Christenleut / was sich in kurtz vorschiener zeit / diß Jar hat zugetragen / grosse klag vnd jaͤm⸗ merliche Noht / laß dichs erbarmen o lieber Gott / dir thu ichs hertzlich klagen. Als man zehlt tausent 600. Jahr / vnnd achtẽ darzu die Jarzal war / hat sich schreck⸗ lich begeben / in einer Statt gantz wolbe⸗ kant / Rywalde wird dieselbig genand / in Pommerlande gelegen. Da wohnt ein reicher Brawer zu hand / mit Namen Christoff Reingolt genant / der hat einen Sohn merckt eben / der war starck, jung vñ stoltz von Leib / trieb gewaltig fluchẽ vnd schwern dabey / er fuͤrt ein gottloͤß leben. Er freyet nach eines Becken Tochter be⸗ hend / verlobet sich da ehelich zu hand / vor jren vnd seinen Freunden eben / vnd sprach zu jr auß seinem munde schon / so wolt ich dz der teuffel kem / vnd thet mein leib zu stuͤcken reissen. Wo ich euch wil faren lan / sprach er zu der Jungraw dar / das soll an mir gesche⸗ hen / es war alles beschlossen das / daß sie sich in der Kirch wolten auff bieten lan / hoͤrt wie es thet ergehen. Wie es auf den Morgen kam / der Vater zu dem Sohne sprach / was hast du dich er⸗ sehen / daß du wilt nemen ein armes Kind / was wilt du anfangen behend / daß du dich thust ernehren. Der Sohn ließ sich vberreden bald / vnd folgte dem Vater in der gestalt / wie ers da solt anfangen / der Vater sprach ich wils bringen auff die Ban / daß du jenne Jung⸗ fraw solt lan / eine ander solt du haben. Der Vatter dvcht in seinem Sinn / vnd gab dem Son ein andern raht ein / wie duͤn⸗ ket dich gar eben / ich wil dir freyen deß rei⸗ chen Kramers Kind / daß du auch ein han⸗ del anfengst / so kanst du dich ernehren. Der Sohn der thet willigen drein / vnd sprach ich wil auch zu frieden seyn / ich wil ewrem Rat thun folgen / er gedacht aber nit an den Schwur / den er deß Becken Toch⸗ ter hett gethan / weiter so werd jr hoͤren. Wie er mit deß Kramers Tochter verlo⸗ bet war / erschrack deß Becken Tochter von hertzen dar / mein Gott wie thut das ergehen wie wird das Armut veracht auff dieser welt wenn sie nicht haben gros Gut vnnd Gelt / ach Gott thu mir beystehen. Wie er nun auß der Kirchen kam / vnnd mit den Hochzeitlichen leuten thet gan / nach dem Hochzeithauß gar eben / da setzt man die geste zu Tische fein der Braͤutgam auch darbey / hoͤrt weiter gar eben. Wie sie wollen am besten lustig seyn / da thet in die Stuben bald kommen hinein / ein grosser schwarzer Mann gar eben / der giẽg gleich wie ein Edelman / vnd thet zu dem Ti⸗ sche gan / da der Braͤutgam darvber sasse. Der schwartze Mann sprach eilents vnd geschwind / mach dich auff du gottlose kind / du must mit mir von dannen / das Hellische Fewer ist dir bereit / von nu an biß in ewig⸗ keit / dem Braͤutgam war sehr bange. Er war so sehr schrecklich schwartz vnd lang / den Hochzeit Leuten war in der Stu⸗ be bang / sein arm thet er auß strecken / er nã den Braͤugam bey dem Kopff / vnd warf jn auff sein Achsel drat / zu der Stuben thet er nauß lauffen. Wie er nun auß der Stube nauß kam / dẽ Braͤutgam er beym Kragen nam / in dreis⸗ sig stuͤckẽ thet er jn reissen / der Vater schrey so jaͤmmerlich / ach was hab ich mit meinem Kinde anßgericht / in der Hellen werd ichs muͤssen buͤssen. Alles Volck schrey so jaͤmmerlich / Herr Jesu Christ verlaß vns nicht / hilff vns zu al⸗ len Zeiten / gib vns allen ein seliges End / nim vnser Seel in deine Haͤnd / laß vns froͤlich abscheiden. Darvmb O liebe Christenheit / nemt ein Exempel allezeit / steht ab von ewren Suͤn⸗ den / halt euch allzeit an Gottes Wort / das ist ewer schatz vnd hoͤchster Hort / bey Gott werd jr Gnad finden. O Herr Jesu Christe GOttes Sohn / hilff daß wir alle Busse thun / daß wir vnser Hertzen erkennen / vnnd huͤten vns vor deß Teuffels List / der aller Menschen ein ver⸗ fuͤhrer ist / daß er vns nicht vmbbringe. Darvmb jr gesellen vnd Jungfraͤwlein / nemt ein exempel an diesem Spiel darbey / Von diesem Braͤutgam gar eben / verlobet euch ehrlich halts darbey / so erbt jr das him⸗ elreich / durch Jesum Christum / Amen. Das ander Lied. JCh hab mein Sach Gott heim ge⸗ stelt / er machts mit mir wies jm ge⸗ felt / mein Hertz in seinen Haͤnden stehet / vnd alles nach seinem willen gehet. Vnd wer mein trawrens noch so viel / so weiß doch Gott das rechte Ziel / der weiß dẽ Anfang vnd das End / vnnd alles nach sei⸗ nen willen er send. Leidmuͤtig wer mir mein Hertz vnd sin / aber der Herr wend mir mein Hertz dahin / beydes trawren / angst vnd leid / vnd schafft nach seinem Willen Frewd. Ja freylich ist das ein schwer Schmertze / wenn Gott zertrennet zwey trewe Hertzẽ / ja freylich ist das ein schweres Leid / wenn Gott zwey Lieb von einander scheid. Das aber hat mich nun hart betruͤbt / die weil mich Gott durchs Creutz gevbt / jetzt a⸗ ber hats der HErr verkert / vnnd wider eine newe Frewde beschert. Nu weil es dem HErrn also gefelt / so sey es in seinen willen gestelt / hat die erste Lieb genomen hin / ein ander gegeben in Sinn. Ach Agnis keusch / huͤbsch vnd fromb / Gott erfrew dich ins Himelsthron / jetz fã⸗ gen wir eine newe Frewde an / durch hertzen Lieb Fraw Julian. Das dritte Lied. BEtruͤbe dich nit frommer Christ / weñ du im Creutz vnd Vngluck bist / ge⸗ denck daß Jesus Christ / dein getrew⸗ er Bruder sey / der auß grosser lieb vnd trew / dir in allem Vnfall stehet bey. Vor dich hat er so grosse Nott / gelitten gar ein schmehlichen Tod / daß er dem lie⸗ ben Gott dich hat wider außgesuͤnt / vnd dir diese Ehr geguͤnnet / daß du heissest Gottes liebes Kind. Ruh / Friede / die ewige Seligkeit / hat er dir gnedig zubereit / dort in der Ewigkeit / vñ du wolst hie zeitlich klagen / in einem kleinen Creutz verzagen / was wolt Jesus Christus sagen? Creutz ist der Christen rechte Prob / im Creutz sucht Gott sein Ehr vnd Lob / Wer wolt nun sein so grob / vnd dem lieben Gott zu Ehrn / zu danck Christo vnserm HErrn / sein Creutz nicht gedultig tragen gern. Hat doch der liebe Gott niemals / keinem mehr auffgeleget als / zu tragn auff seinen Hals / ein Last er vns wol aufflegt / gleichwol aber selber tregt / vnd zu rechter Zeit zu helf⸗ fen pflegt. Ach laß dir lieb sein dein Vngluͤck / weil dirs von Gott ist zu geschickt / seind lauter liebe blick / wol dem er nach Gottes will / helt in seinem Creutze still / vnd treget von Gott der schlege viel. Ruff Gott an in dem gebet / halt dich an sein Wort fest vnd stet on frucht es nit abget. Es wird auff das truͤbnuͤß dein / folgen ein solcher Sonnen schein / daß alles leids denn wird vergessen sein. Darvmb fromer Christ / druͤckt dich das Creutz / vnd schwebst in Vngluͤck lang / so leids geduͦltig / denn sichs beides zeitlich vnd dort ewiglich / Gottes huͤlff wird finden sich Es wird dich erretten wunderlich. ENDE. Show less

Abgötterei und Hinrichtung in Sursee, 1608
Memoria Martyris Christi. Eine Christliche Predigt / Vber der Gedaͤchtnuß Martins du Voisin, gewesenen Buͤrgers zu Basel: welcher den 3. Octobris / deß verschienenen 1608. Jahrs / zu Sursee im Schweitzerland / wegen verlaͤugneter Abgoͤtterey deß Bapstthumbs / vnd in sonderheit de⸗ ren / so... Show more Memoria Martyris Christi. Eine Christliche Predigt / Vber der Gedaͤchtnuß Martins du Voisin, gewesenen Buͤrgers zu Basel: welcher den 3. Octobris / deß verschienenen 1608. Jahrs / zu Sursee im Schweitzerland / wegen verlaͤugneter Abgoͤtterey deß Bapstthumbs / vnd in sonderheit de⸗ ren / so mit der heiligen jungfrawen Maria ge⸗ trieben wird / vrploͤtzlich ist enthauptet vnd verbrant worden. Gehalten zu Basel im Muͤnster / den 9. Octo⸗ bris / deß gemeldten Jahrs: Durch den Ehrwuͤrdigen vnd hochgelehrtẽ Herrn / Johannem Jacobum Grynæum, S. Theol. Doctorem vnd Professorem. Sampt beygefuͤgter vmbstaͤndlicher erzehlung / wie es mit solchem erbaͤrmlichen vnnd blutgierigen Proceß zugangen. Psalm. 116 V.15. Koͤstlich ist vor den Augen deß HErrn der Tod seiner Heiligen. Amberg / bei Johann Schoͤnfeld. 1609. I. Mein lieber Christ / Wem vertrawestu dein Leib vnd Seel / im Leben vnd Sterben? Allein Gott dem Vatter / seinem Sohn Jesu Christo / vnd dem H. Geist. Dann ich bin in dem Namen dieses wahren Gottes / mit Wasser vnd Geist / getaufft. Matth. 28. V. 19. Joh. 3. V. 5. II. Was glaubst du sonsten? Ein H. Kirchen der Außerwehlten / in welcher auch ich bin: die verzeyhung der Suͤnden / die Aufferstehung meines Fleisches / das ewige Leben. Dann ich bin Christi meines Erloͤsers. 1. Corinth. 3. vers. 23. 1. Thess. 5. V. 9. 10. III. Wer ist dein einiger Fuͤrsprech bey dem Vatter? Allein Jesus Christus. Dann sonst niemand ist fuͤr meine Suͤn⸗ de gestorben / vnd zu meiner Rechtfertigung von Todten aufferwe⸗ cket worden. 1. Tim. 2. V. 5. 6. 1. Joh. 2. V. 2. Rom. 4. V. 25. IV. Wo suchestu Christum durch den Glauben? Allein im Himmel / da er ist zur Rechten Gottes. Dann mein Burgerschafft ist im Himmel. Coloss. 3. V. 1. Philip. 3. V. 20. V. Wie verehrest du die Mutter Jesu Christi / vnd die lieben Heiligen? Dieweil sie alle Nachfolger Jesu Christ gewesen / folge ich inen nach / im Glauben / Liebe vnd Hoffnung. Dann wie sie alle allein auff diesen jhren Heyland gesehen / soll ich auff keinen andern sehen: weil ichs nicht besser machen kan / dann so herrliche / wahre / heilige Leute. 1. Cor. 11. V. 1. Hebr. 13. V. 7. VI. Nimpts dich wunder / daß wir Evangelischen verfolget werden? Gar nicht. Dann vnser HErr Jesus selbst / hat viel mehr dann wir gelidten: vnd alle die Gottselig leben woͤllen in Christo / muͦssen Verfolgung leiden. Rom. 8. V. 17. 29. Actor. 14. V. 22. 2. Timoth. 3. vers. 12. VII. Wer wirds aber endlich gewinnen? Christus selbst alleine / vnnd mit jhm alle die jhme der Vatter gegeben hat zum Eygenthumb. Rom. 8. V. 37. 1. Cor. 15. vers. 57. Dann er regiert mitten vnder seinen Feinden: Er wird auch bald den Satan tretten vnter vnsere Fuͤsse. Psal. 110. V. 3. Rom. 16. V. 20. Von der heiligen vnd seligen jungfrawen Maria / der Mutter vnsers HERRN JEsu Christ. 1. Jm sechsten Monat aber / ward der Engel Gabriel gesand von Gott / ir Statt in Ga⸗ lilea / die da heisset Nazareth / zu einer Jung⸗ frawen / die da vermaͤhlet war einem Manne / deß Name war Joseph / vom Hause Davids: der Jungfrawen Name aber war / Maria. Vnd der Engel kam zu jhr hinein / vnd sprach : Sey gegruͤsset / du begnadete: der HERR ist bey dir / du gesegnete vnter den Weibern. Luc. 1 V. 26.27. Von glaͤubiger Leuten vnverschuldeter Ver⸗ folgung vnnd Tod. II. Daß nicht jemand sich bewegen lasse von wegen diser Drangsalen: dann jhr selber wisset / daß wir darzu gesetzt sind. Vnd zwar / da wir bey euch waren / sagten wir es euch zuvor / wir wurden Drangsal leiden muͤssen: wie dãn auch geschehen ist / vnd jhr wisset. 1. Thess. 3. V. 3.4. III. HERR / vmb deinet willen werden wir er⸗ wuͤrget den gantzen Tag: Wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Psal. 44. V. 23. Rom. 8. V. 36. Rom 2. V. 6. Summa dieser Predigt. FRomme vnd geliebte Christen / dieweil auß vn⸗ serer Buͤrgerschafft einer / vnferr von hinnen / (als wenn er die heilige jungfraw Mariam geschmaͤhet hette) in einer eyl hingerichtet worden: vnd vns sei⸗ ne Witwe vnnd sieben Kinder hertzlich erbarmen: Als sollen vnnd woͤllen wir der Christlichen Obrigkeit das wol ver⸗ trawen / sie werde / was recht / gut vnd notwendig / in eroͤrterung der Sachen / nicht vnderlassen: Es werde sie auch der HERR vnser Gott also regieren / daß jhr Ernst vnd Gottseligkeit sich scheinbar⸗ lich werde in der That erzeigen. Es will aber mir / als einem nunmehr auch altem Diener Jesu Christi an seinem heiligen Evangelio / gebuͤren / daß ich / hitzi⸗ ge vnnd rachgierige Gedancken abzukuͤhlen / das darzu rede / wel⸗ ches auch bescheidene Leute im Gegentheil / nit koͤnnen straffen oder schelten / wenn sie es recht betrachten. Gedenck derwegen (auß anlaß vorgelesener Spruͤchẽ / welche jetzt nicht koͤnnen von wort zu wort erklaͤret werden) Gott zu ehren / Erstlich das zu vermelden / was wir Evangelische allhie zu Basel / vnd vnsere Mitglaͤubige / glauben vnd halten / von der hochgelobten jungfrawen Maria / vnd vnserm HERRN Jesu Christo: Dem⸗ nach / wie wir dieses guten Mannes geschwinden Tod / auffnem⸗ men vnd verstehen sollen / damit wir nicht vnrecht vrtheilen / sondern seine Sachen dem befehlen / welcher einem jeden nach seinen Wercken vergelten wird / es sey boͤses oder gutes. So viel nun das erste belangt / nemlich vnsern Glauben / od wahre meynung / die wir muͤndlich vnd schrifftlich / offentlich vnnd insonderheit / von der jungfrawen Maria bekennen: Moͤchte ich von hertzen gern / vons Gegentheils einem kaltsinnigen / beschei⸗ denen Mann / fragen: Ob auch die im Glauben von der Jungfrawen Maria / jrren vnd faͤhlen / welche alles das von jhr glauben vnnd lehren / das inn der Heiligen Canoni⸗ schen Schrifft / Altes vñ Newen Testaments / der Geist Got⸗ tes / seinen Propheten / Aposteln vnd Evangelisten / zu schrei⸗ ben eyngegeben hat? Antwortet er dann / wie es die Wahrheit ist: Sie koͤnnen nit fehlen noch jrren / wann sie im rechten Verstand der Goͤttlichen Schrifft verbleiben / vnnd nach derselbigen / auch von der H. Jungfrawen Maria glauben vnnd halten: weil je Got⸗ tes Schrifft vnd Zeugnuß allezeit vnnd inn allem wahrhafftig: aber Menschliche Zeugnuß vnnd schrifften eintweders falsch oder zweif⸗ felhafftig seyn. Nun aber halten wir Christen zu Basel / mit allen Michristen / von der H. Jungfrawen Maria / wie folget: I. Wir glauben / Daß sie allein / die wahre Mutter deß allerhei⸗ ligsten Emmanuels / oder Gott mit vns / sey / von dero Jsaias der Prophet geweissagt hat: Darumb wird euch der HERR selbs ein Zeichen geben: Sihe / ein Jungfraw wird schwanger seyn / vnnd einen Sohn gebaͤren: vnnd sie wird seinen Na⸗ men Emmanuel heissen. II. Wir glauben vnnd bekennen / Daß der Engel Gabriel jhr sey erschienen / vnnd habe sie erfrewet mit der froͤlichen Bottschafft / Daß sie empfangen solte vom H. Geist / vnnd gebaͤren den Sohn deß Allerhoͤchsten / welcher solte uͤber das Hauß Jacob ewiglich regieren: vnnd daß sie geantwortet habe: Sihe / Jch bin deß HERREN Magd: mir geschehe nach deinem Wort. Daß auch sie / von der frommen Elisabethen / dar⸗ umb selig gepriesen worden / dieweil sie geglaubt: Daß sie auch / durch deß H. Geistes Gnad / das Lobgesang: Mein Seel erhebt den HERREN / rc. gesprochen: allerdingen wie es Lucas der Evangelist wol beschrieben hat. III. Wir glauben / Daß der Engel Gottes dem Joseph im Isa. 7. V. 14. Luc. 1. vom 26. versu / bis zu end des 56. Matth. 1. V. 18. biß ans ende. Luc. 2. V. 1. biß zum 40. Matth. 2. V. 15. 23. Luc. 2. V. 41. biß zum ende. Goͤttlichen Traum erschienen / der H. Marie Jungfraw⸗ schafft vnnd Reinigkeit / vor / in / vnnd nach der Geburt / angezeyget / die Empfaͤngnuß vnnd Geburt Jesu / der sein Volck von Suͤnden erloͤset / zu vor verkuͤndiget: wie der Evan⸗ gelist Mattheus bezeuget. IV. Wir glauben alles das von seiner Geburt / zu Beth⸗ lehem Jude / zur zeit Augusti deß Keysers: von Engelischer Bottschafft / Lobgesang / der Hirten Erkundigung: des Herrn Beschneidung vnnd Namen: vnnd daß er im Tem⸗ pel zu Jerusalem / Gott dem Vatter / dargestellt: vnd daß die Jungfraw Maria / alles wol behertziget / vnnd sich dessen verwundert habe / welches von diesem jhrem Kind damals / von Symeon vnd Anna der Prophetin / gesagt ist. Auch glauben wir / daß Joseph vnnd Maria inn Egypten gewi⸗ chen / vnd hernacher gen Nazareth wider gezogen seyen. V. Wir glauben / Daß Joseph vnnd Maria jaͤrlich / auffs Osterfest / gen Jerusalem gegangen seyen vnnd daß es sich begeben / als der HERR Jesus zwoͤlff jar alt gewesen / sie in jhrer Heimreyse / drey tag nicht gewuͤßt wo er were: vnnd da sie jhn endtlich im Tempel gefunden / verstuͤrtzt seyen worden. Als aber die Gottselige Muter zu jhme gesagt hat: Mein Sohn / warumb hastu vns das gethan? Sihe / dein Vatter vnnd ich / haben dich mit Schmertzen gesucht: Gab er jhnen diese rechtmaͤssige antwort: Was ists / daß jhr mich gesucht habt? Wisset jhr nicht / daß ich seyn muß in dem das mei⸗ nes Vatters ist? Welches sie nicht also bald haben verstan⸗ den: doch hat Maria dieses alles in jhrem Hertzen behalten. VI. Wir wissen auch / vnd glauben es / daß Maria die hoch⸗ gelobte / sampt jhrem Sohn vnnd seinen Juͤngern / bey der Hochzeit / zu Cana inn Galilea / erschienen: vnd da mangel am Wein sich erzeigte / zu jhrem Sohn gesagt habe: Sie haben keinen Wein. Da er jhren wol vnd recht geantwor⸗ ter hat: Weib / was soll das mir vnnd dir? mein Stund ist noch nicht kommen. Hierauff seyn mit dem HERRN Jesu / sein Muter / vnnd seine Juͤnger / gen Capernaum gezogen. VII. Wir wissen / glaubẽ vnd bekennen auch / auß dem Evangelio / Daß es sich begeben / als Jesus das Volck lehret / sey Ma⸗ ria sein Muter / sampt seinen Bruͤdern / draussen gestan⸗ den / jhn erfordert / vnnd begeret mit jhme zu reden. Da ha⸗ be er dem / welcher es jhm angesagt hat / gesaget: Wer ist mein Muter? vnnd / welche sind meine Bruͤder? Hab auch sein Hand außgestreckt uͤber seine Juͤnger / vnnd gesprochen: Sihe da / Das ist mein Mutter / vnd meine Bruͤder. Dann / Wer den Willen thut meines Vatters / der im Himmel ist / derselbig ist mein Bruder / vnnd Schwester / vnd Mutter. VIII. Wir wissen / glauben vnnd bekennen / Daß die gebene⸗ deyte vnder den Weibern / vnnd Jungfraw Maria / bey dem Creutz Jesu gestanden sey: vnd daß der HERR Jesus sie gesehen / sampt dem Juͤnger welchen er liebet: auch zur Mut⸗ ter gesprochen habe: Weib / dieser ist dein Sohn. Vnnd zum Juͤnger: Sihe / diß ist dein Mutter. Daher er sie auff⸗ name / vnnd jhren wartet: wie Johannes zeuget. VIIII. Wir wissen vnnd glauben / Daß / sampt den H. A⸗ posteln / also bald nach der Himmelfahrt vnsers Herrn Je⸗ su / sein Muter Maria / vnnd andere glaͤubige Weiber vnnd Maͤnner / einmuͦtiglich / im Gebett zu Gott / ange⸗ halten haben: wie Lucas vermeldet. X. Vns mißfaͤllt / Daß vor zeiten die vnglaͤubigen Ju⸗ den / leichtfertiger weise / von vnserm HERRN Jesu / vnd seiner Heiligen Muter / vnnd Freunden / geredt haben. Jhr selbs / Lieben Christen / sind dessen Zeugen / vor Gott / vnnd den außerwehlten Engeln vnnd Menschen / Daß die Hei⸗ lige Muter Jesu Christi / ehrlich / in Predigten / angezogen werde vnnd daß es die Obrigkeit ernstlich straffen wurde / wann jemand / in Schimpff oder Ernst / schmaͤhlich von jhren reden wurde. Matt. 12. V. 46. 50. Joan. 19. V. 25.26.27. Act. 1. V. 14. Marc. 6. V. 5. 1. Tim. 2. V. 5. 1. Johan. 2. V. 4. Matth. 28. V. 19. Johan. 1. V. 1. 2. Matth. 3. V. 17. vnd 11. V. 27. vnd 17. V. 5. vnd 28. V. 18. Joh. 5. V. 32. Haben derwegẽ Vrsach diesen Endschluß zu setzen / Daß wir die heilige Mutter Jesu Christi gebuͤrlich ehren / die wir von jhr nach der heiligen Schrifft / welche nicht mag auffgeloͤset werden / glauben vnd halten: vnnd jhrem Glauben vnd Gottseligkeit bege⸗ ren nachzufolgen: vnd / Daß alle / die Menschenfabeln von Maria / vnd jhrer Verehrung / folgen / dieselbige schmaͤhen vnnd entvneh⸗ ren sie. Gewißlich haben die Apostel / sie / die jungfraw Mariam / in rechten Ehren gehalten. Welcher aber vnder ihnen hat mit seinem Exempel / oder einigem Spruch / als eine Mittlerin zwischen Gott dem Vatter vnd vns / sie erklaͤret? Keiner uͤberall Wenn / wo / vnd von welchen Leuten / als sie vor vnd nach der Himmelfahrt jhres Sohns / noch auff Erden lebte / hat sie begeret also verehrt zu wer⸗ den / wie es jetzt an etlichen Orten vnd Enden geschiehet / von denen Leuten / fuͤr welche wir Gott von Hertzen bitten / daß er sich jhrer er⸗ barmen / vnd jhnen die Warheit zu erkennen geben woͤlle? Was aber belanget den allerheiligsten Sohn GOttes / Je⸗ sum Christum / welcher / nach seiner vollkommenen Menschheit / em⸗ pfangen ist vom heiligen Geist / vnd geboren auß Maria der jung⸗ frawen: sagen wir / daß er uͤber alle selige Engel / hoͤher dann sein liebe Mutter / herrlicher dann alle Außerwehlten im Alten vnnd Newen Testament / vnd der einige Mittler zwischen Gott vnd vns seye. Darumb / daß er allein fuͤr vns gecreutziget / gestorben / auff⸗ erstanden / vnd gen Himmel gefahren / die Versoͤhnung ist fuͤr vnse⸗ re Suͤnde. Darumb glauben wir Christen zu Basel / sampt allen Glau⸗ bensgenossen / so im Himmel vnnd auff Erden sind / daß vnser HERR JEsus sey / uͤber alle Heiligen / seine Mutter Mariam / vnd die guten Engel: Dieweil er ist die andere Person in der Allerheiligsten Dreyeinigkeit: Wahrer / Ewiger / Allmaͤch⸗ tiger GOTT / mit dem Vatter vnd dem heiligen Geist: an welchem der Vatter sein hoͤchstes Wolgefallen hat: dem der Vatter alles gegeben hat / vnnd will / daß man jhn hoͤre: Welcher allen Gewalt hat im Himmel vnd auff Ernden: Welchem der Vatter alles Gerichte gegeben hat / auff daß sie den Sohn ehren / wie sie den Vatter ehren. Lieber / wessen sind doch wir? Sind wir der hochgelobten Jung⸗ frawen Maria? Nein: sondern dessen der vns gedienet / vnd sein Leben zu vnserer Erloͤsung gegeben hat: nemlich deß Herrn Jesu. Wie geschrieben stehet: Alles ist ewer: jhr aber seyd Chri⸗ sti: Christus aber ist Gottes. O Gott / erbarme dich der Vnwissenden / welche der Heili⸗ gen Jungfrawen Marie die Ehr geben / als wann sie jhrem Sohn zu gebieten hette / gnaͤdiger vnd guͤtiger were dann Er selbs: Ver⸗ leyhe jhnen den Geist der Weißheit / daß sie vernemmen diß alles: Also daß jhr dancksaget dem Vatter / der vns tauglich ge⸗ macht hat zu dem Erbtheyl der Heyligen im Liecht. Wel⸗ cher vns errettet hatt vom Gewalt der Finsternuß / vnnd hat vns gesetzt in das Reich seines lieben Sohns: Jn welchem wir haben die Erloͤsung durch sein Blut / nemlich / die Ver⸗ gebung der Suͤnden: Welcher ist das Ebenbild deß vnsicht⸗ barn Gottes / rc. Vnd hernacher spricht der Apostel: Christus ist das Haupt des Leibs / nemlich der Gemeinde: welcher ist der Anfang / vnnd der Erstgeborne von den Todten / daß Er vn⸗ der allen den Vorzug habe. Jtem: Jnn Christo wohnet die gantze Fuͤlle der Gottheit leibhafftig: vnnd jhr seyd vollkom⸗ men inn jhme: welcher ist das Haupt aller Fuͤrstenthumben vnnd Obrigkeit. Lieber / Wie kan der ein Ketzer seyn vnd im glauben jrren / wel⸗ chem der Geist der Wahrheit verlihen / daß er von hertzen glaubt / Daß Jesus Christus jhme sey der Weg / die Wahrheit / vnnd das Leben: vnnd daß er durch jhne / als den Mitler / dem Vatter gefuͤhrt solle werden? Wir aber zu Basel / sampt anderen Evangelischen / glauben dieses in vnsern Hertzen / bekennen es auch mit vnserm Mund / vnd bleiben bestaͤndig / vnd im rechten Verstand / bey allen Glaubens⸗ Artickeln / von Gott Vatter / Sohn vnnd H. Geist: von der Allge⸗ meinen Christlichen Kirchen / der vergebung der Suͤnden / der Auff⸗ Matth. 20. V. 28. Cor. 3. V. 23. Cor. 1. V. 12. Cnt. 1. V. 18. Cor. 2. V. 9.10. Joh. 14. V. 6. 1. Corint. 3. V. 30. Crod. 20. V. 16. Ephes. 3. V. 17. Matth 28. V. 20. stehung des Fleisches / vnnd dem ewigem Leben. Der H. Geist verleyhet vns die Gnade / daß wir mit Paulo sprechen: Wir seyen auch auß Gott / aber in Christo Jesu / welcher vns von Gott dem Vatter worden ist zur Weiß⸗ heit / Gerechtigkeit / Heiligung vnd Erloͤsung: auff daß wir vns seiner allein ruͤhmen. Wie koͤnnen dann die genanten Geistlichen bey dem Gegen⸗ theil vns / bey den gemeinen Volck / außschreyen / als wann wir das Vatter vnser / die Glaubensartickel / die Zehen Gebott / nicht spre⸗ chen? als wenn wir die H. Jungfraw Mariam / vnd die lieben Heili⸗ gen / verachteten? Es solten doch die / so solches von vns faͤlsch⸗ lich außgeben / gedencken an das Gebott: Du solt kein falsche Zeugnuß reden wider deinen Nechsten. Wir aber befehlen das Vrtheil dem lieben Gott / der vns wol ver⸗ antworten wird / auch am juͤngsten Tag. Dann wir begeren kein anders / dann vnsern GOtt vnd Vatter / im Namen Jesu Christi / anzuruffen: wandeln im glauben: vnnd erfahren / daß der HErr Jesus Christus wohnet in vnsern Hertzen durch den Glauben: Daß er vnser Schirmherr ist / vnd bleibt biß ins ende. Nun soll ich / fuͤr das ander / gruͤndlich anzeigen / Wie wir dises / Meister Martins du Voisin / gewesenen Burgers allhie / ge⸗ schwinden Tod / recht auffnemmen vnd verstehen sollen. Dann / weil ich glaubwuͤrdig von seinem Seelsorger berichtet worden bin / daß er ein rechtglaͤubiger Mann gewesen / bey der Verkuͤndigung deß Worts Gottes fleissig erschienen / auch in seinem Hauß das ordent⸗ lich Gebette zu Gott / vnd Ablesung der H. Schrifft / gehalten: Soll billich seiner / als eines jetzt seligen Zeugen vnsers Herrn Jesu Christi / in Ehren vnd gutem / von vns gedacht / vnd sein Abscheid recht bedacht werden. Vns wahren Christen geziemet / von Christlichen Personen / auch denen / die gelidten haben vmb deß Zeugniß wegen vnsers HERRN Jesu Christi / zu vrtheilen / nicht nach deß Fleisches eyn⸗ geben / sonder nach der Lehre deß heiligen Geistes. Dann wir ha⸗ ben vns dessen zu erinnern / das der selige Apostel Paulus ge⸗ schrieben hat: Wir wandeln nicht nach dem Fleisch / son⸗ dern nach dem Geist. Dann die da Fleischlich sind / die trachten nach dem das fleischlich ist: Die aber Geistlich (oder / durchs Wasser vnd Geist widergeboren / Joh. 3. V. 5.) sind / die trachten nach dem das deß Geistes ist. Aber das trach⸗ ten deß Fleisches / ist der Tod: das trachten aber deß Gei⸗ stes / ist Leben vnnd Friede. Dann es ist auch vns ge⸗ sagt / das vnser HERR Jesus Christus / zu dem Heiligen A⸗ postel Petro / als er jhn straffet / gesprochen hat: Hebe dich Satan von mir / du bist mir ergerlich: Dann du trachtest nicht nach dem das GOttes ist / sonder nach dem das der Menschen ist. Das suͤndliche / vngedultige Fleisch / erzeiget sich raach⸗ gierig / laͤsterlich / vnnd will allezeit Boͤses mit Boͤsem vergelten. Davor huͤte sich jederman: damit man nicht Gott erzuͤrne / welchem die Raach gebuͤret: vnd nicht die Sach aͤrger mache. Dann / lieber / was richtet man damit auß / wann man von abwesenden Leuthen vnfreundlich redet: oder mit durchfahrenden zancket / deren viel keine Schuld an dieser Sache tragen? Aber der gute Geist leytet vns auff ebner bahn / vnd machen vns Gedultig / Demuͤtig / Friedliebend: vnnd erinnert vns deß Christlichen Zustands: der Exempeln dero / so vil erduldet haben: vnd dessen / Daß auch diesem Bidermann / sein vnverschuldter Tod / keinen Nachtheil oder Schand gebracht hat bey Gott dem Selig⸗ macher aller der seinen. I. Von vnserm Christlichen Zustand haben wir vns zu erin⸗ nern diser herrlichen Spruͤchen / dero wir vns zu troͤsten haben. Jesus Christus / vnser Herr / spricht: Selig sind die vmb der Gerechtigkeit willen verfolgt werden: dann das Himmel⸗ reich ist jhrer. Selig seyd jhr / wann euch die Menschen / vmb meinet willen / schmaͤhen vnnd verfolgen: vnnd reden Rom. 8. V. 4.5.6 Matt. 16. V. 23. Matt. 5. V. 10.11. Mart. 13. V. 37. Joh. 15. V. 18. 19. 20. Actor. 7. V. 55. 1. Johann. 5. V. 5. Luc. 21. V. 19. allerley boͤses von euch / so sie daran liegen. Frewet euch / vnd hupffet vor Freuden: daun es wird ewer Lohn groß seyn im Himmel. Dann also haben sie verfolget die Propheten / die vor euch gewesen sind. Nun ist es vns Evangelischen allein vmb die Gerechtigkeit vnd Warheit Jesu Christi zu thun / die wir recht glaͤuben vnnd be⸗ kennen. Er sagt auch zu vns / was er vor zeiten zu den Aposteln gespro⸗ chen hat: So euch die Welt hasset / so wisset / daß sie mich vor euch gehasset hat. Weret jhr von der Welt / so hette die Welt das jhre lieb. Dieweil jhr aber nicht von der Welt seyd / son⸗ der ich hab euch von der Welt erwehlet / darumb hasset euch die Welt. Gedencket an das Wort / das ich euch gesagt hab: Der Knecht ist nicht groͤsser als sein Herr. Haben sie mich verfolget / so werden sie auch euch verfolgen: Haben sie mein Wort bewahret / so werden sie auch das ewer bewahren. Aber diß alles werden sie euch thun / von wegen meines Namens dieweil sie den nicht kennen / der mich gesandt hat. 2. Von Exempeln frommer Leute / welche / vmb der Gerech⸗ tigkeit und Warheit Jesu Christi willen / den Tod haben erduldet / will ich nur jhrer drey jetzund gedencken. Stephanus / als er / voll deß H. Geistes / gemartert ward / sahe in den Himmel / vnd schawet die Herrligkeit Gottes / vnd Jesum stehen zur Rechten Gottes: vnd sprach / HERR Jesu / nim meinen Geist auff. Betet auch fuͤr seine Feinde: HERR / rechne jhnen diese Suͤnde nicht zu. Also sollen wir durch den Glauben die Welt uͤberwin⸗ den: vnd durch Gedult vnsere Seelen besitzen. Agatha / die heilige Jungfraw vnd Zeugin Jesu Christi / als man sie mit verheissung / deß Lebens / der herrlichen Ehe mit Quintiani deß Landvogts jungem Sohn / vnnd der Welt Wolluͤ⸗ sten vnd Herrligkeit / auff der rechten seiten: vnd auff der lincken sei⸗ ten versuchte / mit bedraͤwung der Marter vnd deß Todes / daß sie vom Christenthumb zur Heydnischen Abgoͤtterey sich begebe: ant⸗ wortet sie herrlich / vnd sprach: Mein Gemuͤt ist auffm Felsen befestiget / vnd in Christo gegruͤndet: Ewere Wort sind ein Wind: Ewre Versprechungen sind ein hinfliessender Platz⸗ regen: Ewre Draͤwungen sind Wasserstroͤme: die stuͦrmen zwar an das Hauß meines Glaubens / es mag aber nit fallen. Also sollen wir vns / weder das Liebkosen / noch das Draͤwen der Widerwertigen / irr machen / oder erschrecken lassen. Dañ sie ver⸗ moͤgen nicht mehr / dann jhnen Gott zulaͤsset / aber vns Wahrglaͤu⸗ bigen zu sonderm gutem. Wie etwan die Welt / redliche vnd wolverdiente Leute gar uͤbel belohnet: Also ist dermal eins ein gar herrlicher Mann / nach lang⸗ waͤrender Gefangnus / zum Schwerth verdampt / vnd nicht verhoͤ⸗ ret wordẽ: Welcher diese letzte Wort / mit lauter stim̄ / vor vilen geredt hat: Wolan / Herr Gott Vatter / alles wz du an meiner See⸗ le vnd Leib erschaffen: vnd / O Sohn Gottes / mein HERR Jesu Christe / alles was du an mir erloͤset hast vnd / H. Geist / alles was du mir zum ewigen Leben hast geheiligt: das alles uͤbergebe ich in deine Haͤnde. Wer dieses alles / O liebe Christen / recht behertziget / der wird gewißlich sich der Worten deß H. Pauli erinnern: Sehet auff Jesum / den Anfaͤnger vñ Vollender deß Glaubens: welcher von wegen der jhme fuͤrgelegten Freude / erduldet hat das Creutz / vnd hat der Schande nicht geachtet / vnd hat sich ge⸗ setzt zur Rechten deß Stuls Gottes. Dann betrachtet den / der ein solches widersprechen / von den Suͤndern / wider sich erduldet hat: auff daß jhr nicht matt werdet / vnnd den Muth fallen lasset. Jhr habt noch nicht biß auffs Blut widerstan⸗ den / uͤber dem kaͤmpffen wider die Suͤnde. 3. Was endlich belangt diesen guten Mann / Meister Martin seligen / welcher gelidten hat den zeitlichen Tod / vñ mit seinem Blut die Warheit vnserer Religion bezeuget / haben wir vrsach zu geden⸗ Hebr. 12. 2. 2. 5. Rom. 3. v. 23. Act. 2. v. 2. 37. 1. Tim. 1. v. 13. Act. 12. v. 1. 2. 3. Rom. 15. v. 13. cken / nicht allein an den Spruch Augustini: Das ist nicht ein boͤser Tod / vor welchem ein gutes Leben her gangen ist : Sondern auch fuͤrnemlich an diß Wort deß H. Pauli: Wir wis⸗ sen aber / daß denen / die Gott lieben / alle ding zu gutem mit⸗ wircken / denen die nach dem Fuͤrsatz beruffen sind. Er aber / Meister Martin seeliger / ist beruffen worden zur Gemeinschafft Jesu Christi: hat seinen glauben bezeugt mit vn⸗ straͤfflichem Wandel deß Lebens: daher er auch ein Eltester gewe⸗ sen in der Gemeinde GOttes. Die jhn mit Reden angestochen / vnnd in anderer Leuthen Haͤnde uͤbergeben haben / die werden Gott auch zum richter haben. Er ist kein vnbescheidener Mann ge⸗ wesen: Wirdt auch gar nicht / Gott / oder seine Heiligen / geschmaͤhet haben: seiner Feinden Mund kan nicht von jhme zeugen. Daher sollen wir Gott dancken / daß er es jhme verliehen hat / daß er im wahren / Christlichen / Apostolischen Glauben / den Tod hat außgestanden. Sollen auch das behertzigen: Daß / wie vor zeiten geschehen ist / daß etliche deren / so Jesum Christum / den Herrn der Herrligkeit selbs / ans Creutz gebracht hatten / als sie die Pfingstpredig Petri gehoͤret / vnd die jhnen durchs Hertz stache / hernacher mit einem bessern Sinn vnd wahrem Glauben sind be⸗ gaabet / und rechte Christen worden: vnd / wie Saulus auß einem Verfolger Christi / sein Diener vnd Apostel hernacher worden: Al⸗ so moͤgen noch etliche / so zu dieses vnsers Mitchristen Tod gerahten vnnd geholffen / sich eines bessern derman einest bedencken / auch Gnad bey Gott erlangen: welches wir jhnen hertzlich wuͤnschen. Was aber die antrifft / die ein Freud vnd Lust an dieser jhrer Schuld noch haben moͤchten / hat man zu gedencken / daß jhr Leben auch gar kurtz moͤge seyn: vnd daß sie / dieser Blutvergiessung we⸗ gen / dem gerechten Richter werden muͤssen rechenschafft geben: wie der Herodes / welcher den Apostel Jacobum lies enthaupten / vnd / zur mehrer Freude der Juden / auch Petrum fieng / vnnd toͤdten wolte: das jhm aber von Gott nicht ist zugelassen worden. Der Gott aber der Hoffnung / erfuͤlle vns alle mit aller Freu⸗ de vnd Frieden im Glauben: auff daß wir voͤllige Hoffnung haben / durch die Krafft deß heiligen Geistes. Demselbigen erahrem Gott befehle ich diese heilige Gemeinde / vñ alle ander fromme vnd liebe Mitchristen / als außerwehlte / liebe Gottes Kinder / in seinẽ gu⸗ ten schutz vnd schirm / durch vnsern HErrn Jesum Christu: welcher euch alle behuͤten wird vor allem uͤbel / vnd segnen / mit allem war⸗ hafftigem gutem / an Seel / Leib / Ehr vnd Gut. Amen / Amen. Eine Dancksagung vnd Gebet zu Gott. HERR Gott Vatter / wir dancken dir / in dem Namen deines lieben Sohns Jesu Christi / daß du / durch deines H. Geistes Gnad / verleyhest / daß auch allhie zu Basel / wie an mehr or⸗ ten / dein warhafftiges Evangelium so trewlich verkuͤndiget wird / daß man allein Jesum Christum den gecreutzigten prediget: vnd daß du dem guten Mann / Meister Martin du Voisin / verlie⸗ hen / daß er dich mit seinem Blut bekannt hat / vnd durch dein gna⸗ de / das ewige Leben / als deine Gabe / empfangen. Ach HErr / vergib denen / welche / vnwissender weise / dich inn deinen Gliedern verfolgen: vnd verleyhe jhnen / daß sie auch zur Erkantnuß der Warheit kommen / sampt vns selig werden / vnd dir / wie Paulus der Apostel / ewig lob vnd danck sagen. O HErr / verleyhe vns / die wir dein heiliges Evangelium erkeñen / lieben vñ bekeñen: Daß wir lieber alles Vngemach leiden mit demem Volck / dann die zeitliche Ergetzligkeit der Suͤnden ge⸗ niessen woͤllen: vnd daß wir fuͤr ein hoͤhern Reichthumb schetzen / wenn wir vmb Christi willen geschmaͤhet werden / dañ alle Schaͤtze Egypti dieser zergaͤnglichen Welt. Erhalt / sampt der gantzen Christenheit / auch die gantze loͤb⸗ liche Eydgnoßschafft: Bewahr / wie du gewißlich je laͤnger je mehr thun wirst / die herzlichen Staͤtte / in welchen deine heilige Kirchen / auß deinen allmaͤchtigen Gnaden / Herberg haben: vnnd verleyhe vns allen deine Gnad / Daß wir vns das Boͤse nicht lassen uͤber⸗ winden: sonder / daß wir das boͤse mit gutem weit uͤberwinden / vnd vnsere Feinde lieben / gewinnen / vnd zu jhrem Wol⸗ stand bringen: Durch vnsern HErrn Jesum Christum / Amen. Ende dieser Predigt. Hebr. 11. v. 25. 26. Rom. 12. v. 21. Epiphanius, Hares. 79. Sit in honore Maria. Pater, & Filius, & Spi⸗ ritus S. adoretur. Mariam nemo adoret: non dico mulierem; imò neque virum. Deo debe⸗ tur hoc mysterium. Neque Angeli capiunt ta⸗ lem glorificationem. lbidem: Etsi pulcerrima est Maria, & sancta, & ho⸗ norata: at non ad adorationem. Das ist : Maria soll in ehren gehalten werden. Den Vatter / Sohn / vnd H. Geist / soll man anbettẽ. Mariam soll niemand anbettẽ: nicht allein weil sie ein Weib ist / sonder auch nit / wenn sie gleich ein Mann were. Gott gehoͤret diß Geheimniß zu. Auch die Engel sind solcher Ehren nit faͤhig. Jtem: Ob gleich Maria uͤberauß herrlich / vnnd heilig / vnnd Ehren werth ist: so ist sie doch nicht anzubetten. Warhafftige History / Von dem Gerichtlichen Proceß / vñ etlich gedächtnußwuͤrdigen Vmbstaͤnden / deß zu Sursee vnschuldig hingerichtẽ Meister Martin du Volsin Passamentwebers vnd gewesenen Buͤrgers zu Basel: auff Montag den 3. Octobris / Jm Jahr 1608. Als ich Gabriel Herman verschienener zeit / in vnsern ordentlichen Herbstfeyertagen / mit Hans Jacob Webern / meinem Tochter⸗ mann / mir fuͤrgenommen / meinen lieben Bruder / Joseph Herman / Predicanten zu Reut im Argew / heimzu⸗ suchen / vnd bey jhm ankommen: haben wir vns entschlossen / mit einander nach Sempach zu reyssen / die antiguiteten / der vor zeiten beschehenen Schlacht / zu besehen. Vnder wege nun / seynd wir Montags / den 3. October / ohn alles vorwis⸗ sen / zu diesem leydigen vnd trawrigen Handel gen Sursee / im Lucerner Gebiet / kommen: da wir dann alsbald vernom⸗ men / daß man einen Buͤrger von Basel / von etlicher außge⸗ stossenen Laͤsterworten wegen / woͤlle fuͤr Recht stellen. Nach dem wir nun / als frembde Leut / in ein Wirtshauß / zur Son⸗ nen genant / eingekaͤhrt / allda das Morgenbrot zu niessen: Waren der Schuldheiß vnnd Raͤhte der Statt Sursee / in demselbigen Wirtshause / schon inn der grossen Stuben zu Tisch gesessen. Da hat vns die Wirtin in die Nebenstuben gefuͤhrt / vñ einen Stattreuter zu vns gesaͤtzt / welcher selbigen Tags / mit dem Schuldheiß Schneider der auch bey den ge⸗ meldten Raͤhten zu Tisch gesessen / gen Mur reiten sollen. Und als wir in der Mahlzeit waren: stunden drey der Raͤh⸗ ten / von jhnen auff / vmb die 11. stund zu Mittag: die kamen in die Nebenstuben / da wir beyeinander sassen / namen allda jhre Maͤntel / vnd giengen wider hinauß. Da sagt der Reuter / zu vns: Diese drey gehen jetzt hin in den Thurn zu dem gefange⸗ nen / jhme sein leben abzukuͤnden. Vnd als wir jhne befragt / ob er noch nichts davon wuͤste / daß er sterben muͦste? hat er geant⸗ wortet: Nein / er wisse noch nichts davon / biß diese Herren jme solches anzeigẽ. Vñ sagte darzu weiter: So er nochmaln / ehe man die Sturmglocken anzeucht bewilligen wurde / einen widerruff zu thun / wurde man jhme das leben schencken. Aber bald darauff / als wir noch in der rede waren / hat man die Sturmglocken angezogen vnd geleutet. Da sind die uͤbrigen / Schuldheiß vnd Rath / auch vom Tisch auffgestanden / vnd dem Rahthauß zu gegangen: vnd ein jeder / außgenommen der Schuldheiß Schufelbuͤhel / eine hellenparten od ein schlacht⸗ schwerth / auf der achsel getragen / Welchs aber / wie wir eigent⸗ lich vernommen ) jhr gemeiner brauch nicht ist. Da sind wir auch vom Tisch auffgestanden / vnd haben vns zu dem Raht⸗ hauß verfuͤget / sein Vergicht vnd Sententz anzuhoͤren: wel⸗ cher bey nahe von wort zu wort also gelautet. Zu wissen vnd kund seye menniglichen / daß gegenwertiger Martin du Voisin, Burger zu Basel / sonst buͤrtig / aus Franckreich hernach fol⸗ gende grausame / grobe vnd schwere Gottsleste⸗ rung / ohne alle marter bekennt vnnd verjehen / auch sonst von sieben glaubwuͤrdigen personen dessen uͤberzeuget worden: Daß nemlich als er Voisin von Basel auff Lucern zu reysen woͤllen / habẽ er auff dem weg etliche auß Niderland auff Rom zu wandlende personẽ zu Liestal angetrof⸗ fen / zu denen er gesprochen: Was sie der muͦhe und arbeit / auch kostens / woͤllen? die Catholisch Religion sey doch nichts anders / dann lauter Narrenwerck. Vnd er sey auch etwan deß glau⸗ bens gewesen: als er aber der Wahrheit berich⸗ tet wordẽ / hab er erkant / daß diß alles nichts an⸗ ders / dann lauter Narrenwerck / sey. Vnd als sie ihne weiter befragt: Was er dann von vnserer lieben Frawen halte? ob er nicht glaube / daß sie vnser Vorbitterin seyr hab er geantwortet: Vnser liebe Fraw / sey wie ein andere / sey auch ein Suͤnderin gewesen: vnnd habe mit Mannen zu thun gehabt / wie andere Weiber. Auff welche sein / deß genandten Martin du Voisin, hohe / grausame / grobe / vnnd schwere Leste⸗ rung / so er außgegossen wider vnsern wahren vhralten / Christlichen / vnnd allein seligmach⸗ enden glauben / vnd wider die heilige Jungfraw Maria / die wuͤrdige Muter Gottes / vnnd hie⸗ mit auch wider den HERRN JESVM CHRJstum selbsten: haben meine gnaͤdigen Herren / Schuldheiß vñ Raͤht / die zwantzig / di⸗ ser Statt Sursee / bey ihren geschwornen Ey⸗ den / zu Recht erkant vnnd geurtheilt: daß mein Herr Schultheiß jhne dem Nachrichter befehlẽ / der ihne hinauß auff den gewoͤhnlichen Richt⸗ platz fuͤhren / jme allda / auß Gnad vnd Barm⸗ hertzigkeit / sein Haupt abzuschlagen / also / daß ein Straßrad zwischen demselbigen vnnd dem Coͤrper durchgehen moͤge: darnach in brennend Fewer werffen / vnd zu Staub vnd Aschen ver⸗ brennen / vnd die Aschen in die Erden vergraben: vnd also mit dem Schwerth vnnd Fewer / vom Leben zum Tod / nach Keyserlichen Rechten / vñ dieser Statt Freyheiten / solche schaͤndliche Ke⸗ tzerey außzureuten / hinrichten solle. Nach dem nun diß Vrtheil verlesen / vñ jn der Schuld⸗ heiß Schufelbuͤhel vom Rahthauß herab dem Nachrichter befohlen / hat Martin angefangẽ etwas zu reden: welches wir mit begierd gern gehoͤrt hetten / damit wir etwas gruͤndliches seiner Bekaͤntnnß halben hetten moͤgen wissen. Aber die Raͤhte (welche ohn zweiffel solches im Wirtshause mit einan⸗ der beschlossen) haben vns solches nicht gestatten noch zulas⸗ sen woͤllen / sonder vns heissen abtretten / vnnd gesagt / wir ha⸗ ben nichts allda zu thun. Dann jhnen im Wirtshause durch die Wirtin gesagt worden / daß wir von Bern weren. Sind also eilends mit jhme zur Statt hinauß gestuͤrmet / wie vor zeiten die Juden mit dem heiligen Mann Gottes Stephano gethan: vnnd das auch micht durch die rechte Landstrassen / sonder durch ein enges Gaͤßlein ausserhalb der Statt / da nit mehr als ein Mann nach dem andern gehen koͤnnen: in wel⸗ chemauch etliche Staffeln gewesen / daruͤber der arme gebun⸗ dene Mann mit steigen muͦssen / vnd der Nachrichter ihm hin⸗ uͤber geholffen / damit er nicht / als ein gebundener / auff das Angesicht fiele Zu welchem Gaͤßlein kam der Bott von Ba⸗ sel / Leonhard Gebhard / daher schnauffend gelauffen. Zu welchem Botten Martin gesprochen: Ach mein Nachbar Leonhard / wie gehets mir so rauhe. Der Bott bat den Nach⸗ richter / mit ihm still zu halten: dann er habe von seiner Obrig⸗ keit Brieffe / so den gefangenen Mann betreffen / an Schuld⸗ heiß vnd Raͤhte. Also bald hat der Nachrichter still gehalten / und dem Botten den Schuldheissen gezeigt / welcher sampt den Raͤhten dem Nachrichter nachgefolget. Der Bott hat dem Schuldheiß den Brieff mit reverentz angebotten: mit vermeldung / er treffe diesen außgefuͤhrten Mann an. Der Schuldheiß antwortet jhme / er habe jetzt nicht weil / den Brief zu lesen: hat auch jhm denselben nicht abnemmen woͤllen / son⸗ dern zum Nachrichter gesagt: Georg / fahre du fort mit jme. Also sind sie mit jhme fortgefahren. Auff welches der Bott noch mehr / vnd gantz flehenlich bey dem Schuldheissen ange⸗ halten: er solle doch den Brieff von jhme empfahen / vnnd le⸗ sen. Darauff der Schuldheiß zwar jhme den Brieff abge⸗ nommen / vnd stracks in seinẽ Sack geschoben / vnd zum Bot⸗ ten gesprochen: wenn ich widerumb heim komme / so will ich jhn als dann lesen / Jetzt hab ich nicht weil. Darauff sind sie mit jhme auff das Feld / vnnd gegen der Richtstatt kommen. Vnnd als sie fast auff der mitten des Felds waren / fieng der Nachrichter an / loͤset jm sein Wammes herab / vnd entbloͤsser ihn. Vnd als es sich etwas mit dem Hembd verweilet / daß es nicht gern uͤber den Leib herab gehen woͤllen / sagt der blutgie⸗ nige Pfaff zum Nachrichter: Zerreiß / zerreiß es nur. Jn dem wir nun vermeynten / er wurde ihne daselbsten richt ten: sind wir abermals hin zu genahet / damit wir etwas von ihm hoͤ⸗ ren moͤchten / ober der verlesenen vergicht / vnd sonderlich deß dar⸗ in gesetzten letzten Punctens / an welchem wir grossen zweiffel tragen / bekantlich were oder nicht: Alsbald haben vns die Raͤhte / wie auch den Baßler Botten / abtretten heissen: wir haben da nichts zu thun. Als sie aber von dannen weiter mit ihme / biß gar auff die Richt⸗ statt / vnnd zu der gemachten Holtzbruͤgen kommen: bin ich wi⸗ derumb / ohnangesehen sie vns schon zum zweyten mahl abtret⸗ ten heissen / hinzu gegangen / der meynung / ob ich nachmals etwas verstaͤndlichs / oder sein warhafftig Bekentiß hoͤren moͤchte vnd bin so nahe hin zu kommen / daß ich alles wol hette hoͤren moͤgen. Alsbald aber der Schultheiß mich ersehen / sprach er zu mir: Jch hette ge⸗ meynt / man habe dich heissen von dannen gehen. Vnd als ich ihme geantwortet: Jst dann das so ein groß wunderding / daß einer nicht darff zuhoͤren vnnd zusehen? sagt der Schultheiß wider zu mir: ich solle mich weg machen / ich habe zeit. Hab ich nu nicht in grossen sor⸗ gen Leibs vnd Lebens stehen woͤllen / vnd auch eine solche Schmach erwarten / hab ich wol muͦssen hindersich weichen vnd also nichts von jhme Martino selbsten hoͤren moͤgen. Durchauß im auß fuͤhren ha⸗ ben die Pfaffen vnnd Capuciner an ihme maͤchtig angehalten / daß len / sondern ist bestaͤndig auff seiner Religion verharret biß er einen Widerruff thun solte. Welches er aber nicht thun wol⸗ sem geschrey vnnd reden hoͤren vnnd abnemmen moͤgen: ob wirs an das Ende. Welches alles wir wol auß deß Pfaffen gros⸗ gleich auß deß Martins Munde / selbsten / weil er boͤß Deutsch / vnnd gar leise von Natur geredt / nicht hoͤren vnnd verstehen moͤ⸗ gen. Sie haben auch durchauß kein Gebett oder Vatter vnser mit ihme fuͤrgenommen zu betten: das ich selbst gehoͤret vnnd gesehen hab. Das aber hab ich letzlich wol gehoͤrt / daß der Pfaff zu ihm gesagt: Wolan Martin / es wer noch fruͦ gnug / wann du nach⸗ maln woltest widerruffen / vnd vnserer lieben Frawen ihr Ehr wi⸗ dergeben: so wolte ich dir alle deine Suͤnden verzeihen / vnd wurdest also seeliglich von hinnen scheiden. Auff welches Martin den Kopff geschuͤtte / vnd etwas geredt: welches ich aber nicht hab hoͤren mo⸗ gen. Darauff der Pfaff zu jhme gesagt: Ey so bistu deß Teuffels / wie du stehest vnd gehest: der wird dich holen / vnd alle boͤse Geister werden zu dir kommen / vnd bey dir wohnen. Vnd ist hiemit von ih⸗ me hindersich gewichen. Als Martin das gehoͤrt / hat er sein An⸗ gesicht vom Pfaffen / vnnd von der Erden / gen Himmel gewendet / seine Haͤnde also fuͤr sich gebunden / auffgehaben / zu Gott geruf⸗ fen / vnd sich in seinen Schirm befohlen. Alsbald hat der Nach⸗ richter seinen Befelch an ihme erstattet / vnd ihne vom Leben zum Tod nach dem Surseeischen / vnnd nicht noch Goͤttlichem oder Weltlichen Rechten / hingerichtet rc. Dieser gute vnnd fromme Mann / hat vmb eylff Vhr deß Mittags / noch nicht gewust / daß er sterben muͦste / vnd noch allzeit in seinem Hertzen erloͤsung von seiner lieben Obrigkeit gehoffet: vnnd vmb zwoͤlffe derselbigen Stunde / ist schon gar nahe Staub vnd Aschen gewesen. Das ist ja ein geschwinder Proceß vnd Tod. Nach dem er nun sein Ende genommen / bin ich auch widerum zu meinen Gespannen / vnd dem Baßler Botten / welcher beyseits gestanden / gegangen. Da sagte der Bott: Jch will da warten / biß der Schuldheiß widerkompt / vnd will jhne fragen / was ich meiner Obrigkeit fuͤr ein Antwort solle bringen. Jn dem geht der Pfaff mit den 2. Capucinern neben vns fuͤruͤber / vñ spricht im fuͤrgehen: Der ist erlegt / er wird auffhoͤren lestern nit mehr dañ ein anden her. Gleich nach jnen kompt der Schuldheiß / sampt seiner Gwardy / vnnd den Raͤhten / auch daher. Da fragt ihn der Bott: was er seiner Obrig⸗ keit fuͤr einen Bescheid vnd Antwort solle bringen? Darauff hat Schuldheiß mit der Hand gegen der brennenden Holtzbruͤgen ge⸗ zeigt / auff welcher der arme Maͤrtyrer Martin gelegen / vnnd gespro⸗ chen: Dort hastu den Bescheid / das ist dein Antwort. Vnd ist hie⸗ mit fortgangen. Also sind auch wir / sampt dem Botten / mit traw⸗ rigem Hertzen vnd Gemuͤth / von dannen geschieden. Dieweil sie aber diesen Proceß also / wider ihren alten Brauch und Ordnung / an einem Montag gehalten / da sie sonsten nicht / dañ an einem Donnerstag / an jrem Wochenmarckt / uͤber das Blut zu richten pflegen: So ist / vorgehoͤrten Vmbstaͤndẽ nach / augen schein. lich vnd klar zu sehen / dz sie mit diesem Mann geeilet / vnd die War⸗ heit nicht haben doͤrffen hoͤren vnd vernemmen lassen: damit sie her⸗ nacher Luͤgen vnd falsche Zeugnuß von jhme geben koͤnten / wie die Juden von Christo: Er hat Gott gelaͤstert / rc. Vnd hat sich dieser Montag ihnen / jhren Falsch vnd Betrug / auch diese Mordthat / de⸗ sto besser zuverbluͤmen / eben wol geschickt. Dann denselben Tag war der mehrer theil Volcks / auß dem Staͤttlein vnd ab dem Land / gen Lucern auff den Jahrmarckt / welcher den Mittag darauff ist gehal⸗ ten worden / gelauffen. Deßhalben gar wenig gelaͤuffs vñ zusehens gewesen. Dann gewiß / daß / auß genommen die Pfaffen / deren ziem⸗ lich viel gewesen, und die Raͤhte / welche sammetlich mit gewehrter Hand zugegen gewesen / deß uͤbrigen Volcks nit uͤber 100. zn seher / von Mann und Weib / Jung vnnd Alt / gewesen sind Vnd haben derowegen auff der Richtstatt / mit so wenig Volck / keinen Ring be⸗ schliessen moͤgen: also / daß wir gar wol dadurch von ferrne sehen mochten / weil wir abgetrieben worden. Dieser Martin du Voisin hat / seines ehrlichen Handels / Le⸗ bens vns Wandels / von allen die ihn wol gekennet / ein gut Zeug⸗ niß gehabt / daß er ein redlicher frommer Mann gewesen seye / vnd uͤberall Gottseliglich gelebt habẽ. Derhalben es gantz vnglaͤublich ist / daß er den letzten Klagartickel also geredt habe / als wenn die hei⸗ lige jungfraw Maria / wie andere Weiber / mit Maͤnnern zu thun gehabt hette. Hergegen aber ist wol zu glauben / daß diese seine vnnd der Warheit Feinde / falsche Zeugnuß von ihm gesagt / vnnd mehr Gewalt / dann Recht / an ihme geuͤbt haben: sonst wuͤrden sie vns / wie braͤuchig / zuhoͤren vnd zusehen lassen / vñ vns nit abgetriebẽ / son⸗ der Eydgenossisch gehandelt haben. Die Worte / so er geredt hat als ein gut Evangelisch Mann / zu denen so Papistisch / vnd nach Rom gewolt / hat er auff dem Baßler Gebiet geredt / bey Leestal / vnd nit zu Sursee / oder im Lucerner Gebiet: deßwegen sie es / do sie mangel daran gehabt / seiner Obrigkeit klagen / vnd vnpartheyische Zeugen / nach Form deß Rechtens / darstellen sollen. Diß alles bey nahem von Wort zu Wort / hab ich selbst gesehen vnd ge⸗ hoͤrt / auch alsbald verzeichnet vnnd beschrieben / Gabriel Herman / Lehrmeister der Deutschen Schul zu Bern. Jch Hans Jacob Weber / Burger vnd Lehrmeister zu Bern / bekenn / wie oben ist vermeldet worden. Leonhard Gebhard / der Bott von Basel / hab diß auch zum ende bringen sehen. ODE SAMBICA, DE MARTINO DU VOISIN, GALLO GENTE, CIVE BASEILIENSE; ET Annâ Hoviâ, Antuerp. puellâ: pari martyrum, exsibilatæ ei⸗ dolo latriæ reorum, supplicio unâ eaâdemq; de causâ, An⸗ nis 1597. & 1608, Brugis & Surseji, affectorum. RHENI bicornis Civitas, Parviq; Birficiaccola, Cinctuta centum turribus, Virisq; magnis incluta: Celebris Lyceio nobili; Clues beatis urbibus Beatior tot dotibus, Multisq; vincis laudibus. Adcedit his encomiis, Altrix quòd audis martyris, Basileia; sanguinẽ recèns Qui Christi honori fuderat. Sparsit cruorem, dum DEI Solùm invocandum Filium, Cum PATRE, SANCTO & PNEUMATE, Testatus est acerrimé. impostus idem poͤst rogo Abit in favillas; ultimâ Sed qui resurget in die, Mactatus amplâ gloriâ. Martinus ergò martyr est, Vicinus, astris additus: Qui vindicavit fortiter Soteri honorem debitum. Contrà negavit Virgini, DEUM licèt gestaverit, Votis litandum; tum pari Ratione, divis ceteris. Hæc causa, cujus gratiâ Ictum machæræ fulgidæ, Pyramq; substructam, nihil Expavit, animo aheneus. Quod mutuatus roboris A Spiritu magni est DEI: Facti hujus auctorem DEUM Celebremus ore & pectore! Sic proximè decennio Lapso, ANNA, Brugis, Hovia, Obferre Virgini preces Virgo ipsa jure respuit: Unun invocandum dictitans, Præsens polo, solo, salo, Qui sit suis, & omnibus, Qui cuncta verbo condidit: Qui corda acuto lumine Introspicit mortalium: Qui nos redemit, qui regit, Duciq; Olympi ad atria. Non Virgo pæsto est omnibus, Nec facta cernere est potis Hominũ; a DEO ipsa condita, Suo & redempta FILIO. Non illa mater gratiæ, Nec portus est, aut anchor: Non mortis horâ suscipit, Surda ad vocantes supplices. Dic, Pontificule, si placet; Ecquando honoris hoc sibi Efflagitavit, supplice Ut invocetur poplite? Nusquam locorum, nam silet Hoc sacrosancta Pagina. Vetuit Petrus Cornelium: Vetuit lanus Angelum. Cur, obsecro, obtrudes piæ Ingratum honorem Virgini? Vocato nobiscum Deum: Sic, sic beabis Virginem. Mirare nostrum sæculum: Quod martyrum dicent ferax Seri nepotes; & simul Hac laude Basileiam efferent. MENTIRE, Lipsi apostata, Qui Collis-Asperi deam, Et numen Hallarum facis: Idola sunt, & nomina: Velatus his dæmon subit: Piæ, cavete ter quater, Mentes, dolos Sinonios; Satanam sub his veneramini. Mentire, Lipsi hypocrita. Miracla Virginem edere: Hallarum / Aspræ Terrulæ Colludiones Dæmones, Cruciare tantuùm desinunt Homines superstitio sulos: Sanare nemo dixerit: Servare velle homines, cavent. Eidololatreias mage Animas Satan cœno (dolor!) Immergit, æternæ & neci Addicit (eheu!) credulas. Martiniu & Annæ martyrum Causa una; lis eadem fuit. Jugulũ hic fero ferro obtulit: Hæc passa se vivam infodi est. Uterq; vitæ prodigus, Cœlo recipit, en, centuplum: Istîc repostam martyrum Uterq; mercedem invenit. Martine, sanctum Te Virum Infame SURSEJUM abstulit: BRUGÆ, decus quondam soli, Hausêre Te, Anna, Flandrici, O dia verè pectora, Invicta, nullis nec minis Pretiove docta cedere, Beata vivitis æthere. Vobis fruisci nunc datur, Cinctis coronis, gaudio. Quod nulla sæcla finiunt, Quod nulla vis major rapit. Ubi estis, hæc qui tempora, Proferre nullos martyras Sensu putatis improbo? Mutate mox sententiam. Necdũ Antichristus impius Periodon absolvit suam: Grassatur & grassa bitur, Fur: Latro: qd; Trifurcifer: Quod tres coronæ denotant. Exercet hinc tyrannida Finis modiq; nesciam: Et hanc triplaret, si queat. Necdum suo album martyrum Numero repletũ, quos sibi Signavit albo calculo, Amiciendos vestibus Albis, JEHOVA maxumus Suos athletas, FILIO Quos ante mundi conditũ Donavit, ablutos probè AGNI cruore à fordibus, Ut labis erpertes sibi Hos sistat ante illum thronum, Quo justus en judex sedet. Feramus haut longam moram, Veniens ab æthrâ FILIUS Veniet benignus in suos; Terribilis improbûm gregi. O CHRISTE, adesdum vindice Dextrâ, ocyùs nos assere: O Christe, deturba tuum Hostem, Antichristum pessimum. Hoc comprecamur cernui: Ne melius, aut majus piis Rogare fas est. nos pii Damnare voti Tu potes. αν γένοιτο! C.J.A.P.R.G. NArratio historica, de supplicio Anna Hovie Antuerp. virgini⸗ constantißima, (quam τά γεννίμαζα έχιδνών, execranda socia secta, à Lojolâ turpißimo mago, milite Cantabro, Vultani prole, no⸗ men fortiti, ab Orthodorâ fide Ecclesiâ Christi omnibus viribus di⸗ vertere conati, atq in idololatriam pellicere sategerunt; cùm illa con⸗ tra, rupis immota instar, in verâ Dei, qui est Benedictus in secula, unius-solius Redemtoris invocatione obduraret; quidq ad veneni ido⸗ lolatrici adflarent atq obtruderent Locustæ illæ Acheruntice, Pontifi⸗ Rom. triarii, & milites prætorian sive Fanizeri juratißimi, τής όρθοδοξίαςie hostes capitales: certò persuasa, Opitulatorẽ ac Sospitatorẽ, Advocatũ & Intercessorẽ, nobis solũ Patre datum, Jesum Christũ: in quo dogmate ad extremũ usq halitum, quẽ sibi præcludì, defossa hu⸗ mi et obrut glebis, horrẽdo mortis atq vix audito genere, potiùs mil⸗ lies passa fuisset; quam semel negare Christum, eiq Matrem, hominẽ puram, exæquare ut in animum induceret, perstitit:) narratio, in⸗ quam, historica de istâ martyre, indigno peremptâ letho, suffocatione vive sepultæ, habetur apud Emmanuelem Meteranum, libro duode- vicesimo Rer. Belgicar. sub Anno Soteris cIo Ic LXCVII, ubi, que illâ gesta æstate sint, exponit. Repetiit Auctor Defensionis tertiæ Infe- rioris Germaniæ Federator, pag. 55. Res in confesso est: negari nequit: quæ sub auspicia ALB. Exarchi AVST. imperii peracta. Martinus autem noster BASIL. Civis, ab ejusdem sectæ frateculis (uti accipimus) in nassam perductus disputationis, de In⸗ vocatione Sanctorum, pòst accusatus falsò, quod MARIAM vir⸗ ginem του θεοτόνον blasphemârit, qui tantùm adorandam esse nega⸗ vit: mox etiam, præter omnium opinionem, nullo ordine judici⸗ ario observato, ad gladium & ignes damnatus, CHRI⸗ STO animam commendavit de⸗ votißimus. Show less

Klaglied über eine Hinrichtung in Genf
Ein nüw Klag⸗ lied vber den todt / vnnd ab sterben deß zuͦ Genff / von fürgenom ner conspiration wegen / hingerichteten Frantzoͤsischen Herren / du Terrail. genampt / auß Frantzoͤsischer jnn Teutsche sprach vbergesetzt. Jn der Melodey eines Fran⸗ tzoͤsischen Liedts. Sur le Chant, La... Show more Ein nüw Klag⸗ lied vber den todt / vnnd ab sterben deß zuͦ Genff / von fürgenom ner conspiration wegen / hingerichteten Frantzoͤsischen Herren / du Terrail. genampt / auß Frantzoͤsischer jnn Teutsche sprach vbergesetzt. Jn der Melodey eines Fran⸗ tzoͤsischen Liedts. Sur le Chant, La Parque si terrible, &c. oder Voyez la grand offense, &c. Getruckt zuͦ Bern / by Vincentz im Hoffs Erben. 1609. O Gott wie ist auff erden / der mensch vnd was er thuͦt / so ring vnnd voll der bschwerden / was er jhm nimpt in muͤth / ist alles offenbar / nichts kans verbergen zwar. Die hoͤchsten berg die Faͤlde / bede⸗ ckẽt solches nicht / die hoͤlen noch die waͤl de / verhaltẽt dein gesicht / dein aug sichts jeder frist / wan es von noͤten ist. Kein Koͤnig Potentaten / kein Für⸗ sten sichet man / kein Helden grosser tha⸗ ten / der manche prob gethan / so etwas nemme für / das Gott nicht selb gespür. Es laßt sich wol anschlachen / auff froͤmbde Oerter fein / man mag wol vil anfachẽ / das man Stett neme ein / es ist nur eitelkeit / vnd alles auß gespreit. Wann menschliche gedancken / nicht gheim beleibent stan / ach: wie soͤlt dann nit schwancken / das boͤß sogschlagen an / darumb ist der ein thor / dem Gott nicht hilfft zuͦ vor. Wann er all thier erhaltet / die voͤgel zluffts in gmein / wañ er auch rechnung haltet / der haͤrlin groß / vnd klein / noch meer mit stiffer wacht / halt er der sei⸗ nen acht. Wann Wann er auch seinen regen / boͤ sen gibt zuͦ theil / meint jr das nit darge gen / er geb dem frommen heil / acht ich spürs sich es wol / gern ichs bekeñen sol. Die seinen namen eherent / die schirmt er jeder frist / das dsyend jn verseerendt / jhm widerwertig ist / er ist der seinen schilt / vnd stercke wañ es gilt. Ob schon jr stett vnd schantzen / kein maur nit hette mer / ob schon kein burg soͤlt glantzen / noch jrt es nicht so sehr / Gott ist jhr schirm vnd huͤt / vnd sy be⸗ waren thuͤt. Ein Regiment soldaten / ze fuͤß vnd auch zuͦ pferdt / die würcken ringe tha⸗ ten / vnd bringent wenig bschwerdt / jhn Fürsten meinendt nicht / das er sy zbo⸗ den richt. All thaten vnd exempel / die thuͦt er jnen kundt / das sy in seinem tempel / ehr hebind seinen pundt / ich hab begert ein prob / vnd bin doch glangen drob. Jhr Fürsten vnd Regenten / die mich gehept so werdt / die jr in Regementen / mein offter mal begert / betrachtend das es guͤt / wan man das billich thuͤt. Legt niemermer in gfaren / so kaͤner Helden ehr / lest euch nicht widerfaren / das jr euch wagind mer / vernuegt euch jederzeit / so faͤlt jr nicht so weit. Jr secht mein noth vor allen / jr secht wie es mir geht / ach: das ich euch moͤcht gfallen / vil gfar mir zhanden steht / min Koͤnig hab ich bwegt / ich bin ines schmach gelegt. Jr mein Fürst wuͤßt mein wesen / jhr wuͤßt myn gfangenschafft / drum̄ helfft das ich moͤg gnesen / vnd nicht muͤß sein verhafft / ach? das bschicht niemer mer / jr werdt nicht helffen seer. Saphoy / o wie ich gloube / wãs gieng wies dir gefalt / so were Genff ein roube / der voͤglen aller gstalt / doch soͤlche nit bschechẽ sol / weils Gott nit gfallet wol. Er bhüttet sy vor gfaren / vnd wirt nicht lassen ab / er thuͦt das volck bewa⸗ ren / er liebet soͤlchs vorab / o Adel bhalt dein stãd / nim nichts mer an die hand. O boͤser tag voll sorgen / was bist nit bliben vß / o du vnmilter morgen / was gibstu mir verdruß / wans mir gliebt vnbeschwert / hatt ich was ich begert. Jch war inn guͤtem wesen / ohn dise hand vorab / jetzt mag ich nit genesen / mein hauß ich glassen hab / kein klag ließ sich doͤrt an / mich liebet jederman. Jch war in grossen ehrẽ / wol gmeint vnnd hoch geacht / vff land vnnd auff den Meren / wz wol bekant mein macht vil gluͤck ja hat mir Gott / beschert ohn disen spott. So ists vmb dmenschen gstaltet / die jrs stants nitbenuͤgt / die zgolt in knecht⸗ schafft haltet / vnnd ehr git zamen fuͤgt / auff einem grüst fürwar / stirb ich jetzt da[...]en har. Da drumb Herr der Herrscharen / er⸗ barm dich disen tag / Jesus thuͦ mich be⸗ waren / troͤst mich in miner plag / vergib mir mit der that / ein solche missethat. Jr thaͤl vnd berg in gmeine / jr waͤld vnd wisen zart / das jedes mich beweine / helfft mir auf diser fart / troͤst mich in diser qual / ich gnad euch all zuͦ mal. Dir o mein Vatterlande / wünsch ich vil guͤter zeit / mein seel ist bald auß ban⸗ de / ins Paradiß gespreit / das mein klag von dem ort / kom̄ biß ans Himmel⸗ port Wann ich mit augen blicken / den menschẽ scho wẽ nach / foͤrcht ich es moͤcht sich schicken / das man doch schreie rach / wann ich mich nid sich richt / denn zmal es nicht beschicht. Wer nun vermerckt in treuwen / die grechte vrtheil mein / sol wüssen auch mein reuwen / so ich genom̄en ein / Gott wirdt mit gnaͤdig sein / vnd mich erqui⸗ cken sein. Jch end jetzmal mein leben / sich endet meine tag / kein mensch darnach sol stre⸗ ben / das er solch bschwerden hab / alde jr meine kind / vnd die mir bfründet sind. Hoͤrt doch jetz an mein klagen / troͤst diß mein vngefell / vermerckendt disr e plagen / vnd trachtendt was ich woͤll be⸗ weinendt nicht zũ lang / ein solchen vn⸗ dergang. Das man in dreyen jaren / kein boum im bluͤst sech stan / das man nichts moͤg erfaren / den klag von jhnen gan / vmb solchen schweren fal / der mich bruͤrt[...] zuͦ mal. Jr Sunn vñ Mon dergleichen / ver⸗ bergendt euwren glantz / mein faͤder thuͤnd durch streichen / inn alle duͤnckle gantz / ich und die tage mein / alde es muͦß doch sein. Bweint solchen jammer vaste / scheindt nur die nacht allein / mein grab das seig ein glaste / vil klag vnd kum⸗ mer gmein / die Erdt bewein die gfahr / ein gantzes langes jar. Du haͤlle Nachtigallen / bewein auch tag vnd nacht / die pein die noth vnd gal len / die mich so bschwert gemacht / fuͤhr nur zuͦ nacht dein gsang / das es nit drü⸗ ber gang. Das man vermerck on schaden / dz du beweinest mich / dz du mit kum̄er bladẽ / deßhalb das leiden ich / alde jhr meine kind / vnd die mir bfründet sind. Jr gschwinde gmuͤtter alle / in Frãck⸗ reich hoch vernam̄t / luͤgt zuͦ dz keiner fal le / behuͤt euch alle sampt / ein beyspil wirt euch zeigt / find ewrem Koͤnig gneigt. Der scharffrichter thuͤt kommen / der mit dem Sebel sein / die red mir hat ge⸗ nom̄en / das ich müß dultig sein / alde jhr goͤnner mein / in himmel muͤß es sein. ENDE. Show less

Unwetter am Main, 05. August 1609; Geistliche Lieder "Mein Gott und Herr stehe du mir bei"; "Allein du mein Herr Jesu Christ"
Eine Warhafftige Newe Zeitung vnd gruͤndlicher bericht / So sich durch den gerechten Zorn GOttes des hoͤchsten begeben hat / in Francken Lande / sonderlich vmb die Stadt Wertta / am Meyn / deßgleichen auch Bischoffsheim / Hildefeldt / Lengefeldt / Klingenberg / Ascheburg vnnd Muͤldeberg /... Show more Eine Warhafftige Newe Zeitung vnd gruͤndlicher bericht / So sich durch den gerechten Zorn GOttes des hoͤchsten begeben hat / in Francken Lande / sonderlich vmb die Stadt Wertta / am Meyn / deßgleichen auch Bischoffsheim / Hildefeldt / Lengefeldt / Klingenberg / Ascheburg vnnd Muͤldeberg / Auch vmb andere vmbliegende Flecken vnd Doͤrfferr / wie alda gewaltige Schlossen gefallen / eins theils gewogen 3. pfund / zu vierdthalb pfunden / sehr grossen schaden gethan / sonderlich in den Wein⸗ bergen / Auch in den Gebaͤuden die Fenster zerschla⸗ gen / die Ziegel auff den Daͤchern. Nach denselben auch grosse Wolckenbruͤche nider gangen / eine gros⸗ se anzahl Menschen vnd Vieh erseuffet / Wie jr denn auß diesem Gesang sollet weiter berichtet wer⸗ den. Geschehen den 5. Augusti dieses 1609. Jahrs. Jm Thon: Da Jesus an dem Creutze stund / rc. Sampt zweyen geistli⸗ chen Liedern. Erstlich gedruckt zu Franckfurt an Mayn / durch Sigmund Ladomum / 1609. ACh Gott Vater im Hoͤchsten Thron / Jch bitt durch Christum deinen Sohn / Verley mir deine gnade / Daß ich mag kuͤrtzlich thun bericht / von deinen Wunderthaten. Dieses Tausend sechs hundert vnd neun⸗ ten Jars den 5. Augusti mit grosser klag / hat sich das zugetragen / darumb merckt drauf jr Christen all / die warheit thue ich euch sagen. Alß es kam gegen den Abend spat / Erhub sich jammer vnd grosse noth / viel Menschen wolten verzagen / Von wegen der schreckli⸗ chen straffe groß / Nun mercket drauff mit klagen. Es Donnert vnd Blitzt so schrecklich sehr / Es warff Schlossen vierdhalb Pfundig schwer / groͤsser vnd kleiner darunter / Gesich⸗ ter sahe man darinnen stahn / Jederman thet sich verwundern. Jn den Weinbergen wie ich euch meld / schlugs alles darnieder in dem weiten Feld / auff etliche Meil gar ebẽ / O Christ thue dich zur Busse geben / fuͤhr nicht so ein gottloß Leben. Die Baͤum es sehr verderbet hat / nicht außzusprechen ist der schad / so damals ist ge⸗ schehen / vmb die Stad Wertta vñ Bischoffs⸗ heim / Carlstadt vnd Arlstein darneben. Zu Muͤldeberg wol in der Stadt / solchen schaden man auch vernommen hat / zu Asche⸗ burg auch dergleichen / Es war da keine ver⸗ schonung nicht / bey Armen vnd bey reichen. Jn Flecken vnd Doͤrffern auch zuhand / hin vnd wieder in dem Francken Land / thets Fenster vnd Daͤcher zerschlagen / O Jesu Christe Gottes Sohn / wie hoͤrt man schreyẽ vnd klagen. Fuͤnff vnd Neuntzig Personen wie ich euch meld / Erschlugen die Schlossen auff dem Feld / viel hundert stuͤck Vieh darneben / Ach merckt doch auff jhr Christen all / Viel schad ist mehr geschehen. Alßbald fiengs an zu regnen sehr / Die Wasser je lenger vnd je mehr / theten sich gar hoch ergiessen / An vielen Orten vnd Enden frey / thet das Getreydig weg fliessen. Eine Wolckenbruch vom Himmel gieng / Manch Mensch sehr an zu weinen fieng / Gar viel Menschen musten verderben / Jn dieser schrecklichen Wassersnoth / schnell vn⸗ versehens sterben. Die Menschen sahe man in gemein / in dem Wasser schwimmen groß vnd klein / von Man / Weib / Kind vnd Frawen / Manche Mutter hett jhr Kind auff jhrem Arm / Es war schrecklich zu schawen. Kleine Kinder in Wiegen geschwom⸗ men kamen / das haben gesehen Frawen vnd Man / Die Menschen theten schreyen vnnd gelffen / sie baten vmb Christi fuͤnff Wunden roth / man solt jhnen doch helffen. Kein huͤlffe konte sein zur selbẽ zeit / sie mu⸗ sten alle mit jammer vnd leyd / gar elendig er⸗ trencken / es ist kein Man so alt alß er wolle / der solches thut gedencken. Gar grosse Bruͤcken vnd steg / fuhrte das Wasser auch hinweg / thet auch viel Weinberge verschlemmen / grosse baͤume riß es auch auß der Erd / viel Getreyd thets auch mitnehmen. Schoͤne Ecker vnd Wiesen mit grosser klag / verderbt das Wasser denselbigen Tag / viel Vieh must auch ersauffen / die zahl nicht außzusprechen ist / das dem Wasser nicht kont entlauffen. Dritthalb hundert Menschen in der summ / Jm Wasser allda sind vmbgekom̄en / vnd von den Schlossen erschlagen / Stehe vns doch bey HErr Jesu Christ / daß wir nicht gar verzagen. Wenn Gott einem Land jetzt Wunder zuschickt / vnd wenn es nicht ein jeder sicht / So wil s niemand glauben / Biß daß die straffe nimbt vberhand / darnach wirds vns erst rewen. Solch hertzeleyd vnd grosse noth / laß dichs erbarmen O trewer Gott / Laß dein vaͤterli⸗ ches Hertz offen / Troͤst sie O Gott durch dein heiligen Geist / alle dies hat betroffen. Ach Hoͤchster Gott wir ruffen dich an / Du wollest vns huͤlff vnd beystand thun / daß wir nicht gar verzagen / was wir bitten in deinem Namen / wirstu vns nicht versagen. Nun last vns bitten all zugleich / Daß vns Gott helff ins Himmelreich / zu ehren seinen Namen / last vns Gott loben in alle ewigkeit / durch Jesum Christum / Amen. Das Ander Lied. MEin Gott vnd HErr stehe du mir bey / weñ ich soll scheiden von hiñen / auß dieser Welt ins Himmels Saal / hilff mir Herr Christ gewinnen / ich bitte dich auß hertzen grund / wolst mir meine Suͤnd verzeyhen / vnnd mich fuͤhren an rechter Bahn / wol in dein Erb vnd eigen. Ach Jesulein mein hoͤchster Schatz / nun trawer ich hefftig sehre / weñ ich die Welt verlassen sol / durch deinen Geist mich lehre / das ich dem Sathan wider⸗ streb / vnd meinen boͤsen Gedancken damit der Feind setzet an mich / hilff HErr das ich nicht wancke. Betruͤbt euch nicht spricht Jesus Christ / warumb thut jhr so zagen / Jch wil hinunter zu der Hell / mich mit dem Sathan schlagen / Da wil ich als ein tapffer Held / fuͤr meine Schaͤflein streben / vnnd euch auch fuͤhren in mein Reich / zu dem ewigen Leben. O JEsu Christ vnd GOttes Sohn / wo soll ich mich hinkehren? Wann ich von dir abweichen soll / mein trawren wil sich mehren / aber du bist auß gros⸗ ser Lieb / fuͤr vns in Todt gegeben / dein Aufferstehen vnd Himmelfahrt / bringt vns allen das Leben. Jch wil mich nun ein kleine Zeit / vnter die Feinde geben / nach meines lieben Vaters willn / wider den Sathan streben / der alten Schlangen jhren Kopff / vnd all Anschlaͤg verwenden / daß er sein falsche Tuͤck vnd list / nicht eines soll vollenden / Kan es denn jetzt nicht anders seyn / so wil ich mich bereiten zu wandern nach deß Himmels Thron in die ewige Frewde / die mir Christus erworben hat / durch sein Leyden vnnd Sterben / vnnd vns mit allen Engelein / seins Reichs gemacht zu erben. Gesegne dich GOtt du schnoͤde Welt / allhier auff dieser Erden / Jch hab nur lust zu scheiden ab / vund von dannen zukehren / in daß ewige Vaterland / das mir Christus erworben / vnd an deß heiligen Creutzes Stamm / fuͤr meine Suͤnde gestorben. Bewar dich Gott all Frewd vnd Luft / darnach die Welt thut streben / allhier hab ich gar keine lust / im Jam̄erthal zu leben / Jch wil durchdringen als ein Held / mit dein heiligen fuͤnff Wunden / dardurch du als ein Siegesfuͤrst / dem Todt sein gewalt genom̄en. Noch eins koͤmpt mir jetzt in Sinn / JEsu mein Trost auff Erden / das ich allhier in dieser Welt / ge⸗ fuͤhrt ein gottloß Leben / doch troͤst ich mich deiner zu⸗ sag / die du HErr Christ versprochen / wirst du von Suͤnden Busse thun / solche werden nicht gerochen. Darauff baw ich zu aller Stund / vnnd scheid mit frewd vnnd Wonne / in das ewige Paradeiß / wol in deß Himmels Throne / Mit allen lieben Engelein / in grossen Frewden Leben / Bey der heiligen Dreyfal⸗ tigkeit / in Majestet vnd Ehren. Das helff vnns allen JEsus Christ / der fuͤr vns ist gestorben / vnd vns die Kron der Seligkeit / durch seinen Todt erworben / der woll vns fuͤhren auß allem Leyd / zu ehren seinen Namen / in die ewige Seligkeit / wer das begehrt sprech Amen. Das Dritte Lied. ALlein du mein HErr Jesu Christ / kanst mei⸗ nen kummer wenden: Todt / Leben / Gluͤck vnd Vngesell / steht alles in deinen Haͤnden. Vnd weil denn sonst kein Heyland ist / Bey dem ich Trost mag finden: Als bey meim lieben HErrn Jesu Christ / Der kan mich von Suͤnden entbinden. Dem Teuffel nimpt er sein gewalt / Er kan mich nicht verletzen: Warumb wolt ich nicht Tag vnnd Nacht / Mein vertrawen zu Christo setzen. Kein Lieb noch Leid sol nemen mir / Christum aus meinem Hertzen: Darumb komm ich HErr Christ zu dir / Wend mir mein Leid vnnd schmertzen. Vnd gib mir was mir nuͤtzlich ist / An Leib / Seel / Gut / vnd Ehre: Den Glauben an dich HErr Jesu Christ / Wolestu mir reichlich mehren. So wil ich fest biß an mein End / auff deine Guͤte bawen: Vnd auff dich mein HErr JEsu Christ / setzen all mein Vertrawen. Wenn ich einmal abscheiden soll / aus dieser Welt von hinnen: Troͤst mich am letzten Leiden mein / sterck mir Hertz Muth vnd Sinnen. Laß mich fein sanfft vnd seliglich / entschlaffen inn deinem Namen: Biß deine Posaunen wecken mich / zum ewigen Leben / Amen. Show less

Einsturz eines Hauses bei einer Hochzeitsfeier, Erfurt, 1609; Kriegsheer, aus den Wolken geboren
Zwo Erschoͤckliche / jaͤmmerliche vnd warhafftige Zeitung. Die erst Von dem grausamen Vngluͤck vnd Jammer so zu Erdfurt ge⸗ schehen / wie eins Burgers Hauß / mit Hoch⸗ zeitleuten / fast bey zwantzig Tisch voll Leut / darunder fuͤr⸗ neme Herren vnnd Personen gewesen / ploͤtzlich eingefallen /... Show more Zwo Erschoͤckliche / jaͤmmerliche vnd warhafftige Zeitung. Die erst Von dem grausamen Vngluͤck vnd Jammer so zu Erdfurt ge⸗ schehen / wie eins Burgers Hauß / mit Hoch⸗ zeitleuten / fast bey zwantzig Tisch voll Leut / darunder fuͤr⸗ neme Herren vnnd Personen gewesen / ploͤtzlich eingefallen / da als⸗ bald uͤber die 20. Personen todt geblieben / die andern aber an jhren Gliedern sehr schadhafft worden / Geschehen den 6. Fe⸗ bruarij / dieses 1609. Jahrs. Die Ander. Welche sich in Frankreich / im Land Ango⸗ ulmois / kurtz vor dem jetzigen Neuen Jahr begeben / da man bey hellen Tag am Firmament deß Himmels ein anzahl kleine Wol⸗ cken gesehen / welche sich allgemach auff die Erden gelassen / daraus dann bald ein wolgebutztes Kriegsheer zu Roß vnd Fuß worden ist / welches viel tausend Menschen in derselben Refier mit forcht vnd schrecken gesehen. Deutscher Nation zu einer treuhertzigen warnung / auß dem Frantzoͤß⸗ ischen Exemplar in hoch teutsch gebracht / vnd in ein Gesang verfast. MAn pflegt in gmeinem Sprichwort zu re⸗ den (geliebter Leser) Es ist selten ein freud / es folgt bald drauff ein leyd / oder wañ ein Vngluͤck komen soll / so triffts so bald den fromen vnd vnschuldigen / als den Gott⸗ losen vnd boͤsen / vñ muß der frome deß boͤsen entgelten. Wie dañ jetzt den verloffnen 6. Februarij dises 1609. Jahrs sich ein vnerhoͤrtes grosses vngluͤck in der Stadt Erdfurt bege⸗ ben : Nach dem ein fuͤrnemer Burger allda Fridrich Nickel genannt / vnd gegen der Wag uͤber wonhafft / seine Tochter verheyrat / vnd ein froͤliche Hochzeit hat woͤllen halten / als er num noch drey tag auff den Hochzeitlichen Tag gehabt / vnd viel fuͤrneme Herren vnd Frawen darzu beruffen wor⸗ den / hat obgemelter Burger / einen Zimmerman das Hauß besehen lassen / vnd jn gefragt / ob es auch den Last vonn den Hochzeitleuten ertragen moͤge / dann er muͤste inn zweyen Stuben / welche obeinander / 20. Tisch besetzen? Der Zim⸗ merman darauff geantwort / seinem beduncken nach / werde es den last wol ertragen vnd außhalten / daruͤber der Bur⸗ ger wider gesprochen : Ey wil es nicht halten / so fall es ins Teuffels Namen / welches fuͤrwar ein boͤse red / vnd schlime antwort gewesen. Da nun der Hochzeittag erschienen / vnd zur Kirchen gangen seyn / haben sie vor der Malzeit etliche Reyen getantzet / vnd mit solchem tantzen vnd springen das Hauß erschuͤttert vnd bewegt / (dann es gar alt vnd baufel lig gewesen / ) daß es sich allgmach gesencket hat / in solchem ist ein Mann / doch frembd vnd vnbekannt / hinein kom̄en / zu jnen gesprochen / sie sollen sich auß dem Hauß machen / dann es werde nicht bestehn / sondern uͤber hauffen fallen / welches sie aber nicht geacht / sondern fortan getantzet vnd froͤlich gewesen / auff dieses ist der Man als bald nit gese⸗ hen worden / (mag wol vielleicht ein guter Engel gewest seyn / ) als nun die Hochzeitgest vnnd fuͤrneme Herren zu Tisch gesessen / froͤlich vnnd auffs best mit einander gelebt / vnd es zwischen 3. vnnd 4. Vhren / nach Mittag gewesen / seind in einem hui / ploͤtzlich die zwo Stuben uͤber einander / mit sampt dem Tach / vnnd allen Personen so da gewesen / uͤberhauffen gefallen. Da kan ein Christlich Hertz geden⸗ cken / was fuͤr ein winseln vnnd wehklagen mag gewesen seyn / daß nicht darvon zu sagen ist / vonn allem Volck so fuͤ⸗ ruͤber gangen / vnnd nahe darbey gewesen / welche alle er⸗ baͤrmlich geschryen vnd wehgeklaget haben / da dann als⸗ balden uͤber 20. Personen / sampt der Braut todt geblie⸗ ben / seind auch uͤber die 20. sehr an jhren Gliedern besche⸗ diget worden / etlichen seyen die Bein abgebrochen / wie auch gleichßfalls dem Wirt im Hauß seine zwey Bein sind abgeschlagen worden. Jn solchem jamer vnd purtzeln ist ein klein Kind zum Fenster hinauß auff die Gassen ge⸗ worffen worden / welches wol bey leben blieben / aber doch schaden am Gesichte empfangen hat. Es ist auch ein Tisch vol Jungfrawen dar unter gewesen / als sie solches krachen vnd prasseln gehoͤrt / seyen sie alsbalden darvon geflohen / doch eine vnter jhnen hat bleiben vnd sterben muͤssen. Jn solchem vngluͤck vnd schroͤcklichem jam̄er / hat Gott seinen⸗ Engel gesandt / welcher ein klein seugend Kind errett / vnnd bey Leben erhalten hat / dann ein Magd hat jhrer Frauen Kind dahin gebracht / die Muttet hatt solches an die Bruͤst gelegt / vnd geseuget / vnd sind also miteinander in solchem jammer auch uͤber hauffen gefallen / da man nun wegge ⸗ raumet / hat man die Frauen / sampt der Magd todt gefun⸗ den / das jung seugend Kind aber / (sampt einem Englischẽ / vnnd einem kleinen Hund / ) noch lebendig gefunden wor⸗ den / darbey zu sehen / daß Gott die seinigen nicht verlest. Es ist in solchem jammer vnnd gelauff / viel Silbergeschmeid / Zin vnnd ander koͤstliche sachen verloren worden / da man wenig darvon weiß / oder wider bringet. Was aber im ab vnd hinweg raumen ist gefunden worden / als von Maͤn⸗ teln / stattlichen Huͤten vnd Kleidern / silbern Tolchen vnd Messerscheiden / das wird in ein besonder Kammer verwa⸗ ret / vnd gibt es einem jedẽ / so es zustendig / getreulich wider. Die Personen / so erschlagen vnnd todt geblieben / hat man in jren Kleydern vnd Hochzeitlichem Schmuck / Christlich zur Erden bestettiget / GOtt woͤlle jnen vnnd vns allen ein froͤliche vrstend durch Jesum Christum verleyhen / Amen. Geliebter Leser / diesen erschroͤcklichen jammer vnd vn⸗ gluͤck magstu wol zu Hertzen fassen / dich Abends vnnd Morgens dem Allmaͤchtigen GOtt trewlich befehlen / mit rechtem ernstlichem gebet zu jm ruͤffen / das schoͤne Spruͤch⸗ lein Davids im 121. Psalm: (Der HErr behuͤte deinen / Außgang vnd Eingang von nun an biß in Ewigkeit / ) in deinem Hertzen einpflantzen / so wird er dich vnd deine Seele / vor allem uͤbel behuͤten / mit langem Leben befristen / vnd dir sein Heyl zeigen / AMEN. Die ander Zeitung. Jm thon: Kompt her zu mir spricht GOTTES Sohn. O Christen Mensch merck auff betracht / wie Gott der Herr bey Tag vnnd Nacht / lest sehen Wunder vnnd Zeichen / kein Jahr jetzund fuͤruͤber gaht / da mann nicht wunder gsehen hat / vnd noch teglich dergleichen. Dann wist wie das vor einem Jahr / ein gar sehr kalter Winter war / viel Leut sind da erfroren / insonderheit das arme Gsind / erfroͤrt von Mann / auch Weib vnnd Kind / deut an den GOTTES Zoren. Auff diß hat man auch gsehen gwiß / im nechst verloff⸗ nen Octobris / ein Wasserflut so grosse / welche viel Doͤrf⸗ fer / Schloͤsser starck / Felder / Muͤhlen / Haͤuser vnnd Marck / zerrissen / vund vmbgstossen. Der Fluß so sich ergossen hat / Loyra den Namen hat / in Franckreich starck thut riñen / viel Brucken fest groß vnte klein / viel tausend Menschen auch Kinderlein / im Wasser man sah schwimmen. Gar vnversehens hinweg gefuͤhrt / die Goͤttlich straff dabey man spuͤrt / durch vnser Gottloß Leben / weil wir von solchem nit abstahn / so hat GOTT noch mehr sehen lan / hoͤrt was sich hat begeben. Ein Land im Franckreich wol bekannt / Angoulmois mit Nam genant / drinn sah man diß Gesichte / beim hellen Tag am Firmament / hernach am Erdboden behendt / wie ich euch will berichten. Gar kurtz jetzt vor dem Neuen Jahr / sah man am Him⸗ mel lauter klar / ein anzahl Wolcken kleine / die liessen sich zur Erd algmach / so bald sies erreichten darnach / wurdens Menschen gar ferne. Schoͤn vnd gerad Personen all / der wurden gschetzt zu diesem mal / 12000. allersander / jre Waffen waren Blau⸗ glentzend schon / thetten in feiner orden gan / ein hauffen nach dem andern. Jre Faͤndrich so die Faͤhnlein trugen / jre Fannen gleich halb vmb sich schlugen / vonn Farben blau vnnd rote / die Drumelschlaͤger auch her traten / jr Drumelauff den Ach⸗ seln hatten / zogen daher ohn nothe. Jhr Feldherr auch vor jhnen ritt / vngfehr etwa bey ze⸗ hen schritt / grosser Person er ware / dieser Heerzug gieng durchs Flachfeld / in feiner Kriegsordnung ich meld / doch eylend immerdare. Adelspersonen zu der Zeit / wie auch viel Buͤrger vnnd Bauersleut / Nachbarn vnnd auch gefreundten / daruͤber all erschracken gar / schroͤcklich es anzusehen war / denn sie nicht anders meinten. Es thet ein rechter Heerzug seyn / lieffen in jhre Haͤuser ein / vnnd fleheten das beste / in Schloͤsser / oͤrter wol ver⸗ wart / in Kirchen / Kloͤßter / zu der fart / vlel Edelleut so veste. Auff jhre Pferd bald sassen sie / vnd ritten nach von fer⸗ ne die / solches recht zu erkunden / als aber diser Zug allsam / zu eim außghauenen Hoͤltzlein kam / so hoͤret zu den stundẽ. Da haben sie von der Erden sich / ohn alle hindernuß uͤbersich / in alle hoͤch auffghoben / daß sie mit jhren Fuͤssen klein / die gipffel der jungen Baͤumelein / erreichten vnnd giengen oben. Damit sie blieben vnzertrent / hernach sie bald am sel⸗ ben end / kamen zur Erden wider / vnnd giengen also weiter fort / biß daß sie zu eim Walde dort / kamen da dañ ein jeder. Verschwand vnnd sich verlieren thet / daß sie auch an derselben stett / nicht mehr wurden gesehen / die Ritterschafft folat jnen nach / zuerforschen doch die rechte sach / kunden doch nichts nit sehen. Also habt jhr ein kurtzen bericht / der seltzam nie erhoͤr⸗ ten Gsicht / welch in der eyl sind zogen / gleich obs ein groß Werck hetten sie / zuverrichten solchs eylend hie / ist war vnd nicht erlogen. Dise Geschicht wurd bald zugleich / zugschickt dem Koͤ⸗ nig in Franckreich / es haben sich vnterschriben / 300. fuͤr⸗ neme Person / mit eigner Hand / daß jederman / moͤg glau⸗ ben das jhr lieben. Die Glerten vnd Astronomi / ob sie gleich sind verstaͤn⸗ dig die / koͤnnen sie doch nichts deutẽ / was doch diß mit sich bringen mag / deß sollen wir GoTT alle Tag / bitten zu die⸗ sen zeiten. Er woͤll sein zorn wenden bald / damit wir nicht greuli⸗ cher gstalt / moͤchten gestraffet werden / wann wir solchs thun / wil GOTT der HERR / abwenden alle Straffen schwer / vnser schonen auff Erden / AMEN. Gedruckt zu Muͤlhausen. Jm 1609. Jar. Show less

Krieg in Ermershausen; Klaglied, 1610
Zwey neuͦe Lie⸗ der / Das Erste / Von dem Kriege zu Armerhausen in Hun⸗ gerlandt / vnd ist in deß Linden⸗ schmiedes Thon. Das Ander Lied / Ach wie mit grossem Hertzenleyd / muß ich dich meyden thon / etc. Gedruckt / im Jahr. 1610 HOrt zu jhr Herren in der still / was ich euch sagen vnd... Show more Zwey neuͦe Lie⸗ der / Das Erste / Von dem Kriege zu Armerhausen in Hun⸗ gerlandt / vnd ist in deß Linden⸗ schmiedes Thon. Das Ander Lied / Ach wie mit grossem Hertzenleyd / muß ich dich meyden thon / etc. Gedruckt / im Jahr. 1610 HOrt zu jhr Herren in der still / was ich euch sagen vnd melden wil / wolt mirs nicht vor vngut halten / ist kurtz⸗ weilig vnd ernst dabey / nun mercket Jung vnd Alten. Es ligt ein Stadt in Hungerlandt / Ar⸗ merhausen ist sie genandt / da wohnen vil der frembden Geste / von allem Handel findt man da / sie haben nicht viel zum besten. Da ligt der Herr von Nichthaben / der hat sich beschantzt vnd fest begraben / gegen dem Winter kalte / wer etwas im vorrath hat der mag es gar wol behalten. Darumb die verdorben Kauffleut / die nichst haben / vnd viel schuͤldig seind / vnd das jr muͤssen verkauffen / das Faͤhnlein ist auffge⸗ richt / macht euch nach dem grossen Hauffen. Die verdorbnen Wirth sollen Hauptleut. sein / die Muͤller fuͤren das Faͤhnlein / die Be⸗ cken ohne Meel / die Bierbrawer ohne Maltz / muͤsse alle mit zum theilen. All Handwercker muͤssen auch dahin / die nicht haben gut gewin / die das jhre versauffẽ vnd verspielen / vnd feyhren gern den guten Montag / derselben sind gar viele. Verdorben Goldschmied last euch ein⸗ schriebenn / Schmied / Schloͤsser wolt nicht aussen bleiben / Kannengiesser / Haffner / Schwertfeger / die lieber feyren den arbeiten thun / Nadler / Glaser vnd Platenschleger. Mawrer / Steinhawer vnd Bawersleut / die gerne Feyrabend machen bey zeit / Straß⸗ macher vnd Steindecker / wenn sie zusamen kommen zum Wein / sind sie gut Kannen flicker. Verdorbenn Tuchscherer / Ferber vnnd Schneider / auch Knappen / Leinweber es gilt euch leider / Hutmacher die kein Wolln nicht haben / muͤssen auch in Armerhausen Krieg / mit allen versoffnen Knaben. Kuͤrschner / Satler / Beutler vnd Riemer sy sinnd eins theils gar gute Schlemmer / die Schuster ohne Leder / gehoͤrn all vnter einen hauffen / denn sie lauffen weit hin vnd wider. Wagner / Schreiner vnd Faßbinder / dar⸗ unter hats auch versoffne Kinder Exempler die nichts haben zuuerkauffen / Seyler vnnd Muͤssiggenger geschwind / muͤssenn alle noch Armerhausen lauffen. Die Metzger muͤssen auch daran / die gar nichts mehr zu metzgen han / sie muͤssen in dem Lager kochen hat er nicht ein schweren Beutel mit Gelt / kein Vieh darff er nicht suchen. Verderben Apotecker vnd Balbirer / Arzt Steinschneider vnd storirer Feldscherer sind auch bescheiden / verdoruen Schreiber schick euch bey zeiten / so kriegt jhr mit von den Beu⸗ ten. Papirer / Buchbinder / Clausurmacher Bildenschnitzer / das sind auch etliche gute Ne⸗ tzer / wenn sie denn nichts mehr haben / der Beutel hat gewunnen ein loch / nach Armer⸗ hausen muͤssens traben. Schipffer fahren ohn Ruder vnd Mast / ein Fischer ohn Netz ist einn armer Gast / die Fuhrleut ohn Wagen vnd Pferden / fahren all nach Armerhausen / sie kriegen gute Ge⸗ ferden. Die verdorben Kraͤmer alle gemeinn / die sollen Marcketender sein thut euch nicht lang bedencken / die zehrung ist groß / der Verdenst ist klein / da gehet viel auffs Getrencke. Singer vnd Springer / Spilleut gemein sollen des Hauptmans Schuͤtzenn seinn / die Kemmetfeger sollen die Mawren besteigen / da sind jhr noch viel daraus / die muß ick auch anzeigen. Die Bawren muͤssen auch daran / die Huͤß vnnd Hoff versoffenn hann / mann muß sie in das Lager haben / Drescher / Stroschnei⸗ der vnnd Holtzhawer / muͤssen die Schantzen graben. Noch sind viel verdorben Soͤhnlein / die Vader vnd Mutter nicht gehorsam sein vnd thun jhrer Eltern Gut verschwinden / wenn sie kommen gen Armerhausen / so thun sie es erst befinden. Hans nimmer gut sol Fuͤhrer seinn / vber die leichtfertigen Frewlein / die nach zucht vnd Ehr nicht fragen lauffen in der Bubengassen ein / den Troß muͤssen sie tragen. Wer sich schickt in diesen Krieg also / der verkauff seyn Bett vnd schlaff im Stro / vnd Zu das Gelt versauffen / verspiel die Kleider vnd die Schuh / so kon er desto besser lauffen. Man sol eim jedern bezalen wol / er kriegt den Mond vier Wochen vosll / gut Beut thut man jhm schencken / Hunger vnd Durst vnnd grossen Frost / gut Wasser muͦß man trincken. Wer in diesen Krieg nicht will hinein / der treib sien Handel richtig vnd fein / so darff er nicht entlauffen / Ein jeder sey gewarnet mit Fleiß / vor dem Krieg von Armerhausen. Das Ander Lied. ACh wie mit grostem Hertzenleid / muß ich dich meyden thon / du Edles Bild vnd keusche magd / du aller Ehrn kron mit gar vil schmertz ist mir min hertz verwunt beth in den Tod / ach weh / ach weh der grossen noth / ach grosses Hertzenleyd / wan ich dich se⸗ he fuͤrüͤber gahn vnd doͤrffẽ nit redẽ wir beyd. Mein außerwoͤhlte guldene Blum / weill daß vnstette guͤck / vnser lieb nit mer gibt rum sordern wend sick tho ruͤck / laß jmmer sein / Gott weiß allein / wie es sich wenden wird / er weiß allein / wie es muß sein / es sy boͤß oder gut darũ wy gern leydẽ wollẽ biß es sich wẽtn thut. Erstlich war vnser Leib allzeit / in zucht vnd ehr allein / welches geschach mit grosser frewd/ auffsbest als moͤchte sein / ist als dahin / wer lust vnd gwin / wie suͤß sie immer war / gar alle sach wie der Reiff auff dach / muß jetzt verschwundẽ sein / von wegen der / weist wol wer / vnd ken⸗ nest sie allein. Liebelich bistu zu schawen an / du außer⸗ woͤhltes Kind / deins gleichen ich nie gesehen hab / so hurtig vnd geschwind / tugendtreich / duͤnck mich deins gleich / auff Erd nie war ge⸗ born / wie schoͤn dein gstalt / gar manigfalt / vo meinen Augen ist / wañ ich allein / gedencke deine / so weiß ich wie du bist. Es leuchten deine augelein / klar wie Car⸗ funckelstein / deßgleichen deine Wengelein/ rot wie scharlach roͤßlen / dein gantze gstalt / gar manigfalt / ich niemands gleichen kan / du leuchst fuͤrwar / so schoͤn vnd klar / gleich wie der Sonnenschein / wolt Gott ich solt erleben die stund / bey dir zu sein allein. Jetzt weiß ich erst was Lieb vermag / doch wens von Hertzen geht / wie sie thut schmertzen nacht vnd tag / sol sein verruͤckt / ach trewer Gott / der zeitlich Tod / vil ehe zu wuͤnd⸗ schen wer / als sehen than / fuͤrvber gahn / nicht doͤrffen reden an daß ist ein schmertz / der tringt durchs Hertz / daß niemandt glauben kan. Zeittlicher Tod offt scheyden thut / mit gros⸗ sem schmertz zwey Lieb / kan doch nit sein so groß vnmut / als wans beynander bleib / vnd doͤrffte doch / jetzt vnd auch noch / keins das ander reden an / das ist ein schmertz / der tringt durchs Hertz / wer solches versuchet hat / gewiß⸗ lich doch / sag ich auch noch / vil lieber wer der Tod. Jn stetter Lieb ich bleiben will / deß gleichen du allzeit / vnd wern der Kleffer noch so vil / vnd brecht jhn grosses leyd / so wil ich doch jetzt vnd auch noch / nimmer vergessen dein / allein bitt ich / Hertzlieb auch dich / wollst nicht verges⸗ mein / zu aller zeit / dem Kleffer zu Neyd / laß mich der liebste sein. Er ist kein Glied an meinem Leib welches dir feind koͤnd sein / von wegen deines keuschen Leibs ach trewer Schatz allein / fuͤrwar ich sag bey nacht vnd tag / bistu in meinem Sinn / mein Hertz vnnd Gmuͤth / stetts nach dir wuͤt das glaub gewißlich mir / in meinem Muth / kein tropffen Blut / der sich nit sehnt nach dir. Recht sehr thut mir zu Hertzen gahn / Hertzlieb daß meyden dein / das ich dich muß verlassen thon ohne schuld mein vnd dein / weil wir allzeit / in Lieb vnd Leyd / zuͤchtig gewesen sein / das macht allein / Hertzliebste mein / der Klaͤffer neyd vnnd haß / doch hoff ich Gott / wird dise noth / an jn nit rechen baß. Nun bitt ich dich mein Sonnenschein / du auß⸗ erwaͤhltes Hertz wollst allezeit gedenckẽ mein / vnd treiben keinen schertz / gibets Gott vnd auch die zeit so wird sich vnser Leyd / vmbkehren gesch⸗ wind / gleich wie der Wind im augenblick bereit sich vnser schmertz / in pien vnd Hertz / verkehr thon in frewd. Jetzund wil ich beschliessen than / meit Klaglied vnnd gedicht / obs gleich eim moͤcht verdriessen thon / so acht ich es doch nit / hoff endlich auch be⸗ zeit / die kommen wird mit freud / das nach den Rath durch Gottes sag / der helle Sonnenschein / wird scheinẽ mir / deßglechẽ / vnd werdẽ sein allein. Nun bewahre dich der terwe Gott / du mein her⸗ tziger Schatz / diß Liedlien hab ich dir gemacht / wider dem Neyd vnd Haß / der klaͤrffelchen Rott / nu gesegne dich Gott / du bleibst mein Muͤndelin / roth / daß glaub gwiß mir / als ich thu dir / vil be⸗ der ich den Tod emfinden wolt / ja wenn ich sols nit sein in deiner Gnad. Show less

Von einem Schuster und einem Juncker, Krembs
Ein schoͤn new kurtzweilig Lied / zu lesen vnd zu singen. Von einem Edelman vnd einem Schumacher / Welchs ge⸗ schehen ist in der Stadt Krembs. Jm Thon: Wie man den Lindenschmidt finget / etc. HOrt zu jr Herrn groß vnd klein / Jch wil euch singen ein Liedlein fein / Jch hoff mir sol... Show more Ein schoͤn new kurtzweilig Lied / zu lesen vnd zu singen. Von einem Edelman vnd einem Schumacher / Welchs ge⸗ schehen ist in der Stadt Krembs. Jm Thon: Wie man den Lindenschmidt finget / etc. HOrt zu jr Herrn groß vnd klein / Jch wil euch singen ein Liedlein fein / Jch hoff mir sol gelingen / Von einem Schuster vnd Edelman / Dauon wil ich euch singen. Der Schuster het ein schoͤnes Weib / Die war gar schoͤn vnd stoltz von Leib / Sie leuchtet wie die Sterne / Ein Edelman der tracht jhr nach / Vnd sah sie auch gar gerne. Der Juncker der gieng ein vnd auß / Gar offt in des Schusters Hauß / Er thet sie freundlich schawen / Es war jm vmb den Schuster nicht / Es war nur vmb sein Frawen. Der Schuster dacht in seinem muth / Der Juncker ist mir warlich gut / Er war schlecht in den sachen / Stieffeln / Schuh vnd was er bedorfft / Lies er jm alles machen. Der Juncker kam offt in der eyl / Vnd machet gar gute kurtzweil / Thet mit dem Schuster kosen / Vnd gab der Frawen manchen blick / Der Knecht thet darauff losen. Der Knecht der dacht in seim Hertzen / Wie gschicht so manches grosses schertzen / So gar ohn alle sorgen / Wie ist so mancher arger list / Jn den Frawen verborgen. Der Knecht wol zu dem Meister sprach / es steht nicht recht vmb ewr sach / Sag ich auff guten trawen / Dir Edelman koͤmpt nicht vmbsonst / Er bult mit ewer Frawen. Der Meister erschrack der newen Meer / Er sprach zu dem Knecht vngefehr / Wie wuͤrd ich das geware / Du must mir geben guten Rath / Daß ich es thu erfahren. Der Knecht sprach / fordert an schuld⸗(nern gelt / Vnd sprecht jr muͤsset vber felt / Auff einen Jarmarckt lauffen / Auch dringe jetzund die noth darzu / Leder must jhr thun kauffen. Darnach versteckt euch in dem Hauß / Vnd halt euch fast still wie ein Mauß / So erfart jhr die sachen / Wie das euch ewer Frawe schon / Zu eim Narren hat thun machen. Der Meister thet nach des Knechts rath / Im Hauß er sich verstecket drat / Die Fraw thet sich lustig machen / Sie meint jr Mann wer auff dem marckt / Der Juncker vernam die sachen. Auff den Abent wart er nicht lang / Jns Schusters Hauß nam er sein gang / Und seumet sich nicht lange / Die Fraw wartet jhm auff den dienst / Thet jhn gar schon empfangen. Sie giengen zu Bett nach jrem willen / Vnd hetten da der kurtzweil vielln / Jhren lust theten sie buͤssen / Der Schuster vor der Kammer stund / Es thet jn vbel verdriessen. Jhr beyder lust der war gebuͤst / Der Schuster in die Kammer wischt / Er fand sie beyde schlaffend / Er dacht gar offt in seinem mut / Wie sol ich den handel schaffen. Erstich ichs beyde / was hilfft mich das / Jch wil sie anders straffen baß / Es muß mir kommen zu stewre / Er zog bald seine Kleider aus / Hoͤrt zu der Ebenthewre. Er legt sie nider fuͤr sein Beth / Der Edelman schoͤne kleider het / Die zog er an mit sitten / Vnd band die Wehr an seine Seit / Aus dem Haus thet er treten. Vnd klopffet vor des Edelmans Thor / Da stund der Knecht vnd wartet dauor / Vnd thet bald auff geschwinde / Sprach Juncker wo bleibt jhr so lang / Sol ich ein Liecht anzuͤnden. Er sprach du solt es bleiben lan / Jch kan wol finstern schlaffen gan / Fuͤhr mich in mein gemache / Vnd ziehe mich behende aus / Das mein Fraw nur nicht erwache. Es gefiel der Frawen von Hertzen wol / Sie dacht wie ist mein Juncker so schnell / Es nam sie heimlich wunder / Das jhr Juncker so hurtig war. Der Schuster macht sich fein munter. Die Fraw sprach lieber Juncker mein / Vie thut jhr jetzt so hurtig sein / Wie sol ich es vergelten / Kuͤchlein wil ich euch backen schon / Jhr kommet mir sonst selten. Zu morgens da sich der Tag anlest / Das Frewlein schlieff also fest / Der Schuster an der Stangen / Sahe des Junckern beste Kleider da / Wol in der Kammer hangen. Dieselbige legt der Schuster an / Vnd thet bald auff die Gassen gahn / Er thet sich dapffer kleiden / Er schawet sich hinden vnd forne wol / Sie waren von Sammet vnd Seiden. Jn dem der Edelman erwacht / Der bey des Schusters Frawen lag / Er suchet in der Kammer schon / Wolt er nicht nackend gehen dauon / Des Schusters Kleider must er legen ane. Denn jm seine kleider waren entfrembd / Des er sich heimlichen schempt / Er sprach das hab jch von meim Weibe / Sol ich so auff die Bulschafft gahn / Jch wil es lassen bleiben. Er hett sein Weg auff heime genomn / Der Schuster thet jhn bald bekomn / Der Juncker erschrack sehre / Er het des Schusters Kleider an / Der Schuster gieng wie ein Herre. Er sprach gar balde wo wiltu hin / Der Schuster sprach da jhr seid gesin / Da wolt ich hin zu malen / Wo jhr hin wolt da kom ich her / Es wolt jhm nicht gefallen. Weiter sprach der Edelman / Warumb hastu meine Kleider an / Der Schuster sprach dergleiche / Es verkert sich jetzund alle ding / Einer wird arm der ander reiche. Also haben sie einander beschissen / Das einer den andern nicht kund wischen / Sie musten beyde lachen / Mancher der wil Bulen viel / Thut sich selber zu schanden machen. E N D E. Show less

Markgraf Albrechts Reise nach Frankfurt; Vom Lindenschmidt
Zwey huͤbsche newe Lieder / Das erst / Wie Marggraff Allbrecht fuͤr Franckfort gezogen ist / rc. Jm Thon / Was woͤllen wir aber heben an / rc. Das ander / von dem Edlen Lindenschmidt / rc. Getruckt bey Johann Schroͤter. WAs woͤllen wir aber hebẽ an / was woͤllen wir aber heben an / daß... Show more Zwey huͤbsche newe Lieder / Das erst / Wie Marggraff Allbrecht fuͤr Franckfort gezogen ist / rc. Jm Thon / Was woͤllen wir aber heben an / rc. Das ander / von dem Edlen Lindenschmidt / rc. Getruckt bey Johann Schroͤter. WAs woͤllen wir aber hebẽ an / was woͤllen wir aber heben an / daß best das wir gelernet han / daß best daß wir gelernet han / ein newes Lied zu singen / ja singen. Der Marggraff der schifft vbern / Rhein / Der Marggraff der schifft vbern Rhein / mit Spiessen vnd mit Schiffelein / mit Spiessen vnd mit Schiffelein / thet vbern Rhein her schweben / ja schweben. Gen Franckfort kamen die newe maͤhr / gen Franckfort kamen die ne⸗ we maͤhr / wie der Marggraff vbern Rheine wer / wie der Marggraff v⸗ bern Rheine wer / vbern Rhein da thet er schweben / ja schweben. Deß nam sich Hertzog Moritz war / deß nam sich Hertzog Moritz war / sechs tausendt setzt er auff die Pferd / acht tausend legt er neben den weg / thet auff den Marggraffen warten / ja warten. Der Marggraff ließ sein Gschuͤtz abgehn / Der Margaraff ließ sein Gschuͤtz abgehn / er schoß vber Berg vnd tieffe Thal / er schoß vil manchen stoltzen Mann / es muß gleich Gott erbarmen / ja erbarmen. Der Fendrich zu dem Hauptman sprach / der Fendrich zu dem Haupt⸗ man sprach / last vns ein kleine weyl still stahn / es seind wol sieben vber einen Mann / die Schlacht habẽ wir verlohren / ja verlohren. Der Hauptman zu dem Fendrich sprach / der Hauptman zu dem Fen⸗ rich sprach / hab gemeint du seyst ein Fendrich gut / so bistu ein verzagtes Blut / laß du dein Fendlein schwebẽ / ja schweben. Er gab dem Fendlin einẽ schwang Er gab dem Fendlin einen schwann / Er schwangs vber Feyel vnnd gruͤ⸗ nen Klee / heut Fendrich Morgen nimmermehr / beym Fendlin wil ich sterben / ja sterben. Der Fendrich der ward hart ver⸗ wundt / der Fendrich der ward hart verwundt / Nun wirdt ich jetzundt nim̄er gsund / Nun wirdt ich jetzundt nim̄er gsund / also nun muß ich ster⸗ ben / ja sterben. Wer ist der vns dz Liedlein sang / wer ist der vns diß Liedlein sang / ein freyer Landsknecht ist ers genandt / ein freyer Landsknecht ist ers ge⸗ nandt / er hats gar wol gesungen / ja gesungen Das ander Lied. ES ist nit lang das es geschah / daß man denn Lindenschmidt rheiten sah / auff einem hohen Rosse / er rheit den Rheinstrom auff vnnd ab / hat sein gar wol genossen / ja genossen. Frisch her jr lieben Gsellen mein / es muß sich nur gewaget sein / wagẽ das thut gewinnen / wir woͤllen reit⸗ ten tag vnnd nacht / biß wir ein beut gewinnen / ja gewinnen. Dem Marggraffen von Baden kamen newe maͤhr / wie man jm ins geleit gefallen wer / das thet jhn sehr verdriessen / wie bald er Junckher Caspar schreib / er solt jhm ein Reiß⸗ lin dienen / ja dienen. Junckher Casper zog dem Bewr⸗ lein ein Kappen an / er schickt jn all⸗ zeit fornen dran / wol auff die freye strassen / Ob er den Edlen Linden⸗ schmidt fuͤndt / denselben solt er ver⸗ rahten / ja verrahten. Das Bewerlein schiffet vbern Rhein / Er kehrt zu Franckenthal ins Wirtshauß eyn / Wirt haben wir nichts zu essen / es kommen drey Waͤgen sind wolbeladẽ / von Franck⸗ fort auß der Messen / ja Messen. Der Wirt sprach dem Bewrlein zu / ja Wein vnnd Brot hab ich ge⸗ nug / im Stall da stehn drey Rosse / die seind deß Edlen Lindenschmids / er nehret sich auff freyer strassen / ja strassen. Das Bewrlein dacht in seinem muth / die sach wird noch werdẽ gut / den Feind hab ich vernommen / wie bald er Junckherr Caspern schrieb / das er solt eilends kommen / ja kom⸗ men. Der Lindenschmidt hett einen Sohn / der solt den Rossen das Fut⸗ ter thun / den Habern thet er schwin⸗ gen / steht auff hertzliebster Vatter mein / ich hoͤr die Harnisch klingen / ja klingen. Der Lindenschmidt lag hinder dem Tisch vnnd schlieff / sein Sohn der thet so manchen ruͤff / der schlaff hett jhn bezwungen / steh auff hertz⸗ liebster Vatter mein / dein verraͤhter ist schon kommen / ja kommen. Juncker Caspar zu der stuben eyn trat / der Lindenschmidt von hertzen sehr erschrack / Lindenschmidt gib dich gefangen / zu Baden an dem Galgen hoch / daran so solt du han⸗ gen / ja hangen. Der Lindenschmidt der war ein freyer Reutersman / wie bald er zu der Klingen sprang / wir woͤllen erst ritterlich fechten / es warn der Per⸗ sonen also viel / sie schlugen jn zu der Erden / ja Erden. Kan vnd mag es dañ nit anderst gesein / so bitt ich vmb den liebsten Sohne mein / auch vmb mein Reu⸗ ters jungen / vnd haben sie jemands leyds gethan / darzu hab ich sie ge⸗ zwungen / ja gezwungen. Junckher Caspar der sprach neyn darzu / das Kalb muß entgelten der Kuh / es soll dir nicht gelingen / zu Baden in der werden Statt / muß jm sein Haupt abspringen / ja sprin⸗ gen. Sie wurden alle drey gen Badẽ gebracht / sie sassen nicht lenger dann eine Nacht / wol zu derselbigen stun⸗ de / da ward der Lindenschmid ge⸗ richt / sein Sohn vnd der Reuters Junge / ja Junge. ENDE. Show less

Über zwei Fechter in Augsburg, 1. Januar 1610
Ein schoͤn newes Klaglied Von Zweyen Fech⸗ tern / was sich mit jhnen inn Augspurg den 1. Jenner 1610. auff offentlicher Fechtschul / als sie im Tolchen vnnd Rappier miteinander gefochten / zu⸗ getragen hat / etc. Jm M. DCX. Jahr. Jn deß Grafen von Serins Thon. JHr Christen thut vernemmen... Show more Ein schoͤn newes Klaglied Von Zweyen Fech⸗ tern / was sich mit jhnen inn Augspurg den 1. Jenner 1610. auff offentlicher Fechtschul / als sie im Tolchen vnnd Rappier miteinander gefochten / zu⸗ getragen hat / etc. Jm M. DCX. Jahr. Jn deß Grafen von Serins Thon. JHr Christen thut vernemmen / ein trau⸗ rige Geschicht / Jch thu mich gleich⸗ sam schaͤmen / Daß ich darvon hab ticht / Jedoch mitleidn ohn massen / triebe mir mein Gemuͤt / Daß ich es nicht kunt lassen / Solchs in ein Lied zu fassen / Zum gdechtnus alls in guͦt. 2. Menniglich zu verkuͤnden / Die er⸗ schreckliche That / Welche sich thete finden / Zu Augspurg in der Stadt / Jm Januario eben / Geleich den ersten Tag / Als man nun thet anheben / Ein newes Jar darneben / Froͤ⸗ lich ohn alle klag. 3. Eben als man gezehlet / Sechzehen⸗ hundert Jahr / Vnd zehen außerwehlet / Jo⸗ hannes Schoch fuͤrwar / Ein Fechter wol ge⸗ zieret / Hielt ein Fechtschul den Tag / Auff der man hoch probieret / Die Kunst / vnd sie voll⸗ fuͤhret / Aber Jammer vnd Klag 4. Jst endlich da entsprungen / Mit einem Fechter gut / Welchem ist gar mißlungen / Er hatt ein frischen Muth / Caspar Reiser genen⸗ net / Hett steis ein mannlichs Hertz / Zu S. Marx sich bekennet / Manchem sein Muth zertrennet / Jn Ernst vnd auch in Schertz. 5. Sonst meistentheils in Staͤdten / Ja wo er war bekannt / Vnd wo er fechten thete / Wurd er nur Scherb genannt / Als man nun mit Lust vnd Begier / Hoffte auff gute Stoͤß / Wischt der genannte Scherbe hier / Auch vn⸗ term Hauffen toll herfuͤr / stellete sich gar boͤß. 6. Vnd mit eim Maurer eben / Sampt einem Zimmermann / Zu fechten thet anhe⸗ ben / Mannlich ob diesem Plan / Ein lust war es zu sehen / Erfreute menniglich. Was weiter ist geschehen / Wil ich euch auch veriehen / dar⸗ umb so merckt auff mich. 7. Ein Kleid wurde versprochen / Dem Scherbn / vnd ein summa Gelt / Auff welches er thet pochen / Wann er den Schmied ge⸗ meldt / Jn dem Rappier thet stossen / auß Mei⸗ sterlicher Prob / Jedoch legt er ein blossen / hat manchen sehr verdrossen / Daß er nit sieget ob. 8. Als sie theten auffheben / Zierlich inn dem Rappier / Sampt dem Tolchen darne⸗ ben / Vnd tratten beyd herfuͤr / Geleich in dem anbinden / Thet der Scherbe ein Stich / Der Schmied blieb nicht dahinden / Ließ sich auch mannlich finden / Fuͤr jhm alda nicht wich. 9. Gleich wider boͤß verhoffen / Stach der Schmied starck darein / Hatt den Scherbn gar hart troffen / Auff das rechte Aug sein / Das Rappier an der Seiten / Schier wider gieng herauß / Thet jhm den Kopff zerscheit⸗ ten / Sanck nider fuͤr den Leuten / Ohnmaͤch⸗ tig gar mit grauß. 10. Man trug jhn ab mit frieden / densel⸗ ben Abend noch / Jst er auß der Welt gschie⸗ den / Bracht manchem trawren hoch / Seine Feind sich deß frewen / Thun daran groß vn⸗ recht / Dann Gott kan die Vntrewen / Jnn Vngluͤck auch einweyhen / Vnd sie stuͤrtzen nicht schlecht. 11. Dreyhundert Maͤnner eben / Vnnd sechzehen bereit / Haben jhm das Gleid geben / Gantz traurig zu der Zeit / Jm Gottsacker mit klagen / Hoͤrt man der wunder viel / Was mannicher thet sagen / Von seines Lebens Tagen / Wunderlich ohne ziel. 12. Dann Caspar Reiser oben / Genen⸗ net an dem Ort / Jn dem Fechten viel Pro⸗ ben / Hat offt gemachet dort / Jn allen Weh⸗ ren ehrlich / Ritterlich vnd Hertzhafft / Hat er gefochten herrlich / Jn alln Stuͤcken bewehr⸗ lich / Sein Fechten hatt ein Krafft. 13. Der heilig Job thut lehren / Dem Menschen sey ein Ziel / Von Gott gesteckt mit ehren / Das der Mensch in der still / Gar nicht mag uͤberschreiten / Das weiß ein jeder Christ / Darumb zu diesen zeiten / Caspar Rei⸗ ser im stretten / Sein Stuͤndlein kommen ist. 14. Daß er hat muͤssen sterben / Durch die Ritterlich Kunst / Elendiglich verderben / Doch nicht auß Neides Brunst / Von dem Schmied da geschlagen / Sondern nach Fechtens brauch / Wird ein jeder verjehen / Der dieses hat gesehen / Vnnd frey bekennen auch. 15. Dem Keiser ist gewesen / Jnn seiner Lebens Zeit / Wie einem Kind erlesen / So schlaͤffrig ist noch heut / Welches stets granet mechtig / Biß man es legt zur Ruh / Also hat Gott bedechtig / Jn dem Himmel fuͤrtrechtig / Gesehen immer zu. 16. Was dem Keiser thet fehlen / Nem⸗ lich das Ruhbettlein / Gott genad seiner See⸗ len / Vor der ewigen Pein / Geb jm das ewig Leben / Mit der Gerechten Schaar / Sampt vns allen hieneben / Auff daß wir allzeit schwe⸗ ben / Jn Frewden immerdar. ENDE. Auff Kunst / Staͤrck / Muth vnd an⸗ ders mehr Sol sich keiner verlassn zu sehr / Denn es war nie keiner so wild / Er bekam einen der jhn stillt. Gedruckt zu Nuͤrnberg bey Johann Lantzenberger 1610. Show less

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