Studentische Unruhen, Leipzig, 1593
Warhafftiger vnnd Erschrecklicker Auffruhr / in der Churfuͤrst⸗ lichen Stadt Leipzig / welchen Studenten Handtwergs Pursch vnd gemeine Poͤfel gesind / den 19 May. furgenommen vnd auch endlich vol⸗ bracht haben / Solches alles werdet jhr hirinnen guthẽ bericht finden / gesang weis... Show more Warhafftiger vnnd Erschrecklicker Auffruhr / in der Churfuͤrst⸗ lichen Stadt Leipzig / welchen Studenten Handtwergs Pursch vnd gemeine Poͤfel gesind / den 19 May. furgenommen vnd auch endlich vol⸗ bracht haben / Solches alles werdet jhr hirinnen guthẽ bericht finden / gesang weis geftellet. Jm Thon / Wie man den Stoͤrtzen⸗ becher singt. Gedrnckr im Jahre 1593. 1. Hoͤrt zu was ich jtzt melten wil / ein sel⸗ tzam wunderliches spiel / so sich hat zu getragen / zu Leiptzig in der beruͤmb ten Stadt / mit warheit thue ichs sagen. 2. Was sich darin hat zu getragen / durch etliche Caluinische Knaben / die so noch drinne waren / die Studenten geschwindt / eylents behend / namen jr bald war. 3. Sie mengten sich zu samen schon / hiel⸗ ten eine Disputation / wie es jn woͤchte vor kommen / hoͤrt wunder an / was thet vnnd stan / wie ich es hab vernommen. 4. Eine Gasterey wardt angestelt / ein Doctor Herr Huber gemelt / ward auch dahin geladen / dem wolten sie zwingen vnder sich / es thet jn doch nicht gerathen. 5. Als man anfangs essen solt / der Doctor zuuor betten wolt / das thet er wol betrach⸗ ten / nach rechter weis / mit gantzem vleis / noch theten sie jms verachten. 6. Ein Caluinisch Buch brachtens jm / sagten da wuͤrd es anders stehen / nach dem so solt ers betten / er fieng bald an / ehe ers wolt than / ehe wolt er sich lassen toͤdten. 7. Sie setzen sich zu tische alsam / sagten er solt es bleiben lan / sie wolten froͤlich leben / essen vnd trincken lustig sein / noch weitter mercket eben. 8. Nachdem alß die Maltzeit ward aus / da hub sich vnter jn ein straus / der Lehre halben thu ich sagen / Herr Huber must sein vngerecht / alle auff jhn theten sie schlagen. 9. Herr Huber bald zu ruffen gund / vmb huͤlff wol zu derselben stundt / kundt sich jr nicht erwehren / die Studenten bald / zu gleicher gestalt / theten den Tumult hoͤren. 01. Sie hielten einen schnellen Rath / wie sie moͤchten rechnen diese that / doch das jhn keme zu guthe / der reinen Lehr / zu Lob vnd Ehr / den Buͤrgern wars wol zu muthe. 11. Am Sonnabent vor dem auffarts tag / solch vnruh geschach bey eidler nacht / das Pflaster sie auff huben / bey zwey tausent stein / gros vnd auch klein / fuͤr die Heuser sie es trugen. 12. Jn mir ist kund vñ offenbar / ein reicher Kauffman darinnen war / in andern auch dergleichen / Adolff Weinhaus wol zu der frist / sie wahren zimlich reiche. 13. Bald fiengen sie zu stuͤrmen ahn / da je⸗ derman solt schlaffen than / die gantze nacht durch ausse / von Morgen auch / bis in die Nacht / hat gewehret dieser strause. 14. Sie oͤffneten alle Thuͤrn behendt / kein gantzes Fenster an dem endt / im Hauß nichts gantz sie liessen / Hausrath ziñ offen Bethgewandt / es must alles sein zerschmis⸗ sen. 15. Sechtzehen / schoͤner Bethgewand / die haben sie alle auffgedrant / die federn flie⸗ hen lassen / oben im haus / zum fenster rauß herunder auff die gassen. 16. Viel jung vnd alter Weiber sind / bald zugelauffen dem endt / dieselben auff zu klau ben / vneinigs schwind drumb worden sind / sie theten ein ander drumb rauffen. 17. Wenn schon eine ein sack voll hett / die ander jr jn bald nehmen thet / sage ich ohn allen zweiffel vol federn warn sie an jhren haar / sie sahen wie der Teufel. 18. Ein Puͤschel gestrickter struͤmpffe im haust / wurffens oben zum laden herans / von Farben mancherleyhen / die Handt⸗ wergks Roth / ohn allen spott / theten ein ander drumb bleyen. 19. Manniger offt ein schoͤn pahr bekom / ein ander jms auch gahr bald nam / aus den Henden thet reissen / der schalckheit viel in diesem spiel / thetens einander beweisen. 20. Viel Gold vnnd Geldt Silber geschir / solches alles bracht man auch bald herfuͤr auffs Rathaus must mans than / eine gute beut / einer bey zeit / bekam einem Beuthel mit Krohnen. 12. Doch waren sie jm nicht beschert / ein ander er sie weisen thet / der sich nicht lange befahne / bekam sie bald / von jm mit ge⸗ walt / vnd sprang damit von dannen. 22. Die Kleider musten sein zerzarth / schau⸗ ben zu dreysig Tahler werth / nichts gantz kundt dauon kommen / auch waren endt⸗ wicht / vbel zugericht / die Heuser in der summen. 32. Noch weitter mus ich melden than / was boßierlich sich hat zu getran / ich mus es auch anzeigen / ein Kuͤpfferne Bathewan⸗ nen in Haus / theten die Buben erreichen. 24. Ein Seil haben sie daran gespandt / die Stadt sinds mit durch aus gerandt / der Kessel thet sehr brausen / wans donnert meidens in der Stadt / auch hans vor man chem Hause. 25. Welchs sie meinten Calumisch war / drein schlugen sie mit krefften dar / mit handbeylen vnd stangen / den kessel zerschlu gen gantz vnd gahr / vnnd also ist es ergan⸗ gen. 26. Bey Zwantzig Tausent guͤlden werth / schetzt man die summa vngeferdt / die Thor waren verschlossen / Zween tag vnd nacht / mit aller macht / niemand wurd ausgelas⸗ sen. 27. Etlich Buͤrger worden zogen ein / theils vmb jr leben kommen sein / vier Handt⸗ wergks gesellen eben / die werden mit dem Schwerdt gericht / auff dem Marckte lies⸗ sen da jhr leben. 28. Der Erste war ein Teichgreber frey / ein Zimmer gesel war auch dabey / ein Kuͤrsch⸗ ner thu ich sagen / ein Meurer dessẽ Weib vñ Kindt / die theten sich hefftig klagen. 29. Der Meurer sprach gantz wol gemudt / hie wird vergossen vnschuͦldig Blut / das mus doch Gott erbarmen / O wehe meines Armen Weibs vnd Kindt / verlassen sind jtzt die Armen. 30. Ein Jungfraw schon / nam sich balt an / den Kuͤrschner wolt sie erloͤsen than / sein leben jm erhalten / er antwortet bald / in der gestalt / er wolts Gott lassen walten. 30. Er het doch seine gesundheit nicht mehr sein Leib wehr jm zerrissen sehr / frey wolt er sterben / nach dieser zeit / in jener freud / das ewige reich ererben 32. Jedoch zuuor verschlossen war / alle Collegium das glaub mir zwar / die Stadt Thor auch desgleichen / kein Buͤrger aus seinem eigen Haus / herausser durfft nicht weichen. 33. Solchs als ein treue warnung ist / drumb huͤt sich ein jeder Caluinist / der in Meissen wil thun wohn / wird ausgeroth / mit hohn und spoth / man thut jr keines verschonen. 34. Hiemit so endt ich die geschich / dis Lied in eyl ist zugericht / bitt das vns Gott wolt geben / nach diesem leidt / die ewige freudt / dortmals das Ewige Leben. Show less

Strafe Gottes über die Stadt Friedberg; Apokalyptischer Gesang "Es geht wol gegen dem Ende"
Warhafftige / Newe zeittug von der vnerhorten er⸗ schrecklichen Straff Gottes / so vber die Stadt Friedeberg in der New⸗ marckt gelegen / ist ergangen / vnd noch teglich sich mehrt / wie daselbst vber die funfftzig Personen / mit dem boͤsen Sathan / grewlich besessen / wie kuͤrtzlich... Show more Warhafftige / Newe zeittug von der vnerhorten er⸗ schrecklichen Straff Gottes / so vber die Stadt Friedeberg in der New⸗ marckt gelegen / ist ergangen / vnd noch teglich sich mehrt / wie daselbst vber die funfftzig Personen / mit dem boͤsen Sathan / grewlich besessen / wie kuͤrtzlich gemeldet wird gesangsweise / gestellet. Jm Thon / Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn. Das ander Lied / Es geht wol gegen dem Ende / etc. Erstlich Gedruckt zu Franckfurt / durch Nickel Foltz / 1594. ACH Gott vnd HErr nu steh vns bey / wie seind die straffen mancherley / in dieser Welt auff Er⸗ den / eitel truͤbsal angst vnnd leidt / hoͤrt man jetzt in dieser zeit / was wird noch daraus werden. Der juͤngste Tag der nahet sich / der leidige Sathan grewlich / tobet so gar geraden / Weil er gar verdam⸗ met ist / sucht er vns mit seiner list / an Leib vnd Seel zu schaden. Darzu gebraucht er die Zaubers Leut / die wieder Gott vnd billigkeit / jhr Seligkeit vorschertzen / wie man teglich sicht vnd Hoͤrt / das sie die Leut an vielen orth / anthun grosse noth vnd schmertzen. Wie dann auch jetzt gar newlich / gar viel Leute grewlich / mit dem Sa⸗ than seind besessen / in der Stad Frie⸗ deberg genandt / in der Newmarck wol bekandt [...] gessen. Stewer dem Sathan sein ge⸗ walt / vnd hilff den Leuten Jung vnd alt / aus diesem grossen zagen / erstlich in eines Becken hauß / den leidigen Teuffel mit grauß / die Fraw thet hefftig plagen Trieb sie durch grosse not vnnd zwang / dz sie in den Bruñen sprang / vnd thet leider ertrincken / darnach viel Leute jung vnd alt / seind vnsin⸗ nig worden baldt / kein Mensch kans nicht erdencken. Das in einer Stad auff eine zeit / so schrecklich vnd gar viel Leut / der Sathan hefftig thut Plagen / ja viel vnschuldige Kinder klein / auch jem⸗ merlich gemartert sein / die gantze Stad thut schier verzagen. Ein Schuster aus der Badtstuben kam [...] vnd warff jhn zu der Erden / zwey Ackerknecht schnel vnd drat / kamen geritten in die Stadt / die warff er von den Pferden. Kamen von jhrem sinne gar / ein Schmitgesel mit groß gefahr / wird auch gleich besessen / noch zwen schnei⸗ der Gesellen auch / wolten wandern nach jhrem brauch / hat sie auff die Erden geschmissen. Wurden dar siñloß in der Stad / vnd lieffen in die Kirchen geradt / die Predigt thetens hoͤren / hiessen den Pfarherr liegen sehr / verachten die liebe Gottes Lehr / Weiter solt jhr erfahren. Eins Buͤrgers Fraw zur Kirchen gieng / gar seltzam red sie da anfing / der Teuffel thet aus jhr sagen / das Jans Weib gar vntrew / hat ge⸗ macht durch zauberey / das er die leut mus plagen. Ein Meglein von acht jahren alt / solt holen Bier das wart gar baldt / vom Sathan gar besessen eine Jung⸗ fraw kam auch darzu / kam desglei⸗ in grosse vnruh / Ein Kuͤrschner Ge⸗ sel gar vermessen. Thet in der Nacht gassaten gahn / der leidige Sathan kam in an / in ei⸗ nes Bocks gestalten / nam jhn auff mit gefehr / fuͤhrt jhn weit hin vnnd her / sein hertz mocht jhm erkalten. Der Pfarher auff die Cantzel kam / nicht viel guts man da vernam / er start in seinem Reden / das Vater vn⸗ ser hub er an / in dem plagt jhn der Sathan / das er nicht kund außbetẽ. Eins Muͤllers Fraw bey Abends zeit / geschach aldo ein grosses leid / das sie nur hat gesprochen / wieder Bur⸗ germeisters Jahns sein Weib / wird geplagt an jhrem Leib / hat jhr den arm zerbrochen. Vber fuͤnfftzig Personen gemein / seind besessen gros vnd klein / thut all die Jahnisch nennen / schreyen all gar daruͤber aus / sie haben gemacht den grossen Graus / man sol sie nur ver⸗ brennen. Man kans so grewlich sagen nicht / wie es in der Stad ist angericht / mit jammer vnd elende / tobt der Satan je lenger je mehr / plagt die Leut vnnd auch das Vieh / Gott wolt den kum⸗ mer wenden. Vnd hilff jhn allen jung vnd alt / vñ vnd stewer dem Teuffel sein gewalt / vnd allen boͤsen Leuten / die mit zau⸗ berey vmbgan / vund jhren negsten schaden thũ / man soll sie in der zeiten Setzen gar bald ins Fewer hinnein / den andern zum Exempel fein / das sie sich huͤtten zusammen / bitten Gott fuͤr sein gnad / der ist der beste huͤlff vnd Rath / durch Jhesum Chri⸗ stum Amen. Das ander Liedt. ES geht wol gegen dem Endt / wacht auff jhr Christen Leut / die Welt jtzo gar verblendt / in der be⸗ truͤbten zeit / Es hilfft kein straff mehr vber all / das Zeubern vñ auch schwe⸗ ren / ist auff dem jammer thal. Der Reiche thut sich spitzen / sehr auff das zeitlich gut / der arme mus jetzt sitzen / in seinem Schweis vnd Blut / dennoch wil er auch froͤlich sein / vnd Gott dem Herren dancken / Er wirdt sein Helffer sein. Mancher geht in die Kirchen / wil hoͤren Gottes Wort / wer besser blieb daheime / vnd hett es uie gehort / treibt daraus nichts als spoͤtterey / es moͤcht wol Gott erbarmen / jetzo bey Man vnd Weib. Wer Gottes Wort verachtet / vnd kert sich nicht daran / des wird auch Gott nicht achten / es sey Fraw oder Man / wird jhn geben ein schlechten trost / sol dort brennen vnd braten / auff dem Hellischen Rost. Derselben Seelen kommen / wol fuͤr des Himmels Thor / sie zittern all in suͤnden / der HErr steht selbst dauor / Bitten / HErr Gott laß vns hinein / wir haben lang gestan⸗ den / wegen des willen dein Die Frommen lest Er bald hinein / die boͤ⸗ sen lest er stan / Sie haben Gottes wort ver⸗ acht / vnd nicht darnach gethan / drumb must jhr gehen den breiten weg / vnd muͤst den Her⸗ ren meidlen / darzu sein Himmelreich. Last ab jhr lieben Christen / seid Gott⸗ fuͤrchtig vnd from / Gott wird vnser leben fristen / allhie in dieser stund / Er wil vns allen gnedig sein / Er wil vns alln erloͤsen / von der Hellischen Pein / Amen. Show less

Tyrannei in Konstantinopel, 10. März 1594
Ein Warhaff⸗ tige Neuwe Zeittung auß Constantinopel / Wie alda ein weisser Mann / zu dem Tuͤr⸗ ckischen Keystr ist kommen / vnd jm erschreckliche sachen angezeigt / von wegen seiner grossen Tyranney / so er ein lange zeit wider die Christen geuͤbet hat / wie er widerumb zweyhundert tau⸗ ... Show more Ein Warhaff⸗ tige Neuwe Zeittung auß Constantinopel / Wie alda ein weisser Mann / zu dem Tuͤr⸗ ckischen Keystr ist kommen / vnd jm erschreckliche sachen angezeigt / von wegen seiner grossen Tyranney / so er ein lange zeit wider die Christen geuͤbet hat / wie er widerumb zweyhundert tau⸗ sent man zusam̄en gebracht hat / sie in seinem grim̄ wider die Christenheit zu⸗ schicken / aber Gott welcher seine Chri⸗ stenheit liebet / sie ferner in seinem schutz zuhalten / den Tuͤrckischen Bluthund / sein fuͤrnemen gestuͤrtzet vnd mit einem Erdbidem zu nicht gemacht hat. Geschehen den 10 Martij Anno 1594. Jm thon / Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn / Getruckt zu Wien / bey Stephan Creutzer / 1594. VOn wunder wil ich jetzund sagen / der Tuͤrckisch Keyser thut sich beklagen / das er kein Glück nit kanhaben / jetzund inn der Christenheit / das bringt jm angst vnd grosses leid / thut in seinem Pallast vmb traben. Gleich eben wie ein wuͤtend hund / erschickt in die Tuͤrckey zur stund / sein Wascha ließ er holen / darzu sein Kriegsoberstẽ behend Beegen vnnd Raͤhte die da sein / fragt sie gantz vnuerholen. Sie solten jm anzeigen bald / wie man den Christen mit gewalt doch moͤchte widerstehen / das er moͤcht wider bekommen fein / wz sie jhm haben genommen ein / den raht thettens jm geben. Er solt in seinem gantzen reich / den vierdten Mann auffmanen / gleich / sie in die Christenheit schi⸗ cken / doch solt ein jeder mit seim gebett / anruffen den Gott Maho met / ob es jn moͤchte gluͤcken. Als sie nun sassen all zu Rath / kam vff den Saal am abend spat ein Mann inn weissen Kleidern / sprach zum Tuͤrckischen Keyser bald / dein Zepter Stul vnd aller gewalt / wird man dir bald auß⸗ reutten. Auch wird dein Reich in kurtzer zeit / vberkomen die Christenheit / vnnd dich darauß verjagen / auff dise red schnell vnd behend / er jaͤ⸗ ling auff den mann zurent / jn mit seinem Sebel zu schlagen. Der Mann vor jnen allen ver⸗ schwandt / der Tuͤrckisch Keyser zur erdẽ sanck / thet in ein onmacht fallen / die andern Tuͤrcken erschra cken sehr / wusten nicht wie jm ge⸗ schehen wer / sie trattẽ vm̄ jn alle. Vnd sahen jn gantz trawrig an / da er nun zu sich selber kam / da stund er auff mit schmertzen / vnd sprach zu seinen rhaͤten bald / die sach hat gar ein boͤß gestalt / be⸗ truͦbt bin ich im Hertzen. Eh er das wort recht auß gered / der mann stund wider an der stet / da er vor war gestandẽ / vñ sprach du bluthund an dem ort / was du von mir jetzt hast gehort / dz wird dir gehn zu handen. Der Tuͤrck der sprach ach lieber / man / thu mir die warheit zeigen an / wañ soll doch das geschehen / er sprach du wirst in kurtzer zeit / solchs erfahren mit grossem leid / vnd mit dein augen sehen. Der groß Tuͤrck sprach mit wor⸗ ten bald / wir woͤllen brauchen vn sern gewalt / vns an die rede nicht kehren / die Christen vberfallen bald / lassen vmbbringen Jung vnnd Alt / sehen wer es vns wird wehren. Auff diese wort ward außgesant in d Tuͤrckey in alle land / dz Volck züsamen zubringen / gehn Serchẽ in die gewaltige Statt / als bald mans Volck bewehret hat / sollen sie mit gewalt fort dringen. Sie kamen zusamen schnell vnd behend / die Tuͤrcken da auß allem end / jr laͤger theten sie schlagen / gerings wol vmb die Statt her⸗ vmb / zwey hundert tausendt war die sum̄ / viel groß Geschuͤtz auff Wagen. Als sie nun all geruͤstet warn / vnd auff den morgen fort zu fah⸗ ren / in der nacht vmb zwoͤlff vhrẽ kam ein Erdbidem gewaltiglich / der Erdboden erschuͤttet sich / die Heuser krachen waren. Vnd fielen da all vber ein hauf⸗ fen / die Tuͤrcken vß der Statt the ten lauffen / wolten darin nit blei⸗ ben / sondern mit jren Weib vnnd Kind / vñ auch dem gantzen hauß gesind / ins Feld theten sie weichen. Jn zweyen stunden sag ich fuͤr⸗ war / neun Erdbiden geschahen dar / die Erd thet von einander dringen / achtzehen klaffter in der weit / die Tuͤrcken waren in gros⸗ sem leid / die Statt thet gar ver⸗ sincken. Man kan auff den heutigen tag nichts sehen / den nur zwo spitzen herfuͦr gehn / die Türcken erschra⸗ cken sehre / ein jed' lieff wid zu huß / da er vor war gezogen auß / fuͦr forcht woltens nit bleiben mehre. Sie schryen da in solcher noth / dz hat gethan der Christen Gott / wir woͤllen nicht wider sie streiten dem Tuͤrckischen Keiser kamen die mehr / dardurch er ist betruͤbet sehr / vnd steht in grossem leiden. Hat daruff sein Post gen Prag gesand / vñ sich erbottẽ aller hand gegẽ vnserm Keyser schone / wañ er mit kriegen auff will hoͤren / so woͤlle er inn viertzig Jaren / kein Zug wider die Chri⸗sten thune. Ein antwort jm drauff worden ist / man weiß sein falsche tuͤck vnd list / kein glauben thut er halten / sie woͤllen da nicht abelan / sonder jn erst recht greiffen an / vnnd den lieben Gott lassen walten. Also hat Gott mit seiner macht / diß Tuͤrckisch Herr inn forcht ge⸗ bracht / das sie nicht mehr woͤllen ziehen / jetzund wider die Christen heit / O Herr hilff doch zu allerzeit das sie vns muͤssen fliehen / Amen. Show less

Erbeutung einer Klageschrift des Türkischen Kaisers, 06. Januar 1599; Hochwasser am Tiber, Rom, Weihnachten 1599
Zwey newe Lieder / Vnd wahrhafftige Zei⸗ tung: Das erste von der Sieg vnd Victori / welche Gott der HErr / seiner bedrangten Christen⸗ heit / auff jhr demütiges vnd bußfertiges Gebet / zu Gomorra in Vngern gnaͤdigklich verliehen hat: Jm Thon / Wie man singt von der Statt Olmitz / oder Grafen ... Show more Zwey newe Lieder / Vnd wahrhafftige Zei⸗ tung: Das erste von der Sieg vnd Victori / welche Gott der HErr / seiner bedrangten Christen⸗ heit / auff jhr demütiges vnd bußfertiges Gebet / zu Gomorra in Vngern gnaͤdigklich verliehen hat: Jm Thon / Wie man singt von der Statt Olmitz / oder Grafen Nicolaus von Serin. Das ander / vom jetzt werenden Kriegßwesen in Vngern / zwischen dem Tuͤrcken vnd Christen verlauffen: Jm Thon / Wie man den Stoͤr⸗ tzenbecher singt / rc. Erstlich Gedruckt zu Wien in Osterreich / Bey Franciscus Kolb / Jm Jar 1594. Das erste Lied. WAch auff vom Schlaff der Suͤnden / du wehrte Christenheit / in der Buͤß las dich finden / es ist jetzt an der Zeit / Gottes Grim̄ thut auffbrechẽ / gebunden ist die Ruͦt / mit der sich Gott wil rechen / an den boͤsen vnd frechen / zu Straffen den Hochmuͦt. Gott hat dich lassen sehen / erschroͤcklich Straffen vil / doch was ist von dir gschehen / fast nur das Wi⸗ derspil / Buͤß zu thun thut man sparen / schlegt alles in den Wind / wie man bey disen Jaren / in Hertzleyd hat erfaren / haͤlt schier nichts mehr fuͤr Suͤnd. Weil dann kein Straff wil helffen / kein Ver⸗ mahnung noch Bitt / kein schreyen vnd kein gelffen / kein predigen hilfft nit / niemand wil sich bekehren / wol an so ists jetzt Zeit / Gott der HErr muß zerstoͤren / zu Rettung seiner ehren / deine Suͤnd vnd Boßheit. Mancherley Straff zu gschweigen / die Gott schi⸗ cket herein / die er taͤglich thut zeygen / vnnd wir sehen in gmein / druckt vns ob andern allen / der blut dursti⸗ ge Hund / der Tuͤrck mit grossen qualen / vns leyder vberfallen / biß auff den teutschen Grund. Hefftig plagt er vns Christen / gfaͤhrlich an man⸗ chem Ort / kan sich schier niemand fristen / vor seines wuͤtens mord / ein guten Theyl hekommen / hat er der Christenheit / vil Vestungen eingnom̄en / toͤdt vnnd wegkgfuͤhrt vil from̄en / sein Reich gemachet weit. Sonderlich war mit grawsen / diß vier vnnd neuntzigst Jar / der Tuͤrck erschroͤcklich hausen / mit der Christlichen Schar / Alß er Raab thet bezwin⸗ gen / in sein Tuͤrckischen Gwalt / vnnd den Christen abdringen / vil wuͤrgen vnd vmbbringen / Tyranni⸗ scher Gestalt. Ließ sich gleichsam ansehen / alß ob die Goͤttlich Rach / wie billich thaͤt geschehen / nit mehr wolt las⸗ sen nach / gleich alß haͤt Gott vergessen / seiner Chri⸗ stenheit wert / wolt sie lassen auffressen / ohn erbar⸗ mung in dessen / durch das Tuͤrckische Schwerd. Aber neben dem Zoren / welchen Gott haͤt gefasst / vber die Suͤnder gschworen / die er dann hertzlich hasst / ließ Gott der HErr erscheinen / sein grosse Guͤ⸗ tigkeit / erhoͤrt von groß vnd kleinen / das Buͤß Gebet vnnd weynen / gab wider Sieg im Streit. Wie sich diß hab verlauffen / jhr Christen kurtz ver⸗ steht / nach dem der Tuͤrckisch Hauffen / Raab einge⸗ nommen haͤt / thet er blut durstig ziehen / fuͤr Gomor⸗ ra mit Macht / hoͤchstens Fleiß sich bemuͤhen / daß sie ohn alls entfliehen / in sein Gwalt wurd gebracht. Jm October ich meldte / diß vier vund neuutzigste Jar / sach man das Tuͤrckische Zelde / vor Gomorra ist war / die Vestung thet er beschiessen / braucht sein Vortheyl vnd List / es geschach groß Blutuergiessen / dapffer sich sehen liessen / die Tuͤrcken wolgeruͤst. Herr Braun der thewre Ritter / stelt sich zur gegen⸗ wehr / setzt starck ohn Forcht vnd Zittern / in das Tuͤr⸗ ckische Heer / Vermahnt sein Volck in trewen / auß ritterlichem Muͤth / derhalb ohn alles schaͤwen / wehr⸗ ten sie sich von newen / alß redlich Kriegßleut guͤt. Der Tuͤrck wolt vndergraben / die Vestung wol be⸗ wart / doch diß war gnommen haben / die Christen auff der fart / theten jhm widerstreben / fielen zum Feind hinauß / stritten vmb Leib und Leben / GOtt thet jhnen Staͤrck geben / das bracht den Tuͤrcken Grauß. Ein groß wuͤrgen vnnd schlagen / wehret etliche Stund / die Christen ohn Zagen / zum Teyl auch hart verwund / gar ritterlich eindrungen / in die Tuͤrckische Schantz / haͤt jhnen wolgelungen / die Tuͤrcken fluͤch⸗ tig sprungen / verliessen alles gantz. Vil Tuͤrcken wurden gfangen / nider gehawen vil / zerstoͤrt ward jhr Verlangen / vnnd fuͤrgesetztes Zil / der Ort so sie durch graben / ward widerumb erbawt / die Christen Gott lob gaben / weil sie obgesigt haben / das niemand haͤt vertrawt. Noch ließ bey dem nicht bleiben / der blut durstige Hund / thet sein Volck mehrmal treiben / auff Go⸗ morra zur stund / haͤt seyn Schwert scharpff gewetzet / auff das Christliche Heer / der Vestung starck zusetzet / Fewr vnnd Gschütz vil verletzet / foͤrchtet kein gegen⸗ weher. Vnd ob schon war gefellet / die ein Mawr und Pa⸗ stey / durch schiessen abgestellet / eingerissen darbey / das hoch war zubesorgen / der Feind wuͤrd Siegen ob / vnnd wuͤrd nicht lenger borgen / es werd noch biß an Morgen / zergehn der Christen Lob. Dannoch ließ sich nicht schrecken / Herr Braun der thewre Heldt / thet ein guͦts Hertz erwecken / seinem Kriegßuolck erwehlt / stund dem Feind starck entge⸗ gen / der jetzt fieng stuͤrmen an / thet vil Türcken erle⸗ gen / durch fuͤrsichtiges Verwegen / es kostet manchen Mann. Die auff der Mawr deßgleichen / wehrten sich rit⸗ terlich / wahren standthafft nicht weichen / erzeigten Helden sich / zwen Stuͤrme haͤt verlohren / der Tuͤrck mit seiner Macht / Herr Braun der wolgeboren / mit seinem Volck erkohren / haͤt jhm den Schaden bracht. Weil man so lang war streiten / saumbt sich Herr Braun nit lang / bald auff der einen Seyten / auß der Statt hinauß drang / die Türckisch Schantz zerstoͤret / zertrennt sie vnuerzug / groß Glück sich bey jhm meh⸗ ret / darfür Gott sey geehret / Mannlich den Feind erschlug. Mehr alß vier tausendt Tuͤrcken / damalß vmb⸗ kommen seyn / alß Gott den Sieg thet wircken / die Schantz genommen ein / Alles Geschuͤtz deßgleichen / in Gomorra ward gefuͤhrt / dieweil der Feind thet weichen / vnd flüchtig daruon streichen / ward grosse Frewd gespuͤrt. Dieweil dann hat erhoͤret / der barmhertzige Gott / vnnd jhrer Bitt gewehret / die Christen in der Noth / jhnen threwlich beygestanden / fuͤr sie gefuͤhrt den Streit / sie erloͤst auß den banden / vnd auß jrer Feind handen / sey Gott gebenedeyr. Darneben auch jhr Christen / bleibt bestaͤndig ich bitt / die jhr euch zur Buͤß ruͤsten / fart fort vnnd last ab nit / zu bitten nit auffhoͤret / vergest nit der Wol⸗ that / so wirdt wie jhr begeret / der Türckisch Feind zer⸗ stoͤret / durch Gottes Huͤlff vnd Raht. Gedenckt was Gott vor zeiten / ewrn Vaͤttern hat erzeigt / wie er fuͤr sie war streiten / alß sie sich zu jhm geneygt / Also zu gleicher massen / fuͤhrt er auch ewren Streit / thuͦt auch auff Gott verlassen / seins Willens euch anmassen / so ist sein Hülff bereyt. Das ander Lied. NVn mach dich eylend auff / du teutsche Nation / dañ sihe es kompt ein Hauff / vonß Türckischen Keysers Kron / mit Spiessen vnd Hellparten / mit Roß vnnd Wagen vil / vnd Bogen ohne Ziel / in Vngern woͤllen sie warten. Gemeldte lose Leut / die rhümen sich gar frey / wie das sie grosse Beut / von dingen mancherley / vns woͤl⸗ len abstreiffen / darneben alle Pest / vnd Wien die al⸗ ler best / zerbrechen vnd zerschleiffen. Sie droͤwen auch gar frech / daß sie on widerstand / mit Puluer vnd mit Pech / das gantze Teutsche Land / stracks woͤllen niderbrennen / vñ aller Menschẽ schar / im Blut ersaͤuffen gar / die Jesum Christ bekennen. Darum̄ so nem̄et bald die Rüstung von der Wand / vnd macht euch Jung vnd Alt / hinab ins Vngerlãd / mit Harnisch Spieß vnd Degen / mit hurtigem Ge⸗ schoß / zu Fuß vnd auch zu Roß / vnd ziecht dem Feind entgegen. Vnd wenn jr kom̄en seyd / dahin mit ewer Wehr / so fürchtet nit ein meyd / das wunderliche Heer / Jn sich gar hoch vermessen / secht sie nur tapffer an / Jn Gott dem starcken Mann / sie werden euch nicht fressen. Doch nem̄et euch in acht / an disem scharpffen tantz / seyd nüchtern / Bet vnnd wacht / vnd stercket ewre Schantz / bey Tag vnnd auch bey Nachte / vnd schickt euch alle stund / alß solt jr mit dem Hund, rumb sprin⸗ gen in der Schlachte. Vnd da jr vnderweil / mit jm Scharmuͤtzeln müst / so seyd mit ewrem Pfeil / deß Glaubens wolgerüst / vnd Ruckt hinnan mit frewden / vnnd brendt sie mit dem Kraut / geschwinde auff die Haut / Sie werdens vbel leiden. Vnd da in solchem Rit / ein Mañ zwen oder drey / im Felde blieben mit / was waͤr das fuͤr geschrey / was kündt ein solches machen / dieweil dieselben fein / inn Gott verschieden sein / vnd in dem Himmel lachen. Ach wie kan doch ein Mann / in diser argen Welt / sein Leben besser lahn / alß wenn er in dem Feldt / auff Christum wirdt erschossen / dieweil er auch sein Blut / der Christenheit zu guͦt / gar willig hat vergossen. Derhalben seyd getrost / jhr Reuter vnd jhr Knecht / frey in die Feinde stost / gar Ritterlichen fecht / vnd seid also gesunnen / jhr siget oder fallt / den Glauben doch behalt / vnd habt in Gott gewonnen. Darumb wann nun der Feindt / inn seiner grossen macht / euch anzugreifẽ meint / mit einer feldesschlacht / vnd kompt daher gedrungen / in heßlicher gestalt / wie ein verdorreter Wald / geschrien vnd geklungen. So seid nur wolgemut / gedenckt an Jesum Christ / der mit der Engel hut / vorn an der spitzen ist / den An⸗ griff erst zusetzen / da er mit einem Stich / die Feinde wunderlich / wird Schrecken vnd verletzen. Vnd wenn jr so mit Gott / vnd Gideonis schwerdt die laͤsterliche Rott / behertzt angreiffen werd / so wird jr Roß vnd Wagen / darzu der Mann im Helm̄ / gleich wie ein schlim̄er Schelm̄ / erschrecken vnd verzagen. Derwegen ruckt hinan / macht ewre Augen auf / vnd schlagt in Gottes Nam / mit allen frewden drauff / der Heyland wird euch stercken / vnd seine Herrligkeit / bey euch in disem Streit / gewaltig lassen vermercken. Vnd da jr nun befind / das Gottes starcke Handt / hab ewre Feinde blindt / was in die flucht gewand / der Christenheit zu guͦte / so schmeyst ja ferrner zu / last jh⸗ nen kein Ruh / wascht euch in jhrem Bluͤte. Derhalben foͤrcht euch nit / im allerkleinesten Haar / jr Christen auffgericht / vor diser losen Schar / die heff⸗ tig auff euch rennen / denn stein jhren Fahn / kein guͦts gewissen han / vnd Jesum Christ nicht kennen. Das helff euch ja die Krafft / deß HErren JEsu Christ / der inn der Ritterschafft / der beste Kaͤmpffer ist / vnnd kan mit schlechten sprechen / all seiner Feinde macht / wie groß sie wird geacht / im Augenblick zubrechen / AMEN. Show less

Türkenkrieg in Ungarn mit Graf von Hardeg, Friedrich von Tieffenbach, Berichte vom 26. März - 2. Mai 1594
Ein Warhaffti⸗ ge Neuwe Zeittung / Von den Erhaltenen Victorien in Vngern / wz die Wolgebornen / vnnd Ritterliche Herrn / Herrn Ferdinant von Hardeg / rc. Herrn Christoff / vnnd Herr Fridrich von Tieffen⸗ bach / rc. Gebruͤder / sampt den andern Kriegs⸗ Obersten / wz sie fuͤr Staͤtt / vñ... Show more Ein Warhaffti⸗ ge Neuwe Zeittung / Von den Erhaltenen Victorien in Vngern / wz die Wolgebornen / vnnd Ritterliche Herrn / Herrn Ferdinant von Hardeg / rc. Herrn Christoff / vnnd Herr Fridrich von Tieffen⸗ bach / rc. Gebruͤder / sampt den andern Kriegs⸗ Obersten / wz sie fuͤr Staͤtt / vñ Vestung / ero⸗ bert vnd eingenom̄en haben / von dem sex vnd zwentzigsten Mertzens an / biß auff den 2. tag des Mayen / des 1594. Jahrs / auch was dem Tuͤrcken fuͤr Volck in diser zeit geblie⸗ ben ist / rc. Jn Gesangsweiß gestelt / Jm Thon / Wie man den Stuͦrtzen⸗ becher singt. Getruckt zu Wien / bey Stephan Creutzer / 1594. NVn gebt dem Herren Lob vnnd ehr / Vnd ruͤmet seinen Namen sehr / O jr Christliche hertzẽ. Frewt euch zumal / jr Christen all / legt ab alles leid vñ schmertzẽ. Dann Gottes hoher thewrer Nam / ist al⸗ lenthalben wundersam / zu aller zeit vnd stun den / sein Arm der ist / noch zu diser frist / starck vnd vnvberwunden. Dañ er sein arme Christenheit / krefftig be⸗ schuͤtzt vor allem leid / mit seiner starcken han de. Dadurch sein Nam gantz wundersam / er schalt in allem Lande. Schaw an der Tuͤrcken grossen gwalt / Vnd halt dargegen welcher gstalt / wir gegen jm vns findẽ. Er mechtig ist / wir vbel geruͤst Dennoch bleibt er dahinden. Seind wir schon an gewalt vnd macht / ge⸗ gen jm gering vnd gar veracht / Vnd gar nit zuvergleichen: So gibt Gott vns doch gnad vnd gunst / Daß wir vor jm nit weichen. Er gibt vns Leute weiß vnd klug / die gebẽ dem Tuͤrcken zschaffen gnug / mit thaten vñ mit rahten: Dem kriegsvolck mut / vnd alles gut / Herr es seind deine thaten. Drey Graffen hat der Herr gesandt / Zuͦ hilff dem armen Vngerland / die Tuͤrcken da zustraffen / die brauchen sich gantz ritter⸗ lich / Dein werck / o Herr / sie schaffen. Der Tuͤrcken trutz vnnd groß hochmut / Durch sie felt vnd erligen thut / Sie thund den Tuͤrcken demmen: sein macht vnd gwalt zu boden falt / Gib Gott daß wirs erkennen. Vor Stulweissenburg auff der heid / ha⸗ bens in zwo stunden erleit / viel der Tuͤrckis⸗ chẽ hunde: Sieben tausend am selbigen end / Todt wurden bald gefunden. Zu Cilia dem festen platz / War von gold / Silber / ein edler schatz / das ward alles ge⸗ wuñen / Den Tuͤrcken drinn ward inen mit grimm / allen das Leben gnommen. Fuͤr Sabatzka die Vestung gut / Zogen sie fort mit Helden muth / gwuñens am tritten tage / was driñen war / must halten har / drey tausent Tuͤrcken tehtens erschlagen. Villeck belaͤgerten sie drauff / vnd schossen Thuͤrn vnd Mauwrn zuhauff / alles herni⸗ der erlegden. Von Temetschwer kam gezo gen her / Der Wascha mit drey Beegen. Die Statt woltens entsetzet han / mit fuͤnfftzig tausent wehrhaffter man / Gschuͤtz / kraut vnd Lot mit hauffen / aber die schantz felet jnen gantz / wer nit fiel must entlauffen. Von Tieffenbach der thewre Mann / mit fuͤnff tausent zu Roß zog an / jhr Schlacht⸗ ordnung zertrennet / Der Tuͤrcken da man ligen sach / Zwelff tausent ztod gerennet. Neun vnd zwentzig stuck grobs geschuͤtz / ge wan man in derselben hitz / fuͤnff hundert glad ne wagen / Von vieh vnnd Roß / darzu vom Troß / Wil ich diß orts nicht sagen. Villeck war drumb entsetzet nicht / die blaͤgrung ward jetzt angericht / die Statt erst recht beschossen / Die Knecht fuͤrwar warn munder gar / Stuͤrmpten gantz vnuerdrossen Als der sex vnd zwentzigst Mertzens kam / die Statt mit gwalt man da eiñam / All Tuͤr cken nider ghauwen / was sich stelt zwehr / muß haltẽ her / Außgnom̄en kindr vñ Frawẽ. Ein grosser schaͤtz da gwunnen ward: neun hundert Christen gfangen hart / wurden ledig der bande / Mit solcher Statt mann gebracht hat / acht hundert Doͤrffer zhanden. Auff solchs man auch das Laͤger schlug / Fur Ofen die Statt recht noch fug / Jn hof⸗ nung sie zugwiñen / O Gott gib Gnad / hilff fruͤh vnd spat / Laß vns / o Herre / gelingen. Als der Wascha Vezir solchs vernam / mit achtzig tausent er bald kam / bey eytler nacht gezogen / Vnnd vberfiel mit list in still / Die Christen / da zu erschlagen. Derselb Schimpff waͤrt vier gantzer stund / Keiner den andern sehen kundt / Ob er wer Freund oder feinde. O trewer Gott / der gros⸗ sen noht / Da starb mancher Mutter Kinde. Doch hat endlich das Christlich Heer / Durch Gotts hilff vnd jhr gegenwehr / Die Tuͤrcken aber gschlagen / Neun tausent jhr / glaubt warlich mir / Tod vff der walstat lagẽ. Zwelff stuck geschuͤtz man fande da / mit welchen grosser schaden gschach / wurden mit frewden gwunnen / achthundert Pferd / viel geldes werd / Hat man auch da bekom̄en. Die herrlich Vestung Nouigrad / man auch mit gluͤck gewunnen hat / Den zehenden tag Aprellen / Darauff wir bald / mit Gott vñ gwalt / Gran auch belaͤgern woͤllen. Die Tuͤrcken auß forcht der gefahr / Ha⸗ ben Segetsch vnd Schatzag zwar / Jñ brand gesteckt verlassen / Presenitz auch must in dem rauch / Leyden gleicher massen. Christoff von Tieffenbach der Herr / gwan Hytphen auch vnd anders mehr / Den acht vnd zwentzigsten Aprillens / ruͤst sich darnach mit aller macht / Hatuan zu blaͤgern willens. Der Bassa von Ofen das verstand / Der Beglerbeeg auß Griechenland / Wolten der sach rhat schaffen: Sie vberfalln / Erschlagen all / in jrer Rhu vnd schlaffe. Tausent starck fuͤnff vnd zwentzig mal / ka⸗ mens gezogen an der zal / Die blaͤgrung auff⸗ zuheben. O Tieffenbach merck auff die sach / der Schimpff wil sich erheben. Tieffbach der maͤr bald jnnen ward / Er⸗ schrack doch darab nicht so hart / Zog seinem Feind entgegen / Der Tuͤrck der sach sich nit versach / Er konts sich anders nit erwegen. Sie greiffen da einandern an / Gott wolte den Christen beystan: Sie siegten / doch mit schaden / Beiderseits da Man fallen sach / vil leut vom Tod beladen. Sechszeh tausent Tuͤrckische hund / Tod blieben da zur selben stund: Der Christen bey sex tausent / Vor solcher noht / O Herre Gott / Bhuͤt vns / laß vns nicht grausen. Hatuan die Vestung hiervff ward / dem võ Tieffenbach belaͤgert hart / den andern May gwunnen / Der Tuͤrcken schar / So darauff war / Jst nicht einer entrunnen. Ein armer Bawrsmann luͤff gehn Wien / Vnd brachte dise zeittung hin / dem thaͤt man gar wol lohnen / Das bottenbrot / So man jm gab / das Waren zweyhundert Kronen. Seind also in kurtzer zeit / Mehr als achtzig tausent Tuͤrckische leut / Jm Feld erschlagen worden / Der Christen scharr Sex tausent war / Vnd mehr ins Todes Orden. Weil dann Gott der Herr so gnedig ist / vnd vns beysteht zu aller frist / Wer wolt jn nicht drumb loben. Dir seye Ehr / O Gott vnnd Herr / im Him̄el hoch dort oben. Steh weiter bey der Christenheit / bewahre sie vor allem leid / Zu ehre deinem namen. Al⸗ lein gib vns / das wir dein gunst / nicht von vns jagen / Amen. Ende. Getruckt zu Wien / pey Ste⸗ phan Creutziger / Show less

Scharmützel vor der Festung Rab, 1594
Zwo warhafftige Newe Zeyttungen. Die Erste von dem vberauß blutigẽ Schar⸗ muͤtzel welchen dars christliche kriegs volck mit dem Tuͤrcken vor der festung Rab im Vngerland / von morgen vmb fünffe biß zu ei⸗ ner vhr nach mittag auff den ersten tag Sep tembris im 94 Jar gehalten haben. Die... Show more Zwo warhafftige Newe Zeyttungen. Die Erste von dem vberauß blutigẽ Schar⸗ muͤtzel welchen dars christliche kriegs volck mit dem Tuͤrcken vor der festung Rab im Vngerland / von morgen vmb fünffe biß zu ei⸗ ner vhr nach mittag auff den ersten tag Sep tembris im 94 Jar gehalten haben. Die Ander. Wie der Erbfeindt der Türck auff den 1. Octob: dises 94 Jars die gewaltig herliche statt vnd Vestung Raab durch auffgebung erobert / vnd wie er erbaͤrmlich mit den Christen Tyranni siert hat. Jm thon / wie man den Lindensmid singt. SO fragen thut ein Christen Mann / War umb jetzund sey auff der bahn Der Tuͤrck mit heeres macht er vñ einig nach der Chri sten bluͦt Thue trachten tag vnd nachte Dem thut antworten / zu der stund / Die Goͤt⸗ lich schriefft auß Gottes Mund / dein sünd vn⸗ zucht vnnd schande / Dem Tuͤrcken haben ruffen thon / Zu kommen in das Lande. Derwegen er mit grosser Macht / Mit hohn / Gottsloͤsterung vnd pracht / Jetz tobet manig⸗ falte Jm Hungerland / in welchem er Raubt / brennt / moͤrd mit gewalte. Auff vierdten deß Augstmonats sich Fuͤr Raab die Festung / trutzigklich Thet leben mit vil Tausent / Fieng dieselb zu beschiessen an / Das manchem darob grauset. Die Christen offtmals fielen auß / Da sich er⸗ hube mancher strauß / Der Feind schlieff nicht thaͤt wachẽ / Schantzt nah hinzu / warff bolwerck auff / Schoß in die Statt mit krachen. Auff den ersten in dem Herbstmon / Als man zuvor het bawen thon Zwo Schiff brucken mit rahte / Vber die Rabnitz vnd die Rab / Auß fal⸗ len man bald thate. An dreyen Orthen wolbedacht / Das Kriegs⸗ volck man herausser bracht / Beym Weissenbur⸗ ger Thore / Der Reuter vnd deß Fuß volcks viel Außkamen vnd darvore War angestelt das Welsch Gesind / Daß es beym Wiener Thor geschwind Ausfallen solt in stille / Beym Wasserthor geordnet seind / Zur v⸗ berfurth fuͤnff Zillen. Auff die Herr Geitzig koffler saß / Thanhaus⸗ ser jhm zugeben was / Die dann mit jhren Knech ten Außfuhren zu derselben stund / Bald hub sich an ein fechten. Der von Koͤnigsperg / der Ritters man / Mit seinen Reuttern griffe an / Das Fußvolck auch deßgleichen / Auff die Hauptschantz bald dran⸗ gen zu / die Tuͤrcken theten weichen. Der Christen Volck die Schantz einnam / Der fluͤchtig tuͤrck bald wider kam / gestaͤrckt mit gros⸗ sem hauffen / Die theten mit sehr grossem Ge⸗ schrey / Auff vnser Volck zu lauffen. Welches dann vbermannet gar / gedrenget võ dem tuͤrcken war / Die Schantz wider zulassen / Das fluͤchtig dem Stattgraben zu / Thet eylen vber die massen. Herr Geitzig koͤfler welcher ward / gedrenget von dem Feinde hart / Den Schiffen thet zu eylẽ / Das er mocht retten seinen Leib / Doch vnder denen weilen Die Schiff gerunnen waren fort / Nur eins blieb an demselben Orth / Jn welches er thaͤt springen / Auff jhn biß inn vierhundert Mann / Hauffen weiß theten dringen. Das Schiff von Leuten so beschwert / Vhr⸗ ploͤtzlich hinunder fehrt / Zu grund / auch thaͤte sincken / Must also maͤnigklich darauff Erbaͤrm⸗ lichen ertrincken. Jn dessen auß dem Laͤger frey / Sich geben thet die Kenterey / Deß Tuͤrcken / die zusammen / Bey den Weingaͤrten theten sich / Herr Balvi diß war name. Macht ein Schlachtordnung / vnd behend / Sich zu den selben Tuͤrcken wend / Mit welchen er getroffen / Der Archibusier etlich send / zum er⸗ sten angeloffen. Vnd grimmig in den tuͤrcken geseßt / Vil todt geschlagen / vil verletzt / Das also in Vierhundert Der Türcken / in demselben strauß / Aufflogen / vnd nicht drunder. Es war ein ernstlicher Streit / Vil seind todt blieben beyderseit / Herr Balvy wurd geschossen Jn einen Schenckel hart verwund / Darzu sein Bunds genosse. Der von Koͤnigsberg / ein streitbar Heldt / Wurd auch in disem Streit gefelt / Der von Thã⸗ hausen eben / Ein schuß inn die linck Brust em⸗ pfieng / Schadt im leider am Leben. Als Herr Nadasti sehen thet / Das sich der Feind gestercket hett / Vnd nichts zu gewinnen ware / Nam er fein mit gelegenheit / Den Abzug sicher zware. Zwey tausent Christen an dem end / Jn dem Scharmützel blieben seind / Vierhundert auch er⸗ truncken / So mit dem Geitzigkofler seind / Jm Schiff zu grund gesuncken. Dem Feind thet mans auch sparen nicht / Dan jhrer wurden hingericht / Bey tausend vnd fuͤnff⸗ hundert / Zum theil auch nicht geringe Leut / die sich fanden darunder. Ein Tuͤrck so stattlich war geziert / Ein guldin Rock am Leib erfuͤhrt / Lebendig ward gefangen Als man den nicht fortbringen kund / Jst er auch drauff gegangen. Dann sie zu stucken hawten jhn / Jm Streit war auch gerichtet hin / Der Janitscharen Aga / Jhr Haubt / vnd auch sehr streitbar Mann / Todt auff der Wahlstatt lage. Deß Herren Balvy Jung im Streit / Er krie⸗ get auch ein reichen Beut / Dann er ein Pferd be⸗ kame / Schoͤn / frewdig / nach Tuͤrckischer art / Welches er zu gut anname. Dann der Zaum war von Silber rein / Der Sattel auch beschlagen fein / Ein Stecher / so von golde / Vierhundert Thaler war es wert / bracht jhm ein guten Solde. Jn summa / da must mancher Mann / Zu bey⸗ derseit das Leben lahn / vil Bluts vergossen ware dann der Tuͤrcken war vberauß / ein vnzehliche Schare. Darumb thut Bueß jhr Christen leut / Dann es fuͤrwar ist grosse zeit / groß Not ist jetz verhan⸗ den / Der Tuͤrcken Tyranney fuͤrwar / Moͤcht tref⸗ fen noch Mehr Lande. Huͤt dich du teutsche Nation / Der Tuͤrck nicht leicht wirdt abelon / Biß er setz seinen Fusse / Auff Teutschen boden / darumb greiff ein jeder zu der Busse. ENDE. MEin Mundt singt / mein Hertz betruͤbt / Mit weinen sich nur stetigs uͤbt / O ja⸗ mer noht vnd waffen / Der Herre Gott Mit Krieges noht / Will vnser Suͤnde straffen. Den Tuͤrcken grim̄ hat er außgesandt / mit gro sem Volck ins Vngerland / Teutschland thu dich versehen / Dein Sünde schwer / Wirdt Gott der Herr Vngestrafft nicht vbergehen. Die Art ist schon an baum gelegt / Vngern mit Mord in Brand gesteckt / O teutschland thu auff wachen / Die not ist groß ohn vnderlaß / das thut die suͤnde machen. Ach das ich koͤnnt mit meinem Mund / meng⸗ lich den jamer machen kund: Es solt mich nit ver⸗ driessen: Ob man vielleicht besserte sich / Vnd von Suͤnden abliessen. Als man fuͤnffzehen hundert jar / vnd vier vnd neuntzig zehlet gar / O jammer vnnd ellende / war der Türck auff / mit seinem hauff / Ach Gott den jamer wende. Mehr als zwey hundert tausent Mann / ka⸗ men in Vngern Tuͤrcken an / mit Mordt / rauben vnnd Brennen / O Rab / ach Rab / du trawrst auch drab / Vnd thust die noht erkennen. Fuͤr Rab zog er / vnd lag daruor / Zwen Monat lang / vnnd das ist wahr / Thets gwaltiglich be⸗ schiessen / Er machts so sauwr / biß Thurn vnnd Manwr / brachen vnd ein krach liessen. Fünffzehen mal gestuͤrmet ward / Die Statt hielt starcke widerpart / wehrten sich ohne zagen / Neun tausent Man gantz wolgethan / Dem Tuͤr cken warde erschlagen. Daß mochte alles helffen nicht / die Statt war vbel zugericht / der hauff zklein / die Mawr bro⸗ chen: Der paß verleit / war weit vnd breit / o Gott laß nicht vngerochen. Des Weinmonate am ersten tag / erhub sich ja⸗ mer/ noht vnnd klag / die Statt ward eingenom⸗ men / O wehe der noht / Sie schlugen ztod / Mit grimm was sie bekommen. Es wehrt sich tapffer Mann vnd Weib / Jung vnd alt / keins spart seinen Leib / Niemand wolt sich ergeben / Gantz ritterlich wehrten sie sich / ach es galt Leyb vnd Leben. Doch haben zuletzt die Tuͤrcken Hund / den Sig erhalten zu der stund / Mit Mord vnnd blutver⸗ giessen / das Blute floß / Als ein Bach groß / drin wuschens jhre Fuͤsse. Was nit tod blieb / gefangen ward / gepeinigt jaͤmerlich vnnd hart / O wehe der Kindern zarte / Sie wurden zu hauff / Gehenget auff / Erschossen mit pfeiln harte. Weibs Personen jung vnd alt / habens gemar⸗ tert gleicher gstalt / Geschendet jhrer ehren / vnd nach gebrauch Erschossen auch / o Gott stehe auff thu wehren. Wann sie bekamen ein schwanger Weib / schni ten sie bald auff ihren Leib / Die Frucht herauß gerissen: Solch Kindlin klein / der Mutter sein Vmb jhren Kopff geschmissen. Jch sung gern mehr von diser gschicht / So kan ich es vor weinen nicht / So vbel ist es gangen / Die Mannschafft gar / was vbrig war / Gantz jaͤmerlich gefangen. Gantz nackend wurdens auffgehenckt / Mit heissen Schwebel vnd pech besprengt / rissen auff jhre waden / heiß Gel darein / O wee der pein / sie auch gegossen haben. Mit Geißlen schlugens auch die Hund / biß sie am gantzen Leib verwundt / mit Saltz wurden gerieben / Solch grosse noht / Erbarm es Gott / Habens neun tag getrieben. Diß / vnd viel grewlichers noch mehr / habens gethan / erbarm dich Herr / Mehr als in fuͤnfftzig Flecken / die Fuͤß vnd Hend Vieln abgebrent / sie darnach lassen stecken. Comor Comorha halt dich vest / Gewißlich be⸗ kombst auch dise Gest / Drumb ruͤfft an Gottes Namen / O Herre Gott Jn dieser noht / Erhalt vns allen sammen. Zum bschluß bitten jr Christenleut / das der lieb Gott zu allerzeit / sein aller heiligsten Namen woͤll retten thone durch seinen Sohn / wer das be⸗ gert / sprech Amen. ENDE. Getruckt zu Augspurg bey Michael Man⸗ ger / Anno 1594. Show less

Großer Türkenkrieg: Chronik der Belagerung und Massaker in Ofen (Budapest) in Ungarn, April; Wundergeschichte aus Konstantinopel (Istanbul), 18. Januar - 1. Februar
Zwo Warhaffti⸗ ge Newezeitung / Die Erste von Nouigrat vnd Ofen / ausm Lan⸗ de zu Vngern / vom gluͤckseligen Sieg vnd Triumph der Christen / wider den Tuͤr⸗ cken / Wie sie derselbigen viel er⸗ schlagen / vnd in die 800. Doͤrf⸗ fer vnd Flecken einge⸗ nommen. Jm Thon: Wie man den... Show more Zwo Warhaffti⸗ ge Newezeitung / Die Erste von Nouigrat vnd Ofen / ausm Lan⸗ de zu Vngern / vom gluͤckseligen Sieg vnd Triumph der Christen / wider den Tuͤr⸗ cken / Wie sie derselbigen viel er⸗ schlagen / vnd in die 800. Doͤrf⸗ fer vnd Flecken einge⸗ nommen. Jm Thon: Wie man den Lindeschmid singet. Die andere / aus Constanti⸗ nopel / Wie man groß Wunder am Himmel gesehen hat / darob der Tuͤrcki⸗ sche Keyser vnd sein Volck sehr er⸗ schrocken. Geschehen vom 18. Januarij biß auff den ersten Februarij. Jm Thon: Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn. Erstlich gedrucket zu Preßburgk / bey Johan Walo / Anno 94. HOret zu jr Christen in der still / Gute newe Zeitung ich euch singen wil / Die newlich ist geschehen / von Nouigrat vnd Ofen in Vngerland / 50. Jahr vnter dem Turcken gelegen. 2. Der Turck mit funff vnd zwentzig tausent man hat gewaltig gross schaden gethan / mit Rauben / Brennen vnd morden / nach Christenblut stund sein be⸗ ger / das ist er innen worden. 3. Den als dz Christliche Kriegsvolck / vnter dem Feld⸗ obersten bald / Friedrich von Tieffenbach eben / Vier⸗ zehen tausent gewesen da / den 16. Aprill angezogen. 4. Darnach den achtzehenden Tag / fuͤr das Tuͤr⸗ ckische haus Sabbadtag / mit heeres fuͤr gekommen / dasselbige gestuͤrmet beschossen sehr / sie mit gewalt ein⸗ genommen. 5. Den 20. Aprill merck eben / ein Tag sind sie da still gelegen / das Lager voran geschickt / fuͤr die ge⸗ waltige Festung Nouigrad / den Tuͤrcken obzuligen. 6. Sie haben angefangen darnach / Den 21. Aprill Tag / Statt Nouigrat zu beschissen / Alß bis der Tuͤrck vermercket hat / dz thet jhn scht verdrissen. 7. Darnach han sich heimlicher weiß / eines theils aus dem Schlos gemacht mit vleis / nach Kundschaff theten sie stellen / Wie starck doch auch die Christen wern / das sie sie moͤchten vberfallen. 8. Von allen Grentzen sind kommen an / der Tuͤr⸗ cken etliche hundert Man / zwo meilen von Nouigrat entgegen / Welchen der vnfertigen alsbalt / acht tausent find gewesen. 9. Das erste mal doch erschlagen warn / sechs tau send Tuͤrcken in solcher gefar / die Sebel hoͤrt man klin⸗ gen / der vnsern sein acht hundert blieben / sehr thewer war lachen vnd fingen. 10. Es wer kein Tuͤrck kommen daruon / Wenn ein Wald nicht hette gedan / darzu die engen Wege / nichts desto weniger blieben sind / die Ansehnlichsten Tuͤrcken dagegen. 11. Eben denselbigen Tag ist der Herr Palfi wie ich sag / mit acht tausend gekomen / zu huͤlff dem Herrn von Tieffenbach / wie man solchs hat vernommen. 12. So hat wiederumb gar starck / Stadt No⸗ uigrat beschossen hart / den 24. mit Namen / eins teils geplundert vnd verbrand / die Start mit gewalt einge⸗ nommen. 13. Als sie Nouigrat haben eingenomen / sind sie alsbald auff Ofen kommen / den 28. Aprill eben / mit gantzer macht vnd Heerskrafft / die Stadt mit gewaldt vmbgeben. 14. Der Tuͤrck der schos gewaltig sehr / drey Kar⸗ taunen lies er fliegen her / die theten gewaltich sausen / das verdros so manchen Deutschen Kriegßwan / mit seinen Pfeil geschuͤtze. 15. Doch vber die acht hundert zwar / im letzten Schlos gewesen warn / die sind all abgezogen / darauff die vnsern alsbald / die Festung eingenommen. 16. Darinnen sie ein gute beut / am Geschuͤtz / Pro fiant vnd Vorrath / in diesem Schloß bekommen / man sagt auch das gen Nouigrat / vber die Acht hundert Doͤrffer gehoͤren. 17. Wie nu die Tuͤrcken in dem Schloß / zu Di⸗ nen in der Festung gros / solchs haben vernommen / sind sie allesampt aus Angst vnd Furcht / in der Flucht dar⸗ uon kommen. 18. Die vnsern haben in diesem Streit / Gott Lob dafuͤr zu aller zeit / den Tuͤrcken eingenommen / 800. Doͤrffer vnd Staͤdt ich singen thu / die haben sie ehrlich gewonnen. 19. Auff der Tuͤrckischen seiten sind blieben 14000. Man / auff der Christen seiten 11000. Man / also habt jr vernommen / da haben sie muͤssen lan / mancher jun⸗ ger Held sein leben. 20. Den 30. Aprill ist offenbar / gen Constanti⸗ nopel gekomen ein Kundschaffer dar / der ga[...] zuuer⸗ stehen / wie das die Tuͤrcken verlieren wuͤrden, die Chri⸗ sten wuͤrden gewinnen. 21. Nach dem wie diese Kundschafft sagt / so sind die Tuͤrcken zu Constantinopel erschrocken hardt / die hende zusammen geschlagen / vnd schelten auff jren Ober⸗ sten sehr / wo sie sich [...] muͤssen wagen. 22. Wie jre Keyserliche May. zu Prag / solches erfaren hat / ist gewiß vnd mercket eben / so hat man in der Schloßkirchen zu Prag / das Te Deum lauda⸗ mus gesungen. 23. Deßgleichen zu Prag hinder dem Schlos / bey jrer Mayestet Lusthaus / gros Geschuͤtz hinab gelassen / bey sieben vnd dreissig gezelet waren / jederman zur freu⸗ de abgeschossen. 24. So ist das Türkische Heer zertrent / O HErr dein Goͤttlich huͤlff vns send / das wir vnsere Feinde dempffen / mach deinen Christen Hertz vnd muth auff / das sie Ritterlich kempffen. 25. Gelobet sey Gott in Ewigkeit / der vns sein huͤlff zu aller zeit / Vaͤterlich hat gegeben / O HERR hilff vns aus aller Not / fuͤr vns ins ewige Leben. 26. Derhalben jr Christen allgemein / Jung alt / groß / vnd auch klein / thut buß last ab von Suͤnden / vnd bittet Gott fuͤr alle noth / vnd zuͤchtiget ewer Kinder. 27. Vnd lehret sie sein nach Gottes rath / halt sie zum gebeth fruͤ vnd spath / so wird Gott stuͤrtzen zusa⸗ men / den Tuͤrcken macht / vnd grossen pracht / durch Jesum Christum / Amen. Das Ander. HOrt zu jr lieben Christenleut / Ein froͤlich neue Wunderzeit / wil ich euch jtzund singen / Was man in Tuͤrckischer Heuptstadt / Constantino⸗ pel gesehen hat / hilff Gott das mirs gelinge. Jn dem 94. Jar / den 3. Januarij das ist war / zu Nachts vmb die 9. vre / ein Cometstern / ganz schreck lich / der Fewrig stralen gab von sich / am Himmel gese⸗ hen wurde. Auff zwoͤlff vhr stund er ob der Stadt / darnach wur⸗ den gehlin Blutroth / verblieb ein halbe stunde / hernach kuͤrtzlichen zu der fart / gantz kolschwartz er gesehen ward / Jst bald darnach verschwunden. Gleich darnach an derseiben stat / drey Christlich Kriegsperson man hat / von Nidergang sehen komen / Erstlich ein schwartzen Reuter [...] / der fuͤrt ein Tuͤr⸗ ckenkopff an dem Schwerd / weiter hab ich vernomen. Zum andern sah man ziehen her / einen Vngeri⸗ schen Hußsern / der an seiner Copy fuͤhr / ein Tuͤrcken⸗ kopff gantz sichtbarlich / Der dritte war ein Fehnrich / in Deutscher tracht gezieret. Der het sein Fehnlein auffgeschwungen / als het⸗ ten je ein Sieg gewunnen. Das thet der Tuͤrcken pla gen / Der Tuͤrckisch Keyser vnd sein Gesind / beruffen jre Doctores geschwind / den ersten thet man fragen. Derselb war ein Tuͤrckischer Hund / sagt zum Key ser zu der stund / soll ich die warheit sagen / die Christen⸗ heit wird vns diß jahr / bringen in grosse Noth vnd ge⸗ fahr / vnd [...] Kriegsvolck erschlagen. Vnd wenn der Fried nicht brochen wer / von vns so riet ichs doch nicht mehr. Jtzt habt ir mich vernom⸗ men. Dieser ward abgeschaffet fein / Ein ander ruffet man wider hinein / Der sagt in gleicher Summen. Er konnt auch anders nicht erkernen / allein es wird vns vberrennen / dis jahr die Christenheite. Zum dritten fodert man hinein / ein Deutschen Astronmum fein / Den [...] bedeute. Der Keyser fragt jn zu der Frist / sag mir auch an / dieweil du bist herr / aus der Christen Lande. Was in ewren Landen / ist geschehen / wenn man hat solche Zei⸗ chen gesehen? Darauff sprach er zu hande. Was solches bey vns hat bedeut vnd andern Orten fern vnd weit / Jch itzt erzehlen wil: Man sind es in der Schrifft stan / als ich offtmals gelesen han / Von Wunderzeichen viele. Erstlich als Jerusalem / von Vespasian zu grun⸗ de solt gehn / Sach man zuuor viel Zeichen / am Him⸗ mel stehn ob der Stadt / welches sie zur Buß vermanet hat / Weiter sag ich dergleichen. So offt man Wunder hat gesehen / ist stets ein Vn geluͤck darauff geschehẽ / welches kein mal lehr ausgan⸗ gen. Was in der Christenheit bedeut / das habt Jr jtzt gruͤndtlich Bescheidt / Von wir kuͤrtzlich empfangen. Der Tuͤrck sorgt auch zu dieser fahrt / gros Vn⸗ gluͤck wird jn treffen hart / auff dieses Wunderzeichen Das sie in jhrem Streidt vnd Krieg / werden erlangen wenig Sieg / mit seinem Volck dergleichen. Auff diese Wort schnel vnd behend / Der Tuͤr⸗ ckische Keyser heraus send / thet wieder Fried begeren. Vnser Keyserliche Maiestet / jm diß kuͤrtzlich abgeschla gen hat / in antwordt thet jm werden. Den Fried ich nicht gebrochen han / Wie ewer Keyser hat gethan / wil jm auch nicht zusagen / Son⸗ dern wil ewer aller Feind / so wider Gott vns Christen seind / gewarten one zagen. Mit Gottes huͤlff / gnad vnd verstandt / sampt meinen frommen Leut vnd [...] / wil ich itzt ewer beiten. Vnd euch mit meinem Kriegßvolck bald / besuchen mit ernst vnd gewalt / Gott wird vns helffen streiten. Also zog die Botschafft daruon / vnd zeigtens jhrem Keyser an / dem grimmigen Bluthunde. Dar⸗ auff er nu in seinem Land / die Grentzheuser allesampt / Sterckt und besetzt jtzunder. Zum Beschlus ich Gott von Hemmel bitt / das Er theil vnserm Keyser mit / auch seinem Kriegs⸗ volck eben. Wider den Feind Triumph vnd Sieg / Auff das wir dort allesampt ewig / in Wonn vnd Frewde leben / Amen. Show less

Wasserflut im Wallis, 1595
Warhaffte / doch Trawrige / auch leydige new Zeittunge. Von der vberauß erschroͤcklichẽ wasserguß / so sich in Wallis mit zsamen fallung zweier Bergen in Rodan / vnd desselben fluß verschwellung in disem 1595. Jar mit grossem hertzleid sich zugetragen hat / allen from men zu Christlichem /... Show more Warhaffte / doch Trawrige / auch leydige new Zeittunge. Von der vberauß erschroͤcklichẽ wasserguß / so sich in Wallis mit zsamen fallung zweier Bergen in Rodan / vnd desselben fluß verschwellung in disem 1595. Jar mit grossem hertzleid sich zugetragen hat / allen from men zu Christlichem / nachbarlichem mitleiden / auch trewherzigem gebaͤtt / das der liebe Gott solche straff vorthin von vns gnedig ab wenden woͤlle / lieder weiß gestelt / Jm thon / kompt her zu mir spricht Gottes Sohn / rc. Geschehen den drieten May / Jm jar vn⸗ sers Herrn geburt / 1595. I. ALs man tausent / fuͤnff hundert Jar Fünff vnd neuntzig zehlet zwar / Merck auff du Menschen kinde / Hat Gott vmb vnser missethat / Die jn schwerlich erzürnet hatt / Ein groß wunder thun senden. II. Martanach ein marck fleck bekant / Der liget im Walisser landt / O jamer vber jamer / Wan ich die schwere not betracht / Jch sincken moͤcht in ein onmacht / Bringt mir vil leid vnd kummer. III. Ein Edel Landt so vest vnd reich / Bald man nit findet seines gleich / Vil stercker dan ein Mauren / Den dritten May am Sontag / Leyder man hoͤret not vnd klag / Ein jamerliches trawren. IIII. Morgens vmb fünff vhr ohne spott / Gotts zorn vnd gwalt man gsehen hat / Thet gantz grimmig herfallen / Zwen hoch Alpberg erschröckenlich Jn den fluß Rhodan stuͤrtztent sich / Mit krachen vnd mit knallen. V. Die leut erschrackent hefftig sehr / Sie meintent Himmel vnd auch erd / Thet fallen vber hauffen / Des Bergsfal dem fluß spert sein gang / Nachmals swasser mit gwalt herdrang / Niemant kont dem entlauffen. VI. Vierthalb hundert heuser O Gott / O from̄ Mensch treib darauß kein spott / Eilents theten ersincken / Must also manches mutter kindt / Jn ach und wee / auch groß ellendt / Gantz erbaͤrmlich ertrincken. VII. Brentzi den flecken lobesam / Jn einer gschwind auch hinweg nam / Kein gwiß ort kan man sehen / Wa doch ein hauß gestanden sey / Gotts zorn kan man mercken hierbey / Vmb sonst ist es nit gschehen. VIII. Das dorff Bani auch gleicher gstalt / Mit seinem gwalt ertrincket bald / Wenig auff dberg sind gwichen / Dreyhundert menschen an der zal / Hatt des grausamen wassers qual / Jm augenblick erschlichen. IX. Auß andern Doͤrffern nach vnd ferr / Komment taͤgliche klag sag mehr / Die sich da hand begeben / Allda dem Menschen vnd dem vich / Diß erbarmliche wassers guͤß / Genommen hat das leben. X. Vierhundert person in einer summ / Sindt gfunden worden vmb und vmb / Vber tausent verflossen / Jn Genffer see / mit ach vnd wehe / So der Rhodan / one nachlahn / Grewlicher weiß hat gstossen. XI Kein tag der zeit vergehn nit kan / Das man nit sindt driñ Fraw auch man / O Mensch faß es zu hertzen / Bedenck der Jungen kinder not / Die da littent den bitter todt / Mit grossem gschrey vnd schmertzen. XII. Wil geschwigen jetzt der guͤter all / Der Roß / Kuͤh / kaͤlber / die im thal / Weit vnd breit sindt abgangen / Auch dern / die man nit finden kan / Ob schon darnach grabt mancher man / Mit hertzlichen verlangen. XIII. All bruck biß S: Moritz hinnein / Hatts mit groß vngstimm grissen ein / Obs von stein gleich vest waren / Jst das nit ein groß wunder gschicht / Welchs alles vnser suͤnd zuricht / Nie gsehen von vil Jaren. XIIII. Merck auch hierbey der Acker vil / Raͤben / Matten / Gaͤrten onzil / Jn kein nutz mehr zubringen / Mein hertz on vnderlaß betruͤbt / Mit weinen sich nur stettigs vbt / Wan ich daruon soll singen. XV. Laß dirs o Mensch zu ohren gehn / Vom schlaff der sünden solt ablohn / Das sindt die warhafft zeichen / Die der lieb Gott zu schicken thut / Zu brechen vnsern vbermutt / Stein haͤrt hertzen zu erweichen. XVI. Kein Mensch so alt auff diser ban / Der so groß wasser dencken kan / Als eben dises Jare / Bsonder in Teutscher Nation / Wie vil schaden hatt es nur thon / Mit leibs gfar wol erfaren. XVII. Weil ander leut das vngluͤck trifft / Gedenck das es dein suͤndt anstifft / Mitleiden soltu tragen / Wan vngluͤck ist vor frembder thür / Denck es kan auch kommen zu dir / Mit gleicher langen zwagen XVIII. Darumb o Mensch die gschicht betracht / Bitt Gott gantz fleissig tag vnd nacht / Das er vns woͤll bewaren / Vor wasser / vnd vor fewres not / Vor bösem / schnellen / gehen todt / Jetzundt vnd jmmerdare. Amen. Getruckt zu Basel / bey Jo⸗ han Schroͤter. Show less

Hinrichtung des Grafen Ferdinand von Herdegg und Nicolai Perlin ,16. Juni 1595
Newe Zeittung. Wie zu Wien / dẽ XVI. Tag Junij / Ferdi⸗ nand / Graff von Hardeck / vnd Niclaus Berlin / ein Welscher Collonet / vnd Bawmeister der Voͤstung Raab / wegen jrer falschen Practick vnd Veruntrewten Vbergebung der Voͤstung Raab / sein Gericht worden / dises 1595. Jahrs. Jm Thon: ... Show more Newe Zeittung. Wie zu Wien / dẽ XVI. Tag Junij / Ferdi⸗ nand / Graff von Hardeck / vnd Niclaus Berlin / ein Welscher Collonet / vnd Bawmeister der Voͤstung Raab / wegen jrer falschen Practick vnd Veruntrewten Vbergebung der Voͤstung Raab / sein Gericht worden / dises 1595. Jahrs. Jm Thon: Pomey / Pomey / Jhr Polen / rc. MJt Trauren muͤß ich singen / Ein Verrhaͤttrische That: So faͤlsch⸗ lich thet verbringen / Graff vonn Hardeck mit Rath / Niclaus Berlin ein Welscher / Bawmeister der Voͤst Raab / Sein Mitghülff vnd verfoͤlscher / Brieff vnd Sigel vorab. Nach dem sich hat verlauffen / Das Vier vnd neüntzigst Jar: Vnser Kriegß⸗ volckh mit hauffen / Taͤglich geschlagen war. Wie weißlich mans angriffe / Hett es doch keine statt / Weil Graff von Har⸗ deck durch brieffe / Diß alls verrhatẽ hat. Wol an dem Sechßten Tage / Jm October fürwahr: Sechs vnnd dreyßig Stürm mit klage / Stuͤnd Raab auß mit gefahr. Manch Muͤterkind vmbkom̄en / Graff von Hardeck den Tag / Gieng auff der Pastey herumben / Den Türckhen die Loßung gab. Niclaus Berlin zu gleiche / Zeigten dẽ Kriegßvolck an: Wie sie muͤßten ent⸗ weichen / Raab moͤcht kein bstand mehr han. Auch kein Sturm mehr erdulden / Das Kriegßvolck kranck vnd schwach / Sprachen wir vnns entschulden / Wahr⸗ lich an diser sach. Bald wurd Raab vberteben / Dem Türckischen Bluͤthund: Durch die zwen gnandten eben / Hats noch zu diser stund. Gott woͤll dem Kriegßvolck geben / Das sies gewinnen thon / Sampt gantz Hun⸗ gerland darneben / Bittẽ wir durch Chri⸗ stum seinen Sohn. Die zwen verstricket warẽ / Biß auff verloffnen tag / Diß Fünff vñ neüntzigst Jare / Jm Junij ich euch sag. Den Sech⸗ tzehenden eben / Jm Monat war die Zal / Ward Gericht zum Todt vom Leben / Graff von Hardeck zu mal. Vormittag vmb acht vhren / Vor der Keyserlichen Burg: Ein offner Kriegs⸗ rath wurde / Gesetzt ohn alle Sorg. Aber Graff von Hardecke / Vnnd dem Berlin zugleich / Da hat man jn thuͦn entdecken / Jhr verbrechen dem Roͤmischen Reich. Graff Ferdinand võ Hardecke / Dem tratt Herr Poppel vor / Bey der Cappell on schroͤcken Nam deß Burgermeisters gwar / Dem er sich mit gsoͤnnen erzeigte / Bath vmb verzeihung sehr / Seine Bluͤt⸗ freundt geneigte / Von der Burg jhn be⸗ glaitten her. Zweintzig Mann ohn gefehre / Die tratten nach jm her / Jnn eim schwartzen Kleid auch mehre / Herr Berlin betruͤbt sehr / Zwen Jesuiten entgegen / So jn zu⸗ gsprochen hon / Jn die Schranck gmacht deßwegen / Jr Vrtheil verlesen thon. Ein Erbar Kriegßrath aufftraw⸗ en / Er kendten auff Hardeckh / Jhm sein rechte Hand abhawen / Auff Kerner Pa⸗ stey werd gsteckt / Jn an ein Galgen hen⸗ cken / Vnd drey tag hangen lon / Ein gnaͤ⸗ diger Vrtheil thet schencken / Die Keyser⸗ liche Kron. Dem Berlin gefellt ware / Sein Vr⸗ theil gleicher maß / Sein Leib Vierthei⸗ len zuuore / Hencken auff die vier Straß / Drauff jr Mayestaͤt ich sage / Ein Gnaͤ⸗ dig Vrtheil gab / Sein Haupt jhm abzu⸗ schlagen / Vnd legen inn ein Grab. Statt Gwardj vnd Burgerschaff⸗ te / Jnn voller Rüstung stund / Dardurch blaidt mans Trosthaffte / Biß auff den Hoff jetzuͦd / Alda ward auffgeschlagen / Mit schwartzem Thuͤch ein Bin / Drauff stigen sie mit klagen / Vnnd wurden Ge⸗ richt hin. Der Graff erstlich auff tratte / Mit dreyen Dienern sein / Die er allzeit bey jm hette / Die gantze klag allein / Weil man jm nicht wolt zulassen / Ein Predicanten zur Letsten stund / Ein Glehrter Mann ohn massen / Bleib bey im biß an sein end. Welcher zuuor gewesen / Stattschrei⸗ ber in Krembs vil Jar / Magister Haw⸗ enstein außerlesen / Von eim Rath auß⸗ gschafft war / Als der Graff auff der Bin ware / Ein schwartz Vngerisch kleid hett an / Am Halß außgeschnitten zuuore / Thet ein starcke Oration. Darnach sein Rock vnnd Kragen / Nam selbst vom Leib vñ Halß / Gar vn⸗ erschrocken ich sage / Gabs seinem knecht damals / Mit Freüden knieet nider / Auff ein schwartz Sammet Kiß / Sein Hand selbs bloͤßt legts nider / Auff ein stock ohn verdrieß. Dieweil der Scharffrichter empfien⸗ ge / Vom Profoßen das Richtschwerdt / Selb ander auff die Bihn gienge / Vnd sich nicht lanng vmbkehrt / Baldt deß Scharpffrichters knechte / Jm abschluͤg die Rechte Hand / Der Scharpffrichter das Haupt wie rechte / Gschach mit ein⸗ ander alßsand. Darnach seine Diener geschwinde / Leuten jhn inn ein Sarch / Vnd auff ein Wagen so stuͤnde / Mit schwartzem tuͦch vnd Marck / Vnd sechs Roß vberzogen / Gantz schwarz in einer Klag / Mit wel⸗ chen man vnerlogen / Jn wegfuͤhrt disen Tag. Darnach ist auffgetretten / Berlin zu gleicher maß / Nam Vrlaub inn sein Noͤten / Knieet nider vber das / Jm knie⸗ en sich gebucket / Der Scharpffrichter ge⸗ schwind / Das Richtschwerdt hett gezu⸗ cket / Haut in zu hoch inn Grind. Und nacher noch zwen straiche / Li⸗ gendt auff jn gethon / Der Scharpffrich⸗ ter geleiche / Von der Bihn sprung hin⸗ dan / Ettlich Volck fliehen gundte / Ein Lerm bald worden wer / Der Burgermei⸗ ster zur stunde / Den Scharpffrichter be⸗ gert. Vber jm Schutz gehalten / Wer sonst nichts guͤts worden drauß / Deß Berlins diener der gstalte / Den zerhawten Leich⸗ nam mit grauß / Auch in ein Sarch thuͦn legen / Vnd jhn tragen daruon / Die zwen Mann so verwegen / Vil Christen Bluͤt vergossen hon. Darumb jhr Fromme Hauptleüthe / Jhr seyt gleich wo jhr woͤlt / Gedenckt an Ewern Eyde / Laßt Euch nicht triegen das Gelt / Vnd verkaufft Christen bluͤte / Wie dise hon gethon / Jnn der Hoͤllischen gluͤte / Empfacht mañ darfür Lohn. Vnd auch jr Fromme Kriegßleüthe / Gedenckt an ewern Eyd / Seyt gehorsam der Oberkeite / Dann es trifft Land vnd Leüth / Den jr zum Fendlein thuͤt schwoͤ⸗ ren / Geht es offt vbel zu / Hofft es werd besser werden / Auff Gott vertrawen thuͦ. Erstlich Getruckt zum Altenberg / an der Jglaw / bey Benedict Frey. 1595. Show less

Schnee- und Wasserflut bei Bodenstein, 23. Februar 1595
Warhafftige Newe Zeitung / So sich auf dem Ge⸗ buͤrg / ein halbe Meil von Boden⸗ stain / Jn einem Doͤrflein / von neun Hertstaͤtten Cosprunn genandt / den 23. Febr. Anno 1595. Zwischen 2. vnd 3. Vhr Nach Mittags hat zugetragen / da in einem augenblick / der Schnee vnd Wasser drey Staͤdel... Show more Warhafftige Newe Zeitung / So sich auf dem Ge⸗ buͤrg / ein halbe Meil von Boden⸗ stain / Jn einem Doͤrflein / von neun Hertstaͤtten Cosprunn genandt / den 23. Febr. Anno 1595. Zwischen 2. vnd 3. Vhr Nach Mittags hat zugetragen / da in einem augenblick / der Schnee vnd Wasser drey Staͤdel sampt ei⸗ nem Hauß / Jn welchem 13. Person gewesen sind / die eilff hinwegk gefuͤhrt / erseuffet vnd erschlagen / aber ein Knecht / vnd deß Doͤrfleins Hutmann auß dem Hauß / auff waser weyse jhnen nicht Bewust / von Gott errettet / vnd beym Le⸗ ben erhalten worden / der ein Stadel auch ein jungen Kna⸗ ben / erschlagen / in allem 12. Person jaͤmmerlich vmbkom⸗ men von einem Glaubwirdigen in Raim gefasset / welcher dabey gewesen / vnnd wie die armen Leuth auß dem Schnee vnd Wasser nach einander gebracht worden sein / gesehen hat. Mag auch gesungen werden / Jm Thon: Erbarm dich mein O Herr Gott / rc. Gedruckt zu Nuͤrnberg / durch Christoff Lochner. 1. Gott hat in seiner Donnerstim̄ / Sein Schwerdt gezuckt in seinem grim̄ / Toͤdlich geschoß auch legt er auff / Mit schrecken hoͤrs / suͤndlicher Hauff / Thu Buß vnd bleib darinn bereyt / Das dich nicht treff das hertzenleydt / Wie vnsere mit Christen sein Vmbbracht / in grosser Qual vnd Pein. 2. Als auff das lang gewehrt gefroͤst / Ein vnerhoͤrt Schnee sich anlaͤst / Darein ein schneller Regen fellt / Welchs beydes sich zusammen gsellt / An Windwehen das Wasser stund / Als ob es wer in Weyers grund / Ob einem Doͤrflein heist Cosprunn / Da thets an Angst vnd Jammer gahn. 3. Ehe das Leid wirdt gegeben dar / So nimpt der vmbstend eben war. Jn einem Hauß gewesen sind Mann / Weib / darzu auch kleine Kind / 13. Person wol an der zahl / Waren versamblet dazumal / Als in Doͤrffern am Feyrtagen / Die Nachbarn sich zusamen schlagen. 4. Der Haußmann / Bevorab sein Weib / Mit jhren Kindlein kurtzweil treib / Welches war fast bey zweyen Jarn / Vnd in der Stuben thut vmbfahrn / Sein Schwester auch jhr Kindlein seuget / Welchs vor 14. Wochen war gezeuget / Der Hutmann mit der Frawen sein / Sich funden auch in diser Gemein. 5. Deßgleichen desselben Bawrn Knecht / Darzu noch fuͤnff Jung Knaben schlecht / Welche fast bey eim Alter warn Von 12. dann auch von 14. Jarn / Durch Kartenspiel in die fahrschnuͤr / Die Zeit jhn kuͤrtzten ohn gebuͤr / Jn dem der Dienstknecht sagen thet / Ein Donnerschlag es geben het. 6. Der Knecht die Red kaum het volendt / Die vngeheur Flut behendt / Nimbt bloͤtzlich wegk / etlich Gemach / Wol bey dem liechten hellen tag / Nach Mittags vmb 2. Vhr zu handt Hat Mann / Weib / Kind vnd allsampt / Drey Staͤdel / vnd dann auch ein Hauß / Alsbald hinwegk in disem Sauß. 7. Die Staͤdel zwen an disem ort / Hats erstlichen gefuͤhret fort / Wol an das Hauß mit gantzem gwalt Der vnder Stadel auch einfalt / Darinn waren drey junge Knaben / Den einen hat der Stadel erschlagen / Der ander sich gehalten an An eine Saͤulen / ist kommen daruon. 8. Der dritt kam auch auß diser gfahr / Darfuͤr er Gott sehr danckbar war / Jm Schnee ist er gestanden nun / Biß man jhn hat außgraben than / Er grieff nach einem Messer klein / Zu schneyden rab die Schuhe sein / So kondt ers nicht verbringen gar / Ein Mann thut zu jhm springen dar. 9. Welcher jhn rauß gerissen hat / Sonst het er muͦssen sein auch todt / Die Nachbawrn ruͤfften einander zu / Wie sie doch disem moͤchten thun / Ein jeder nach sein Kindern sah / Ob sie noch wern alle da / Sie sahen aber trawrig ball / Das sie verhanden nicht wern all. 10. Eins theils gieng nach deß Bawrn Hauß / Welches die Flut geworffen auß / Darinn sie nicht mehr funden han / Allein der Knecht des Bawrsman / Welcher sich allda hat besunnen / Wie er an disen Ort wer kommen / Also ist auch der Hutmann gut / Kommen auß diser Wasserflut. 11. Alsbald wer einer auß dem hauffn / Gen Kuͤrbeldorff geritten hinauff / Vnd hat die Nachbawrn gesprochn an / Sie sollen jhn ein huͤlffe than / Das ist geschehen also baldt / Sie sind kommen mit einm gwalt / Vnd haben an demselben Tag / Person vier mit grosser klag. 12. Gefunden auch in disem fall / Wie sie versamblet warn all / Erstlich die Fraw mit jhrem Kindt / Das mans jhr noch an armen findt / Man fund auch bald zwen jungen Knaben / Den einen het der Stadel erschlagen / Die vier Personen die hat man / den ersten Tag herauß gethan. 13. Alsdann den andern Tag hernach / Hat man auch gschickt gen Buͤchenbach / Der Knecht der mit in Wassers noht / Gewesen ist / war selbst der Bott / Er hat sich erstlich geben an / Vnd es der Herrschafft zeigen than / Dieselbig war auch gar geschwindt / Vnd schickten bald ein groß Gesindt. 14. Die Buͤchenbachisch gantz Gmein / Auß befelch es angeordnet sein / Wie sies nun moͤchten greiffen an / Das sie funden die acht Person / Haben das Zimmer von dem Hauß / Getragen auß dem Wasser nauß / Als sie sind kommen auff den grund / Da sich eins nach dem andern fund. 15. Alsbald an demselbigen Tag / Welches war Sanct Matthias tag / Da hat man die 8. Person Auch alle damals finden than / Erstlich des Hutmans seine Fraw / Darnach die 4. jung Knaben auch / Das 6. war die Fraw des Hausmann / Die hat man dismals finden than. 16. Der Hans Dirsch / dann auch seind Kindt / Welche man beyde zu letzten findt / An einem gar besondern ort / Wol vnder einem Stadel dort / Also hat man dise zwoͤlff Person / Dismal auch aus dem Wasser than / Darunder auch fuͤnff Knaben waren / Zwen Zwilling alt bey 14. Jaren. 17. Die sind desselben Bawren Soͤhn / Die jhm gar sehr zu hertzen gehn / So het die Mutter auch darbey Ein grosses leyd / das glaub mir frey. Ach Gott vergib jhn jhre Suͤnd / Sey gnedig vns zu aller stund / Behuͤt vns Herr fuͤr schnellem Tod / Vnd hilff vns auß in aller Noth. 18. Nach solchem trug man sie hin schlecht / Vnd an dem Weg in Tuͤcher necht. Drey Waͤgen thet man bringen lohn / Die Todten drauff / gefuͤhrt daruon / Gen Buͤchenbach zur Kirchen dar / Allda jhr all Begrebnuß war / Zwoͤlff rieten fuͤr dem Waͤgen her / Die Bahn muͤßten brechen mit gfehr. 19. Denn der Schnee war an disem Ort So tieff / vnd hoch das man nit fort / Die Wägen mit den Leichen schwer Kondt fuͤhren durch / wol ohn gefehr. Volgendts ließ man dieselbe Nacht / Sie ligen alle wol bewacht / Jm Sechraff der Sacristen gut / Biß der Tag wider anbrechen thut. 20. Am welchem sie zur Vesperzeit / Mit grosser Klag vnd hertzenleyd / Beleytet wurden zuͦ dem Grab / Dern drey zu jhren Leich vnd hab / Zugeruͤstet warn zu diser frist / Darein jhr Coͤrper geleget ist / Der nassen Augen gab es vil / Nun geschicht solchs nicht ohn Gott will. 21. Es gieng vil Volcks mit zu dem Grab / Wol bey vierhundert / dabey nimb ab / Warumb sich die versamlet han / Ein jeder seufftzet auff dem Plan. Vnd hoͤrten an die Predig schon / Die von dem Pfarrherr wurd gethon / Was nun dieselb gewesen ist / Kan ich euch melden fuͤr gewis. 22. Lucas der heilig Evangelist / Am 13. geschrieben wist. Von den so da vor vilen Jarn / Zu Siloha erschlagen warn / Die denn die groͤsten Suͤnder nicht Gewesen sind / Sondern da sich / Wie Christus an dem Orte spricht / Werdet jhr euch bekehren nicht. 23. So werdet jhr in einer Sum / Verderben all vnd kommen vmb / Darumb jhr lieben Christen mein / Last euch hiemit gewarnet sein. Das es vns sey zu eim Beyspiel / Ob wol der Wunder geschehen vil / Auff diser gantzen Christenheit / Der Juͤngste Tag ist gwis nicht weit. 24. Der ich nun dises hab erdacht / Jch habs gethan zu Buͤchenbach / Jm Ampt Holenberg gelegen ist / Das kan ich euch sagen gewis / Jch habs than aus keim Vbermut / Sondern aus freyen willen gut / So bin ich Hans Georg Prell genandt / Da selbsten ist mein Vatterlandt. 25. Ach Christn last vns all Busse than / Vber vnser Leben ein Rewhen han / Anstellen Christlich vnd auch wol / Wie denn ein jeder solchs thon soll / So werdet jhr nach diser Zeit / Ererben ewige Seligkeit / Vmb vnsers Herrn Christi Namen / Wer das begert sprech mit mir Amen. Zum Beschluß. Den Bschluß nimb an gib achtung drauff / Wo sonst fuͤr geth ein Wassers lauff / Da geth die Warnung selbst mit her / Das man sich huͤt vor solcher gefehr / So vil man immer richten kan / Das man bringt Leib vnd Gut darvon / Aber an vor gehoͤrteñ Ort / Jst gar kein fliessend Wasser dort. ENDE. Show less

This site is currently password protected.