Flutkatastrophe in Schärding am Inn; 1561
Melchior Stainpach Ein klaͤglich Lied / von dem grossen verderben vnd Wassers ge⸗ fahr / so sich im Einvndsechtzigsten Jar am tag Martini zu Farnbach / vnder Schaͤr⸗ ding am Jhnstram / layder zugetragen vnd begeben hat. Maͤnigklich zu nutz vnd guͦt / Auch zuͦ trewer warnung new in Truck... Show more Melchior Stainpach Ein klaͤglich Lied / von dem grossen verderben vnd Wassers ge⸗ fahr / so sich im Einvndsechtzigsten Jar am tag Martini zu Farnbach / vnder Schaͤr⸗ ding am Jhnstram / layder zugetragen vnd begeben hat. Maͤnigklich zu nutz vnd guͦt / Auch zuͦ trewer warnung new in Truck verfertigt / Durch einen Burger zuͦ Passaw / so mit vnd beyin gemelter Wassers gfahr / persoͤnlich gewesen ist. Jm Thon / Wie man die Auffruͦr von Olmitz singt / Oder: Vom Graffen von Serin. Getruckt zuͦ Passaw / durch Mattheum Henninger. 1. ALs man zelt Fünzehenhundert / Auch ainundsechtzig Jar / Hat manichen verwundert / Die grosse noth vnd gfar / Die sich hat zugetragen / Den zehenden Nouember guͦt / Wol an Sanct Martins tage / Hoͤrt man groß laid vnd klagte / Jn ellend vnnd armuͦt. 2. Ain Jarmarckt ward gehalten / Zuͦ Schaͤrding in der Stadt / Darauff von Jung vnnd Alten / Vil Volck zuschaffen hat / Die notturfft einzukauffen / Was jedem dienstlich war / Darnach da thettens lauffen / Dem Wasser zuͦ mit hauffen / Warn froͤlich gantz vnd gar. 3. Eylten nur haim zu hause / Ans Schiff da war jhn gach / Kainer dacht an den strause / Der balt volget hernach / Satzten sich sicher nider / Baide Frawen vnnd Mann / Schawden offt hin vnnd wider / Sprachen: nun seind wir sider Zwoͤlff vhrn hie also schon. 4. Vnnd wirdt jetzt gleich zway schlagen / Noch kombt der Schiffman nit / Laͤst immerzuͦ antragen / Biß mans Schif vberschüt / Die Fuͦr muͦst nun daucht werden / Wolt suͦchen seinen nutz / ist der gmain brauch auff Erden / Kainr wil ersettigt werden / Weil mann jhm tregt ain schutz. 5. Frembt Naufuͦern warn ankommen / Zuͦ Schaͤrding bey dem Jhn / Hetten auch Volck angenommen / Dasselb zufuͤren hin / Jn guͦter sicherer haide Gehn Passaw zuͦ der Stadt / Wißten des Fuͦrths beschaide / Waͤr jhn deß halb nit laide / Alß das ersehen hat 6. Der Marcktferg thet hinlauffen / Zum Zaler vnd Mauthauß Vnd sprach: ain grossen hauffen Des Volcks nach der pauß / Wil ain frembter weg fuͤren / Das ist mir bschwerlich gar / Vnnd will ihm nit gebüren / Weil ichs herauff muͦß fuͤren / zuͦ dem Marckt lange Jar. 7. Soll ichs haimwerts auch fuͤren / Dann ich hab Schifftung gnuͦg / An dem soll mich nichts jren / Bitt schafft mit guͦtem fuͦg / Daß er mirs Volck laß bleiben / Vnnd fahr sein strassen fort / Ain andrer wolts auch treiben / Kainen Marckt aussen bleiben / Braͤcht vns ain mengl vort. 8. Der Zaler ließ gebieten / Dem frembtem Schiffmann gschwindt / Bey straff soll er sich huͤten / Zu fuͤren kain Marckt gsindt / Er soll von dannen fahren / Das war des Fergen fuͦg / Das Volck thet sich zamsparen / Vnnd muͦsten lang verharren / Hoͤrt was sich da zuͦtruͦtz. 9. Joͤrg Marchfeldner mit namen / War der Marcktferg genandt / Deß muͦst er sich hart schamen / Wo sein Nam ward bekandt / Daß er zu aignem nutze / Das Dolck trib an sein fuͦr / Fanden daran kain schutze / Sein Weib braucht grossen trutze / Wolts gelt einnemmen nur 10. Ehe man daucht von dem lande / Wolt sie des gwisen spilen / Hielt das für gar kain schande / Wolt vor jhrn beüttel füllen / Gar vil schaͤndtlicher worte / Trib das leichtferttig Weib / So vor an kainem orthe Dergleichen wurden gehorde / Schond weder Mann noch Weib. 11. Fieng grawssam an zu fluͦchen / Lieff hin vnd her am land / Wo muͦß ich dschiff nuͤth suͦchen / Wann ihr haim kom̄t an sandt / Farths hin ins Teufels namen / Als losen Kramers gsind / Drinn lauffts daruon alsamen / Deß muͦß ich nich dann schamen / Zum zalen seyts nit gschwindt. 12. Mit grossem vngebaͤre / Erzaigt sich jhr gemuͤth / Als obs vnrichtig waͤre / An jhr spuͤrt man kain guͤt / Sie gab ein kraͤfftigen segen / Von jhres hertzen grundt / Das spürt mann vnder wegen / Die Ruͦder thet mann einlegen Daß mann nun ziehen kundt. 13. Leopolt Lindach der Reiche Auch ins Schiff hinein tradt / Die sach sah jhm nit gleiche / Gieng widerumb in die Stadt / Jst auß dem Schif gesprungen / Zu trutz dem boͤsen Weib / Dißmal hats jhm gelungen / Sein stundt war noch nit kommen / Gerettet Guͦt vnnd Leib. 14. Als man nun dauon fuͦre / Ohn sorg vnd sicherhait / Dacht niemand daß gschen wuͦre / Gleich bald ein solches laidt / Etlich sangen vom baden / Jr vil sangen vom Wein / Dacht kainer auff kuͤnfftign schaden / Das Schiff ward wol geladen / Kundt nit baß dauchter sein. 15. Der Marcktferg wolts selbs fuͤren / Wol durch den boͤsen furt / Dacht / da kundt jhn nichts irren / Maint nit daß so gehn wurdt / zuͦ Schaͤrding het er gelassen / Muͤth Volck noch zwuͦ Schifftung / Deß wolt er sich nit massen / Sich machen auff die strassen / Das jhm nit wol gelung. 16. Wolt von Farnach haim lauffen Damit er nichts versaumbt / Dacht jmmer zuͦ hinauffe / Wie erß als zammen raumbt / Damit jhm nichts entgienge / Also war sein gedanck / Ließ sunst alls sein ain dinge / Dacht da tregts vil pfenninge / Nach gelt da war er kranck 17. Jn dem thet mann bald kommen / Nahent zum Faren pach / Der thet hupffen vnnd prummen / Daß manns von ferne sach / Der Schifmann sprach seyt stille / Auff daß man hoͤren kan / Das ist jetzund mein wille / Et het jhm gsetzt ain zille / Vnd wolt zufahren thuͦn. 18. Auff ainem letthen linde / Wolt er zuͦgefahren sein / Das Schiff lieff gar zu gschwinde / Zuͦ hoch an schuß herein / Auff ainen spitzigen Staine Da zu negst bey dem land / Der Schifman thet bald spingen / Erlich theten nach dringen / Erraichten kaum das land. 19. Das Schif thet gaͤhling krachen Vnnd fieng zu brechen an / Das Volck ließ bald vom lachen / Da bettet Weib vnd Mann / Etlich raufften das Hare / Etlich wandten die Hendt / Das Schif gaͤhling vol ware Mit Wasser gantz vnd gare / Gieng auff neben der wendt. 20. Vorne vnder der schwingen Hat sich das Schif zertrendt / Das Wasser thet eindringen / Gar gaͤhling vnnd behend / Man stuͦnd drinn vber dFuͤsse Gschwint liefs auff vbern Leib / Zum Maul wolts nur einfliessen / Thet manchen hart verdriessen / Schont weder Mann noch Weib. 21. Die vor ans landt warn gsprungen / Waren erschrocken sehr / Gar nit sie vns zutrungen / Vnd halffen vns nit mehr / Jn eiln hettens vergessen / Der haͤcken vnd Hefftsail / Daß sys hetten mit gnommen / Dardurch waͤren vill auß kom̄en / Ohn schaden vnnd nachthail. 22. Das Schif ließ sich herdanne / Wol ob des Staines spitz / Der tieff es bald zuͦ ranne / Wol nach des Wassers lütz / Etlich sprachen thuͦt springen / Jr trefft noch wol das Landt. Es wirdt euch nit mißlingen / Jn dem etlich anfingen / Zu springen hin an rand. 23. Sprangen auff haͤle stainer / Warn muͤsig vberal / Kundt darauff bleiben kainer / Strauchten nider zu thal / Das Wasser war zu dieffe / Zogs vndersich zu grundt / Die werfl vber sie lieffen / Jn dem jr vil entschlieffen / Daß niemand mehr wecken kundt. 24. Die in dem Schiff noch waren / Die stunden gar vngleich / Wolten also verharren / Das Schif auff dseiten weicht / Vnnd thet sie gaͤhling stuͤrtzen / Da fiel auß Weib vnd Mann / Jn Koͤgkhen vnd in Schürtzen / Thet es jr vil verkürtzen / Daß muͦsten vnderghan. 25. Schrien weil sie nur mochten / Kains wolt das ander lohn / Jr vil sich offt zamflochten / Theten im Wasser stohn / Jst wahr wie ich euch singe / habt kain zweifel daran / Balt ainer vnder gienge / Der naͤgst der an jhm hienge / Den zog er vnder schon / 26. Die Maͤnner biß an barde / Kannen im wasser tief / Schnaufften vnd blisen harde / Das Wasser jn ein lief Zu Nasen vnd zu Munde / Vnnd zu den Ohren bald / Das kainer leiden kunde / Er muͦste gehn zu grunde / Er wer Jung oder Alt. 27. Die Weiber vnnd die Maͤgden / Kanen ohn zal daher / Mit außgebraiten klaiden / Wurd an jhn naß vnnd schwer / Mann sahs nur bey den Koͤpffen / Das Wasser lief jhn in Mundt / Deß thetens souil schoͤpffen / Ob schwamen schlayr vnnd zoͤpffen Biß doch giengen zu grundt. 28. Das gstürtzte Schif thet rinnen / Vngfar nach Wassers lauff / Etlich theten nach sinnen / Wie sie doch kaͤmen drauff / Ruederten mit den Henden / Es galt vmb Leib vnd Leben / Schwamen zu des Schifs wende / Kratzten daran ellende / Da kundt sich niemandt heben. 29. Wann allein Gott der Herre / Half jhn drauff mit der weil / Sah an jrn kummer schwere / Jch rañ auch zuͦ mit eyl / Mein Handt thet ich jhn recken / Thet jhn zu ruͤffen sehr / Kainr thet sich nach mir strecken / Sassen im grossen schrecken / Daß mans nit zug abher. 30. Jn dem sah ich drauf sitzen / Von Passaw zwen Burger / Nach den thet ich mich spitzen / Der ain Hanns Schrollinger / Der ander Steffan Streicher / So warens gnendt der zeit / Es saß mir kainer gleicher / Alß erst gemelter Streicher / Jch rann jhm zuͦ bey seit. 31. Vnnd schlug nach jhm die kraͤle. Noch griff er nit nach mir / Der boden ward so haͤle / Vor müeß / daß ich hett schier / Mein negel all abgerissen / Halff mich nit alles gar / Erst hett ich mich beflissen / Das kundt der Streicher wissen / Vnnd sag wegkh von mir dar. 32. Bringst mich sampt dir zu laide Schaw wie du sonst auß kom̄st / Greiff mir nur nit ins Klaide / Das Leben mir sonst nimbst / Zeuchst mich vom Schiß hinunder / So ertrincken wir bald Erst schrie ich zuͦ jhm munder / Laßt mich nur halten jetzunder / Euch soll gschehen kain laid. 33. Jn dem war ich jhm kommen / Jn seine hosen schnidt / Er het mich bald vernommen / Sprach: zeuch doch so starck nit / Er hett mir gern auffzwungen / Mein finger von seim gwandt / Das hatt jhm nit gelungen / Jch hetts vest zamen drungen / Das thet jhm auff mich andt. 34. Maint nur ich wurdt jhn ziehen / Vom boden ins Wasser ab / Nain sprach ich / thuͦ nit fliehen / So starck ich immer hab / Jch thet mich hinauff schwingen / Aufs Schiffes poden baldt / Der frost thet mich durch dringen / All mein kraͤfft mir entgiengen / Jch ward durchauß erkalt. 35. Als wir nun daher rannen / Kamen herauff noch mehr / Wol bey sechzehen Mannen / Vnnd darzu zway Weiber / Den boden thetens trucken / Vnder das Wasser gar / Das gieng vns bis an Rucken / Wolt vns nur vnder zucken Wir stunden all in gfahr. 36. Wir sahen im ellende / Kinnen nach dem Schif her / Martin Messtel genende / Seins handwercks ain Kürßner / Erbaͤrmblich thet er bitten / Vnd reckt vns zuͦ sein handt Daß wir mit fueg vnnd sitten / Kain hülff liessen vermitten / Vnnd huͤlffen jhm zu landt. 37. Das hetten wir gern thanne / Wanns nur hett künnen sein / Den Erbarn alten Manne / Jhn halff kain bitt noch schreien / Wir kunden jhn nit langen / Er kam vom Schif zu ferr / Wegk waren Rueder vnnd stangen / Das Wasser hett jhn vmbfangen / Vnnd gieng also vnder. 38. Wir thetten fort an rinnen / Hinab auf Neuburg zuͦ / Daselbst ward mans balt innen / Hetten kain rast noch rhuͦ / Thetten vns balt zuͦfahren / Mit Zillen klain vnnd groß / Mann sach sich niemand sparen / Biß wir auß gfuͤret waren / Kainr muͤh niemandt verdroß. 39. Graf Juli Wolgeboren / Der selben zeit da wohnt / Sein Gnad war balt heruoren / Sein vnderthon vermandt / Sie solten guͦt acht haben / Daß niemandt verkürtzt wuͦr / Mit trincken vnd mit laben / Wers bey hauß nit kundt haben / Der schick in sein Schloß mir. 40. Das Volck thet mann ein weisen / Jn dstüben hin vnnd her / Mann thets laben vnnd speisen / Vnnd haitzt jhn ein gar sehr / Noch halff kain vnderschüren / So hart warn sie erstart / Kainr kundt kain Glid mehr fuͤren / Mit zittern sie husch schrien / Kundten erwarmen hart. 41. Haͤckhen Rueder vnnd Laden / Huͤt / Boͤck vnnd vil Holtzwerch / So vor her rinnen thaden / Auff Passaw nach leng vnnd zwerch / Das thet mann rinnen sehen / Durch die Pruck vberal / Mann dacht wol es wer gschehen / Ain Schifpruch in der nehen / Alls im Fuͤrstlichen Saal 42. Vnser Gnediger Fuͤrst vnnd Herre / Bischof Vrban genandt / Von Trenbach weit vnnd ferre / Bekanndt in manchem Landt / Das selb gar bald ward innen / Dacht er mit allen Gnaden / Das nit gar weit von hinnen / Als er im nach kundt sinnen / Muͤst gschehen sein groß schadn. 43. Dann jhm mittleiden brachte / Der armen Leuth ellendt / Mit Gnaden er gedachte / Wie mann moͤcht helffen behendt / Ließ auff bieden zuͦ stundan / Den Vischern vmb die Stadt / Daß sie nur gschwindt vnd runde / Wer da nur fahren kunde / Soll helffen in der noch 44. Vnd fahren ohn hochmuͦte / Eylents auff Neuburg zuͦ / Zu retten Leib vnnd Guͦte / Kainer sich sparen thuͦ / Mit suchen vnd ausspüren / Wer Lebend oder Todt / Kain saumsal thet man Fuͤren / Thetten sie bald da ruͤren / Warn ghorsam dem gebot. 45. Suͦchten mit gantzer machte / Was jhn nur müglich war / Den Tag darzu die Nachte / Waren sie willig gar / Sehr vil der todten Leiben / Fandens in Wassers grundt / Von Mannen vnd von Weiben / Wer künts doch alls beschreiben / Solch verderben jetzundt. 46. Jn diser leidigen farde / Als ich selbst gsehen han / Jm Wasser bliben warde / Jung / Alt / Weib vnd auch Mann / Bey zwayhundert personen / Vier vnd viertzig Passawer / Darunterbliben von dannen / Vil Eheuolcks Weib vnnd / lannen / Schaldet das laydig Wasser. 47. Ain klaͤglich gschicht besonder / Sich da begeben hat / Ein jung Eheuolck hierunder War auch bey diser that / Der Mann sprang auß auffs lande / Sahe sein Braut in der noth / Sie ruͦfft jhn vmb huͤlff ane / Vom land er zuͦ jhr ranne / Bliben ohn huͤlff baid Todt. 48. Deß Vierundachtzigsten Jare / Solt jhr mir glauben schon / zuͦ Passaw noch funden ware / Ain Fraw / darzuͦ vier Mann / Burger / die Gott außgeben Auß diser Wassers noth / Gmelts Jar thetens noch leben / Als langs Gott noch ist eben / Danckens dem ewigen Gott 49. Also thuͦt mann sie nennen / Der erst haist Steffan Streicher / Er ist gar guͦt zuͦkennen / War da lang HofSchuͦster / ist zimlich wol betaget / Vnd war auch wol zu hauß / Von dem bad er offt saget / Wann jhn ain Nachtbar fraget / Dem sagt er von dem strauß. 50. Christoff Startzer der ander / Ain Schreiner ist genandt / Kann lang daher besonder / Zwen Laden bracht er zu hand / Daran er sich hueb lange / Giengen offt vndersich / Das macht dem Schreiner bange / Klaͤglich war sein gesange / Gott halff jhm wunderlich. 51. Jetzundt nenn ich den dritten / Melchior Stainpach genendt / Er thet ruͦffen vnd bitten / Kann zu des Schiffes wendt / Er thet jhr zwen drauff kennen / Die ruͦfft er vmb hilff an / Thet sie mit namen nennen / Kainer Thet sich nach jhm sehnen / Muͦst lang jm Wasser stan. 52. Biß das er thet erwische / Den Streicher bey seim gwand. Er thet sich woll erfrischen / Jm Wasser aller sandt / Biß er aufn boden kame / Saß in sorgen vnnd noth / Das Wasser ran vmb jhn zamen / Hebts offt vbersich all samen / Noch halff jhn zu land Gott. 53. Der vierdt Haͤberl ain Weber / Burger in der Jnstadt. Das Weib het ainen Schneider / Jn S. Niclaus vorstadt / Kam auß mit schwangerm leibe / Der Schneider gieng zu grundt / Jetzt hats ain Mann haist Thoman / Jst haußknecht zhoff mit namen / Gott spar sie all gesundt. 54. Jr Christen nembts zu hertzen / Last euchs ein warnung sein / Der guͦten Leuthe schmertzen / So durch die gfar mit pein / Deß Wassers sein vmbkommen / Habens gar nit entrawt / Es hats gar schnel weg gnommen / Gar wenig sein auß gschwummen / Darumb auff Gott jr bawr / 55. Auff das nit die Sündtflusse / Als jederzeit Noe / Mit euch mach den beschlusse / Daß jr mit ach vnnd weh / Gaͤhling muͤst all verderben / Oder mit dem Pharon / Jm rotten mer muͤst sterben Darumb thuͦt zu Gott werben / Daß er euch nit straff also. 56. Herr Gott woͤlst dich erbarmen / Vber die diener dein / Richt nit die Sünd der Armen / Thuͦ jhr deiner gnaden schein / Wo dein gnad ist / ist alles / Ohn die ist alles laͤr / Darumb auff dich wir trawen / Vnser hoffnung auff dich bawen / Hilff vns auß aller beschwer. 57. Jch bitt habt kain verdrissen / Ob dem langen gedicht / Jch wils gleich jetzt beschliessen / Seit souil von mir bericht / Daß die Geschicht zum Gsange / Jn Reimbweiß hat gebracht / Melchior Stainpach von anfange / Damits zum end gelange / Wuͤnscht euch vil guͦter nacht. Show less

Totengesang und Wundergeschichte, Wundergeschichte aus Bamberg, 1584
Das Luͤflaͤndische Todten Gesang. Warhafftige Zeitũg / wie zu Roliden in Liffland Tod⸗ ten Aufferstanden / inn einer Zerstoͤrten Kirchen / Geistliche Lieder vnnd Lobgesang ge⸗ sungen / Auch was sie von der Zukunfft deß Herrn für Antwort geben haben. Durch Herman Wartmann / Burg⸗ graff /... Show more Das Luͤflaͤndische Todten Gesang. Warhafftige Zeitũg / wie zu Roliden in Liffland Tod⸗ ten Aufferstanden / inn einer Zerstoͤrten Kirchen / Geistliche Lieder vnnd Lobgesang ge⸗ sungen / Auch was sie von der Zukunfft deß Herrn für Antwort geben haben. Durch Herman Wartmann / Burg⸗ graff / den 19. May / 1584. auß Geb⸗ harten von Nalten Mund nach geschriben / Wie es auch der Hertzog auß Churland / durch eine Post hat erkundigen lassen / vnd also erfunden. Zu Singen außgesetzt / im Ton deß Let⸗ sten Stuͤndlins Niclaß Hermañs. Bambergische Zeitung. Wie daselb ein Ber / Loͤw / Kuͤris⸗ ser / vnd Geistliche Person / am Pfingst⸗ abendt / diß 1584. Jahrs / Schroͤcklich ist ge⸗ sehen worden zu Singen / in der verblichnen Sonnen Ton. 1. JHr lieben Christen hoͤret an / Groß Wunder will Jch Singen: Was Gott der Herr hat gschehen lan / Jn verhoͤrten dingen. Mein Hertz vnd Gmuͤt mir darob ficht / Wann ich gedencke an die Gschicht / O Gott laß wol gelingen. 2. Jn Liefland ist ein Schloß genandt / Roßi⸗ den ist sein Name: Alldo die Moscowiter handt / Ein Kirch zerstoͤrt vnzame. Ein lannge Zeit am selben Ort / hat man gehoͤrt kein Gottes Wort / Biß Gott mit Wunder kame. 3. Ein Wunder groß ist es fürwar / Man hort darinnen singen: Mit Menschlicher Stimm hell vnd klar / Auch Jnstrumenta klingen. Vnd kundt doch niemandt wissen nicht / Durch wen solch sin⸗ gen wurd verricht / zu Rathen sie anfingen. 4. Man Rieth / das man solt schicken hin / Et⸗ liche Kirchpersonen: Dieselben solten werden in / Solch Gsang vnd lieblichs Tonen. Die Pastores man do erbat / Das sie der Sachen theten Rhat / Mann wolts jhn wol verlonen. 5. Jnn Gottes Namen trattens ein / Forchten kein misselingen: Zu sehen was fur Leut es sein / Die also lieblich Singen. Heilig / Heilig / ist vnser Gott / Heilig der Herre Zebaoth / Jhr Stimm so thete klingen. 6. Ein Veste Burg ist vnser Gott / Mit Frew⸗ den sie auch Sungen: Er hilfft vns bald auß aller Not / Es ist vnns wol gelungen. Wer Gott nicht mit vns dise Zeit / Gleichsfahls sungen mit Her⸗ tzen freudt / Mit starcker stimm außtrungen. 7. Vil Graͤber fundens offen stohn / Vnnd der Singenden Schare: Der waren inn dreyßig Per⸗ son / Vnd war jhn wunderbare. Sie waren jhn all wol bekandt / Wurden bald drauff gefragt zu handt / Was sie so sungen dare. 8. Antwort deß Orts sie gaben Jhn / Vnd the⸗ ten zu jhn jehen: Es frewdt sich vnser Hertz vnd Sinn / Dieweil sich thut her nehen. Der Tag deß Herrn inn kurtzer zeit / Vnnser Erloͤsung ist nicht weit / Sie wirdt gar bald angehen. 9. Auff solche Red verschwundens all / Man kundt gar kein mehr sehen: Gleichwol man noch hort jhren schall / Vnd kundts gar wol verstehen. Vnnder der Erdt mit hellem klang / Wie vor sie hielten jhr Gesang / Das ist vor nie geschehen. 10. Die Kirch ist zwar vbel zerstoͤrt / Als jr vor habt gehoͤret: Jtzt sichts gar sauber auff der Erd / Als wer sie rein gekehret. Was solches Wunder vnns bedeut / Das wirdt vnns offenbarn die Zeit / Wanns nur nicht lange wehret. 11. Wir woͤllen Bitten Christ den Herrn / Das er ja bald woͤll kommen: Zum Juͤngsten Gricht in grossen Ehrn / Erloͤsen seine Frommen. Dann es steht vbel inn der Welt / Gottsforcht vnd Froͤmb⸗ keit gar hinfelt / Boßheit hat zugenommen. Das Ander Lied. 1. HOrt an ein grosses Wunder / Jhr frommen Christenleut: Das am Pfingstabendt bsun⸗ der / An der Heiligen Zeit. Zu Bamberg sich ließ sehen / zwischen Fuͤnff vnd sechs stund. Glaubwuͤr⸗ dig Leut verjehen / An mehr orten seys gschehen / Das ich euch mache kund. 2. Am Himmel hat man gsehen / Ein grausam grossen Bern: Auffrecht sah man jn stehen / Gleich als wolt er sich wern. Mit seinen vordern datzen / Zum kampff vnd wehr geruͤst / Er stuͦnd mit gros⸗ sem Tratzen / Als wolt er Beissen kratzen / Wider seins Feindes List. 3. Ein vngehewrer Loͤwe / Kaum sechs schritt stuͦnd von jm Trat gegen jm on schewe / Erzeigte seinen grim̄. Mit auffgesperrtem Rachen / Vnnd außgereckter Zung. Als wolten sie gleich machen / Ein Kampff inn Schweren Sachen / Mit einer Schlachtordnung. 4. Do sie zusammen kamen / Biß auff den drit⸗ ten schrit: Ein stillstand sie da namen / Weiter sie giengen nit. Zornig gen ander sahen / Feindselig vnnd sehr grim. Keiner wolt weiter nahen / Deß Streits sich vnnderfahen / Verschwunden vngen stuͤm. 5. Aber inn gleicher gstalte / Vnd in vorigem grim̄. Sah man sie wider balte / Gen ander stehn vnzim̄. Vnd etlich mal verschwunden / Auch wider kamen balt. Wie vor gen ander stunden / Als het⸗ tens vnderwunden / Ein Kampff selb angestalt. 6. Zu Ruͤck hinder dem Loͤwen / Ein wenig hoͤ⸗ her doch: Ein Gruͤster Mann ohn schewen / Als auff eim Berglin hoch. Roß vnnd Mann angele⸗ gar / Mit einem Kuͤriß gantz. Stund aldo vnbe⸗ weget / Keins andern er nicht pfleget / Ließ sehen seinen Glantz. 7. Hinder dem stund auch weiter / Ein wenig vnder jm: Ein Geistlich Person heiter / Bekleidet gar fein zin. Ein langen Rock an hette / Vnd wei⸗ te Ermel dran. Trug auff ein rund Birette / Die Haͤnd zusamen thette / Geistlich war angethan. 8. Sein Antlitz liecht vnd klare / Hell vñ schoͤn anzusehn. Aber betruͤbet gare / Sah man jhn aldo stehn. Die Augen niderschluge / Als wann er auff diß mal. Die Sachen tieff erwuge / Vnd fuͤrcht das sich zu truge / Vnrhu vnd groß Vnfal. 9. Das ist das grosse Wunder / Das Gott hat sehen lon: Das Zeugen vns besunder / Glaubwuͤr⸗ dige Person. Zeugen auff jr Gewissen / So eigent⸗ lich gesehn. Als hett man sich geflissen / Jnn ein Feldung abgrissen / Jnn der Nah vor jhn stehn. 10. Was solches nun bedeute / das weißt der liebe Gott: Der helff vnns Armen Leute / Vnnd troͤst vnns inn der Nott. Groß Not fürwar ver⸗ handen / Das klaget alle Welt. Gott bhuͤt vor Suͤnd vnnd Schanden / Das wir inn Elends ban⸗ den / Nicht werden eingefelt. 11. Der Ber vnd auch der Loͤwe / Haben nichts guͦts im Sin: Wenn sie truͤgen kein schewe / Vnd gieng jhn also hin. Der Reuttersmann behende / Der ließ gschwind brauchen sich. Jhr Geistlichen all Ende / Bitt Gott das ers abwende / Vnd verhuͤt Gnadiglich. Amen. Erstlich Getruckt zu Bam⸗ berg / durch Leonhart Roten. 1584. Show less

Wundergeschichte in Böhmen, 1586
Ein erschröckliche Wunder⸗ geschicht / So in dem Land zu Boͤhmen / vber ein Baw⸗ ren / mit Namen Andreas / des Nickel Chalups Son / welches warhaffig geschehen ist / in diesem 1586. Jar / wel⸗ cher von wegen seiner mannigfaltig Gottslaͤsterung von den Teuffeln angezuͤndet worden / vnd von ... Show more Ein erschröckliche Wunder⸗ geschicht / So in dem Land zu Boͤhmen / vber ein Baw⸗ ren / mit Namen Andreas / des Nickel Chalups Son / welches warhaffig geschehen ist / in diesem 1586. Jar / wel⸗ cher von wegen seiner mannigfaltig Gottslaͤsterung von den Teuffeln angezuͤndet worden / vnd von solchem fewr den andern tag gestorben. Gestellt in Gesangsweiß / Jm thon / O Welt ich muß dich lassen. Gedruckt zu Prag in der Alten Statt / durch Johann Gitensky / 1586. O Jhr Christen ohn schertzen / Ach nempt euch wol zu hertzen / die gros⸗ se wunderhat / so wegen Suͤnd vnd Schande / schrecklich im Baͤhmerlande / jetzt Gott bewisen hat. Es hat sich zugetragẽ / in nechst ver⸗ schienen tagen / im Dorff Auhrzitz be⸗ kandt / eben in disem Jare / daselbst ein Baur ware / Andres ward der genandt. Derselbig war der Wirtin / fuͤr Bier [...]uldig ein Jrten / kam in des Wirts [...]uß nein / begert sie solt jhm sagen / was er in etlich tagen / vertruncken het allein Sie sagt was er wer schuldig / baldt ward er vngeduldtig / sprach. Ey du leugst mich an / was ich bin schuldig bli⸗ ben / das hast du druͤber geschriben / vnd mir vnrecht gethan. Fieng an sich zuuerfluchen / mit schel⸗ ten vnnd mit pochen / sprach. Bin ich schuldig dir / mich sollen in meinen Suͤn⸗ den / hundert Teuffel anzuͤnden / die drey Creutzer vor Bier. Die Wirtin thet das krencken / sprach ich will dir solchs schencken / schwer vnd fluch nicht so sehr / schweig still vnnd laß nur bleiben / ich will es vberschreiben / vñ dir auch borgen mehr. Hernachmal am Pfingstage / er auch im Wirtshauß lage / nach seinem Alten brauch / hieß mit fluͦchen vffschlagen / in den Pfingstfeirtagen / auff einer Drum mel auch. Der Wirt wolts nicht zugebẽ / sprach Das ist Viehisch leben / vnd ein verkehr⸗ ter sin / das jhr die zeit vnehret / so grew⸗ lich flucht vnd schweret / wo gedenckt jhr doch hin. Vnnd auff den Montag eben / fuͤrt er auch ein solch leben / sprach. Mir allein ist bang / O das der Doñer anzuͤnde / die Bawren vnd jhr gesinde / wo bleiben sie so lang. Jch wolt sie kemen zusamen / in aller Teuffel Namen / in dem so kam hinein / Hans Dworsack der zum besten / ein Taler gab den Gestẽ / den drey versoffen allein. Der Andreas aber pochet / soff mit ge⸗ schrey vnd fluchet / sprach her / s gilt mir vnd nach gemeiner sagen / soll er auß ge⸗ soffen haben / den tag ein halb Faß Bier. Vnd als er kaum kund gehen / vor vol heit nicht wol stehen / gieng er anheim im sauß / vnd da er kam gegangen / warder schrecklich empfangen / vom Teuffel bey seim Hauß. Der sprach. Wo bleibstu so lange / mir ist nach dir so bange / ich wart hie allzeit dein / der Baur sprach: Mein Gselle / geh hin in grund der Helle / du darffst nicht warten mein. Der Teuffel sprach gantz grimmig / bu bist offt vngestuͤm̄ig / vnd ruffest vns zu dir / das wir dich sollen verbreñen / all Teuffel so dich kennen / drumb Gsell / hoͤr komb mit mir. Nam jhn bey seiner rechten / vnd fuͤrt jhn zu sein Knechten / in ein Keller die stund / da hatten zwen Windliechter / vnnd Teuflisch gesichter / von den ward er angezuͤndt. Jn dem kreten die Hanen / baldt sie den Bauren namen / trugen jhn auff den Mist / da schrey der Mañ mit schmertze / mir brinnt Leib / Seel vnd Hertze / das vnaußsprechlich ist. Vnnd als solchs hoͤrte sein Muͦtter / ward sie auß dem schlaff / sprach bald zum Vatter sein / hoͤrt wie schreyt bey nacht Fewer / vnser Son vngehewr / das tolle volle Schwein. Der Man sprach zu der Frawen / steh auff / vnnd thu nauß schawen / er ist viel⸗ leicht gar voll / damit er nicht anzuͤnde / verbren vns vnd das Gsinde / dieweil er ist halb toll. Jn dem nam sie behende / jhr Hembd nur in die Hende / vnd lieff in Hoff hin⸗ auß / da ersah sie mit schrecken / die Fewer glut bedecken / jren Andres auß vnd auß. Sie ruffet jrem Manne / der also bald auch kame / sprach Nickel steh doch auff / Ach vnser Andres brennet / das man fast nicht kennet / im Hoff auff dem mist hauff. Die beid jhn leschen wolten / eylends sie Wasser holten / das gossen sie auff jhn / da fieng erst an das Feur / zu brennen vn⸗ gehewer / viel erger als vorhin. Die Mutter wandt jhr Haͤnde / vnd warff von sich das Hembde / auff jhren Son geschwinde / dardurch als bald die flammen / so vberhandt da namen / zum theil gedempffet sind / Sein Leib der war verbrennet / das man jhn fast nicht kennet / so schwartz er worden war / vñ ehe er starb mit schmer⸗ tzen / erzehlt er gar von hertzen / sein vn⸗ gluͤck gantz vnd gar. Wie jhn der Teuffel empfangen / vnd mit jm war vmbgangen / sagt er allen in gemein / auch batt er Gott von hertzen / er wolt lindern sein schmertzen / Starb so in grosser pein. Solchs ist gewiß geschehen / viel Leut haben es gesehen / vñ der diß hat gedicht / vermeint es wer erlogen / ist darumb hin gezogen / vñ hat selbs gesehen / die schroͤck liche Geschicht. O mensch bedenckt gar eben / die jhr fuͤrt Gottloß leben / Schwert vnd flucht bey dẽ Trunck / wie auch gleichfals ohn zweyffel / auff euch stets wart der Teuf⸗ fel / er regiert ewer Zung. Jhr moͤgt solchs vol betrachten / diß Wunder nicht verachten / Gott lest sich spotten nicht / diß ist darumb geschehen / damit jeder mag sehen / Gottes gestreng gericht. Gott ist zwar sehr langmuͤtig / Barm hertzig vnd auch guͤtig / dem so sich zu jm wend / die aber nur verharren / in Suͤnd vnd schand fortfahren / die strafft er gar elend. Drumb lest euch Gott selbst warnen / Jr Reichen vnd jhr Armen / mit solcher Wunderthat / damit er moͤg abwenden / schweren / fluchen vnd Gott schen⸗ den / durch sein Goͤttliche gnad / Amen. Show less

Wiedertäufer
Ein schoͤn newes Lied / Darinnen der falsche Betrug vnd arglisti⸗ ge Art der Hueterischen Wider⸗ tauffer warhafftig vnnd eygentlich vor Augen gestellt wirdt: Allen guthertzigen from̄en Christen zur notwendigen Erin⸗ nerung vnd getrewen Warnung ge⸗ macht / vnd in Truck geben: Durch ... Show more Ein schoͤn newes Lied / Darinnen der falsche Betrug vnd arglisti⸗ ge Art der Hueterischen Wider⸗ tauffer warhafftig vnnd eygentlich vor Augen gestellt wirdt: Allen guthertzigen from̄en Christen zur notwendigen Erin⸗ nerung vnd getrewen Warnung ge⸗ macht / vnd in Truck geben: Durch Johann Eysvogel von Coͤln / ge⸗ westen Hueterischen Widertauffer Bru⸗ der zu Austerlitz inn Maͤhrern. Jm Thon / Wie man das Lied von Olmuͤtz singt. Anno M. D. LXXXVI. 1. WAs woͤlln wir aber singen? Was woͤlln wir heben an? Von wunderlichen Dingen / Wie es jetzt zu thut gan Bey den Bruͤdern gemeyne / HVETRJSCH seynd sie genandt: Sie ruͤhmen sich gar feine / Selig werdn sie alleine / O wehe der grossen Schandt. 2. Nun thut gar fleyßig hoͤren / Wie sie sich halten thon Mit jhrem Werck vnd Lehren / Vnd aller Ordnung schon / Darzu mit jhren Leuten / Die sie bringen hinein: Wies geht auff allen Seyten / Thu ich euch hie bedeuten / Darzu anzeygen fein. 3. Erstlich so solt jhr mercken Jhrn Pracht vnnd grossen Ruhm / Jhren Glauben zu staͤrcken / Verfuͤhren Fraw vnnd Mann / Darzu die kleinen Kinder / Das ist zurbarmen gar: Es seynd der rechten Schinder / Sey Sommer oder Winter / Verfuͤhrns ein grosse Schar. 4. Der Oberst thut außschicken / Jnn Landen hin vnd her / Bruͤder mit argen Tuͤcken / Darzu auch falscher Lehr: Den Leuten sie vor sagen / Wie sie es halten gmeyn / Haben auch gute Tage: Merckt weytter / was ich sage / Seynd rechte Bruͤderlein. 5. Weytter so thun sie sagen / Niemand moͤg selig seyn / Er thu dann zu jhn tragen Sein Guͤtter groß vnd klein: Jhr vil jhr Gut verkauffen / Vnd ziehen ins Maͤhrerland / Sie mehren jhren Hauffen / Das Himmelreich zukauffen / Jst doch ein grosse Schand. 6. Die Ehe thun sie auch scheyden / Sie rauben Weib vnd Kind / Den Mann wol von dem Weibe / Mit Schalckheit seynd sie gschwind: Darnach seynd sie fromm worden Wol in dem Maͤhrerland / Dann ist er new geboren / Sein Gut hat er verloren / Vnd ist inn jhrem Land. 7. Jnn eim jeden Haußhalten / Da haben sie alßbaldt Zwo Kuchen / seynd zerspalten / Die Diener manigfalt: Jnn der ein Kuchen haben / Gar schoͤner Koͤchin zwu / Auß vnd ein sie thun tragen / Es seynd der rechten Knaben / Nun hoͤret weytter zu. 8. Die Koͤchin die jhn kochen / Die seynd gar hoͤflich ziert / Niemand darff mit jhn bochen: Baldt es nun abend wirdt / Den Dienern sie aufftragen / Von Wildpraͤt / Fisch und Wein / Das darff nit weytter fragen / Niemand darff nichts nit sagen / Nur als verschwiegen seyn. 9. Der Oberst hat sein Gange Vnder der Erden gut Jn dStuben kurtz vnnd lange / Darzu ein guten Mut / Die Diener zu jhm kommen / Gelts haben sie genug / Den Armen abgenommen: Wer zu jhn nein wil kommen / Der muß doch nit seyn klug. 10. Jnn dem Sommer sie haben Vnder der Erden Eyß / Es seynd der rechten Knaben / Sie gar mit gantzem Fleyß / Den Wein darauff abkuͤhlen / Das ist gewißlich war / Die Gfaͤß gar sauber spuͤlen / Jhre Maͤuler zufuͤllen / Das wehrt ein gantzes Jar. 11. Das beste Viech sie maͤsten / Von Ochsen / Gaͤnß vnd Schweyn / Allrley Gefluͤgl das beste / Muß alls in Dienern seyn / Von Wildtpraͤt vnd von Fischen / Vnd kostbarlicher Speyß / Wol auff der Diener Tischen / Schoͤn Weiber zu jhn wischen / Das merckt mit gantzem Fleyß. 12. Merckt auff der Armen Kuchen / Da geht es nicht also / Mit jhn da thut man buchen / Darzu seynd sie gar fro / Wann man jhn nur thut geben Gersten / Ruben vnd Kraut / Ein sawers Bier darneben / Kein Wein sie keim nicht geben / Wer haͤtt jhn das vertrawt? 13. Thut einer dann kranck weren / Es sey Fraw oder Mann / Sie thun staͤts an jhm lehren / Gedult die muß er han / Kaͤßsuͤpplein sie jhm bringen / Wenig ein sawren Wein / Thaͤt der Todt mit jhn ringen / Nichts bessers sie jhm bringen / Es moͤcht zurbarmen seyn. 14. Wann aber inn der Summen Ein Diener kranck thut seyn / Es thun baldt zu jhm kummen Die Bruͤder inn gemeyn / Die Doctor auch / dergleichen Die schoͤnen Schwesterlein / Sie thun baldt zu jhm schleichen / Jhr Haͤndlein jhm darreychen / Sprechen jhm lieblich ein: 15. Du woͤllst dich wol gehaben / Du liebster Bruder mein: Man thut jhn gar offt laben Mit manchem guten Wein / Mit koͤstlichem Gewuͤrtze / Darzu auch guter Speyß / Jch erzaͤhls nur mit kuͤrtze / Vil eingemachter Wuͤrtze Seynd gmacht mit gantzem Fleyß. 16. Thut dann ein Bruder sagen Von Speyß oder von Tranck / Hinauß thun sie jhn jagen / Er sey gsund oder kranck / Darzu so thun sie sprechen / Er sey ewig verdambt / Ein jeder kan wol rechen / Daß keiner nichts darff sprechen / Jst jhn ein grosse Schand. 17. Die Diener die thun ligen Jnn Betten gwaltigklich / Ein theyl vnder der Stiegen / Gleich wie das ander Viech: Rohrkolben sie eintragen / Das ghoͤrt der armen Gmeyn / Keiner darff nichts nit sagen: Seynd das nit schwere Plagen / Nach laut einr frommen Gmeyn. 18. Ligt eine inn Sechßwochen / Ein schlechte Schwester gut / Mit jhr da thut man bochen / Sie muß nemen fuͤr gut / Jhr zahl thut man jhr geben / Sechß Wochen acht Maß wein / Nun merckets wol vnd eben / Jsts nicht ein Teuflisch Leben Jnn eim geistlichen Schein? 19. Thut eine niderkummen / Die eines Dieners ist / So muß man inn der Summen / Vnd auch zu aller frist / Zu jhr rennen vnd lauffen / Vnd bringen Speyß vnnd Tranck / Das best muß man jhr kauffen / Den besten Wein mit hauffen / Die Weyl ist jhr nit lang. 20. Die Diener thun rumb fahren / Auff Guttschen wolgeziert Von eim Hauß in das ander / Es jhn gar nit gebuͤrt: Die schoͤnsten Roß sie haben Einem Landtherren gleich / Es geht auch an ein traben / Jhr Kost sie auch gut haben Wol in dem gantzen Reich. 21. Nun thu ich weytter sagen Von Baumwoll Spinnerin / Sie gehn wol in dem springen Jnn jhren Stuͤbelein / Jnn Hoffart sie rein prangen / Vnd seynd gar hoͤflich ziert / Mit lieblichem Gesange / Die Weyl ist jhn nit lange / Die andern all vexiert. 22. Sie haben an den Haͤnden Vnd auch an Haͤlselein / Coraͤllen / sie thun schaͤnden Bey jhn die gantz Gemeyn: Sie koͤnnens nit verlaugen / Es ist gewißlich war / Habs gesehen mit mein Augen / Das meldt ich ohn verlangen / Haben auch schoͤne Har. 23. Das Gtreyd thun sie aufkauffen / Wol in dem Maͤhrerland / Sie schuͤttens auff ein Hauffen / Jst doch ein grosse Schand / Daß mans von jhn thut leiden / Vnd schaͤnden die Welt auß / Sie koͤnnen dWelt nit meyden / Sehen auff alle Seyten / Wo sie solten hinauß. 24. All Handtwerck sie verderben Herumb wol in dem Land / Mit allerley Gewerben Seyn sie gar wol bekandt: Sie heyssen vnns Weltkinder: Sie seyn die doppelt Welt / Sie seyn auch vil geschwinder / Darzu der rechten Schinder / Koͤnnen stellen dem Gelt. 25. Vmb zwyfachs Gelt sie geben Jhr Wahr ohn alle Schew / Kauffen alls auff darneben / Kein Armer kompt nit bey / Das Brot thun sie abschneyden Dem Armen vor dem Maul / Das macht daß mans thut leiden / Koͤnnen borgen vnnd beyten: Noch eins / das thut mir faul: 26. Daß sie so gwaltig schreyen Vber die boͤse Welt / Vnd thun sich doch erfrewen / Welcher vil Gut vnd Gelt Thut auß der Welt jhn bringen / Waͤr Moͤrder oder Dieb: Noch mehr mit andern Dingen / Muß doch noch weitter singen / Gelt ist jhn gwaltig lieb. 27. Thut jemand was verschulden / So jagen sies hinauß / Vnd obr vil hundert Gulden Haͤtt zu jhn bracht ins Hauß: Darzu so thun sie sprechen / Sie seyn zwyfachr Ehrn werth: Gott wirdts einmal wol rechen / Eim moͤcht das Hertz zerbrechen / Jhr Gschrifft sie weitter lehrt. 28. Das Gelt thun sie behalten / Dasselb verdambt sie nit: Jhr Orden ist zerspalten / Der Teuffel der haͤlts mit: Es ist ein seltzams Gsinde / Das glaubet mir fuͤrwar / Jnn einer Schul man finde Jnn die zweyhundert Kinde / Die muͤssen lernen klar. 29. Bey jhn auch thun verderben Gar vil der kleinen Kind / Darumb jhr auch vil sterben / Keins an den Lufft nit kompt / Keines kein Farb thut haben / Das sicht man leyder wol / Vnd sonderlich die Knaben / Renel vnnd Streuch sie haben Von dem Zuchtmeyster voll. 30. Man thut auch Aderlassen Wol in dem Jar zweymal Eins thut das ander hassen / Jst wie inn eim Spital / Eim jeden thut man geben / Den ersten Tag gar fein Zwey Eyr / vnnd auch darneben: Ein Weinsuͤpplein gar eben / Eim jeden sein halbe Wein. 31. Wann nun die Diener lassen / Vmb sie werth es neun Tag / Rebhuͤnr / Koppaunr vnd Hasen / Jsts nit ein grosse Klag / Auß Neyd thu ichs nit sagen / Dem ist gewiß also / Man muß jhn inn den Dingen: Viererley Wein auch bringen / Kochen als reyn vnd klar. 32. Kein Sammet sie nit tragen / Aber das beste Tuch / Mit Warheit darff ich sagen / Darumben seynd sie klug / Wol vmb ein Elen geben Drey Taler ohne Schew / Nun mercket wol vnd eben / Ein guten Welsch darneben / Doppel Barchet darbey. 33. Kein Pfeyt sie lassen kroͤsen / Sie sprechen / es sey Suͤnd / Fuͤhren ein geistlichs Wesen / So abr ein Jarmarckt kompt / Die schoͤnsten Seyden kauffen / Darmit man jhn stept auß / Sie haben auch den Hauffen / All Jarmaͤrckt sie außlauffen / Das gantze Jar durchauß. 34. Das Brot das thun sie brechen / Wol in dem Jar einmal / Ein jeder kan wol rechen / Jst jhr ein grosse zahl / Eh sie kommen zusammen / Die Strassen die seyn voll / Von Weib vnd auch von Mannen / Woͤllen vns all verdammen: Weytter ich singen soll. 35. Thun sie ein Weltkind tauffen Bey jhn inn jhrer Gmeyn / Der Oberst in dem Hauffen Der spricht zu jhm allein: Da must du mir bekennen / Offentlich zeygen an Daß deine Eltern sennen woͤll in der Hoͤll / vnd braͤnnen / Sonst nemn wir dich nit an. 36. Nun habt jhr wol vernommen Der Bruͤder Schalckerey / Woͤllen doch seyn die Frommen / Habt jhr gehoͤrt darbey / Vnd thut sich nit befinden / Jhr Orden weysts nit auß / Sie koͤnnens alls wol schlinden / Jch laß noch vil dahinden / Schweygen gleich wie ein Mauß. 37. Thut man dann von jn singen. Es gfaͤllt jhn gleich selbst wol / Sie sprechen zu den Dingen / Drumb sey die Welt so doll / Die Frommen muͤssen leiden Spott / Angst / Truͤbsal vnd Noth / Biß sie von hinnen scheyden / So fahren sie mit Frewden Wol zu dem ewign Gott. 38. Hiemit wil ich beschliessen Das Liedlein new gedicht / Es soll niemand verdriessen / Jhr Sect die ist entwicht: Thu sich ein jeder huͤten Vor jhrer Sect vnd Gmeyn / Sie toben vnd sie wuͤten / Mit jhren falschen Sitten / Bringens die Leut hinein. ENDE. Getruckt zu Jngolstatt / durch Wolff⸗ gang Eder. Show less

Belagerung von Mülhausen; 1587
Warhafftige Zeytung / Vnnd gründliche Beschreibung / welcher maß⸗ sen die fuͤrneme Statt Mül⸗ hausen in Schweitz gelegen / in di⸗ sem 1587. Jar / den 17. Junij von den vier Orten Bern / Ba⸗ sel / Zürch vnd Saffhausen / Belegert / auch volgends den 25. diß mit erschroͤcklichem ... Show more Warhafftige Zeytung / Vnnd gründliche Beschreibung / welcher maß⸗ sen die fuͤrneme Statt Mül⸗ hausen in Schweitz gelegen / in di⸗ sem 1587. Jar / den 17. Junij von den vier Orten Bern / Ba⸗ sel / Zürch vnd Saffhausen / Belegert / auch volgends den 25. diß mit erschroͤcklichem Blutergiessen / erobert vnd eingenummen worden. Jn Gesangs weiß gestelt / Jm Thon Ach Gott wem soll ichs klagen / die noch vnd grosse gefahr. NUN mercket auff mit klagen / alhie zu diser stundt / Was sich hat zugetragen / im Schweytzerlãdt jetzund. Zwischen den vier Orten / vnd der Statt Mülhausen gut / ich sings mit wenig worten / es kostet sie jhr Blut. Nach dem die zu Mülhausen / jn Schweytzerlandt so fein / Ab Zwĩg lischer Lehr het grausen / wolt jn nit fuͤglich sein. Zu Catholischer Lehr sich kerten / vnd namens willig an / dz Die vier Ort solchs hoͤrten / was ha⸗ ben sie gethan. Nemblich Basel vñ Beren / Zurch Schaffhausen deßgleich / Liessen jhr potschafft werben / warumb von jn⸗ en weich. Mülhausen ohn sondere note / auf jhrem pundt so gar / solten jnen nit thun den spote / es wurd sie gerewen zwar. Die Mülhauser ein antwort ga⸗ ben / wol zu der selben frist / Sie he⸗ ten nichts nach jhn zfragen / das wer jhn wol bewist. Ziecht hin jhr lieben Herren / zaigts ewren oberisten an / thuns von vns trincken begeren / der Becher geschwanckt thut stan. Den ob genanten Orten / die ant⸗ wort zorn thet / Rathschlageten nit lange / sechs frischer Fendlein Lãds⸗ knecht. Brachtens in eyll zusamen / vnnd zugen mit gwerter handt / auß den ver orten dannen / fuͤr die Satt Mülhausen genant. Acht tag sie daruor lagen / in denẽ sie drey mal erfucht / Mülhausen die Satt mit fragen / sie solten sich mit zucht. Jhrs pundts gar wol geden⸗ ken / jhrs fuͤrnemen miessig stan / vnd sie von jhn nicht wencken / es wurdt sonst vbel ergan. Die Mülhauser schlugen jn abe / jhr werbung bstandhafftig / sie wol⸗ ten Leib Gut vnd Habe / wagen gar sicherlich. Wie ehrliche Burger ver⸗ harren / sie wehren vmb jhr haut / dz kundt niemandt erweren / ein jeder zur wehre schaut. Den 25. tage / im Junio glaubet mir / Haben die vier ort vor tage / an griffen mit begir. Verraͤterey war vnder gmenget / sie fielen in die statt / die Baßler port war zersprenget / dardurch geschach groß schadt. Die in der Statt habens war ge⸗ nommen / stelten sie wol zur wehr / jhr Feind auff sie zu trungen / sie hetten kein feyrens mehr. Ein Chartaunẽ war loß geschossen / die vnder dem Thore stund / dieselb hat wolgetrof⸗ fen / dreyhundert in todt verwund. Dañ sie waß mit Ketten gladen / sie muste schaden thun / den schuß ga⸗ ter mit schaden / liessen sie fallen nũ. Hat auch bey zehen Personen / das leben gnomenhin / erst war da keins verschõen / die feindt zerbrachen jn. Wiewol die auß der Statte / mit strengem schiessen ohn wohn / Mor⸗ gens vnd abents spate / gar grossen schaden gethon. Der Feindt waren zuuile / fielen ind statt mit gwalt / dz kostet jhrer leben vile / bekamen jhren solt. Alles was leben woͤllen / das must ergeben sich / Wann jhre helffers ge⸗ sellen / zu lang versaumten sich. Rit⸗ terlich han sie sich gehaltẽ / ein Metz⸗ ger sonderlich / bey dreyssig jhr zer⸗ spalten / vnd sich gweret ritterlich. Jn disem lehrmen sehre / ist auch bald kommen vmb / deß von Nauars Hauptman schwere / auch zbeder seit in sumb. Fünfftzehundert Mañ so gute / het wol nit dürffen sein / wenig schont man Christlichs Blute / wo soll dann glücks vil sein. Nach erlamgtem sig vnd fride / die vier Ort also streng / die Obristen nach kriegs sitte / sampt d Ratherrn. meng. Gefencklich angenommen / vñ behaltens in verwahr / Weib vnnd Kindn ist nichts gschehen / auch was sie nicht stelt zu wehr. Also ligens gefangẽ / mit not vnd auch mit klag / Wie es wird weiter ergane / wol auff künfftigen tag. Der zu Baden soll werden / hab lei⸗ der sorg fuͤrwar / gerochen vier der schaden / ehe noch vergeh das Jar. Deß muͤße Gott erbarmen / inn seinem hoͤchsten thron / Das bede Reich vnd Armme / so gar die liebe verlon. Das thun Nachbaurn an ander / in diser letzten zeit / es ist fuͤrwar ein schande / wo man es singt vnd seyt. Gedruckt zu Straubing / bey Andre Summer. Show less

Über einen reichen Wucher-Bauern, 1587; Über zwei Schwestern
Zwo erschroͤckliche Newe zeytung. Die erste / Von einem Eei⸗ chen Bawren / welcher ein grosser Wucherer gewesen / vnnd sein Ge⸗ treyde auff thewrung auffgeschuͤrt / den armen Mañ damit zu schindẽ Derhalben jn Gott grew⸗ lich vnd schroͤcklich darumb gestrafft / daß er jhm sein Korn hat... Show more Zwo erschroͤckliche Newe zeytung. Die erste / Von einem Eei⸗ chen Bawren / welcher ein grosser Wucherer gewesen / vnnd sein Ge⸗ treyde auff thewrung auffgeschuͤrt / den armen Mañ damit zu schindẽ Derhalben jn Gott grew⸗ lich vnd schroͤcklich darumb gestrafft / daß er jhm sein Korn hat lassen zu Muͤcken vnnd Wuͤrmen werden / daß es ist weggeflogen / vñ da jm solches angezeygt / vnd ers nit glauben woͤllen / biß daß ers selbst sehe / da ists auß verhengnuß Gottes / zu grossen Horneusseln worden / die jn jaͤm̄erlich vmb sein leben gebracht. Geschehen im Land zu Preussen / in einem Dorff Schweisaw genant / den andern tag nach Margreten / dises 1587. Jahrs / Vnd in ein Gesang verfasset. Jm Thon / O Herr mein Gott ich ruff / rc. Die ander / Wie ein Schwester der andern ein Brodt versagt / vnd sie heissen ein Kind schla⸗ chten / damit die andern zu settigen / welcher sie gefolget / vnd nach begangener that / sich selbst erhencket / Die ander Schwester aber stehend todt blieben. Jm thon / Es wohnet lieb bey liebe / rc. HOrt zu jhr Wucherer allgemein / Jch will euch singen ein Liedlein klein / Was sich zugetragen hat / Jm Land zu Preussen an dem end / Jn einem Dorff Schweisaw genendt. Dariñ ein reicher Wucherer saß / Hans Günter er genennet was / Viel Feldtguͤter er hat / Darzu viel Haͤuser hin vnd her / Mit Getreyd beschuͤttet alle schwer. Er wart nur auff die thewre zeit / Schint vnd schabet die arme Leut / Jn kein Kirch er nit kam / Veracht Gottes wort wol an dem end / Hat nicht empfangen das Sacrament. Jn eylff Jahren gieng er fuͤrwar / Darzu hat er in disem Jahr / Vil Korn geschnitten ein / All Scheuren vnnd Boͤden beschuͤttet wol / Sein Hoff auch gelegt gewaltig vol. Mit Garben hoch / lang vnd auch breyt / Tag vnnd Nacht sich darzu auch gelegt / Gleich wie ein Schaff hund thut / Bey sei⸗ nen Schaffen Tag vnd Nacht / Seins Ge⸗ treyds dieser Wucherer wacht. Hoͤrt wie es weyter thet ergan / Darnach stelt er sechs Troͤscher an / Jn seine Scheu⸗ ren groß / Die soltẽ jm da an dem end / Sein Korn vnd Treyd außtroͤschen behend. Sie legten an / vnd schlugen drein / Die Koͤrner wurden Mucken klein / Die ganz Scheuren vol flog / Brumbden vnd flogen hin vñ her / Die Troͤscher erschrackẽ allsehr. Kamen vnd sagtens zu der stund / Dem kargen Filtz / geitzen Hund / Er wolts jhn glauben nicht / Verspottet sie an dem end / Sprach / Der staub hat euch da geblend. So bald er kam zur Scheuren dar / Ver⸗ wandelt sich der Mucken Schar / Wurden Horneussen boͤß / Vnd flogen bald dẽ Boͤß⸗ wicht zu / Mit brum̄en vnd grosser vnrhu. Zerstachen jm da seinen Balg / Laut rufft vnnd schrey der arge Schalck / Vmb huͤlff vnd rettung schnel / Er waͤltzet sich da hin vnd her / Als ob er nicht bey siñen wer. Sie stachẽ alle drein mit grim̄ / Die Troͤ⸗ scher wolten helffen jm / Die flucht mustens bald gebẽ / Sie stachen jn drey gantzer stund / Kein Mensch jhm da nicht helffen kund. Sein Weib vnnd Kinder stunden do / Schrien vmb Huͤlff vnnd Rettio / Es war vergebens auch / Er must da jaͤm̄erlich ster⸗ ben / Wol von den Horneusseln verderben. Jn dem so kompt ein armer Mann / Der wolt ein Scheffel Korn han / Man weiset jhn bald ab / Er aber bat noch jmmer zu / Jn dem so lauffet mit vnrhu. Die Fraw / vñ wolt jm messen doch / Der Boden voller Würm kroch / Ward alls le⸗ bendig da / Vnd flog darvon wie ein Bien⸗ schwarm / Das hat gesehen Reich vnd Arm. Darnach nam man den Mann mit grauß / Vnd zogen jn rein in sein Hauß / da lag er wol drey Tage / Vnd stanck gleich wie ein todter Hund / Kein Mensch vmb jn nicht bleiben kundt. Darnach hat man jhn vnerlogen / Mit Fewerzangen herauß gezogen / Hinder das Dorff geschleifft / Eingrubens diesen Wu⸗ cherer faul / Gleich wie man thut eim tod⸗ ten Gaul. Hie merckt jr Wucherer allgemein / Laßt euch dises ein warnung sein / Bekehret euch bey zeit / Sauget nicht auß den armẽ Mañ / Gott wirdts nicht vngestrafft lan. Auch noch ein Exempel vernim̄ / Von eim Wucherer in der Statt Wien / Der auch jehlingen starb / Der Gott grewlichen gefluchet hat / Drumb daß das Korn abge⸗ schlagen hat. Vnd der Exempel sind noch vil / Die ich nicht all erzehlen will / Auch meldet Christus klar / Jn seinem Evangelio schon / Wie es thet gahn dem Reichen Mann. Hiemit wil mein Liedlein lon / Jch foͤrcht ich sing zu viel darvon / Jhr sind gar viel im Spiel / Auch die es selber wehren solln / Die seind am meysten solche Geselln. Solche Wucherer wol an dem end / war⸗ lich neunmal aͤrger seind / Deñ die Raben all frist / Werden die Menschen beim leben an / Das hat noch nie kein Rab nicht than. Letztlich bitt ich Frawen vnd Mann / Jr wolt mirs nicht vor vbel han / Verman euch allgemein / Wolt euch bekehren jhr lieben Leut / Warlich herdringt die letzte zeyt. Das Christus wirdt richten in gemein / Alle die todt vnd lebendig sein / Vnnd jhnen lohnen wird / Was er auff Erden guts hat gethan / Wie S. Mattheus zeyget an. Das ander Lied. HErr Gott thu mich berichten / Durch Christum deinen Son / Das ich moͤ⸗ ge recht tichten / Klaͤglicher weiß ein Liedlein schon / Hilff heyliger Geyst diesen Tag / So wil ich euch thun singen / Ein er⸗ schroͤcklicht that. 2. Als man schreib tausent fuͤnff hundert / Vnd sieben vnd achtzig Jar / Hoͤrt man ein grosses wunder / Welchs ist gewißlich war / Das man zuvor nicht hat erhort / Jn dem Pommerischen Land / Solch erschroͤckliche That vnnd Mord. 3. Die Statt wil ich euch nennen / Statt Kranchfelt ist sie genandt / Ewer vil werden sie kennen / Dariñ wohneten zu hand / Zwo leibliche Schwestern zugleich / Das thu ich euch anzeygẽ / Die eine arm / die ander reich. 4. Die arme het fünff Kinder / Darzu kein bissen Brot / Jn vier tagen gegessen / drumb bat sie jhr Schwester durch Gott / Sie solt jhr helffen mit eim Laͤbbrot / Welchs sie jhr thet versagen / Jn solcher hungers not. 5. Die Reiche thet zu jhr sprechen / Du hast viel kleine Kind / Thu eins bald abstechen / Vnd koch es gar geschwind / Vnd gibs den andern zu essen drat / So doͤrffen die andern nicht sterben / deß elenden Hungers not. 6. Die arme gieng hin vnbesunnen / Vnd folg der Reichen Wort / Thet das juͤngste Metdlein nemen / Vnd schlacht es an dem ort / hieb es zu stuͤcken allzugleich / zum Fewer thet sie es setzen / Vnd kochts erbaͤrmiglich. 7. Wie dises nun war geschehen / kam heim der Reichen jhr Mann / Thet sein Weib zu jhm jehen / Mein Schwester lieff mich aber an / Jch solt jhr ein Brot leihen schon / Welchs ich jhr thet versagẽn / Vnd wolt jhr keins geben thon. 8. Der Muͤller thet sprechen / Zu seinem Weibe dar / Du hast nicht gehandelt rechte / Das sag ich dir fuͤrwar / Du sollst das nicht haben gethan / Er thet jhr ein Laͤbbrot geben / Den thu jhr geben nun. 9. Deß Muͤllers Weib thet eylen / Wol zu jr Schwestern Hause zu / da fand sie gar al⸗ leine / Vier kinderlein mit vntuh / vnd hat⸗ ten nichts zu essen drat / Ach Gott laß dichs erbarmen / die gar erschreckliche that. 10. Die Muͤllerin thet anfangen / Vnd fragt die armen Kinderlein / wo ist die Mut⸗ ter hingangen / Das jr sitzet gar allein / Sie antworten gantz erbaͤrmiglich / Wir wissen vnnd haben sie nicht gesehen / Seyt sie von vns gegangen ist. 11. Die Kinder theten weyter sprechen / Zu der Muͤllerin ohne schew / Wir haben heut Fleisch zu essen / Da woͤllen wir vns satt es⸗ sen frey / da sprach die Muͤllerin zu hand / Wo hat die Mutter das Fleisch genom̄en / Daß bin ich vngewont. 12. Vnser Mutter iher heut schlachten / vn⸗ ser klein Elselein / Dasselbig thut sie kochen / das wirs sollen essen fein / Ach Gott sprach die Schwester bald / An dieser That bin ich schuldig / die straff ligt auff mir hundertfalt. 13. Sie lieff im Hauß vmbhere / Vnd kla⸗ get gantz elendiglich / Auch sah sie da ohnge⸗ fehre / Jhr Schwester hangen erbaͤrmig⸗ lich / An einem Balcken also hoch / Allda blieb sie auch stehen / an der staͤtt gantz stumm wie ein stock. 14. Man kundt sie daruon nicht bringen / Auch jhr nichts fragen ab / Dann sie war todt vnd ohne sinnen / Biß das der Hencker sie beyde nam ab / Da wurden sie zusammen gelegt / vnd an den Galgen begraben / Wel⸗ ches war jhr Grabes staͤtt. 15. Wir bitten dich O Herre Gott / Behuͤt hinfort vns allen / das wir in solche Suͤnd vnd that / Nicht thun erschrecklichen fallen / Hilff das wir moͤgen bringen zu / vnser leben hie mit ehren / Vnd das ewige ererben thun. Gedruckt zu Nuͤrnberg / bey Valentin Fuhrman. 1587. Show less

Kriegszug der Eidgenossen nach Mülhausen, 1587
Ein neuw Lied vnd ware geschicht / von dem zug fuͤr Mühlhausen / Jm Thon / Wie das Freuwlin auff der Burg / oder Sündfluß / oder der Graff von Serin / rc. Getruckt zu Chirstlingen / bey Christian Trauw Gott. M.D.LXXXVII. I. GErn wolt ich froͤlich singen / Wañ ichs doͤrfft vnderstahn :/: ... Show more Ein neuw Lied vnd ware geschicht / von dem zug fuͤr Mühlhausen / Jm Thon / Wie das Freuwlin auff der Burg / oder Sündfluß / oder der Graff von Serin / rc. Getruckt zu Chirstlingen / bey Christian Trauw Gott. M.D.LXXXVII. I. GErn wolt ich froͤlich singen / Wañ ichs doͤrfft vnderstahn :/: Ein neuwes Lied fürher zubringen/ Niemandt zuͦ spot noch hon / Wol von der Statt Mülhausen / Von jhrem pracht vnd Krieg / s Recht wolten sie nicht behausen / Vnd theten sich präͤchtig straussen / Seß habens kleinen gwin. II. Der Raht hat etwas zklagen / Wider etlich der Gemein :/: Niemandt kondt sie vertragen/ Ob wol die sach war klein / d'Eydgnossen all vnd bsonder / Zuͦ legen ab den gspan / Schicktens ab zu ihnen vnder / Es was ein grosses wunder Sie sahend niemand an. III. Man thet sie offt vermanen / Eyd / Pundt / ehr/ freundschafft recht / Alt / Jung / Weib vnd Manne / Waren zuͦ grob eintrecht/ Die fünff ort der Eydgnossen / Bundsbrieff gehn Mülhusen gsendt Welches sie sehr verdrossen / Das sie anfiengend verstossen / Jhr Raht vnd Regiment. 4. Da theten sich partheyen / Die Burger in der Statt :/: Vermeinten sich zuͦ freyen / Wann sie volgten dem Raht / Das thet warlich betauren / Die Eydgnossen der Stett / Darzu ander Nachbauren / Wurdens daruͤber trauren / Hetten gern sbest geredt. 5. Man mocht da nichts erhalten / kein Gricht / Recht / Ehrbarkeit :/: Sie wolten selbs verwalten / Vnd fuͤgten zuͦ hertz leid / Dann do sie mit gwalt gfangen / Ander vertriben gar / Auffs gmein Guͦtt sie trangen / Wie sie damit vmbgangen / Jst kundt vnd offenbar. VI. Groß vbermut sie triben. Mit worten manigfalt :/: Den Stetten sie zuͦ schriben / Sie wißten souil gwalt / Worinn sie sich zu bschirmen / Hat jhnen aber gfaͤ[...] [...] Jr practick vnd jhr se[...] [...] d'Eydgnossen th[...] [...] Jch mein sie hand[...] [...] V. Vil Stett Go[...] [...] Das er sie w[...] [...] Gott wolt [...] So [...] Mit [...] Vr [...] Die [...] [...] J[...] [...] Sampt jren nach Mülhausen / Zürich verzog nit lang / Darauff volgt gleich Schaffhausen / Keinem darab thet grausen / Vor froͤuden sungens gsang. IX. Desselben tags vor Nachte / [...] amends zuͦ Yltzach an :/: [...] jhr Leger gmachte / [...] bschütz so sie ghan / [...] [...]sen thetens senden / [...] mit brieff vñ bscheid [...] [...]wenden / [...]den / [...] [...]n XI. Vffer der Statt sie hatten / Ein gar langen Proceß :/: Vmb rettung sie baten / Eydspflicht staltendts in vergeß / Bey etlichen was das begeren / Ein Eydgnoschafft zerstoͤren / Sie woltens wol geweren / Solten sich nit beschweren / Man werd dem Feind wol wehren. XII. Gott ist dem wol fürkommen / Deß sey jhm ewig preiß :/: Jns Leger sind ankommen / Drey Maͤnner kluͦg vnd weiß / Wol nach des Bapstes Actulat / Auff S. Johannis Nacht / Als Mühausen voll vnd satt / Zersprengt die Lhor vnd Statt / Hatten die bald auffgmacht. XIII. Hauptmann Paul hat auß gespaͤcht / Mülhauser wacht zuuore :/: Gegen der Statt sich naͤht / Was ich euch sing ist ware. Herr Georg von Losannen / Der Ritterliche Held / All Knecht hat ohn ein Fanen / Außgschossen dapffer Mannen / Vor Mitternacht im Veld. XIIII. Beyde Herren von Ehrlach / Waren nit weit dahinden :/: Herr Erni vnd der von Dießbach / Sich anfangs liessen finden / Auch andere deßgleichen / Deren namen ich nit weiß / einer zu ruck wolt weichen / Theten durchs Wasser streichen / Jhn was gar kurtz die Reiß. XV. Herr Hauptmann von S. Joͤrge / Ein grossen Mannheit pflegt :/: Sein wacker gmuͤt vnd stercke / Erzeigt der kuͤne Daͤgen / Thet Ritterlichen fechten / Standhafft biß in den Todt / Mir Teutsch vnd Welschenknechtẽ Zu erhaltung deß Rechten / Sie woͤll begnaden Gott. XVI. Ein Kriegsman auff dem Thurne / Den Schutzgattern abwarff :/: Das macht das diser Sturme / So herb ward vnd so scharpff / Der ein theil auff der Müle / Muͦßten vor vssen bleiben / Das Gschütz ward auff sie trucken / Noch wolten sie nit rucken / Wieuil man thet entleiben. XVII. Von Basel Hauptmann Yrme / Rennt schnell dem Leger zu / Mit Trommen ließ er stürmen / Erweckt sie auß der Ruͦh / Schnell vnd gschwind man sich rust / Jn dordnung nach der Statt / Das groß Gschütz sie erfrischet / Fuͤnfftzig auß Mülhausen flitschet / Zu hoch mans grucket hat. XVIII. Den Gattern sie zerbrachen / Mit Aven machten auff :/: Die feind sie schlugen vnd stachen / Vnd schlugen sie zu hauff / Von Bern sah man das zeichen / Zum ersten auff dem platz / Kein widergruß thet verbleichen / Den Feind thet man so weichen / Jn vergieng bald jr tratz. XIX. Zürich mit sampt Schaffhausen / Jn disem fahl der Noth :/: Eilten stracks nach Mülhausen / Bezeugens mit dem Tod / Die dapffern frommen Leüt / Die gstorben vnd verwundet / Basel in disem streit / Mit Schlacht schwert vnd Musketẽ Sind nachtruckt bey dem Riet. XX. Also sind da erschlagen / Drey hundert an der stett :/: So man daselbs vergraben / Fünff hundert gfangen het / Von Burgern vnd von Knechten / Deren sind vngefahr / Vierhundert zimlich schlaͤchte / Vnder zwey Fenlin zfechten / Jn d Statt gnommen zuuor. XXI. So bald man anfieng stürmen / Vnd sGschütz loß gangen war :/: Ab den Pasteien vnd Thürnen / Sprang bald die Burger schar / Die disen Krieg auffbliesen / Jn d Wasser graͤben tieff / Jr Statt / Weib vnd Kind verschliß / Ertrunckend etlich gwiß / Der ander theil entlieff. XXII. Auch sind auff beiden seyten / Dritthalb hundert verwundt :/: Durch schiessen vnd mit streiten / Etlich schon vnderm grund / Gott woͤll sich jhr annemmen / Vnd vns behuͤten fort / Das wir vns nimmer trennen / Die Grechtigkeit erkennen / Jhn vnd sein ewigs Wort. XXXIII. Da gsichst jetz du Mülhausen / Was dir die Menschlich hand :/: Darzuͦ dein veste Clausen / Erzeigt hat fuͤr beystand / Es hilfft da kein Rettung Kein gewalt noch Sackpfeiff / Weich zruck sgottloß Paner zwing / Prelaten anschleg sind zuͦ ring / Gotts hilff die ist zu steiff. XXIIII. Mülhausen fuͤhr zuͦ hertzen / Die Gottes wunderwerck :/: Mit jhm laßt er nit schertzen / Sein willen fleissig merck / Darnach thuͦ auch erkennen / Mit danckbarem gemuͤt / Die Fein Freyheit nit trennen / Jr Eydgnossen dich nennen / Begnaden dich mit guͦt. XXV. Wer kan solches bezahlen / Mit gelt die frommen Leut :/: So dir heut zuͦ gefallen / Vmbkommen in dem streit / Dein Statt vnd alle freyheit / Moͤcht dir wol werden gschenckt / Keim theil zuͦ tratz noch zleide / Darumb betracht ein Eyde / Das dirs nit werd eintrenckt. XXVI. Mülhausen thuͦ dich halten / Allzeyt in Gottes forcht :/: Wie gthan hand deine Alten / Die seinen worten ghorcht / Laß dich die Sünd bereuwen / Jag von dir neid vnd haß / Erzeig dein hertz in treuwen / Den die dich moͤchten befreyen / So moͤcht dir werden baß. XXVII. Lob preiß sing ich zuͦ Ehren / Gott in dem Himmelreich :/: Den strengen weisen Herren / Den vier stetten zugleich / Zürich / Bern / vnd sLand Glaris / Die jhr gut hertz erzeigt / Basel Schaffhausen nit vergiß / Hand jhr best than ist gwiß / Jr Feind wirt wol geschweigt. Ende. Ein ermanung an gute Freund. WEnn zwüschen freunden vnfrid wirt Vnd vnder jn entspringt ein jrrt / So luͦg fuͤr sich der scheyden woͤll / Vnd sey kein freund / sonder gsell / Red dann das best / treff smittel guͦt / Vnd halt sich selbs in guͦter huͤt / Das er also den friden mach / Damit sich kein teil bschwer der sach / So man aber ye helffen wil / So lug man fleyssig in das Spil / Vnd besech anfang / mittel vnd end / Die drey ding wol zuͦ erwegen sind / Damit daß best an dhand werd gnon / Vnd sboͤß nit bald thuͦ naher kon / Dann sich offt wend die kugel vm̄ / Vnd meint man nit daß darzuͦ kum̄ / Vnd werdend die / die feynd waren / Widerumb guͦt freund fürwaren / Dem helffen denn zuͦ beider seydt / Keiner dhand zwischn thür vñ angel leydt. Ein bitt zu Gott dem Herren. ACh gstadt nit das dein volck so frey / yetz mit jm selbs vneinig sey / Das sich hat aller Welt erwehrt / Werd mit seiner eignen hand vmbkert / Vnd dEydgnoschafft durch die zergang / Die gwesen sind der erst anfang / Vnd woͤll sich selber gar außmachen / Deß vnsre feind gnuͦg wurden lachen / Wann sy ohn allen jren verlurst / Sehind mit jres hertzen lust / Von eignem schwerdt vns nider ligen / Die vns vor mochten nie obsigen / Dann yedes Reich jm selbs zuͦwider / Nit lang mag bston / falt bald darnider / O treuwer Gott daruor woͤlst sein / Begnad vns durch die guͤte dein / Jn deinem aller liebsten kind / Mach bald zuͦ freunden vnsre feind / Daß sy vnd wir in wolstand bleybind / Die zeyt auff Erd im frid vertribind / Vnd mit deiner treuwen starcken hand / Beschützt vnd bschirmpt werd vnser land / Bruchtnd den saͤgen deiner guͤter / Halttnd in deinr forcht vnsre gmuͤter / Vnd moͤgtnd also hie auff Erden / Dir gfallen vnd doͤrt saͤlig werden. Show less

Eroberung von Mülhausen, 1587
Ein newes Er⸗ baͤrmliches Liedt / Wie die Stadt Muͤlhausen im Schweitzerland gele⸗ gen / in dem 87. Jahr den 17. Junij / von den vier orten / Beren / Basel / Zuͤrich vnd Schaffhausen belegert / vnd folgends den 25. dieses Monats / mit schrecklichem Blut⸗ vergiessen / Erobert vnd eingenom⸗ ... Show more Ein newes Er⸗ baͤrmliches Liedt / Wie die Stadt Muͤlhausen im Schweitzerland gele⸗ gen / in dem 87. Jahr den 17. Junij / von den vier orten / Beren / Basel / Zuͤrich vnd Schaffhausen belegert / vnd folgends den 25. dieses Monats / mit schrecklichem Blut⸗ vergiessen / Erobert vnd eingenom⸗ men worden / rc. Jm Thon / Wie man den Lindenschmidt / oder den Stoͤrtzenbecher singt. Gedruckt zu Basel / bey Sa⸗ muel Apiano 1587. 1. HOrt zu jhr Christen vnd seyt still / Vnd merckt was ich euch singen wil / Was sich hat zugetragen / Jm Sieben vnd Achtzigsten Jahr / Da hoͤrt man grosses klagen. 2. ¶ Wie Muͤlhausen die fuͤrnem Stadt / Grossen schaden erlitten hat. An Brand / vnd Blutuergiessen / Die meiste Buͤrgerschafft erwuͤrgt / Durch schlagen vnd durch Schiessen. 3. ¶ Die vrsach dieses mit sich bracht / Weil sie den Schweitzer Bund veracht Abzuweichen gestellet / Die Zwinglisch Sect jhr nit gefiel / Cathollich sein erwehlet. 4. ¶ Als diß fuͤrnemen waren hoͤren / Schaffhausen / Zuͤrich / Basel vnd Beren. Bottschafft theten sie senden / Gen Muͤlhausen vermanten die / Sie solten sich nicht abwenden. 5. ¶ Gedencken an den Eyd vnd pflich / Jhrer Ehren vergessen nicht / Wie bißher war geschehen / Dem gantzen Bund wer es ein Ehr / Wo ein ghorsam wuͤrd gesehen. 6. ¶ Die von Muͤlhausen wagtens ring / Schlugens in Wind all diese ding. Kurtze antwort sie gaben / Sie hetten mit jhnen nichts zu thun / Des moͤchten sie wol abtragen. 7. ¶ Doch aber wo sie durstig wern / Vnd nach eim Trunck stund jhr begern. So moͤchten sie froͤlich kommen / Der Becher der sey schon geschwenckt / Noch mehr spott war vernommen. 8. ¶ Da nu die spoͤtliche antwort / Die ermelte vier Ort gehoͤrt. Theten sie sich nicht sparen Sechß Fehnlein Kriegsknecht namens (an / Jedes sechs hundert waren. 9. ¶ Schicktens gen Muͤlhausen ohn zag / Jn eyl den Siebenzehenden tag. Jm Junij vergangen / Jm gedacht sieben achtzigsten Jahr / Die Belegerung thetens anfangen. 10. ¶ Ach tag lag daruor die anzahl / Suchten die Buͤrger zum dritten mahl / Jn trewen vnd in guͤten / Ob sie der meinung weren noch / Vor schaden solten sie sich huͤten. 11. ¶ Die Buͤrgerschafft die antwort bracht / Abzusteh werens nicht bedacht / Erboten sich darneben / Aus standthafft Ritterlichem muth / Zu wehren vmb Leib vnd Leben. 12. ¶ Derhalb den fuͤnff vnd zwantzigsten tag Das Kriegßvolck so vor Muͤlhausen lag / Wolt lenger nicht verziehen / Thet ein angrieff die folgend Nacht / Vnd waren sie viel bemuͤhen. 13. ¶ Durch heimliche verrhaͤterey / Zersprengtens die Baßler pforten frey / Die Stadt eroͤffnet hetten / Die Buͤrger stalten sich zur Wehr. Dapffer widerstandt theten. 14. Ein Karthaunen stund vnter dem Thor / Mit einer Kettin geladen zuuor / Die thet einer abschiessen / Biß in drey hundert Mann nams weg / Das wolt die Schweitzer schier verdriessen. 15. Den Schußgatter felt die Buͤrgerschafft / Welcher auch 10. Mann erschlagen hat / Vnd was in die Stadt war kommen / Wir durch den Buͤrgerlichen grimm / Durch die Schlachtschwert hingenomen. 16. ¶ Von Mauren des Koͤnigs Hauptmann / Jhrem wuͤten auch nicht entran / Mit entzwey war er gehawen / Mit einem Schlachtschwert wie ander (mehr / Kein kurtzweil war zu schawen. 17. ¶ Ein Metzger Ritterlich befand / Erwuͤrgt dreissig Mann mit seiner Hand / Ander sich auch nicht saumbten / Kein schiessen vnd schlagen sparten sie / Die Feind mit gwalt auffraumbten. 18. ¶ Ach was für klag geschrey war erhoͤrt / Von Weib vnd Kind am selben ort / Da sie sahen verderben / Den Vater vnd die Mutter jhr / Kundten kein gnad erwerben. 19. ¶ Manchem geliebten Vater hertz / Bracht es auch kuͤmmerlichen schmertz / Das geschrey von Kind vnd Weibern / Das sein schutz wolt erspriessen nicht / Must sie lassen entleiben. 20. ¶ Vmb die Weiber desselben gleich / Welche sonst von Natur sein weich / Wer es kein wunder gewesen / Jhr Hertz stuͤckweiß zersprungen wer / Weil sie nicht kundten genesen. 21. ¶ Die Jungseugende Kindlein klein / So noch an der Mutter Brust gwest sein / Die noth nicht thet enperen / Durchs geschrey gabens jhr huͤlff zuuer⸗ (stehn / Die allen truͤbsal theten mehren. 22. ¶ Wenn ein Hertz wer als ein Stein / Solt es weich werden als ich mein / Da es also mit hauffen / Het gesehen Mutter vnd das Kind / Mit auffgereckten Henden lauffen. 23. ¶ Vmb gnad baten sie Hertziglich / Die war jhn mitgetheilt endtlich / Jedoch mit grossem schaden / Dieweil schier die gantz Buͤrgerschafft / Jn jhrem Blut must baden. 24. ¶ Dann je zu starck gewesen war / Jhr Feind die Schweitzerische schar / Ob gleich wol viel vmbkamen / So haben sie gedrungen ein / Die Stadt mit gwalt eingenomen. 25. ¶ Die Buͤrger so noch vberblieben / Waren biß zu der Kirchen trieben / Allda sie sich ergeben / Gnad vnd fried haben sie begert / Zu fristen Leib vnd Leben. 26. ¶ Bald das die Schweitzer hetten erhoͤrt / Haben sie sich der bitt gewert / Alles bey leben gelassen / Was sich nicht zur Wehr hat gestelt / Des frieds sich war an massen. 27. ¶ Weren die Buͤrger noch 100. starck gewe⸗ (sen / Wo die Schweitzer nit weren genesen. Der Buͤrger vier hundert waren / Wer der beystandt nicht blieben aus / Man het anders erfaren. 28. ¶ Hoͤrt Was man fuͤrgenommen hat / Mit dem Obersten der Stadt vnd Rath / Gefenglich hat mans behalten / Nemlich biß auff bestimbten tag / Da man der sach solt walten. 29. ¶ O guͤttiger Gott in Ewigkeit / Gib vns den fried zu aller zeit. Behuͤt vor Blutuergiessen / Laß vns in guͤt vnd stiller ruh / Das Leben hie beschliessen. 30. ¶ Jn deinem zoren straff vns nicht / Ware Buß verley vns ich bitt / Die Ruth thue von vns keren / Nach dem elend nim vns zu dir / Das wir dich Ewig ehren. ENDE. Show less

Wassernot in Werben; Ich passiere ein Mal alleine"
Ein Warhafftige Newe Zeitung von der erschroͤcklichen Was⸗ sers noth / so inn der Alten Marck Brandenburg geschehen / nemlich an der Stadt Waͤrben / an der Elben gelegen / was es fuͤr vnerhoͤrten Schaden gethan hat / an Heusern / Menschen / Viech / vnd Getraid / wie her⸗ nach folget / rc. ... Show more Ein Warhafftige Newe Zeitung von der erschroͤcklichen Was⸗ sers noth / so inn der Alten Marck Brandenburg geschehen / nemlich an der Stadt Waͤrben / an der Elben gelegen / was es fuͤr vnerhoͤrten Schaden gethan hat / an Heusern / Menschen / Viech / vnd Getraid / wie her⸗ nach folget / rc. Jm Thon / Wie man den Koͤnig Laßla singt. Ein anders Lied. Jch passiert ein mal alleine / wol inn des Mayens zeiten / rc. Jn seiner eygen Melodey. Erstlich / gedruckt zu Berlin / der Nicolaum Foltzen / 1587. ACh Gott was soll ich singen heut / von jammer noch vnd grossem leid / das sich hat zugetragen / inn der Marg⸗ graffschafft Brandenburg gewiß / ge⸗ schach groͤß jammer vnd klage. Jn einem Stedtlein Waͤrben genant / ligt an der Elbstrom wol bekant / im April monat vergangen / wol auff den 24. tag / erhub sich ein Wetter strenge. Ein Wasserfluß vber die maß / das hat gewert ohn vnterlaß / wol sieben gantzer tage / ohn auffhoͤrung tag vnd nacht / da⸗ rauß folgt grosse klage. Alle Gewechs auff dem Land frey / von Korn / Gersten / Habern / vnd Hew / dassel⸗ big ist alles verflossen / das die Leut leyder gar nichts / haben dauon genossen. Viel Wasser sind kommen zu hauff / die Elb mit jrem strengen lauff / ist in die stadt kommen / die Mauren hat es gerissen ein / vnd alles weg genommen. Neun vnd zweintzig Heuser gerad / die sind verschwemmet inn der Stadt / mit jammer vnd grosser klage / das Elend das da geschehen ist / das ist nicht auß zu sa⸗ gen. Da hoͤrt man jammer vnd geschrey / die Nachbawrn stunden einander bey / brachen durch die Decher gleiche / von ei⸗ nem Hauß inns ander geschwind / wo sie nur kunden weichen. Das Wasser nam vberhand mit gewalt / zwey Gerbers heuser hat es bald / zerrissen gar geschwinde / sechtzehen Person sind er⸗ truncken drinn / von Maͤnner / Weib vnd Kinder. Ein Fischers Hauß vnd Mülen frey / mit sampt drey Heuser auch darbey / Vieh vnd Leut inn der sum̄en / die sein ertruncken alle sampt / keiner kund jhn zu huͤlffe kom⸗ men. Jn eines Balbierers vnnd Schusters hauß / seind nur Zwey lebendin kom̄en auß / zwoͤlff Menschen seind da ertruncken / Ein Metzger und ein Schmid geschwind / mit jhrem Gesind versuncken. Jn dieser grossen Wassers not / ein Sechßwoͤchnerin in der Stadt / sach man fliessen an dem ende / jhr Kindlein het sie an jhrem arm / jr Mann der sprang ge⸗ schwinde / Zu jhr wol inn das Wasser hinein / da sach man not vnd grosse pein / Er wolt jr helffen freye / Ach Gott es kund gar nicht gesein / sind ertruncken alle drey. Nu mercket weitters die grosse straff / die Todten hat es aus dem grab / außge⸗ schwem̄et zu der stunden / das man sie vber etlich meyl / auff dem Wasser hat gefun⸗ den. Nevn vnd zweintzig Heuser dar / die sind verschwem̄et gantz vnd gar / Hundert vnd zweintzig Menschen schone / sind da ertrun⸗ cken an der zal / jung vnd alte Personen. Vnd was noch auff dem Land vmbher / der sind leyder noch viel mehr / wol zu den⸗ selben zeyten / hat es vnerhoͤrten schaden gethan / an Landen / Vieh vnd Leuten. Noch muß ich melden in der eyl / den an⸗ dern tag wol auff zwo Meyl / hat man ein Kindlein gefundẽ / auff dem Wasser schwi⸗ men allein / in einer Wiegen gebunden. War bey dem leben ohn allen schad / da kund man sehen Gottes gnad / ja was er wil erhalten / denselben soll widerfaren nichts / Er sey gleich Jung oder Alte. Deß last vns Gott zu aller stund / bitten auß rechtem Hertzen grund / sprechen mit dem Dauid erkoren / Straff vns Herr nicht nach vnser Schuld / in deinem grimmigen Zoren. Durch vnser grosse missethat / erhalt vns Herr durch deine gnad / zu ehren deinen. Namen / Erhalt vns alle hie vnd dort / durch Jesum Christum / Amen. Das ander Lied. JCh passiert ein mal alleine / wol inn des Mayens zeiten / bey einem Hoͤltz⸗ lein kleine / da het ich meine Frewde / ich setzte mich fuͤrwar / inns gruͤne Graß alda / bey einem Brunnen der was klar. Da saß ich vngefehr / vnd thet mich erkuͤlen / ich schawet weit vmbher / Der Baͤumlein der warn viele / die Voͤgelein inn dem Thal / die sungen dazumal / des frewet sich Fraw Nachtigal. Da ich nun in dem Walde hoͤret die Voͤgelein mancherley / da dacht ich man⸗ nigfalte / an jhr singen vnd schreyen / die armen Voͤgelein kranck / sie lobten GOtt mit Gesang / sagten jhm Lob / vnd darzu danck. Das ER auff dieser Erden / so mil⸗ tiglich ernehret / vnd alle Creaturen meh⸗ ret / jhr Notturfft bescheret / Laub / Korn vnd Graß / vnnd alles das jhe was / Das gibt Er vns reichlich fuͤrbaß. Noch sind der Menschen Kinder / so grausam vnd wilde / die mit verstand ge⸗ chaffen sind / gezieret nach Gottes bilde / das sie jhren Gott erkennen nicht inn der not / treiben darmit nur jhen spot. Wie man nun leyder sicht / alle tag vnnd alle stunde / wie einer den andern schmecht: Mit Tauff / Marter vnd Wun⸗ den / mit Leyden vnd Sacrament / man Gottes Glieder schendt / das treibt man jetzt an allem end. Mit vnzuͤchtigen worten viele / thut sich ein jeder befleissen / Wer das nicht haben wile / ist nicht nach jhrer weise. Wer ein jeden verspotten kan / den helt man fuͤr ein Mann / muß allzeit sitzen oben an. Die Maͤnner / merck mich nun / das nit allein thun treiben / es kommen auch darzu / viel Jungfrawen vnnd Weiber / man treibets je lenger je mehr / Zucht / scham vnd darzu Ehr / dasselbig acht man nun nicht mehr. Ein Sprichwort ist gemacht / gleich wie die Alten sungen / dasselbige wol be⸗ tracht / das lernen auch die Jungen / das jetzt viel Kindlein gemein / zu Beten sind zu klein / aber fluchen vnd schweren / das koͤnnen sie gar fein. Was folget denn darnach / wann sie zu jhrem alter kommen / Suͤnd / schand / vnnd dazu schmach / gar wenig werden fromme / wie offt ist das geschehen / das die Mutter am Kind muß sehen / das jhr die Augen vbergehen. Darumb jhr lieben Leut / thut ewre Kinder zwingen / wol zu der rechten zeit / So wird euch wol gelingen / Es ist besser das Kindlein schreyt / als du hernach mit leid / mit jm in grossen schanden stehst. Vnd auch jhr Kindlein schlechte / last euch fleissig lehren / fuͤrt ewer Leben rech⸗ te / thut Vater vnd Mutter ehren / So wird euch der liebe Gott / helffen aus aller noth / wie Er vns lehrt in seim Gebot. So wird es dir gehn rechte / allhie auff dieser Erden / vnnd alle deim Ge⸗ chlechte / das soll Gebenedeyet werden. Liebe GOTT allezeit / deinem Nech⸗ sten hilff auß leid / so gibt euch Gott die Seligkeit / AMEN. Show less

Wundergeschichte eines "blutschwitzenden Knäbleins", Augsburg, 1588
Ein New Lied / vonn dem Wunderwerck Gottes / so an einem jungen Knaͤb⸗ lin gesehen wirdt / diß 1588. Jar / welches et⸗ liche Wochen her / vnnatuͤrlicher weiß / Blut⸗ schwitzet / Vnter dem Angesicht / Knien / vnd in Haͤnden / vnd heißt mit Namen Johan⸗ nes / Vnd sein Mutter Anna / sein... Show more Ein New Lied / vonn dem Wunderwerck Gottes / so an einem jungen Knaͤb⸗ lin gesehen wirdt / diß 1588. Jar / welches et⸗ liche Wochen her / vnnatuͤrlicher weiß / Blut⸗ schwitzet / Vnter dem Angesicht / Knien / vnd in Haͤnden / vnd heißt mit Namen Johan⸗ nes / Vnd sein Mutter Anna / sein Vatter Bartholme Kreutzer / seins Hand⸗ wercks ein Kirßner / in Aug⸗ spurg beyde wohn⸗ hafft. Jm Thon. Kompt her zu mir spricht Gottes Sohn / rc. M.D. LXXXVIII. HOrt zu jhr lieben Christen inn gemein / jhr jungen alten groß vnnd klein / war von ich euch will singen / von einer warhafftigen gschicht / ein lauter warheit vnd kein gedicht / von wunderbarli⸗ chen dingen. Jn diesem acht vnnd achtzigsten Jar / inn dem Nouember sag ich fuͤr war / thet sich allda begeben / an ei⸗ nem jungẽ Knaben schon / welches hat gesehen Fraw vnd Mann / ist war vnd nicht ein Fabel. Zu Augspurg in der beruͤmpten Statt / ein Burger da sein woh⸗ nung hat / mit namen thut er sich nennen / Bartholmee Kreutzer von Eltern her / vnnd ist seins Hand⸗ wercks ein Kirschner / den menig⸗ lich thut wol kennen. Sein Haußfraw Anna heist zu hand / die dann auch meniglich⸗ en ist bekandt / diese zwey Eheleut bey sammen / ein Sohn erzeugt in der Ehe /der Gottesfoͤrchtig ist vnd mehr / in frombkeit aufferzogen. Der Sohn ist bey die acht Jar alt / auch schoͤn zart vnnd wol ge⸗ stalt / von Angesicht vnd von Lei⸗ be / auch so ist der Name sein / jhme geschoͤpfft worden fein / Johan⸗ nes gheissen von Mann vnnd Weibe. Noch weiters woͤlt mich hoͤren an / wie es vmb diesen Knaben thut stan / vnd nembt es auff zu Herzten / vnd haltens nicht fuͤr Fabel werck / vnd treiben darauß keinen schertz / dann Gott lest nicht mit jhm scher⸗ tzen. Vnd wenn jhrs werd verachten thun / vnnd druͤber treiben gespoͤtt vnd hohn / der thut man auch viel finden / den kein Beyspiel zu hertzen geht / Gott geb was wunders nur geschehe / sie schlagens als in winde. Also woͤlt mich mercken recht / wie dieser Knab Blut schwitzt segt / auff dem Kopff hat angefangen / nach dem hat er auch gefangen an / vnterm Angesicht vnnd Haͤnden schon / an Knien auch derglei⸗ chen. Das kompt jhn an deß Tages drey mal / zu fruͤe vñ 6. vñ 7. Vhr / das Blut dringt auß mit Gewal⸗ te / vnter dem Angesicht vnd Knien sein / vnnd auch darzu in Haͤnden rein / drab sich ein Christ verwun⸗ dern solte. Je lenger je mehr kumpts jhn an / von tag zu tag das mercket schon / so jhn viel Leut thun beschawen / so felt er in Omacht dahin / thut allda zur Erden sincken / das man den Jungen laben muß. So bald das Blutschwitzen fuͤr vber ist / So ist er dem nach wider frisch / vnnd laufft dahin mit gewal⸗ te / als wann jhm nichts gewesen wer / das sag ich euch ohn als ge⸗ fehr / man verwundert sich deß mit schalle. Als wie der HERR Christus auch thet schon / an sein bitter leiden muste gahn / wol an den Oelberg trate / vnnd ruͤfft sein Himmlischen Vatter an / das er den Kelch von jhm naͤm / Doch dein will geschehe zu aller zeite. Er Schwitzet auch blutigen Schweiß / am Oelberg war jm also heiß / biß ers hett vberwunden / von vnsert wegen hat ers than / vns zu erloͤsen Fraw vnd Mann / vnd vns erloͤßt vons Teuffels banden. Zu eingedencke ist vns diß Mi⸗ rackel fuͤr gestellt / wie sichs mit die⸗ sem Knaben helt / mit dem Blut⸗ schwitzen zu stunden / wir sollẽ Gott stets fuͤr Augen han / auch diesen Knaben schawen an / darnach gar wenig fragt die Welt. Groß ist der Eltern wehe vnnd klag / die sie fuͤhren taͤglich alle tag / Ja wol an jhrem Kinde / groß Gelt sie drauff gewendet han / noch moͤ⸗ gen sie finden keinen Mann / der jm vom schwitzen helffen kuͤnde. Man hat geschickt hin vnd her / nach Doctorn vnnd andere mehr / wer sich wolt vnterwinden / Ein jeder sprach es ist allein / der Welt zum Exempel sein / von wegen gros⸗ ser Suͤnden. Vnd welche Gott laͤstern / schen⸗ den sehr / sie kommen zu dem Kinde her / vnnd schawen dem Spiegel zu stunden / wie dann Gott der All⸗ mechtig hat / ein scharffe Geysel zu der fahrt / wol ernstlich vber vns ge⸗ bunden. Zur straff der boͤsen Welte all / die da fluchen wuͤnschen allzumal / das dich marter / wunden / Leiden walte / solches geht gar sehr im schwanck / das grausam fluchen schelden zur stundt / bey jungen vnd auch bey alten. Aber den gehts nach deß flei⸗ sches Mut / in Pracht / auffgeblas⸗ sen hochmut / vnnd sitzen in grossem gute / darum̄ schickt Gott truͤbsal her / darmit das Fleisch gezuͤchtigt werd / zu ewiger freud werd erhal⸗ ten. Bey aller Welt ists nie erhort / solch Blutschwitzen an eim ort / wie Gott an diesem Kind sendet / solchs Mirackel niemandt versteht / der diesem Kind die Rettung thet / biß jms Gott wider wendet. Darmit will ichs beschliessen thun / durch Jesum Christum sei⸗ nen Son / der woͤlle vns sein gnade geben / auff das wir zur buß kom̄en all / vnd die Ewige frewd moͤchten han / Wer das begert ewig leben / Amen. ENDE. Getruckt zu Augspurg / bey Josias Wehrlin. M. D. LXXXVIII. Show less

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